Kapitel 25
In den Tagen, die sie bei den Weasleys verbrachten, hatte Harry nicht ein einziges Mal den Versuch gestartet, Hermine zum Reden zu bewegen. Das hieß jedoch nicht, dass er sich nicht seine Gedanken gemacht hätte. Das einzige Problem dabei war, dass er einfach zu keinem Schluss kam. Egal, in welche Richtung er seine Überlegungen lenkte, sie wollten kein Ende nehmen und er drehte sich immer wieder im Kreis. Wurden alle Mädchen mit zunehmendem Alter komplizierter und verhielten sich so komisch? Oder war Hermine ein Ausnahmefall? Und warum war sie so komisch? Über was machte sie sich Gedanken, über was Sorgen? Warum wurde sie immer so wütend? Und warum reagierte sie auf seine Worte immer so extrem? Er nahm sich vor, nicht dauernd in Fettnäpfchen zu treten, um sein Verhältnis zu Hermine endlich wieder normalisieren zu können – und trotzdem Augen und Ohren offen zu halten.
Am Tag vor der Abreise kamen auch bei Hermine die Gedanken allmählich zurück. Wieder und wieder musste sie an ihren Professor denken, was ihr fast den letzten Nerv raubte, weil der Grund, warum sie an ihn dachte, für sie einfach nicht ersichtlich war. Was sie auch tat, sie konnte ihn einfach nicht aus ihrem Kopf bekommen, selbst, wenn sie sich noch so anstrengte.
Langsam aber sicher stellte sich auch das Gefühl ein, endlich mit jemandem darüber reden zu müssen. So wie vier Augen mehr sahen als zwei, konnten vielleicht auch zwei Köpfe eher zu einer Lösung des Problems gelangen. Aber was war denn eigentlich das Problem? Dass sie nichts dagegen tun konnte, dass sich seit ein paar Monaten alles um Snape zu drehen schien? Wem konnte sie das denn bitte erzählen? Wenn sie mit jemandem über Probleme sprach, dann mit Ginny, aber was sollte sie ihr denn sagen? ‚Ginny, ich muss immer an Snape denken', oder was? Sie würde sie ja für vollkommen verrückt erklären und, auch wenn sie ihr damit vielleicht Unrecht tat, war es nicht unwahrscheinlich, dass Harry davon Wind bekommen würde. Dann wäre der Ärger groß. Aber wieso Ärger? Was ging es denn Harry an, an wen sie dachte? Er würde wieder einen riesen Aufstand machen und Hermine nicht mehr aus den Augen lassen. Ganz zu schweigen davon, was er vielleicht mit Snape machen würde, immerhin hatte er ihn schon einmal angegriffen.
Sie wusste also, dass sie nicht zu Ginny gehen konnte. Was sie jedoch wusste, war, dass sie dringend mit jemandem reden musste, wenn sie nicht durchdrehen wollte. Es musste jemand sein, der nicht unmittelbar mit Hogwarts zu tun hatte. Dem sie in soweit von der Sache erzählen konnte, wie sie sicher gehen konnte, dass niemand die Verbindung sehen würde.
Sie erinnerte sich daran, den Ansatz eines Gespräches kurz vor Halloween mit Mrs Weasley geführt zu haben. Konnte sie mit ihr reden? Konnte sie ihr trauen? Trauen bestimmt, da war sich Hermine ganz sicher. Wenn sie das tat, musste sie ihre Worte mit Bedacht wählen, um die Aufmerksamkeit nicht auf Snape zu lenken. Noch wusste sie nicht recht, wie sie das anstellen sollte, doch sie hoffte, die richtigen Worte würden im richtigen Moment schon kommen.
Mit jeder Minute, die sie wartete, verließ sie ein Stückchen mehr der Mut, und so atmete sie noch einmal tief durch, bevor sie die Treppe hinunter ins Wohnzimmer ging.
Harry und Ron waren mit Mr Weasley in der Garage verschwunden, da Mr Weasley Harry einige seiner neuen Muggel-Erungenschaften zeigen wollte und Ron sozusagen als Rettungsanker mitgegangen war. Allerdings saß Ginny noch bei ihrer Mutter und solange das noch der Fall war, musste Hermine warten. Ihr war im Augenblick so gar nicht nach Gesellschaft, sie war eigentlich nur zum Reden herunter gekommen, aber wenn sie nun wieder kehrt machte, würde ihre Freundin gleich bemerken, dass etwas nicht stimmte, also setzte sie sich neben sie und versuchte erstmal, dem Gespräch zu folgen. Mutter und Tochter waren gerade dabei, Musik zu hören und unterhielten sich aufgeregt über den Sänger. Doch schon bald hörte Hermine gar nicht mehr zu, da der Sänger gerade eine herzzereißende Ballade angestimmt hatte, die sie sofort abschweifen ließ. Mrs Weasley schien Hermines Träumerei zu bemerken, doch war klug genug, erst einmal nichts zu sagen, sondern lieber das Gespräch mit ihrer Tochter in Richtung Ende zu lenken. Hermine konnte im Nachhinein nicht mehr sagen, wie Mrs Weasley es schaffte, dass Ginny nach oben ging, viel zu sehr war sie noch immer in der Musik gefangen, bis sie spürte, wie das Sofa neben ihr nachgab, weil Molly zu ihr aufgerückt war.
„Also, Liebes, was ist los?", fragte Rons Mutter und legte einen Arm um Hermines Schultern.
„Woher - "
„Woher ich weiß, dass du mit mir über irgendetwas reden willst?", lachte sie. „Nunja, vielleicht ist das einfach das Gespür einer Mutter, das einem sagt, wann etwas nicht ganz so ist, wie es sein sollte."
Jetzt, da sie vor ihr saß, war sie sich nicht mehr ganz so sicher, ob sie wirklich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Auch alle Worte und Gedanken, die sie die ganze Zeit mit sich herumgetragen hatte, waren wie weggeblasen und so saß sie einfach da, den Mund geöffnet, ohne dass ein Laut herausdrang.
„Du weißt nicht, ob du es mir erzählen kannst?"
Hermine nickte.
„Dann geht es um einen Jungen?", fragte Mrs Weasley.
„Mhm, fast", antwortete sie, denn sie konnte Professor Snape beim besten Willen nicht als Jungen bezeichnen.
„Fast?" und bei dieser Frage sah Hermine den merkwürdigen Blick in Mrs Weasleys Augen und beeilte sich, schnell weiterzusprechen.
„Ähm, ja...ja, es geht um einen Jungen. Sehen Sie, es gibt da jemanden, der mir einfach nicht mehr aus dem Kopf geht und ich weiß nicht, was mit mir los ist." So, jetzt war es raus. Mrs Weasleys Lächeln wurde immer breiter. Sanft strich sie ihr eine Locke aus der Stirn. Sie wusste, sie musste Hermine nun einfach weiterreden lassen, da sie sie mit einer frühen Unterbrechung vielleicht ins Stocken bringen könnte.
„Also...seit einiger Zeit...vielleicht ein paar Monate...da muss ich immer an jemanden denken...aber ich will das gar nicht, also ich meine, es...kann einfach nicht sein, weil das alles so abwegig ist und...nicht passt...oder so. Ich verstehe einfach nicht, welcher Sinn dahinter stecken soll. Also dass ich an ihn denke, meine ich. Es ist so...kompliziert...irgendwie. Ach, ich weiß auch nicht. Fakt ist jedenfalls, dass ich etwas tun muss, um diesen Jemand schleunigst wieder aus dem Kopf zu bekommen, ich weiß nur nicht wie und da dachte ich, Sie wüssten vielleicht...naja..."
„Etwas, was man dagegen tun kann? Etwas, damit deine Gedanken aufhören?"
Wieder nickte Hermine.
„Ach, Kindchen" Sanft strich sie Hermine über den Unterarm. „Weißt du...die Liebe geht manchmal seltsame Wege und wir können diese Wege nicht beein - "
„Die LIEBE?" Entsetzt sah Hermine die Frau vor ihr an.
„Ja, ja, sicher doch, die Liebe. Du willst mir doch wohl nicht sagen, dass du in der Zeit, von der du sprichst, nicht einmal auf den Gedanken gekommen bist, du könntest verliebt sein?", sagte Mrs Weasley amüsiert.
„Ich, äh...nein. Nein, Mrs Weasley, ich bin ganz bestimmt nicht verliebt! WIRKLICH!", setzte sie noch hinzu, als sich das Lächeln auf Mollys Gesicht erneut seinen Weg bis zu den Ohren bahnte.
„Also schön, dann lass uns mal ganz von vorn beginnen. Was fühlst du, wenn du in seiner Gegenwart bist?" Forschend drangen die Augen in Hermine ein.
Ja, was fühlte sie? Manchmal bekam sie Angst, aber das war auch früher schon der Fall gewesen, auch wenn die Angst sich ein klein wenig verändert hatte. Was noch?
„Ich fühle mich wie ein offenes Buch", rutschte es ihr heraus.
„Aha, du hast also die Befürchtung, dass er bemerken könnte, was du für ihn fühlst?"
Was sie für ihn fühlte? Aber sie fühlte doch gar nichts! Oder doch?"
„Ich...ich weiß nicht." Was sollte sie darauf auch sagen?
„Das macht nichts. Nun gut. Bist du vielleicht ein bisschen nervös?"
„Wer wäre das nicht", murmelte sie und erkannte an Mrs Weasleys Lachen, dass sie diesen Gedanken wohl zu laut ausgesprochen hatte.
„Nein, ich meinte, dass... naja, er hat eine Präsenz, die einen einfach nervös macht, ganz egal, ob man etwas...fühlt...oder nicht." Ein Blick in Nevilles Gesicht während des Zaubertränkeunterrichts genügte, um zu sehen, WIE nervös Professor Snape machen konnte.
„Ach, Mrs Weasley, ich weiß gar nicht, wie ich mich ausdrücken soll", seufzte Hermine.
„Vielleicht hilft es ja, wenn du mir sagst, um wen es sich handelt, falls ich ihn kenne."
„Mrs Weasley, seien Sie mir bitte nicht böse, aber..."
„Du kannst nicht sagen, um wen es geht, ich versteh das schon." Noch immer lächelte Molly ihr ewiges Lächeln.
„Danke. Was das eigentliche Problem ist...also...ich DARF nicht an ihn denken... verstehen Sie das? Und ich verstehe eben einfach nicht, warum ich es tue."
„Du darfst nicht an ihn denken...hmm...dann ist er wohl in einem anderen Haus?"
„Kann man so sagen, ja."
„Ohja, das verstehe ich, das ist wirklich verzwickt. Man macht sich dann auch immer Gedanken, dass das doch eigentlich gar nicht geht, wenn man sozusagen Gefühle für den ‚Feind' entwickelt, nicht wahr?"
„Ja...so in etwa." Hermine begann langsam der Kopf zu schwirren. Wie sollte sie die heikle Situation so treffend beschreiben, dass man verstand, was sie meinte, ohne zu viel preis zu geben? Wie sollte sie ihr erklären, dass es nicht nur die Tatsache war, dass er im weitesten Sinne in einem anderen Haus war, die sie so beunruhigte, ohne zuzugeben, um wen es sich handelte?
„Alles, was ich sagen kann, ist, die erste Liebe zu genießen und wer weiß, vielleicht wird ja was daraus", zwinkerte Rons Mum Hermine zu.
„Mrs Weasley, ich BIN NICHT VERLIEBT!", betonte Hermine noch einmal.
„Nein, nein", lächelte sie, „natürlich bist du das nicht."
Wovon sprach Mrs Weasley da nur? Verliebt? Unsinn. Wie kam sie nur auf so eine Idee? Sie hatte ja gleich gewusst, dass sie nicht erklären konnte, um was es ging, sonst wäre das Urteil anders ausgefallen, da war sich Hermine sicher. Nichtsdestotrotz hatte es sie geschockt, als Mrs Weasley sagte, die Liebe gehe seltsame Wege. Das war einfach sowas von absurd. Sie hatte gedacht, wenigstens Mrs Weasley würde sie verstehen, doch nun war nicht einmal das mehr der Fall und sie fühlte sich erst recht allein. Jetzt war der perfekte Moment, um sich abzulenken, doch was gab es hier schon? Was sie wirklich ablenken würde, wäre Arbeit, aber die war meilenweit weg. Und dann die lange Zugfahrt morgen. Sie hatte das Gefühl, als würde sie in die Enge getrieben. Wenn sie sich vorstellte, morgen die ganze Zeit Harry und Ginny, die ja noch feinfühliger war, gegenüberzusitzen, wurde ihr ganz schlecht. Konnte sie vielleicht einfach apparieren? Sagen, dass sie so schnell wie möglich zurück wollte, um weiterzuarbeiten? Dass es dringend war, dass sie die Tränke fertigstellten? Sie log ja nicht, es war wirklich so – zumindest glaubte sie das. Müde von all den verwirrenden Gedanken und geschafft von dem Gespräch mit Rons Mutter sank sie in einen tiefen Schlaf.
Harry und Ron hatten Hermine etwas skeptisch angesehen, als sie ihnen am nächsten Morgen berichtete, dass sie nicht mit dem Hogwarts Express zurückfahren würde, beließen es jedoch dabei. Wie immer war Harry der größere Skeptiker der beiden, wenn es um Hermine ging und blickte leicht alarmiert, als Hermine sagte, sie wolle zurück, um so schnell wie möglich an den Tränken weiterzuarbeiten. ‚Mit Professor Snape an den Tränken weiterzuarbeiten' ließ sie mit Absicht weg, um Harry keinen weiteren Grund zu geben, sich Gedanken zu machen und möglicherweise einen erneuten Streit zu provozieren, schließlich wusste man bei ihm in diesen Tagen nie. Ron jedenfalls war total überzeugt.
„Du kennst Mine doch, Harry. Wenn sie nicht arbeiten kann, ist sie nur ein halber Mensch", worauf Harry nur nickte und finster dreinblickte.
Hermine begleitete ihre Freunde auch nicht mehr bis zum Bahnhof, sondern apparierte direkt von den Weasleys zum Apparier-Punkt in der Nähe Hogwarts'. Auf dem Weg zum Schloss durchströmte sie ein mulmiges Gefühl. Obwohl sie nichts auf das gab, was Mrs Weasley gesagt hatte, blieb es doch in ihrem Hinterkopf, auch wenn es das Letzte war, was sie wollte. Am besten brachte sie erst einmal ihr Gepäck auf ihr Zimmer und sammelte sich noch einmal, bevor sie in die Kerker ging. Wer weiß, vielleicht war Snape ja gar nicht da. Sie wusste nur nicht, ob sie dies hoffte oder befürchtete.
Kurze Zeit später klopfte sie auch schon an seine Tür.
„Miss Granger", sagte er erstaunt und warf gleichzeitig einen Blick auf die Uhr. „Schon zurück?"
„Ich bin appariert", erwiderte sie knapp.
„Mhm. Und Ihre kleinen Freunde fahren schön artig mit dem Hogwarts Express. Was könnte es wohl für einen Grund geben, dass Sie das nicht tun?", sagte er lauernd.
„Professor Snape, ich bin nicht hier, um mich provozieren zu lassen oder um über meine Freunde zu reden."
„So?"
„Ich bin hier, um zu arbeiten."
„Was für eine Überraschung", antwortete er abschätzig. „Und ich dachte schon, Sie seien wegen mir hier. Nun sehen Sie mich nicht so an, das war Ironie, falls Sie es nicht bemerkt haben sollten." Prüfend blickte er sie an. Irgendetwas war anders, er sah es in ihrem Blick. Wartend hielt er ihr die Tür auf und nach wenigen Augenblicken trat sie ein.
Eigentlich sollten sie langsam damit beginnen, die Vernichtungstränke in ihre Einzelteile zu zerlegen, doch Hermine kam ihm heute etwas durcheinander vor, sodass die Wahrscheinlichkeit, dass dabei etwas schief ging, höher lag als ohnehin schon. Vielleicht war es also besser, wenn sie noch ein paar der Glücks- und Schutztränke bearbeitete, da sie diese sowieso benötigten.
„Ich muss noch meinen Unterricht vorbereiten", sagte er und zeigte auf den Stapel Pergamentbögen auf seinem Schreibtisch. Hermine nickte wortlos zur Antwort und begann, alle nötigen Utensilien herbeischweben zu lassen.
Severus war gerade dabei, Hausaufgaben der Fünftklässler zu korrigieren, als sein Blick auf Hermine fiel. Immer wieder massierte sie mit den Händen ihre Schläfen. Dabei bemerkte er, dass ihre Finger zitterten.
„Alles in Ordnung?", fragte er vorsichtig. Wieder nickte Hermine. Sie war heute wirklich extrem wortkarg und wie es schien auch unkonzentriert. Irgendetwas machte ihr zu schaffen. Häufig blickte sie ins Leere und schien über etwas nachzudenken. Er erkannte, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, sie heute nicht mit gefährlichen Tränken experimentieren zu lassen.
Erst als Hermine kurz aufblickte und ihre Augen die seinen trafen, merkte er, dass er sie die ganze Zeit über angestarrt hatte. Schnell sah sie wieder weg. Ihr Körper zitterte kurz, als würde sie frieren und ihre Hände hantierten wie wild auf dem Tisch, als es auch schon passierte. Der Glaskolben, den sie gerade zur Hand nahm, rutschte ihr aus den Fingern und zerschellte auf dem Boden. Erschrocken bückte sich Hermine danach. Zeitgleich war Severus instinktiv aufgesprungen und eilte um den Tisch.
„Es tut mir so leid, ich habe...ich wollte nicht...es ist einfach...", stammelte Hermine und erstarrte, als sie nach einer Scherbe griff und kurz darauf Severus' Hand auf ihrer spürte, da er im selben Moment danach greifen wollte. Keiner von ihnen rührte sich auch nur ein Stück. Hermine fühlte die wohligwarme, leicht angeraute Hand auf ihrer liegen, spürte jede Fingerkuppe und eine Welle heißkalten Schauers durchzog ihren Körper. Lange verharrten sie, sahen sich einfach nur an. Jeder schien sich in den Augen des anderen zu verlieren. Hermine wollte ihre Hand weg ziehen, doch kein einziges Körperteil gehorchte den Befehlen ihres Gehirns. Sie waren wie paralysiert.
„Ich hab was...kaputt gemacht", sagte Hermine, ohne ihren Blick von Severus' schwarzen Augen lösen zu können.
„Mhm... Was?"
„Ich...weiß nicht"
Wie von selbst näherten sich ihre Gesichter, bis sie so nah waren, dass Hermine Severus' Atem spüren konnte. Ihr Blick wanderte wie von selbst immer wieder von seinen Augen hinunter zu seinen Lippen. Diese Lippen, die meist so fest aufeinandergepresst waren, als wären sie aus Stahl. Diese Lippen, die nun so unglaublich weich schienen, dass sie sie jetzt am liebsten...
„Severus?" Wie von der Tarantel gestochen sprangen Hermine und Severus auf, als die Stimme von Minerva McGonagall, begleitet von einem Klopfen an der Tür, zu ihnen hereindrang.
Hätte Hermine genau geschaut, hätte sie gesehen, dass Severus diese Unterbrechung alles andere als gelegen kam.
„Komm rein, Minerva", presste er zwischen den nun wieder zu einem Strich verschmälerten Lippen hervor.
„Hallo Severus. Oh, guten Tag, Miss Granger. Severus, Albus möchte dich sprechen."
„JETZT?"
„Ja, jetzt. Oder bist du gerade beschäftigt?"
Severus schien kurz zu überlegen, bevor er ein knappes „Nein" knurrte.
„Sie können dann für heute Schluss machen", wandte er sich, ohne ihr in die Augen zu sehen, an Hermine, bevor er hinter Minerva durch die Tür verschwand.
Mit einem lautstarken Krachen ließ Hermine die Scherben in den Mülleimer fliegen.
