Guten Morgen (oder Mittag?) allerseits!

Ich hasse Gedichte, habe ich schon immer. In letzter Zeit kommen mir Songtexte allerdings immer mehr wie welche vor, nur mit dem Unterschied, dass ich die mag (bzw. aushalten kann). Und das alles nur, weil ich plötzlich anfange, viel mehr auf den Text zu achten. Vielleicht, weil mein Englisch sich verbessert? Ich hoffe es. :)

Deshalb oder aus anderen Gründen (wer weiß das schon?) starten wir heute auch mal mit einem englischen Zitat von Churchill, den ich allein vom Namen her sehr gern mag.

Habt Freude und genießt das verlängerte Wochenende – bzw. die Faschingsfeierlichkeiten. (Also, wenn ihr sie feiert. Ich persönlich tue das nicht …)

Bis nächste Woche jedenfalls!

Eure Grim ^-^

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If you're going through hell, keep going.

- Winston Churchill (1874-1965)

„Wie oft noch, Astoria, du siehst gut aus …" Blaise ließ sich zum fünften Mal in den Sessel vor dem Kamin fallen und schlug verzweifelt die Hände vor sein Gesicht. Als Astoria wieder nach oben verschwunden war, um zum dritten Mal ihre Haare zu richten und zum vierten Mal andere Ohrringe anzulegen, fügte er leiser hinzu: „So ist der Abend vorbei, bevor sie ihre Schuhe gefunden hat." Die sie ebenfalls zum vierten Mal wechselte, weil sie das eigentlich für diesen Abend gekaufte Paar nicht mehr finden konnte.

Draco schnaubte und starrte an die Decke. Er lehnte an der Wand und ignorierte Pansy, die sich vor einem Spiegel hin und her drehte und um seine Aufmerksamkeit lechzte. Sie trug, wie sie schon gesagt hatte, ein blaues Kleid – lang, mit einem Schlitz im Stoff, der bis zu ihrem Oberschenkel reichte. Es war ein Kleid, das zu ihr passte: Elegant, aufreizend und Pansy eben.

„Draco?", fragte sie, doch er machte sich nicht die Mühe, zu ihr zu sehen. „Kannst du mal gucken, ob meine Kette richtig liegt? Ich glaube, sie hat sich in meinen Haaren verfangen …"

„Sie liegt richtig, das bildest du dir ein." Er stieß sich von der Wand ab. Gerade beschloss er, dass er jetzt gehen würde, mit oder ohne seine Freunde, als Astoria die Treppe wieder hinunterstürmte.

Blaise sprang mit den Nerven am Ende auf. „Hast du es jetzt, Froggy?!", fragte er verzweifelt.

„Yep", konterte sie unbeeindruckt und wirbelte einmal um die eigene Achse. „Wie findest du's? Es passt alles, oder?"

Tatsächlich sah Astoria, wie nicht anders zu erwarten, großartig aus. Ihre dunklen Haare waren zu einem lockeren Zopf hochgebunden und ihre Locken reichten gerade mal bis zu ihrem Nacken, wo ein Band ihr Kleid hielt, das sonnengelb und am Ausschnitt mit kleinen Steinchen bestickt war.

Blaise seufzte nur und hielt ihr den Arm hin. Sie lächelte und Seite an Seite gingen sie los, während Draco und Pansy ihnen einige Meter dahinter folgten. In der Eingangshalle standen noch letzte Schüler herum, die wohl auf ihre Begleitung warteten, sie aber nicht groß beachteten.

Als sie die Große Halle erreichten, schlug ihnen sofort die laute Musik entgegen. Der Raum war festlich geschmückt und voller ebenso festlich aussehender Leute, die tanzten, tranken oder sich unterhielten.

Draco fand es grässlich. Er bekam plötzlich Kopfschmerzen von den bunten Lichtreflexen und den lauten Stimmen. Auch die Musik und die rhythmischen Bewegungen der Tanzenden waren nicht gerade lindernd.

Auffordernd funkelte Pansy ihn an. „Lass uns nicht einfach hier herumstehen – ich will tanzen!"

„Kannst du – ich bin dahinten. Ach, und wenn du an jemandem mit Alkohol vorbeikommst … irgendetwas mit Whisky wäre nett."

„Ein Scotch?", rief sie ihm nach einer kurzen Pause hinterher und Draco zuckte nur mit den Schultern, statt zu antworten. Er entdeckte Astoria und Blaise, die die gleiche Idee wie er gehabt hatten, und auf eine Sofagruppe zusteuerten, in deren Mitte einige Stehtische standen.

„Soll ich was zu trinken holen?", fragte Blaise an die beiden gerichtet, während der Blonde sich auf eines der Polster fallen ließ.

„Nein, später", sagte Astoria und Draco erwiderte: „Pansy holt mir was."

Blaise zuckte mit den Schultern und stellte sich zu Astoria. Die beiden begannen, sich zu unterhalten und Draco ließ schweigend seinen Blick durch den Raum schweifen.

Bis er sie entdeckte.

Sie saß mit Weasley und Potter an einem Tisch und blickte Granger entgegen, die sich zwischen den Sitzgelegenheiten hindurchschlängelte und entschuldigend lächelnd eine kleine Handtasche hochhielt, die sie wohl vergessen hatte.

Doch ihm war das alles egal, sein Blick blieb an ihr haften. Er wusste selbst nicht, was an ihr ihn plötzlich so in ihren Bann zog, aber sie sah so … Weaslette aus, dass er nicht mehr wegsehen konnte. Ihr Kleid war blau, nicht gerade besonders oder auffällig in irgendeiner Weise, wie Pansys, aber auch nicht schlicht. Sie sah darin einfach aus, wie sie war: Leuchtend. Sie-

Was dachte er da eigentlich für einen Scheiß? Er wandte sich abrupt ab. Nur, um die Blicke zu bemerken, die ihn durchbohrten.

Draco schaute ungerührt zurück. „Was ist?"

Astoria blies die Backen auf und wirkte, als wollte sie jeden Moment auf ihn zuspringen und ihn ohrfeigen, doch Blaise zog sie einige Meter von den Sofas weg und beugte sich zu ihr hinab. Er flüsterte ihr etwas ins Ohr und sie begann, mit ihm zu diskutieren. Mit wütend zusammengezogenen Augenbrauen stapfte sie schließlich auf die Bar zu, während Blaise sich in die entgegengesetzte Richtung drehte. Skeptisch verfolgte Draco, wie er stoisch die Tanzfläche überquerte und zwischen den anderen Anwesenden verschwand.

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„Dreimal Butterbier und zweimal Kürbissaft", sagte Ron beschwingt, als er an ihren Tisch zurückkehrte. Er reichte jedem von ihnen ein Getränk und ließ sich neben Hermine fallen. „Prost!"

Ginny lächelte schief und hob ebenfalls ihren Krug Butterbier. Sie tranken alle einen Schluck, dann begannen Harry und Ron sich quer über den Tisch hinweg zu unterhalten, sodass Ginny und Colin von Hermine abgeschnitten waren. Ihr schien es jedoch nicht viel auszumachen: Sie trank nur ruhig hin und wieder von ihrem Saft und beobachtete ihre Freunde entspannt.

Colin hingegen war nicht sonderlich interessiert an der Unterhaltung der beiden, sondern starrte trübsinnig auf die Tischkante. Er war schlecht gelaunt, weil er mit Angélique gestritten hatte (auf die übliche Art: per Eule). Eigentlich hatte er auch gar nicht mitkommen wollen, trotzdem hatte Ginny ihn überredet. Sie hatte ebenfalls keine Lust gehabt, war aber entschlossen, zu gehen – und sie wusste, dass sie ohne Colin am Ende doch nicht gegangen wäre. Also hatte er mitkommen müssen.

Sie hatte sich nämlich fest vorgenommen zu gehen, weil sie auf keinen Fall wollte, dass sie etwas tat, das sie normalerweise nicht getan hätte. Wäre alles normal, wäre sie auf jeden Fall gegangen. Aber das war es nicht. Allerdings war sie entschlossen, den Konjunktiv auszutricksen.

In den letzten Wochen war Malfoy weiterhin abweisend zu ihr gewesen. Es war fast, als wären sie wieder dort, wo sie im September gewesen waren – ganz am Anfang und gleichzeitig auch nicht, was ihn aber nicht interessierte. Er tat so, als wäre nie etwas geschehen, weder ihre gemeinsame Zeit im Fuchsbau, noch das, was davor passiert war.

Ginny hasste es! Für ihn war das vielleicht leicht, einfach alles zu vergessen oder zumindest zu verdrängen, für sie hingegen nicht. Es war wie eine Zeitreise, mit den Erinnerungen und Gefühlen der Gegenwart, aber unmöglich dorthin zurückzukehren. Und das machte sie wütend. War sie in den ersten Tagen noch völlig betäubt gewesen, war sie jetzt nur noch sauer – und verletzt, aber Malfoy war nicht der Einzige, der Dinge verdrängen konnte.

„Colin-", seufzte Ginny und wollte gerade einen Versuch starten, mit ihm zu reden und ihn aufzumuntern, als ein Schatten auf sie fiel und neben ihr verharrte. Sie brach ab, sah auf und in die dunkelblauen, fast grünen Augen von Blaise.

„Zabini!", sagte sie überrascht.

Er und Astoria waren mit Malfoy 'verschwunden', obwohl sie den Eindruck hatte, dass Astoria gerne mit ihr geredet hätte, ihr aber auswich. Ginny verstand nicht, wieso, sie vermutete jedoch mal, dass es irgend so ein Slytherin-Ding war.

„Hey, Weasley", entgegnete er und erst beim krassen Gegensatz seiner Stimme fiel ihr die tödliche Stille am Tisch auf.

Hermine schaute nur gelassen zu ihm hoch, Ron und Harry sahen aus, als wollten sie ihn allein mit ihren Blicken verfluchen, und Colin schien zu geschockt. Was nicht verwunderlich war, da sie ihm bisher nichts von Malfoy und ihren Erlebnissen mit den Slytherins erzählt hatte. Nicht, dass sie nicht gewollt hätte, aber irgendwie hatte sie einfach nicht die richtigen Worte gefunden.

„Was willst du denn hier?", fragte sie Blaise.

„Wie wäre es mit 'Ich will mit dir tanzen'?" Er hielt ihr grinsend eine Hand hin und beachtete ihre Freunde nicht weiter. „Na komm schon, Weasley. Das wird lustig."

Ginny verzog die Miene und fragte sich, wieso er ausgerechnet an diesem Abend zu ihr kam und ganz offenbar mit ihr ohne ihre Freunde reden wollte.

Sie nickte jedoch und ließ sich von ihm aufhelfen. „Bin gleich wieder da", sagte sie über die Schulter zu den anderen, als Blaise sie durch den Raum und auf die Tanzfläche dirigierte.

Es lief ein entspanntes, aber nicht zu langsames oder monotones Lied und Ginny begann mit einem Schulterzucken, sich im Takt zu bewegen.

„Also …?", meinte sie. Die Ecke, die Blaise ausgesucht hatte, war glücklicherweise nicht ganz so laut, sodass sie sich auch trotz der Musik verstehen konnten.

„Also … was?", stellte sich Blaise dumm.

„Warum bist du gekommen? Ihr macht doch sonst nie etwas ohne triftigen Grund."

Blaise seufzte und sein Gesicht wurde ernst. „Ich möchte mit dir reden. Über Draco."

„Ich weiß nicht, worüber wir da reden sollten", erwiderte sie und tat so, als würde das Tanzen ihre gesamte Aufmerksamkeit beanspruchen.

„Das sagt er auch."

„Ah."

„Ja, und weißt du was? Keiner von euch beiden scheint es ehrlich zu meinen." Blaise rollte mit den Augen und schnitt eine Grimasse, als sie schwieg. „Genau wie du ist er nicht sonderlich redselig, aber das ist er ja nie. Ich weiß nicht, was zwischen euch gewesen ist, aber es würde mich interessieren. Draco ist mein bester Freund, verstehst du? Ich mache mir Sorgen, dass er es vermasseln könnte."

„Ich glaube, das hat er schon längst." Blaise beugte sich zu ihr hinunter, um sie zu verstehen, doch sie schüttelte schnell den Kopf.

„Weasley … Bitte."

Sie schaute auf und in sein ernstes Gesicht. Besorgnis und Interesse standen darin geschrieben. Ginny schluckte. Sie wollte es ihm eigentlich nicht erzählen, aber sie war sicher, dass sie Blaise vertrauen konnte. Was sprach also dagegen?

„Okay." Und dann erzählte sie ihm in einer Kurzfassung und mit gesenkter Stimme, auch, wenn die Leute um sie herum sie wegen der Musik eh nicht hören konnten, von dem Tag, als sie nach Hogwarts zurückfuhren. Er stellte keine Fragen und unterbrach sie nicht, wobei es ihr schwerfiel, zu deuten, was er dachte. Nachdem sie geendet hatte, schwieg er kurz.

„Erinnerst du dich daran, was ich dir bei unserem Abschied an Neujahr gesagt habe?"

„Ja, sicher. Aber …"

„Wie du meinst." Blaise hatte eine Augenbraue gehoben, als würde er daran zweifeln, und sah sie unverwandt an, ohne jedoch noch etwas zu sagen.

„Was?", fragte sie schließlich gereizt.

„Du bist doch eine Gryffindor, seit wann gibst du so leicht auf?"

„Was?" Sie sagte das heute wirklich zu oft. Langsam fühlte Ginny sich wie eine Idiotin.

„Nun, die Ginny Weasley, die Zacharias Smith vor zwei Jahren einen Flederwichtfluch aufgehalst hat, wäre auf Draco zugestürmt und hätte ihn zur Schnecke gemacht, bis er ihr Rede und Antwort gestanden hätte. Du und Draco, ihr habt euch seit damals ziemlich verändert, aber im Gegensatz zu ihm steckt in dir dein altes Ich noch drin, zusammen mit deinem Kampfgeist. Das weiß ich und du weißt es auch. Such ihn also gefälligst und reiß dich zusammen."

Damit endete das Lied und Blaise klopfte ihr auf die Schulter und ließ sie stehen.

Ginny folgte ihm mit den Augen, sah aber in Wirklichkeit überhaupt nichts. Ihr Blick war leer, nur das Gesagte spulte sich immer wieder in ihrem Kopf ab.

Blaise hatte recht. Und das kam nicht plötzlich, sie wusste es – vielleicht schon lange. Und er hatte auch damit recht, dass sie mit Malfoy reden sollte. Nein, sie wollte mit ihm reden. Sie musste.

„Kampfgeist", murmelte sie immer wieder, während sich ihre Füße langsam in Bewegung setzten.

Vorhin hatte sie Malfoy gesehen, zusammen mit Parkinson. Er hatte auf einem Sofa gesessen und an einem Glas genippt, während sie kicherte, scheinbar von dem, was er ihr erzählte, amüsiert. Ginny hätte in diesem Moment am liebsten gekotzt, aber sie hatte tapfer gelächelt und so getan, als wäre er nicht wichtig. Jetzt konnte sie also nur hoffen, dass er immer noch dort war – am besten ohne Parkinson.

Aber das war wohl nicht möglich.

Als sie ihn entdeckte, saß die Slytherin sogar auf seinem Schoß und schlang die Arme um seinen Hals, immer noch kichernd. Das Einzige, was Ginny etwas aufheiterte, war die Tatsache, dass er nicht gerade begeistert schien, sondern viel mehr desinteressiert. Sie steuerte trotzdem mit wackligen Beinen und einem unguten Gefühl in ihrer Bauchgegend auf die beiden zu, das sich anfühlte, wie tausend Steine.

Gerade, als sie vor ihm ankam, sah Malfoy auf. Seine grauen Augen bohrten sich unerbittlich in ihre und er musterte sie kalt, als wäre sie nur Teil des Hintergrunds. Ginny versuchte, sich davon nicht beeinflussen zu lassen, aber trotzdem fühlte sie sich gleich viel kleiner.

„Malfoy", sagte sie, zum Glück mit fester Stimme, „ich muss mal mit dir sprechen."

„Was willst du denn schon wieder?", schnarrte Parkinson verächtlich und an Malfoy gewandt: „Verfolgt die dich, oder was?"

Er ignorierte sie.

„Ich hab aber keine Lust, mit dir zu sprechen", sagte er.

Ginny rang kurz um Fassung, bis ihr Temperament siegte und sie die Hände in die Hüften stemmen ließ. Mit rauchenden Ohren starrte sie auf ihn hinab.

„Arsch", war das Einzige, was sie fürs Erste herausbrachte.

Dann: „Weißt du eigentlich, wie sehr du mich nervst? Und wie bescheuert du dich benimmst? Wie alt bist du eigentlich?! Das ist so – so – Slytherin!"

Malfoy wirkte wenig beeindruckt. Er schob lediglich die wütend dreinschauende Parkinson von sich herunter und erhob sich elegant, wie sie es bisher nur bei ihm gesehen hatte.

„Ich gehe an die frische Luft", meinte er knapp und blickte nicht mal in ihre Richtung, als er ging.

Einen Moment stand Ginny nur da und hielt die Luft an.

„Malfoy, du-!"

Während sie ihm nachjagte, bemerkte sie weder die Leute, die sich nach ihr umdrehten, noch die Gänsehaut, die ihre Arme überzog, als sie nach draußen kam. Es lag zwar kein Schnee mehr, doch war es so kalt, dass sie unter normalen Umständen nie in einem Kleid rausgegangen wäre.

Sie suchte das Gelände mit den Augen nach ihm ab und erkannte eine sich schnell wegbewegende Gestalt in der Ferne.

„Malfoy!", rief Ginny nochmal und rannte los.

Besonders in Momenten wie diesen war sie dankbar, dass sie so klein war, denn das und das Fangenspielen mit ihren Brüdern hatten sie so schnell gemacht, dass sie sogar Charlie überholen konnte. Denkbar schnell holte sie Malfoy auch ein.

„Malfoy, halt doch mal an!"

„Wieso sollte ich? Ich sagte doch, dass ich nicht mit dir reden will. Merkst du eigentlich, wie unendlich nervig du bist?"

„So, offenbar finden wir uns beide nervig – Thema abgehakt. Können wir jetzt miteinander reden?"

Ginny keuchte, hielt aber mit ihm Schritt. Hieß: Er lief, sie trabte nebenher.

Als er jedoch nicht antwortete, hatte sie die Schnauze voll. Sie packte ihn am Ärmel und blieb stehen. Und wie erwartet siegte die Angst um seine teure Robe und Malfoy hielt ebenfalls inne.

„Was?!", schnauzte er, als sie ihn provokant musterte.

„Wieso gehst du mir aus dem Weg?"

„Das habe ich dir schon erklärt. Bist du so was wie schwer von Begriff? Moment, ich vergaß – das bist du wirklich."

Ginny knirschte mit den Zähnen und ballte ihre Hände zu Fäusten. Sie durfte ihn jetzt bloß nicht wütend machen – obwohl, wenn sie ihn sich so ansah, war er das schon. Dann war es wohl auch egal.

„Ich meine nicht den Mist, den du im Zug von dir gegeben hast, sondern die Wahrheit. Falls die dir ein Begriff sein sollte. Steht im Wörterbuch unter 'Dinge, die Draco Malfoy am liebsten streichen würde'. Aber so läuft das nicht, kapiert?"

„Dieser Mist war zufälligerweise die Wahrheit. Wir werden keine Freunde sein – egal, was du vielleicht glaubst oder glauben möchtest. Außerdem hast du Potter, du brauchst keine Freunde, wenn du jemanden wie Mr Perfect hast."

„Wie meinst du das jetzt, bitte schön?" Gereizt verengte sie ihre Augen zu Schlitzen.

„Wer ist denn mit seinem Ex hergekommen?" Auch seine Augen wurden verdächtig schmal, als er ihre Mimik nachahmte.

„Du?!", half sie ihm auf die Sprünge. „Außerdem bin ich nicht mit ihm hier. Ich bin mit meinen Freunden hier und hatte eigentlich vor, diesen Abend zu genießen, aber du bist das beste Beispiel, wenn es um Stimmungskiller geht."

Was eine Lüge war. Ihre Stimmung war praktisch chronisch im Eimer, seitdem sie wieder in Hogwarts war.

„Du vergleichst gerade doch nicht echt Pansy mit Potter, oder? Ich sehe doch, was zwischen euch ist. Aber du kannst meinetwegen machen, was du willst. Das ist mir egal, verstanden, Weasley?"

Das nächste, was sie sagte, war nicht einmal beabsichtigt. Es war einfach aus ihr herausgeschossen.

„Wieso? Wieso ist dir das egal? Jetzt mal ehrlich, Malfoy, in Wirklichkeit bist du doch einfach nur eifersüchtig! Und das hasst du!" Und es war offenbar danebengezielt.

„Ich sag's nur noch einmal: Tu nicht so, als würdest du mich verdammt nochmal kennen, Weasley!", fauchte er.

Ginny schluckte und sah zu ihm hoch. In seine verzerrte Miene und die blanke Wut, die sich darin widerspiegelte.

Was tat sie hier nur? Sie wollte eigentlich über sie beide reden und ihn nicht gegen sich aufbringen. Wieso stritt sie dann mit ihm? War sie irgendwie auf emotionaler Ebene komplett irre?

Sie öffnete den Mund, nur, um ihn dann wieder zuzuklappen.

„Ich …", flüsterte sie, doch ihr Kopf war wie leergefegt. Was sollte sie auch sagen? Sie kannte ihn ja wirklich nicht. Vielleicht bildete sie es sich einfach ein. Vielleicht bildete sie sich alles einfach ein …

Doch dann tauchten Bilder vor ihrem inneren Auge auf. Erinnerungen. Von Malfoy. Er, wie er sie ausdruckslos anstarrte. Wie er sie anlächelte. Wie er sich zu ihr hinabbeugte. Wie er ihr seine Hand entgegenstreckte. Wie er über sie und mit ihr lachte. Besonders dieses Lachen hallte in ihren Gedanken wider.

„Nein."

„Wie bitte? Du nuschelst, Weasley."

„Nein", wiederholte Ginny lauter und mit fester Stimme. „Ich kenne dich wirklich nicht. Aber weißt du was? Ich will dich kennenlernen! Und sobald man einen Menschen erstmal kennenlernen will, kann man daran nichts mehr ändern. Kapiert?"

„Du redest Nonsens", knurrte Malfoy nur und sah sie weiter gleichgültig an.

Doch es prallte an ihr ab. „Tu ich nicht. Die letzten Wochen sind mir wichtig, auch, wenn du so tust, als wären sie es dir nicht. Ich habe das Gefühl, nein, ich weiß, dass du ein Idiot bist. Aber ein Idiot, den es sich lohnt, kennenzulernen. Und weißt du noch was? Ich will dich nicht nur kennenlernen, ich will, dass du in meiner Nähe bist! Dass du wieder mit mir redest! Dass du mich noch einmal küsst!"

Das war die Stelle, an der Ginny verstummte und errötete. Der einzige Grund, wieso ihre eigenen Worte sie nun nicht aus der Fassung brachten, war, dass auch er rot wurde.

Mit geweiteten Augen sahen sie sich an und schwiegen.

Und dann hörte Ginny Schritte und ein leises Klatschen hinter sich.

„Wow …", seufzte die Person versonnen. „Ihr beide liefert wirklich eine verdammt gute Show ab. Allerdings möchte euch da wer sprechen, also …"

Ginny wirbelte herum.

„Par...kinson?"

Sie stand völlig entspannt vor ihnen und hatte beinahe schläfrig die Augenlider gesenkt, als wolle sie im nächsten Moment ein Nickerchen halten. Und gleichzeitig wirkte sie vollkommen wach – während sie ihren Zauberstab lässig auf sie gerichtet hielt.

„Pansy, was", setzte Malfoy an, doch ohne ihn ausreden zu lassen, schleuderte sie einen Fluch auf ihn. Ginny versuchte noch ihn festzuhalten, doch er ging zu Boden und blieb dort bewegungslos liegen. Bevor sie auch nur etwas sagen oder tun konnte, zielte Parkinson mit ihrem Zauberstab auf sie.
„Tja, Weasley, schade für dich, aber das Gesülze ist jetzt vorbei." Damit schoss ein blauer Lichtstrahl auf sie zu und verschluckte die Welt um sie herum.

„Träum süß", hallte es noch in ihrem Kopf nach.