"There's nothing to lose
When no one knows your name
There's nothing to gain
But the days don't seem to change"
Ich beobachte mich im großen Spiegel gegenüber der Dusche.
Ich sah albern aus. Definitiv nicht wie ein Hausmädchen.
Der Unterrock hörte als Faltenrock kurz über meinen Hintern auf und die Strümpfe könnte ich auch weglassen, sie verdeckten rein gar nichts.
Ich durfte mich auch auf keinen Fall bücken. Zu keinem Anlass, außer ich wollte die Blicke von jedem einzelnen Menschen im Raum auf mich lenken.
Und das wollte ich nie im Leben.
Gott, ich wusste nicht mal, ob ich zu Kakashi ins Zimmer gehen konnte, ohne puterrot zu werden.
Ich blickte schnell zur Uhr und verlaß meine Augen verdrehend mein Zimmer, um auf die Suche nach Waschlappen und Seife zu gehen.
Neben der kleinen Gemeinschaftsküche entdeckte ich einen Lagerraum in dem ich… neben meinen Requisiten auch Kondome fand.
Ach du meine Güte, was ging hier nur vor sich.
Ich musste mich definitiv mit den anderen Angestellten unterhalten, falls ich welche sehen würde.
Vorerst musste ich überhaupt Kakashis Zimmer finden.
Ich begab mich mit Putzmittel und zwei Lappen in einem Eimer die Treppe hoch in den Gang vor dem Garten. Hier waren zum Glück keine Wachen positioniert.
Nach langer Suche entdeckte ich schließlich eine Gärtnerin neben dem Springbrunnen, die den dortigen Unkraut rümpfte, und zur Überraschung trug sie das gleiche wie ich.
Irgendetwas stimmte hier doch nicht.
Als ich sie von hinten leicht am Arm berührte, zog sie sich erschrocken zusammen und ließ ihre Schere auf dem Boden fallen.
Sie war bildhübsch, hatte dunkelbraune Haare und wunderschöne stechend blaue Augen, welche aber mit einem entsetzten Ausdruck auf mich hoch blickten.
„Hey, ganz ruhig. Ich wollte dich nicht erschrecken, es tut mir Leid." entschuldigte ich mich mit sanfter Geste und lächelte sie leicht an.
„Wir dürfen nicht reden." erwiderte sie nur kalt und hob ihre Schere vom Boden auf.
„Ehm… okay. Ich… also ich wollte eigentlich nur fragen, wo der Gästeabteil ist… Ich bin nämlich neu hier und..." „Den Gang rechts entlang, bis eine Treppengeländer in den oberen Stockwerken führt. Die Treppe hoch und links den Gang entlang."
Ich presste meine Lippen zusammen und nickte höflich: „Alles klar, ehm… vielen Dank."
Sie hatte Angst, sie hatte mit Sicherheit Angst vor etwas, oder vor jemanden.
Ich musste unbedingt mit Kakashi reden. Vielleicht hatte das alles mit der Mission von Itachi zu tun.
Auf meinem Weg nach oben entdeckte ich erneut keine Wachen, ich konnte vor Freude platzen.
Als ich vor Kakashis Zimmer stand klopfte ich sanft an und sah mich nochmal sicherheitshalber um.
„Amaya? Was…?" ein verdutzter Kakashi empfing mich und ich schob ihn sanft zur Seite, um in seinen Raum zu kommen und seufzend die Tür zu schließen.
„Zimmerservice, Kakashi Sama." murmelte ich augenverdrehend, stürzte mich ins weiche Bett und verschränkte meinen Kopf in meine Arme.
„Beobachtet uns jemand?" Ich blickte zu Kakashi hoch. Er stand wie angewurzelt an der Tür und hatte seinen Haarband gelöst, sodass seine Haare wieder durcheinander in allen Richtungen abstanden.
„Kakashi?" fragte ich verwirrt und setzte mich auf.
Dann erneut bemerkte mich, dass ich in meinem Traumkleid steckte und lief rot an. Um meine Nervosität zu verbergen griff ich nach dem Fruchtsaft auf der Kommode und nippte am Glasrand: „Ehm.. also ich wollte das wirklich nicht anziehen, aber ich musste..."
„Du siehst heiß aus."
Ich hätte fast den Saft wieder ausgespuckt und rannte so schnell es ging zum Bad, um die Übrige Flüssigkeit ins Waschbecken auszulassen.
Als ich fertig war wischte ich mir meinen Mund mit einem Tuch ab und ging mit zusammengebissenen Zähnen zurück zu Kakashi und nahm gegenüber von ihm auf dem Sofa Platz.
Er saß inzwischen mit verschränkten Armen und dunkelrroten Wangen auf dem Bett.
„Kakashi..."
„Nein, es tut mir Leid. Ich hätte das nicht laut sagen sollen. Es..."
„Du hast es gedacht?"
„Amaya, es ist nie so wie du denkst. Ich will dich nur beschützen..."
„Ich möchte Itachi so schnell wie möglich finden, und dann sofort hier raus. So gerne ich auch Kitoka den Hals..."
Kakashis Körperhaltung änderte sich schlagartig und sein Kiefer spannten sich an:
„Hat er dich angefasst? Hat jemand anderes dich belästigt?"
„Kakashi," seufzte ich und zog ihn sanft auf das Sofa: „Ich… ich fühle mich einfach extrem unwohl zwischen Kitoka und all seinen Wachen. Ich meine so etwas trägt doch kein gewöhnliches Hausmädchen? Ich… ich habe einfach Angst, sie verfügen schließlich über das Kekkei Genkei der Gedankenmanipulation und ich..."
„Hey, hey Amaya." Kakashi zog mein Gesicht in seine warmen Hände und schob vorsichtig eine Strähne aus meinem Gesicht. Seine entschlossenen Augen verließen nie meine, als er mich beruhigend auf mich einredete:
„Solange ich hier bei dir bin, wird dir niemand etwas antun. Ich wünschte ich könnte die Augen von allen hier ausreißen, aber ich werde zuerst keine Risiken eingehen. Ich möchte nicht, dass du auffliegst. Ich muss dich sicher hier raus bringen, Itachi auch. Höre zu Amaya, ich könnte mir nie selbst verzeihen, wenn dir etwas zustoßen wurde. Deswegen werde ich es nicht so weit kommen lassen. Hast du mich verstanden?"
Mein Körper zitterte inzwischen schon und ich nickte nur schwach.
„Komm her, Amaya."
Kakashi zog mich in seine Arme und ich schmiegte mich an seine Brust, atmete seinen frischen Duft nach Seife und Wasserlilie ein.
Sein Kinn lag sanft auf meinem Kopf und seine Hände strichen langsam über meinen Rücken.
Ich zog mich schweren Herzens zurück und küsste ihn auf die Wange: „Danke, dass du für mich da bist. Ich schulde dir..."
„Hey, Freunde schulden sich nie etwas. Ich werde immer für dich da sein, Amaya. Ich werde dich nie aufgeben."
Seufzend stand ich auf und zog die Vorhänge seines Zimmers zu: „Ich… also meine Dusche hat keinen Vorhang und mein Zimmer hat auch keine Tür… ich habe mich getraut zu duschen und..."
„Mistkerle." unterbrach mich Kakashi murmelnd und holte frische Handtücher aus seiner Reisetasche, worunter auch Unterwäsche von mir gefaltet drin lag.
Ich blickte ihn verständnislos an: „Kakashi? Warum hast du meine Unterwäsche bei dir in der Tasche?"
Er drückte seine Augen grinsend zusammen und kratze sich verlegen am Nacken: " Nunja… ich dachte, dass dir so etwas im Notfall vielleicht helfen könnte…?"
Ich fing an zu lachen und schlug scherzhaft seine Schulter: „Sehr lustig, Kakashi. Nachdem ich mit der Dusche fertig bin werden wir über die Lagebesprechung reden."
Er verdrehte die Augen und übergab mir mit rosa Wangen meine schwarze Spitzenunterwäsche und ein gelbes Handtuch.
Hätte ich doch nur meine Basic Unterwäsche mitgenommen.
Nach der schnellen Dusche trocknete ich mich gründlich ab und lief in Gedanken aus dem Bad meine widerspenstigen Haare trocknend.
Kakashi saß inzwischen am Schreibtisch und analysierte die Schriftrollen über das Kekkei Genkei des Clans.
„Hey."
„Hi, Schöne."
Ich verdrehte meine Augen zum wohl 100. Mal und rubbelte ein weiteres Mal durch meine nassen Haare, bevor ich auf das gegenüberliegende Bett plumpste:
„Also ich habe von einer der Wachen mitgeteilt bekommen, dass ich nicht in dem Wohnbereich von Kitoka arbeiten darf, worüber ich natürlich überglücklich bin, aber deshalb bin ich mir auch ziemlich sicher, dass Itachi dort gefangen gehalten wird."
Kakashi seufzte und drehte seinen Stuhl zu mir: „Das klingt sehr plausibel. Aber ich möchte definitiv nicht, dass du da direkt in Kitokas Arme reinspazierst."
Ich wollte etwas erwidern, aber Kakashi hob eine Hand, um ihn aussprechen zu lassen:
„Hör zu, wenn er bereits Itachi manipulieren konnte, dann möchte ich erst gar nicht wissen, was er mit dir anstellen würde. Ich habe dir mein Versprechen gegeben, und werde es auch nicht brechen."
„Aber Kakashi! Das ist unsere einzige Chance! Es geht um viel mehr als nur Itachi! Ich habe die Gärtnerin gesehen, sie hat sich regelrecht zu Tode erschrocken, als ich ihren Arm berührt habe. Verdammt nochmal, ich habe eine Kiste voller Kondome in dem Lagerraum im Personal Abteil gefunden und Kitoka hält den Reinheitsgrad seines Clans durch Inzucht seiner Tochter und Enkellinnen aufrecht! Kakashi, irgendetwas stimmt hier nicht. Itachi hatte hier eine Mission und er ist aufgeflogen. Ich möchte nicht, dass dir so etwas auch passiert, bitte."
Kakashi starrte mich inzwischen mit einem intensiven Blick an und kaute nachdenkend an seiner Unterlippe.
„Du hast Kondome in eurem Abteil gefunden?"
„Zur Hölle nochmal Kakashi! Ich rede darüber, dass der Clan womöglich seine Kräfte missbraucht, um Frauen zu vergewaltigen und alles worüber du nachdenken kannst, sind Kondome?"
Kakashis Blick wurde sanfter und er fuhr mit einer nervösen Geste durch seine Haare.
„Jetzt lasse ich dich erst gar nicht mehr raus."
Ich stöhnte leise und stand auf, um meinen Frust im Gehen auszulassen.
„Hör zu Kakashi, ich habe auch Angst okay? Aber ich muss alles dafür tun, um Itachi unversehrt aus Kitokas Gefangenschaft zu befreien."
„Ich werde nicht zulassen, dass du deinen Körper dafür verkaufst."
Ich schluckte und schob den Vorhang zur Seite, um nach draußen auf den Garten zu blicken.
Ich liebte Itachi und Kakashi wusste das.
Ich würde alles tun, um Itachi zu befreien.
„Wenn es keinen anderen Ausweg gibt, werde ich wohl meinen Körper verkaufen müssen, Kakashi." flüsterte ich und beobachtete die Gärtnerin am Springbrunnen.
„Amaya..."
„Nein Kakashi!" rief ich aufgebracht und drehte mich zu ihm um.
„Du weißt, dass ich alles für ihn aufgeben würde! Meine Berufung, mein Kekkei Genkei, mein Leben und ja, sogar meine Jungfräulichkeit!" brabbelte ich voreilig heraus und schlug sofort meine Hand vor dem Mund.
Kakashis mitleidigen Blick konnte ich einfach nicht mehr aushalten.
Ich musste hier raus.
„Amaya, bitte. Tu das nicht."
Ich drehte ihm den Rücken zu und griff nach meinem Eimer.
„Wenn du mir helfen willst, sorge dafür, dass mein Weg frei von Wachen ist. Mit Kitoka werde ich selbst zurecht kommen."
Somit trat ich in den Flur und eilte die Treppen hinunter.
Würde ich wirklich mit Kitoka fertig werden?
Ich wusste es nicht.
Aber ich würde heute Abend Itachi befreien.
