Nächtliche Begegnung Teil 1
Edwards Sicht:
Nachdem ich Bella gesehen hatte, musste ich viel verarbeiten, da alles in mir wieder hoch kam.
Ich verabschiedete Misti mit den Vorwand, ich müsse noch für eine Seminararbeit etwas machen.
Wie immer zeigte sie viel verständnis und liess mich allein.
Das erste mal, seitdem ich mit Misti zusammen war, belog ich sie wegen Bella.
Ich musste einfach nachdenken.
Ich musste einfach meine Fragen beantworten, die immer wieder in mir aufkamen.
Doch wie sollte ich das machen?
Es tat weh! Es tat weh sie zu sehen.
Wie sollte ich nur das kommende Wochenende verarbeiten, wie sollte ich dieses Wochenende nur überleben?
Sie war immer noch mit diesem Jerome zusammen, obwohl wir uns doch so nahe waren.
Wieder kamen die Fragen in mir hoch.
Bedeutete es ihr denn gar nichts?
Wie konnte sie nur so tun, als wäre nichts gewesen?
Wieso?
Immer die gleichen Fragen quälten mich.
Hatte dies auch mal ein Ende?
Ich war doch glücklich mit Misti, oder vielleicht doch nicht?
Sie hatte mir so sehr geholfen, sie war einfach so ein liebenswerter und hilfsbereiter Mensch, wie konnte ich da nur an Bella denken?
Wieso?
Diese Frage würde ich mir wohl nie beantworten können.
Das Wochenende rückte immer näher.
Sollte ich Misti mitnehmen zu den Swans?
Ja! schrie eine andere Stimme in mir.
Sie soll sehen, dass ich glücklich bin.
War ich das denn?
Wieso jetzt? Wieso musste das alles wieder hochkommen?
Ich zerbrach fast an meine quälenden Fragen.
Ich war zu nichts in der Lage.
Ich konnte niemanden sehen und mit niemanden reden.
Mit wem sollte ich über meine quälenden Fragen und über meinen Schmerz reden?
Mit Misti konnte ich es auf keinen Fall, ich wollte sie nicht verletzen.
Das hatte sie auf keinen Fall verdient.
Sollte ich mit Alice und Rose darüber reden?
Sie verstanden mich beide gut, sie waren immer für mich da, genauso wie Jasper und Emmet.
Doch die beiden wären wohl kaum die richtigen Ansprechpartner.
Zwar würde mich Emmet auf jeden fall auf andere Gedanken bringen und seine Witzchen machen, aber das war im Moment nicht angebracht.
Ich wollte einfach nur die Fragen klären.
Meinen Schmerz los werden und wieder glücklich sein.
Ich hatte in den vergangenen Jahren so gelitten.
Sollte dies nicht mal ein Ende haben?
Ich beschloss erstmal zu warten, bis das Wochenende und dieser Abschlussball vorüber war. Dann konnte ich immer noch mit dem beiden reden.
Ich rief Misti an und schlug ihr vor, mich zu den Swans zu begleiten.
Wenn es mir schlecht gehen sollte, wäre sie für mich da, doch wäre das fair?
Soweit wollte ich gar nicht denken.
Doch was sollte ich ihr erzählen, wenn es doch soweit kommen würde?
Die Wahrheit, meldete sich mein Gewissen.
NEIN! schrie ich innerlich. Das konnte ich ihr wirklich nicht antun.
Es war schon später Nachmittag, als wir alle zu den Swans fuhren.
Natürlich hatte ich so viel Glück, dass wir auch die nächsten Nächte dort verbringen würden.
Doch ich wäre nicht allein.
Misti wäre noch da und meine Geschwister.
Also brachte ich es einfach hinter mir. Wir stiegen alle aus und gingen zur Haustür.
Edward reiß dich zusammen! befahl ich mir selbst.
Du hast genug Kraft.
Ja hatte ich wirklich genug Kraft?
Ich versuchte es mir in meinen Gedanken einzureden. Immer wieder sagte ich es mir.
Und auf irgendeine Weise klappte es auch.
Renee und charlie öffneten uns die Tür und führten uns zur Terasse.
Da sassen sie alle.
Es war wie ein Schlag ins Gesicht, als ich sie wieder sah.
Sie war so wunderschön. Doch ich wurde sofort in die Realität zurück geholt.
Dank meines Schmerzes, den ich spürte, als ich sie mit Jerome sah.
Doch sie wirkte nicht wirklich glücklich.
Sie sah eher mitgenommen aus. Man sah es ihr regelrecht an.
Doch wieso?
Machte ich mir da etwa gerade Sorgen um Bella?
Edward, wie doof bist du eigentlich? schallte es in mir.
Ja wie doof bin ich eigentlich? fragte ich mich.
Sie verletzt dich immer und immer wieder und dann siehst du sie und sie sieht so mitgenommen aus und du machst dir Sorgen?
Nein das war nicht richtig.
Doch ich konnte nicht anders.
Am liebsten wäre ich zu ihr gegangen und hätte sie in meine Arme geschlossen.
Nein Edward! Hör endlich auf an sie zu denken und sie zu bemitleiden.
Das hat sie wirklich nicht verdient.
Ich führte einen Inneren Kampf mit mir selbst.
Ich versuchte mich zusammen zureißen und an Misti zu denken.
Es klappte irgendwie.
Ich konnte meinen Blick von ihr wenden und kontentrierte mich auf mein Umfeld und auf Misti.
Wir redeten alle eine Weile.
Carlisle und Esme waren mit Renee und Charlie ins Wohnzimmer gegangen.
Emmet wollte unbedingt Wasservolleyball spielen. Wir hatten sehr viel Spaß. Auch wenn ich immer noch diesen Schmerz empfand.
Die beiden so zu sehen, das war mehr als eine Qual für mich.
Es war schlimmer als die Hölle.
Ich konnte einfach nicht die richtigen Worte finden, für das was ich empfand.
Am späten Abend gingen alle auf ihre Zimmer.
Ich lag auf dieses weiche bequeme Bett und dachte nach.
Unfreiwillig hatte ich diese Bilder auf einmal vor mir.
Wie er auf sie lag. Nein! schrie es in mir.
Ich will das nicht sehen. Ich will es nicht. brüllte es in mir.
Doch es ging nicht, sie wollten einfach nicht verschwinden.
Misti kuschelte sich an mich und schlief auch schnell ein.
Es war nicht leicht für sie, denn außer mich und meine Familie, kannte sie die Swans nicht. Nur einmal gesehen, aber was bedeutete das schon?
Ich hingegen konnte einfach nicht einschlafen.
Ich wollte wissen was sie da machten. Meine Bilder drängten es mir schon regelrecht auf.
Nach einer Weile löste ich mich aus Mistis Umarmung und stand auf. Sie schlief so tief und fest, dass sie es nicht bemerkte.
Ich schlich mich leise aus dem Zimmer und stand im Flur.
Was sollte ich jetzt machen?
Sollte ich einfach ins Zimmer gehen und so tun, als würde ich das Bad suchen?
Nein so doof kannst selbst du nicht sein! brüllte es mal wieder in mir.
Das willst du dir doch wirklich nicht antun oder etwa doch?
Nein das wollte ich nicht, aber ich musste es einfach wissen.
Ich würde ja eh keine Ruhe bekommen.
Ich lief langsam den Flur entlang.
Da hörte ich auch schon ein Geräusch von unten.
Es brannte kein Licht. Außer in der Küche.
Es war nicht hell, doch man konnte immer etwas sehen.
Ich ging leise die Treppe hinunter und lief zur Küche.
Jemand drehte sich um.
"Wer ist da?" flüsterte diese wunderschöne Stimme.
Ich wusste sofort, dass diese Stimme Bella gehörte.
Ehe ich antworten konnte, musste ich sie mir genau ansehen.
Sie trug eine Hotpan und ein Top.
Mit mehr konnte man auch wirklich nicht bei diesem Klima in Miami schlafen.
"Ich bins" antwortete ich ihr leise.
Was machte ich hier eigentlich?
"Edward?" fragte sie wieder leise, doch diesmal mit zittender Stimme.
Ich nickte und ich wusste, dass sie es sehen konnte.
Doch wieso war ihre Stimme auf einmal so komisch?
Das hat dich nicht interessieren! schallte es mal wieder in mir.
Irgendwann würde ich wohl einen Therapeuten brauchen, der mich von meinen Qualen und inneren Kämpfe befreien musste.
Sie setzte sich auf den Barhocker an der Theke und nippelte an ihrem Glas.
Ich setzte mich zu ihr.
Doch wieso ich es tat wusste ich auch nicht.
Sie zog mich einfach magisch an.
Ich konnte nicht anders. Ich wollte in ihrer Nähe sein.
Eine Weile schwiegen wir.
"Wie geht es dir?" unterbrach Bella die Stille.
Ja wie geht es mir? stellte ich mir selbst die Frage.
Sollte ich sie anlügen?
Doch konnte ich sie auch anlügen? So wie ich es bei Misti tat?
"Geht so" antwortete ich ihr. Naja es war nicht gelogen, aber auch nicht die Wahrheit.
Nun wusste ich es, es ging mir miserabel. Gab es noch eine Steigerung von miserabel?
Ich wusste es nicht.
"Wie geht es dir?" fragte ich leicht besorgt. Sie sah immer noch schrecklich aus. Auch wenn sie heute Abend gelacht hatte. Doch ihr Äußeres veränderte sich nicht wirklich.
Sie schaute mich erst nachdenkend an bevor sie antwortete.
"Geht so" antwortete sie mit den selben Worten, wie ich es zuvor tat.
War es Ironie des Schicksals, dass wir beide hier nun sassen und uns beide nicht gut fühlten?
"Wieso geht es dir nicht gut?" fragte sie nun sichtlich neugierig.
Das fragte sie auch noch?
Ich musste mich zusammenreißen.
Doch wieso interessierte es sie aufeinmal? fragte ich mich im selben Augenblick.
"Ach ich weiß auch nicht. Es ist alles ein bisschen komisch." sagte ich.
Ja es war alles mehr als komisch. Ich wusste einfach nicht, was ich von dieser Situation im Moment und meinen Gefühlen halten sollte.
"Und was ist es bei dir?" wollte ich nun unbedingt wissen.
Sie schaute mich traurig an. Dieser Blick, diese Leere, diese Traurigkeit und dieser Schmerz der dadrin lag, brachte mich fast um. Was hatte sie nur?
Was empfand sie nur? Wieso schaute sie so?
Sie hatte doch alles was sie wollte.
Sie seufzte.
"Ich weiß nicht wie ich es sagen soll und ich glaube es ist besser wenn ich nichts sagen." sagte sie mit schmerzerfüllter Stimme.
Was hatte sie denn nur?
Es kam das Bedürfnis in mir auf, sie zu umarmen, sie zu trösten.
Doch wieso?
Sie hatte mir doch schon so oft wehgetan. Wieso konnte ich in diesen Moment darüber hinweg sehen?
Ihr Blick wurde immer schlimmer, immer trauriger und immer schmerzerfüllter.
"Willst du es mir wirklich nicht sagen?" fragte ich sie mit sorgenvoller Stimme.
Ja ich machte mir mittlerweile immer mehr Sorgen.
Durch das Licht sah ich, dass ihre Augen anfingen zu glitzern. Das war eindeutig zu viel für mich.
So konnte ich sie einfach nicht sehen. Was war nur los?
Ich musste es wissen. Mein Beschützerinstinkt meldete sich in mir.
Ich wollte sie nur noch von diesen Schmerzen und dieser Trauer und diesen Hass befreien, den ich in ihren Blick sah.
"I-ich kann nicht." brachte sie gerade eben noch raus, bevor ihre Wangen schon voller Tränen waren.
Sie stand auf und ging Richtung Terasse, öffnete die Tür und rannte raus.
Wo wollte sie hin?
Was war nur mit ihr los?
Was hatte sie nur schlimmes erfahren?
