Vielen Dank für deine Review, StazBlood :) Ja, Riley wird noch eine kleine "wichtige" Rolle bekommen, aber ich will jetzt noch nicht so viel verraten. ;)

24. Sprachlos

Was war das denn eben?, fragte sich Hermine, als sie die Tür zum Klassenzimmer hinter sich schloss.

Fassungslos stand sie so noch eine Weile vor der geschlossenen Tür. Der Flur war nur schwach beleuchtet und Hermine beschloss die Kerker lieber so schnell wie möglich hinter sich zu lassen, bevor sich noch Malfoy entschied einen kleinen Abendspaziergang zu unternehmen.

Als sie die Kerker hinter sich gelassen hatte und wieder Aufatmen konnte fiel ihr plötzlich ein, dass Professor Snape sie gar nicht entlassen hatte. Aber wäre er ihr nicht hinterher gelaufen, wenn sie einfach so gegangen war? Hermine blieb einen Augenblick nachdenklich stehen. Sollte sie zurückgehen und sich entschuldigen?

Langsam drehte sie sich um, entschloss sich dann aber doch anders. Der Traum hatte Hermine verwirrt. Und woher wusste Professor Snape etwas von Amelia und Cole? Hatte er das aus ihren Gedanken erfahren, während einer ihrer Okklumentikstunden? Hermine konnte es nicht zulassen, dass er etwas von dem Traum erfuhr, den sie heute Nacht geträumt hatte. Das wäre mehr als peinlich. Sie würde wahrscheinlich nie wieder auch nur in die Nähe von Professor Snape gehen können, ohne daran zu denken.

Sie rannte fast in Richtung Gryffindorturm, wo sie auf ihre Freundin Ginny traf, die schon auf sie gewartet hatte.

„Du bist aber schon früh zurück", begrüßte sie die Rothaarige.

„Professor Snape hat mir eine andere Aufgabe gegeben", sagte Hermine und ließ sich erschöpft auf einem Sessel am Kamin sinken.

„Welche?", fragte Ginny interessiert und setzte sich ihr gegenüber.

„Ich soll in der Bücherei nach Amelia und Cole recherchieren", sagte sie.

„W-W…", machte Ginny nach einer Weile. „Habe ich das gerade… richtig verstanden?"

„Ich schätze schon", seufzte Hermine.

„Aber…"

„Ja, genau das habe ich auch gedacht."

„Aber…", setze Ginny noch einmal an.

„Ich weiß es auch nicht. Wahrscheinlich hat er einfach meine Gedanken gelesen, als ich es nicht bemerkt habe, aber ansonsten…"

„Das ist verboten!", sagte Ginny entrüstet.

„Ja… wahrscheinlich während er mir Okklumentik beigebracht hat…."

„Warte mal", stoppte sie die Rothaarige. „Du hast Okklumentik? Seit wann? Ich dachte, du hättest immer Nachsitzen."

„Äh… Hatte ich dir das noch nicht erzählt?"

Ginny schüttelte energisch den Kopf.

„Oh… nun ja… also, ich habe wie Harry bei Professor Snape Okklumentik… Schon seit einer Woche…"

„Und du hast mir nichts davon gesagt?"

„Entschuldigung Ginny. Das hatte ich nicht so gemeint. Ich war nach den Stunden immer so kaputt und du hattest auch nie nachgefragt, also…"

„Ist schon okay", sagte Ginny und umarmte ihre Freundin.

„Ich weiß jetzt bloß nicht, was ich tun soll."

„Einfach das, was er dir gesagt hat", erwiderte die Jüngere. „Aber, du hast mir noch gar nicht erzählt warum du eigentlich nach ihnen suchst. Und jetzt sag nicht, dass du schon eine Vorahnung hattest."

„Nein, das hatte ich nicht, weißt du… Die Sache ist die… ähm…"

Plötzlich platze Lavender Brown in den Gemeinschaftsraum und unterbrach Hermine.

„Schlafenszeit!", schrie sie einmal durch den Raum. „Ihr wollt doch morgen alle schön fit sein für die Halbjahrestests!"

Murrend erhoben sich die anderen paar Schüler von ihren Plätzen und schlurften wie Ginny und Hermine zu ihren Schlafsälen.


Severus starrte perplex auf die geschlossene Tür. Was war da gerade passiert? Hatte gerade wirklich eine Schülerin seinen Unterricht beendet? Nun ja, genau genommen, war es ja gar kein Unterricht gewesen, aber das zählte jetzt nicht. Sollte er sie zurückholen?

Nein, dachte er. Hauspunkte kann ich ihr immer noch abziehen. Das muss nicht jetzt gleich sein. Und außerdem sah sie nicht gerade gut aus. Vielleicht hätte es ihr noch den Rest gegeben, wenn ich sie zurückgeholt hätte…

„Was denke ich da eigentlich?!", fragte sich Severus laut und stand auf.

Seit wann interessiert es mich denn ob meine Schülerin es verkraftet, wenn ich bestimme, dass der Unterricht noch nicht zu ende ist?, fragte er sich und stand auf.

Das war jetzt aber genug! Mit einer ersten Mine stand Severus auf und lief zur Tür. Doch als er die Tür öffnete blickte er in einen leeren Flur.

So ein Mist!, dachte Severus. Dich hat heute zum ersten Mal eine Schülerin stehen gelassen. Eine Schülerin!


‚Mine… Hermine…', flüsterte eine weit entfernte Stimme.

‚Hermine… Hermine wach auf…', murmelte sie jetzt noch näher an Hermines Ohr und sie schlug die Augen auf.

Erschrocken wich sie zurück, als sie in zwei strahlend blaue Augen sah.

‚Malfoy!', rief sie.

‚Granger!', ahmte Malfoy sie nach. ‚Hast du dich etwa erschreckt oder freust du dich einfach nur mich wieder zu sehen?'

‚Was machst du in meinen Träumen?'

‚Das könnte ich dich auch fragen. Was machst du immer in meinen Träumen? Ich sehe dich in der Schule schon oft genug, ich muss dich nicht auch noch im Traum um mich haben!'

‚Lass mich in Ruhe Malfoy!', sagte Hermine wütend. ‚Ich weiß, dass du irgendetwas mit mir vorhast, aber ich spiele da nicht mit! Ich will nichts mit dir zu tun haben und jetzt verschwinde aus meinem Traum!'

‚Dazu müsstest du aber zuerst aus meinem Traum verschwinden!'

Hermine blickte ihn wütend an. Malfoy konnte so dumm sein.

‚Dann wach doch einfach auf und versuche noch einmal einzuschlafen!'

‚Das habe ich schon probiert, aber es funktioniert nicht. Immer wenn ich meine Augen schließe sehe ich dich!', sagte Malfoy verächtlich.

‚Dann werde ich jetzt eben gehen!', sagte Hermine und stolzierte einfach in irgendeine Richtung davon. Das blöde war nur, dass es keine richtigen Richtungen gab. Es war als wäre sie in einem riesigen weißen Raum. Einem Raum mit unendlichen Ausmaßen.

Als Hermine Malfoy schon nach einer gefühlten Ewigkeit zurückgelassen hatte hörte sie plötzlich neben sich eine bekannte tiefe Stimme.

‚Wohin so eilig Miss Granger?', fragte Professor Snape hinter ihr.


Severus schloss die Augen und hoffte inständig, dass der Traum ihn auch heute Nacht wieder in Ruhe lassen würde. Langsam glitt er in einen ruhigen Schlaf…

Severus befand sich plötzlich in einem leeren weißen Raum wieder und sah sich um. Weit hinten am Horizont sah er zwei Umrisse, doch sie waren zu weit weg, um sie zu erkennen. Also beschloss sich Severus auf sie zuzugehen. In Gedanken fragte er sich, wo er gelandet war, als er plötzlich stehen blieb. Vor ihm stand niemand anderes, als Miss Granger. Was hatte sie in seinem Traum zu suchen?

‚Wohin so eilig Miss Granger?', fragte er und sie drehte sich langsam um. Besonders erstaunt ihn zu sehen schien sie nicht. So als wäre es für sie alltäglich ihn in ihren Träumen zu treffen.

‚Ach', sagte sie. ‚Jetzt sind wir dann also wieder beim „sie". Habe ich etwa etwas verpasst?'

Als Antwort zog er eine seiner Augenbrauen hoch.

‚Was machen sie hier?', fragte er nach einer Weile.

‚Das selbe wie sie. Ich träume.'

‚Aber das ist mein Traum…'

‚Jetzt fangen sie nicht auch noch damit an', sagte Miss Granger und verdrehte die Augen. ‚Malfoy hat das auch schon versucht.'

‚Malfoy ist auch hier?'

‚Jetzt tun sie doch nicht so überrascht!', fuhr Miss Granger ihn an.

‚Ich soll… was?'

‚Oh… Entschuldigung…', sagte Miss Granger kleinlaut. ‚I-Ich wollte nicht unhöflich sein… ich wollte nur…'

Plötzlich kam von irgendwoher Licht, obwohl es in diesem Raum weder eine Lampe, noch eine Sonne gab. Das Licht fiel direkt auf Miss Grangers Haar und ließ es heller scheinen. Ihre Augen leuchteten ihn an und ihre Wangen sahen noch röter aus als sonst. Ohne es zu bemerken hatte sich Severus leicht nach vorne gebeugt, während er gedankenverloren in ihre Haselnussbraunen Augen starrte. Sinnlose Gedanken schwirrten ihm durch den Kopf, als er immer tiefer in ihren Augen versank…


Professor Snapes Haar wurde von einem Licht, das auch einer unsichtbaren Lichtquelle kam vorteilhaft angeleuchtet. Es sah keineswegs fettig aus, sonder glatt und seidig und… weich. Am liebsten wäre Hermine mit ihrer Hand hindurchgefahren, doch sie hielt sie zurück. Sie konnte doch nicht einfach… Er war immerhin ihr Lehrer… Und er sah verdammt heiß aus in diesem Moment!

Vorsichtig beugte sie sich weiter nach vorne, bis sich ihre Nasen fast berührten. Sie spürte seinen Atem auf ihrer Wange und sah in seine unendlich tiefen dunklen Augen. Wie gebannt standen sie so da. Noch nicht einmal ein Zentimeter trennte ihre Lippen von einander, als von weit her plötzlich ein lautes Geräusch ertönte und Hermine ihre Augen aufschlug.

Sie lag in ihrem Bett im Gryffindorturm und Ginny hielt ihre Bettdecke in der Hand.

„Mach schon Hermine!", sagte sie. „Du bist schon echt spät dran und ich würde gerne noch etwas frühstücken bevor wir zum Unterricht gehen."