Am Lagerfeuer

Eine halbe Stunde später verabschiedeten wir uns beide. Während Jake mit Emmett abklatscht und noch einen letzten Witz riss, richtete Carlisle sein Wort an mich.

„Ich hoffe, ich habe dir auf deiner Suche nach deiner Identität ein bisschen weiterhelfen können. Hoffentlich liege ich mit der Vermutung, dass Masreshas Geschichte noch mehr Andeutungen enthält. Deshalb werde ich jedenfalls weitersuchen. Du kannst dir sicher sein, dass ich euch anrufen werde, wenn ich noch etwas finde, was interessant für dich sein könnte."

„Vielen Dank, Carlisle! Ohne dich hätte ich sicher noch lange suchen müssen.", bedankte ich mich. „Am Ende hätte ich es vielleicht sogar Aro irgendwie aus der Nase ziehen müssen. Er hat nämlich vorhin behauptet, zu wissen, was ich bin, doch ich bin da ein bisschen skeptisch."

Da drehte sich Jake zu Edward um. „Ich habe gehört, Bella und du, ihr würdet demnächst auch nach Volterra fliegen?", erkundigte er sich.

„Ja.", bestätigte dieser. „Ihr könnt uns natürlich gerne begleiten." Er hob die Augenbrauen. „Heißt das, du kommst mit?"

„Selbstverständlich. Du würdest Bella doch auch nicht alleine dorthin fahren lassen, besonders wenn sie noch so zerbrechlich wäre wie Ryllis."

Darauf erwiderte Edward nichts. Sein Blick war Antwort genug. Außerdem erwartete niemand eine von ihm, denn dies war mehr eine rhetorische Frage gewesen.

Jetzt kam Alice in unser Sichtfeld getänzelt. „Ich dachte, ihr würdet nie auf dieses Thema kommen. Hier, das ist für euch. Ich trage sie schon seit Monaten mit mir herum.", beschwerte sie sich und drückte mir einen Umschlag in die Hand. Edward bekam den zweiten.

Ich schaute hinein und riss die Augen auf. „Alice, das sind ja die Flugtickets!", rief ich aus.

„Das weiß ich auch. Und bevor ihr jetzt ablehnt, sage ich euch, dass ich darauf bestehe, sie euch zu..." Sie überlegte eine halbe Sekunde. „zu Weihnachten zu schenken. Schon mal vorträglich.", würgte sie alle Proteste von vornherein ab.

Ich öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Dann sah ich Jake resignierend an, bevor ich antwortete. „Meinet- nein, deinetwegen. Danke, Alice. Wann geht's los?"

Sie strahlte über das ganze, kleine Gesicht. „Übermorgen früh. Ich hoffe, dass ist in Ordnung für euch."

„Ich denke, das lässt sich einrichten.", fiel Jake ein. Er sah auf seine Uhr. „Vielen Dank, aber jetzt müssen wir endlich los. Wir werden schon sehnsüchtig erwartet."

Er salutierte spaßeshalber und zog mich dann mit hinaus.

Das T-Shirt halb über den Kopf gezogen, fragte er: „Kannst du wieder meine Sachen nehmen?"

„Ja klar. Dauert es diesmal wieder nur so kurz?", erkundigte ich mich hoffnungsvoll.

„Nein, länger.", grinste er.

Da hörte ich jemanden hinter mir aus dem Haus treten. Es waren Jasper und Alice.

„Stimmt das, was Edward gesagt hat? Dass du dich auf ihn setzt, um nach Hause zu kommen?", fragte Ersterer ungläubig.

Ich drehte mich zu ihm um. „Ja. Vorhin habe ich es zum ersten Mal versucht und ich finde es einfach unglaublich!", schwärmte ich. „Auto fahren ist nichts dagegen, egal wie schnell."

„Oh." Er wurde still.

Jake stupste mich in den Rücken. Fertig geschwafelt?

Die Anderen schienen diese Geste auch verstanden zu haben, denn sie rollten, ebenso wie ich, mit den Augen.

„Keine Sorge." Ich küsste ihn auf die empfindliche, glänzend schwarze Nasenspitze. „Ich bin schon fertig. Kein Grund zu drängeln."

Ich nahm ihm die Hose aus dem Maul und erklomm seinen Rücken. Ein letzter Wink zurück, dann umfing uns der dichte, grüne Wald.

Pass bloß auf deinen Kopf auf., warnte Jake eindringlich.

Ja ja, mach ich schon.

Was glaubst du, warum dieser alte Blutsauger gerade Naturgeister sagt?

Jake und ich spazierten eben nach La Push hinein und genossen Hand in Hand die letzten warmen Strahlen der Sonne. Heute Abend waren nicht viele Menschen unterwegs und auch der Strand war, bis auf den Rest des Rudels um das Lagerfeuer herum, sehr verlassen. Die Hauptsaison der Touristen war zum Glück schon vorbei.

Warum ‚Natur' ist mehr oder weniger klar, aber warum ‚Geist'... weiß ich nicht genau. Wahrscheinlich fiel ihm keine bessere Bezeichnung ein. Vielleicht wollte er damit aber auch nur sagen, dass diese... Personen so schnell und plötzlich wieder verschwanden wie sie kamen.

Ja, könnte sein.

Diese Gedankenrede war so praktisch. Seit einer Stunde unterhielten wir uns nur noch so. Das Schöne daran war, dass es so viel intimer war und uns niemand stören oder hören konnte. Außerdem war es ziemlich schwer zu lügen und wenn wir es wollten, was meistens der Fall war, ließen wir den Anderen die eigenen Gefühle und teilweise sogar Gedanken spüren. Dadurch unterhielten wir uns gar nicht mehr richtig, sondern dachten nur noch schnell hin und her. Es war ein tolles Gefühl, denn so waren wir uns mit nur körperlich sehr nahe, sondern auch geistig. So wurde ich einmal mehr darin bestärkt, ihn nie wieder gehen zu lassen. Er war jetzt ein ständiger Teil von mir und ich würde absolut alles dafür tun, dass es so blieb.

Komm, vergessen wir das Ganze für den Moment. Jetzt werden wir ein bisschen Spaß haben!, schloss Jake das Thema ab und zog mich schnell vorwärts, dem Lagerfeuer entgegen. Erst einmal was essen!, fügte er freudig hinzu.

Ich lachte laut auf. Das war ja so klar gewesen. Zugebenerweise hatte ich aber auch schon seit geraumer Zeit großen Hunger.

Keine Sorge, Jake. Sie werden dir schon etwas übergelassen haben., beruhigte ich ihn. Sie wollen dich doch nicht verhungern lassen, oder?

Ich hoffe für sie, dass es nicht so ist., meinte er grimmig, bevor wir die Anderen erreichten. „Hey, Leute. Wir sind endlich da!", verkündete er lautstark.

Die Jungs kamen uns entgegen und Quil, den ich schon vor ein paar Wochen kennen gelernt hatte, schlug in Jakes ausgesteckte Hand.

Ich fühlte mich unterdessen ziemlich eingeschüchtert. So viel, so riesige Männer hatte ich noch nie auf einmal gesehen. Und sie waren auch nicht alle gleichzeitig auf mich zugekommen.

„Hey, ihr habt ja ganz schön lange gebraucht. Was wolltet ihr denn jetzt schon wieder von den Blutsaugern?" Bevor Jake oder ich antworten konnten, nahm Quil ein paar Schritte Abstand zu uns. „Puh, ihr stinkt vielleicht!", rief er angewidert aus. „Komm' denen bloß nicht zu nahe, Embry. Das mag deine Nase sicher nicht." Dann winkte er uns beide aus Feuer. „Kommt lieber hierher. Hoffentlich hilft der Rauch ja ein bisschen dagegen und vertreibt den Gestank. Außerdem wollen die Anderen dich kennenlernen, Ryl."

Ich beobachtete die Erwähnten und sah, wie sie fröhlich in sich hineinschaufelten.

„Sofort.", sagte ich zu Quil und drehte mich zu Jake um. Könntest du dich da schon mal durchschlagen und uns beiden etwas zu futtern reservieren? Bei der Geschwindigkeit... Ich deutete auf die Jungs, seine ‚Brüder'.

Ja, klar. Sie sind heute eine Menge herumgelaufen. Er grinste mich an und wuschelte mir durchs Haar. Ich lass' dir auch was übrig.

„Oh, vielen Dank.", brummte ich sarkastisch. „Wie überaus freundlich."

„Was denn?", fragte Quil, der hinter mir stand, und sah zwischen uns hin und her.

„Ich habe Jake nur eben gebeten, mir was zu essen zu holen.", sagte ich leichthin.

Jetzt schaute er verwirrt drein. „Aber du hast doch gar nichts gesagt."

„Nicht?" Mir war nicht bewusst gewesen, dass ich es nur gedacht hatte. Jake anscheinend auch nicht, wenn man seine Miene richtig deutete. „Haben wir nicht?"

Quil schüttelte einmal kurz den Kopf.

„Oh. Egal, vergiss es. Stell' mir lieber den Rest vor.", meinte ich mit einer wegwischenden Handbewegung.

„Ah ja.", machte Quil und beließ es glücklicherweise dabei. „Hey, Leute, hört mal alle her. Für alle, die es noch nicht wissen: das ist Ryl. Sie wohnt schon seit einer Weile hier und Jake musste natürlich sofort feststellen, dass er auf sie geprägt ist. Was ihre Person betrifft, kann ich euch eigentlich nichts erzählen. Fragt sie selbst." Damit richtete er seine Aufmerksamkeit den Hotdogs zu.

Kopfschüttelnd rollte ich mit den Augen. Wie konnte man nur so viel essen ohne sofort zu platzen? Es war mir immer noch schleierhaft, obwohl Jake versucht hatte, mir das Gefühl des ständigen Hungers, des ewig leeren Magens zu übermitteln.

Nachdem ich allen die Hand geschüttelt und ein paar Worte mit einigen von ihnen gewechselt hatte, schlang Jake seine Arme von hinten um mich. Ich roch den Hotdog schon auf zwei Meter Entfernung.

Er hielt ihn mir locken vor die Nase und lachte laut, als er den wohl ziemlich gierigen Ausdruck in meinem Gesicht sah.

Da haben wir wohl ein bisschen Hunger, was? Sollte ich dir etwa eine Hälfte abgeben?, bot er freigiebig an.

Oh, wie nett von dir., entgegnete ich freundlich, schnappt mir das Brötchen und in kürzester Zeit war alles hinter meinen Zähnen verschwunden.

Respekt, Respekt. Schneller schaff' ich das auch nicht.

Haha, witzig., versetzte ich immer noch stumm, da ich es nicht schaffte, um den großen Brocken in meinem Mund herumzureden. Hast du nicht noch mehr? Ich sah ihn erwartungsvoll an, als würde er gleich den nächsten Hotdog hinter dem Rücken hervorzaubern, und er lachte erneut.

Dann drehte er sich um. „Hey, Paul. Hast du noch was übrig gelassen? Meine Freundin und ich haben leere Mägen zu füllen."

Anstatt Paul, stand Embry auf. „Nur noch einer. Teilt ihn euch." Mit einer schnellen Handbewegung warf er uns den Hotdog über das Feuer zu.

Ich merkte, dass er ein wenig zu hoch gezielt hatte, sprang hoch und streckte mich, um ihn zu fangen.

Sicher landete er in meinen Händen und zufrieden, schneller als Jake der Werwolf gewesen zu sein, versenkte ich meine Zähne hinein.

„Äh, Ryllis?", erklang Jakes Stimme unsicher.

Er wollte also auch noch etwas abbekommen. Ich grinste schadenfroh. Dann stockte ich. Moooment, unsicher? Jake?? Das ist nicht möglich! Jetzt erst wurde ich mir der unheimlichen Stille um mich herum bewusst.

Stirnrunzelnd sah ich mich um. Waren sie alle geschrumpft oder warum wirkten sie auf einmal so viel kleiner? Selbst die riesigen Werwölfe sahen zu mir auf. Auf! Stocksteif und mit weit aufgerissenen Augen und Mündern.

„Was zum –?", begann ich argwöhnisch.

Jake räusperte sich leise, obwohl es in der Stille viel lauter klang, und deutete wortlos auf den Boden unter mir.

Halt! Boden unter meinen Füßen? Wo war er? Ich sah nicht herunter, tastete aber mit meinen nackten Zehen danach. Doch da war nichts! Überhaupt gar nichts! Nada!

„Ryllis, Schatz, möchtest du nicht wieder zu uns runterkommen?", kam es von meinem Freund, der als Einziger nicht sonderlich überrascht zu sein schien.

Jetzt konnte ich dem Drang nicht mehr widerstehen und senkte den Blick.

Und bekam einen kleinen Schock.

Ich hing in der Luft. Im Nichts.

„Oh!", stieß ich entgeistert aus und sackte sofort ab. Der Aufprall war nicht schmerzhaft, trotzdem erschrak ich erneut.

Es blieb immer noch still. Während ich abwesend meine Hände zu Fäusten zusammenzog und wieder öffnete, wurde es mir plötzlich glasklar.

Mein Kopf schnellte hoch und ich fixierte Jake, der mich ebenso erwartungsvoll ansah. „Das war das ewige Kribbeln!"

„Aber", setzte er an. „dieser Masresha hatte davon gar nichts geschrieben."
Ich lachte übermütig. „Ich habe dir doch gesagt, dass er kaum einen blassen Schimmer hatte." Plötzlich überrollte mich eine Woge der Glückseligkeit.

Er schien nicht zu wissen, wie er reagieren sollte. „Heißt das jetzt, das kannst... irgendwie... schweben?", brachte er langsam hervor.

„Keine Ahnung." Überschwänglich sprang ich in seine Arme und drückte ihn an mich. „Aber es fühlt sich unglaublich an!"
Er legte seine starken Arme ebenfalls um mich und küsste mich ganz sanft und zärtlich.

Ein Räuspern erklang hinter mir. „Ich möchte wirklich ungern stören, aber... was war das?" Das war Sam.

Ich drehte mich in Jakes Umarmung um und begegnete Quils Blick. „Genau, du bist uns eine Erklärung schuldig."
Ich seufzte tief und spürte, wie mein Liebster meine Hand aufmunternd drückte.

„Ok... wo fange ich an?", überlegte ich laut. Dann begann ich ihnen von meiner Kindheit und dem Ereignissen in Volterra zu erzählen.

Ihre Reaktionen waren denen der Cullens ähnlich, wenn auch um einiges wütender.

„...tja, und in der letzten Zeit habe ich langsam, aber sicher ein paar Dinge über mich herausgefunden." Ich machte eine kleine Kunstpause. Dann sprudelte alles aus mir heraus. „Nämlich: Ich bin anscheinend kein Mensch, unter Anderem weil ich ein Chromosomenpaar mehr habe in meiner DNA, so wie ihr Werwölfe. Wenn ich will, kann ich jemanden telepathisch kontaktieren oder so ähnlich. Außerdem soll ich nicht die Einzige meiner ‚Art' sein. Alles in allem habe ich keine Ahnung, was ich bin und was mich noch erwartet. Dieses... was-auch-immer ist bis jetzt noch nie passiert. Ich bin also genauso unwissend wie ihr.", schloss ich meinen Vortrag.

Wieder herrschte eine lange Weile Stille.

Dann musterte mich Sam mit seinem typischen, eindringlichen Blick. „Du kannst also Gedanken lesen wie Edward Cullen?", fragte er vorsichtig.

„Nein, zum Glück nicht. Er kann sie richtig hören, ob er will oder nicht. Ich aber... ach, es ist so schwer zu beschreiben. Ich zeig's euch."

Hochkonzentriert schloss ich die Augen und versuchte, so viele Personen auf einmal anzusprechen. Es klappte schon viel besser als zuvor bei den Cullens, bemerkt ich erfreut.

So meine ich das. Die Meisten um mich herum bewegten sich unruhig. Zu eurer Beruhigung muss ich aber sagen, dass ich nur hören kann, was ihr wollt, dass ich mitbekomme., erklärt ich weiter. Eure Geheimnisse sind also sicher. Meine übrigens auch.

Jetzt öffnete ich meine Augen wieder und fühlte Quils Blick auf mir.

„Das war es also vorhin, als du sagtest, du hättest mit Jake geredet, ohne dass ich es hören konnte."
Wir beide nickten.

„Cool. Aber woher kommen diese Fähigkeiten? Anscheinend liegt es in deinen Genen wie bei uns. Hast du denn keine Eltern oder Familie, die davon wissen und es dir erklären könnten?", erkundigte er sich.

„Nein.", gab ich kurzangebunden zurück.

„Oh. Bist du am Ende eine Außerirdische?" Plötzlich klang er aufgeregt wie ein kleiner Junge.

„Ha!", schnaubte ich. „Witzig. Glaub' mir, solche tollen Theorien habe ich mir schon zuhauf von deinem Kumpel anhören dürfen. Ich sag' dir, der Junge hat eine blühende Fantasie." Sie lachten. „Unsinnig war es trotzdem. Ich bin doch immer noch zu einem bestimmten Teil Mensch. So wie ihr alle, wie die Cullens. Wir alle stammen von Menschen ab, haben uns nur ein bisschen weiterentwickelt." Ich sah ihn an. „So viel zum Thema Außerirdische."

Damit war das Problem fürs Erste für mich abgehakt und ich lehnte mich erschöpft an Jake. Während die Anderen weiter diskutierten und überlegten, versuchte ich, sie zu ignorieren und mich zu entspannen.

Irgendwann waren sie auch das Thema leid und der alte Quil begann, die überlieferten Legenden und Stammesgeschichten über die Quileute und ihre Anfänge als Wölfe und über die Kämpfe mit den ‚Kalten Wesen' zu erzählen.

Gespannt hören ich zu und versuchte, möglichst viel im Kopf zu behalten.

Gerade als ich begann müde zu werden, kam der alte Mann zum Ende. Zum wiederholten Male heute Abend senkte sich Stille über unsere Runde und nur wenige, leise Gespräche wurden geführt. Die Geschichte hinterließ bei allen einen tiefen, bleibenden Eindruck, besonders da sie von einer so eindrucksvollen Bassstimme vorgetragen worden war.

Traurigkeit überkam mich. Schon bald würde ich all das hier wieder verlassen müssen.

Jake schien meinen Gemütszustand zu spüren oder wenigstens zu erahnen. „Was ist los, Ryllis?", fragte er daher mit sorgenvoller Miene.

Ich rollte mich an seiner Seite zusammen. „Ich will nicht schon wieder gehen müssen. Ich habe doch eben erst ein richtiges Zuhause gefunden. Außerdem habe ich Angst, besonders um dich!"

Er strich mir beruhigend über den Rücken. „Denk' nicht daran, Liebste. Wir werden es schon zusammen überstehen.", munterte er mich auf.

„Das sagst du so einfach. Du warst ja noch nie dort."

„Wo denn?" Ein Junge setzte sich neben mich. Obwohl er fast so groß war wie Jacob, konnte er nicht älter als 16 sein. „Hi, ich bin Seth."

„Hi.", gab ich leise zurück.

Er schaute uns erwartungsvoll an.

„Das geht dich nichts an, Junge.", wollte Jake ihn schon abwimmeln, doch ich legte eine Hand beschwichtigend auf seinen Arm.

„Jake, er wird es sowieso demnächst erfahren."

Er grummelte etwas undeutlich vor sich hin und sagte nichts mehr.

„Weißt du, Seth, ich habe euch doch von Aro und dem Rest der Volturi erzählt."

Er nickte. Jetzt sah er aus wie er kleines, neugieriges Kind, dem man eine Märchengeschichte vorlas.

Wie niedlich., dachte ich gerührt. „Nun, sie wollen mich wiedersehen. Übermorgen fliege ich also nach Italien und Jake kommt mit, weil er mich nicht alleine gehen lassen will. Außerdem begleiten uns Bella und Edward. Caius und Aro wollten Bella unbedingt als Vampir sehen. Bevor sie also am Ende noch persönlich hierher kommen, fliegen wir alle zusammen nach Volterra."

Seine Augen waren groß geworden. Auch manche der Anderen schienen aufmerksam geworden zu sein.

„Einfach so?"

„Was bleibt mir denn anderes übrig? Und was kann denn noch passieren?" Ich schlang die Arme um meinen Bauch, einen neue Angewohnheit, die ich immer dann tat, wenn ich mich unwohl oder einsam fühlte, und fügte fast unhörbar hinzu: „Ich habe es doch schon verloren."

Wortlos zog mich Jake in seine starken Arme. In der warmen Umarmung fühlte ich mich sicher und geborgen.

„Was ist mit ihr?", fragte Seth ein bisschen naiv.

Jake antwortete leise, doch seine Stimme zitterte vor unterdrückter Wut. „Sie war schwanger und hat das Kind verloren. Wegen ihm." Das Letzte stieß er hart hervor.

„Aro?"

Ich fühlte Jakes Nicken und dann seine heißen Lippen auf meinem Haar.

Seth fluchte. Beinahe hätte ich gelacht. Solche Worte passten einfach nicht zu jemandem wie ihm. Er wirkte viel zu kindlich und sanftmütig dafür.

„Komm, lass uns gehen. Seth kann es den Anderen erzählen."

Ich nickte schwach und ließ mich von ihm auf die Füße ziehen.