Mut und Liebe haben eines gemeinsam: Beide werden von der Hoffnung genährt.

- Napoléon Bonaparte


- Kapitel fünfundzwanzig -

Die Ruhe vor dem Sturm

Seit fünf Tagen wartete Bulma auf die niederschmetternde Nachricht, dass sie zum Palast zurückkommen sollte. Zwar keimte in ihr die Hoffnung, dass sie eine Absolution erhielt, doch allzu groß ließ sie diesen Lichtblick nicht werden, da die Enttäuschung am Ende nur größer wäre. Mit jedem weiteren Tag der dazu kam, wurde Bulma sichtlich empfindlicher, sie wurde ungeduldiger, während ihr Körper sie in die unterschiedlichsten Lagen versetzte, die sich darin äußerten, dass ihr einmal übel wurde, das andere Mal war sie kurz davor in Tränen auszubrechen oder sich einfach in ihrem Zimmer zu verbarrikadieren, bis Kakarott drohend vor ihrer Tür stand, jederzeit bereit, diese einzutreten und das alles geschah innerhalb von fünf Tagen. Wenn sie sich nicht verrechnete, war sie seit knapp vier Wochen schwanger, was ihr im Anschluss wie ein Traum erschienen war. Vier Wochen, in denen sie so viel erlebte, wie in den letzten Jahren nicht mehr – die Wochen, die sie vorher gezwungenermaßen mit Vegeta verbringen musste, versuchte sie, so weit es ihr möglich war, von sich zu schieben, da sie sich vor den positiven Erinnerungen fürchtete.

Dass es überhaupt positive Erinnerungen gab, war schon affrös, weil sie etwas positives nicht mit Vegeta in Verbindung bringen wollte. Aus dem einfachen Grund, ihn irgendwann zu hassen, wenn sie nur fest daran glaubte.

Ungeachtet dessen, was wäre, wenn die Gefühle zu Vegeta stärker wurden? So, wie Radditz es ihr erklärte und sie keinen Einfluss auf ihre Gefühle hatte? Die blauhaarige Saiyajin wollte sich nicht einer Illusion, die ihr ein schönes Leben an Vegetas Seite versprach, hingeben, denn das würde nur darauf hinauslaufen, dass sie sich schneller in ihn verlieben würde, bis die Erkenntnis kam, die sie hart auf den Boden schlagen wollte, ohne eine Art Sicherheitsnetz, das sie zuvor auffangen konnte.

In den letzten fünf Tagen versuchte sie sich erfolglos einzureden, wie gemein der König der Saiyajins war, wie elitär, durchtrieben und ordinär. Alles, was ihr helfen konnte, die Gefühle im Anfangsstadium zu separieren. Parallel wurde ihr aber auch bewusst, dass – egal, wie sehr sie versuchte, sich diesen Gefühlen zu entziehen – sie immer mit Vegeta, sofern das Kind zur Welt kam, verbunden blieb und schlussendlich doch an ihn denken musste.

Bulma kniete auf ihrem Bett, die Arme lagen auf der Fensterbank, während sie ihr Kinn darauf stützte und den Windzügen, die die Bäume weiter hinten im Abendlicht sanft hin und her schmiegten, als würden sie ein Kind in den Schlaf wiegen wollen, zusehen konnte. Es wirkte so unfassbar beruhigend auf sie, dass sie Stundenlang dem Schauspiel hätte zusehen können, doch kurz hob sie ihren Kopf, um nach unten auf ihren noch flachen Bauch zu blicken.

So schlecht es ihr auch ging, so glücklich war sie, wenn sie ihren Bauch betrachtete und ihre gewärmten Hände darüber strichen. Schließlich liebte eine Mutter ihr Kind, obwohl sie es noch gar nicht kannte oder im Arm hielt. „Ich werde dich immer beschützen und ich glaube", schmunzelte sie, „selbst Radditz wirst du weich kochen können." Doch die Angst, ihren Sohn nie im Arm halten zu können, schwebte wie eine dunkle Gewitterwolke über ihr, denn Vegeta klang wild entschlossen, alles daran zu setzen, dass Bulma ihr Kind nicht austragen konnte. Sicher fand er Mittel und Wege, was sie ängstlich ausatmen ließ.

Einen Weg, von diesem Planeten zu flüchten, fand sie sowieso nicht. Man nahm Radditz in ihrem Beisein die Schlüssel weg und wie sonst hätte sie eine Flucht planen können? Kakarott besaß dagegen nicht einmal einen Schlüssel. Auch dank der dämlichen Scouter, erschien ihr eine Flucht aussichtslos. „Davon lassen wir beide uns nicht unterkriegen, oder?", flüsterte sie ihrem Bauch zu, da sie sich einredete, er würde ihre Gedanken verfolgen können, als sie danach wieder aus dem Fenster in die Ferne sah. „Nein, davon bestimmt nicht."

„Bulma!"

Das Klopfen an ihrer Tür ließ die Angesprochene hochschrecken. Sofort dachte sie, Vegeta wäre gekommen, der unten auf sie wartete, um sein Urteil zu vollstrecken. „Komm rein, Radditz", rief sie stockend zurück. Sie nahm eine gemütlichere Sitzhaltung auf ihrem Bett ein, ließ ihre Füße zum Boden taumeln und nahm den Blick vom Fenster, nachdem Radditz die Tür schloss und unschlüssig in ihrem Zimmer stand. Sein Gesicht war bleich, er wirkte – wie Bulma – so viel älter. Die dunklen Augenringe verstärkten das Bild eines abgekämpften Saiyajins, der mit sich zu hadern schien und eigentlich gar nicht hier sein wollte. „Ist alles in Ordnung?"

„Ähm, ja. Mir geht es gut", räusperte er sich und für Bulma war es so ungewohnt, ihren ältesten Bruder so verunsichert zu sehen. Selten geschah es, dass Radditz so... zaghaft vor ihr stand, da er es doch war, der nicht lange um den heißen Brei reden wollte, sondern sofort handelte, aber auch ihn hatten die letzten Wochen eindringlich geprägt. „Ich dachte, es würde dich interessieren, dass dein Freund geheilt wurde. Er wird sich erholen und wieder auf die Beine kommen."

„Aber... Woher weißt du das? Du darfst doch momentan gar nicht zum Palast?" Wäre die Situation nicht zu ernst, hätte sie Radditz entgegen gelächelt und ihn dahingehend belehrt, wie gefährlich es werden konnte, wenn man sich gewissen Anweisungen widersetzte, doch die Situation ließ es nicht zu.

„Na und? Ich wollte dir lediglich davon erzählen", brummte er und ging sofort in seine defensive Haltung zurück, verkroch sich in seinem Schneckenhaus, aus dem er nur selten herauskam. „Ich muss noch weg und ich hätte gerne was zu essen, wenn ich zurück komme."

„Nein, warte", hielt Bulma ihn zurück, bevor sie aufstand und zu Radditz aufschloss. „Ich war nur überrascht und verwundert", schilderte sie ihm, während er geradeaus sah und mit seiner Mimik zu kämpfen hatte. „Weißt du auch, wo Yamchu wohnt? Ich würde ihn gerne besuchen und Techniker dürfen den Palast verlassen, weshalb ich davon ausgehe, dass er in der Stadt wohnt." Unterdessen hörte sie Vegetas Worte in ihrem Unterbewusstsein, sich Yamchu nicht mehr zu nähern, doch sie schaffte es, die Worte in ihrem Unterbewusstsein einzusperren, sodass sie Bulma nicht beeinflussen konnten. Außerdem bemerkte sie Radditz' argwöhnischen Blick, weshalb sie fortfuhr. „Ich weiß, das klingt verrückt, aber er hat mir wenig über sein Leben erzählt, da ich immer damit beschäftigt war, mich aufzuregen und mich in seiner Anwesenheit auszulassen. Demnach weiß ich nicht einmal, wo er wohnt." Sie kam gerade in Fahrt, um mit ihrem Bruder ein Gespräch zu beginnen. „Ich war vermutlich nur am jammern, aber er hat mir bedingungslos zugehört und -"

„Ich rate dir davon ab, Bulma. Suche nicht nach ihm und geh auch nicht in die Stadt. Das wäre unklug." Ha, wie schwach Radditz geworden war. Er konnte ihr nicht einmal den wahren Grund seines Auftauchens erzählen? Wie mies er sich doch fühlte. „Ich möchte nichts heraufbeschwören, aber es macht mir erhebliche Sorgen, dass noch niemand hier war und ich glaube nicht, dass du ungesehen durch die Stadt rennen kannst. Vegetas Augen sind – auch wenn du sie nicht siehst – überall, dank uns... Dank seiner Wachen. Er weiß, wenn jemand, über den er alles herausfinden will, niest, isst, schläft und weiß der Teufel, was ihm noch einfällt herauszufinden."

Sie hatte Radditz und Kakarott von ihrem Streit mit Vegeta erzählt, auch die daraus resultierende Flucht und ihrer Bitte, sie nach Hause zu lassen. Deswegen kam niemand zu ihnen nach Hause und doch schien sich Radditz zu sorgen, was auch Bulma zusätzlich beunruhigte. „Kann ich dich was fragen?"

„Was?" Sein Kopf wanderte langsam nach rechts, um direkt in das Gesicht seiner kleinen Schwester zu sehen. Selten geschah es, dass er sie so intensiv ansah, und doch hatte er immer stets seine großen Hände über sie gelegt und wofür? Um sie zu schützen, was letztendlich nicht funktionierte. „Ich hoffe, du hast keine weiteren Freunde im Kerker, Bulma. Das werde ich nicht überleben", scherzte er, jedoch mit der notwendigen Ernsthaftigkeit in der Stimme.

„Nein. Ich wollte wissen", druckste sie herum, während sie nervös an Radditz' Ärmel zupfte, „ob du dich auf ihn freust? Weißt du", begann sie schnell hinzuzufügen, „Kakarott tut es und ich wünsche mir, dass du dich ebenso freust."

„Kakarott freut sich immer, sobald man etwas in die Sparte „schön und erfreulich" kategorisieren kann. Unser Bruder wird wohl immer ein kleines Kind bleiben, das einfach nur weiter wächst. Jedenfalls", gluckste er verlegen, „wird es nicht langweilig, wenn... wenn er da ist." Allerdings vergaß er Vegetas Worte, hinsichtlich seines Missfallens, was das Kind betraf, nicht. Bulma zu sagen, dass sie sich nicht allzu große Hoffnungen machen sollte, dieses Kind gebären zu können, wollte er ihr nicht so prägnant näher bringen, da Vegetas Durchsetzungsvermögen mit nichts gleichzusetzen war. Zwar wäre sein Schweigen nicht besser, aber er wollte ihr einfach die Ruhe, die sie offensichtlich so dringend benötigte, gönnen.

„Stimmt, langweilig wird es sicher nicht", lächelte sie Radditz, der sie um zweieinhalb Köpfe überragte, entgegen. Aus seiner Antwort konnte sie jedoch schließen, dass ihr großer Bruder sich insgeheim freute. Es war eben, nun ja, ein versteckter Hinweis. „Aber wieso kann man jetzt schon spüren, was es wird?"

Radditz war wahrlich der Falsche, mit dem sie über dieses Thema reden konnte. „Das... Das ist vom Ki abhängig."

„Oh, wirklich?" Vergeblich versuche Bulma, sich auf etwas zu konzentrieren, doch es gelang ihr nicht, da sie auch viel zu aufgeregt war. Sie freute sich jetzt schon darauf, obwohl die Voraussetzungen besser sein könnten und sie anfangs, als Vegeta sie über ihre Schwangerschaft aufklärte, dem selbst skeptisch gegenüberstand. Jedoch waren die Gedanken so schnell verflogen. „Ist das bereits jetzt schon so ausgeprägt? Das ist so außergewöhnlich", sinnierte sie.

„Ja, der Ki des männlichen Geschlechts unterscheidet sich von dem des weiblichen. Aus dem Grund sind wir auch in der Lage, aus der Ferne auszumachen, ob unser Gegner männlich oder weiblich ist." Er wollte dieses Thema schnell abhaken, denn es war ihm sichtlich unangenehm, darüber zu sprechen – vor allem mit seiner schwangeren Schwester, in deren Bauch der Thronerbe heranwuchs. Vegetas Sohn! „Ich wollte dir übrigens noch etwas anderes zeigen", entfuhr es ihm angespannt, als er etwas aus seinem Brustpanzer herauszog. Als er die Treppen nach oben stieg, war er überzeugt, ihr mehr zu erzählen, doch jetzt, als er neben Bulma stand, ging ihm der Mut flöten, doch er riss sich zusammen.

Überrascht nahm sie das, was Radditz ihr entgegenhielt, in ihre Hand und drehte das Foto herum. Darauf erkannte sie Radditz in seiner üblichen Manier, die Arme grimmig vor der Brust zu verschränken, den Blick genervt zur Seite gerichtet, während eine kleinere, schwarzhaarige Saiyajin neben ihm stand, welche beide Arme um einen der muskulösen Arme von Radditz schlang, während ihr linkes Bein nach hinten ausgestreckt war und sie freudig, fast übertrieben in die Kamera grinste.

„Ist sie das?" Bulma traute sich nicht, den Namen auszusprechen und begann erst zu sprechen, nachdem Radditz nickte. „Sie sieht so hübsch aus", bemerkte sie und besah sich das Foto genauer. Im Hintergrund erkannte sie viele Häuser, woraus sie schloss, dass das Bild in der Stadt aufgenommen wurde, da auch noch andere Saiyajins im Hintergrund zu erkennen waren. „Und glücklich", fügte sie bedächtig hinzu. Im Gegensatz zu ihr und Vegeta, schien Yuna an Radditz' Seite glücklich gewesen zu sein und es stimmte Bulma traurig, dass ihrem Bruder dieses Glück genommen wurde. Wer wusste, wie Radditz geworden wäre, wenn der Angriff nicht passiert wäre? Noch immer hielt sie die Fotografie in den Händen, nachdem sich der schwarzhaarige Saiyajin umdrehte und zu Bulmas Bett schritt, sich jedoch nicht darauf niederließ. Stattdessen war sein Blick aus ihrem Fenster gerichtet.

„Hast du... Hast du noch das Band?"

Bulma wirkte für den Moment konfus, bis ihr einfiel, was Radditz meinte, woraufhin sie zu einem der Regale ging und ihre Bauchtasche herausfischte, ehe sie ihm das Band, sowie das Foto wieder gab. „Woher der Sinneswandel, Radditz? Ich dachte", wisperte sie getroffen und sah ebenfalls aus dem Fenster, „dass mich das einen feuchten Kehricht angeht?" Sie hatte ihn bewusst zitiert, um ihm zu zeigen, dass sie, anhand seines mangelnden Taktgefühls, gekränkt war. Früher hätte sie es wortlos akzeptiert, doch sie war in den letzten Wochen so vielen Strapazen und Auseinandersetzungen ausgesetzt worden, dass sie daran gewachsen war. Zwar nörgelte bereits ihr Gewissen, ihrem Bruder eine solche Antwort gegeben zu haben, doch die Kränkung saß noch zu tief, als dass sie über seine Äußerung einfach hinwegsehen könnte.

„Ich hatte die letzten Tage viel Zeit, um über einiges nachzudenken. Das war ein Segen und Fluch zugleich und die Einsicht, dir so oft in vielerlei Dingen Unrecht getan zu haben, war schmerzlich. Ich schätze, ich wollte dir hiermit zeigen", erklärte er und hielt das Foto nach oben, „dass ich oft falsch lag und dir gegenüber hätte ehrlich sein müssen. Schließlich bist du kein Kind mehr, Bulma. Als wir drei, du, Kakarott und ich, auf uns alleine gestellt waren, das war auch eine Umstellung für mich. Schließlich habe ich dich aufwachsen sehen und doch habe ich immer das kleine Kind in dir gesehen." Dieses Gespräch war ein Meilenstein in ihrem bisherigen Verhältnis, dessen war er sich sicher, als er das Foto in seinen Brustpanzer zurück steckte.

„Und dieses Gespräch? Findest du es sehr schlimm?" Sie schätzte seine Offenbarung sehr, denn damit hätte sie nie im Leben gerechnet. Dass ihr Bruder seinen Stolz über Bord warf, um ihr das zu sagen, grenzte an ein Wunder, weshalb sie auch nicht auf seine Worte einging.

„Ja, sehr schlimm. Und es wird so schnell auch nicht wieder passieren", erwähnte er, bevor er seinen Kopf etwas nach links drehte und grinsend zu Bulma sah.

„Es wäre auch in Ordnung gewesen, wenn du mir all das nicht gesagt hättest."

„Ach, wirklich?" Sein Grinsen verschwand nicht. Viel eher wurde es breiter, auch zum Teil gehässiger.

„Wirklich!", bestätigte Bulma ihm. „Mir ist dank Kakarott klar geworden, dass du immer zu uns stehen wirst, auch wenn du uns das auf eine andere Art zeigst, die zwar recht ungewöhnlich ist, man sich aber nach achtzehn Jahren daran gewöhnt haben sollte."

„Sieh an", lachte Radditz, seine Arme noch immer verschränkt, nun deutlich erleichterter auf. „Kakarott scheint in solchen Momenten in Trance zu sein, wenn er sich seines Alters entsprechend verhält." Ha, nicht nur sie wurde anscheinend von Kakarott gelehrt, auch Radditz, denn sein jüngerer Bruder – auch wenn Kakarott oft den Anschein machte, in seiner kindlichen Welt stecken geblieben zu sein – wusch auch ihm mehrmals den Kopf.

„Du solltest dich öfter mit ihm unterhalten. Dann würde dir auffallen, dass man sich mit ihm allemal erwachsen unterhalten kann", erwiderte Bulma spitz.

„Ich garantiere dir", fing er das Thema noch immer amüsiert auf, „dass ich mich mit Kakarott öfter unterhalte, als mir lieb ist und das, was ich höre, reicht für ein ganzes Leben." Durchaus war das so, und Radditz hasste Kakarotts Gesprächsthemen, da diese sich grundsätzlich nicht ums Kämpfen drehten, sondern von seinen verquerten Ansichten, wie schön das Leben doch sein könnte. „Aber ich mache mich langsam auf den Weg."

„Wohin gehst du?" Bulma hätte sich gerne noch länger mit ihm unterhalten, einfach, weil sie noch nie so offen gesprochen hatten und Radditz meist das Weite suchte, wenn sich die Möglichkeit ergab, ein tiefgründigeres Gespräch mit ihm zu beginnen. Der Umstand, dass Radditz kein Saiyajin war der viel redete, war ihr bekannt, aber... er war doch ihr Bruder. „Bleibst du lange weg?"

Er sprach, während er zur Tür ging und seine Hand auf die Türklinke legte. „Ich werde noch in die Stadt fliegen und zum Palast. Gib mir zwei Stunden, dann bin ich zurück, wo mich hoffentlich ein Essen erwarten wird."

Ach, sie hätte ihn gerne darum gebeten, noch einmal nach Yamchu zu sehen, aber sicher wäre das eine zu gewagte Frage, oder? Wenn Radditz auffiel, würde man ihn nicht noch einmal so glimpflich aus der Sache herauslassen. Dann wäre sie schon wieder dafür verantwortlich, wenn man ihn zur Rechenschaft zog. „Radditz, warte. Bevor du gehst... Ich -"

„Ja?" Daraufhin drehte er seinen Oberkörper zur Seite, wo er Bulma noch vor ihrem Bett stehen sehen konnte. Sie schien zu überlegen, wie sie ihre Frage am besten stellen konnte.

„Waren Kakarott und ich dir eine große Last? In all den Jahren?"

Seine Schwester wusste genau, wie sie ihre Fragen stellen musste, um eine adäquate Antwort auf ihre Frage zu erhalten, wenn Radditz ihr schon aus dem Weg gehen wollte, was solche Informationen anging. Er konnte ihr das Verlangen, solche Dinge zu erfahren, nicht einmal übel nehmen. Bulma war eben so, aber er nicht, weswegen auch seine Hand leicht zitterte und er ihrem Blick auswich. Zur Hälfte hatte er die Tür geöffnet, ohne hindurchzugehen, sondern nur seinen Blick in den dunklen Flur wandern zu lassen. „Nein, wart ihr nicht." Mit diesen Worten ließ er seine Schwester in ihrem Zimmer zurück, ehe er eilig durch die Tür ging und diese hastig ins Schloss warf.

Während Radditz mit dem Rücken zur Tür lehnte, tat Bulma dasselbe in ihrem Zimmer. Auch sie lehnte mit dem Rücken zur Tür und schnaufte, ähnlich wie Radditz, die angehaltene Luft, als sie auf seine Antwort wartete, nach draußen. Allerdings stahl sich relativ schnell ein Lächeln auf das Gesicht der beiden, bevor Bulma zu ihrem Bett ging und Radditz die Treppen hinab stieg.

XxX

Er wusste nicht wieso, aber Vegeta beschlich ein ungutes Gefühl, nachdem er sich seinen Umhang über seine Schulterpolster legte und zum Balkon trottete. Die Dämmerung hatte sich schon vor etlichen Stunden über Vegeta-Sei gelegt, die Sterne waren schon lange am Firmament zu sehen und Vegeta hatte mitgezählt: Seit fünf Tagen stand er jeden Abend – jede gottverdammte Nacht – auf seinem Balkon, starrte zu den Sternen hinauf, in der Hoffnung, die Lösung würde vom Himmel herabfallen, direkt vor seine Füße, aber auch heute war es nicht passiert. Es würde auch niemals passieren.

Auch heute Nacht fiel ihm die Lösung nicht vor seine weißen Stiefel, woraufhin er sich grummelnd vom Boden abstieß und in der Nacht verschwand – wie die letzten vier Nächte, zur selben Uhrzeit, zur selben Stunde, als wäre es ein normales Verhalten, ein Ritus, seitens Vegeta. Nicht einmal sein hartes Training, das ihn so sehr beanspruchte und er noch mehr – seit Freezers Angriff – intensivierte, konnte ihn von seinem Vorhaben abhalten. So sehr war er darauf angewiesen, das zu tun, was er die letzten Nächte tat.

Sein Königreich lag in restloser Dunkelheit. Nur durch wenige Fenster konnte man noch Licht erkennen – meist aus den zwielichtigen Gegenden. Doch das kümmerte ihn nicht. Stattdessen setzte er seinen Weg unbekümmert fort, bis er an seinem Ziel ankam, die Geschwindigkeit verringerte und sachte am Boden landete. Kurz schloss er seine Augen, prüfte gewissenhaft seine Umgebung, ehe er seinen pechschwarzen Umhang anhob, diesen über seinen Mund, bis hin zu seinem Nasenrücken zog und einen Schritt nach vorne trat.

Wie in den letzten vier Nächten zuvor, hatte Vegeta ruhig, still, unerkannt, das kleine Haus, das noch erheblich von Freezers Angriff – wie viele andere Häuser in seinem Königreich – gezeichnet war, vollständig umrundet, bevor er sich erneut in die Lüfte erhob, direkt vor ein Fenster, durch welches er, dank des Halbmondes, wunderbar hineinsehen konnte. Nur wenige Zentimeter trennten ihn von der Scheibe, worin er sich spiegelte und geruhsam seine Arme vor der Brust verschränkte.

Er wusste, er würde sich hiernach beruhigen, sich sichtlich entspannen und ruhig einschlafen, wenn er zum Palast zurück flog.

Lange währte diese ruhige Haltung jedoch nicht, als er das leere Bett durch die Scheibe erkennen konnte. Augenblicklich waren seine Augen aufgerissen, die Arme nach unten gesunken und sein sonst eher ruhiger Puls war unverzüglich in die Höhe geschossen. Fahrig schloss er seine Augen, um ihre Aura zu spüren, doch weder ihre, noch die zusätzliche, kleine Aura konnte er im Haus finden. Nein, er spürte die Auren außerhalb des Hauses und sein Kopf ruckte nach links, hinüber zum Wald.

Sie war wieder ganz die Alte, die sich Radditz' Anweisungen widersetzte und das Haus in der Nacht verließ. Diabolisch grinsend landete er auf dem Boden, näherte sich dem Waldrand und starrte in die sternenklare Nacht, bevor er in der Schwärze des Walds verschwand.

XxX

Bulma hatte es nicht länger ausgehalten – alleine zuhause zu sitzen und sich mit ihren Gedanken auseinanderzusetzen, die um Vegeta kreisten. Wann hatte er es geschafft, sich so vehement in ihren Kopf einzunisten, ohne ihn dort wieder vertreiben zu können? Hatte Bulma nicht die besten Gründe, ihn aus ihrem Leben zu verbannen, um weiter friedlich leben zu können, wie all die Jahre zuvor, als man sie noch vor Unterdrückung und Tyrannei bewahrte?

Doch, die Gründe waren evident.

Kakarott war schon im Bett und Radditz noch nicht nach Hause gekommen, obwohl sie ihm – wie er von ihr verlangte – sein Essen zubereitete und mit einer kleinen Notiz auf die Küchenzeile stellte. Aber als sie nach unten schlich, war das Essen noch unberührt, sowie sein leeres Zimmer, das Bulma vorfand, ehe sie sie zum ersten Mal – um diese Uhrzeit – das Haus durch die Tür verließ, statt des üblichen an der Ranke herunterklettern.

Seitdem war sie durch den Wald gewandert, mit einer leichten Wut im Bauch – darüber, dass sie noch immer über Vegeta nachdachte. Ihre Beine trugen sie immer weiter, immer tiefer in den Wald hinein, sie sog den frischen Duft der Bäume ein, während sie derweil versuchte, die warme Luft, die sich auf ihrem blassen Gesicht niederlegen wollte, abzuschütteln. Sie lief tapfer weiter und weiter – zu einem der vielen Seen, die Vegeta-Sei beherbergte. Dieser hier war jedoch ganz anders als der See, den Vegeta ihr gezeigt hatte.

Vielleicht konnte sie hier entspannen?

Der See erinnerte eher an einen großen Teich, aus dem das Schilf am Ufer hinausragte und viele unterschiedlich große Steine dem Ufer einen Rahmen boten. Das Wasser darin war, trotz des Nebels, der die umliegende Landschaft in etwas geheimnisvolles verwandelte, indes so klar, dass Bulma den tiefen Boden mit bloßen Augen erkennen konnte und sie kraftlos in das – von Tau bedeckte – Gras sank und ihre Finger sich in die Erde gruben. Noch vor Stunden hatte sie sich mit Radditz unterhalten, war glücklich darüber, dass er ihr das Foto von Yuna zeigte und ihr im selben Atemzug verdeutlichte, wie unglücklich sie doch neben Vegeta wäre, wenn er seinen Willen tatsächlich bekam.

Wunderbar. Ihre Wut paarte sich nun auch noch mit ihrer Trauer und der Wahrheit, gegen Vegeta chancenlos zu sein, was ihr schlussendlich die ersehnte Kraft raubte.

Ihre nachdenklichen Gesichtszüge, ihr leises Schluchzen und Seufzen wurden jäh unterbrochen, als ein Geräusch ihre Aufmerksamkeit erregte und Bulma erschrocken nach hinten sah und ihr nichts als schwarze Leere entgegensah, sowie ein kurzer Luftzug, welcher ihr entgegen blies. Schwer atmend sah sie sich um, doch niemand war hier – bis auf die Tiere, die vermutlich auch für das Geräusch verantwortlich gewesen waren.

„Du wirst noch verrückt, Bulma", seufzte sie, den Tränen nahe. Um sich zu akklimatisieren, beschloss sie, sich abzukühlen. Ein letzter prüfender Blick nach hinten, der ihr versprach alleine zu sein, ließ sie umdrehen und zum See herantreten. Sie streifte sich ihre Kleider vom Körper, bis auf ihre Unterwäsche, ehe einer ihrer Zehen im Wasser verschwand, den sie zuckend zurückzog. Das kristallklare Wasser war kälter, als sie zuvor angenommen hatte, doch genau diese Kälte würde ihre Sinne erfrischen, woraufhin sie mit einem Kopfsprung ins Wasser tauchte. Denn je schneller sie hinein sprang, umso schneller würde sich ihr Körper an die Temperaturen gewöhnen.

Mehrere Runden hatte sie gedreht, bis sie zum Ufer schwamm, noch einmal untertauchte und während sie nach oben schwamm, ihre Haare zurückkämmte, bevor sie erfrischt und keuchend die Oberfläche durchbrach. Gerade wischte sie sich das Wasser vom Gesicht, bevor sie ihre Augen blinzelnd öffnete und im selben Moment laut aufschrie, sodass selbst die schlafenden Vögel aus dem Schlaf gerissen wurden und wild zwitschernd aus den Baumwipfeln flogen.

Sichtlich erschrocken, über diesen heftigen Angriff auf sein Gehör, rieb sich Vegeta über sein Ohr und schüttelte zur selben Zeit seinen Kopf, um den ohrenbetäubenden Schmerz zu verbannen. Durch diesen Aufschrei wurden seine Ohren sicher in Mitleidenschaft gezogen.

„Vegeta, du... du hast mich erschreckt." Wieso war er jetzt schon wieder hier? Konnte man sie nicht einfach in Ruhe lassen, wenn sie sich in ihre kleine, eigene Welt – in der alles wunderbar war – zurückzog? Mit ihren Armen schwamm sie ein wenig zurück, um etwas Distanz zwischen sie beide zu bringen, ehe Bulmas Augen sich gefährlich nahe zusammenzogen. „Was fällt dir überhaupt ein, hierher zu kommen? Spinnst du?", brüskierte sie sich deutlich mutiger, als sie sich fühlte.

„Was machst du hier draußen?"

Standard. Vegeta antwortete ihr nicht, sondern stellte eine Gegenfrage. „Dasselbe kann ich dich fragen. Hast du niemanden, den du grundlos schlagen oder in die Kerker werfen kannst? Das sind doch zwei deiner unzähligen, sadistischen Hobbies." Sie wollte sich doch nur abkühlen, diese schrecklichen Gedanken an den Mann loswerden, der nun wieder vor ihr stand und in Bedrängnis brachte.

„Es ist mitten in der Nacht, komm raus und geh endlich nach Hause!" Er dachte gar nicht daran, sich vor ihr zu rechtfertigen. Diese törichte Saiyajin konnte sich nicht im Entferntesten vorstellen, wie geschockt Vegeta war, als er ihr leeres Bett durch die Fensterscheibe sehen konnte. Ihm wäre beinahe das Herz in die Hose gerutscht und es vergingen Sekunden, bis er sich beruhigte.

„Ich denke nicht daran. Ich bin nicht im Palast und du hast nicht das Recht, mich weiter zu schikanieren und jetzt", knurrte Bulma, die noch immer im Wasser trieb, „geh du nach Hause."

„Gut, dass du es ansprichst. Du hast dich wieder einmal, was mich mittlerweile langweilt, vom Palast entfernt, obwohl ich dir das nicht erlaubt habe. Schätze dich glücklich, dass ich dir wieder etwas durchgehen lasse und jetzt komm aus dem Wasser." Schnaubend zeigte sein Zeigefinger neben sich, damit sie sehen konnte, wohin sie gehörte.

„Wie heißt das Zauberwort?", provozierte Bulma ihn, ohne sich schlecht zu fühlen. Im Gegenteil.

„Sofort!", brüllte er zornig. „Ich gebe dir drei Sekunden und die, Onna, würde ich nutzen, denn wenn ich dich aus dem Wasser hole, ist das weniger amüsant. Also, beweg dich etwas schneller als gewöhnlich." Knurrend hatte er sich schon seinen Umhang ausgezogen, der einst seinem Vater gehörte, da er wusste, wohin sein nächster Schritt ihn führte. „Wirds bald?", fuhr er sie ungeduldig an, bevor er zu zählen anfing. „Eins." Sein Zeigefinger hob sich. „Zwei." Sein Mittelfinger gesellte sich zu seinem erhobenen Zeigefinger. „Letzte Chance, sonst -"

„Angst vor Wasser, oder wieso erinnerst du mich an das Bevorstehende, statt direkt zu handeln?" Ihr Zorn ließ sie noch mutiger werden. Andernfalls hätte sie sich nie getraut, so mit Vegeta zu sprechen, aber die Trauer war ein treuer Begleiter, wenn sie daran dachte, dass der Mann vor ihr sie zwang, ihr Kind zu verlieren. Allerdings unterdrückte sie diese Gedanken, legte ihre Hand leicht unter die Wasseroberfläche, ehe diese – mit einer geballten Ladung Wasser – nach oben schoss, Vegeta dieser Attacke jedoch gekonnt auswich. „Ich gehe nach Hause, wenn ich möchte und nicht, wenn du das willst, Vegeta! Du hast jegliches Recht – über mich zu bestimmen – verloren, als du verlangt hast, dass ich mein Kind aufgebe."

Ach, war dem so, ja? Denn nach Vegetas Erinnerungen zu urteilen, hatte sie sich stets gegen ihn aufgelehnt, statt ihm zu gehorchen, gar Befehle von ihm anzunehmen. „Drei!", schrie er böse auf und sprang – ebenfalls per Kopfsprung – in das kühle Nass. „Du hast es so gewollt, Onna", spuckte er, nachdem er auftauchte und hektisch nach ihr suchte. Das Weib hatte bereits einen größeren Abstand aufgebaut, den Vegeta aufzuholen hatte. Dass er sich auch noch immer zu solchen Spielen hinreißen ließ. War er wirklich schon einundzwanzig? Geistig offenbar noch nicht.

„Ich schreie Zeter und Mordio, wenn du näher kommst, Vegeta."

„Tu das, ich werde dich nicht aufhalten, aber wer soll dich hören?" Schnell hatte er sie eingeholt, woraufhin er sich auf Bulma stürzte, die ihre Hände gegen seinen Oberkörper stemmte. Daraufhin legte er seine Hand um ihren Rücken, während seine andere versehentlich auf ihrem Bauch landete.

„Nimm deine Hand weg!", verlangte sie aufbrausend, entfernte eine ihrer Hände von seinem Oberkörper, um mit dieser seine Hand, die auf ihrem Bauch ruhte, unter Wasser weg zu schlagen. Gleichzeitig versuchte sie, ihm noch einen herben Tritt gegen eines seiner Beine zu versetzen, doch – was ihr eigentlich hätte klar sein müssen – wurde ihre Kraft, die sie in diesen Tritt legte, durch das Wasser eingedämmt, sodass sie ihm keine erheblichen Schmerzen zufügen konnte. Hinzu kam, dass seine Hand erneut auf ihrem Bauch landete.

„Wolltest du nicht schreien?" Seine nassen Haare fielen ihm nach hinten über die Schulter und es war ihm egal. Das, was er nie mochte, war ihm gerade egal. Schnell hatte er einen seiner Handschuhe ausgezogen, um seine nackte Hand wieder auf die Mitte ihres Bauches zu legen. Wieso? Tja, hätte er es gewusst, hätte er womöglich dennoch seine Hand genau dort platziert, einfach, weil er den Kontakt zu ihrer Haut suchte. „Worauf wartest du? Schrei endlich, damit ich als Sieger hervorgehe und du einsehen musst, dass ich recht hatte."

Trotzig sah Bulma zu ihm hinauf, in Vegetas schönes Gesicht, das sie gerne mit ihren Fingernägeln zerkratzt hätte, doch selbst das würde ihn nicht entstellen. „Ich warte darauf, dass du mich endlich zufrieden lässt." Ihre Stimme war so kalt, dass sie Vegeta erschaudern sah, doch er schaffte es immer wieder aufs Neue – woraufhin Bulma sich fragte, woher er diese unerschöpflichen Kraftreserven nahm – seine Fassung zu wahren, indem er ein tückisches Grinsen mit seinen Lippen erschuf, das wiederum Bulma erschaudern ließ.

„Onna, dieses Kind bringt Verantwortung mit sich, der wir uns doch gar nicht bewusst sind. All das, was ein Kind mit sich bringt, erscheint dir jetzt noch als lösbare Aufgabe, aber -"

„Andere Saiyajins haben es auch geschafft", konterte sie, als sie ihn schnaufend unterbrach. Das waren doch nur Ausreden, um sich eben vor der besagten Verantwortung zu drücken, weil Vegeta seinen exzessiven Lebensstil nicht aufgeben wollte.

„Wenn du deine Situation mit der jetzigen vergleichst, ist das ein dummer Vergleich. Du warst kein Säugling mehr, als Radditz das Schiff im Sturm aufrecht hielt und sich um euch kümmern musste. Natürlich kannst du dich auch so lange weiter belügen, bis die Lüge – frei nach dem Motto: Ad nauseam – zur Wahrheit wird." Er konnte doch nicht einfach nachgeben, weil er sie glücklich sehen wollte, oder? Vegeta konnte seine Belange doch unmöglich hinten anstellen und sich von ihr wie eine Schachfigur verschieben lassen. „So uneinsichtig kannst du doch nicht sein!"

„Du kannst mich mit deinen Worten nicht umstimmen, Vegeta."

„Verflucht nochmal, wieso nicht?", entfuhr es ihm, nachdem er seine Hand von ihrem Rücken nahm, um sie klatschend aufs Wasser zu schlagen. Vegeta war mit seinem Latein am Ende. „Ich will mein Leben nicht mit einem Klotz am Bein fristen." Wollte er nicht, auch wenn ihr Blick mit jedem weiteren Wort trauriger wurde – wie im Palast, als er sich wieder einmal so wunderbar herrlich mit ihr gestritten hatte. Verdammt, sollte er sein Talent nicht nutzen, das er im Kampf vorzuweisen hatte? Seine königlichen Pflichten spannten ihn schon genug ein. Ein Kind würde ihn gänzlich daran hindern, zu trainieren und die Wälder wären bekanntermaßen wirklich still, wenn nur die begabtesten Vögel sangen. Nein, er wollte auf sein Training nicht verzichten und seine Talente nutzen - ohne Hindernisse.

Vielleicht sollte er noch einmal darüber nachdenken? Schließlich musste ein Vogel auch erst einmal auf den Beinen stehen, bevor er das Fliegen erlernte; man konnte nicht mit dem Fliegen anfangen. Ach, Scheiße!

„Dann musst du auf deine Tradition pfeifen und mich endlich in Ruhe lassen, da ich mich der Verantwortung gerne stelle. Und das ist mein letztes Wort." Zum wiederholten Mal griff sie nach Vegetas Hand, um sie von ihrem Bauch zu entfernen.

„Ach ja?" Sie wollte an ihm vorbei schwimmen, doch er versperrte ihr den Weg und platzierte seine Hand abermals auf ihrer Haut. „Du willst mir Vorschriften machen? Mich erpressen? Etwas von mir verlangen, das -"

„Halt, bevor du deinen Satz zu Ende sprichst, solltest du vorher bedenken, dass man, wenn man mit dem Finger auf jemanden zeigt, immer drei seiner eigenen Finger auf sich selbst richtet." Bulma hatte einfach den Spieß umgedreht, indem sie es war, die etwas verlangte, was nicht in die Tat umzusetzen war. Hinzu kam, dass er ihr immer Vorschriften machen wollte, ohne auf ihr Befinden einzugehen und sie zu Dingen zwingen wollte - ihr dieses Recht jedoch absprach. Er selbst war doch nicht besser und ihn diese bittere Pille schlucken zu lassen, musste ihm doch endgültig zeigen, wie ernst es ihr war.

Ha ha ha, Vegeta ließ sich von ihr herum kommandieren. Sie hatte es tatsächlich geschafft, ihn in ihren kleinen Händen gefangen zu halten, aber sie verlieren wollte er eben auch nicht, weshalb er einen Kompromiss mit ihr eingehen musste. Jawohl, einen Kompromiss, woraus er seinen Vorteil zog und nicht umgekehrt. „Du willst dieses Kind? Schön, ganz wunderbar. Vorher werden wir aber unser Bündnis eingehen. Du wirst fortan mit mir im Palast leben und dich dementsprechend verhalten, während ich meinem Training nachkommen kann. Akzeptiere, dass ich dieses Kind meinem Training unterziehe -"

„Deinem Training?"

„Du zögerst?" Das Wasser trieb sie wieder näher zueinander. Die sanften Wellen schlugen gegen ihre Körper, doch das konnte Vegeta ignorieren. Ebenso das Wasser, das ständig in sein Gesicht schwappte. „Schließlich wird unser Kind irgendwann der Herrscher dieses Planeten, wonach er auch kämpfen können muss. Demnach werde ich ihn selbstverständlich persönlich trainieren", formulierte Vegeta prätentiös. Wollte er sie mit seinen Worten wirklich noch dazu bringen, das Kind zu entfernen? Diese Empirie war unheimlich. Wie flexibel war er, was seine Ansichten betraf, geworden? Das lag sicher nur daran, dass er seine Hand nicht von ihrem Bauch nahm. Sicher wollte dieses Kind ihn genauso, wie seine sture Mutter, manipulieren.

Richtig. Ihr Kind war Vegetas Nachfolger, wie sie schluckend erkennen musste. Und jetzt beschlich sie schon die Angst, weil ihr Herz in neun Monaten außerhalb ihres Körpers herumlief. Was auf der anderen Seite bedeutete, dass Vegeta sich mit seinem Sohn befasste.

„Weißt du, dieses Angebot hat nicht lange Gültigkeit, Onna", grummelte er ruhelos. Außerdem wollte er aus dem Wasser. „Eine Antwort wäre daher angebracht." Sein Grinsen musste einem schwachen Lächeln Platz machen. Doch statt einer Antwort, erhielt er nur ein sanftes Lächeln ihrerseits. Im Anschluss konnte er ihre Hand spüren, die sich zärtlich über seine Hand, die nach wie vor auf ihrem Bauch lag, legte. Schrecklich, sie war eben doch eines dieser weiblichen Geschöpfe, die immer sentimental blieben, ganz egal, was er auch versuchte aus ihr herauszukitzeln. Was jedoch wirklich grässlich war, war, dass sie es jedes Mal schaffte, ihn umzustimmen. Nicht sie war machtlos, nein, er war machtlos in ihrer Gegenwart.

„Kann ich dich jetzt, ohne Komplikationen, nach Hause bringen?"

„Ja, nachdem du mir eine Frage beantwortet hast." Gemeinsam schwammen sie zum Ufer, wo Bulma sich in ihre trockenen Klamotten warf, ehe sie schelmisch grinsend nach Vegetas Hand griff, um mit ihm nach Hause zu laufen, statt zu fliegen. Sie würde diese Liebenswürdigkeit ausnutzen, denn wer wusste, wann der nächste Sturm über die beiden hereinbrach und wie lange es dauerte, bis nach dem Sturm die Sonne wieder kam? „Wieso hast du mich schon wieder gefunden?" Zuerst wollte sie ihn fragen, weshalb er sie heilen ließ, aber dann dachte sie, dass Vegeta das kleine Geschöpf daraufhin bestrafen könnte, was Bulma unter keinen Umständen wollte. Daher zog sie diese Frage vor.

Dass sie nach seiner Hand griff war ungewohnt, da von ihrer Seite immer mit Widerstand zu rechnen war, doch er ließ es geschehen. Auch seine Unsicherheit überspielte er gekonnt. „Weil ich Vegeta bin. Der stärkste Saiyajin im Universum!", klärte er sie versiert auf. Dass er diese Stärke bald wieder unter Beweis stellen und wieder in den Kampf ziehen musste, wusste er noch nicht. Doch bis dahin würde er einfach nur ihre Nähe genießen. Auch wenn das bedeutete, weitere Schikanen ihrerseits über sich ergehen zu lassen, aber dafür konnte er sich eben auf seine Weise, die weder gewaltsam noch grob war, rächen.

Oh ja, das würde er!