Nächstes =) Habs noch geschafft. Wünsche einen guten Rutsch ins neue Jahr =) (Beinahe hätte ich geschrieben, wünsche frohe Weihnachten X.x)


Review:

Mannequin: Huhu =)

Uh, toll. Ich mochte den Bruder total gerne in den Film. Hatte irgendwie was total liebes an sich, hihi. Ich mag meistens die Rollen auch lieber, wenn ich den Schauspieler mag.

Das Gespräch von Sirius und Anna war sogar erst am selben Tag, an dem Sirius durch den Schleier fiel. Sie hatten daher tatsächlich nur einen kurzen Augenblick zusammen. Anna ist danach ja für ein Jahr abgehauen, also das ganze Buch 6 durch, und ich musste ihr einen triftigen Grund dafür geben, weshalb sie nicht da geblieben ist. Sie hat ja doch einige im Stich gelassen, obwohl der Orden sie gebraucht hätte und Dumbledore in dem Jahr dennoch versucht hat sie zu kontaktieren. Anna war zu verletzt von Sirius plötzlichem Tod.

Yap, nimmst richtig an und siehe dieses Kapitel. Ich hab alles mit Sirius ehrlich gesagt noch nicht so durchdacht, da es eigentlich nie vorgesehen war ihn zurückzubringen. Muss mal guggen, was sich da so ergibt mit ihm. Aber was bisher zustande kam mit ihm mochte ich XD.

Ich denke, zwischen Brian und jedem von ihnen wird es noch etwas dauern bis es sich auftaut. Brian ist nicht so emotional wie die anderen.

Der Alexandrit wird an anderer Stelle gebraucht werden. Immerhin ist es ein sehr mächtiger Stein und hätten sie ihn für Sirius' Heilung benutzt, hätte er an anderer Stelle gefehlt. Wär sonst ein wenig zu viel des Guten, wenn sie einfach so wieder so ein Stein zum gegebenen Zeitpunkt hätten herzaubern können XD Ich versuch zumindest alles so plausibel wie möglich zu halten ohne es zu viel werden zu lassen.

Hm, ja, das mit Berlin ist schon schrecklich. Hatte an dem Abend üble Erkältungssymptome und war froh das verschlafen zu haben und erst am nächsten Morgen mitzukriegen. Und das kurz vor Weihnachten und Neujahr... Ich bin dann schon erleichtert, dass ich niemanden dort drüben kenne, um den ich mich Sorgen müsste. Als das mit München war, hab ich sofort jeden von meiner Familie und Freunden der hätte drüben sein können über Whatsapp kontaktiert, um sicher zu gehen, dass es allen gut ging und sie nicht in der Innenstadt waren.

Thx fürs liebe Review =) Da ich es glücklicherweise noch vor Silvester geschafft habe XD Wünsch ich nen guten Rutsch ins neue Jahr. Hoffe, du hattest schöne Weihnachten. Hat eure Kita eigentlich geschlossen die Weihnachtsferien über?

Liebe Grüßle =)


Chapter 25 – Voldemort, who stole Christmas but not everything that counts IV

Anna und Sirius saßen einige Zeit lang eng aneinander gekuschelt auf dem Bett und spielten auf ihre eigene Weise mit den Fingern des jeweils anderen. Sirius grinste. Das erste Mal seit sehr langer Zeit war ihm wieder danach zumute gewesen, denn endlich fühlte er sich wieder wie ein Mensch.

„Du blutest," hauchte sie auf einmal mit besorgter Miene. Sirius war im ersten Moment überrascht, erinnerte er sich doch nicht daran sich irgendwie geschnitten oder verletzt zu haben, doch als er sah, wie sie seine Finger betrachtete, lächelte er.

„Ach das. Ist nicht mein Blut. Buckbeak war verletzt."

„Buckbeak?" fragte White verwirrt und Sirius lächelte mild. Er hatte ganz vergessen wie schön es war in ihr Gesicht zu blicken. Er liebte es, wenn er sie noch überraschen und irritieren konnte.

„Ein Hippogreif. Lange Geschichte."

„Erzähl mir von ihnen," sagte Anna leise. „Brian, Jilli und Harry. Mein ich."

„Puh," machte Sirius erst mal, mehr um Zeit zu schinden und sich zurechtzulegen, was er ihr von ihnen überhaupt mitteilen konnte. „Nun... Brian hab ich schon erwähnt. Er ist sehr klug wie du. Hat das Herz am rechten Fleck, so viel kann ich ebenfalls sagen. Er ist sehr gefasst, bringt man nicht leicht aus der Fassung. Er weiß sehr viel über dich."

„So?"

„Jaah," sagte er und wurde leicht rot. „Ich hab wohl ein bisschen viel geredet. Obwohl – Im Nachhinein gesehen, hat er eher oft nachgefragt und ich konnte meine Klappe nicht halten. Er wollte wohl auch viel über dich wissen."

Anna lächelte zärtlich.

„Harry und Jilli stellen da schon ein etwas größeres Problem da. Er weiß nichts von ihr."

„Wieso das?"

„Dumbledore musste sie trennen nach James und Lilli's Tod..."

„Trennen? War – oh..."

Sie blickte traurig hinab.

„Das Band... Ich hatte es noch nicht wieder gebrochen..."

„Das war Jilli's Glück," sagte Sirius jedoch und prompt blickte sie wieder überrascht auf. „Sie wäre mit ihren Eltern gestorben, wenn das Band zu Harry nicht existiert hätte, was sie am Leben hielt. War allerdings wohl zu viel für ein Baby und daher musste Dumbledore die beiden trennen."

„Aber... es sind 14 Jahre vergangen? Hat Dumbledore Jilli denn mit dem Band nicht helfen können?"

Sirius' Gesicht sprach Bände. Es war wie es immer war.

„Aber hey, jetzt bist du wieder da und alles kann nun besser werden."

„Besser?" fragte sie unsicher.

„Klar!" sagte Sirius jedoch. „Du kannst Jilli mit dem Band helfen und dann holen wir Harry zu uns. Er weiß auch nichts von dir. Ich hab es irgendwie nicht übers Herz gebracht ihm etwas zu erzählen. Er hätte wissen wollen, was mit dir passiert ist und ich hätte ihm das nicht erzählen können."

„Ich verstehe..."

„Aber jetzt bist du wieder da und – Du, Ich, Brian, Jilli und Harry, wir werden endlich eine Familie sein. Wir ziehen zusammen in ein Haus und... sind eine Familie. Holen alles nach, was wir nicht konnten und tun das, was James und Lilli gewollt hätten. Hört sich das nicht nach was gutem an?"

Sie sah in seine Augen, sah die vertrauten Augen, die sie stets so sehr gebraucht hatte und die alles für sie waren. Selbst heute noch. Anna lächelte.

„Das hört sich perfekt an," stimmte sie ihm leise zu. Es war ein wunderschöner Moment gewesen, bis sie ein helles Licht ablenkte. Als beide zur Seite blickten, sahen sie einen verschwommenen Patronus. Sirius hatte sie losgelassen und war zu dem Patronus hingeschritten. Sein Gesicht verfinsterte sich, dann zog er seinen Zauberstab und erzeugte gleichfalls einen Patronus, um diesen mit einer Nachricht wegzuschicken. Sirius drehte sich wieder zu ihr um und in dem Moment, in dem sich ihre Blicke trafen, waren Worte unnötig.

„Du musst gehen?" sagte sie leise. Sirius schluckte hart. Er setzte sich erneut zu ihr ans Bett und hielt ihrem Blick stand.

„Harry ist in Gefahr... Das war... Snape."

„Remus und einige andere sind noch hier im Haus. Ich geh mit ihnen und wir holen Harry zurück. Hier her. Dann lernt er dich auch endlich kennen."

Sie war zu verwirrt, um klare Worte zu finden, und so tat Sirius das einzige, was er in diesem Moment noch tun wollte. Er legte seine Hand um ihren Hals und zog sie bestimmend zu sich. So leidenschaftlich und innig wie nur möglich hatte er sie für einen langen Moment geküsst. Was er so lange nicht tun konnte, wollte er jetzt für diesen einen Augenblick genießen und halten. Sie.

Er ließ sie vorsichtig wieder los.

„Es wird nicht lange dauern. Warte auf mich."

Sein breites Grinsen hatte auch sie angesteckt und White konnte gar nicht anders als ebenfalls zu lächeln. Sirius küsste sie ein letztes Mal auf den Mund, dann stieß er sich weg und rannte ohne sich noch mal umzudrehen aus dem Zimmer. White hatte ihm hinterhergesehen, dann wandte sie ihren Blick zum Fenster hinaus. Es kam ihr nicht sehr lange vor, dass die Tür schließlich aufging. Aber es war nicht Sirius, der den Raum betrat. Und wieder brauchte es keine Worte. In Dumbledore's Gesicht stand alles, was sie wissen musste. Sirius würde nicht mehr zurückkommen...


Das Haus von Acacia Yorick war in den letzten Jahren meistens totenstill gewesen. Außer der einen Hexe befand sich kaum eine andere Menschenseele weit und breit und die Abgeschiedenheit war etwas, was diese eine Hexe sehr genoss. Diese Ruhe war nun vorbei, denn heute war es definitiv alles andere als leise hier gewesen.

Harry, Jilli und Brian saßen auf der Couch und warteten ungeduldig während sie immer wieder mal unangenehme Blicke mit dem anderen austauschten.

Yorick, Kingsley, Remus und White standen nebenan in der Küche und es war nur eine Vermutung der drei, dass sie sich nicht ganz einig in ihrer Unterhaltung waren, denn zwar sah man durch einen Spalt ihre aufgewühlten Gesichter, ihre Stimmen aber wurden von einem Zauber daran gehindert aus dem Raum zu treten.

„Was denkt ihr?" fragte Jilli tief besorgt. „Anna will es doch tun? Sie ist auf unserer Seite, nicht wahr?"

Deiner," verbesserte Brian sie jedoch, woraufhin sie ihren Blick von der Küche wegnahm und sich ihm verwundert zuwandte. Auch Harry hatte den Freund überrascht angesehen, doch Brian's Ausdruck war deutlich. Er war bereits die ganze Zeit über in seinen eigenen Gedanken versunken gewesen und hatte keinen von ihnen bis dahin an diesen teil haben lassen.

„Ich bin gleichfalls dagegen. Es ist zu gefährlich, Jilli."

„Sirius ist dein Vater," entgegnete sie verständnislos. „Dein Vater ist dabei zu sterben."

„Ich wiege ab," sagte Brian ruhig. Harry bemerkte in diesem Moment, dass er zwar vom Aussehen sehr nach Sirius kam, seine Art jedoch mehr von White und Dumbledore geprägt war. So fuhr er wie die beiden auch nicht aus der Haut, obgleich er jemandem gegenüberstand, der ihn sehr emotional herausforderte.

„Was eintreffen kann ist: Du absorbierst mit Harry's Hilfe den Atem des Todes. Es ist zu viel und es wird dich auslöschen. Was wir dann haben ist ein geschwächter Harry, dessen Magie ein herben Rückschlag erleidet und noch für uns unabsehbare Folgen haben könnte, ein unkontrollierbarer schwarzmagischer Ponester, der gefährlich für absolut jeden in Orden ist, siehe der Punkt, dass die Zaubererwelt Angst vor einem schwarzmagischen Ponester hat, und Sirius wäre dennoch tot. Es ist zu gefährlich, Jilli. Sirius hätte das niemals gewollt. Willst du wirklich, dass Harry sich diese Vorwürfe danach macht?

Denn er ist derjenige, an dem das hängen bleibt. Nicht an dir, denn du wirst danach gar nicht mehr existieren. Harry muss damit klar kommen, dass er zugelassen hat, was mit seiner Schwester passiert ist. Ihr habt euch gerade erst wiedergefunden. Willst du ihm das wirklich antun?"

So sehr sie es wollte, aber alles was sie hätte erwidern wollen, was sie während seiner Ausführung sagen wollte, um ihn zu unterbrechen, war nichts im Vergleich zu dem, mit dem er geendet hatte. Jilli wandte sich Harry zu, denn auch er war wie seine Schwester von den Worten des Freundes überrumpelt worden. Sie wollten Sirius so sehr helfen, aber um welchen Preis? Sie sah zurück in die Küche, wo die anderen nach wie vor tief in ihrer Diskussion steckten und genauso gespalten aussahen, wie sie und Harry sich gerade fühlten.


„Das ist Wahnsinn," sagte Remus kopfschüttelnd. „Gibt es keine Möglichkeit noch jemanden zur Unterstützung mitzuschicken? Wie damals bei James? Mich zum Beispiel?"

„Ich fürchte nicht," entgegnete White ruhig. „Jilli und Harry müssen das alleine schaffen. Keiner von uns könnte auch nur annähernd in Sirius' Seele existieren. Bei James lag die Lage anders. Die Magie in ihm war nicht giftig, der Atem des Todes schon.

Ich gebe aber offen und ehrlich zu, dass ich mir nicht mal sicher bin, ob die beiden dazu überhaupt im Stande sind. Jilli ist ein Ponester und Harry hat die Magie Gryffindors, was ihnen beiden einen großen Vorteil gegenüber uns verschafft und es damit zumindest möglich macht. Es muss jedoch einen Grund geben, warum Sirius bisher noch nicht von alleine aufgewacht ist. Ihn dennoch zurückzuholen kann und wird daher sehr schwer werden und ich kenne die beiden nicht gut genug, um beurteilen zu können, ob sie das überhaupt durchhalten können. Im Moment hege ich eher die Befürchtung, dass es beide, vor allen Dingen aber Jilli, unterschätzt, was dies eigentlich bedeutet in Sirius' Seele den Atem des Todes zu absorbieren.

Es wäre etwas anderes, wenn es sich um Lilli, James oder Sirius handeln würde. Ich weiß, wozu die drei fähig waren. Ich hätte auch bei Remus keine Bedenken, aber wie gesagt, könntest du aufgrund des Giftes nicht mal in Sirius' Seele hinein kommen.

Jilli und Harry kann ich nicht beurteilen und dazu brauch ich eure Meinungen. Ich habe schon zu oft falsche Entscheidungen im Bezug auf die beiden in den letzten Monaten getroffen. Ihr beide kennt sie länger und besser. Was sagt ihr?"

Kingsley und Remus hatten unzufrieden eine Grimasse gezogen und es war ihnen auch anzusehen, wie unentschlossen sie waren. Genau das, dachte White frustriert, hatte sie jetzt nicht gebraucht.

„Jungs, bitte. Rational gesehen spricht hier alles dagegen die beiden dieser Beschwörung auszusetzen. Aber ohne diese Beschwörung stirbt Sirius noch heute Abend.

Wir hatten früher schon oft solche Situationen, die ich objektiv betrachtet nie durchgeführt hätte. Subjektiv jedoch schon und sie gingen gut aus, aber auch nur, weil ich wusste, wer zu was fähig war. Das kann ich bei Harry und Jilli nicht. Ich kann die beiden nicht aufgrund einer Hoffnung rein schicken. Ich brauch dazu eure Einschätzung."

Kingsley pustete kurz heiße Luft zwischen seinen geschlossenen Lippen hervor, dann setzte er zu einem Versuch einer Beurteilung an.

„Harry ist gut. Ich kann mir vorstellen, dass er sich nicht beirren lässt und zurechtkommt. Erst recht, wenn er nicht alleine ist, was mit Jilli der Fall sein würde. Vor einem Jahr im Zaubereiministerium haben sie sich auch gut geschlagen. Er hat auch das Trimagische Turnier gewonnen.

Mit Jilli ist es dasselbe. Sie ist gut. Ich hab mit ihr schon einige Male zusammenarbeiten können. Sie ist vorsichtig, nimmt stets Rücksicht, ist da, wenn es darauf ankommt aber Jilli hat eine große Schwäche."

„Harry," sagte Remus zustimmend und Kingsley nickte.

„Ja, Harry."

„Wenn es um ihren Bruder geht, kocht sie vor Emotionen über," erklärte Remus die Meinung, die beide Männer offenbar teilten. „Eigentlich, wenn es um ihre Familie geht. So wie schon bei ihren Eltern, will Jilli ihren Bruder schützen und das tut sie ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben. Die unzähligen Male, die sie sich schon in Gefahr brachte, weil sie glaubte, James damit schützen zu können, könnte sich bei Harry fortsetzen. Das macht sie unvorsichtig."

Anna nickte verstehend, fasste sich dann jedoch mit der Hand an die Stirn. Das war nicht gut...

Sie wandte sich zur Seite zu Yorick, die sich bis dahin mit jeglicher Meinung zurückgehalten hatte.

„Was sagst du?" fragte White schließlich.

Yorick lächelte mild.

„Es kann alles passieren und es kann nichts von alle dem eintreffen. Eine Geschichte ist noch nicht geschrieben und keiner kann zu diesem Zeitpunkt etwas klares sehen. Das Gesamtbild ist deutlich, die einzelnen Linien aber verschwommen."

White schüttelte deprimiert den Kopf, dann schloss sie für einen Augenblick ihre Augen. Kingsley und Remus tauschten besorgte Blicke, wandten sich der Freundin aber sofort wieder zu als sie sich aus ihrer verschlossenen Haltung löste.

„Wir tun's," sagte sie entschlossen. „Es ist Weihnachten... Es kann nicht sein, dass die Magie es zulässt, dass sie ausgerechnet an Weihnachten sterben. Nicht wahr?"

White hatte nicht auf eine Antwort gewartet, um hinaus zu schreiten, Yorick folgte ihr auf dem Fuß. Wieder sahen sich die beiden Männer beunruhigt an.

„Die Magie hat auch zugelassen, dass James und Lilli an Helloween starben," sagte Remus frustriert. „Und dass Sirius an dem Tag starb an dem Anna zurück kam. Ist nicht so, dass sie immer auf unserer Seite steht..."

Kingsley lächelte traurig.

„Kann irgendeiner von uns überhaupt etwas anderes tun?" warf er leise ein. „Was ihr Sirius bedeutet, wussten wir doch von Anfang an. Ich hatte nur nie geahnt, zu was sie alles fähig ist, um ihn zu befreien. Glaubst du, ihre Gefühle für ihn beeinträchtigen ihre Urteilskraft für das, was wirklich ist?"

Remus seufzte.

„Ich weiß es nicht... Ich hoffe es nicht... Ich hoffe es wirklich nicht."

Er wünschte, er wüsste es, aber Fakt war, dass er sie nicht wirklich wiedererkannte seit ihrer Rückkehr. 16 Jahre waren eine lange Zeit, um sich zu verändern.

„Hattest du eigentlich Kontakt zu ihr? Im letzten Jahr, mein ich."

„Ich?!" fragte Kingsley Stirnrunzelnd. „Remus, du warst doch einer ihrer engsten Freunde? Ich hatte zu Anna nicht mal wirklich noch Kontakt nachdem ich nach Amerika ging. Sie hat kaum einer meiner Eulen beantwortet. Ich konnte froh sein, wenn ich überhaupt eine Antwort von ihr bekam. Ich wusste wie ihr alle auch nicht, dass sie noch am Leben war bis zu dem Tag an dem sie bei Bill und Fleur's Hochzeit aufgetaucht ist."

Remus nickte betrübt.

„Ich dachte nur... vielleicht... Du schienst am wenigsten überrascht von ihrem Auftauchen."

„Weil ich vor Schreck erstarrt war," warf Kingsley mit dem Anflug eines schiefen Lächelns ein. „Die Überraschung kam später."


White war zu den dreien ins Wohnzimmer geschritten und natürlich wandten sich alle drei ihr mit hoffnungsvollem Blick zu.

„Wir tun's," sagte die Direktorin und Jilli strahlte glücklich. „Jilli, bereite dich vor. Acacia Yorick wird dir dabei helfen. Brian, hilf bitte Remus und Kingsley bei den Vorbereitungen. Harry? Ein Wort unter vier Augen, bitte."

Er hatte seine Schwester kurz irritiert angesehen, aber sie schien genauso verwundert zu sein, dass White mit ihm alleine sprechen wollte und dennoch folgte er ihr in die Küche, wo Remus, Kingsley zur gleichen Zeit heraus schritten.

Für Harry war es eigentlich nichts neues gewesen mit einem Lehrer ein ernstes Gespräch unter vier Augen zu führen. Das hatte er schon mit vielen durch. Mit einer Hexe, die gleichzeitig seine Patentante und Direktorin von Hogwarts war, jedoch noch nie.

White hatte ihn tief angesehen, bevor sie mit sehr ernstem Ausdruck zu ihm sprach.

„Wenn du mit Jilli in Sirius' Seele eindringst, wirst du etwas erleben, was du vorher in diesem Ausmaß wohl noch nie erlebt hast. Normale Magie geht nicht soweit und unter normalen Umständen müsste dies auch niemand erleben. Du hast aber sicherlich bereits erkannt, dass du alles andere als normal bist."

Harry nickte vorsichtig, gespannt darauf, worauf sie eigentlich hinaus wollte.

„Jilli wird nicht wissen, wann es zu viel für sie ist. Du bist der jüngere von euch beiden, aber hierbei musst du die Rolle des älteren Bruders übernehmen. Du musst die Verantwortung für euch beide tragen."

„Okay," sagte Harry, wenn er auch mehr als nur verwirrt war. Wusste er überhaupt, was White wirklich von ihm verlangte? Er schluckte hart und hoffte, dass sie es ihm noch erklären würde.

„Du wirst an einem Punkt kommen, an dem du merkst, dass Jilli aufhören muss. Ist dieser Punkt erreicht, beendest du die Beschwörung und holst euch beide wieder zurück."

„Wann weiß ich, wann dieser Punkt erreicht ist, Professor?"

White richtete ihren Zauberstab auf Harry.

Dovis," sagte sie fest. Harry bemerkte... nichts. Kein Windhauch, kein Licht, gar nichts. White aber steckte ihren Zauberstab wieder ein.

„Sag appare."

Appare."

Er musste nicht lange warten, denn hinter White sah er etwas merkwürdig fremdes. Eine Art durchsichtige Wolke in einem Graustich. Weiß war es nicht, aber grau auch nicht wirklich. Hellgrau vielleicht.

„Das, was du siehst, Harry, ist die Aura. Manche Zauberer, die stark genug sind, können die Aura sehen, wann immer sie es wünschen. Für andere, gibt es diesen Zauberspruch, der es dir für einen halben Tag ermöglicht die Aura einer beliebigen Person zu sehen, sofern du das Wort appare sagst. Flüstern geht auch. Du wirst dann für einen kurzen Moment die Aura der Person vor dir erblicken.

Du siehst, meine Aura ist grau. Dieser Ton ist die Aura von den meisten Zauberern und Hexen. Eine Aura, wie die Dumbledore's ist weißer, strahlender. Es gibt Flüche, die er nie anwenden würde, andere jedoch schon und sie verdunkeln die Aura. Wirf einen Blick zu den anderen."

Harry sah ins Wohnzimmer, wo Remus, Kingsley und Brian standen. Jeder von ihnen hatte tatsächlich dieselbe weißgraue Wolke wie White. Er sah rüber zu Jilli, die alleine am Fenster stand und hinaus blickte und Harry riss verwundert die Augen auf. Die Wolke bei Jilli war glitzernd weiß.

„Jilli ist sehr rein," erklärte White. „Eines der reinsten Wesen überhaupt. Sie hat im Moment nicht mal ein Fünkchen Bosheit in sich drin. Selbst wenn sie von Hass und Rache spricht, so ist es in der Dimension nicht mal annähernd das, was wir empfinden können und wenn es darauf ankäme, wo die meisten anderen kein Mitleid empfinden könnten, würde Jilli dennoch Gnade walten lassen. Ähnlich wie du als du Sirius und Remus batest Pettigrew zu verschonen."

Erst jetzt hatte Harry sich von seiner Schwester losgerissen und sich wieder White zugewandt. Es mag an ihren Worten gelegen haben, die ihn erschraken.

„Dieses glitzernde Weiß wird dunkle Flecken bekommen, wenn Jilli zu viel schwarze Magie absorbiert. Ein kleiner Teil kann von ihr ertragen werden und verschwindet mit der Zeit wieder. Absorbiert sie jedoch zu viel, wirst du deine Schwester verlieren.

Siehst du die ersten grauen Flecken, musst du die Beschwörung stoppen. Mit finite holst du euch beide wieder zurück.

Du magst es nicht merken, aber Jilli ist sehr emotional und diese Eigenschaft trübt ihre Urteilskraft."

Harry nickte nachdenklich.

„Und Sirius?" fragte er vorsichtig.

White hatte ihn ein Moment lang schweigend angesehen, bevor sie sehr umsichtig antwortete.

„Hoffen wir das beste. Das wichtigste ist, dass Jilli und du es unbeschadet wieder zurück schafft."


Jilli und Harry standen jeweils auf einer Seite an Sirius' Bett. Der Marauder sah aus, als ob er friedlich schlafen würde, doch sein Gesicht war blass, seine Miene kalt und sein Körper schlaff. Kein bisschen Spannung war noch in seinen Zügen. Remus, Kingsley, Brian und Yorick standen gleichfalls in dem Raum, jedoch verteilt zu beiden Seiten. White dagegen stand am Ende des Bettes und nachdem sie einen tiefen Blick mit Harry und Jilli ausgetaucht hatte, nickte sie beiden zu und hob ihren Zauberstab.

Expecto animus."

Dann wandte sie sich an Jilli.

„Du kannst anfangen."

Jilli nickte und streckte die eine Hand zu Harry aus, so dass sie sie ineinander verhaken konnten. Die andere umfasste Sirius' Hand und sie schloss ihre Augen.

Harry fühlte sich müde, sehr müde. Seine Augenlider wurden schwer und ohne es verhindern zu können schloss auch er sie. Er hatte das Gefühl als ob er fiel, aber nach einem kurzen Moment war das Schwindelgefühl vergangen und als er seine Augen öffnete, da zuckte er zusammen. Er befand sich nicht mehr im Schlafzimmer, nicht mehr am Bett von Sirius und er hielt auch nicht mehr die Hand seiner Schwester. Harry schluckte hart. Er befand sich in einem dunklen Ort, wo es nichts anderes gab, als er und die Dunkelheit um ihn herum.

„Alles in Ordnung?" fragte Jilli. Er hatte sich sofort umgedreht als er ihre Stimme hörte. Sie stand nun direkt neben ihm und versuchte offenbar sehr zuversichtlich auszusehen.

„Ja, ich denke schon," antwortete er, auch wenn es sich innerlich alles andere als in Ordnung anfühlte. Er hatte so etwas noch nie gemacht und wusste auch nicht, worauf er sich einstellen sollte. Jedes Jahr, seitdem er in die Zauberwelt eingetreten war, brachte neue Magie mit sich, aber was er in diesem Jahr erlebte, übertraf alles, was er in den letzten 6 Jahren kennengelernt hatte. Dies jetzt bildete keine Ausnahme.

„Da," sagte Jilli und zeigte in die Ferne. Harry brauchte etwas, um zu erkennen, was seine Schwester eigentlich meinte. Auf einem Spielplatz in der Ferne rannten mehrere kleine 11jährige Kinder lachend herum. Er musste nicht lange nachdenken, um sie bestimmten Personen zuordnen zu können. Sirius, Lilli, James, Anna, Remus. Er kannte die Fotos seiner Eltern als sie noch jünger waren, Sirius auszumachen war auch nicht schwer. Nachdem er eine jüngere Version von Professor White in ihren Erinnerungen gesehen hatte, ahnte er auch, dass sie das schwarzhaarige Mädchen bei ihnen war. Die Schlussfolgerung lag nahe, dass der letzte Junge Remus in dem Alter sein musste. Seine Augen hatten ihn verraten.

Harry hörte das fröhliche Lachen und musste für einen Moment grinsen als er die kleine Gruppe so unbeschwert spielen sah, dann wandte er sich irritiert seiner Schwester zu.

„Und was jetzt?" fragte er vorsichtig. Jilli schien keine Ahnung zu haben, zumindest sagte ihr Blick genau das aus.

„Es ist das erste Mal auch für mich..." bestätigte sie mit bangem Blick seinen Verdacht.

„Hallo," kam es plötzlich von der Seite und auf einmal erblickten beide das 11jährige schwarzhaarige Mädchen, welches vorher mit all den anderen Kindern gespielt hatte, direkt neben ihnen.

„H-Hi," stotterte Jilli unbeholfen. Harry tat es ihr nach und sah das Mädchen gleichfalls neugierig an.

„Ihr wollt Sirius zu euch holen, nicht wahr?"

Sie mag wie ein kleines Kind aussehen, gesprochen aber hatte sie wie die erwachsene, silberhaarige Hexe, die Harry nun seit einigen Monaten kannte.

„Ja," antwortete er, da seine Schwester das Mädchen lediglich entgeistert anstarrte. Es dauerte etwas, aber irgendwie ahnte er, dass ihr Verhalten damit zu tun hatte, dass sie White einfach schon länger kannte. Denn so hätte Harry wohl reagiert, wenn es sich hier um Remus oder Sirius oder seinen eigenen Eltern gehandelt hätte, denen er viel näher stand als White. Offenbar war das ein Vorteil, denn im Gegensatz zu Jilli hatte Harry kein Problem damit sich mit dem Mädchen zu unterhalten.

„Wie stellen wir das am besten an? Kannst du uns helfen?"

„Sicher," sagte das Mädchen mit einem zarten Lächeln. Harry war überrascht von ihrer offenen Art, nahm es aber gerne an. Sie war ungewöhnlich freundlich und unschuldig und das spiegelte sich nicht nur in ihrem Wesen um, sondern auch in ihren Augen.

„Ihr müsst Sirius dazu bewegen mit euch zu gehen. Er hat sich diese Welt hier erschaffen und deswegen wacht er auch nicht auf. Er mag es hier und hat vergessen, was er draußen noch hat. Ihr müsst ihn dazu bringen mit euch zu kommen."

„Ne Idee wie wir das anstellen sollen?" fragte Harry.

„Reden dürfte ein ganz guter Weg sein," antwortete das kleine Mädchen ernst gemeint, den Anflug eines Lächelns sah man aber dennoch bei ihr.

„Bist du ein Teil von Sirius' Seele?" fragte Jilli sanft. „Eigentlich sollte nur seine Seele im Stande sein mit uns zu sprechen. Nicht die Welt, die er sich erschafft."

„Vielleicht," antwortete das Mädchen. „Vielleicht auch nicht."

Harry und Jilli tauschten verwirrte Blicke, denn so wie das Mädchen die beiden ansah, wirkte sie sehr verspielt. Ebenfalls etwas, das beide von Professor White so gar nicht kannten. Andererseits hatten sie es hier auch mit einer 11jährigen Version von ihr zu tun. Welches 11jährige Kind war nicht so?

„Ihr solltet euch beeilen. Sirius ist dabei vor euch wegzulaufen."

„Was?!"

Harry und Jilli bemerkten erst jetzt, dass James, Lilli und Remus verschwunden waren. Der Spielplatz war leer und Sirius rannte in der Tat von ihnen weg in die Dunkelheit hinein. Sie hatten nicht gezögert ihm sofort nachzueilen, doch es kam Harry wie eine Ewigkeit vor, dass er rannte und sich dennoch nicht vom Fleck bewegte. Alles war so finster und kalt und der 11jährige Junge wurde kontinuierlich kleiner.

„Sirius, lauf nicht weg!" rief Jilli in der Hoffnung ihn damit aufhalten zu können. Sie war zwar schneller als Harry, hätte den 11jährigen Jungen aber ebenfalls niemals eingeholt. „Ich bin's! Jilli!"

Der 11jährige Sirius blieb abrupt stehen und Harry und Jilli hatten Gelegenheit aufzuholen. Je näher sie jedoch kamen, umso größer schien der Junge zu werden und als sie endlich direkt bei ihm standen, sahen sie nicht den Rücken eines 11jährigen Jungen vor sich, sondern der eines jungen Erwachsenen. Ein 18jähriger Sirius drehte sich zu den beiden um und sah sie mit spitzem Blick an.

„Kennen wir uns?" fragte er und hatte eine lässige, arrogante Haltung eingenommen.

„Ich und Harry sind James und Lilli's Kinder. Du bist unser Patenonkel."

„Patenonkel?" wiederholte er belustigt. Ein amüsiertes Grinsen schmückte das sehr weiche, gutaussehende Gesicht. Keine Spur von Askaban war hier zu erkennen. War dies Sirius als er in Harry's Alter war? Wenn ja, dann machte es ihn noch trauriger zu wissen, was Askaban aus seinem Freund gemacht hatte. Trotz seiner überheblichen Art, sagte seine Miene alles andere als Arroganz aus. Im Gegenteil, seine Augen funkelten nach wie vertraut und stark.

„Und was macht ihr dann hier?"

„Sirius, du musst mit uns kommen," sagte Jilli eindringlich.

„Wieso sollte ich das tun?" entgegnete der Marauder jedoch und hatte seine Augen prüfend verengt.

„Weil du das möchtest," sagte Harry. „Du willst nicht hier bleiben."

„Und wieso nicht?"

„Das hier ist dein Tod."

Sirius lachte traurig und mit einem Mal war er nicht mehr der 18jährige junge Erwachsene, er war ein etwa 14jähriger Teenager.

„Und das da draußen nicht?"

Jilli und Harry hatten einen besorgten Blick ausgetauscht. Das wurde ja in der Tat schwerer als sie erwartet hatten. Hatte der Zustand von Sirius' Seele etwas damit zu tun, dass sein Erscheinungsbild sich vor ihnen ständig wechselte?

„Anna ist da draußen," versuchte Jilli es sanft, aber Sirius lachte erneut.

„Sie ist auch hier drinnen. Und James und Lilli sind es auch. Meine besten Freunde sind hier. Voldemort ist es nicht. Aber da draußen. Was soll ich also da?"

Er wandte sich von ihnen ab und blickte gedankenverloren in die Ferne. Harry drehte sich gleichfalls in diese Richtung und sah, was sein Patenonkel betrachtete. Es war Hogwarts im Hintergrund, die Ländereien, die Harry nur all zu gut kannte, und seine 14jährigen Eltern, die ausgelassen mit dem 14jährigen Sirius, Remus und White am See herum scherzten.

„So hätte es sein können," sagte der Marauder. „Ohne Voldemort. Hier ist es so. Alles ist gut."

„Und was ist mit uns?" fragte Harry ohne Umschweife. Er sah es auch gerne, dass seine Eltern wohlauf und glücklich waren, aber genauso wusste er auch, dass dies nicht real war. So wie der Zauber, der es ihm und seiner Schwester ermöglichte, sie auf dem Friedhof zu treffen und mit ihnen zu sprechen. Es war alles nicht die Wirklichkeit. Um ihn herum drehte sich die Welt weiter. Voldemort war noch immer da, bedrohte noch immer das Leben derjenigen, die lebten und die ihm die Welt bedeuteten. Seine besten Freunde und Ginny und seine Schwester. Daher glaubte Harry auch, dass diese Frage die einzige sein würde, die seinen Patenonkel die Augen öffnete.

„Mit euch?" entgegnete Sirius verwirrt.

„Wir sind nicht hier. Wir leben. Draußen. Da wo auch Voldemort ist," sagte Harry.

„Du bist ihr Patenonkel," sagte schließlich eine Stimme neben ihnen. Als Harry zur Seite sah, erkannte er die ebenfalls 14jährige Professor White mit den schwarzen Haaren, welche nun nicht mehr am See mit den anderen saß, sondern bei ihnen stand.

„Wenn sie draußen sind, solltest du dann nicht auch draußen sein?"

Sirius hatte sich wieder verändert. War wieder der etwas ältere Zauberer und warf betrübt einen Blick zurück zur Seite, wo die nun ebenfalls älteren, etwa 21jährigen James, Lilli und Remus standen und den Freund erwartungsvoll und mitfühlend beobachtete.

„Aber draußen seid ihr nicht mehr," sagte Sirius leise.

„Anna schon," sagte Jilli vorsichtig. Der Marauder war unentschlossen und jede unbedachte Handlung hätte ihn von ihnen wegtreiben können. Es bedeutete vor allen Dingen, dass sie mit ihren Aussagen und Handeln sehr behutsam vorangehen mussten. „Sie lebt noch Sirius."

„Das hier ist nur eine Traumwelt," fuhr White fort und trat einige Schritte von ihnen weg und zu der anderen Gruppe rüber. In der Mitte des Weges blieb sie schließlich stehen und wandte sich Sirius, Jilli und Harry wieder zu.

„Ich weiß du willst hier bleiben, Sirius. Hier, wo alles so ist, wie du es möchtest. Es ist schön, wir sind hier, niemand stirbt mehr. Aber was ist mit Harry und Jilli?"

Sirius sah von ihnen zurück zu seinen beiden Patenkindern. Ihre Augen waren nicht weniger ausdrucksvoll, nicht weniger besorgt.

„Wir brauchen dich," sagte Jilli eindringlich, obgleich es Sirius anzusehen war, wie hin und hergerissen er sich fühlte und dass er immer noch nicht gehen wollte. Eher schien er sich verzweifelt an diese Welt hier festkrallen zu wollen.

„Vor 16 Jahren hattest du alleine beschlossen, was für uns das Beste ist," fuhr die junge Hexe fort. „Du hast dich dazu entschlossen, Harry und mich alleine zu lassen, weil du dachtest, andere könnten besser für uns sorgen. Du hast alleine entschieden, dass du in Askaban für uns keine Hilfe wärst.

Hast du denn nicht gesehen, dass dem nicht so war? Dass wir dich gebraucht hätten?

Damals waren wir Kinder und wir konnten uns nicht wehren gegen das, was ihr Erwachsenen beschließt. Jetzt aber sind wir ebenfalls Erwachsen und wir sprechen mit unserer Stimme. Hörst du uns an?"

„Du hast gesagt, dass wir nach all dem hier eine Familie sein können," sagte Harry mit derselben Entschlossenheit wie seine Schwester. „Dazu musst du aber zurück kommen."

Auf einmal stand vor ihnen der 35jährige Sirius. Der Zauberer mit all den Zeichen, die Askaban und der Tod seiner besten Freunde hinterlassen hatte. Dieser war weitaus weniger hell und fröhlich, sondern schwer und dunkel, als ob die Last der Welt auf seinen Schultern ihn in die Knie zwangen. Er schluckte hart. Jilli aber lächelte und reichte ihm ihre Hand. Sirius sah zu Harry und auch er nickte und reichte ihm die andere Hand. Sirius wollte sie beide gerade ergreifen, da hatte Jilli ihre Hand auf einmal gesenkt und sie wäre fast zu Boden gesunken, hätte Sirius die junge Hexe nicht rechtzeitig aufgefangen.

„Jilli," keuchte er besorgt. Harry zuckte plötzlich zusammen. Er hatte ganz vergessen auch nur einmal nachzusehen, wie es um ihre Aura stand.

Appare," flüsterte er leise und zuckte zusammen. Was vorher so rein und hell glitzerte, war nun dämmrig grau.

„Mir war nur... plötzlich schwindelig zumute," erklärte sie schwach, richtete sich dann aber wieder auf.

„Wir gehen," sagte Harry entschlossen. „Finite."

Es war kaum eine Sekunde vergangen, da begann ein Sturm über sie hinwegzufegen. Härter und stärker als es einer von ihnen erwartet hätte und er zog sie in zwei verschiedene Richtungen. Jilli und Harry nach rechts, Sirius von ihnen weg.

„Nein!" rief Jilli entsetzt. Der Marauder hatte sich wieder in den kleinen 11jährigen Jungen verwandelt. „Sirius, bitte!"

Der 11jährige Junge sah abwechselnd zwischen seinen 11jährigen Freunden auf der einen Seite und Harry und Jilli auf der anderen Seite unentschlossen hin und her. Die beiden versuchten sich gegen den Sog zu wehren und dem Hurrikanartigen Wind zu trotzen.

„Sirius!" rief Harry. „Bitte, komm mit uns!"

Er und Jilli hatten ihm jeweils eine Hand gereicht, aber der kleine Junge blickte traurig zu Boden.

„Sirius, bitte!" flehte Jilli verzweifelt. Harry fühlte erneut alles, was im Herzen seiner Schwester vor sich ging und es überwältigte ihn. Es herrschte eine so tiefe Verzweiflung, dass es ihn innerlich zerriss, Traurigkeit und Einsamkeit, was eine starke Leere erzeugte, selbst grauenvoll enormer eiskalter Schmerz, der jede Faser seines Körpers durchzog.

„Sirius!" schrie Harry so laut wie er konnte. Der 11jährige Junge stemmte seine Hände zu Fäusten und rannte auf einmal tatsächlich in ihre Richtung entgegen des Windes. Beide streckten ihre Hände so weit es ging nach dem Jungen aus, trotzten dem Sturm, egal wie heftig es gegen sie ankämpfte und plötzlich spürten sie die Hand des 35jährige Sirius in ihren. Ohne zu zögern hatten beide ihre Hände um die seine geschlossen. Nun, wo sie ihn wieder hatten, würden sie ihn nicht wieder gehen lassen. Harry drückte mit aller Kraft zu, damit sie ihm nicht wieder entgleiten konnte. Unwillkürlich schloss Harry die Augen, dann spürte er einen heftigen Ruck und es wurde totenstill.


Harry wachte desorientiert am Boden auf. Er sah Remus über sich, das Gesicht voll von Sorge.

„Harry!" sagte er erleichtert. „Ein Glück. Du bist wieder wach."

„Jilli? Sirius?!" sagte Harry sofort während Remus ihm wieder auf die Beine half. Harry brauchte nicht lange und sah seine Schwester, welche nach wie vor bewusstlos in Brian's Armen auf dem Boden lag.

„Jilli!"

Er stürzte zu ihr und hatte versucht sie zu wecken, aber egal wie sehr er an ihr rüttelte, sie öffnete ihre Augen nicht. Entsetzt sah er Brian an, aber das Gesicht des Freundes war nicht minder besorgt gewesen. Eine Hand an seiner Schulter ließ Harry sofort zur Seite blicken, wo er das mittlerweile vertraute Gesicht von Professor White sah.

„Wir... Ich..."

Er stotterte. Sein Herz raste und er fühlte nichts als Panik. Das grauenvolle, eiskalte schmerzende Gefühl, dass er von ihr gefühlt hatte, versetzte ihn in Panik. Sein Mund war so trocken...

„Ich hab es vergessen," prasselte es schuldbewusst aus ihm heraus. „Es ging alles so schnell und ich habe nicht nach ihrer Aura gesehen. Erst als es zu spät war. Es war nicht mehr weiß... Ich -"

„Es ist okay, Harry," sagte White beruhigend und nickte jemandem hinter ihm zu. Harry spürte, wie er wieder auf die Beine gehievt wurde. Er konnte den Blick jedoch nicht von seiner Schwester los reißen. Sie wirkte so verletzt und leblos, die Angst in ihm wurde von Sekunde zu Sekunde grauenvoller.

„Brian bringt Jilli auf ein Bett. Sie muss sich wieder finden und sammeln. Es ist okay."

„Ich hab nicht... Wird sie... Wird sie sterben? Professor White, bitte, wird sie -"

„Ich weiß es nicht, Harry. Sie muss sich ausruhen. Und du auch. Die Beschwörung war zu viel für euch alle."

„Alle... Sirius?!" Harry hatte sich instinktiv zum Bett gedreht und erstarrte. Sirius lag noch immer da, bewusstlos und schlaff. Sein Herz blieb stehen. Es war alles umsonst...

„Harry!" sagte White laut und der junge Zauberer hatte sich ihr widerwillig zugewandt. Er war zu entsetzt und hatte das Gefühl zu Eis erstarrt zu sein. Ihm war übel zumute und er war sich sicher sich jeden Augenblick übergeben zu müssen. White hatte seine Wangen mit ihren Händen umfasst, so dass er die Professorin nun ansehen musste und aus irgendeinem Grund ließ das ekelhafte, unbarmherzige Gefühl in ihm langsam nach.

„Es ist nicht vorbei," sagte sie eindringlich. „Sirius und Jilli sind nicht tot."

„Nicht tot," wiederholte er und schluckte hart. Langsam beruhigte sich sein Atem.

„Du hörst mir zu, kannst du das?"

Er nickte und White ließ ihn wieder los. Sie führte ihn mit sich zu Stühlen rüber und drückte ihn hinab, damit er sich setzen konnte. Harry blickte immer wieder Jilli an, hoffend, dass sie aufwachte, aber sie rührte sich nicht. Sie blieb bewegungslos in Brian's Armen liegen.

„Jilli hat sehr viel dunkle Magie absorbiert und das Gift hat sie sehr geschwächt. Es war aber nicht zu spät. Sie ist jetzt nur sehr schwach. Brian wird sie auf ein Bett neben Sirius legen und du kannst bei ihnen bleiben. Es wird dauern, aber Jilli wird wieder aufwachen.

Sirius Zustand ist immer noch kritisch, aber besser. Wir werden sehen, ob es ausgereicht hat, aber er ist noch nicht tot. Harry? Hast du verstanden, was ich gesagt habe?"

Er blickte entgeistert zurück zu White und nickte schwach. Die Professorin schien damit okay zu sein, denn sie nickte gleichfalls. Sie drückte ihm Mutmachend die Schulter und stand schließlich auf.

Harry saß auf einem Stuhl direkt zwischen den Betten von Sirius und Jilli mit einem Buch zur Ablenkung in seiner Hand. Die Warterei zog sich über Tage hin und er flippte nur deswegen noch nicht aus, weil White sehr oft vorbei kam und ihm versicherte, dass beide noch am Leben waren und er seine Sorgen in Grenzen halten konnte. Remus und Brian hatten ebenfalls in den ersten Tagen noch vorbei geschaut, aber die letzten Tage über fehlte von beiden und White jede Spur. Er sah nur noch Yorick, die ihn hier und da etwas zu Essen brachte.

Ab und zu war Harry vor Erschöpfung für eine halbe Stunde eingenickt und fand sich mit dem Kopf auf dem Bett von Jilli oder auch Sirius wieder. Meistens wachte er durch ein Geräusch wieder auf, sei es das Flüstern von Personen im Flur oder nur Schritte, die am Schlafzimmer vorbei gingen.

Es waren Tage vergangen, Jilli und Sirius' Zustand hatte sich nicht verändert, da wachte Harry erneut mitten bei einem kurzen Nickerchen am Abend auf. Diesmal war es ein Weinen, dass er vom Flur aus hörte. Er legte das Buch in seinem Schoß beiseite und ging in den Flur hinaus, um zu sehen, von wem das kam. Er fror auf der Stelle ein als er Malfoy am Boden vor einer Zimmertür sitzen und schluchzen sah. Als der Mitschüler Harry bemerkte, wischte er sich sofort mit dem Ärmel die Tränen von den Augen und kämpfte sich wieder auf die Beine.

„Sorry," sagte Harry sofort, bevor Malfoy die Zimmertür öffnen konnte, um wieder zu verschwinden. Stattdessen blieb der Mitschüler stehen und drehte sich zu ihm zurück.

„Ist es wegen deiner Mum?" fragte er vorsichtig. Malfoy schüttelte betrübt den Kopf.

„Es ist nicht meine Mum," murmelte er leise und sank wieder auf den Boden hinab. Harry zögerte, doch nach einem kurzen Blick ins Zimmer zurück, wo Jilli und Sirius nach wie vor fest schliefen, setzte er sich zu Malfoy dazu und lehnte sich gleichfalls mit dem Rücken an die Tür.

„'s mein Dad."

„Was ist mit ihm?" fragte Harry kurz. Malfoy schniefte erneut und wischte sich die nachfolgenden Tränen von den Augen.

„Es heißt er sei ausgebrochen, behaupten jedenfalls diese Deppen von Auroren. Ich weiß aber dass er mich und meine Mutter niemals einfach so im Stich lassen würde. Niemals."

„Was sagt Professor White dazu?"

„Nichts," blaffte Malfoy verärgert. „Sie sagt, sie kümmert sich darum, aber hat sich seitdem nicht mehr blicken lassen. Er ist bestimmt tot."

Deswegen war sie also in den letzten Tagen nicht mehr hier gewesen. Er ahnte, dass es auch derselbe Grund für Brian und Remus' Abwesenheit gewesen sein musste.

„Wieso das?" fragte Harry verwirrt.

„Wegen mir," sagte Malfoy und schluckte hart. „Weil ich versagt habe. Der dunkle Lord hat mich gewarnt und ich..."

Er vergrub seine Gesicht hinter seinen Knien, aber anhand des ruckartigen Atmens wusste Harry, dass Malfoy krampfhaft versuchte seine Emotionen zu kontrollieren. Er wusste nicht, was er anderes tun sollte und so legte er dem Mitschüler seine Hand auf die Schulter und drückte ihn Mutmachend.

White hatte die beiden Jungs vom Ende des Ganges aus mit betrübter Miene beobachtet.


einige Monate zuvor

Lucius Malfoy saß in seiner Zelle in Askaban, die Knie an die Brust gezogen und den Blick starr gerade in die Leere fixiert. Er war blass, seine Haare ungepflegt und trocken. Schritte näherten sich seiner Zelle und er blickte auf als er einen weißen Umhang vor seiner Zelle erkannte. Entsetzt hatte er seine vorher gelangweilte Haltung gelöst und die silberhaarige Hexe angestarrt.

„Du -" stieß er entgeistert aus und war sofort aufgestanden. Malfoy hatte sich an die Gitter gepresst, aber White trat ein Schritt zurück. „Du lebst?"

Nichts. Kein Ton kam von ihr. Alles was er von ihr bekam war ihr verachtender Blick.

„Du bist tot. Halluziniere ich?"

Der Todesser begann wie ein verrückter zu lachen.

„Ich halluziniere von der Geliebten meines toten Bruders?"

„Ich war nie seine Geliebte," erwiderte die Hexe erbost und wieder lachte der Todesser dreckig wie eh und je.

„Keine Halluzination also," stellte er verbittert fest. „Ich bin neugierig. Wie konntest du überleben? Ich hab deinen Zustand mit eigenen Augen gesehen. Den Kuss des Dementors hat noch niemand überlebt."

„Neugierige sterben schneller," sagte sie müde. Malfoy schnaubte lediglich.

„Was willst du hier?"

„Mich an deinem tiefem Fall ergötzen."

Der Zauberer sah sie giftig an und dennoch gab es kein Zweifel, wer hier am längeren Hebel saß. Sie mag nicht mehr so gut aussehen wie früher, dennoch war sie frei und er gefangen. Er schnaubte aufs Neue und setzte sich wieder auf die kalte Bank nieder. White hatte sich bereits umgedreht und war dabei zu gehen als seine Worte sie aufhielten.

„Hilf mir."

Zwei Worte, die sie nie gedacht hätte je von diesem Zauberer zu hören und wohl auch die einzigen, die sie dazu hätten bringen können tatsächlich stehen zu bleiben. Sie zögerte, drehte sich dann aber wieder zu ihm um. Er saß nicht mehr lässig oder gelangweilt da. Malfoy versteckte es nicht mehr. Er war gebrochen und schwach.

„Ich weiß, du hasst mich. Ich bitte hier nicht um mein Leben. Sondern um das meiner Familie."

Sie sah ihn ausdruckslos und kalt an, ihre Empathie verriet jedoch, dass er es ernst meinte und dies hier kein Spiel war. Der Mann, der vor ihr saß, war verzweifelt. Sie war eigentlich wirklich nur gekommen, um den Ort zu besichtigen, an dem Sirius 12 Jahre lang zu unrecht alleine gesessen hatte und gequält wurde. Dass Malfoy in dieser Zelle saß wusste sie vorher nicht, sonst wäre sie womöglich nicht hergekommen.

„Man hört hier drin Dinge und ich weiß, dass es Absicht ist, dass ich das hören soll. Der dunkle Lord will mich bestrafen indem er mir meine Familie nimmt."

Nichts. Nicht ein Hauch von Mitgefühl war in dem faltrigen Gesicht zu erkennen.

„Du hast kein Grund mir zu helfen. Schon klar. Aber mein Sohn und meine Frau -" Malfoy war wieder an die Gitterstäbe gesprungen und nachdem er sicher gegangen war, dass keine Gefangenen um sie herum waren, die hätten zuhören können, flüsterte er: „Ich kann euch helfen! Dem Orden des Phönix."

White lächelte mild, schritt dann gleichfalls einen Schritt nach vorne und näher zu dem Gefangen an die Gitterstäbe heran.

„Der Orden des Phönix braucht keine Hilfe eines Feiglings," sagte sie herablassend. „Glaubst du wirklich, nach den etlichen Malen in denen du versucht hast mich und James umzubringen, nach all dem, was du James angetan hast – der Folter, der du ihm ausgesetzt hast - nach all dem, was du Patricia angetan hast, Lilli und Sirius angetan hast, Mr. Potter angetan hast, glaubst du wirklich, dass ich dir freiwillig helfe? Dass es mich auch nur im geringsten kümmert, was mit deiner Familie ist, wo du meine so kaltblütig verletzt hast?"

Sie lachte verachtend und Malfoy war sichtlich am platzen. Es war eine Mischung aus Verärgerung, weil sie auf ihn herab sah, und aus Angst, weil er sich nun wirklich an niemanden mehr wenden konnte. White schüttelte den Kopf und atmete tief ein, um sich wieder zu beruhigen.

„Ich helfe," sagte sie auf einmal und Malfoy sah langsam ungläubig auf. Es hatte ihm die Sprache verschlagen und so war das einzige, was er noch tun konnte, hart zu schlucken und zu hoffen, dass dem kein Schlag ins Gesicht folgte.

„Ich helfe nicht dir," stellte White jedoch klar. „Ich werde deine Frau und dein Sohn in Schutz nehmen. Ich weiß nicht, ob ich rechtzeitig komme. Diese Gerüchte habe ich auch schon gehört und sie sind schon eine Zeit lang im Umlauf...

Ich tue es für Cord. Weil er ein Freund war."

White drehte sich wieder um und wollte den Ort gerade verlassen, da sprach Malfoy aufs Neue.

„Er wird mich töten. Das ist dir klar, nicht wahr?"

Sie hatte sich dieses Mal nicht noch mal umgedreht, obgleich sie sehr wohl stehen blieb. Er hatte recht. Ihr war es klar.

„Wenn du meine Frau und mein Sohn schützt, wird der dunkle Lord mich töten, weil er glaubt, dass ich ihn verraten habe und wir dir helfen. Egal, was in der Vergangenheit vorgefallen ist. Könntest du wirklich damit leben, jemanden absichtlich im Stich zu lassen, wenn er dich um Hilfe bittet?"

White schloss die Augen. Wusste Malfoy wirklich, was er von ihr verlangte? Wie hätte sie James noch in die Augen sehen können, wenn sie ausgerechnet Lucius Malfoy schützte? Wie hätte sie sich selbst noch in die Augen sehen können, wenn sie ausgerechnet dem Mann half, der für den Tod von Patricia Potter verantwortlich war, der Hexe, die für sie selbst wie eine große Schwester war? Wie hätte sie Michael Potter noch gegenübertreten können, wenn sie denjenigen beschützt, den er so über alle Maßen hasste? White drehte sich nicht noch mal um, sie verließ Askaban.


Heute

White atmete tief durch. Die Wahrheit war, dass sie alle dasselbe von ihr gewollt hätten und sie hatte es getan. Beide Jungs sahen zur Seite als sie Schritte hörten. Es war eine sehr ernste Professor White, die auf sie zukam und vor ihnen stehen blieb. Harry und Malfoy waren auf der Stelle aufgesprungen, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein.

„Professor? Was ist mit meinem Dad?!"

White sah den Jungen niedergeschlagen an und Malfoy sank verzweifelt halb zu Boden. Hätte er sich nicht an der Türklinke festhalten können, er wäre ganz in die Knie gegangen.

„Nein..."

„Er lebt," sagte White sofort und Malfoy hatte sie augenblicklich hoffnungsvoll angesehen. Hatten eben noch seine Knie nachgegeben, besaß er für diesen einen Moment wieder genug Kraft, um sich erneut auf die Beine zu hieven und die Professorin erwartungsvoll anzusehen.

„Aber sein Zustand ist sehr ernst. Ich weiß nicht, ob er es schaffen wird. Er kann nicht bewegt werden. Wenn du es wünscht, bringe ich dich zu ihm."

Malfoy wischte sich erneut die Ansätze der Tränen von den Augen und stellte sich aufrecht vor der Direktorin hin.

„Ja, ich will zu ihm," sagte er entschlossen. White nickte verstehend, warf Harry einen kurzen Blick zu und schritt dann wieder hinab. Malfoy hatte nicht gezögert ihr sofort zu folgen und so kehrte Harry zurück in das Zimmer von Jilli und Sirius.

Seine Gedanken waren wirr und merkwürdig. Draco tat ihm leid und was immer zwischen ihnen auch in den letzten Jahren abgelaufen war, was immer der Mitschüler auch getan hatte, das jetzt wünschte Harry keinem, nicht mal ihm. Er empfand mehr Mitgefühl als er gedacht hätte.

Er bog gerade um die Ecke ins Zimmer hinein, da blieb er wie angewurzelt stehen. Für eine Sekunde glaubte er nur zu fantasieren. Jilli und Sirius saßen eng umschlungen auf der Fensterbank. Sirius hatte seinen Hand um Jilli's Kopf gelegt und sie liebevoll an seine Brust gedrückt während Jilli ihn mit beiden Händen auf seinem Rücken fest an sich gedrückt hatte.

Harry wartete – Es hätte nur Einbildung sein können und jeden Moment verschwand das Bild vor ihm und seine Schwester und Sirius lagen wieder bewusstlos auf ihren jeweiligen Betten. Die Minute verging und beide ließen einander los als sie ihn bemerkten und wandten sich ihm zu. Jilli hatte Tränen in den Augen, Sirius dagegen stand auf und lächelte ihn an.

Lass das nicht ihre Abbilder sein, dachte Harry verzweifelt. Lass das nicht ihre Abbilder sein... Lass das nicht ihre Abbilder sein – Bitte, bitte, lass das wahr sein.

„Harry," sagte Sirius deutlich und Harry's Herz setzte für einen Moment aus. Abbilder sprachen normalerweise nicht. Die Angst war weg und was aufkam war pure Freude. Er lächelte ebenfalls und in der nächsten Sekunde lag er in Sirius' Armen und umarmte seinen Patentonkel. Er drückte so verzweifelt fest zu, nur um sicherzugehen, dass dies kein Illusion war. Er blickte hinter seinen Patentonkel und sein Blick traf den seiner Schwester. Sie lächelte mit glasigen Augen und nickte ihm beruhigend zu. Harry hatte in diesem Moment das Gefühl, er könnte lachen. Einfach nur aus tiefstem Herzen lachen und nie wieder aufhören.

„Es sieht sehr gut aus," teilte Stradford ihnen mit. Harry hatte sofort den anderen im Haus Bescheid gegeben und das waren lediglich Yorick und Stradford. Letztere nahm sich auf der Stelle den beiden Patienten an und führte verschiedene Heilzauber aus.

„Alles weitere werde ich mit Professor White besprechen, wenn sie wieder zurückkommt. Weiß sie Bescheid?"

Die letzte Frage war an Yorick gewandt, welche nickte, dann aber zur Seite den Flur entlang blickte und einen Schritt von der Tür wegtrat. Harry sah den Grund. White betrat das Zimmer.

„Wir haben's geschafft," sagte Jilli, da sich Sirius und White wortlos angestarrt hatten als wäre die Welt um beide herum zum Stillstand gekommen. Die ältere Hexe wandte sich Jilli mit einem sanften Lächeln zu und nickte.

„Ja, das habt ihr," stimmte White ihr leise zu. Stradford hatte einen kurzen Moment White und dann Sirius angesehen, bevor sie alle dazu aufforderte den Raum zu verlassen und ihnen einen Moment für sich zu geben.

Harry warf einen Blick zurück, bevor er den Raum verließ und obwohl das Bild, dass sich ihm bot, sehr gewöhnungsbedürftig war, so erkannte er doch im Gesicht seines Patenonkels, wie sehr er das auch wollte. Sirius war glücklich. Bevor sich die Tür schloss, beobachtete Harry wie Sirius White die Hand reichte und sie ihre langsam, gar zitternd auf die seine legte. Den Ausdruck in ihrem sonst sehr verschlossenen Gesicht hatte er zum ersten mal gesehen. Sie war genauso glücklich wie sein Patenonkel es gewesen war.

Nachdem sie alle nach unten ins Wohnzimmer geschritten waren, wandte sich Harry an seine Schwester. Er war richtig erleichtert, dass ihr nichts passiert war und sie wie gehofft wieder aufwachte. Jilli lächelte ihn ebenfalls sanft an – und es war dieser Moment, der ihm einen Stich ins Herz versetzte. Irrte er sich... oder zierten ihre Haselnussbraunen Augen dunkle Schatten? Er hatte vorher sehr oft in ihre Augen sehen dürfen und stets waren sie vertraut, warmherzig und liebevoll. Für diesen einen Moment aber hatte er das Gefühl als ob sie ihm nicht mehr vertraut waren, sondern fremd und kalt.

Harry versuchte sich nichts von seinen Sorgen anmerken zu lassen und dennoch zu lächeln. Es dauerte nicht lange, da hatten Brian, Remus und Tonks das Haus durch den Kamin betreten.

„Stimmt es?!" fragte Letztere an Harry gewandt. „Sirius ist aufgewacht?"

Er nickte.

„Jilli!"

Remus schloss die junge Hexe sofort in die Arme nachdem er sie erblickte. Harry beobachtete die beiden und obwohl der Freund offenbar nichts außergewöhnliches bemerkt hatte und sich mit seiner Patentochter normal und erleichtert unterhielt, konnte Harry seine eigenen Sorgen dennoch nicht abschrauben. Wenn er doch nur hätte sicher sein können, sich das nur eingebildet zu haben.

Ein bellendes Lachen unterbrach seine Gedanken und er wandte sich wie alle anderen auch zur Seite. Da standen Sirius und White am Treppenende, sein Patentonkel aber hatte nur einen von ihnen allen angesehen und das war Remus, welcher seine Patentochter los ließ und ohne zu zögern auf den Freund zugeschritten war. Harry sah zu, wie sich die beiden besten Freunde umarmten. Dann sah Sirius zu Brian, der sich nicht gerührt hatte, sondern bei Tonks stehen geblieben war. Sirius schritt auf ihn zu, legte ihm beide Hände auf die Schulter und verzog erneut ein Lächeln.

„Hallo, Sohn," sagte er stolz und drückte ihn fest in seine Arme. Brian schluckte hart und drückte seinen Vater zurück.

„Hallo... Dad..." flüsterte er für die anderen kaum hörbar, aber Sirius hatte es dennoch gehört.

„Frohes neues Jahr," sagte Yorick nach einer Weile plötzlich, woraufhin sich alle der Hexe überrascht zuwandten. Sie waren hier so abgeschieden, dass kein Feuerwerkslärm zu ihnen durchgedrungen war, und es befand sich auch keine Uhr in dem Haus. Harry hatte ganz vergessen wie spät es gewesen war und auch welchen Tag sie eigentlich hatten.

Yorick und Stradford brachten für alle Getränke, damit sie gemeinsam anstoßen konnten. Wenn schon ohne Feuerwerk und lauten Knall, dann doch wenigstens mit etwas zu trinken.

In einem passenden Moment, alle schienen sich miteinander zu unterhalten, wandte sich Harry an Professor White, welche sich nicht unterhalten hatte, sondern an der Wand gelehnt tief in den eigenen Gedanken vergraben in die Ferne blickte.

„Professor?" versuchte er es leise. Sie hatte sich sofort zu ihm gedreht und auffordernd angesehen.

„Kann ich mit ihnen sprechen? Ich glaube, es ist wichtig."

White blickte über ihn hinweg zu Sirius, Brian, Remus, Tonks und Jilli und atmete schwer aus.

„Du verschließt dich nicht, Harry. Deine Gefühle und Gedanken waren den ganzen Abend frei zugänglich für mich und ich hatte heute nicht mehr die Kraft mich vor irgendwelchen Gefühlen zu verschließen.

Vorher, um das andere in dir zu klären, Lucius Malfoy ist nicht tot. Aber sein Zustand ist besorgniserregend. Er ist nicht aus Askaban geflohen. Voldemort hat ihn herausgeholt, um es zu Ende zu bringen. Ich hatte gehofft, er wäre in Askaban vorerst sicher, aber man sollte nie die Gier eines grausamen Sadisten nach Vergeltung unterschätzen.

Stradford hat getan was sie konnte, um zu helfen. Der Rest liegt an dem Zauberer selbst. Ich würde nicht damit rechnen Draco sofort nach den Ferien wieder in Hogwarts zu sehen. Je nachdem wie es ausgeht jedenfalls.

Was das eine betrifft, worum du dich am meisten sorgst - so gerne ich dich belügen möchte, die Wahrheit ist, dass ich mir auch Sorgen, um sie mache."

Sein Herz sank ihm in die Knie. Er hatte gehofft, White würde etwas anderes sagen, würde ihn beruhigen können.

„Ich möchte nicht, dass du dir Vorwürfe machst. Jilli und Sirius leben und nur das zählte jetzt."

Er nickte abwesend, dann jedoch sah er sie eindringlich an.

„Ist es... schlimm? Das mit Jilli?"

White zögerte mit einer Antwort, nachdem sie ihn ebenfalls angesehen hatte.

„Nicht, wenn du es schaffst das Gleichgewicht mit Gryffindor's Magie in dir zu schaffen," antwortete sie ernst. Harry schluckte hart. Er wusste nicht genau, was sie damit meinte oder was das genau hieß. Dennoch, er würde alles tun, um das zu erreichen. Er musste einfach. Jetzt, wo er soweit gekommen war. Er stand an einem Punkt, an dem er noch vor 5 Monaten glaubte, nie stehen zu können.

Harry hatte damals gedacht, dass er Voldemort womöglich nicht schlagen kann, dass er die Horkruxe niemals finden würde und dass er bei dem Versuch gegen Voldemort zu kämpfen wahrscheinlich draufgehen würde. Nie hätte er gedacht, dass er 5 Monate später in einem Zimmer mit seiner Schwester und seinem wieder zum Leben erweckten Patenonkel stehen würde und dass er eine Patentante haben würde, der er tatsächlich glaubte, dass sie ihm in dem Kampf gegen Voldemort soweit voran bringen konnte, dass er auch wirklich gegen den Zauberer ankommen würde. Hier stand er nun und fasste den Entschluss, dass er alles tun würde, damit dies ein gutes Ende nahm – wenn auch nicht für sein eigenes Leben, dann doch für das derjenigen, die ihm wichtig waren.