Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an der Geschichte, was den Inhalt von Hasbro´s My Little Pony: Friendship is Magic anbelangt. Abgesehen von meinem OC ist alles deren Eigentum
Kapitel 24: Weggefährten
Es herrschte lange Zeit Stille unter den Freunden, nachdem Twilight ihren Bericht beendet hatte. Jedes Pony versuchte für sich die Informationen und die Folgen die sich daraus ergaben, zu verarbeiten.
Es war schließlich Rainbow, die als erste sprach. Sie stampfte entschlossen mit ihrem Huf auf den strohbedeckten Boden. „Das... das ist doch... das kann es doch nicht gewesen sein! Keine dieser Möglichkeiten ist ok. Nicht einmal annähernd! Soll ich Strawberry sagen, sie soll vor diesem.. diesem Irren niederknien, oder die Ponys... töten sie? Wer weiß schon, was Torden mit ihnen vor hat? Es muss einen anderen Weg geben!"
Twilight hob ihren Kopf und fixierte die cyanblaue Stute mit stechendem Blick. „Welcher Weg?", fragte sie in scharfem Tonfall. „Welchen Weg sollen wir einschlagen? Was sind unsere Alternativen?", bellte sie lauer als gewollt. Rainbow Dash zuckte aufgrund ihres aggressiven Tonfalls zurück, erlangte aber schnell ihre Fassung wieder.
„Wir können ihnen die Changelinge nicht einfach so ausliefern, Twilight. Sie sind nicht wie wir! Gosh, nachdem was ich hier gesehen habe, sind es nur Monster in ihren Augen. Und sie töten Monster! Was werden sie mit ihnen anstellen, wenn wir sie ihnen ausliefern? Wir haben keine Garantie außer Tordens Wort, das sie leben werden! Und ich persönlich traue im nicht halb so weit wie ich ihn werfen könnte!"
„Welche Wahl haben wir? Du selbst hast gesagt, das die Changelinge geschwächt sind. Ich sehe keine Chance, das sie gegen die vereinigte Macht der Stämme bestehen können. Sie sind zu allem entschlossen! Wenn sie angreifen... wird es keine Gnade geben, kein Pardon! Torden Hallen wird sie auslöschen, bis zur letzten Drohne. Siehst du nicht, worauf es hinausläuft? Kannst du nicht erkennen, das er entschlossen ist alles auszulöschen, alles und jeden zu beseitigen, der ihm im Weg steht? Im Weg zur Macht über das alte Land?" Twilight senkte ihren Kopf und atmete tief durch. „Ich weiß, das dies schwer zu verstehen ist. Aber Torden wird vor nichts halt machen, um sein Ziel zu erreichen. Das ist alles was zählt. Er will die Stämme und das ganze Land unter sich vereint. Es ist ihm egal, ob er dafür das Volk der Changelinge vernichten muss oder sie ihm dabei helfen."
Sie hob ihren Kopf und violettes Feuer loderte in ihren Augen auf, als sie weiter sprach: „Verstehst du nicht? Es ist ihm egal! So wahnsinnig und verrückt das auch klingt, aber er schert sich nicht weiter darum, als das es ihm nützen könnte! Du hast es selbst gesagt: Er ist nicht so wie wir! Er denkt nicht so wie wir! Er wird mit Feuer und Speer über sie herfallen und er wird vor nichts Halt machen, bevor er nicht bekommt, was er will!"
Rainbow sah sie einen Moment lang ungläubig an, dann schüttelte sie energisch ihren Kopf. „Nein. Es muss einen anderen Weg geben. Wir könnten..." aber Twilight fuhr ihr dazwischen, so heftig, das sie zurückschreckte.
„Was, Rainbow? Was sollen wir tun? Sollen wir das Leben einer ganzen Rasse auf die Waagschale werfen? Für irgendwelche unausgegorenen Pläne? Torden ist ein Barbar und scheinbar ohne jedes Gewissen, aber er ist nicht dumm. Er ist bereit eine diplomatische Lösung zu versuchen, weil er alles zu gewinnen und nichts zu verlieren hat. Und er hat Recht! Es gibt nichts, das wir anderes tun können, als nach seinen Regeln zu spielen."
Die Pegasusstute war vor dem Ausbruch ihrer Freundin einen Augenblick lang zurück geschreckt, aber ein einziger Schlag ihrer Schwingen brachte sie wieder auf Augenhöhe mit ihr.
„Sollen sie ihr Leben als Sklaven weiterführen? Sollen sie die Schlachten Tordens schlagen, seine Spione und Meuchelmörder werden? Er ist kein gutes Pony, Twilight!" Die beiden Freundinnen standen sich nun so nahe gegenüber, das ihrer Mähnen sich fast berührten, während sie sich zunehmend lauter ihre Argumente um die Ohren schlugen. „Er wird sie missbrauchen, wird sie ausquetschen und sie dann wegwerfen wie ein benutztes Taschentuch, wenn er fertig mit ihnen ist! Ihr Leben wird nicht mehr ihnen selbst gehören!"
„Aber sie werden leben!", schrie Twilight ihrer Freundin ins Gesicht.
Die beiden Stuten standen sich heftig atmend gegenüber, keine bereit auch nur einen Millimeter zu weichen. Ihre Freunde hatten einen Kreis um sie gebildet und sahen dem Streit in atemlosen Schrecken zu.
„Sie werden Leben, Rainbow." stieß Twilight zwischen ihren Zähnen hervor, ruhiger diesmal, aber mit nicht weniger Entschlossenheit. „Sie werden leben."
Der cyanblaue Pegasus hielt ihrem Blick noch einen Moment lang stand, dann schüttelte Rainbow langsam ihren Kopf. „Ich kann nicht glauben, das du sie einfach so aufgibst, Twilight. Wir haben immer einen Weg gefunden, um... Gosh..." Sie wischte sich wütend eine Träne aus dem Augenwinkel „Es ist nicht fair!", stieß sie hervor. „Es muss einen Weg geben! Es muss... ich habe es versprochen..." Rainbows Kopf senkte sich und dicke Tropfen liefen ihre Wangen hinab, um sich auf ihrer Schnauze zu sammeln. „Es ist nicht fair..." schluchzte sie ein letztes Mal.
Twilight betrachtete sie eine Weile, während ihre Freundin sich langsam dem unausweichlichen stellte. Einen Moment lang huschte eine Ausdruck des Mitgefühls über ihr Gesicht, der jedoch ebenso schnell wieder verschwand, wie er gekommen war.
Als sie schließlich wieder sprach, hatte sie ihre Stimme wieder vollkommen unter Kontrolle. Sie klang ruhig, gefasst und fast ein wenig kühl. „Nein, es ist nicht fair.", begann sie leise. „Es ist nicht fair, das einem Volk, das nur seiner Königin und letztlich seiner Natur gefolgt ist, so ein Schicksal wiederfährt." Sie sah sich im Kreis ihrer Freunde um. „Es ist nicht fair, das wir vor eine solche Entscheidung gestellt werden. Es ist nicht fair, das wir nur zwischen dem geringsten Übel zu wählen haben." Sie schwieg einen Augenblick, dann strafte sie ihre Gestalt und ihr Ton bekam eine Schärfe, die er vorher nicht besessen hatte. „Aber es war auch nicht fair, das Paprika und Old Junk und so viele andere in Ponyville ihr Leben lassen mussten. Es war nicht fair, das Sugar Coat gestorben ist, weil er seine Pflicht getan hat." Sie warf einen Blick auf Rogue. „Es war nicht fair, das Pears gesprungen ist." Das Rettungspony verspürte einen kurzen Stich in seiner Brust, als sie den Namen aussprach. „Aber es ist geschehen. Es ist Realität und wir müssen damit Leben. So wie wir mit dieser Entscheidung leben müssen. Es ist die einzige, die wir treffen können. Je eher wir das akzeptieren, umso besser. Wir müssen..." Sie zögerte kurz und ihr Mundwinkel zitterten, so als müsse sie einen Anflug von Selbstekel überwinden. „...weitermachen."
Sie sah zurück zu Rainbow, die ihr immer noch still gegenüber saß, während die Tropfen von ihrem Kinn eine nach dem anderen in das trockene Stroh unter ihr fielen. Für einen Moment schien es, als wolle sie ihren Huf nach ihr ausstrecken, doch statt dessen drehte sie sich um und trat ohne ein weiteres Wort durch den Kreis ihrer Freunde unter dem Dach hervor und trottete langsam zwischen den immer länger werdenden Schatten der Hütten davon.
Die Freunde sahen ihr nach, bis sie zwischen den Hütten verschwunden war, dann blickten sie sich untereinander an. Appeljack setzte ihren Hub ab und legte ihn vor sich in das Stroh. „Was für´n Schlamassel.", seufzte sie kopfschüttelnd.
Fluttershy trat neben Rainbow und legte ihr mitfühlend einen Huf auf die Schultern während die cyanblaue Stute leise vor sich hinweinte. „Können wir den gar nichts tun?", fragte sie in die Runde.
„Twilight hat recht, mit allem was se´ gesacht hat. Gosh, ich wünscht´ es währ´ anderst, aber s´ stimmt: Entweder die Changelinge tanz´n nach seiner Pfeife oder er tötet se´ alle. Was gibt´s da noch für ne´ Wahl?"
„Ist es wirklich möglich, das ein Pony zu so etwas im Stande ist?", fragte Pinkie leise. „Könnte er sie wirklich alle... wirklich alle umbringen? Nur um seine eigenen Ansprüche durchzusetzten?"
Appeljack schüttelte langsam ihren Kopf. „Ich weiß es nich. Ich... ich kanns nicht glaub´m, das ein Pony dazu inner Lage ist, aber andererseits...", sie sah traurig auf. „Wir können es auch nich´ riskier´n, oda?"
„Ich kann nicht glauben, das sie sich damit zufrieden gibt!", rief Rainbow aus. „Was ist aus ihr geworden? Was ist aus uns geworden, wenn wir so ein Übel einfach hinnehmen? Sie... ich... wir... Arrgh!" Sie warf hilflos ihre Vorderläufe in die Luft.
Rarity stand auf und ging zu ihr herüber. „Sei nicht böse auf sie, Dash. Sie macht sich selbst ohnehin schon die größten Vorwürfe deswegen."
Die cyanblaue Stute sah sie mit rotgeränderten Augen an. „Davon merkt man nicht viel."
„Glaub mir, sie tut es." Rarity hob ihren Kopf. „Rogue?"
Das Rettungspony merkte auf.
„Kannst du ihr bitte nachgehen, Darling? Es wird dunkel und auch wenn ich glaube, das wir hier sicher sind, sollte wir nicht alleine unterwegs sein. Und vielleicht kannst du dich mit ihr darüber unterhalten, was es bedeutet, die... ´schweren Entscheidungen´ zu treffen."
Er nickte und erhob sich. Als er unter dem Dach hervortrat, weg von dem warmen Kreis aus Freunden darunter, fragte er sich, warum sie gerade ihn gebeten hatte, Twilight nachzugehen.
Er wusste nichts über ´schwere Entscheidungen´. Er wusste etwas darüber, wie man den schwierigen, steinigen Pfad der Notwendigkeit ging, aber das hatte seiner Ansicht nach wenig mit Entscheidungen zu tun. Er hatte Dinge getan, von denen er sich im Leben nicht vorgestellt hatte sie einmal tun zu müssen, war immer wieder vor schreckliche Hindernisse und Prüfungen gestoßen, aber er hatte sich nie entscheiden müssen. Es war nie notwendig gewesen. Es hatte immer nur einen Pfad, eine Richtung gegeben. Vielleicht erschien es einem im Nachhinein so, als hätte er eine Entscheidung getroffen, aber in Wahrheit war sie schon längst gefallen und er konnte nichts anderes tun, als sich den Konsequenzen zu stellen.
Er konnte Twilight nichts darüber erzählen, wie man schwere Entscheidungen traf.
Er drehte sich um und sah noch einmal zu dem Kreis aus Freundschaft, den die Stuten bildeten. Rarity hatte ihren Huf zu dem von Fluttershy auf Rainbows Schulter gelegt, während Applejack auf die Pegasusstute einredete. Die Fashionista sah für einen Moment auf und begegnete dem Blick Rogues, der bereits ein gutes Stück von ihnen entfernt war. Sie schenkte ihm ein warmes, aufmunterndes Lächeln. Dann widmete sie sich wieder ihrer Freundin.
In diesem Augenblick verstand er es. Rogue verharrte noch einen Moment, dann drehte er sich wieder um, auf der Suche nach Twilight.
Er konnte ihr vielleicht nichts über schwere Entscheidungen erzählen, aber das war auch nicht notwendig. Die Entscheidung war bereits getroffen worden, oder besser: Es hatte nie eine gegeben. Vielleicht würden sie später darauf zurückblicken und sich fragen, warum sie diesen Weg gegangen waren und keinen anderen. Doch in Wahrheit hatte es immer nur diesen einen gegeben. Jetzt mussten sie mit den Konsequenzen leben. Und darüber wusste er eine Menge. Das war es, warum Rarity ihn und niemand anderen geschickt hatte.
Es war ein gutes Stück Arbeit die Einhornstute aufzutreiben, da sie offensichtlich nicht gefunden werden wollte. Sie hatte sich auch ein sehr gutes Versteck ausgesucht – auf einer der verlassenen Aussichtsplattformen direkt unterhalb des schützenden Netzes über dem Dorf. Er fand sie nur, weil sie unvorsichtigerweise ihren unverkennbaren Schweif mit der markanten Strähne über den Rand hatte baumeln lassen... in gut fünfzehn Metern Höhe. Er wollte sich gar nicht vorstellen, wie sie da hoch gekommen war. Er hoffte einfach nur, sie hatte aus ihren Erfahrungen gelernt und nicht noch irgendwelche Zauberkunststückchen benutzt, die sie alle in Gefahr hätten bringen können.
Der Aussichtspunkt stand für sich alleine, gesichert durch das Netz selbst und starke Seile, die ihn nach allen Seiten gerade hielte. Aber die Brücken aus einfachem Holz, die sich an vielen Orten zu ähnlichen Plattformen und der Palisade spannten, fehlten hier. Man konnte ihn nur mit Flügeln erreichen – oder mit einem gewagten Sprung von einem der nahen Strohdächer.
„Äh, Twilight?", rief Rogue zu ihr hinauf. Der Schweif zuckte kurz. Er wartete einige Augenblicke. Aber es kam keine Antwort. „Komm schon, ich habe dich gesehen. Wir sollten hier nicht alleine sein.", versuchte er es noch einmal. Wieder keine Antwort. „Wir könnten uns unterhalten...", probierte er einen anderen Ansatzpunkt. Diesmal reagierte die Stute.
„Bitte lass mich in Ruhe. Ich brauche jetzt einfach etwas Zeit zum nachdenken."
Er atmete erleichtert auf, als er ihr endlich eine Antwort abgerungen hatte. „Twilight, bitte. Ich will einfach nur reden. Es bringt nichts, zu lange nur mit den eigene Gedanken allein zu sein. Glaub mir, ich weiß es. Man kommt nur auf dumme Ideen."
Er lauschte angestrengt in das trüber werdende Licht der heranbrechenden Nacht, aber eine Antwort blieb aus.
„Verdammt." Twilight machte es ihm nicht einfach, aber er war fest entschlossen sie nicht so einfach davonkommen zu lassen. Er konnte verstehen, warum sie jetzt die Einsamkeit jeder Gesellschaft vorzog, aber er war sich ebenso sicher, das sie jetzt jemanden brauchte, der sie von dem Sturm ablenkte, der sicherlich in ihrem Geist tobte. Er konnte nicht anders als Rarity dafür zu bewundern, wie unfehlbar sie die Lage eingeschätzt hatte. Wenn jemand Twilight in diesem Augenblick verstehen konnte, dann er. Deshalb war es so wichtig, das er sich nicht einfach abschütteln ließ.
„Ok, wenn du nicht runterkommen willst – komme ich eben hoch!", rief er nach oben.
Er musste nach oben gelangen. Rogue sah sich nach dem nächsten Aufgang auf die Palisade um. Er umrundete die nächste der einfachen Hütten und wurde schnell fündig. Ein steiler Aufgang aus rohen Holzstämmen führte bis zum Wehrgang. Leider ergab sich damit auch sofort ein anderes Problem: zwei Stammesponys standen daneben und unterhielten sich entspannt miteinander im Licht der frisch entfachten Fackeln. Er wusste nicht, ob sie ihn aufhalten würden, wenn er versuchte auf die Mauer zu gelangen, aber er wollte auch kein Risiko eingehen, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken – oder auf Twilight. Er sah sich nach anderen Aufgängen um, konnte aber in der Nähe keinen Entdecken. Die einzigen Anderen von denen er wusste, waren die in der Nähe des Tores – und die waren sicherlich noch besser bewacht. Er konnte sich noch weiter umsehen, aber dieser war Twilights Aufenthaltsort am nächsten und die Brücke, die nur wenige Meter davon entfernt war, führte direkt an dem Strohdach vorbei, das ihn zur Plattform bringen könnte...
„Ach, das kann doch nicht wahr sein...", murmelte er zu sich selbst, während seine Hufe sich bereits in Bewegung setzten.
Die beiden Stammesponys standen weit rechts der Treppe und schenkten ihrer Umgebung nur wenig Aufmerksamkeit. Die Fackeln waren an einfache Pfähle gebunden, die in die Erde getrieben worden waren. Und unter der Treppe war es bereits recht duster...
Rogue hatte keine Ahnung vom Schleichen. Er hatte viel über unerschrockene Helden gelesen, die kühn und unerschütterlich förmlich mit den Schatten verschmolzen und ihrer Gegner an der Nase herumführten. Er hätte viel gegeben, auch nur ein Gramm dieser Zuversicht zu verspüren, während er scheinbar unbekümmert einen großen Bogen um die beiden schlug, um in den Schatten unter der Palisade zu kommen.
Er schritt gemächlich aus und kam sich dabei die ganze Zeit wie auf dem Präsentierteller vor. Er erwartete jeden Moment einen Ruf, der ihn in der unverständlichen Sprache der Eingeborenen aufforderte stehen zu bleiben. Tatsächlich aber beachteten die beiden ihn gar nicht. Und selbst wenn sie ihn sahen – er machte nur einen Spaziergang, oder?
Als er sich an die Holzstämme des Wehrs drückte, klopfte ihm das Herz bis zum Halse. Er verfluchte seine eigene Dummheit sich auf ein solch gefährliches Abenteuer einzulassen. Konnte er Twilight nicht einfach in Ruhe ihren Gedanken nachhängen lassen? Er konnte problemlos zu den anderen zurückkehren und sagen, er hätte sie nicht gefunden...
Aber natürlich kam das nicht in Frage. Twilights Streitgespräch mit Rainbow hatte klar genug gezeigt, das auch sie jemandes bedurfte, der ihr gut zuredete. Und wenn das nicht half – zumindest die Wogen glättete. Der vielleicht schwierigste Akt dieses traurigen Schauspiels stand ihnen noch bevor. Sie konnten ihn nicht mit einer Anführerin begehen, die mit den Konsequenzen ihres Schicksals haderte.
Rogue drückte sich weiter an den roh behauenen Baumstämmen entlang, darauf bedacht, stets in den dunkler werdenden Schatten zu bleiben. Unter der Treppe angekommen ließ er sich auf den Bauch nieder und kroch langsam auf den Schein der Fackeln zu.
Er musste sich mit den Hinterläufen vorwärts schieben und sein verletzter Schenkel protestierte dabei schmerzhaft. Er biss sich auf die Zähne und ignorierte das Stechen der frischen Naht. Die Stimmen vor ihm wurden lauter. Er konnte wie immer nur Silben verstehen, aber was er hörte, beruhigte ihn. Es war eine zwanglose Unterhaltung, ohne argwöhnischen Ton oder mißtrauischer Fragen.
Seine Anstrengungen brachten ihn bis zu Fuß der Treppe. Er konnte die Hufe der Stammesponys unter den Stufen sehen und, was noch wichtiger war, den Pfahl, der die Fackel hielt.
Er streckte seinen Huf danach aus. Das Ende war tief in die Erde getrieben worden, aber diese war trocken und rissig geworden. Er konnte sich nicht damit aufhalten lange die Festigkeit zu prüfen. Er atmete tief durch – und gab dem Pfahl einen kräftigen Stoß.
Die Stange war gut zwei Meter lang und fiel genau zwischen dem beiden Ponys hindurch. Sie sprangen erschreckt zurück, für einen Moment erstarrt. Dann beeilten sie sich die Flammen zu löschen, die auf einen nahen Strohhaufen überzugreifen drohten.
Rogue huschte schnell aus seinem Versteck hinauf auf den Aufgang, während sie abgelenkt waren und ihm den Rücken zukehrten. Er riss sich zusammen und erklomm die steile Treppe nur vorsichtig, damit seine Hufe keine verdächtigen Geräusche auf dem Holz machten, auch wenn alles in ihm danach schrie, einfach nach oben zu galoppieren. Mit wild klopfenden Herzen erreichte er den Wehrgang und kauerte sich so klein er konnte zusammen, außerhalb des Sichtfeldes der Wachen.
Er hörte ihre überraschten Rufe und versuchte sich noch tiefer in die Schatten zu drücken. Seine Flanke hatte ihr klagendes Lied wieder aufgenommen und pulsierte im selben Rhythmus wie sein aufgeregtes Herz. Schließlich verklang das Stampfen der Hufe, mit dem die beiden das Feuer gelöscht hatten und eine kurze Stille folgte. Mit Grauen vernahm das Rettungspony Schritte auf dem hölzernen Wehrgang, die sich ihm näherten.
„Han! Hvad sker der dernede?" rief ein sandfarbener Erdhengst den beiden zu, kaum zehn Meter von Rogue entfernt.
„Åh, det er ingenting. Faklen er lige faldet over. Alt er fint." Und dann lachten sie erleichtert.
„Godt, men hold øjnene åbne, forstå?", rief das Pony von oben herunter.
„Hvad vi gør!", schallte es ihm als Antwort entgegen.
Obwohl sie ihn nicht bemerkt hatten, konnte Rogue nicht anders als noch eine gute Minute einfach dort liegen zu bleiben, während seine Gliedmaßen wie eingefroren waren. Erst als die beiden Wächter ihre lockeren Gespräche wieder aufnahmen und die Silhouette des Erdhengstes sich wieder entfernte, wagte er es, sich langsam zu erheben.
Er verfluchte sich und Twilight noch immer im Stillen, während er versuchte seine zitternden Beine unter Kontrolle zu bekommen. Er musste so schnell wie möglich weiter. Die Stammesponys patrouillierten auch die Steige über dem Dorf und er konnte schnell entdeckt werden, wenn er sich nicht beeilte. Nur sein graues Fell, das mit den Schatten der Abenddämmerung verschmolz, hatte ihn diesmal gerettet.
Er betrat unsicheren Hufes die Hängebrücke und balancierte sich langsam die schwingenden Bohlen entlang. Er wusste, das nichts mehr Aufmerksamkeit erregen würde, als schnelle, plötzliche Bewegungen und so zwang er sich selbst dazu seiner Eile nicht nachzugeben.
Das Strohdach war kaum zwei Meter von ihm entfernt und ein beherzter Sprung würde ihn problemlos darauf bringen, wenn er darauf achtete die hölzernen Streben zu erwischen. Andernfalls würde er wahrscheinlich einfach mit dem Fuß durch die Binsen brechen und einen sehr lauten Aufruhr unter den Bewohnern verursachen. Von dort aus allerdings war es sehr viel weiter zu der Plattform, als es von unten ausgesehen hatte. Und was noch schlimmer war: Es gab kaum mehr etwas was einen ungewollten Absturz mindern könnte.
Keine Zeit. Der sandfarbene Hengst war bereits wieder auf diesen Abschnitt der Palisade getreten. Es würde nicht lange dauern, bis er ihn bemerken würde.
„Buck!", stieß Rogue gedämpft hervor und sprang mit einem kräftigen Satz ab. Seine Wunde schrie scharf auf, aber er behielt das Gleichgewicht und landete sauber auf einer der Sparren des nahen Daches. Das Konstrukt aus Holz ächzte vernehmlich und er hörte leise, erschreckte Stimme unter sich.
Er suchte nach einem festen Stand auf dem wackligen Bau unter ihm. Das knarren des trockenen Holzes teilte ihm unmissverständlich mit, das es sein Gewicht nicht ewig tragen würde. Er sah auf. Er konnte Twilights Silhouette auf der Plattform ausmachen, aber sie war noch so weit entfernt, zu weit...
„Buck!" Er sprang. Sein Herz machte einen Satz in seiner Brust nicht weniger weit als er selbst. Für einen Moment war er sich der schrecklich tiefen Weite unter sich bewusst, die er fallen konnte und er musste sich mehr als zusammennehmen um nicht laut aufzuschreien. Dann bohrte sich die harte Kante der Plattform in seine Brust. Seiner Vorderläufe fassten instinktiv danach, pressten jeden Muskel gegen das rettende Holz, während seine Hinterbeine verzweifelt ins Leere traten.
Er rutschte ab. Langsam, aber sicher verlor er den Halt auf den blanken Bohlen. „Nein!", stieß er zwischen zusammengepressten Zähnen hindurch, während seine Hufe hilflos über das Holz kratzten. „Nein!" Er durfte nicht laut sein, aber er rutschte, er fand keinen Halt, er...
„Ich hab dich!" Ein violetter Schimmer umfasste ihn, hob ihn an, befreite ihn aus dem erbarmungslosen Griff der Schwerkraft, die an ihm zerrte. Seine Hufe berührten den festen Boden der Plattform und Twilights Zauber verlosch. Er versuchte auf den Beinen zu bleiben, aber seine Knie zitterten zu sehr. Er klammerte sich an die befreiende Festigkeit der Plattform unter ihm und versuchte wieder zu Atem zu kommen.
„Still jetzt!" Er spürte, wie sie sie ihn nieder drückte und sah aus den Augenwinkeln, wie ihr Horn kurz aufflackerte. Eine seltsame Kühle legte sich über seinen Körper, aber er bleib still liegen, während er das Klappern von Hufen auf den Bohlen der Hängebrücke hinter sich hörte. Er hielt erschreckt den Atem an. Er sah das Licht einer hochgereckten Fackel, wie es über sie strich, ohne zu verweilen. Dann entfernte sich der Schein wieder. Dennoch blieb er liegen, bis er das erleichterte Aufatmen Twilights über sich hörte. Der Huf auf seinem Rücken wurde weggenommen und er stand langsam auf. Schnell warf er einen Blick zurück auf die Hängebrücke von wo aus er abgesprungen war und sah noch den Rücken eines großen Einhorn, das sich mit einer Fackel in seinem magischen Griff von ihnen entfernte.
„Was zum Tartarus tust du hier, Rogue?" Er wandte seinen Kopf , nur um in das Angesicht eines äußerst erzürnten Einhorns zu sehen.
Er zuckte unwillkürlich zurück. „Ich, äh, also..." Er war mit einem bestimmten Ziel hier herauf gekommen, aber irgendwie war ihm das während der ganzen Aufregung kurz abhanden gekommen.
„Wie kann man nur so dumm sein? Habe ich dir nicht klar gesagt, das ich alleine sein will? Celestia, kannst du mir nicht einen Moment Ruhe gönnen? Statt dessen läufst du mir wie ein verirrtes Fohlen hinterher und bringst alles in Gefahr! Was wäre geschehen, wenn sie dich erwischt hätten? Wir können uns keine Verdachtsmomente leisten!"
Verdachtsmomente. Torden Hallen. Schwierige Entscheidungen!
Er erhob sich und versuchte seine Fassade aus Zuversicht und Entschlossenheit wieder aufzubauen, während er gleichzeitige die gähnende Leere jenseits der schmalen Plattform zu ignorieren versuchte. Für heute hatte er genug von Höhen.
„Ich... ich wollte nur mit dir reden...", begann er zögernd, nur um sofort von der Stute abgeschnitten zu werden.
„Aber ich will nicht mit dir reden! Ich will einfach nur alleine sein! Nur... nur für eine Stunde. Könnt ihr mir das nicht gönnen? Nur um... um etwas Ordnung in meinen Kopf zu bringen!" Sie drehte sich entschlossen um und ging die wenigen Schritte von ihm fort, die sie bis an die Kante der Plattform brachten. „Ich dachte, gerade du würdest das verstehen." Sie drehte ihren Kopf und ihre Gesichtszüge wurden etwas weicher. „Ich weiß, das ihr euch Sorgen um mich macht, aber..." Sie schloss ihre Augen und seufzte leise. „Es war ein langer Tag. Ich habe heute viel lernen müssen. Vieles, das nicht in das Bild passt, das ich bisher von der Welt hatte. In meine Kopf wirbelt alles durcheinander und ich brauche Zeit um es wieder zu ordnen. Kannst du das verstehen?", fragte sie ihn sanft.
Er senkte seinen Kopf. „Ja, das kann ich gut.", sagte er in den selben, verständnisvollen Tonfall, den sie zuvor angeschlagen hatte. Doch noch bevor sie zustimmend nicken konnte, fuhr er fort. „Und genau deshalb muss ich so dringend mit dir reden."
Er trat einen Schritt vor, sorgsam darauf bedacht sich von den jäh abfallenden Kanten der Plattform fern zu halten. „Twilight, es muss nicht so sein. Du denkst vielleicht, das du jetzt alleine bist, auf einem dunklen einsamen Pfad. Was wir... was du entscheiden musst ist ohne jeden Zweifel schrecklich. Und ich... ich kann mir nur vorstellen, welche Last es auf deine Schultern legt. Aber eines weiß ich genau. Weil ich den Weg, den du gegangen bist, selbst so viele Male bestritten habe: Es ist nicht gut ihn alleine zu gehen."
Die Stute betrachtete ihn einen Moment lang. Dann schüttelte sie langsam ihren Kopf. „Ich weiß deine Anteilnahme zu schätzen, Rogue, aber das hier ist etwas, mit dem ich alleine fertig werden muss. Ich bin das zentrale Element, die Anführerin und es liegt an mir die Entscheidung zu treffen. Und ihre Folgen zu tragen. Ich habe mich zu lange hinter meinen Freundinnen versteckt. Sie verlassen sich darauf, das ich letztlich alles zum Guten wende. Aber es ist nicht so einfach. Es war einmal so..." sie kicherte freudlos, wie über einen bitteren Witz. „Es war einmal...", sinnierte sie. „So beginnen die Märchen immer. Wenn ich jetzt zurückblicke, kommt es mir tatsächlich so vor. Wie ein Märchen. Ein Unrecht geschieht. Die Helden erscheinen. Und mit einem Hufstreich, mit einer einer einzigen, glasklaren Entscheidung, richten sie alles zum Guten. Und alle Ponys lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Nur schwarz und weiß, nur richtig und falsch und eine einfache Wahl. Wo ist ist diese Entscheidung jetzt?" Sie sah hinauf zu dem dunkler werdenden Himmel, wo sich die ersten Sterne blitzend zeigten. „Ein Märchen. Nur falsche Hoffnungen und enttäuschte Versprechungen. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß. Da ist Grau – so viel Grau – dazwischen." Sie trat näher an ihn heran, so das sie sich Schnauze an Schnauze gegenüber standen. „Weißt du, was mir kein Ruhe lässt? Weißt du, was mich mehr als alles andere umtreibt?" Ihre Stimme war von Ärger erfüllt, aber dennoch nachdenklich. „Ich bekomme es nicht aus meinem Kopf. Ich musste nie die Konsequenz meiner Entscheidungen tragen. Bis jetzt. Und nun, da sie mir klar vor Augen geführt werden, wie kann ich anders, als alles zu hinterfragen, das ich je getan habe?" Sie hielt sich ihren Huf vor das Gesicht. „Was ist mit Nightmare Moon? Selbst die Legende erzählt, das es die Geringschätzung an ihrer wunderbaren Nacht, ihrer ureigensten Eigenschaft, ihres Cutie-Marks war, das Prinzessin Luna dazu trieb... zu diesem Wesen zu werden. Sicherlich, es war richtig, sie aufzuhalten und Equestria vor der ewigen Nacht zu bewahren. Aber war es wirklich damit getan?" Sie seufzte schwer. „Es ist mir erst jetzt klar geworden. Wir haben damals nur Nightmare Moon besiegt, aber nicht, was Luna zu dem gemacht hat, was sie schließlich wurde: Der Wunsch, so anerkannt zu werden, wie ihre Schwester, Celestia."
Twilight packte Rogues Schultern und schüttelte sie kräftig. „Verstehst du was ich meine? Verstehst du, was das bedeutet? Für das, was wir getan haben? Was wir als richtig empfanden? Wir haben nur die Symptome bekämpft, während die Krankheit weiter besteht! Was haben wir ausgerichtet?" Sie hielt inne und lies ihn erschreckt los, überrascht von ihrer eigenen Leidenschaft. „Wir haben gar nichts erreicht. Luna hatte alles Recht neidisch zu sein. Sie wird für immer im Schatten ihrer glänzenden Schwester stehen."
Ihr Gesicht bekam einen ruhigeren Ausdruck. „Wir sind die Elemente der Harmonie. Wir stellen das Gleichgewicht wieder her. Wir sollen auf die Waagschale treten, wo immer sie sich in eine falsche Richtung neigt. Aber was ist die richtige Richtung? Wenn blinde Rechtschaffenheit das Ruder übernimmt, müssen wir dann dagegen ebenso vorgehen, wie wir es gegen die Willkür eines Diktators tun würden? Gibt es so etwas wie das ´notwendige Übel`? ´Berechtigte Grausamkeit´? Hättest du mich gestern das gefragt, wäre ein klares `Nein!´ meine Antwort gewesen. Aber heute... heute bin ich mir nicht mehr so sicher."
Sie wandte sich wieder Rogue zu. „Verstehst du, warum ich so verwirrt bin? Ich weiß, das dieses Land... diese Wiege unsere Zivilisation, die wir vor so langer Zeit verlassen haben, ein einziges Chaos ist. Ponys kämpfen gegen Ponys. Sie kämpfen... sie töten einander. Aber nun, zum ersten Mal seit ihres Gedenken, arbeiten sie zusammen. Sie legen ihren Groll, ihren Hass beiseite. Und warum tun sie das?" Sie biss ihre Zähne zusammen, bis sie schmerzhaft knirschten. „Damit sie die Changelinge auslöschen können. Diese Parasiten! Diese Wechselbälger, die sich ohne Rücksicht und ohne Reue am Liebsten und Heiligsten unsere Rasse laben und bereichern! Liebe und Vertrauen und allem was wir aus dem tiefsten Inneren unseres Herzens geben! Sie saugen daran, ohne etwas davon zurückzugeben. Sie machen aus uns dumpfe Sklaven, unfähig unseren eigenen Gefühlen zu entfliehen..." Ihre Gesichtszüge hatten einen Ausdruck harten, blanken Hasses angenommen.
Das Rettungspony schreckte vor dieser Maske blinder Wut zurück. Er erkannte die Stute vor ihm kaum wieder. Twilight, der ausgeglichene, ruhige Pol zwischen den vielen Leidenschaften ihrer Freundinnen, zeigte plötzlich die Zähne. Ihr wahres Gesicht.
Rogue war vertraut mit den Masken, die ein Pony aufsetzte, um im täglichen Leben zu bestehen. Er selbst war ein Meister darin. Bis heute war es ihm möglich gewesen viele zu täuschen, in dem er sein wahres Wesen hinter dem verbarg, was er andere von sich wissen lassen wollte. Wenige Ponys waren im Stande hinter die Fassade zu sehen. Fluttershy hatte nie ein Problem gehabt, seine wahren Gefühle zu spüren. Applejack ließ sich gerne täuschen, aber nicht für lange. Und er selbst... er glaubt zu gerne den Masken, die ihm von anderen präsentiert wurden. Wenn er darüber hinaus sah... wenn er erkannte, was wirklich hinter der Maske stand... etwas, das er als seinen ´Ponyverstand´ begriff, als einen Sinn, den er sich in langen Jahren des Beobachten und Interpretierens erarbeitete hatte, fühlte er sich gerne für einen Moment überlegen. Es war eine Insel, eine einzigartige Gelegenheit, in der seine starken, aber ungeschickten Hufe keine Rolle im Vergleich zu der diffizilen Arbeit der Magie eines Einhorns oder der Präzision einer Pegasusschwinge spielte. Er hatte einmal geglaubt, dass das ihn das seinen gerechten Platz in der Ambulanz in der Manehattener Feuerwehr geben würde. Pears hatte dieses Zuvertrauen in sich selbst zerstört. Sein Versagen an diesem Tag, seine Unfähigkeit, dass, was er hätte voraussehen müssen, nicht begriffen zu haben, war noch immer eine Wunde in seiner Seite, bis heute.
Aber er war daran gewachsen. Es schmerzte noch immer, so wie es vielleicht immer Schmerzen würde. Er würde den letzten, anklagenden Schrei des Fohlen in sich tragen, vielleicht bis an sein Lebensende. Er würde ihn verfolgen, weiter und weiter, würde ihn aus seinen Träumen wecken, während er in diese verzweifelten Augen blickte, während sie immer kleiner in der Tiefe wurden. Nur ein kleiner Moment der Unaufmerksamkeit... ein winziger Augenblick der Zuversicht...
Twilight sah sich zum ersten Male dieser unbarmherzigen Gleichung gegenüber. Und sie war nicht unbescholten. Sie hatte erleben müssen, wie ihr eigener, geliebter Bruder dem verführerischen Verrat dieser Kreaturen erlegen war. Wie seine unbedingte Liebe zu seiner Stute zu eben jenem Werkzeug wurde, das fast den Untergang Canterlots besiegelt hätte.
Wie sehr musste sie die Changelinge hassen! Jenseits aller Antipathie, die ihre Lebensweisen in ihnen allen hervorrufen mochte! Applejack hatte ihm über die besondere Verbindung zwischen Twilight und Prinzessin Cadence erzählt. Wie schwer wogen die Vorwürfe in Twilight, das sie die Veränderungen in ihrer alten Freundin nicht richtig gedeutet hatte, bis es fast zu spät war?
Aber die Einhornstute hatte all das beiseite geschoben, hatte sich selbst über ihren Zorn erhoben, der nur all zu verständlich wäre und den guten Weg gewählt... so schwer er auch war.
Rogues Wertschätzung vor Twilight wuchs um ein Zehnfaches, als er das begriff. Wie einfach wäre es gewesen, die Changelinge als das Böse zu verdammen? Wie vielen Schwierigkeiten währen sie aus dem Weg gegangen? Aber eine einzige ihrer Freundinnen sah Hoffnung in ihnen und so... musste sie es auch. Das einzige Problem war, das sie selbst es noch nicht verstand.
Rogue ordnete seine Gedanken. Es war so wichtig, was er als nächstes sagen würde. „Ich war nicht in Canterlot, als die Changelinge angriffen. Ich habe nur davon gehört. Es muss furchtbar gewesen sein, das selbst, als die Hauptstadt in höchster Alarmbereitschaft gewesen ist, das Schicksal aller Ponys nur an einem seidenen Faden hing. Ihr habt gekämpft, ihr habt euch mit all eurer Kraft gegen diese Invasion gestemmt, aber es wart nicht ihr, oder die Macht der Prinzessinnen, die die Entscheidung brachte."
Er sah auf und begegnete Twilights Blick. „Du hasst sie dafür, nicht wahr? Du hast gekämpft, hast alles getan, um sie zurück zu drängen. Die Elemente hätten genug sein müssen, wo selbst Celestia gescheitert war, nicht war?"
„Nein!", stieß das Einhorn hervor, so laut, das es unweigerlich im Dorf zu hören sein musste. „Celestia hätte niemals verlieren dürfen!", sie unterstrich ihr Argument mit einem entschlossenem Huftritt. „Es... es war ein Trick! Um... mich etwas zu lehren. Sie hat immer die Kontrolle behalten! Sie ist ein Alicorn! Sie ist eine... Göttin!"
Etwas zupfe an Rogues Verstand, wie eine längst vergessene Erinnerung.. Er glaubte selbst nicht, was er als nächstes sagte. „Aber sie sind dennoch nur Ponys, nicht wahr?"
Twilight sah ihn mit offenem Mund an, verstört und doch erwartungsvoll.
Er fuhr fort, ohne recht zu wissen, was er von ich gab. Die Worte in seinem Mund reihten sich von selbst aneinander, formten Sätze... wie aus einem Traum...
„All diese Möglichkeiten... nur ein einen Schleier entfernt..."
Twilight zögerte einen Moment, dann packte sie ihn schmerzhaft an der Kehle, zerrte ihn gewaltsam zu sich hinauf. „Woher weißt du das? Woher? Ich habe es niemanden erzählt! Woher weist du es?", verlangte sie.
Rogue, immer noch halb gefangen zwischen seinen Erinnerungen und der Gegenwart, drängte die Stute von sich ab. „Es ist... war ein Traum. Was sein könnte. Was niemals sein kann. Was sein kann. Und alles dazwischen..." Er schüttelte verwirrt den Kopf. „Verdammt, Twilight, ich weiß nicht, was ich sage. Es ist wie ein Traum. Ich... ich erinnere mich..." Plötzlich sah er auf. Es war mit einem Mal so glasklar, so selbstverständlich, als würde er selbst aus einem Traum erwachen.
„Sie vertraut dir.", sagte er emotionslos, wie ein Automat. Dann, wie ein erwachender Schläfer, wiederholter er die Nachricht, die so lange in ihm geschlafen hatte.
„Sie vertraut dir!", rief er laut aus. Er konnte nicht anders und lachte laut, während er seine Vorderhufe um das verwirrte Einhorn schlang. „Sie vertraut dir! Sie vertraut dir!", wiederholte er wie von Sinnen, während er sie ihn seinen Hufen hielt. Sie zitterte vor Furcht und Unglauben in seiner Umarmung. „Was? Was? Wer... wer vertraut mir?", fragte sie ängstlich.
„Celestia! Und Luna! Ich habe mich gerade erinnert!" Er stieß sie sie einem Moment von sich, nur um sie einen Augenblick später wieder in eine tiefe Umarmung zu ziehen. „Ich erinnere mich! Wir sind nicht alleine! Ich dachte, es war nur ein Traum, aber es war mehr als das! Ich habe von Luna geträumt!" Er sah sie erwartungsvoll an, aber in das Gesicht des Einhorns war nur Verwirrung gezeichnet.
Er riss sich trotz seiner Aufregung zusammen. „Ich habe von Luna geträumt. Als wir... als wir mit der ´Idle Barter´ notgelandet sind. Wir haben miteinander gesprochen. Es war damals nur ein Traum für mich, aber jetzt ergibt alles einen Sinn! Sie hat mich für einen Moment in ihre Gedanken gelassen. So wie du damals einen Moment das Bewusstseins der Prinzessinnen erlebt hast. Überall, zu jeder Zeit zu gleich! Aber... aber ohne..." Er kämpfte um die richtigen Worte. „Ohne den richtigen Pfad. Ohne Gewissheit..." Er schüttelte seinen Kopf. „ Es tut mir Leid, aber ich kann es nicht richtig ausrücken.", gestand er verschüchtert ein. Dann sah er entschlossen auf, als seine wirbelnden Gedanken eine feste Insel erreichten. „Aber sie vertraut dir.." sagte er fest entschlossen. Für einen Moment dachte er darüber nach, was er gerade gesagt hatte, dann schüttelte er seinen Kopf. „Sie hat es zu mir gesagt. Ich verstehe nicht, das von allem, was sie uns vielleicht mitteilen wollten, gerade dass das so wichtig war, aber es war die einzige Nachricht, die sie für uns... für dich hatte. Celestia vertraut dir." Er sah auf. „Kannst du dir einen Reim..." Er verstummte, als er in Twilights Gesicht sah.
Die Einhornstute trug eine Maske puren Grauens zur Schau. Ihre Augen waren weit aufgerissen, so das das Weiße darin größer war als Ihre Iris. Kraftlose Kiefer formten ihren Mund zu einem ungläubigen ´O´.
Rogue starrte sie einen Moment lang überrascht an und ging dann sogar so weit, sich ängstlich umzusehen, was die Stute so sehr in Furcht versetzt haben könnte. Als er nichts entdecken konnte, ließ ihn ein Flüstern von Twilight herumfahren.
„Sie weiß es?", fragte sie so leise, das er es kaum verstand.
„Was Twilight?", fragte er sie verwirrt.
„Sie weiß es...", entglitt es ihren Lippen wie ein Hauch. Kraftlos ließ sie sich auf die Hinterbeine sinken. „Sie weiß es...", wiederholte sie.
Das Rettungspony sah sie hilflos an. Schließlich trat er einen Schritt vor und drehte ihren Kopf mit seinem Huf so, das sie ihm in die Augen sah. „Was weiß sie? Rede mit mir Twilight!"
Das helle Blau seiner Augen schienen sie aus ihrer Erstarrung zu befreien. Ihr Blick fokussierte sich und sie erwiderte den seinen. Ihre Augenwinkel füllten sich langsam mit Tränen. Als sie sprach, brach ihre Stimme. „Sie weiß, das ich hier bin."
Er sah sie verwirrt an. „Wer? Celestia? Natürlich weiß sie, das wir hier sind. Warum..." Dann dämmerte langsam die Erkenntnis in ihm und er hielt inne. Ein eiskalter Schauer ran ihm über den Rücken. „Du hast es ihr nicht gesagt.", flüsterte er ungläubig. Er sah tiefer in ihre Augen, suchte darin nach einem Hinweis das er sich irrte.
Aber die Stute schloss nur ihre Augen. Glitzernde Tränen flossen ihre Schnauze hinab und tropften silbern auf das Holz unter ihnen.
Jetzt war es Rogues Kehrseite, die kraftlos auf die Plattform sank. „Du hast es ihr nicht gesagt...", wiederholte er tonlos.
Als währe es eine Anklage gewesen, schoss Twilights Kopf nach oben. „Ich konnte es nicht!", rief sie gequält aus. „Nach dem was in Canterlot passiert ist... was ich getan habe...sie wollte, das ich einfach nach Hause gehe. Das ich... das ich die Hufe hochlege und mich ausruhe... erhole... als wäre ich es gewesen, dem etwas Schreckliches zugestoßen währe! Als wäre ich das Opfer. Als wären es nicht ich gewesen, die... die für den ganzen Unfall verantwortlich gewesen war! Die ihr Vertrauen missbraucht hat! Ich kann nicht... ich konnte nicht einfach dasitzen und nichts tun!"
Rogue sah sie ernst an und schwieg eine Weile, bevor er ihr antwortete. „Und deshalb mißbrauchst du ihr Vertrauen noch einmal, in dem du dich einfach auf den Weg machst."
„Ja!" stieß sie zwischen zwei Schluchzern hervor. „Ich konnte kein ´Nein´ riskieren! Ich musste... musste ihr beweisen, das ich immer noch..." ihre Stimme versagte und sie brach schließlich ab.
„...immer noch das beste ihrer Ponys bist.", beendete Rogue für sie. Sie sah zu ihm auf, die Augen schillernd von Tränen. Dann nickte sie. Schamvoll verbarg sie ihr Angesicht in ihrem Vorderlauf.
Rogue blieb still. Er stand auf der engen, hohen Plattform, über dem Dorf. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne hinter den nahen Bergen tauchten sie beide in ein so leuchtendes Feuermeer aus Rot und Orange, das die Luft selbst in Flammen zu setzen schien.
Es war seltsam, aber es war dieser Moment, da Rogue seine eigene Probleme so fern waren wie nie zuvor. Sie wurden, klein, unbedeutend und zogen ihren Schatten von seiner Seele wie ein dunkles Tuch, das darüber geworfen worden war. Es war kein Glück, das er verspürte, nur ein Moment der Befreiung, der ihn durchatmen ließ, erlösend und frei. Es war seine eigene dumme Art, das Wohlergehen anderer Ponys über sein eigenes zu stellen, das wusste er. Es würde nichts verschwinden machen, es würde nichts lösen, aber es hatte es für den Moment beiseite geschoben und er war dankbar dafür. Es ließ ihn klarer denken. Es ließ ihn sehen...
Das er keine Zweifel haben musste, was er als nächstes tun würde.
Das seine Angst nur eine Ausgeburt seines Verstandes war, diese zerbrochenen, kaputten Dings, das sich noch immer einredete, die Kontrolle zu haben.
Das er seine Entscheidung bereits getroffen hatte, im Zuge eines Herzschlages. Wie alle guten Entscheidungen.
Er trat vorsichtig über sie hinweg und rollte sich neben ihr zusammen, so das er nahe bei ihr lag. Die beginnende Kühle der Nacht drängte bereits von allen Seiten heran, aber bis jetzt war sie nur eine ferne Versprechung. Er schlang die Hufe fest um sie, gegen jeden Widerstand. Sie gab einen kurzen, erschreckten Laut von sich. „Rogue, ich... was..."
„Du liebst sie, nicht wahr?", fragte er sie schnell, bevor sie zu noch seltsameren Schlussfolgerungen kommen konnte. Sie entspannte sich etwas in seiner Umarmung. „Ich... ich...", begann sie zögernd.
„Sag es mir nicht.", beeilte er sich ihr zuvor zu kommen. Sie blieben einen Moment lang ruhig liegen, bis sich Twilight etwas umständlich in seiner Umarmung umdrehte um ihm ins Gesicht zu sehen. „I... ich kann nicht, Rogue. So sehr ich es auch wünschte... ich kann nicht..."
Er blickte ihr tief in die Augen. „Was nicht, Twilight?"
Die Stute zögerte einen Moment. „Wenn sie nicht..."
Er lachte. Er konnte nicht anders, auch wenn es alles andere als angebracht war.
„Wenn sie dich nicht liebt? Wie könnte sie nicht? Wie könnte sie?" Er kicherte noch einmal, dann wurde er plötzlich wieder ernst. „Weiß du was Liebe ist? Liebe ist ein Schlüssel. Ein Schlüssel zu den Toren in unseren dicken und hohen Mauern, die wir um unsere Herzen errichten. Die wir selbst errichtet haben. Um es zu schützen, um zu verhindern, das wir verletzt werden." Er blickte gedankenverloren in die Ferne. „Wenn wir jemanden lieben, dann geben wir ihm eine schreckliche, schreckliche Macht. Die Macht, einfach in unser Herz zu marschieren und ein fruchtbares Durcheinander darin anzurichten. Oftmals wollen sie diese Verantwortung nicht, wissen nicht einmal, das sie sie haben. Sie haben einfach etwas dummes getan, wie dich anzulächeln, oder freundlich zu dir zu sein, oder dir zuzuhören, wenn es keiner sonst tun wollte. Und doch besitzen sie plötzlich ein Stück von dir, etwas Wichtiges, Unersetzbares. Und alles, worauf wir hoffen können, ist, das obwohl sie uns so schrecklich verletzen können... sie es nicht tun. Doch selbst wenn sie es tun – wenn sie dieses Wunder, diese Privileg mißbrauchen – heißt das nicht, das wir deshalb frei wären. Wir errichten stärkere Mauern, tiefere Gräben. Und warten auf den Nächsten der stark genug ist, uns zu erobern."
Er riss sich aus seinen eigenen Gedanken los und blickte die Stute unter sich an. „Wie hoch sind die Mauern um Celestias Herz? Wie tief die Gräben, wie vorsichtig die Wächter? Sie liebt dich. Sie liebt dich so sehr, das selbst, nachdem du sie zweimal verraten hast, sie dir nichts als Zuversicht und Vertrauen schenkt."
Das Einhorn rollte sich langsam an ihm zusammen und verbarg ihr Gesicht in seiner Brust. „Ich weiß. Ich weiß."
So blieben sie eine lange Zeit. Rogue sah das Feuer im Himmel ersterben und dem Blau und Schwarz der Nacht nachgeben. Er sah die Sterne über ihnen erblühen und die ersten, silbernen Strahlen des Mondes über ihnen auftauchen, während er Twilight, dem Element der Magie, dem Zentrum ihrer kleinen Schar, für einen Moment einen Hafen aus Geborgenheit gab und ihre Tränen in sein Fell sickerten.
Er hielt still und unerschrocken Wacht, während sie sich an ihn klammerte, als Ersatz für jemanden, den sie sich sehr viel lieber dort wünschte. Und er kam nicht umhin, sich an ihrer Stelle ebenfalls jemanden zu wünschen, den sein Herz dort begehrte.
Darling hatte in Manehatten ein Feuer entzündet, von dem er nicht mehr geglaubt hatte, es in sich fühlen zu können. Aber es war Applejack gewesen, die die Flamme genährt und zu wahrer Glut gebracht hatte. Er hatte für einen Moment geglaubt, das sie diejenige wäre, die seine Festung im Sturm eroberte. Aber sie hatte ihren Angriff im gegenseitigen Einvernehmen abgebrochen, auch wenn seine Mauern schon längst gefallen und bloß lagen... in dessen rauchenden Ruinen er sich wieder fand...
...Und ein Engel ihm erschien. Fluttershy war dieser Engel. Diese wunderbare, geflügelte Stute, die ihm auf so sorglose Weise seinen Schlüssel stahl, seinen Schlüssel zu seinem Herzen, den er so sorgsam verwahrt hatte. Den er versteckt, begraben und für vergessen befunden hatte. Sie fand ihn, und sie hielt ihn fest in ihren wunderbaren, vorsichtigen Hufen und ließ ihn nicht mehr los.
Twilight liebt Celestia, dachte Rogue, und Rogue liebt... liebt...
...liebt Fluttershy.
Er klammerte sich an Twilight, hielt sie ebenso fest, wie er es gern mit einer anderen Stute getan hätte.
Ich liebe sie. Ich liebe sie!
Es war ein Schrei, still und stumm, der aus seiner eigenen Brust geboren worden wurde, so laut er er es sich traute, ohne das es seine Lippen weiter trugen. Es füllte ihn an, schwoll in ihm zu einer wahren Flutwelle heran, als es über die Mauern in ihm brach.
Ich liebe sie! Ich liebe sie!, toste es in seinen Gedanken. Wann hatte er zuletzt so gedacht? Wann hatte er sich zuletzt so zu denken erlaubt? Ohne all die ´was wäre, was wenn...?´
Kam es nicht letztlich darauf an...
„Ich beneide dich.", flüsterte er in ihr Ohr. Sie hob leicht ihren Kopf Eines ihrer violetten Augen sah ihn fragend an.
„So ungefragt geliebt zu werden. Trotz aller Hindernisse... trotz aller... Komplikationen...", gestand er ihr flüsternd.
„Nein!", sie nahm seinen Kopf in Ihre Hufe. „Glaub´ das nicht! Glaub´ nicht einen Moment daran, das du nicht geliebt wirst, Rogue!" Sie drückte ihre Wange gegen die seine. „Du bist ein Teil von uns. Wir... wir alle lieben dich!" Sie sah ihn einen Moment lang an, dann rieb sie ihre Wange gegen die seine. „Hör auf, nur für dich alleine zu denken!"
Er wehrte spielerisch ihre Hufe ab und lächelte sanft. „ Danke. Danke dafür, Twilight. Aber..." Er atmete tief durch, Er hatte so viel mit dieser Stute geteilt. Was machte es aus, auch noch die letzten Geheimnisse zu verheimlichen? Hatte er gar nichts aus seinen Erfahrungen gelernt? Was konnte es schaden, nun, dass er das tiefste, verborgendste Bedürfnis dieser Stute kannte? Doch höchstens ein Ausgleich... War er ihr das nicht schuldig? Ein Ausgleich der Schuld? Ein Pfand?
Er atmete tief durch. „Ich glaube, ich liebe Fluttershy."
Er drehte sich praktisch im selben Atemzug um und versuchte abzuwägen. „Bitte versteh mich nicht falsch! Ich weiß, das ich sicherlich nicht der erste bin, der das sagt und ich bin ebenso sicherlich nicht der beste, der... der auf Gegenliebe zu hoffen wagt, haha..." Er schluckte schwer. „ Ich wollte nur, das du dich nicht übervorteilt fühlst. Es... es ist nur, wie wahrscheinlich viele Hengste in ihrer Gengenwart fühlen." Er geriet ins Schwafeln, aber er konnte nichts dagegen tun. „Sie ist so freundlich, so unvoreingenommen... egal wem sie begegnet." Er schloss seine Augen. „Es ist dumm, nicht wahr? Zu glauben, sie würde meine Gefühle wirklich erwidern? Sie hat schließlich niemals etwas..." Seine Mine entspannte sich und er sah zu Twilight auf. „Sie hat niemals etwas getan, das mich wirklich ermutigt hat, das zu glauben? Nimm mich als schlechtes Beispiel. Aber du... Du und Celestia." Er atmete tief durch und schloss seine Augen. „Ich kann nicht ermessen, was die Beziehung zwischen euch bedeutet. Aber wenn ich an das glaube, was ich über die Liebe weiß, richtig ist, dann weiß ich, das sie, das die Prinzessin der Sonne, die Herrin über den Tag, dich liebt. Das dir Tür und Tor zu ihren Herzen offen stehen. Jetzt und immerdar."
Die Einhornstute blieb einen Moment lang still, dann stieß sie ihn mit ihrem Huf am Kinn an, so wie ihn aufzuwecken.
„Verstehst du es nicht, Rogue?", fragte sie sanft. „Verstehst du nicht? Wenn es wahr ist, was du gesagt hast... das es dann auch wahr ist, das du und Fluttershy... das ihr euch liebt?"
Sein Antlitz verfinsterte sich sofort. „Sie verdient besseres als mich." Er sah beschämt weg. „Sie hat nur Mitleid mit mir. Es..." Er atmet tief durch. „Es tut mir gut..." Er dachte an die Wärme ihrer Schwingen auf seinem Körper, eine Wärme, die tiefer in ihn drang als es reine Mitfühlsamkeit bewerkstelligen hätten können.
„Sie liebt mich nicht.", stellte er fest. „Sie sorgt sich um mich, sicherlich, aber nicht weniger, oder mehr, als sie sich um einen von einen von euch sorgen würde!"
Er log. Die Wärme ihrer Schwingen, die sie um ihn geschlungen hatte, betrog ihn, noch während er es aussprach. Die Wärme ihres Körpers, die ihn vor dem schlimmsten des Fiebers geschützt hatten, strafte ihn Lügen. Sie hatte ihn umsorgt, hatte seine Wunden gewaschen, hatte sich um ihn gekümmert, nicht weniger als eine Glucke um ihre Küken... so sehr wie sie alle Lebewesen liebte...
Twilight stieß ihn mit ihrem Kinn an. „Ja, das alles. Und so viel mehr. Muss ich gerade die sein, die dir das sagt?"
Sie lacht laut auf. „Hier liegen wir, am Ende der Welt und reden über unsere Dummheiten. Längst begangen, fast vergessen.." Sie grub ihr Gesicht noch etwas fester in seine weiche Brust „Ich beneide Fluttershy ein bisschen, weist du?"
Er machte ein saures Gesicht. „Warum?"
Die Einhornstute stieß seinen wohligen Laut aus, während sie sich gegen seinen Brustpelz rieb. „Es wird sehr lange für sie dauern, bis sie dir so sehr vertraut."
Er stutzte einen Moment lang, dann sah er nach unten, auf die Stute, die sich in seiner Umarmung zusammengerollt hatte.
„Wenn es so weit ist...", flüsterte Twilight leise, „...wird es tausend mal schöner für sie sein, als für mich."
Er konnte sich ein glückliches Lächeln nicht verkneifen, während seine Hufe sachtsam ihre Mähne streichelte. „Vielleicht, Twilight, Vielleicht."
Sie lagen dort noch eine lange Zeit, wortlos und ließen die Zeit an sich vorüber streichen, wie die kühle Nachtbrise, die sich langsam erhob. Das letzte Tageslicht erstarb und die tausend Sterne über ihnen blitzten einer nach dem anderen auf, während ihre beiden Gedanken nur den Ponys galten, nach denen sich ihre Herzen sehnten.
Schließlich seufzte Rogue. Twilight drehte sich etwas, um zu ihm aufzusehen. „Was ist los?"
Sie hatte erwartet, seine Stirn in der selben, ernsten Manier gefurcht zu sehen, wie sie es von ihm gewohnt war. Doch statt dessen stand ein selbstvergessenes Lächeln auf seinem Gesicht, während er noch immer auf den dunklen Horizont starrte, wo die Sonne schon vor so langer Zeit versunken war.
„Es ist nichts.", beeilte er sich zu sagen. „Ich dachte nur gerade daran, das ich aus ganz anderen Gründe zu dir hier hinauf gekommen bin, als... naja, für das hier." Er machte eine unbestimmte Geste mit seinem Huf. „Auch wenn es wesentlich besser gelaufen ist, als ich mir vorgestellt habe."
„Es ging dir um die Changelinge, nicht wahr?", fragte sie ihn.
Er nickte und wahr froh über die Ruhe, die in ihrer Stimme mitschwang.
„Wie haben es die anderen aufgenommen?", fragte Twilight weiter. „Ich will dich nicht aushorchen, ich kann sie auch selbst fragen, aber ich wollte..."
„Etwas Zeit für dich alleine haben. Ja, ich weiß. Ich verstehe das gut.", beendete er für sie.
„Ich muss es ihnen sagen, nicht wahr?" Ihre Stimme zitterte leicht, als sie ihn das fragte.
„Das du ohne Celestias Segen aufgebrochen bist? Ja. Sie müssen es erfahren."
Sie schnaufte tief durch. „Ich wollte nicht, das es so läuft. Ich habe gedacht, dass wir das Rätsel lösen und mit... mit allen Antworten nach Canterlot zurückkehren können. Wie könnte sie dann noch böse auf mich sein? Wie hätte ich ahnen können, das wir hier auf... auf so ein Durcheinander stoßen könnten?"
Er lachte kurz auf und sie sah ihn böse auf. „Was ist daran so lustig?"
Er schüttelte seinen Kopf. „Entschuldigung. Es ist nicht wirklich komisch. Aber den Ausdruck ´Durcheinander´ für unsere Situation zu benutzen... das ist schon eine gewaltige Untertreibung."
Der Zorn auf ihrem Gesicht verflog und machte Zerknirschtheit platz. „Ja, da hast du recht."
Sie war für einen Moment still, während sie nachdachte. „Tue ich das richtige, Rogue? Ist mein Weg der richtige?"
Und da war sie, die Frage, auf die alles letztlich hinauslief. Die Frage, die sie sich selbst stellte, die sie sich alle stellten, die sie ihrer unfehlbaren Prinzessin gestellt hätte, wäre es möglich gewesen.
Es war eine Schwäche, aber eine, die Rogue mehr als gut verstehen konnte. Er war nicht anders. Wenn er selbst nicht weiter wusste, wenn er sich selbst nicht sicher war, wie gerne verließ er sich auf die Führung, den Ratschlag anderer, weiserer Ponys? Chief Caller, Trotter, seine Eltern. Es war nicht dumm sie zu fragen. Es war nicht dumm, Hilfe zu suchen und sie sich anzuhören. Es war gut und es war rechtens.
Aber Ponys blieben Ponys. Es bleib nicht dabei Rat zu suchen. Zu leicht gab man der Versuchung nach und schob die Verantwortung weiter, auf solche, die scheinbar besser dafür gerüstet schienen. Auch wenn sie es nicht immer waren. Auch wenn es nicht ihre Verantwortung war. Auch wenn es nicht rechts war, die eigene Bürde abzuwälzen, sich von ihr zu befreien. Sie taten es gerne, schützten gerne die eigenen Lieben vor dem was sie selbst schon so schmerzlich erfahren hatten, auf den Weg dorthin, wo sie bewundert und geachtet wurden: Falsche Entscheidungen und schmerzhafte Fehler. Der Schmerz, der es bedeutete, erwachsen zu werden.
Twilight wusste das. Sie hatte die ersten zaghaften Schritte auf diesem schweren Weg gemacht. Und sie verstand, das sie diesmal, zum ersten Mal, alle Verantwortung auf ihren Schultern trug.
Sie wollte nicht, das er für sie entschied. Die Entscheidung war schon längst in ihrem Herzen gefallen. War es so falsch, nach Bestätigung zu suchen? Sich selbst zu festigen, damit der nächste Schritt und der darauf vielleicht etwas leichter wurde?
„Es ist nicht an mir das zu entscheiden, Twilight.", sagte er ruhig.
Die Stute ließ ihren Kopf hängen.
„Aber wenn du mich um einen Rat als Freund bittest..."
Ihr Kopf schoss wieder nach oben, während sich ihre Ohren aufmerksam aufstellten.
„Es ist nie verkehrt sich für das Leben zu entscheiden. Vielleicht hasst man dich eines Tages dafür, das du dich so entschieden hast. Vielleicht stellt sich heraus, das genau diese Entscheidung zu mehr Leid geführt hat, als jede andere."
Er sah, wie ein Funke Furcht in ihre Augen trat. Er biss die Zähne zusammen und fuhr fort.
„Aber sie werden leben, um dich zu verfluchen. Selbst wenn sie es nicht wahrhaben wollen, das ist das wenigste, was sie dir schulden. Aber das weißt du schon, nicht wahr?"
Sie sah ihn einen bedrückt an, dann nickte sie leicht.
„Hast du deinen Hass auf sie beiseite geschoben, als du über ihr Schicksal entscheiden hast? Hast du an ihr Wohlergehen gedacht, an das Beste, was möglich ist, als dein Richtspruch über sie erging?" Er straffte seine Gestalt und fragte sie eindringlich: „War. Es. Notwendig?"
„Das war es.", flüsterte sie leise. Doch dann hob sie ihren Kopf und Entschlossenheit flammte in ihren Augen auf. „Das wahr es!"
Er lächelte, sanft und warm. „Dann war es richtig, was du entschieden hast. Es gab niemals eine andere, bessere Wahl. Und zum Tarterus mit denen, die nicht an deiner Stelle standen und sich anmaßen, dich hinterher zu kritisieren!"
Sie dachte einen Moment lang über das nach, was er gesagt hatte. „Das klingt sehr arrogant." sagte sie schließlich.
Er seufzte und sah verlegen auf seine Hufe. „Ja. Ja, vielleicht ist es das." Er schüttelte seinen Kopf. „Twilight, ich habe keinen Antworten für dich. Ich... ich kann dir nicht einmal einen Weg zeigen. Sonne und Mond, ich finde ihn ja für mich selbst nicht. Ich weiß nur, das auch gute Ponys... manchmal schreckliche Entscheidungen treffen müssen. Und das es keine Möglichkeit gibt, sie zu vermeiden. Das wir... irgendwie damit fertig werden müssen." Er kämpfte um die richtigen Worte. Verdammt, was war aus der Zuversicht geworden, die ihn trotz aller Hindernisse hier auf die Plattform getrieben hatte? Er hatte irgendwann einmal einen Plan gehabt, wie er ihr über die dunklen Gewässer helfen wollte, in denen sie sich jetzt wiederfand. Aber jetzt...
Er warf hilflos die Hufe in die Luft. „Ich schwafle nur. Vergiss einfach, was ich gesagt habe." Er ließ den Kopf hängen.
„Es ist dir sehr wichtig, nicht wahr?", fragte Twilight leise.
Er sah sie an und lächelte verzweifelt. „Natürlich. Du bist unsere Anführerin. Wir verlassen uns auf dich. Und Rarity... sie dachte, das ich..." Er sah beschämt weg.
„Sie dachte, das du mir helfen kannst.", fuhr sie fort.
Er nickte. „Ja. Dumm, nicht wahr?" Er lachte gezwungen auf.
„Aber das hast du doch."
Er blickte überrascht auf.
„Wie..."
„Naja, vielleicht nicht mit dem ganzen Zeug, wie mich kommende Generationen verfluchen mögen." Sie lächelte gequält. „Aber allein zu wissen, das Celestia..." sie verstummte und sprach nicht weiter, darauf vertrauend, das er verstand. „Wenn nichts anderes mir die Kraft gibt, dies hier durchzustehen... sie tut es." Sie wischte sich die letzte Träne aus ihrem Augenwinkel. „Ich kann alles ertragen, mit dieser Gewissheit." Sie sah ihn warm an. „Und mit meinen Freunden an meiner Seite."
Sie drehte sich um und sah über das von Fackeln erleuchtete Dorf unter ihnen. „Ich würde lügen, wenn ich sage, das ich keine Angst hätte." Sie warf einen Blick zurück auf Rogue. „Sie wird nicht vergehen, oder? Die Angst, meine ich."
Das Rettungspony sah sie einen Moment lang an, Dann schüttelte er den Kopf.
Die Stute nickte verstehend. „Aber ich werde ihr ins Auge sehen. Meine Entscheidung, meine Verantwortung. Das habe ich heute gelernt."
Der Wind ergriff ihre Mähne und ließ sie über ihren Körper wehen, so das ihre violette Strähne zu tanzen begann.
Rogue sah sie und dachte sich, das sie niemals so schön ausgesehen hatte. Sie war immer eine schöne Stute gewesen, auch wenn sie es gut zu verbergen wusste. Ihr schimmerndes Fell, ihre feine, sanft fallende Mähne, war nur ein Teil des Zaubers, der in diesem Moment von ihr ausging. Doch der Ausdruck auf ihrem Gesicht, die Entschlossenheit, die ihren feinen Gesichtszügen Schärfe verlieh, die sie von innen erglühen ließ, rein und klar, scharf geschnitten im Licht des aufgehenden Mondes, machte den Unterschied zwischen Schön und Atemberaubend aus. Er sah es und bewunderte sie. Aber tief in seinem Herzen glühte er für eine ganz andere Stute.
Als Rogue sich an diesem Abend zur Ruhe begab, dauerte es eine Weile, bis er genug Ruhe fand, um zu schlafen. Einerseits war es der warmen Nähe Fluttershys geschuldet, die sich direkt neben ihm zusammengerollt hatte. Zum anderen aber den vielen Ereignissen des Tages, die noch immer in seinem Kopf herumspukten.
Der Weg von der Plattform zurück zu ihren Freunden war nicht halb so aufregend gewesen, wie der Weg dort hin. Twilight wirkte den gleichen Tarnzauber, der ihn bereits auf dem Dach vor den neugierigen Blicken der Wachen bewahrt hatte, während ihre Telekinese das Grobe erledigte. Sie kamen beide auf ebener Erde an, ohne das auch nur ein Stammespony den Kopf nach ihnen drehte.
Die Enthüllung Twilights, dass sie ihre Reise ohne das Wissen der Prinzessinnen begonnen hatten, sorgte für nicht wenig Aufruhr unter den Freundinnen, vor allem bei Rainbow Dash. Die Pegasusstute nahm mit Freuden die Gelegenheit wahr erneut gegen Twilight und ihre unliebsame Entscheidung zu feuern, aber das Einhorn verteidigte sich strikt und unnachgiebig. Rogue sah, das die Kritik einer ihrer engsten Freundinnen ihr zu schaffen machte, aber ihre Entschlossenheit imponierte ihm und machte ihm Hoffnung. Dash gab schließlich auf und zog sich grumelnd in eine Ecke zurück. Es war klar, dass das Argument nicht ausdiskutiert war, aber zumindest für den heutigen Abend war sie zu einer Waffenruhe bereit. Der morgige Tag würde anstrengend genug werden.
Rogue war müde von den Strapazen, die hinter ihm lagen und er fühlte mit der Nacht auch seine Wunde wieder stärker, als sein Körper nach Ruhe verlangte. Dennoch wollte ihn sein Geist nicht sofort ruhen lassen. Zu sehr war er sich der Nähe eben jener Stute bewusst, die ihm so viel bedeutete, obwohl er sich selbst so lange von dem Gegenteil zu überzeugen versucht hatte.
Als wäre es eine Zauberformel gewesen, ein schicksalhafter Fluch, den er unbedacht über sich gebracht hatte, wirbelten die Worte endlos ins seinem Geist umher.
Ich liebe Fluttershy. Ich liebe Fluttershy.
Wie lange wusste er es bereit, tief in sich, in den Abgründen seines verwirrten Herzens? Wie lange hatte es in ihm geschwelt, dieses versteckte Feuer, das nun angefacht in seinem Herzen brannte? Wie lange hatte er es ignoriert? Wie lange die Augen vor dem Offensichtlichen verschlossen?
Es machte ihn munterer als jedes Aufpustchmittel. Ich liebe Fluttershy.
Dumm. Verrückt.
Aber er konnte an nichts anderes denken.
Ich liebe Fluttershy.
Er hatte fast vergessen, wie sich das anfühlte. Die Leichtigkeit der Glieder, des Geistes. Das verrückte Glimmern, dort wo der Magen war. Die sanfte, warme Begierde, ein Durst, der nicht gestillt werden konnte, bis... bis...
Er streckte seine Hufe aus, bis sie mit ihrer feinsten Spitze das weiche, warme Fell der Stute berührten. So fein war die Berührung, das sie es nicht spürte. Aber ihm selbst drang ein Schauer durch seinen Körper, das er einen Moment lang vergaß zu atmen.
Er zog seine Vorderläufe zurück und faltete sie unter sich zusammen. Seine Zweifel klopften an seinen Verstand. All die was wenn..., vor denen er sich so fürchtete. All die furchtbaren Gedanken, die sich wie Eiszapfen in ihn bohrten. Er erzitterte unwillkürlich, gebeutelt von Furcht und Unsicherheit.
Bis sich ein warmer Flügel über ihn legte und sie ihn vergessen machten.
In dieser Nacht gab es keine Alpträume für ihn.
Die Sonne hatte es kaum geschafft, sich über den Horizont zu erheben, als sie von ein paar der eingeborenen Stuten geweckt wurden, die ihnen Frühstück brachten. Die Freunde rieben sich den Schlaf der viel zu kurzen Nacht aus den Augen und versuchten sich vor den fremden Ponys keine Blöße zu geben.
Die Speisen waren weit frugaler, als das, was sie bisher bekommen hatten. Dies war allerdings weniger einer verblassenden Gastfreundschaft geschuldet, als vielmehr dem Umstand, das die Speisen auf Haltbarkeit ausgewählt worden waren. Es gab getrocknete Früchte, in Öl gewendetes Heu und frischgebackenes Brot, das noch warm war. Offensichtlich sollte es ihnen auch als Wegzehrung auf der Reise dienen, die heute vor ihnen lag.
Sie aßen schnell und ohne unnötige Worte zu verlieren. Die schwere Aufgabe, die vor ihnen lag, drückte ihnen merkbar auf ihre Gemüter. Vor allem Rainbow war sogar noch schweigsamer und mürrischer als am Vorabend. Sie blieb meist für sich und antwortete, wenn gefragt, nur einsilbig.
Twilight tat ihr möglichstes sie auf Trab zu halten, so das sie nicht zu viel über das nachdenken konnten, was vor ihnen lag. Sie war schnell mit gutem Rat und einem freundlichen Lächeln zur Seite, wenn sie sah, das einer ihrer Freunde in ihren Vorbereitungen stockte. Es war nicht einfach für sie, da sie selbst genug hatte, was ihr durch den Kopf ging, aber sie biss sich entschlossen durch. Vor Rainbows bitteren Ton schreckte jedoch selbst sie zurück.
Rogue aß sich ohne besondere Begeisterung am frischen Brot und dem kraftspendenden Heu satt. Sein Appetit war zurückgekehrt, was er als gutes Zeichen hieß. Danach füllte er die Tiefen seiner Sanitätstaschen mit Sandwiches und Päckchen voll loser Lebensmittel, ohne wirklich bei der Sache zu sein. Er bemerkte, wie sein Blick immer wieder wie magisch in eine Richtung gezogen wurde, hin zu einem Ziel, das er jetzt noch nicht einmal sehen konnte.
Jenseits des Daches ihrer Hütte, der hölzernen Palisade und der dicht gedrängten Bäume des alten Waldes wartete der Zwilingsgipfel auf sie. Der Weg allein würde für ihn schon eine Herausforderung bedeuten, ganz zu schweigen von dem Aufstieg bis in seine schneebedeckten Höhen. Und wer wusste schon, welche Schrecken dort auf sie warten würden? Die Stuten sicherlich besser als er. Es beruhigte ihn etwas, das sie zwar besorgt, aber dennoch entschlossen an ihr Werk gingen.
Er erschreckte etwas, als ihn ein Huf an der Schulter berührte. Er sah sich schnell um und war erleichtert, als er erkannte, das es seine Cousine war, die an seine Seite getreten war.
„Alles in Ordnung, Sugarcube?", fragte sie ihn mit einem aufmunternden Lächeln.
„Applejack." Jetzt konnte er sich auch zu einem Lächeln durchringen. „Alles gut. Nur etwas Lampenfieber." Sein Blick glitt wieder auf diesen unsichtbaren Punkt, der ihn so beschäftigte. „Es wird keine leichte Reise."
„Das schaffst´e schon. Twilight hat gesacht, s´ nur n´ guter Tagesmarsch bis zum Fuß vom Berg. Wenn dir dein Gepäck zu schwer wird, sachste einfach Bescheid. Wir helf´n gern."
Er lächelte tapfer. „Ja, vielen Dank." Aber seine Miene wurde schnell wieder ernst.
Applejack runzelte ihre Stirn. „Was is´?" Du has´ doch noch was."
Das Rettungspony zuckte leicht zusammen. Er hatte vergessen, wie leicht sie ihn durchschauen konnte. „Es... es ist nicht so wichtig.", beeilte er sich zu sagen. „Ich musste nur gerade an Bandit denken."
„Bandit?", fragte sie überrascht. „S´ Flughörnchen?"
Er nickte bestätigend. „Er hat mir bei meiner Gefangennahme das Leben gerettet. Ich dachte schon, dieser Hengst will mich erledigen, als Bandit ihn angesprungen hat." Er seufzte schwer. „Diese Typen haben nicht lange gefackelt. Wenn er nicht gewesen wäre..." Er ließ den Rest ungesagt.
Sie sah ihn verstehend an. „Du machst dir ne´ Menge Sorg´n um ihn, nich´ war?"
Rogue schüttelte langsam seinen Kopf und lächelte gequält. „Ich muss gestehen, das ich bis jetzt kaum einen Gedanken an ihn verschwendet habe. Es war so vieles anderes, was dringender war, was keinen Aufschub duldete und über all das..." Er verzog das Gesicht, so als würde der Gedanke ihm Schmerzen bereiten. „...habe ich ihn irgendwie vergessen." Er lachte kurz auf, schal und freudlos. „Einfach vergessen. So als wäre er nicht wichtig. Nach allem, was er für mich getan hat. Und jetzt..." Seine Zunge fühlte sich rau an, als er weiter sprach „Wenn er noch da draußen wäre... wenn... wenn er noch am Leben wäre..." Er schluckte schwer.
Sie sah ihn einen Moment lang an, bevor sie verstand. „Er hätte schon längst zurück sein müss´n, oda?"
„Ja. Es sollte kein Problem für ein so kleines und geschicktes Tierchen wie ihn sein, sich hier herein zu schleichen. Das er noch nicht wieder zurück ist... das er nicht wieder bei mir ist..."
Sie ertrug sein Leiden einen Moment lang, dann schloss sie ihn sanft in ihre Vorderläufe. „S´ nich´ deine Schuld, Rogue. Du hast nichts für ihn tun könn´. Er hat dir geholfen, weil er dich geliebt hat. Er hat des größte Opfer gebracht, das man für´ ander´n mach´n kann."
Er schüttelte seinen Kopf, ohne ihre Umarmung zu unterbrechen. „Das ist es nicht. Ich weiß, ich sollte so fühlen. Ich weiß, ich sollte mich schuldig fühlen. Weil ich es war, für den er... für den Bandit sein Leben geopfert hat." Es tat weh, das laut auszusprechen, mehr noch als daran zu denken. „Ich sollte wütend sein... wütend auf diesen... diesen Mistkerl, der ihn so beiläufig beiseite geschleudert hat." Noch während er es aussprach, verspürte er tatsächlich einen kleinen Funken, einen kurzen Impuls unsäglicher Wut in ihm aufsteigen. Auf diese Schreckensgestalt, dieses Stammespony, das über ihm aufgeragt war, mit seiner unnachgiebigen Kraft und dem brutalen Speer, der ihn so sehr verletzt hatte. Der ihn zu Tode geängstigt hatte.
Aber das Gefühl verging, verwelkte wie eine wilde Blume, leise und ungesehen.
„Aber ich kann es nicht. Ich kann nicht. Alles was ich fühle, wenn ich daran denke, ist Bedauern. Kein Schuld, keine Wut, nur tiefes, tiefes Bedauern. Und Angst."
Er wandte sich ihr zu und ihre Hufe lösten sich von ihm. „Sollte es nicht anderes sein? Müsste da nicht noch mehr sein? Ich... ich habe ihm versprochen ihn zurückzubringen. Er ist mit uns gekommen, weil er mir vertraut hat. Und er... er ist gestorben, weil er mein Freund war. Aber ich... ich habe nicht einmal Tränen für ihn übrig."
Er sah sie an, verwirrt und verzweifelt. „Ist es das, was aus mir geworden ist? Ich weiß, das es eine Zeit gegeben hat, da mir das näher gegangen wäre. Er hat mir so oft beigestanden, war so oft für mich da gewesen und alles, was von ihm übrig bleibt..." Rogue rang einen Moment lang mit den Worten, dann schlug er sich fest gegen die Brust, so fest, das es weh tat. „Ist ein kurzer Stich ins Herz, der morgen schon vergangen sein wird."
Seine Augen waren groß geworden. An ihren Rändern sammelte sich Feuchtigkeit, aber selbst Applejack war sich nicht mehr sicher, ob es wegen Bandit war oder wegen Rogue, dem verlorenen Rettungspony, das sich selbst seiner Gefühle nicht mehr sicher war.
„Ach, Rouge.", flüsterte sie. Was sollte sie sagen? Was sollte sie sagen, um ihrem Cousin Linderung zu verschaffen, um die Schatten, die seinen Geist umwölkten, zu vertreiben? Was sollte sie tun? Was konnte sie mehr tun, als ihn noch einmal in ihre Hufe zu schließen, so fest und liebevoll, wie sie dazu in der Lage war? Und ein paar Tränen zu vergießen, die er nicht mehr fand?
„Ach, Rogue."
Sie waren aufbruchbereit, als die Krieger des Stammes kamen. Es waren vier kräftige Hengste, zwei Einhörner, ein Erdhengst und ein Pegasus, bereits voll gerüstet und mit der grün-schwarzen Kriegsbemalung beschmiert, die ihre ursprüngliche Färbung vollkommen verbarg. Sie trugen alle lange Speere als Waffen mit sich, bis auf den Pegasus, der einen der seltsamen, an den Vorderhuf geschnallten Bogen und einen Köcher mit Pfeilen mit sich führte.
Eines der Einhörner, ein Hengst dessen breite Brustnarbe selbst unter der Schminke zu sehen war, trat vor und brummte in tiefen Bariton: „Klar?"
Twilight sah sich kurz zwischen ihren Freunden um und nickte dann. „Wir sind bereit."
„Så lad os gå", ohne ein ein weiteres Wort drehte sich der Riese um und überließ es den kleineren Ponys mit ihm Schritt zu halten. Als sich die Freunde beeilten, zu ihm aufzuschließen, verteilten sich die anderen Krieger an ihren Flanken und warfen ihnen wachsame Blicke zu. Es war unnötig – Sie hatten keine Intention zu fliehen und oder ein anderes Ziel anzusteuern, als das, wohin ihr Führer sie bringen wollte.
Das Dorf war gerade erst im erwachen begriffen, als sie an den Hütten vorbei auf das große Tor zuschritten. Die Wächter der `Schwinge, Huf und Horn´, zogen müde ihre letzten Runden und hie und da war das eine oder andere Pony der fremden Stämme zu sehen, die sich schlafestrunken um eine Waschgelegenheit oder ein Frühstück bemühten. Niemand schenkte ihnen mehr als nur beiläufige Beachtung, als die großen Flügel des Tores auf den Ruf des Einhorns hin aufschwangen und sie auf den staubigen Trampelpfad vor dem Dorf entließen.
Kaum war der letzte von ihnen über die Schwelle getreten, schlossen sich die rohen Bohlen wieder, bis sie hinter ihnen mit einem dumpfen Rumpsen einrasteten.
Insgesamt war der Aufenthalt im Dorf der `Schwinge, Huf und Horn´ eher zwiegespalten gewesen, aber dennoch hatte es für sie eine kurze Zeit lang so etwas wie ein sichere Basis gebildet. Sie hatten sich hier ausruhen, erfrischen können. Mit dem Zuschlagen der Tore wussten sie, das sie diese wenige Sicherheit hinter sich gelassen hatten. Vor ihnen lag nur fremdes, feindseliges Land. Und selbst ihre Führer schienen ihnen nicht wohlgesonnen. Es war kein Wunder, das sie alle zögerten, als der Hengst mit weiten, ausholenden Schritten auf den Wald zuging. Sie sahen sich an, einer nach der anderen, um den Mut zu finden, den ersten Schritt auf dieser beschwerlichen Reise zu tun. Sie sahen sich in die Gesichter, nicht wenige schon gezeichnet von den Strapazen, die hinter ihnen lagen. Es war oft noch subtil, hier eine verirrte Strähne der Mähne, ein Schatten unter den Augen oder ein Fleck auf den sonst makellosen Fellen. Rogues Verband und sein etwas gezwungener Gang waren die offensichtlichsten Zeichen ihrer vergangenen Abenteuer. Sie alle sahen es, verstanden es und waren sich bewusst, wie weit ihr Weg sie bereits geführt hatte. Und nun stand eine weitere Herausforderung vor ihnen, vielleicht noch sogar schwieriger als alles vorherige. Niemand machte sich Illusionen darüber, ob es leicht für sie werden würde. Sie hielten inne und wurden sich all dessen gewahr.
Und dann nickten sie sich mutig zu und folgten dem fremden Pony in die Tiefen des fremden Waldes.
„Still!", stieß Twilight zwischen ihren Zähnen hervor, darauf bedacht ihre Stimme nicht zu weit durch das Unterholz tragen zu lassen. Sofort erstarrten ihre Freunde in ihren Bewegungen, wagten es nicht nur einen Muskel zu rühren.
Vor ihnen, irgendwo versteckt vor ihren Blicken durch ein Gewirr aus umgestürzten, mossüberwucherten Baumstämmen und hohen Farnen, bewegte sich etwas großes. Etwas riesiges, wenn man seinen Ohren trauen durfte.
Sie hörten das Krachen morschen Holzes und das Splittern verwitterter Bäume, das laut durch den nun stillen Wald hallte. Ein einzelner Baum, der sich seit Jahren der schmalen Lücke im Blätterdach über ihnen entgegen reckte, beugte sich und brach mit einem Krachen zu Boden. Seine gut dreißig Meter erzeugten ein dumpfes Donnern, das sie in ihren Hufen fühlten, als er aufschlug.
„Still.", wiederholte die Einhornstute tonlos, als hätten sie einer weiteren Ermahnung bedurft. Sie spürten, wie jeder Schritt der ungesehenen Bestie vor ihnen den Boden unter ihnen erzittern ließ.
Das Krachen setzte sich fort, doch glücklicherweise entfernte es sich von ihnen. Sie standen noch lange so da, ihre Glieder wie in der Bewegung gefroren, zu erschreckt um auch nur laut zu atmen. Erst als der Lärm in der Ferne verschwand und sich ihre Wächter wieder entspannten, wagten es die Freunde wieder durchzuschnaufen.
Fluttershy stellte als erste die atemlose, erschreckte Frage, die ihnen allen auf den Lippen brannte: "Was war das?"
Twilight stellte eine kurze Frage an ihren Führer, der ihr ebenso kurz angebunden antwortete. Sie runzelte ihre Stirn und versank in Schweigen. Als ihre Wächter weitergingen, winkte sie ihren Freunden zu, ihnen zu folgen.
Sie folgten, jedoch nicht, ohne sich ängstlich umzusehen. Twilight blieb Fluttershy ihre Antwort schuldig, aber sie alle wussten, das sie sie kannte und sich entschieden hatte, sie nicht mit ihnen zu teilen.
Sie sahen hinab in die tiefe Schlucht, die sich unter ihnen auftat. Das große Stammeseinhorn blickte suchend zuerst in eine, dann in die andere Richtung. „Damn mig. Hvor er broen hen?", knurrte er leise und stampfte dann fest mit seinem Huf auf den laubbedeckten Boden. Er sah auf. „Det koster os mindest en halv dag...", grollte er.
„Was´n los?", fragte Applejack neugierig. Sie trat vor und warf einen neugierigen Blick in den Abgrund vor ihnen. „Geht´s nich´weiter?"
„Es gab hier wohl mal einen Übergang.", antwortete Twilight. „Aber er ist verschwunden." Sie seufzte schwer. „Er sagt, es dauert mindestens einen halben Tag, bis wir die Schlucht umgehen können."
„N´ halb´m Tag?", rief die orangene Stute ungläubig.
Das Einhorn nickte verdrossen. „Ich fürchte schon. Ich hatte gehofft, das wir es noch vor dem Sonnenuntergang bis zum Fuß des Berges schaffen würden, aber das hat wohl nicht sollen sein. Wir müssen außen herum." Sie erhob ihre Stimme, damit alle sie hören konnten. „Wir müssen uns beeilen! Das hier wirft uns im Zeitplan zurück, aber es hält uns nicht auf! Wir dürfen nicht vergessen, das die Geduld von Torden Hallen keine Rücksicht auf uns nimmt. Sehen wir also zu, dass wir weiter kommen!"
Entschlossen beeilte sich Twilight Schritt mit ihrem Führer aufzunehmen, der bereits den Grat Talabwärts folgte.
„Oh, buck...", schnaufte Rogue und biss die Zähne zusammen. Die Wunde in seinem Hinterlauf pochte bereits jetzt im selben Rhythmus wie sein Herzschlag. Er hatte sich mit den Schmerzmitteln zurückgehalten, um nicht seinen sicheren Tritt zu verlieren, den er in dem unwegsamen Gelände dringend brauchte. Er war auch so schon das Schlusslicht der Gruppe, da seine Verletzung einfach nicht zuließ, das er sich schneller bewegte. Sie waren über schon zu viele Felsen und Baumstämme geklettert, hatten sich durch zu viele Dickichte und Unterhölzer gekämpft um ihn wirklich zu schonen. Sein Verband hielt noch, besser als er gedacht hatte. Die vergangenen Strapazen hatten ihm gegen seinen Willen einiges darüber beigebracht, wie die Binden zu wickeln waren, das sie sich trotz der Bewegung nicht lösten.
Er merkte, wie er wieder hinter der Gruppe zurückblieb und beeilte sich aufzuschließen. Der Schmerz wurde schlimmer, aber er versuchte sein Möglichstes ihn zu ignorieren. Es war ein wenig Stolz – Stolz, sich nicht unterkriegen zu lassen, von dem was diese Stuten ohne jede Klage ertrugen – und Angst, die ihn vorantrieb. Angst, das es seine Schwäche sein würde, die sie alle aufhalten, die ihre ganze Unternehmung in Gefahr bringen würde. Er wusste, das diese Angst unberechtigt war, das sie ihm weder Vorwürfe machen würden, wenn er seiner Verletzung nachgeben würde, noch ihn zurücklassen würden, weil er nicht mehr weiter konnte.
Es war eine unrationelle Furcht, die tief in seinem Selbst verwurzelt war. Er fürchtete sich davor ungenügend zu sein, unnütz. Ballast. Er war sich bewusst, das dies Unsinn war, aber er wollte seine Freunde dennoch nicht enttäuschen. Er musste es ihnen beweisen. Wenn er auch kein Element der Harmonie war... er würde kein Klotz an ihrem Bein sein.
Entschlossen schleppte er sich weiter. Er musste einfach nur den leicht zu erkennenden Hintern der Stuten Folgen. Das war einfach, Oder? Praktisch ein Traum im herrlichen, wogenden Gelb von Fluttershy... der pinken Herrlichkeit von Pinkie... den strengen, durchtrainierten Formen Rainbows... den eleganten Linien Raritys... und den violetten Rundungen Twilights...
Er konnte sich tatsächlich einen Moment darin verlieren, indem er den Traum eines jeden Hengstes träumte. Aber in eben jener Betrachtung fiel ihm auf, das...
„Wo ist Applejack?", fuhr es ihm über seine Lippen.
Die Freundinnen blieben plötzlich stehen.
„Was? Haben wir AJ verloren?", fragte Rainbow überrascht.
Twilight eilte zu ihnen zurück und blickte sich hektisch um. „Wo ist sie?"
„Applejack! Applejack, wo bist du?", rief Pinkie in die Tiefen des Waldes hinein. Sie bleiben einen Moment lang still und horchten. Aber nur das Rauschen der Blätter und das Knacken der Stämme antwortete ihnen.
„Wir schwärmen aus!", befahl Twilight. „Geht hundert Schritt in jede Richtung. Haltet alle zehn Schritt an und ruft nach ihr. Geht nicht weiter, damit wir uns nicht auch noch verlieren! Merkt euch den Weg und kommt zur Schlucht zurück. Wir treffen uns wieder hier! Ich sage den Wachen bescheid!"
Sie alle nickten eifrig, während die Einhornstute davon eilten.
„Rarity, Pinkie!", rief Rainbow, „Ihr deckt den Raum vor uns und rechts von uns ab! Rogue, du gehst an der Schlucht entlang zurück! Fluttershy, wir schwärmen hinter uns aus! Los!" Ihre Flügel schlugen aufgeregt und trugen sie in Windeseile zwischen die Stämme hinfort. Fluttershy zögerte kurz und warf einen Blick zurück auf ihre erdgebundenen Freunde, die hinter ihnen zurückblieben.
Rogue war sich nicht nicht sicher, aber er glaubte, das sie ihn ansah, als sie sagte: „Wir finden sie.", bevor sie davonflatterte.
„Also gut, ihr habt sie gehört! Auf geht's!", stieß Rogue eifrig hervor. „Denkt an die hundert Schritte! Wir dürfen nicht verloren gehen!" Er warf sich herum und galoppierte mit schmerzenden Hinterlauf den Weg zurück, den sie gekommen waren.
„Applejack! Applejack!", rief er unentwegt, während er ihren Hufspuren in den trockenen Blättern unter ihm folgte. Er versuchte ein Auge auf dem schmalen Pfad am Abgrund und das andere in das Unterholz zu seiner Linken zu halten, während er nach seiner Cousine rief.
„Applejack!"
Er hielt an, stieß seine Hufe in den weiche Untergrund, um seinen Ohren die Gelegenheit zu geben ungestört die Stille des Waldes zu durchdringen. Er hoffte auf eine Antwort in dem wohlvertrauten Akzent seiner Cousine, doch alles was er hörte, war das sich langsam entfernte Rufen der anderen Ponys.
Er eilte weiter den Pfad entlang, den sie am Rand der Senke getreten hatten. Wieviele Schritte war er schon gegangen? Er wusste es nicht mehr und es war auch egal. Er musste nur dem Pfad zurück folgen, um die anderen zu finden. Es war wichtiger, das er Applejack fand. Wie hatte sie verloren gehen können? War er nicht das letzte Pony in der Reihe gewesen? Er hätte bemerken müssen, wenn sie ausgeschert und ihren Gänsemarsch verlassen hätte.
Aber er war unaufmerksam gewesen, hatte sich selbst abgelenkt um seinen Schmerzen zu entkommen...
Er hastete weiter den Pfad entlang und spürte die Schmerzen in seinem Hinterlauf als wohlverdiente Ermahnung pochen.
„Applejack?", rief er wieder laut aus und lauschte angestrengt auf eine Antwort. Er war sich mittlerweile sicher, das er die hundert Schritt und noch mehr gegangen war. Doch statt einer Antwort hörte ein rythmisches, hölzernes Klopfen, ein Stück vor sich und ihn den Wald hinein.
Er hob aufmerksam den Kopf und versuchte die Laute genauer zu lokalisieren. Seine Ohren drehten sich angestrengt auf seinem Kopf, bis er die genaue Richtung ausgemacht zu haben glaubte.
Ein großer Erdwall versperrte ihm die Sicht auf den Ursprung der Geräusche. Er verließ den Pfad und kletterte vorsichtig den steilen Abhang empor. Er versuchte, so wenig Lärm wie möglich auf dem laubbedeckten Boden zu machen. Er hätte liebend gerne noch einmal nach seiner Cousine gerufen, um sich zu vergewissern, dass es nicht sie war, die er dort hörte, aber das Risiko war ihm zu groß. Dieser Wald war alt und ungezähmt und barg ungesehene Schrecken. Es war besser, vorsichtig zu sein.
Unter einiger Anstrengung erklomm er den natürlichen Wall und lugte vorsichtig über den Rand...
Das Tal vor ihm war ein Teppich aus den verblichenen Brauntönen gefallener Blätter. Umgestürzte, überwucherte Bäume setzten grüne Tupfen in die Szenerie, verwirrten den Blick und hoben sich dennoch klar von dem Pony ab, das mit konzentrierter, ernster Miene seine Hinterläufe gegen einen der dünneren Bäume krachen ließ.
„Applejack!", rief Rogue erleichtert aus und stand auf. AJ sah auf und winkte knapp, bevor sie sich mit konzentrierter Miene wieder an die Arbeit machte.
Das Rettungspony lief den Hügel auf ihrer Seite hinunter und kletterte etwas umständlich über einen der umgestürtzen Baumriesen, der kaum mehr war als ein mossbewachsener Wall. Er war nicht weit gerannt, aber er spürte, wie ihn die Belastung bereits zugesetzt hatte.
„AJ, wo beim Tarterus bleibst du?", begann er schwer atment, als er bei ihr angekommen war. „Verdammt, wir suchen schon nach dir! Warum verschwindest du einfach, ohne ein Wort zu sagen."
Als er merkte, das sie ihm kaum Beachtung schenkte, sondern einfach nur weiter gegen den Baum trat, stutzte er kurz. „Und was machst du da eigentlich?"
Sie presste ihre Antwort zwischen den kräftigen Tritten gegen das Holz heraus „Hmpf... Hmpf... Ne Brücke, wonach sieht´s denn aus? Hmpf... Hmpf..."
Er sah sie verdattert an. „Wut?", fragte er sie verständnislos.
Applejack hielt inne und wischte sich den Schweiß von der Stirn, der sich unter ihrem Hutband gesammelt hatte.
„Wenn ich den verdammt´n Baum hier umbucken kann, dann hamm wir nen bequemen Weg über de´ Schlucht. Schau nern dir an! Der is´ gut dreißig Meter lang und mehr! Das tut zweimal reich´n!"
Rogue besah sich den Baum näher. Es war ein aufstrebender Sprößling gewesen, der das Rennen um Sonnenlicht gegen seine Konkurrenten verloren hatte und schon vor langer Zeit eingegangen war. Die Rinde war längst von ihm abgefallen und hatte das helle Holz darunter entblößt, das bereits morsch und wurmstichig geworden war. Dort wo Applejacks Hufe ihn bearbeitet hatten, war die äußerste Schicht des Holzes abgeplatzt.
„Bist...bist du dir sicher, das du das schaffst?", fragte er sie unsicher. „Der Kern des Stammes scheint noch immer ziemlich fest zu sein." Er zeigte auf die Stelle, wo sich unter dem morschen Holz der dunklere Innere abzeichnete. „Und er ist verdammt dick. Wenn auch nicht so hoch und dick wie die anderen."
AJ seufzte. „Ich arbeit´ mein ganzes Leb´m schon mit Holz, Rogue. Wenner nich´ dick wär´ un´ sein Kern nich´ noch fest, würd´ er ja wohl kaum ne brauchbare Brücke abgeb´m, oda? Außerdem..." Sie stapfte mit dem Vorderhuf mehrmals auf den Boden. „S´ kommt auf de Wurzel´n an. Und die hier sin´ schon lang abgefault, da geb´ ich dir Brief un´ Sigel drauf!" Sie sah frustriert zu der kahlen Baumkrone hinauf. „Er is´ einfach nur verdammt stur!"
Er sah sie einen Moment lang an, dann drehte er sich um und positionierte sich neben ihr. Er musste sie etwas mit seiner Flanke anstoßen, da sie nicht sofort Platz machte.
„Hey! Hey! Was wird´n das?", fragte sie überrascht.
„Wenn du´s allein nicht schaffst, helf´ ich dir eben." Er ließ sich den letzten Satz noch einmal durch den Kopf gehen und schnalzte dann missbilligend mit der Zunge. „Und um Celestias Willen, steck´ mich nicht mit deinem Akzent an. Ich muss irgendwann wieder zurück in die Zivilisation."
Er behielt eine todernste Miene aufrecht, bis er den bitterbösen Blick sah, den sie ihm zuwarf, dann konnte er nicht anders, als laut zu lachen. Es dauerte weniger als eine Sekunde, bis seine Cousine darin einstimmte.
„Alles klar, auf drei?", fragte er sie schließlich.
„Rogue...", begann sie zögernd. „...bis´ du dir sicher? Ich mein´, wegen deiner Verletzung. Und du has´ noch nie Äpfel gebuckt."
Er sah auf seine bandagierte Flanke. Sie hatte Recht. Es war dämlich seine Wunde, die von der anstrengenden Reise ohnehin schon schmerzte noch mehr zu belasten.
Er seufzte innerlich. Er war auch wirklich so nützlich wie Kropf. Wieso wollten sie ihn nochmal alle dabei haben? Es hatte einmal einen Sinn ergeben, aber der wollte ihm gerade nicht mehr einfallen. Moralische Unterstützung? Wohl kaum. Er konnte sich ja nicht einmal selbst unterstützen...
Nein! Er würde sich jetzt nicht wieder in den Teufelskreis aus Selbstvorwürfen und mangelndem Selbstbewusstsein ziehen lassen. Das hier war ganz einfach: Tritt den verdammten Baum um und gut. Keine moralischen Zerwürfnisse, kein Melodrama. Hau rein, Alter!
„Okay, nur ein Versuch. Wenn sich nichts tut, rufen wir die anderen und lassen uns was einfallen, ja?"
Sie überlegte kurz und lächelte dann. „Mach´n wir so!"
Sie stellte sich neben ihm auf und nahm Maß. „Auf drei!"
„Eins!"
„Zwei!"
„Drei!"
Rogue hatte keine Ahnung davon wie man einen Apfelbaum – oder jeden anderen Baum – richtig trat. Buckte. Alles worauf er sich verlassen konnte, war sein Instinkt als Pony, für das ein ordentlicher Huftritt früher vielleicht den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten konnte. Auf den tief vergrabenen Reflex, alles in einen einzigen, guten Tritt zu legen und dann davon zu rennen, wenn, was immer einen angefallen hatte, versuchte seine Knochen zu sortieren. Das und natürlich...
Granny Smith hatte gesagt, dass er im Herzen ein Apple war, mehr noch als sie zu hoffen gewagt hatte. Das Blut in seinen Adern war das selbe, das auch schon seit Generationen durch die Ponys floss, für die die Apfelernte so natürlich war wie das Atmen. Die Apples waren eine alte Familie, deren Wurzeln so tief in die Erde reichten, wie die Bäume, die sie länger bewirtschafteten, als sich jeder zurück erinnern konnte. Ein Apple konnte fast fühlen, wie der Saft durch die Rinde floss, wie das Blut durch seinen Körper. Das Rauschen der Blätter war der Wind in ihrem Fell, das Knacken der Stämme der Schmerz in ihren Knochen nach langer Arbeit. Sie waren die besten Apfelbauern in ganz Equestria, in ganz Equia, weil sich die Wurzeln ihrer Familie schon lange untrennbar mit denen der Bäume verbunden hatten.
Rogue stemmte seine Vorderhufe fest in das weiche Laub unter ihm, schob sich nach hinten weg, während sich sein ganzer Körper wie eine Bogensehne spannte. Seine Hinterläufe zuckten kurz, hoben seinen Hinterkörper an und...
...traten zu.
Es war ein einziger, flüssiger Bewegungsablauf, der ihm so leicht vor kam, wie ein Zungenschlag. Es war, als wüssten seine Muskeln bereits, wie sie sich zu bewegen hatten. Seine Hinterhufe krachten so synchron mit der seiner Cousine auf das Holz, als hätte er in seinem Leben nie etwas anderes gemacht.
Etwas knackte unter ihnen.
„S´ hat sich bewegt!", rief Applejack aufgeregt.
„Nochmal!"
„Eins!"
„Zwei!"
„Drei!"
Rumms!
Krack
„S´ gibt nach! S´ gibt nach!"
„Eins!"
„Zwei!"
„Drei!"
Rumms!
Krack.
Krack!
„Vorsicht!"
Die Erde unter ihnen bäumte sich auf. Dicke, schwarze Knollen brachen durch den Humus und das welke Laub und sprangen ihnen entgegen. AJ gab Rogue einen kräftigen Schubs mit ihrer Flanke, so das er davon, in Sicherheit, rollte.
Er fühlte, wie etwas großes, feuchtes knapp an ihm vorbei rauschte, dann rollte er durch das trockenen Laub, während es Erde um ihn herum regnete. Seine verletzte Flanke flammte in beißendem Schmerz auf, als er darauf zu liegen kam. Um ihn herum setzte sich das Splittern und Krachen des Holzes fort. Er hielt sich schützend seine Vorderläufe über den Kopf und rollte sich so klein wie möglich zusammen.
Dann tat es einen so gewaltigen Schlag, dass er die Erde unter sich erzittern fühlte. Und darauf...
...Stille.
Zögernd öffnete Rogue seine Augen wieder und hob vorsichtig den Kopf. Er schüttelte sich kurz, um die Erdkrumen von seinem Fell zu bekommen und stand dann auf.
Der morsche Baum war der Länge nach gefällt. Direkt vor ihm ragte das Gewirr aus dicken, dunklen Wurzeln auf, das der Baum beim Umfallen in die Höhe gerissen hatte. Ein tiefer Krater klaffte nun dort, wo sie beide noch vor wenigen Augenblicken gestanden hatten.
Etwas streifte Rogues Schnauze und er zuckte erschreckt zurück. Er brauchte einen Augenblick um zu erkennen, dass es nur ein Blatt gewesen war. Der morsche Baum mochte nicht so hoch gewesen sein, wie seine Verwandten rings um ihn herum, doch offensichtlich groß genug, um bei seinem Sturz viele Äste kahl zu fegen. Und als er sich umsah, fand er sich in einem wahren Regen aus Blättern wieder, der um ihn herum niederging.
Das Rettungspony drehte sich langsam um seine eigene Achse, atemlos ob des Anblick, der sich ihm bot. Es war, als würde er sich in einer riesigen, natürlich gewachsenen Kathedrale befinden, deren Wände sich zwischen den hoch wachsenden Säulen der Bäume verloren. Helles Sonnenlicht brach in glänzenden Strahlen durch einen neu geschaffenen Spalt in der grünen Decke und brachte die gelb und rot verfärbten, fallenden Blätter in einem unglaublichen Farbenspiel zum leuchten. Sie fielen so weit sein Auge reichte, wie wunderbar farbenfroher Schnee, so dicht, das sie für einen einzigen kurzen Moment das Licht selbst warm und feurig färbten.
Celestia und Luna, ist das schön, dachte er plötzlich.
Aber der Moment verging und die Blätter setzten sich sanft auf der Erde zur Ruhe. Und Rogue ging auf, das er Applejack nirgendwo sehen konnte. Ein eisiger Stachel aus Furcht fuhr ihm ins Herz.
„Applejack! AJ!", rief er laut aus.
Er lauschte angespannt auf eine Antwort. Jede stille Sekunde fühlte sich wie eine Ewigkeit für ihn an. Doch dann vernahm er einen leisen Laut hinter dem Wurzelwerk, das ein leises Stöhnen hätte sein können.
Er zögerte nicht einen Moment länger und raste los.
Um ein Haar wäre er in seiner Eile einfach über sie hinweg getrampelt. Das frisch gefallene Laub verdeckte sie fast vollständig und ihr orangenes Fell ging in all den Gelb- und Rottönen fast gänzlich verloren. Er konnte sich gerade noch bremsen, als er eine Bewegung vor sich sah.
Applejack lag auf der Seite und hielt sich mit einem Huf die Seite ihres Halses. Ihre zusammengebundene Mähne hatte sich gelöst und fiel ihr in wirren Strähnen über den Körper.
„Aww, Pferdeäpfel! Das is´ma´ schief gegang´n."
Rogue warf hastig seine Satteltaschen ab und unterdrückte einen Schmerzenslaut, als sie seine verletze Flanke streiften.
„Beweg dich nicht. Bleib einfach ruhig liegen."
„S´ okay. S´ nich´ so schlimm...", sagte sie und versuchte sich zu erheben.
„Liegenbleiben!", bellte er und drückte sie zurück auf die Erde. Mehr überrascht als eingeschüchtert gehorchte sie ihm.
Rogue nahm seine Huf von Ihr. Er sah, das ein dünner Blutfaden unter ihrem Huf am Hals hervor sickerte. Sein Huf zuckte dorthin, blieb aber auf halben Weg stehen.
Bodycheck, Bodycheck, Bodycheck, ermahnte ihn die Stimme in seinem Hinterkopf unablässig, während alles andere in ihm danach schrie sofort sehen zu wollen, welche Wunde sie unter ihrem Huf verbarg.
Letztlich setzte sich seine Ausbildung durch. Auch wenn in einer vitalen Gegend gelegen, wies noch nichts auf eine lebensbedrohliche Blutung hin.
„Drück weiter darauf."
Sie zuckte zusammen. „S´ tut weh, wenn ich drück´."
„Beiß die Zähne zusammen."
Er wollte gerade damit beginnen, ihren Körper auf Verletzungen abzutasten, als er bemerkte, wie sehr seine Hufe zitterten.
Es war nicht der leichte Tremor, der sich mit dem unvermeidlichen Adrenalin erklären ließ. Er bebte regelrecht.
Rogue versuchte durchzuatmen, sich zu beruhigen. Er versuchte sich einzureden, das es nicht so schlimm sein könne, das alles in Ordnung war, Routine, nur der Vorsicht wegen, nicht mehr. Das es niemandem half, wenn er sich so aufregte.
Aber es half nicht.
Die Wahrheit war, das er einem der schlimmsten Alpträume ins Angesicht blickte, die auf ein Rettungspony warten konnte. Nicht nur auf dieses eine, ohnehin schon geschundene Exemplar, sondern alle, ohne Ausnahme. Auf alle Krankenschwestern, alle Ärzte, alle, deren Geschäft es war anderen Ponys in der Not beizustehen und dies mit Professionalität und Zuversicht erledigten.
So sehr man auch Mitgefühl für diejenigen empfand, die Missgeschick oder Unglück einem in die Hufe gegeben hatte, es blieben dennoch meist Fremde. Gesichter um Gesichter, die der Alltag an einem vorbei spülte, jeder sicherlich ein Schicksal für sich, aber nur eines von vielen, das sich in der Masse verlor. Sie waren nicht ohne Gewicht, nicht bedeutungslos, keiner von ihnen. Aber dennoch kamen sie, wurden versorgt, nach allen Kräften und gutem Gewissen und verschwanden wieder. So war dieses Geschäft. Man mochte den einen oder anderen weiter begleiten aus Mitleid, aus Neugier oder Interesse, aber man lernte schnell sich nicht zu tief auf fremde Schicksale einzulassen. Ein Pony hatte nur eine bestimmte Menge an Kraft und im medizinischen Bereich musste es entscheiden, wem sie diese opferte. Den es gab immer so viele, so viele... man konnte nicht alles für alle tun. Es war traurig, aber unmöglich. Wollte man professionell bleiben, musste man eine Linie ziehen. Eine Linie, an der man zurücktrat und sich eingestand: ´Ab hier kann ich nicht mehr helfen`
Doch was war, wenn man diese Linie nicht ziehen konnte? Wenn anstatt immer neuer, fremder Gesichter, der Ozean des Unglücks ein bekanntes an die eigenen Ufer spülte? Wie wollte man vor sich selbst noch entschuldigen, was unangenehm, schmerzhaft, manchmal grausam, aber notwendig für das Opfer war? Wie wollte sich man noch abschotten von dem Mitleid, von dem Mit-Leiden, wenn es ein Freund, ein Verwandter, die eigene Familie war? Wie konnte man noch entscheiden, was das beste für den Patienten war, platonisch und objektiv, wenn man doch so subjektiv seine Qual spürte?
Wie jedes andere Rettungspony hatte sich Rogue einmal vorgestellt, wie es sein würde, wenn er zu einem Notfall gerufen würde und es würde sich herausstellen, das der Patient seine Mutter, sein Vater oder sonst ein Pony war, dem er ebenso nahe stand. Wie er versuchte, professionell zu bleiben, während ein so unendlich wertvolles Leben in seinen Hufen lag. Unendlich wertvoller als alle anderen...
Den feststellen zu müssen, das man nicht helfen konnte... oder das man helfen konnte... aber nicht ohne den Preis von Schmerzen... von der Gefahr das Leben zu verlieren... oder Gliedmaßen... oder der anderen tausend schrecklichen Dinge, die ein Leben zur Hölle machen konnten, ohne es zu beenden...
...wäre mehr als man ertragen könnte.
Wie wollte man es einem geliebten Pony beibringen, das es niemals wieder laufen können würde? Das es es einen Huf, ein Bein, verlieren würde? Das es auf immer gezeichnet sein würde, von dem was ihm passiert war?
Er biss die Zähne zusammen und zwang seine Hufe stillzustehen. Zu funktionieren, wenn es wirklich, wirklich darauf ankam.
Er schaffte es nicht, dass das Zittern ganz verging, aber es beruhigte sich genug, um arbeiten zu können. Er selbst war dennoch zu aufgeregt, um dafür Dankbarkeit zu empfinden. Er begann über Applejacks Körper zu streifen, in lang vertrauter Routine. Er fühlte Knochen und feste Muskeln unter seinen Hufen, während er sie sich methodisch von Kopf bis zu den Hinterläufen vornahm. Seine Bewegungen wurden mal sanft, wo er weiches Gewebe erreichte, mal rauer, wo er nach großen Knochen tasten musste.
Applejack verkniff sich ein Kichern, verziert mit einem kurzen Schmerzenslaut, als er an ihrer Flanke angekommen war. „Woha! Easy, Sugarcube! Nich´ gleich so stürmisch!"
Er sah auf. „Hä, was?", fragte er überrascht.
AJ errötete leicht, als sie sah, das er ihren Witz nicht verstand. „S´ okay. Tu´ was de´ tun musst."
Er beendete seine Untersuchung und wandte sich ihrem Hals zu.
„Also gut, du kannst deinen Huf jetzt wegnehmen."
Sie tat, wie ihr geheißen. Etwas geronnenes Blut verklebte in einer dünnen Linie ihr Fell am Hals, aber es war nicht dick genug, um zu verbergen, was daraus hervorstach.
„Bleib ruhig liegen.", wiederholte Rogue und eilte zu seinen Satteltaschen.
„Was´n los? S´ fühlt sich komisch an."
„Es ist nicht so schlimm.", beruhigte Rogue die Stute, während er seine Material hervor kramte. Er fand schnell ein paar sterile Kompressen, Desinfektionsmittel und Verbände, aber das, wonach er eigentlich Ausschau hielt, schien wie vom Erdboden verschluckt. Er kramte wild weiter, warf Infusionen, Verbandspäckchen und Medikamentenpackungen achtlos hinter sich. Schließlich kam er am Grund der Tasche an.
„Pferdeäpfel.", stieß er leise hervor. Er ließ die Taschen fallen und drehte sich um. Es gab noch eine andere Möglichkeit...
„Rogue, s´ besser wenn du mit mir reden tust."
Das Rettungspony riss ein paar der sterilen Kompressen auf und achtete darauf, das sie nicht schmutzig wurden. „Du hast einen Splitter im Hals stecken." Er klaubte die Streifen Verbandsmull auf. „Er ist, glaube ich, nicht tief eingedrungen. Aber ich muss ihn herausziehen." Er rollte die Kompressen zu einer improvisierten Rolle zusammen. „Und ich finde meine Pinzette nicht. Also muss ich es mit dem Mund machen." Er hob die Flasche mit dem Wunddesinfektionsmittel an und nahm einen kräftigen Mund voll. Es schmeckte so widerlich, das er einen Moment würgen musste. Die Flüssigkeit war zunächst wie minziges Öl, das in seinem Mund umher schwappte. Dann setzte, langsam und zunächst leicht, das Brennen ein. Er spülte es zwischen seinen Zähnen, so gut er konnte, bis der Schmerz zu groß wurde und er es angewidert ausspuckte.
„Wie? Was? Was hast´n du vor? Ich...", begann Applejack, bevor er sie unterbrach.
„Das könnte jetzt etwas brennen...", warnte er sie, ohne auf ihren Protest zu achten. Er fühlte wie sie sich unter ihm anspannte, als er das Desinfektionsmittel auf ihren Hals goss. Es dauerte nur einen Moment, bevor ihr Widerstand nachließ.
„Hey, das war gar nicht..."
Er beugte sich schnell zu ihr hinunter. Seine Lippen glitten über ihr weiches Fell, das noch feucht von dem sauberen, klinisch reinen Geschmack des Desinfektionsmittels war. Dann traf er auf etwas hartes, fremdes. Er biss leicht zu und riss den Fremdkörper mit einer Seitwärtsbewegung seines Körpers heraus. Er spürte, wie AJ kurz unter ihm zuckte und beeilte sich die zusammengerollten Kompressen auf die Wunde zu drücken.
Angewidert spuckte er den Splitter in seinem Mund aus und presste weiter. Seine Cousine hatte wegen des plötzlichen Schmerzes ihr Gesicht verzogen, entspannte sich aber schnell wieder.
„Applejack! Rogue!", erscholl ein Ruf aus dem Wald nicht weit von ihnen entfernt.
„Hier sind wir!", schrie Rogue laut aus, während er darauf achtete, den Druck auf ihren Hals nicht zu verringern.
Rainbow zuckte wie ein vielfarbiger Blitz zwischen den hoch aufragenden Bäumen hervor und landete mit schlitternden Hufen neben ihnen, die das Laub zu allen Seiten davonwarf. Rogue drehte seinen Körper herum, um Applejack vor den fliegenden Blättern zu schützen.
„Sachte, verdammt!"
Dash sah ihn einen Moment lang verwirrt an, dann drehte sie sich um. „Ich hab´ sie gefunden! Kommt hier her!"
Fluttershy stieg langsam wie eine leuchtend gelber Mond hinter dem niedrigen Hügel auf, die Flügel aufgeregt schwirrend.
„Sie sind hier! Hierher!", piepste sie und winkte aufgeregt hinter sich.
Rainbow ging langsam auf die beiden zu. „Was ist passiert?", fragte sie vorsichtig.
Das Rettungspony antwortete ihr nicht, sondern presste weiter auf die Wunde. Er wechselte seinen Huf und benutze den jetzt frei gewordenen, um Applejack ein paar verirrte Strähnen aus dem Gesicht zu streichen. Die Stute sah ihn etwas verunsichert, aber tapfer an.
„Wie schlimm is´ es, Doc?"
Er zögerte zuerst, dann entfernte er langsam die Kompressen von ihrem Hals.
Die Stelle war noch immer mit ihrem Blut verklebt, das sich von dem Mullstoff nicht hatte aufsaugen lassen. Auf ihrem orangefarbenen Fell sah es aus wie ein furchtbarer Bluterguss. Ein einzelner, frischer Blutstropfen glitzerte im Licht der durch die Blätter fallenden Sonne, schwoll langsam an und verlor sich dann in ihrem Fell. Rogue atmete erleichtert auf und drückte die Kompresse wieder darauf.
„Nein, es ist nicht schlimm. Es ist nur... nur ein Kratzer." Er dachte an Verbandswechsel, Antibiosen und den immer kleiner werdenden Vorrat an Medikamenten ihn seinem Gepäck. Und an ein weißes Einhorn und seine kleine Schwester.
Twilight und die Stammesponys waren die letzten, die eintrafen. Rogue bemühte sich gerade, den frisch gewickelten Verband um Applejacks Hals fest zu machen, als sie aus der Richtung der Schlucht kamen.
„Was ist passiert?", verlangte das violette Einhorn in überraschend herrischem Ton zu wissen.
„S´ meine Schuld Twi.", antwortete Applejack mit einem verschmitzten Grinsen. „Ich hab´ mir gedacht, wir könn´ uns den ganz´n Weg drumrum´ spar´n un´ hab´ uns ne´ Brücke gebaut." Sie wies mit einem Huf auf den umgestürzten Baum, an dessen entblößten Wurzeln sie sie sich alle gesammelt hatten.
Twilight warf einen kurzen Blick auf das Werk ihrer Freundin und wandte sich dann schnell wieder ihr zu.
„Warum hast du uns nicht Bescheid gesagt?"
AJ zuckte kurz mit den Schultern. „Ich hab´ gedacht s´ keine große Sache. Ich hab´m Baum da steh´n geseh´n und gedacht das s´ klapp´m könnt´. Also hab´ ich mich anne Arbeit gemacht."
Sie schob verlegen ihren Hut in den Hinterkopf. „S´ war´n bisschen doller als ich erwartet hab´. Aber mit meim´ Cousin hier war´s n ´ Fohlenspiel. Der kann treten, sach´ ich dir! War´n richtiger Spaß mit ihm zu arbeit´n!"
„Spaß?", fragte sie die Einhornstute ruhig. Gefährlich ruhig. „Das war Spaß?"
Applejack runzelte verwirrt die Stirn. „Ne, ich wollt´ das wir kein´ Umweg zu mach´n brauch´n. Da, wir könn´ jetzt einfach rüber geh´n." Sie zeigte noch einmal in Richtung den Baumstammes. „Er is´n´ bisschen angefault, aber der Kern is´ noch so fest wie´n Pinkie-Versprech´n!"
„Darum geht es nicht!", schrie Twilight sie plötzlich an. Applejack zuckte ob des plötzlichen Ausbruchs zurück, nicht weniger als ihre Freunde.
„Verstehst du nicht, worum es hier geht? Haben wir nicht genug darüber gesprochen? Ist irgendetwas im Unklaren geblieben über den Ernst unserer Lage?" Twilight brach ab, während sie ihre Freundin mit todernster Mine ansah. Sie suchte nach etwas in AJ´s Gesicht, das sie offensichtlich nicht fand, einem Zeichen des Verstehens, das ausblieb, denn gleich darauf fuhr sie nicht minder heftig fort: „Wir sind kaum einen halben Tagesmarsch von dem Berg entfernt, in dem sich die Changelinge aufhalten. Kreaturen, die sich faktisch im Krieg mit allem befinden, was hier nach Pony aussieht! Unsere einzige Möglichkeit einem Konflikt aus dem Weg zu gehen und... und unser Bestes zu versuchen, ein absolut sinnloses Blutvergießen zu vermeiden, ist es, möglich ungesehen so nahe wie möglich an sie heran zu kommen, ohne das sie uns einfach angreifen, weil wir so ähnlich aussehen, wie die, die ihren Tod wünschen! Wenn wir vor ihrer Haustür auftauchen, ohne waffenstarrende Eskorte..." Sie nickte in Richtung der Stammesponys, die sich mit finsteren Mienen im Hintergrund hielten. „...sind sie vielleicht überrascht genug, um zuerst Fragen zu stellen und erst dann auf Blut aus zu sein. Aber wenn sie uns hier und jetzt bemerken, wenn sie uns beobachten, was sollte sie davon abhalten uns anzugreifen und einfach zu vernichten, nur um auf Nummer sicher zu gehen? Und du hast ihnen gerade ein großes und lautes Fanal gesetzt!"
Applejack setzte kurz zu einer Antwort an, schwieg dann aber bedrückt. Twilight begann die Stute mit langsamen Schritten zu umrunden.
„Du hast es nicht einmal für nötig gehalten, uns zu informieren. Es ist dir einfach in den Sinn gekommen und du bist los marschiert. Ohne ein einziges Wort, ohne eine Warnung. Was dachtest du, würden wir denken, als wir dein Fehlen bemerkten? ´Oh, sie ist nur kurz austreten gegangen?´ ´Sie kommt bestimmt gleich zurück?´ Das hier ist gefährlich!" sie spuckte das letzte Wort der orangenen Stute geradezu entgegen. „Lebensgefährlich."
Sie sah sich im Kreis ihrer Freundinnen um, die sie alle überrascht und schockiert anstarrten. „Versteht ihr? Begreift ihr es endlich? Es ist jetzt gut ausgegangen, aber wie viel mehr muss noch passieren? Ja, wir müssen den Changelingen helfen. Ja, wir wollen diesem verdammten Blutvergießen hier ein Ende bereiten. Keiner will das mehr als ich!" Sie senkte ihren Kopf. „Aber dafür müssen wir alle am Leben bleiben." Sie sah auf und ihre Augen funkelten, als sie das nächste sagte. „Die Zeit für Spiele ist vorbei. Das hier ist so ernst wie es nur werden kann. Keine Alleingänge. Keine dummen Ideen. Prägt euch das ein." Sie sah sich finster im Kreis der Gesichter um. Ihr antwortete nur betretenes Schweigen und unsichere Blicke. Sie wandte sich Applejack zu. „Und was dich anbelangt..."
Rogue trat zwischen sie und seine Cousine. „Es ist genug, Twilight. Du hast deinen Standpunkt klargemacht." Er sah ihr fest in die Augen, die in diesem Moment so viel Zorn versprühten wie ein frisch ausgebrochener Vulkan.
Die Stute hielt ihren Blick einige Sekunden lang aufrecht. Dann nickte sie langsam und wandte sich ab, widerwillig, aber dennoch entschlossen. „Also gut! Wenn wir schon die Gelegenheit haben schneller voran zu kommen, sollten wir sie auch nutzen. Gehen wir! Wir müssen uns jetzt mehr beeilen als vorher." Sie sprang auf den frisch gefällten Baum und marschierte entschlossenen Schrittes los.
Fluttershy und Applejack beeilten sich dabei, die medizinischen Vorräte, die Rogue vorher so achtlos hinter sich geworfen hatte, zurück in seine Satteltaschen zu schaufeln.
„Weißte...", begann Applejack streng., „Ich kann ganz gut für mich selbst einsteh´n."
Rogue schloss die Tasche fest zu und hiefte sie sich unter Schmerzen zurück auf den Rücken. „Tut mir Leid. Ich dachte einfach nur, dass sie einen Dämpfer verdient hatte."
AJ half ihm, die Taschen bequem auf seinem Rücken zu platzieren und sah dann Twilight hinterher. „Das hat´ se´.", antwortete sie nachdenklich. Sie schwieg einen Augenblick lang, dann versetzte sie ihm einen leichten Klaps auf die unverletzte Flanke. „Trotzdem: Danke. Für die Versorgung und die Hilfe."
Er lächelte verschmitzt. „Klar. Immer wieder."
Sie half ihm auf den Baumstamm zu klettern und bemerkte, wie er dabei das Gesicht verzog.
„Hast de´ Schmerz´n ?"
Er zog sich das letzte Stück nach oben und lächelte gequält. „Wann nicht?" Er hatte es als Scherz gemeint, aber seine Cousine lächelte nicht. Er seufzte leise.
„Wie schlimm is´ es?", verlangte sie zu wissen.
Er zögerte einen Augenblick mit seiner Antwort. „Na ja, das Bucken hat es nicht gerade besser gemacht." Er streckte einen Huf aus, um auch ihr hinauf zu helfen, aber sie schaffte es mit einem behenden Sprung selbst auf den Stamm. „Schaust du..." Er unterbrach sich und sah nach vorne. Twilight und die Stammesponys warteten am anderen Ende der Schlucht, das alle die improvisierte Brücke verließen. „...schaust du kurz unter meinen Verband? Ob ich blute?", fuhr er unsicher fort.
Applejack zögerte. „Ich könnt´ Fluttershy herhol´n...", begann sie, aber er hielt sie zurück. „Nein!" Er bemerkte, das seine Antwort etwas zu schnell und ablehnend geklungen hatte. „Nein.", wiederholte er ruhiger. „Sie soll sich keine Sorgen machen. Wirf einfach einen Blick darunter und sag mir, ob es blutet. Bitte."
Sie sah ihn einen Moment lang an, dann nickte sie und machte sich an seinen Verbänden zu schaffen. „Ich glaub´, s´ sieht gut aus."
Er atmete erleichtert auf. „Das ist gut. Alles ist gut, solange die Nähte halten." Er verzog das Gesicht, als er den ersten Schritt auf dem Stamm tat. „Auch wenn es weh tut." Er lächelte seiner Cousine zuversichtlich zu. Aber er musste sich mehr als zusammenreißen, um ein Humpeln zu unterdrücken. Er würde noch ein paar Schmerzmittel nehmen müssen... vielleicht etwas anderes als nur Ibuprofen, so hoch er es auch dosiert hatte.
„Hi, Rogue!"
Er drehte seinen Kopf und sah Pinkie neben sich laufen. Die Stute zwinkerte ihm freundlich zu, und blieb auf seiner Höhe. Er atmete tief durch und versuchte den leichten Nebel in seinem Kopf zu vertreiben.
Er hatte eine Ampulle Tramal aufgebrochen und zwei kostbare Tropfen daraus gekostet. Das Betäubungsmittel war stark schmerzlindernd, aber er war vorsichtig damit, da es sich auch auf das Bewusstsein auswirkte. Es war schwer zu dosieren, vor allem, da er es über den Mund aufnahm, statt über die Vene, wofür es eigentlich gemacht war. Als er kein merkbare Wirkung verspürt hatte, wagte er einen weiteren Tropen aus der Ampulle zu lecken. Er hatte sich dabei an der scharfen Bruchkante des winzigen Glaszylinders geschnitten, aber der Schnitt hatte sich auf seiner Zunge nur taub und kalt angefühlt.
Wahrscheinlich hatte er die Verzögerung des Wirkungseintritts wegen der Aufnahme über die Schleimhäute unterschätzt. Er war kein Pharmakologe. Er war einfach nur ein Pony das Schmerzen hatte und nicht langsamer werden durfte. Und jetzt war er außerdem noch zugedröhnt bis über beide Ohren.
Er versuchte sich zusammen zu reißen. Sein Kopf war einigermaßen klar, nicht so wie bei einem Alkoholrausch. Er war mehr müde als alles andere. Aber Celestia sei dank, schmerzfrei.
„Oh, Pinkie...", brachte er hervor. „Na, alles gut?"
Die Stute warf ihm einen kurzen Seitenblick zu, dann wandte sie ihren Kopf wieder nach vorne, auf den Weg. „Das wollte ich eigentlich dich fragen.", antwortete sie. Das allgegenwärtige Lächeln auf ihren Lippen ließ keinen Schluss darüber zu, wie sie diese Frage meinte.
Rogue entschied sich das Beste zu vermuten und stellte sich dumm. „Geht noch. Ich könnte nicht behaupten, das ich schon schönere Ausflüge hatte, aber es hält alles." Er nickte in Richtung seiner bandagierten Flanke.
Pinkie warf einen kurzen Blick darauf und lächelte etwas breiter.
Sie liefen einige Zeit nebeneinander her, ohne ein Wort zu wechseln. Die Medikamente, die durch sein Blut kreisten, begannen bereits wieder ihn einzulullen, wie eine dicke, warme Decke, die ihn vor den Unbillen der Realität abschirmte. Es war äußerst angenehm, konnte er doch sein Hirn fast vollkommen ausschalten und es nur seinen Hufen überlassen, dem Pfad zu finden...
„Äh, Rogue?"
„Hä?", antwortete er träge.
„Wir sind gute Freunde und so... aber könntest du ein bisschen auf Seite gehen? Ich will deinen Verband nicht durcheinander bringen."
Plötzlich bemerkte er, das er im Schritt unabsichtlich auf ihre Seite gedriftet war und sich ihre Flanken praktisch gegeneinander rieben. Erschreckt machte er einen Satz weg von ihr.
„Tut... tut mir leid. Ich bin ein bisschen müde..."
Sie schenkte ihm ein verzeihendes Lächeln. „Macht nichts. Das sind wir alle."
Er nickte langsam und sie gingen schweigsam ein Stück weiter.
Die Stille zwischen ihnen dehnte sich aus, während unter ihren Hufen das trockene Laub raschelte. Er spürte, das der fröhlichen Stute etwas auf der Seele lag, etwas, das sie ihm sagen wollte, aber noch nicht die richtigen Worte fand. Er kämpfte gegen den Nebel an, den das Tramal in sein Hirn gezaubert hatte und versuchte herauszufinden, worum es dabei gehen konnte. Er spürte, das es wichtig war, aber er konnte sich nicht genug konzentrieren, als das sein Kopf die passenden Antworten ausspucken wollte. Alles was er zustande brachte, war, neben der Stute her zu trotten und nicht aus dem Tritt zu kommen. Letztlich erwies sich sein Schweigen als das einzig Richtige.
„Wegen Twilight...", begann Pinkie unsicher.
Er riss sich zusammen, als er bemerkte, das sie sich zu einer Entscheidung durchgerungen hatte und sah sie mit einem Gesichtsausdruck an, von dem er hoffte, das er aufmerksam aussah.
„Ich möchte nicht, das du den falschen Eindruck von ihr bekommst. Oder von uns."
Sie warf ihm einen nervösen Seitenblick zu. „Du kennst sie einfach noch nicht so lange wie wir."
Er nickte langsam. Es schien ihm das Beste, was er gerade tun konnte. Er mochte zwar gerade nicht auf der Höhe sein, weit davon entfernt zu würdigen, was ihn die Stute gerade anvertraute, aber er glaubte, er würde es nicht vergessen. Vielleicht war Zuhören jetzt genug. Vielleicht würde es reichen, wenn er sich seine Gedanken dazu... später machte.
„Twilight reagiert manchmal... seltsam auf neue Ideen. Es ist Teil ihres Wesens. Dessen, was sie zu dem macht, was sie ist." Sie lachte auf, scheinbar fröhlich, aber selbst sie konnte einen Unterton aus Resignation nicht verbergen. „Sie ist sehr... prinzipientreu? Benutze ich den richtigen Ausdruck? Ich meine, dass sie etwas in sich hat, das wie ein... ein Kompass funktioniert. Etwas, das ihr die Richtung weißt, die sie gehen muss. Aber es ist keine Karte, die ihr sagt, wohin sie gehen muss, sondern nur ein Pfeil, der in die richtige Richtung weißt und..."
Pinkie zögerte und verstummte dann ganz.
„Ich kann es nicht ganz richtig ausdrücken. Sie weiß, wohin sie will, aber sie weiß nicht immer wie sie dahin gelangen kann. Und wenn der direkte Weg nicht klappt... dann gerät sie ein bisschen in... Panik. Es gibt da eine Vorstellung in ihrem Kopf, wie die Welt zu sein hat und die Art... wie die Welt ist... und wenn beides nicht zusammenpasst, dann... wirbelt alles in ihrem Kopf durcheinander wie ein Puzzel, das jemand in die Luft geworfen hat und nichts passt mehr zueinander und Twilight..." Sie zögerte einen Moment. „...Sie dreht ein bisschen durch. Es ist einfach so. Sie versucht das, was in ihrem Kopf ist, mit dem was außerhalb davon vor sich geht in Einklang zu bringen und... und..."
Pinkie verzog ihr Gesicht, während sie mit ihren Worten kämpfte. Plötzlich leuchtete ihr Gesicht auf. „Hast du schon einmal einen Kuchen gebacken?"
Rogue sah sie einen Moment verständnislos an. „Huh?
Die Stute winkte ab. „Das Rezept sagt, das du zweihunderfünfzig Gramm Mehl brauchst um den Kuchen zu backen, also tust du eine ordentliche Schaufel auf die Waage. Aber dann siehst du, dass das mehr Mehl ist, als du brauchst und nimmst etwas weg. Aber es ist zuviel, das du wegnimmst und du schaufelt wieder drauf. Und dann kommen die Eier. Sind es große oder kleine Eier? Was ist mit dem Zucker? Die feinen Ponys in Canterlot und vielleicht Manehatten mögen weniger, aber ein hungriges Landpony hat noch nie zu einer zusätzlichen Unze ´Nein´ gesagt. Will man die Reste den Gästen mitgeben? Dann spart man lieber an der Milch! Oder ist es egal und es soll nur schmecken und der Bäcker verlagert sich auf die Creme und die Sahne!" Sie sah ihn einen Moment lang an, als würde das alle erklären, bis sie seinen verständnislosen Blick sah.
„Twilight hat niemand das Backen... das Führen beigebracht. Das was sie tun soll... das was ihre Bestimmung ist. Und manchmal nimmt sie zu fiel Mehl... schießt über das Ziel hinaus, weil sie glaubt, es ist das Richtige. Sie will so sehr, das sie alles richtig macht, das sie alles falsch macht. Sie macht sich selbst verrückt und wird blind dafür, wem sie dabei auf die Hufe tritt..." Sie warf einen mitleidvollen Blick nach vorne. „Es ist nicht leicht für sie. Das ist es niemals. Sie wird erkennen, wo sie Fehler gemacht hat. Und es wir Ihr Leid tun. Sie jagt einer fixen Idee nach, aber sie wird wieder zu Sinnen kommen. Und was dabei heraus kommt wird besser sein als alles, was wir uns hätten ausdenken können."
Sie lächelte ihm aufmunternd zu und er lächelt unsicher zurück. Die angenehme Watte in seinem Kopf hatte ihn bisher von allen Implikationen von Twilights Verhalten abgeschirmt, aber er verstand, das dies kein Zustand war, den er dauerhaft aufrecht erhalten konnte.
Er schluckte schwer und kämpfte sich zu einer Antwort durch. „Und während sie sich selbst findet nehmt ihr alles einfach so hin, was ihr in den Sinn kommt?'"
Pinkie schüttelte ihren Kopf. „Nein, natürlich nicht. Aber wie könnte ein Pony besser lernen, als dadurch das es die eigenen Fehler erkennt und beherzigt? Wir werden ihr dabei helfen, wie immer."
Rogue blieb stehen. Er mochte sich gerade in einer angenehmen Wolke aus Tramalwatte befinden, die ihn wie ein Kissen vor der harschen Realität abschotte, aber er war klar genug, um die entscheidende Frage nicht ins seinem Innersten ruhen zu lassen. „Was, wenn sie recht hat?", fragte er. „Was, wenn wir alle zu sorglos auf unsere Herausforderung zugehen? " Er strich sich nervös durch seine Mähne und bemerkte beiläufig, wie lang sie mittlerweile geworden war. „Was, wenn sie diesmal Recht hat? Mit... mit allem? Es war nicht gut, das AJ sich einfach von uns entfernt hat. Es war nicht gut, das wir eine solche Aufmerksamkeit auf uns gezogen haben, das ist mir jetzt klar. Twilight war im Recht! Sie hatte Recht!"
Pinkie sah ihn einen Moment lang an, dann warf sie einen nervösen Blick nach vorne. „Lass uns weitergehen. Die anderen sind schon ein Stück weit entfernt."
Das Rettungspony nickte und sie schlugen eine schnellere Gangart an. Das Ziehen in seiner Flanke, das ihn das Tramal fast vergessen hatte machen lassen, drang langsam und beharrlich wieder zu ihm durch. Er versuchte es so gut wie möglich zu ignorieren.
„Denkst du, das es falsch war, das ich dazwischen gegangen bin?", fragte er sie frei heraus.
Pinkie zögerte einen Augenblick, bevor sie antwortete. „Nein.", sagte sie schließlich. „Nein, sie ist schließlich deine Cousine! Und Twilight... sie ist in wieder in einer ihrer schwierigen Phasen. Sie... also Twilight – und bestimmt auch Appeljack, da bin ich mir sicher – also sie vertrauen dir. Und Twilight – und Applejack... und auch die anderen... genauso wie ich selbst... ganz besonders ich selbst... aber besonders Twilight! Sie..." Das pinke Pony zögerte eine Sekunde. „Äh... jetzt hab ich den Faden verloren. Wir... ich... Mist!" Sie biss sich nachdenklich auf die Lippen, wähnend sie ihr Gespräch noch einmal im Geiste nachvollzog.
Rogue sah derweil nach vorne und hoffte inständig, das sie bald zu den anderen aufschlossen. Seine Flanke war kurz davor ihn umzubringen.
„Genau! Also Twilight – und wir anderen... besonders ich... aber besonders Twilight! ...also sie glaubt – und das aus gutem Grund, schließlich wissen wir alle es, nicht nur sie und wir denken auch genauso, zumindest was ich von den anderen gehört habe, deshalb ist vielleicht das Wort ´Glauben´ nicht so gut gewählt, sondern viel mehr ´Wissen´, was besser passen würde, da bin ich mir sicher – sie glaubt... weiß auf jeden Fall, dass du mit so etwas umgehen kannst, nach dem, was du in der Nacht mit den Wölfen gemacht hast und sie vertraut auf dein Urteil, weil du es eben so gemacht hast, wie du es gemacht hast und sie keine Ahnung davon hat, genauso wenig wie wir alle." Sie musste tief Luft holen, nachdem dieser Wasserfall an Wörtern aus ihr herausgestrudelt war, aber danach schaffte sie es dennoch, das hoffnungsvollste Lächeln auf ihr Gesicht zu zaubern, das er jemals gesehen hatte.
Rogue versuchte auseinander zu dividieren, was nun wirklich wichtig war. Das wäre schon ohne den Einfluss von Drogen schwierig gewesen. „Twilight hört also auf das was ich sage? Und ich soll ihr sagen, wie sie sich zu verhalten hat?"
Pinkie schüttelte ihren Kopf. „Nein. Aber vielleicht kannst du etwas tun, das du schon für mich getan hast. Vielleicht kannst du... für sie da sein, wenn sie dich braucht, aber nicht will. Oder vielleicht will sie dich, aber braucht dich nicht, sondern... sondern..." Sie seufzte tief. „Ich bin nicht gut, wenn es um so ernste Sachen geht." Sie sah zu ihm auf. „Kannst du ihr helfen, wie du mir geholfen hast? Kannst du ihr den Schubs in die richtige Richtung geben? Wenn es notwendig wird?"
Er zögerte einen Augenblick, bevor er ihr antwortete. „Was ist, wenn ich glaube, das sie im Recht ist?"
„Das hast du bereits gesagt.", antwortete ihm Pinkie. „Und das ist auch gut so. Wir vertrauen deinem Urteil, genauso wie wir Twilight vertrauen. Aber du... bist... vorbereiteter." Sie verzog das Gesicht. „Würdest du sie besser kennen, würdest du es verstehen. Sie kann so... schwierig sein! So verrannt, so verbohrt...!" Die Stute hielt ihn plötzlich fest und brachte ihn mit einem Ruck zum Stillstand. „Wir sind die Elemente der Harmonie. Ich verstehe nichts von dem ganzen fancy-pancy-Kram über Magie und Zauberei und dem ganzen Rest. Aber ich verstehe, das es dabei um Freundschaft geht und um das Band das wir untereinander teilen. Und Freundschaft bedeutet nicht, einem Pony zu folgen, weil es das Banner der Rechtschaffenheit vor sich herträgt! Es bedeutet, das wir trotz allem zusammen lachen können, uns freuen, uns treu sind, großzügig mit unseren Fehlern umgehen, und uns die Wahrheit sagen, egal was kommt! Das ist es, was Freundschaft ausmacht!" Sie sah ihn einen Moment lang suchend an, bevor sie fort fuhr: "Warum bist du eingeschritten, als sie gegen Applejack gewettert hat?"
Er furchte seine Stirn. Er war zu verwirrt, um eine lang überlegte Antwort zu geben. „Es war nicht recht. Es war nicht gut, was AJ getan hatte, aber Twilight hat sie nicht behandelt wie eine Freundin, die Mist gebaut hat."
Pinkie klopfte ihm mit ihrem Huf auf die Brust. „Ganz genau. Twilight hat das vergessen und ich will genauso wenig wie die anderen, das sie sich noch mehr schämen muss, wenn ihr das auffällt. Sie wird sich schon für genug entschuldigen müssen. Wir alle verstehen, dass das hier ernst ist, ernster als alles Andere, was wir schon gemeinsam überstanden haben. Und wir können es nur gemeinsam meistern. So wie wir es immer getan haben: gemeinsam." Sie nahm ihren Huf von seiner Brust.
Er sah auf die Stelle, an dem sie ihn berührt hatte. „Ich habe versucht ihr das klar zu machen.", begann er leise. "Ich habe ihr gesagt, das die Entscheidung letztlich in ihrem Huf liegt, das sie die Anführerin ist. Sie muss es entscheiden. Aber ich habe ihr auch gesagt, das sie mit dieser Entscheidung nicht alleine sein wird." Er sah auf. „Was... was habe ich falsch gemacht?"
Sie begegnete seinem Blick mit einem aufrichtigen Lächeln. „Nichts. Gar nichts, Rogue! Sei nur... sei nur lieb zu ihr, ja? Sie versteht die Dinge so leicht falsch wenn sie so ist. Sieh hört jetzt auf dich und nimmt sich sehr zu Herzen, was du zu ihr sagst. Das ist viel Verantwortung."
Da war es wieder, dieses kleine, böse Wort, das ihn nicht mehr loslassen wolle, so sehr er sich auch dagegen wehrte. Es verfolgte ihn, schloss zu ihm auf, wenn er dachte, es abgehängt zu haben und endlich einen Moment der Ruhe zu genießen zu können.
Verantwortung.
Er war kein Pony, dem andere folgten. Er war keine Führernatur oder charismatisches Vorbild. Er war einfach nur er: Rogue. Rettungspony. Zugpony. Unfreiwilliger Abenteurer. Geistiges Frack. Die Liste ließ sich noch lange fortführen und es kamen nur wenige positive Eigenschaften darin vor.
Er hatte in der Vergangenheit Verantwortung übernommen, in der Zeit mit den Elementen mehr, als jemals zuvor. Man hatte ihm gesagt, dass er sich nicht schlecht dabei geschlagen hatte, ja sogar großartig gewesen war. Aber die Selbstbestätigung, die er daraus hätte ziehen sollen war ausgeblieben. Wann immer er, getrieben von seinem Gefühl der Pflicht, der Notwenigkeit, was die einzige Gelegenheit war, die ihn dazu treiben konnte, das Heft in den Huf zu nehmen und zu tun, was... nun, die Pflicht und Notwendigkeit verlangten, war danach nur ein bitterer Geschmack der Niederlage und des Versagens darüber in seinem Mund zurück geblieben. Er konnte nicht einmal selbst begreifen, warum das so war, warum er sich in seinem tiefsten Inneren stets so fühlte, auch wenn er weit über seine eigenen Grenzen hinaus gegangen war und Taten vollbracht hatte, von denen er vor wenigen Wochen noch nicht einmal geträumt hatte. Es gab keine rationale Erklärung dafür, nur dieses dumpfe, schmerzende Gefühl in seiner Brust, das nicht nachlassen wollte. Das er es irgendwie doch vermasselt hatte. Das er es trotzdem hätte besser machen können. Obwohl er anfangs gar nicht geglaubt hatte, es überhaupt tun zu können.
Und wenn er nicht an sich selbst glaubte... was zählte es dann?
´Viel´, versuchte er sich einzureden. Er versuchte sich selbst zu erklären, dass es nicht immer richtig war, was man von sich selbst sah. Das die Meinung der Ponys um einen herum, die man so lieb gewonnen hatte und die einem teuer waren, wie so wenig sonst auf dieser Welt, ein Gegengewicht sein sollten. Das sie es sein konnten, die auch ein gewichtiges Wörtchen darin mitzureden hatten, ob er wirklich wichtig war. Oder, wie er sich selbst niemals müde wurde zu bestätigen, eben nicht.
Warum schleppte er sich durch diese von den Göttinnen vergessene Wildnis, wenn er alle Hoffnung aufgegeben hatte? Warum zerrte er seinen geschundenen Kadaver weiter auf dem beschwerlichen Weg, wenn er nicht doch irgendwo tief in sich drin glaubte, dass es die Schmerzen und die Entbehrungen wert war? Das er selbst es wert war? Wenn er glaubte, nur Ballast zu sein, warum hatte er nicht schon längst aufgegeben?
„Sie ist nicht die einzige, die so denkt.", riss Pinkie ihn aus seinen Gedanken. „Wenn natürlich auch aus ganz anderen Gründen."
Er hob erschreckt den Kopf. Er war nie der Schnellste gewesen, was solche Dinge betraf und er war jetzt sicherlich alles andere als auf seiner geistigen Höhe, aber aus irgendeinem Grund verstand er dennoch sofort, worauf sie anspielte. „Du... du meinst Fluttershy.", antwortete er mit trockenem Mund.
Pinie nickte nur zustimmend.
„Wer... hat Twilight es dir gesagt? Das war vertraulich!" Die Scham ließ ihn seine Schmerzen und die Erschöpfung für einen Moment vergessen. Er sah aufmerksam nach vorne, aber sie beide befanden sich noch außerhalb der Hörweite der anderen. Eines der Stammesponys war auf einen nahen Grat geklettert und hielt aufmerksam Wache über den dahinter liegenden Wald, ohne sie zu beachten. Trotzdem senkte Rogue seine Stimme. „Wie konnte sie nur...", murmelte er böse.
„Sei nicht dumm.", schalt ihn die pinke Stute streng. Aber als er zu ihr sah, stand nur ein warmes Lächeln auf ihrem Gesicht. „Ich bin weder blind noch dumm. Twilight hat kein Sterbenswörtchen verraten, auch wenn ich etwas neidisch bin, das du es ihr als Erstes verraten hast."
Er schaute schamvoll zur Seite, während sie nebeneinander den Weg entlang gingen. „Es schien... es schien mir einfach das Richtige zu sein. Es war... ein sehr... intimer Moment.", bemerkte er kläglich.
„Ow... war das, als du gestern Twilight gesucht hast, um mit ihr zu reden? Du und sie... ganz alleine? Sehr... intim?" Sie sprang aufgeregt neben ihm her und lies vielsagend ihren Augenbrauen auf und ab hüpfen.
„Hör auf damit!", schnappte er wütend. „Es war kein bisschen so!"
Sie stoppte ihren springenden Gang und begnügte sich wieder, einfach neben ihm herzulaufen. So blieben sie eine Weile lang, schweigend. Wenn Rogue Pinkie einen Steinblick zuwarf, sah er, dass sie ihn aus den Augenwinkeln beobachtete und schnell eine scheinheilige Mine aufsetzte, wenn sie seinen Blick bemerkte.
„Es war ganz und gar nicht so...", murmelte er schließlich. Er hielt einen Moment lang an und verschob die Satteltaschen auf seinem Rücken, so das sie bequemer saßen. Sie schienen mit jedem Schritt schwerer zu werden.
Sie setzten ihren Weg noch eine Weile fort, bevor er sich dazu durch rang ihr zu zuflüstern. „Sag es Fluttershy bitte nicht, ja?"
„Sag ihr was nicht?", antwortete Pinkie ihm spielerisch. „Das du sie lie-lie-lie-lie-lie...", begann sie zu trällern.
„Hör auf!", knurrte er barsch.
Die Stute verstummte, ohne sich jedoch das amüsierte Lächeln aus dem Gesicht zu wischen.
„Entschuldige. Es ist nur... ihr gebt beide so ein süüüüüßes Paar ab!" Sie ließ einen kurzen Laut von sich der sich nur mit einem Squeew! umschreiben ließ und stieß ihre Hinterhufe zusammen. „Ich dachte ja wirklich erst, das du und Applejack... ich bin ja wirklich kein Pony, dass da irgendwelche Vorurteile hat, auch wenn andere da ein bisschen komisch gucken, und es ist ja nicht so, dass ihr direkt Blutsverwandt seid, nur um die Ecke herum und ich hab wirklich gedacht, das es zwischen euch gefunkt hat, so wie sie dich angeguckt hat, und du sie..."
„Immer schön ruhig mit den jungen Ponys...", seufzte Rogue. Aber dieser Seufzer war nicht nur aus der Verzweiflung über eine weitere, unvermeidliche Tirade von Pinkie geboren, sondern auch daher, das er... tatsächlich etwas außer Atem war.
„...Und das ging bestimmt bis dahin, als wir an Bord des Luftschiffes gegangen sind, aber da hat es selbst bei mir ´Klick´ gemacht, denn bis dort hab ich geglaubt, das du Fluttershy nur so anguckst, wie jeder Hengst sie anguckt, die einen ein bisschen mehr, die anderen ein bisschen weniger..."
„Es... es ist heiß geworden, oder? Es ist wirklich... heiß...", murmelte Rogue, ohne wirklich noch darauf zu achten, was Pinkie von sich gab.
„Und naja, es ist nicht gerade so, als hätte sie es nicht bemerkt. Sie ist ziemlich unvoreingenommen was das betrifft. Es braucht wirklich einen gaaaaanz langen Weg, bis ihr auch nur in den Sinn kommt, man könnte so von ihr denken. Aber du hast es geschafft! Ich meine, allein schon, als du sie im Sturm gerettet hast! Sie einfach Wusssch! Fliegend ohne Flügel!"
„Hast du etwas Wasser? Ich könnte etwas... Wasser...", stotterte er.
„Ich weiß nicht, was ihre Federn... na, du weißt schon... aber du hast es auf jeden Fall drauf!"
Er tat einen Schritt, während der Weg vor seinen Augen verschwamm. Ein weiterer brachte ihn noch ein Stück voran, aber es war, als hätte der Boden unter ihm zu schwanken begonnen.
„Pinkie...", krächzte er leise.
Die Welt begann zu kippen. Ein hohes, betäubendes Summen machte sich in seinem Hinterkopf breit und löschte jeden weiteren Gedanken aus. Es übertönte sogar die Schmerzen in seinem Hinterlauf, die nur noch eine dumpf pochende Grube tauben Gewebes war.
Er stolperte, suchte verzweifelt nach Halt, als ihn sein Gleichgewichtssinn im Stich ließ. Er maß seinen Schritt falsch ab und schlug hart auf, ohne schützend seine Hufe unter sich zu bekommen. Mehr Schmerzen gesellten sich zu den alt bekannten aus seiner Flanke, als er sich auf die Zunge biss. Er schmeckte Kupfer und Eisen, aber er wusste nicht mehr, ob es aus seinem Magen kam oder von dem feinen Schnitt auf seiner Zunge. Es war bitter, einfach nur bitter, wie der Geschmack von... er erbrach sich und bemerkte erst dann, das er auf allen Vieren zusammen gesunken war.
„Bingie! Bingie isch..." Er spuckte kläglich aus, während er sich zusammen krümmte.
„Twilight!", rief Pinkie aus, während sie erschreckt neben ihm umher tanzte. „Twilight! Komm schnell her! Es ist Rogue! Ich... ich glaube, ich habe ihn kaputt gemacht!"
„Rogue! Rogue!" Da war Applejack, deren unverwechselbarer Akzent ihn in den Ohren klang.
„Was ist den hier los?" Die raue Stimme konnte nur Rainbow Dash gehören. „Er hat schlapp gemacht?" Sie wollte sich gleichgültig anhören, aber dennoch schlich sich ein leiser Ton von Besorgnis in ihre Stimme.
„Geht beiseite! Lasst ihm Platz!" Es war Rarity, die zu seiner Hilfe eilte.
Er wollte sagen: „Es geht mir gut. Ich brauche nur etwas Ruhe." Aber statt dessen kam nur ein verzerrtes „S´guuut. Ick´brauch nu´ruuuuhik...", zwischen seinen tauben Lippen hervor.
„Fluttershy! Es ist Rogue! Kannst du..." Er hörte es, aber er verstand es kaum. Seine Welt schien keinen Sinn mehr ergeben zu wollen, der Boden unter seinen Hufen schien sich gegen ihn selbst gewandt zu haben, war zu einem verwirrendem Karussell geworden, in dem er unkontrolliert herumwirbelte. Doch dann stieß ihn etwas mit sanfter Gewalt nieder, unnachgiebig, aber dennoch weich und achtsam.
„Ich hab dich! Ich hab dich.", flüsterte etwas warmes, weiches auf seiner Brust. Rogue war noch immer verwirrt und unsicher, aber ohne das er wusste, warum, gab ihm die sanfte Stimme genug Halt um sich selbst wieder zu finden. „Fluttershy?", hauchte er kraftlos hervor.
„Ja... ich bin hier. Ich bin hier.", flüsterte sie ihm ins Ohr, während sie ihn fest hielt.
„Es... tut mir... leid..." krächzte er. Seine Flanke hatte ihr Lied aus Schmerz und Pein lange genug gesungen. Er hatte dem so lange widerstanden. Jetzt waren sie still... unheimlich still. Es war so schnell gegangen... so schnell. Viel zu schnell...
„Ich... ich..." Schwindel erfasste ihn, aber er versuchte ihr Gesicht vor seinen Augen festzuhalten. Er hatte keine Zeit mehr, wie immer, er hatte keine Zeit...
„Fluttershy, ich..."
Die Welt verwandelte sich in einen Strudel, in ein tiefes Loch. Und er hatte nicht mehr die Kraft, sich gegen den Sog zu wehren. Es zog ihn in seine dunklen Tiefen, unnachgiebig, erbarmungslos. Und als sich die dunklen Wasser über ihm schlossen... war da gar nichts mehr.
Er spürte Bitterkeit auf seiner Zunge. Etwas ergriff seinen Kopf und hob ihn hoch. Er wehrte sich verzweifelt, aber die Kraft hinter dem Griff war zu stark. Dann war dort kalte, betäubende Flüssigkeit in seinem Mund. Er schluckte gierig und hustete schmerzhaft, als es ihm in den falschen Hals geriet. Etwas fremdes, hartes, glitt seine Kehle hinunter, aber er war zu müde und zu verwirrt, um sich dagegen zu stemmen.
Der Schmerz trieb ihn aus der wohligen Umarmung der traumlosen Finsternis . „S´", brachte er aus seiner rauen Kehle hervor. Es klang wie das quacken eines Frosches. „S´ dud wehhhh...", murmelte er.
„Halt durch, Rogue. Wir machen bald Rast."
Er versuchte mit dem Kopf zu nicken, aber es ging wohl in der Bewegung unter. Er bemerkte, das er ständig mit dem Kopf nickte, wenn er versuchte, ihn hoch zu halten. Etwas drückte beständig gegen seinen Unterleib, warm und weich, fast schon vertraut. Er kannte diese Gefühl... wenn er sich nur konzentrieren könnte...
Der Boden war weich und kühl unter ihm und als er darauf abgeladen wurde, konnte er sich einen erleichterten Seufzers nicht verkneifen. „Endlich...", gab er von sich. Er schloss seine Augen und atmete tief durch.
Fluttershy beugte sich über ihn und überprüfte mit ihren Schwingen seine Temperatur an seiner Stirn. Schließlich seufzte sie erleichtert auf. „Er hat nur leichtes Fieber."
Twilight nickte sanft. „Also gut, wir rasten hier. Kümmere dich um seine Verletzung. Wir müssen bald weiter gehen." Sie wandte sich an den Rest ihrer Freundinnen. „Ruht etwas aus. Esst etwas. Wir haben noch ein paar Stunden Sonne übrig. Der Fuß des Berges ist nicht mehr weit von uns entfernt."
Das große Einhorn der Stammesponys trat auf sie zu. „Vi vil holde vagt." verkündete es stolz. „Men ikke for længe. Det er kun en kort afstand til vores skeder. Forstår du?"
„Jeg forstår. Vi kommer nu til at klare alene."
Das große Einhorn sah sich etwas unsicher um, dann nickte es in Richtung des schwächelnden Rettungsponys. „Hvad med ham? Han ser ud til at være syg. Skal vi bekymre dig om det? Vi kan ikke bringe ham tilbage til landsbyen."
Twilight schüttelte ihren Kopf. „Tak for dit tilbud , men vi tager... tager os af vores egne. Hvis du skal gå ... gå . Og du er helt sikkert vores tak!"
Der Hengst nickte sanft. „Næste fik vi ikke lov til at trænge ind... og selv om det gør ondt dig, mig alene og lad forsvarsløs, jeg stadig må adlyde min herre. Så siger jeg, leve godt, Twilight, elev af den elskerinde af solen og sandsynligvis dine medmennesker."
Twilight verbeugte sich formell vor dem Hengst. „Du har tjent dit ed godt. Vi er evigt taknemmelig for din tapperhed. Maj dit afkast fredeligt og sikkert."
Der große Hengst warf einen kuren Blick auf seine Begleiter, die in strategischer Position Stellung bezogen hatten und sie aufmerksam beobachteten.
„Min ed er opfyldt, men jeg frygter stadig bekymre dig om din trivsel og din kammerat. Er du sikker på, at du ikke ønsker yderligere escort? Jeg ville give dem, også ud over de kommandoer min konge."
Die violette Stute schüttelte langsam ihren Kopf. „Tilbuddet hædersbevisninger dig, men denne kamp vil blive besluttet enten af hove, stadig svinge eller horn. Stol på os. Stol på os og følge dine ordrer."
Er nickte respektvoll und trat einen Schritt zurück. „Så må det være. Må gudinde af månen og solen, du skinne din vej." Er drehte sich um und winkte seinen Gefährten. „Vi går!"
Langsam setzten sich die Stammesponys in Bewegung. Sie nickten den Freundinnen zu, voll Respekts, aber auch voll Trauer, wie zu einem letzten Abschied. Als sie hinter der letzten Biegung des Weges zurück fast verschwunden waren, drehte sich das Einhorn, das der Führer gewesen war, noch einmal um. Es lächelte unter seinem Helm und winkte. „Vi vil ikke glemme! Hvad der er endnu, skal I leve af! Jeg bærer kunden! Jeg har set det! Du vil ikke glemme!"
Rarity trat nach vorne und sah den Stammesponys nach, während sie hinter den sanft wellenden Hügeln des Walde verschwanden. „Was haben sie gesagt?", fragte sie. „Was war ihr letzter Gruß?"
Twilight sah ihnen noch eine Weile hinterher, obwohl sie schon längst verschwunden waren. „Sie sagten, das wir nicht vergessen werden würden. Das er unsere Geschichte weitererzählen würde, egal, wie sie ausgehen würde."
Das weiße Einhorn lächelte sanft, als es sein Gesicht seiner Freundin zu wandte. „Ist das nicht beruhigend? Das wir ein Herz berührt haben, trotz alle dem?"
Twilight sah noch immer auf die blätterbedeckten Hügel, die die Silhouette des Einhorns all zu schnell verschluckt hatten. „Ja.", seufzte sie zart. „Es ist ein Anfang." Doch gleich darauf verfinsterte sich ihre Mine. Sie wandte sich steif um. „ Wie geht es ihm?"
Fluttershy zuckte zusammen und trat unwillkürlich zwischen ihre Freundin und Rogue. „Es... es ist genau so wie ich befürchtet habe...", begann sie zögernd. „Seine Wundnaht ist zwar nicht aufgegangen, aber sie ist wegen der Anstrengungen noch nicht so weit verheilt, wie wie sein sollte. Die Antibiotika helfen ihm, aber sein Zustand lässt darauf schließen, das er sich entweder eine virulente Zweitinfektion zugezogen hat, oder zu erschöpft ist, um auf die medikamentöse Therapie anzusprechen." Sie verstummte für einen Augenblick und sah verlegen auf ihre Vorderhufe. „Es ist egal, was von dem zutrifft, Ich behandle ihn nach beiden Diagnosen. Es kommt auf das selbe hinaus: Er braucht Ruhe, ganz einfach. Er hat sich selbst zu weit getrieben, ohne sich Zeit zu lassen ordentlich zu heilen. Und jetzt muss er es. Das, oder er... er..." Sie zögerte, ihre letztendliche Meinung kund zu tun.
„Was, Fluttershy?", bohrte Twilight unnachgiebig nach. „Was... passiert mit ihm, wenn er keine Ruhe bekommt?"
Die kanariengelbe Stute zögerte und strich sanft über die Stirn des aschgrauen Hengstes. „Er könnte sterben, Twilight.", hauchte sie leise. „Du... Wir haben ihn weit genug getrieben. Er war schon lange krank. Jetzt... jetzt kann er es nur nicht mehr verbergen." Sie sah auf.
Und Twilight fand sich sofort in dem Blick der Pegasusstute gefangen. Fluttershys Augen, normalerweise schamvoll verborgen hinter der Flut ihrer hell rosanen Mähne. Diese tiefen Brunnen aus leichtem Blau, die den Blick in sich zogen, tief hinein... wie ein Sog, wie ein Wirbel, in dem das eigene Selbst sich verlor, in das weite Blau, so weit und unermesslich wie der Himmel über Equestria... in endlosen Kreisen, vor und zurück, hin und her... endlos... willenlos...
„Er hat genug. Es ist genug. Es... es ist vorbei."
Twilight nickte mechanisch. Ihre Augen konnten nicht von diesen tiefen Brunnen lassen, von den unermesslichen Abgründen, die sich vor ihr auftaten...
Es war mehr als Hypnose. Es war mehr als Gedankenkontrolle oder Zauberei. Fluttershy setzte ihren ´Blick´ ein, einen Trick, den sie fast bis zur Meisterschaft beherrschte. Es war nicht mehr und nicht weniger als das: ein ´Trick´. Der kanariengelbe Pegasus war ein Geschöpf, das selbst so rein und uneigennützig war, so unvoreingenommen, das alleine ihr Beispiel ausreichte, um die Natur der Geschöpfe um sich herum zu verändern. Sie war darin sicherlich nicht alleine. Eine gewisse Zeit in Pinkies Gesellschaft mochte auch das finsterste Gemüt aufhellen, Applejacks Unverschämtheit auch den notorischten Lügner zur Wahrheit bekehren und so weiter, aber niemand der Freundinnen hatte es so sehr drauf, all das mit einem einzigen, gezielten Blick zu vermitteln.
Währe es Zauberei gewesen, oder üble Magie, hätte Twilight dem Ganzen etwas entgegen zu setzen gehabt. Aber es war ihre Freundin, einer ihrer engsten Vertrauten, die die ganze Macht ihrer Persönlichkeit in die Waagschale warf. „Es ist genug.", entschied Fluttershy.
Und Twilight konnte nicht anders, konnte nicht weniger als zu nicken und zu sagen: „Ja. Lasst uns ausruhen." Obwohl ihr Herz danach brannte, voran zu gehen, obwohl sie wusste, wie nahe sie ihrem Ziel waren, obwohl sie wusste, das es nur noch eines kleines Schrittes bedurfte, um dem Schreien in ihrem Herzen nach zu gehen, nicht mehr zu hoffen, zu sehnen, zu beten, sondern endlich zu wissen...
...setzte sie sich nieder. Faltete ihre Hufe unter sich wie ein braves Pony. Und während ihr Verstand aufschrie, geiferte und zeterte, wie niemals zuvor, unruhig, getrieben und ruhelos...
...war sie dennoch, still in sich, dankbar für die Pause, die sie einlegten. Etwas in ihr trieb sie voran, ohne Unterlass, ohne Rücksicht. Etwas, das in ihr nagte und bohrte und nicht nachgeben wollte. Um keinen Preis... um keinen Preis.
Wirklich um keinen? War es... so weit gekommen?
Sie erhob sich langsam und gefasst. Sie waren nun ohne Eskorte. Alles was geschah war nur in ihrem Ermessen. In ihrem Ermessen und der Frist, die Torden Hallen ihnen gesetzt hatte.
Sie näherte sich dem Fleck, wo Fluttershy sich über Rogue beugte und Applejack unruhige Kreise zog.
Sie war vorsichtig geworden, den sie wollte nicht noch einmal einen ´Blick´ von Fluttershy riskieren. Es war wie eine plötzliche, kalte Dusche gewesen, an einem vermeintlich wolkenlosem Tag. Sie wusste, es war notwendig gewesen, hatte es sie doch davor bewahrt einen Pfad einzuschlagen, der... Sie schreckte vor dem Gedanken zurück.
Langsam näherte sie sich dem Rettungspony, das dort auf dem weichen Moos unter einem Felsvorhang lag und heftig atmete.
Fluttershy hatte ein Tuch, das Rarity ihr gereicht hatte, mit Wasser getränkt und auf die Stirn des Hengstes gelegt. Er sah schlecht aus. Schweiß färbte sein aschgraues Fell dunkel und seine Schnauze war ungesund fahl. Er stieß angestrengte, flache Atmenzüge hervor, während seine Augen in den Höhlen rollten, Er schien kaum bei Bewusstsein zu sein.
Es war so leicht ihn zu vergessen. So leicht zu vergessen, das auch er nur... ein Pony war. Sie hatte nie auf die leichte Schulter genommen, was ihm widerfahren war, aber trotz allem hatte er bis zum Schluss... bis jetzt so stark gewirkt. Beinahe Unverwüstlich. Er hatte gesagt, mehr als einmal, dass er nicht mehr weiter gehen konnte. Das sein Limit erreicht war. Aber er war ihr dennoch gefolgt. Er war immer weiter gegangen, hatte seine eigenen Schmerzen und Unzulänglichkeiten ignoriert, so lange, bis sie nicht mehr daran geglaubt hatte.
Sie hatte ihn ausgeblendet. Sie hatte einfach geglaubt, es würde einfach so weiter gehen, das er an ihren Hinterhufen kleben bleiben würde, bis zum Ende, oder zumindest bis bessere Zeiten kamen. Rogue, das Rettungspony, das so sehr behauptete, kein Held zu sein. Und das doch immer wieder einer war – für sie, für andere... Das sich selbst und allen andern versicherte, das es nicht stark war... und doch immer wieder Stärke zeigte, selbst wenn man es am aller wenigsten von ihm erwartete... Das so wenig von sich selbst dachte und doch so viel in anderen weckte... so vieles, das er selbst nicht in sich vermutete... und doch mit eigenen Hufen tat.
Sie streckte ihren Huf aus und strich ihm sanft über die Seite seines Gesichtes. Es machte ihr Angst, wie kalt er sich anfühlte.
Und noch mehr Angst machte ihr...
Was ist aus mir geworden?, fragte sie sich still. Sie wandte sich abrupt ab und hielt den Huf, mit dem sie ihn berührt hatte. Sie hat gesagt, er könnte sterben! Der Gedanke füllte plötzlich ihr gesamtes Denken aus. Er könnte sterben! Das hat sie gesagt! Und ich... ich habe...Sie begann zu zittern. Ich habe ihr nicht geglaubt...schoss es ihr durch den Kopf, aber sie wusste im selben Augenblick, dass das nicht stimmte. Es war eine Lüge.
Sie wandte sich um und sah auf Rogue hinab, der hilflos auf dem Boden vor ihr lag. Und in diesem Augenblick traf sie die Erkenntnis, die Wahrheit, die sie selbst nicht wahr haben wollte:
Es war mir egal.
Die Worte waren wie ein Donnerschlag für sie. Es traf sie bis ins Innerste ihrer Seele. Sie fühlte, wie sich Feuchtigkeit in ihren Augen sammelte, aber sie konnte nichts dagegen tun.
Es war mir egal!
Nach allem, was er für sie getan hatte. Nach allem, was sie zusammen geteilt hatte. Nach allem... was er sie gelehrt hatte. Über sich selbst. Über ihn. Noch gestern hatte sie sie mit ihm Dinge besprochen, die sie selbst vor ihren engsten Freundinnen geheim gehalten hatte. Dinge, von denen er sie überzeugt hatte, sie mit den anderen zu teilen und Geheimnisse, die er für sich behalten hatte. Nur zwischen ihnen beiden.
Und sie war so kurz davor gewesen, ihn wegzuwerfen, abzuschreiben einfach nur um... nur um...
...um was? Die Changelinge zu retten? Einen Völkermord zu verhindern? Die Ausmerzung einer parasitären Spezies zu unterbinden? Die sich von dem Herzen allen dessen ernährte, sich daran labte, was die Ponys ausmachte?
Etwas aufzuhalten, was allem widersprach, was sie als Pony und vielmehr als Element der Harmonie ausmachte?
Sie mochte die Changelinge nicht. Sie fand es sogar schwierig so etwas wie Mitleid für sie zu empfinden, wie Rainbow es trotz aller Wahrscheinlichkeit anscheinend gelernt hatte. Ihre Geschichte war glaubhaft und sicherlich unsentimental, aber Twilight hatte Schwierigkeiten den Aussagen einer Spezies zu vertrauen, die sich auf Täuschung und Tarnung verließ, um zu überleben.
Aber sie hatte entschieden. Sie hatte sich als Führer der Elemente entschieden dem entgegen zu stehen, trotz ihrer Vorbehalte, ihrer Vorurteile und Partei für die Changelinge zu ergriffen. Weil es rechtens war. Weil es gut war. Weil es... das war, was Prinzessin Celestia getan hätte. Weil sie es gut geheißen hätte, trotz allem was geschehen war.
Ja, es war gut. Es war alles, was recht war. Die Changelinge mussten gerettet werden.
Doch um welchen Preis?
Um das Leben ihrer Freunde? Um Rogues Leben? Was währe wenn Fluttershy dort liegen würde? Oder Rainbow? Oder...
Nein. Keiner von ihnen war es wert geopfert zu werden.
Sie wischte sich entschlossen die Tränen aus den Augen. Das Blut von Helden..., dachte sie. Sie hatte noch niemals wirklich verstanden was dieser Spruch bedeutete, bis jetzt.
Das Ziel war, die Changelinge leben zu lassen. Es würde Opfer bedeuten, schwere Entscheidungen, die ihr niemand abnehmen konnte. Aber sie hatte nicht das Recht, über das Schicksal ihrer Freunde zu entscheiden. Es war leicht zu vergessen, das die Ponys ihr folgten, weil sie sie mochten. Weil sie das Zentrum der Elemente war. Weil sie ihr vertrauten, als Freundin und nicht nur als Untergebene. Sie hatte es vergessen, für einen Moment. Hatte sich über die Grenze hinweg gesetzt, die Loyalität von Hörigkeit abgrenzte. Ihre Freundinnen hatten es hingenommen, im Vertrauen darauf, das sie sich bessern würde. Aber Rogue hatte ihr nicht nachgegeben und ihr als erster die Stirn geboten. Aber es bedurfte mehr als das, um sie aufzuwecken.
Fluttershys Blick hatte es schließlich vollbracht. Um sie in all den fehl gegangen Schlussfolgerungen wieder auf Anfang zu setzen und sich selbst zu fragen: Was tue ich hier?
Was tue ich hier?, fragte sich die Stute.
Sie hatte das Rettungspony, das sich auf treu und guten Glauben ihnen angeschlossen hatte, missbraucht und ausgenutzt. Vor ihnen stand noch immer eine Aufgabe, die wichtiger und bedeutsamer kaum sein konnte, aber die Erfüllung dieser konnte scheinbar nur zu seinem Nachteil erfüllt werden.
Sie konnte die Changelinge retten, bevor Torden Hallens Ultimatum aus lief. Oder sich für eines ihrer Freunde entscheiden.
Lieber wollte sie das Gewicht einer ganzen toten Rasse auf ihren Schultern tragen, als das eine toten Freundes. Möge Celestia, die Herrin der Sonne und die Herrin ihres Herzens ihr vergeben. Sie konnte nicht anders.
Als das Tramal in seinem Kreislauf nachließ und sich die Betäubung langsam verflüchtigte, begann Rogue leichter zu atmen. Die zusätzlichen Antibiotika gingen an ihr Werk und senkten sein Fieber, genauso wie das Ibuprofen, das Fluttershy ihm eingeflößt hatte. Doch am meisten half ihm die Ruhe, die Ruhe auf dem Bett aus Moos, auf das sie ihn gelegt hatten, nicht weit von dem Fuß der Zwillingsgipfel, dorthin, wo der Schatten der Berge am Morgengrauen fallen würde.
Sie hatten ein Feuer entfacht, nahe bei ihm, damit es ihn wärmen konnte. Die knisternden Flammen leckten gierig über das morsche Holz, das sie gesammelt hatten und warf lange Schatten zwischen die hohen Bäume, die sie umringten. Sie sammelten sich unwillkürlich darum, auch wenn sie versuchten, ein wachsames Auge in die zunehmende Finsternis der hereinbrechenden Nacht zu halten.
Seltsame Geräusche drangen aus dem dunklen Forst an ihre Ohren. Manche waren ihnen inzwischen vertraut von der Reise bis an diesen Punkt. Andere... andere blieben fremd und erschreckend.
Applejack trat langsam zurück und ließ den Rand des Feuerscheins nicht aus den Augen.
„Ich geb´ mein´ recht´n Huf drauf´, dass se´ uns beobacht´n. Grade´ jetzt.", flüsterte sie Twilight zu.
Die Einhornstute nickte langsam und warf einen suchenden Blick in die Finsternis. Sie meinte flirrende Bewegung zu erahnen, knapp außerhalb ihres Blickfeldes, aber es mochte auch nur reine Einbildung zu sein. Sie zögerte einen Augenblick, dann rief sie laut: „Rainbow?"
Es dauerte kaum zwei Herzschläge, bis ihre Freundin aus der Dunkelheit über ihnen herab sank. Sie sah sich wachsam um, ohne das ihre Flügel zu schlagen aufhörten. „Es gibt Bewegung zwischen den Bäumen. Ich kann sie nicht genau ausmachen, aber sie sind da. Wie geht es ihm?" Sie zeigte mit einem Huf auf das Rogue.
„Es geht ihm besser.", beeilte sich Twilight zu versichern. „Fluttershy sagt, das die zusätzlichen Antibiotika helfen. Sein Fieber ist gesunken und..." Sie zögerte kurz. „ Er ist aus dem schlimmsten raus, denke ich. Mach dir keine Sorgen."
Dash ließ abwägend die Luft zwischen ihren Lippen entweichen. „Ich mach mir keine Sorgen." Sie machte Anstalten, wieder nach oben durch zu starten, hielt aber dann einen Moment inne. „Er wird wieder, oder?", fragte sie.
Twilight nickte zuversichtlich. „Du kennst ihn! Er ist ein Kämpfer! Was könnte ihn schon unterkriegen?"
Das cyanblaue Pony lächelte zuversichtliche, dann startete es durch. Trockene Blätter wehten Twilight ins Gesicht und sie hob ihre Vorderläufe schützend vors Gesicht. Dann wandte sie sich um.
„Fluttershy! Ich glaube, wir haben nicht mehr viel Zeit! Sie kommen und wir können sie nicht aufhalten! Wie ist sein Zustand?"
Die kanariengelbe Stute nahm die kühlende Kompresse von seiner Stirn und fühlte abermals seine Temperatur mit ihren Flügelspitzen.
„Die Medikamente haben geholfen. Er ist auf Normaltemperatur und ich habe ihn frisch verbunden. Aber wenn du noch einmal versuchst, ihn dort hin zu treiben..." Sie ließ dem Rest ungesagt und warf ihrer Freundin nur einen bösen Blick zu. Einen der normalen Sorte.
Twilight nickte bedrückt. „Es tut mir leid, Fluttershy. Könnte... könnte er mich jetzt hören, würde ich mich bei ihm entschuldigen. Ich verstehe, das ich Mist gebaut habe... das ich zu viel von ihm verlangt habe... das ich vergessen habe..." Sie stockte und suchte verzweifelt nach Worten. „...das ich vergessen habe was er ist. Für mich. Für uns. Für uns alle." Sie zögerte einen Augenblick, während sie Fluttershy in die Augen blickte. „Für dich.", endete sie schließlich.
Die kanariengelbe Stute zuckte zurück, als sie den letzten Satz hörte. „Nein! Nein, so ist es nicht! Es ist Applejack! Sie ist Diejenige die er liebt! Verstehst du nicht? Rogue liebt sie! Nicht mich!"
Twilight schüttelte ihren Kopf. Wie kam sie darauf? Wie konnte es noch offensichtlicher sein, als...
„Kontakt!", schrie Applejack irgendwo in der Finsternis auf. Über ihnen erklang das Schwirren aufgeregter Flügel. „Sie kommen von oben!" rief Rainbow fast gleichzeitig.
Twilight schüttelte kurz ihren Kopf, um ihre Gedanken frei zu bekommen. Dann reif sie mit lauter, klarer Stimme: „Ponys zu mir! Sammelt euch um das Feuer!"
Es dauerte kaum ein paar Herzschläge, da tauchten Applejack und Rainbow Dash aus der Dunkelheit heraus auf. Rarity und Pinkie hatten sich am Rande des Lichtscheins aufgehalten und Fluttershy war nie von Rogues Seite gewichen. Zusammen bildeten unwillkürlich einen Kreis um ihren verletzten Freund.
„Was nun, Darling?", fragte Rarity, während sie wie die anderen in die Dunkelheit jenseits des Kreises ihres Feuerscheins sah.
„Um Ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht.", antwortete Twilight. „Würden sie uns für Stammesponys halten, hätten sie uns schon längst angegriffen." Sie wandte ihren Kopf, ohne die Dunkelheit jenseits des Feuers außer Augen zu lassen. „ Rainbow? Kannst... kannst du vielleicht...?" fragte sie unsicher.
Dash warf ihr einen kurzen Blick zu, dann nickte sie. Sie schluckte schwer, dann trat sie einen Schritt vor. „Wir sind... wir sind Ponys aus Equestria. Versteht ihr uns? Von Canterlot? Cant-er-lot? Princ – ess - Cad – ance? Celestia? Luna?"
Das Summen zwischen den Bäumen wurde lauter. aggressiver. „Chrysalis?", fragte die cyanblaue Stute vorsichtiger, aber das Summen um das Feuer wurde nicht leiser. Rainbow dachte einen Moment nach. Dann rief sie laut: „Königin Chrysalis?"
Fast sofort wurde das Summen um den Feuerschein leiser und verlor seinen aggressiven, fordernden Tonfall. Es war noch immer in der Dunkelheit um sie zu hören, wie eine ständige, unvermeidliche Ermahnung, aber weniger wie die Drohung, die sie vorher gewesen war.
„Ich glaube, das hat funktioniert." murmelte Rainbow aus ihrem Mundwinkel. „Aber es ist wohl trotzdem besser wenn wir keine unvermuteten Bewegungen machen."
Twilight nickte ernst. „Alles klar. Bleibt schön ruhig." Sie wandte sich Dash zu. „Was sollen wir als nächstes tun?"
Die Pegasusstute zuckte mit den Schultern. „ Um ehrlich zu sein, ich hätte nicht gedacht, das wir so weit kommen! Wie wäre es... wenn wir einfach die Hufe in der Luft halten und... das Beste hoffen?"
Twilight warf einen ungläubigen Blick in Richtung ihrer Freundin. „Das war dein Plan? Nach allem, was du mir... uns erzählt hast? Es einfach auf gut Glück zu versuchen?"
Dash rieb sich verlegen den Hinterkopf. „Ich dachte, das Strawberry irgendwo dabei wäre... das sie nach uns... oder mir... Ausschau hielt..."
Sie räusperte sich laut. „Strawberry? Bist du hier? Strawberry? Hallo?"
Ihre Fragen blieben unbeantwortet, aber dafür schälten sich die drei dunklen Gestalten summend aus der Finsternis.
Es war kein angenehmer Anblick. Einzig die Erfahrung der Freundinnen bewahrten sie davor einfach zurück zu schrecken, vor dem ,was die Dunkelheit dort vor ihnen ausspuckte.
Es waren nach Größe und Gestalt Ponys und im sanften, unsteten Licht konnte man sie auf den ersten Blick auch dafür halten. Doch als sie näher traten, bemerkte man schnell, das es nicht ihr Fell war, auf dem die Flammen des Feuers schimmerten, sondern das es glatte, feste Platten aus Chitin waren, die den Schein zurück warfen. Fremde, insektenhafte Flügel warfen seltsame Schatten auf den Boden. Verdrehte Hörner bohrten sich aus glatten, ausdruckslosen Gesichtern. Und ihre Augen...
...Kalt. Leblose, fragmentierte Hülsen, zu keinem Ausdruck fähig. Automatenhaft. Sklavisch. Ohne eigenen Willen...
„Der Versuch einer Flucht ist Aussichtslos", sprach die Vorderste der Gestalten. Seine – Ihre?- Stimme war so seltsam moduliert, das es unmöglich war festzustellen welchen Geschlechts er angehörte. Wenn es überhaupt so etwas hatte. „Unsere Stärke in dieser Region ist mehr als genug um euch ohne ernsthafte Gegenwehr zu unterwerfen. Eben jene Gegenwehr würde euch mehr Leid verursachen, als unserem Ansinnen Probleme. Wollt ihr euch dennoch wehren?" Die Drohne sprach die Sätze ohne jede Gemütsregung, so als würde er einen Text ablesen. Nachdem es sie aufgesagt hatte, verstummte sie abrupt und harrte gleichmütig jeder Reaktion, die sie hervorgerufen hatte.
Rainbow trat einen Schritt vor. „Wir sind in keiner bösen Absicht gekommen. Wir wollen verhandeln!"
Der Changeling senkte seinen Kopf vorsichtig. „Du bist Rainbow Dash, Element der Loyalität. Du hast uns ernstzunehmenden Widerstand bei der Invasion von Canterlot entgegengesetzt. Der Wille der Königin ist es, euch gefangen zu setzen oder zu eliminieren." Sein Horn glühte in einem ungesunden, grünen Licht auf.
Twilights Horn antwortete umgehend auf die aggressive Geste, in dem es ebenfalls entflammte. „Schnell zu mir!", rief sie, während sie sich über den noch immer hilflosen Körper von Rogue positionierte.
„Nein!", begehrte Rainbow auf. „Das ist nicht richtig! Wir sind nicht für einen Kampf gekommen!" Sie breitete ihre Flügel aus, in einer Geste, die, wie sie hoffte, einen Waffenstillstand bewirken konnte.
Die verdrehten Hörner der Changelinge leuchteten auf, als sie zerstörerische Magie in sich fließen ließen... Es waren so vielen, so viele leuchtend grüne Fackeln in der Dunkelheit um die Freunde herum...
„S´ sieht nich´ gut aus...", murmelte Applejack, während sie sich einen festen Stand suchte.
„Bleibt zusammen! Ich kann uns für einen Weile beschützen!", rief Twilight.
„Ich bin an deiner Seite, Darling!", versicherte Rarity, während auch sie ihr Horn zum erglühen brachte.
„Wenn sie es darauf anlegen..." knurrte Rainbow und sträubte ihre Feder. „...ich bin bereit für sie!"
„B-bitte keine Kämpfe mehr...", flüsterte Fluttershy, aber selbst sie erhob sich und streckte ihrer Flügel aus.
Pinkie stellte sich mit erhobenen Kopf neben ihre Freunde. Aber anders als bei ihnen war ihr Blick nicht auf die leuchtend grünen Flammen der Changelinghörner fixiert, sondern sondierten suchend die Dunkelheit um sie herum.
„Drei..." sagte sie leise.
„Zwei...", zählte sie weiter.
„Eins..."
