Lara, Branden und Joan sind in Guatemala angekommen. Die entschlüsselte Münze führt die drei zum templo al raso, dem Tempel des Maya-Gottes Itzamná, wo sie eine Truhe zu finden haben.Sie folgen einer Spur und teilen sich währenddessen in zwei Gruppen auf. Lara, die allein weiterforscht, trifft auf Mademoiselle Brillant, die Diebin, die Lara schon in New York in die Quere gekommen war. Zudem ist Mademoiselle Brillant bereits im Besitz der Truhe und flüchtet vor der bewaffneten Grabräuberin. Schließlich wirft Mademoiselle Brillant die Truhe in den Wald und Lara klettert hinterher. Lara findet die Truhe und will diese öffnen, doch sie wird daran gehindert von…

Kapitel 25 – Tag der Wiederbegegnung

Guatemala, el templo al raso, 13:02 Uhr

„Erfreut mich zu sehen?", fragte die Stimme, die Lara zu ihrem Bedauern kannte, zynisch.

Noch immer blickte Lara erstaunt in das Gesicht vor ihr, das von der Sonne umschienen wurde. Als ihr bewusst wurde, dass sie antworten musste, besann sie sich und fand ihre Fassung wieder.

„Nein", erwiderte sie ehrlich und gelassen. „Ganz im Gegenteil."

„Ich gebe zu wir sind unter unglücklichen Umständen auseinander gegangen-"

„In der Tat", unterbrach Lara. „Eine Explosion ist ein sehr unglücklicher Umstand."

Die Person grinste selbstgefällig

„Jemand wie ich wird nicht von so etwas aus dem Wege geräumt. Immer noch der selbe Humor, was?"

„Und Sie sind immer noch so übertrieben von ihrer Mannhaftigkeit überzeugt?", merkte Lara boshaft an. „Aber Einbildung ist ja bekanntlich auch eine Bildung."

Lara erwiderte das überhebliche Grinsen nun.

Für gewöhnlich gab sich Lara sehr höflich, aber bei Feinden neigte sie dazu sie mit ihrer Wortwahl bewusst zu beleidigen.

„Sicher möchten Sie nun die Geschichte erfahren, wie-"

„Nein", fiel Lara ihm ins Wort. „Ich möchte, dass Sie ihren Fuß von meiner Truhe nehmen", forderte sie und sah ihn zornfunkelnd an.

Ihre Truhe?", erkundigte er sich kritisch.

„Genug der Vorrede", beschloss Lara, sprang plötzlich auf und setzte ihrem Gegner einen Kinnhaken zu, der ihn zurücktaumeln ließ. Noch bevor er sich erholen konnte, holte sie zu einem Tritt aus und ließ ihn diesen nur wenig später spüren.

Doch wie Lara erwartet hatte, gab er sich nicht geschlagen. Sie mobilisierte innerlich ihre Kräfte und stellte sich auf einen schweren Kampf ein.


Einige Minuten zuvor

„…also verstehe ich das richtig?", wollte Joan skeptisch wissen.

„Ja, genau so war es", bestätigte Branden, der mit Joan zusammen durch den Dschungel streifte. „Ich weiß, es klingt sehr utopisch…"

„Das tut es…"

Die beiden hatten den Tempel während ihres Weges ebenfalls verlassen und durchkämmten nun den Regenwald, der sich um die Ruine über die Jahre ausgebreitet hatte.

Gedankenverloren richtete Joan ihren Blick gen Himmel und hielt wegen der hellen Sonne schützend ihre Hand vors Gesicht. Zu ihrer Rechten erkannte sie in vielen Metern Entfernung zwei Gestalten auf der Brüstung. Sie schärfte ihren Blick und erkannte die Farben von Laras Kostüm.

„Schau nur, da!", meinte sie und deutete auf den Tempel. Branden folgte ihrem Blick.

„Ist das…Lara?", fragte er zweifelnd.

„Das glaube ich auch", bekannte Joan. „Aber wem läuft sie hinterher?"

Stumm beobachteten sie in der Ferne wie Lara weiter rannte und die andere Person langsam aus ihrem Blickfeld verschwand. Das nächste, was sie sahen, war eine Behälter, der von dort oben hinuntergeworfen wurde.

Erleichtert erkannten sie, dass Lara sofort hinabkletterte.

„Das muss die Truhe sein", schlussfolgerte Branden.

Ohne ein Wort oder einen Blick zu wechseln rannten beide gleichzeitig los, um mit Lara die Truhe zu finden. Es dauerte einige Minuten, bis sie in der Entfernung eine Lichtung erkannten. Sie sahen wie Lara vor der Truhe kniete und einen anderen, der sie daran hinderte den Kasten zu öffnen. Mit Freuden beobachteten sie wie Lara dem Gegner attackierte.


Er griff mit einem Faustschlag an, doch Lara wich aus und trat ihm in die Magengegend.
Die beiden kamen näher und näher. Kurz bevor sie ihr Ziel erreichen, erkannte Branden verblüfft Laras Gegner.
Er strauchelte kurz zurück, fing sich jedoch schnell wieder ,fasste Laras Arm, als sie einen weiteren Faustangriff gestartet hatte und drehte ihren Arm unsanft auf ihren Rücken. Es dauerte keine Sekunde, bis Lara erfasste, dass Branden und Joan auf sie zugerannt kamen. Sie begriff ihren nahenden Vorteil und schlug ihren Gegner mit dem Ellenbogen in seinen Bauch und trat mit ihrem Fuß auf seinen.

Lara nutzte die Sekunde, in der er sie losließ und befreite sich. Als er eine weitere Attacke beginnen wollte, hielt er inne, denn er sah, dass Lara Verstärkung bekam.


Joan und Branden kamen außer Atmen neben Lara zum Stehen. Branden war zunächst so verwirrt wie Lara es im ersten Moment gewesen war, doch auch er konnte sich schnell wieder unter Kontrolle bringen.

„So trifft man sich wieder", stellte der Gegner an Branden gewandt fest.

„In solchen Momenten bin ich froh, dass man sich nur zwei Mal im Leben trifft. Jetzt muss ich mich hiervor nicht mehr in Acht nehmen", antwortete Branden.

„Das Missvergnügen ist ganz meinerseits."

„Dem kann ich mich nur anschließen, Mister Crowe", erwiderte Branden.

Joan kam sich sehr unwissend vor und musterte rätselnd den Mann, gegen den Lara gekämpft hatte. Er war(für Joans Geschmack zu) sehr muskulös, trug eine Waffe in seinem Gürtel, hatte kurze, dunkelbraunes Haar und sehr markante Gesichtszüge. Sein Tonfall und der Rest seines Auftretens hatten auf sie schon jetzt einen eher negativen Eindruck hinterlassen. Brandens und Laras Umgang mit ihm wiesen ebenfalls auf kein freundlich gesinntes Verhältnis hin. Sie beschloss jedoch erst später zu einem passenderen Zeitpunkt eine Erklärung zu verlangen.

„Dieser Tag ist wirklich kein guter", fuhr Branden fort. „Jetzt Sie auch noch."

Lara sah ihn fragend von der Seite an, entschied jedoch ebenfalls später nachzuhaken.

„Ich war gerade dabei ihm unsere Truhe abzunehmen", unterbrach Lara. „Wie-"

„Ist das hier ein Kaffeekränzchen?!", unterbrach sie eine schrille Stimme. „Wieso plauderst du mit denen? Muss ich denn alles selber machen?!"

Mademoiselle Brillant kam sichtlich resigniert auf die Gruppe zu. Crowe blickte genervt drein, als sie neben ihn trat.

„Halt dich daraus! Ich hab alles im Griff!", wehrte sich Crowe.

„Wer's glaubt! Ich bin von uns doch die einzige, die in irgendeiner Weise fähig ist!"; kritisierte sie weiter.

„Fragt sich nur auf welche Weise!", erwiderte Crowe aggressiv.

„Ihr benehmt euch wie ein altes Ehepaar", bemerkte Branden, der sich wie Joan und Lara ausgegrenzt fühlte. „Könnt ihr den Rosenkrieg bitte später austragen?"

„Seid still!", befahlen beide.

„Ein Ehepaar! Dass ich nicht lache! Wenn ich mit dem verheiratet wäre, würde ich seinen Tee vergiften!", konterte Mademoiselle Brillant aufgebracht.

„Ich würde ihn an seiner Stelle sogar trinken", antwortete Branden nebenbei. „Aber lassen wir das. Wenn ich das richtig sehe, arbeitet ihr zusammen."

„Notgedrungen", knurrte Crowe.

„Dann ist ja alles klar", stellte Branden fest.

„Ach ja?", fragte Mademoiselle Brillant skeptisch.

„Ja", gab Branden zurück. „Mädels, ihr nehmt euch Mademoiselle vor und schnappt euch die Truhe. Ich kümmere mich um diesen Schrank."

„In Ordnung", stimmten beide Frauen zu und stürzten sich auf Mademoiselle Brillant, die sofort reagierte und die Truhe, die bis dahin auf dem Boden lag, aufhob und fortrannte. Joan und Lara nahmen die Verfolgung auf.

„Da laufen sie…", seufzte Branden gespielt wehleidig und sah den dreien wie ein Vater, der seine Tochter schweren Herzens ziehen ließ, nach. „Und zwar mit einer beachtlichen Geschwindigkeit."

„Quassele nicht herum! Du hast mich schließlich herausgefordert", warf Crowe ihm wütend vor. „Was übrigens eine Fehlentscheidung war. Ich bin ein Meister im Kickboxen und habe noch nie verloren!"

„Dann werde ich mich wohl in Acht nehmen müssen", erwiderte Branden ironisch.

Beide begaben sich in Kampfstellung und sammelten ihre Kräfte.


Mademoiselle Brillant rannte vor Lara und Joan davon, denn sie wusste, dass sie den beiden allein schon zahltechnisch unterlegen war. Ihre erste Begegnung mit Lara Croft hatte sie gelehrt, dass diese Frau eine ernstzunehmende Gegnerin war, die nun zu allem Überfluss Verstärkung dabei hatte.

Der Inhalt der Truhe in ihrem Armen wurde den Geräuschen nach stark durchgeschüttelt. Ohne den Behälter wäre sie gewiss schneller gewesen und müsste sich nicht darum sorgen, dass ihre Feindinnen langsam näher kamen. Der verworrene Regenwald erschwerte das Vorankommen sehr. Zweige, Wurzeln und Büsche hinderten alle drei sehr daran sich so schnell fortzubewegen wie sie es wollten.

Bald wurde Mademoiselle Brillant klar, dass sie nicht lang genug davon laufen könnte. Wohl oder übel musste sie sich zum Kampf stellen. Sie rutschte eine Schräge hinab und landete in einer weiteren Lichtung. Lara und Joan waren nur wenige Sekunden später ebenfalls in dem kleinen Tal.

Kurz verschnauften alle Personen.

„Okay, ihr habt es so gewollt!", rief die Diebin. „Ich bin richtig sauer! Dieser Tag war ein einziges Fiasko! Erst muss ich mit diesen Flaschen zu diesem baufälligen irgendwas fahren, dann nach dieser bekloppten Truhe suchen, wobei sich mal wieder herausstellt, dass ich die einzige bin, die ein Hirn besitzt, dann finde ich diesen verdammten Kasten und ihr stellt euch mir in den Weg, sodass ich durch diesen verfluchten Dschungel jagen muss! Ich hasse diesen Dschungel! Meine Kleidung ist dreckig, ich habe unzählige Blessuren und zwei meiner Fingernägel sind abgebrochen!!", motzte sie laut und schrill. Sie warf die Truhe beiseite, die geräuschvoll aufkam. „Ich bin stinksauer!!!"

Mit einem aggressiven Angriffsruf stürzte sie sich auf die beiden uns riss sie mit blitzschnellen Lassoschlägen bäuchlings zu Boden. Lara reagierte schnell und trat ihrer Gegnerin kraftvoll in die Kniekehlen, sodass sie ebenfalls auf der Erde landete.

Joan wusste, dass sie Lara, die viele kampfsportliche Kenntnisse besaß, am besten helfen könnte, indem sie sich darum kümmerte die Truhe zu ergattern. Ungeachtet des Schmerzes an ihrem Hals richtete sie sich auf und lief auf den Behälter zu.

‚Wär' doch gelacht…!'

Mademoiselle Brillant hatte sich inzwischen in ihrer Wut auf Lara gestürzt. Sie setzte sich auf Laras Rücken und zog ihre Beine an den Waden zu sich, sodass Laras Körper nun schmerzhaft gekrümmt war und ihr ein Schmerzensschrei entfuhr. Die Diebin ließ Lara jedoch schnell wieder los, als sie erkannte, dass Joan schon ihre Hände nach der Kiste ausstreckte.

„Schlampe!", schrie die Diebin und wollte Joan angreifen, doch sie wurde von Lara gepackt, die sich sofort wieder aufgerichtet hatte. Doch mit viel Kraft zog sie ihre Arme aus Laras Umklammerung, drehte sich um und versetzte ihr einen Kinnhaken.

Lara fiel wieder zu Boden. Die Kraft, die diese Frau in ihrer Wut aufbrachte, beeindruckte sie ungewollt.

Schon wollte Mademoiselle Brillant Joan attackieren und rannte auf sie zu. Joan dachte nicht nach, denn all ihre Sinne waren auf eine mögliche Verteidigung fixiert. Als sich die Diebin näherte, ballte Joan instinktiv und schlug diese der Diebin an die Wangenknochen. Der Schmerz, den Joan Mademoiselle Brillant zugefügt hatte, ließ sie zurücktaumeln und schließlich neben Lara auf den Boden plumpsen.

‚Sauberer Schlag', ging es Lara durch den Kopf, die genau so überrascht schien wie Joan selbst.


Währenddessen fand auch der Kampf zwischen Crowe und Branden statt. Beide wussten, dass sie sich gegenseitig daran hindern wollten ihren Verbündeten zu helfen. Es hatte Branden sehr überrascht, dass sich Crowes angebliche Profi-Kenntnisse tatsächlich als solche herausgestellt hatten. Seine Schläge waren kräftig und präzise.

„Nicht schlecht; das muss ich leider zugeben", gestand Branden nach einem weiteren Schlagabtausch.

„Das muss ich leider zurückgeben", antwortete Crowe.

Er begann einen Faustschlag, den Branden gekonnt festhielt und zurückdrängte. Hieran hinderte ihn aber ein Fußtritt von Crowe in seine Seite. Branden ließ Crowes Faust los, zwang sich jedoch den Schmerz zu ignorieren und rammte seinen Ellenbogen in Crowes Magengegend, woraufhin Branden weitere Faustschläge folgen ließ, sodass Crowe schließlich vor Schmerz auf die Knie sank.

„Na, wer wird denn…?", merkte Branden an, der spürte, dass Crowe seine Schwäche bloß spielte und er hatte Recht. Blitzschnell zog Crowe ein Messer aus seiner Hosentasche hervor, ließ die Klinge erscheinen und griff Branden an, der daraufhin einen tiefen Schnitt in seiner Wade verspürte.

„Leider habe ich mich um Wichtigeres zu kümmern", teilte er Branden mit, rannte so schnell er konnte in den Dschungel und folgte dem Weg, den die drei Frauen beschritten hatten. Branden wollte die Verfolgung aufnehmen, doch der Schnitt an seinem Bein rief einen stechenden Schmerz hervor.

„Bastard!", rief er Crowe wütend hinterher und begann trotz Schmerz hinterherzulaufen, so schnell es ihm möglich war.

Joan kniete nieder und nahm die Truhe an sich. Mademoiselle Brillant sah wie ihre Siegeschancen dahinschwanden, wollte sich jedoch nicht geschlagen geben und unternahm einen weiteren Versuch.

Sie startete einen Angriff auf Joan, indem sie mit der Handkante weit ausholte, doch Lara packte vorher ihren Unterarm und zwang sie sich zu ihr zu drehen.


Crowe bahnte sich grob seinen Weg durch den Urwald, wobei viele Zweige von ihm mitgerissen wurden. Schon von weitem hörte er die Kampfgeräusche und erblickte die drei Frauen nur wenig später in einem kleinen Tal.
Branden war durch seine Verletzung sehr eingeschränkt, jedoch immer noch schnell genug, um Crowe im Auge zu behalten. Auch er konnte schon die Geräusche der gewaltsamen Auseinandersetzung wahrnehmen.

‚Sie sind ganz in der Nähe', dachte er und merkte nicht wie sich Teile seiner Jeans schnell tiefrot färbten.


Die Diebin hatte es satt sich an ihrem Vorhaben hindern zu lassen. Als sie Laras Waffen in ihrem Gurt erblickte, kam ihr eine Idee, die sie sogleich ausführte. Bevor Lara reagieren konnte, ließ Mademoiselle Brillant sie eine Kopfstoß spüren. Durch den Schmerz ließ sie ungewollt den Arm der Diebin los, die sofort nach der Waffe in Laras Halter griff und diese auf Joan richtete.

„Pech gehabt", brachte Mademoiselle Brillant schnaufend und mit zynischem Unterton hervor, doch kurz darauf fühlte sie kaltes Metall an ihrer Schläfe. Sie sah aus den Augenwinkeln wie Lara sie mit ihrer zweiten Pistole bedrohte.

„Zwickmühle, Mademoiselle", bemerkte Lara ebenso bissig. Plötzlich hörten sie Schritte näher kommen und kurz darauf wie jemand den Hang, der in das kleine Tal führte, hinabstürzte.

„Keine Bewegung", hörten sie Crowes Stimme. Doch keiner sah zu ihm. Joan, Lara und die Diebin fixierten sich gegenseitig und beobachteten aufmerksam jede Bewegung. Dennoch wussten Lara und Joan, dass ihre zahlentechnische Überlegenheit nun dahin war.

Crowe trat ins Blickfeld der Damen, zog seine Waffe aus seinem Gürtel und richtete diese auf Lara. Joan und Lara bissen sich bitter auf die Unterlippe.

‚Wo bist du, wenn man dich mal braucht, Branden?', ging es den beiden durch den Kopf und wie durch Gedankenübertragung hörte man noch einmal wie jemand ins Tal schlitterte und nur einige Sekunden später hielt dieser jemand Crowe seine Desert Eagle an den Kopf.

Branden konnte ein amüsiertes Grinsen nicht unterdrücken, als er erkannte, dass man sich gegenseitig im Halbkreis mit Waffen bedrohte.

„Meine Damen", grüßte er seine Kameradinnen mit einem Nicken.

„Mein Herr", gab Lara zurück, die nun wie Joan zufrieden darüber lächelte, dass sie durch Branden vorteilhafter dastanden.

„Ich würde sagen der Sieg ist unser", stellte Branden fest.

„Das würde ich nicht sagen", kommentierte eine bekannte Stimme.

Ein sechster erschien auf der Bildfläche. Lara durchfuhr ein Schauer, als sie die Person erkannte, die mit einem Revolver in Brandens Richtung den Halbkreis erweiterte.

‚An manchen Tagen sollte man einfach nicht aufstehen', wurde es ihr klar, als sie in das altbekannte Gesicht sah.

Vor stand niemand geringerer als Frankenstein.

„Aber ich dachte Sie wären für einige Stunden außer Gefecht gesetzt", warf Joan auf einmal ein.

Lara sah sie leicht verwundert an, verstand jedoch schnell, dass sie und Branden ihm schon vorher wiederbegegnet waren.

„Der Schlag von Mister Oates war nicht ganz korrekt", sprach Frankenstein und alle merkten, dass er es genoss als einziger antworten zu können. „Er hat meine Hauptschlagader verfehlt. Ich habe nur vorgegeben das Bewusstsein zu verlieren."

„Und das wirklich glaubhaft", kommentierte Branden. „Mister Oates wüsste gern, seit wann Sie sich so gut auskennen."

„Die Highschool", erwiderte Frankenstein knapp. „Von da habe ich Grundkenntnisse in Sachen Handfeuerwaffen."

„Um uns mal Aktuellem zuzuwenden", mischte Lara sich ein, „Ich weiß, warum wir hier sind und ich weiß, warum Mademoiselle Brillant hier ist. Aber was machen sie beide hier?", wollte sie an Crowe und Frankenstein gewand wissen.

„Wegen ihnen wurde ich unehrenhaft aus der ANCCR entlassen", begann Crowe mit zornigem Unterton. „Nach dem Vorfall gab man mir an allem die Schuld."

„Zurecht", murmelte Branden, doch Crowe ignorierte ihn.

„Nach langen Verfahren beschloss man mich auf freien Fuß zu lassen, allerdings strikt zu observieren. Dank einigen Kontakten schaffte ich es ihre Spur zu finden", erklärte er und sah Lara und Branden abwechselnd an. „Ich beschloss ihnen zu folgen und geriet dabei in London an Mister Kieron. Dort wies er mein Interesse zwar zurück, aber einige Wochen später bekam ich die Einladung zu den K-Spielen. Nachdem ich alles mit der ANCCR abgeklärt hatte, bin ich nach Guatemala aufgebrochen", führte er aus. Ein besonders wütender Blick traf Lara. „Wegen Ihnen musste ich Dinge durchleben, die einem Schwerverbrecher zugedacht sind!"

„Das freut mich", gab Lara unbeeindruckt zurück und hoffte, dass die ANCCR, die Gewalt offenbar als Strafe angebracht ansah, Crowe Schmerzen zugefügt hatte, die seinem Verhalten angemessen strafen konnte.

Lara konnte ihm auch jetzt nicht verzeihen, dass er sie gegen ihren Willen auf der Insel Kamara festgehalten hatte und das nur, um sie von seinem Charme zu überzeugen. Allein die Vorstellung wie er ihr zu nahe kam, widerte Lara ungemein an.

Natürlich verdiente er es auch der illegalen und menschenverachtenden Dinge wegen, von denen er Lara auf Kamara stolz berichtet hatte.

Zu gern hätte Lara ihn dafür selbst zur Rechenschaft gezogen, doch schon früh hatte Lara einsehen müssen, dass Gerechtigkeit auf der Welt nur spärlich zu finden war. Sie allein konnte dies – auch mit Hilfe der Polizei – nicht richten.

„Frankenstein, weshalb sind Sie hier?", wollte sie vom Forscher wissen.

„Ich…", fing er an und holte tief Luft. „Ich habe nach einer neuen Kraftquelle für meine Schöpfungen gesucht und bin auf einen ähnlichen Kristall gestoßen wie der, den sie mit entrissen. Die Ausstellung in London kam mir nur gelegen. Zwar habe ich versucht die Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen, doch leider gelang es mir nicht", erläuterte er, „und später erhielt auch ich eine Einladung zu den K-Spielen."

„In Guatemala trafen wir schließlich aufeinander", mischte sich Mademoiselle Brillant ein, die anscheinend auf sich aufmerksam machen wollte, „und beschlossen vorübergehend zusammenzuarbeiten, als wir verstanden, dass es noch weitere Gegner gibt und dass eine davon Sie sind, der jeder von uns schon einmal begegnet ist."

„Danke für das Lob", antwortete Lara.

„Lob…na, wenn sie meinen", entgegnete Mademoiselle Brillant hochnäsig.

„Immerhin scheinen sie mich für so gefährlich zu halten, dass sie sich zusammenschließen müssen", stellte Lara fest.

Crowe, Frankenstein und Mademoiselle Brillant verzogen ihre Minen.

Lara hatte Recht.

„Also schön", warf Branden ein. „Wir wissen jetzt, dass Lara die Größte ist. Aber nun zu wirklich aktuellen Themen wie zum Beispiel der Tatsache, dass wir gerade im Begriff sind uns gegenseitig umzubringen."

„Ich würde sagen, dass wir am längeren Hebel sitzen", kommentierte Mademoiselle Brillant.

„Euer Frankenstein könnte doch keiner Fliege etwas zuleide tun", warf Branden ein, woraufhin Frankenstein erbost wirkte und auch Crowe und Mademoiselle Brillant blickten ertappt drein.

„Seien Sie sich da mal nicht allzu sicher", antwortete Frankenstein gespielt hart und seine Gefährten rollten wegen dem kläglichen Versuch sich Autorität zu sichern mit den Augen.

Währenddessen trafen sich Joans und Laras Blicke. Es brauchte keine Wort, um sich zu versichern, dass dieses Gespräch zu nichts führen würde. Eine Lösung musste her und in Anbetracht der Situation hieß diese Einsicht.

„Das führt doch zu nichts", sprach Joan es schließlich aus und hatte nicht bedacht, dass auch die anderen ihre Worte hörten und nun zu ihr sahen.

„Das ist richtig", bejahte Lara und wandte sich den anderen zu. „Wir haben folgende Möglichkeiten: Entweder wir erschießen uns jetzt alle gegenseitig – dann bekommt keiner die Truhe – oder wir beziehen die Tatsache mit ein, dass der Inhalt der Truhe anscheinend für uns alle bestimmt ist, setzen ein sehr naives, blindes – man könnte sagen blödes – Vertrauen ineinander und öffnen die Truhe gemeinsam", schlug Lara – selbst nicht allzu überzeugt von ihrer Idee – vor.

Alle warfen sich angespannte Blicke zu und überlegten, ob sie Lara zustimmen konnten.

„Ich muss sagen…die zweite Möglichkeit gefällt mir besser", überwandte sich Branden schließlich als erster.

Widerwillig breitete sich diese Erkenntnis auch in ihren Feinden aus.

„Also schön!", gestand Mademoiselle Brillant ein. Von Crowe und Frankenstein hörte man ein Brummen, das anscheinend Zustimmung symbolisierte.

„Gut. Dann sollten wir auf drei alle unsere Waffen fallen lassen. In Ordnung?", hinterfragte Lara und alle stimmten zu. Sie setzte nur ungern unbestätigten Glauben in andere, aber diesmal blieb ihr keine Wahl. In Brandens Gesichtsausdruck spiegelte sich derselbe Gedanke wieder. Innerlich versetzte sie sich in den selben Zustand, der nötig war, wenn sie sich zum Beispiel in ungewisse Tiefen stürzte. „Drei", sprach sie es aus, als sie ihren Verstand größtenteils abgeschaltet hatte und es schaffte ihre Waffe tatsächlich fallen zu lassen.

Zu ihrer Erleichterung hörte sie wie metallene Gegenstände auf den Boden aufkamen.

Ein Blick verriet ihr, dass tatsächlich alle Waffen auf der Erde lagen. Erleichtert atmete sie aus.

Joan – ebenfalls beruhigt – kniete sich auf den Boden und stellte die Truhe ab. Die anderen versammelten sich schnell um sie herum. Lara positionierte sich neben Joan, die nun sorgfältig die Scharniere öffnete und den Deckel anhob.

Innen befanden sich einige Münzen und neben zwei gefalteten Papierstücken ein Brief, den Joan als erstes ergriff, ihn öffnete und beschloss vorzulesen, woraufhin alle gespannt Joans angenehmer Stimme lauschten.

Sehr geehrte Teilnehmer,

In dieser Truhe befinden sich zwei verschiedene Münzen und zwei Karten des templo al raso, von denen eine den westlichen, die andere den östlichen Teil der Anlage zeigt. Wie sie dem entnehmen können, wird es zwei Gruppen geben. Hierbei gibt es von nun an eine Einteilung; die freie Wahl ist ihnen nicht länger vorbehalten. Die neue Gruppeneinteilung erfolgt nach Geschlechtern. …"

„Nach Geschlechtern?!", stieß Mademoiselle Brillant hervor. „Das ist doch-"

Alle anderen brachten sie mit einem Blick zum Schweigen. Niemand war froh über diese Nachricht und auch Joans Stimme hatte sich beim Vorlesen an dieser Stelle skeptisch angehört.

Joan räusperte sich und las weiter.

Mit Ihren Kameraden werden sie eine neue Aufgabe meistern, die ihre Stärken fordert. Sie sollen ein Artfakt finden, dessen Name und genaue Positionierung sie der gelösten Münze entnehmen können. Haben sie ihr Artefakt gefunden, begeben sie sich zum techumbre del cielo, wo sie ihr Artefakt einsetzen können, um auf das Dach des templo al raso zu gelangen. Dort befinden sich vier neue Münzen; d.h. am Ende dieser Runde werden zwei von ihnen ausscheiden. Ist die Entscheidung gefallen, werden sie zum nächsten Ort, oder in ihr Heimatland gebracht. Zu Beginn des nächsten Abenteuers folgen neue Instruktionen. Zwar werden ihnen verschiedene Rätsel aufgetragen, dennoch ist der Austausch von Informationen untersagt. Dies gilt auch für die kommenden Runden.

Hochachtungsvoll

E.J. Kieron

PS: Sollten sie sich nicht an die neuen Bedingungen halten, wie z.B. der neuen Mannschaftseinteilung, seien sie sich darüber bewusst, dass ihre Teilnahme an den K-Spielen mit sofortiger Wirkung beendet ist."

„Das ist doch eine bodenlose Frechheit!", schimpfte Mademoiselle Brillant. „Was fällt diesem Kerl eigentlich ein?!"

Auch die anderen polterten los, bis auf Joan und Lara. Zwar waren sie ebenfalls nicht begeistert vom Willen des Organisators, aber wie sie dem Brief entnahmen, konnten sie entweder mitspielen oder ausscheiden.

Die beiden nahmen die zwei Karten und falteten sie auf. Wie versprochen zeigte die eine den Osten, die anderen den Westen. Oben links war ein Bild der Münze eingezeichnet, die anscheinend zur Karte gehörte. Unten rechts waren die Namen derer geschrieben, für die diese Karte bestimmt war.

Sie ordneten diese einander zu und so lagen die passenden Münzen nun auf den richtigen Karten.

„Na, das kann ja was werden", sah Lara es mit Galgenhumor an Joan gewand voraus.

„Du sagst es. Hoffentlich ist sie kein allzu großer Klotz am Bein", erwiderte Joan.

Die beiden standen mit der Truhe in den Händen auf. Auch die anderen hatten sich zu ihrem Wutaustausch schon erhoben.

„Bei allem Verständnis über diese wirklich unpassende Entscheidung", unterbrach Lara die Aufgebrachten laut und tatsächlich widmeten sie ihre Aufmerksamkeit nun Lara. „Danke. Also, bei allem Verständnis, aber wir werden seinen Wunsch wohl oder übel akzeptieren müssen. Es sei denn jemand von ihnen möchte sich freiwillig zurückziehen?" Alle schwiegen. „Gut. Dann werden wir uns wohl den Westen vornehmen müssen und die Herren den Osten."

Die Grabräuberin nahm aus der Truhe die richtigen Münzen und warf je eine Frankenstein, Crowe und Branden zu. Zusätzlich schmiss sie Branden die Karte entgegen, die den Osten zeigte.

Er öffnete die Karte und las die Überschrift.

El este del templo al raso

Es waren alle Räume mit spanischen Namen gekennzeichnet.

„Wie könnt ihr zwei das nur so auf die leichte Schulter nehmen?", wollte Branden wissen.

„Oh, das tun wir nicht. Aber es hat keinen Sinn sich über Dinge aufzuregen, die man nicht ändern kann", erwiderte Lara kess und warf Mademoiselle Brillant ebenfalls eine Münze zu.

„Da haben Sie leider Recht…", murmelte Frankenstein, der am Liebsten allein weitergearbeitet hätte. Wütend drückte er die Münze in seiner Hand, um sich an die Tatsache zu gewöhnen, dass er keine andere Wahl hatte. Er musste es tun – für seine Schöpfungen, die so dringend Energie brauchten.

Auch Crowe schaffte es sich zu besinnen. Wenn Lara mit dieser neuen Regelung zurechtkam, dann schaffte er es auch. Ansonsten würde er keine Rache an ihr und auch an Branden Oates nehmen können, mit dem er nun zu seinem Bedauern arbeiten musste. Zwar war Ausgeglichenheit nicht seine Stärke, aber nun musste er sie nutzen, auch wenn es ihm nicht gefiel.

Branden gab Lara in Gedanken Recht. Es wäre kindlich sich nur wegen persönlichen Differenzen unkooperativ zu verhalten. Er musste sich sein Ziel vor Augen halten.

‚Das ist es Wert', dachte er sich und zwang sich zu einem Lächeln.

„Schön, dann werden wir wohl damit beginnen müssen ein Lager aufzuschlagen", entschloss Branden letztendlich. „Und hierüber nachzudenken."

Er sah sich seine Münze an und las die Prägung.

L#RY#DL#SL#PRMR

L#NV#DL#M ñN

Anscheinend fehlten wieder die Vokale.

‚Scheint ja recht lösbar', ging es ihm durch den Kopf.


Nachdem alle zum Eingang des Tempels zurückgekehrt waren, hatte man beschlossen sich zunächst etwas Ruhe zu gönnen. Auch wenn Branden, Joan und Lara nun nicht mehr zusammenarbeiten konnten, hatte sie dies nicht davon abgehalten gemeinsam eine Mahlzeit zuzubereiten, bei der Lara und Branden Joan erzählt hatten, woher sie Crowe kannten und Branden und Joan erläuterten wie sie mit Frankenstein zusammengetroffen waren, als sie den Tempel erforscht hatten.

„Ich war wirklich perplex", gestand Branden.

„Das kann ich nur zu gut verstehen. Mir ging es nicht anders", erwiderte Lara.

Nun saßen die drei zusammen am Lagerfeuer und genossen im Schatten einiger Tropen-Bäume eine Dosensuppe, die sie als Proviant mitgenommen hatten. Zwar war es noch immer sehr heiß, aber trotzdem aßen sie die Mahlzeit, da sie sich vorher bei einem Gespräch mit Zip, Uma und Alister im Auto dank der Klimaanlage etwas Kühlung verschaffen konnten. Beim Essen unterhielten sie sich über den Fortgang der K-Spiele, wobei Lara und Joan Branden damit ärgerten, dass er in seiner Gruppe nur mit hinderliche Personen zu arbeiten hatte.

Schneller als erwartet eilte er Abend herbei und es wurde seit ein Lager aufzustellen. Nun konnte Branden Lara und Joan damit ärgern, dass er ein Zelt für sich allein hatte und die beiden sich mit Mademoiselle Brillant herumplagen mussten, die es als selbstverständlich anzusehen schien, dass sie ebenfalls an der Unterkunft teilhaben konnte.


„Ein Zelt?!", entfuhr es Mademoiselle Brillant, als sie sah wie Lara und Joan mit dem Aufbau begannen. „Ich schlafe in keinem Zelt!"

„Wir haben auch nicht vor Sie zu zwingen", erwiderte Joan ungläubig.

„Ich schlafe in keinem Zelt…!", wiederholte sie als ob sie Joan nicht gehört hätte.

„Na, das ist ja zum Glück auch nicht nötig", kommentierte Lara und zwang sich dabei ruhig zu klingen und nicht so zornig wie sie über das Verhalten der Diebin tatsächlich war. „Denn gleich dort drüben – in 5000 Kilometern Entfernung – steht ja das nächste Ritz-Hotel! Laufen Sie schnell hin und seien Sie morgen früh wieder hier. Wir haben damit kein Problem."

Mademoiselle Brillant, die anscheinend die Ironie dieses Satzes erst begreifen ließ, dass sie nun in der Wildnis war und es hier kein Hotel – nicht mal ein Motel, nicht mal eine Pension, nicht mal eine Jugendherberge! – gab, öffnete ihren Mund und wollte sprechen, doch anscheinend wusste sie nicht, welche Beschimpfung sie zuerst von sich geben wollte und stapfte wütend davon.

Lara und Joan begannen herzhaft zu lachen.

„Was für eine Diva!", meinte Joan amüsiert.

„Und wie", stimmte Lara belustigt zu. „Immerhin haben wir jetzt Ruhe. Machen wir weiter, damit wir einen Platz zum Schlafen haben."


Nachdem das Zelt aufgebaut, Betten aufgestellt und hergerichtet waren, wollten die beiden sich etwas reinigen, denn der Aufenthalt im Tempel und Umgebung hatte seine Spuren in Form von Dreck hinterlassen. Nicht weit von ihnen befand sich ein kleiner See, dessen klares Wasser sie in Anspruch nehmen wollten.

Lara zog ihre Handschuhe aus, formte ihre Hände zu einer kleinen Schale und nahm etwas Wasser, das sie sich ins Gesicht spritzte.

„Das tut gut…", murmelte Lara, als sie das kalte Nass ihre Stirn hinablaufen ließ. Joan tat es ihr gleich.

Joans Blick schweifte zu Laras linker Hand, an der sie einen Ring erkannte.

„Bist du etwa verlobt?", erkundigte sie sich.


Branden erkannte in der Ferne ‚seine Mädels' wie er sie in letzter Zeit gern nannte.

‚Sieh an, sie haben Wasser gefunden', dachte er und ging auf die beiden zu, die das kühle Nass allem Anschein nach genossen. Frohen Mutes kam ihm die Idee die beiden spaßeshalber zu erschrecken, doch als er Joan sprechen hörte, stockte er auf einmal.


„Ja, bin ich", antwortete Lara lächelnd.

„Wie schön", gab Joan zurück. „Und anscheinend sehr glücklich."

„Oh ja", erwiderte Lara fröhlich. „Weißt du, er ist ein Mann von der Sorte, von der man glaubt, dass es sie gar nicht gibt. Fast wie Traumprinzen aus Märchen."

Sie musste selbst über diesen Vergleich lachen.

„Oh, die gibt es wirklich? Dann gibt es ja noch Hoffnung. Ich hätte nicht gedacht, dass du heiraten würdest", gestand Joan.

„Ich auch nicht", bekannte Lara. „Heiraten…das war für mich immer etwas, was andere tun, aber nicht ich."

„Tja, wenn das Glück erst einmal da ist…", antwortete Joan trüb und erinnerte sich selbst an glückliche Zeiten, die schmerzvoll beendet worden waren. „Dann tut man Dinge, die… Egal."

Lara spürte, dass sie Joan nicht dazu bewegen konnte weiterzusprechen und beschloss nicht weiter darauf einzugehen.

„Ich könnte dich ja einladen", schlug Lara heiter vor.

„Das wäre wunderbar", entgegnete Joan ebenfalls wieder erfreut. „Wann heiratet ihr denn?"

„Wenn ich den Kristall habe", erwiderte Lara und Joan blickte fragend drein. „Das ist eine lange Geschichte…aber wir möchten erst heiraten, wenn etwas abgeschlossen ist. Und das ist es erst, wenn ich den Kristall gefunden habe."

„Verstehe…deshalb suchst du diesen Kristall…wie romantisch", kommentierte sie ironisch abwertend.

„Ja, ich mutiere fast schon zu einer Romantikerin…", gestand sie und lachte. „Das passt kein bisschen zu mir. Genau so wenig wie zu heiraten oder dieses überaus weibische Gespräch zu führen…"


‚Du Idiot', dachte Branden sich. ‚Du dummer Idiot.' Er lehnte sich gegen einen der dicken Bäume. ‚Dachtest du ernsthaft, dass du der einzige bist?'

Er biss sich auf die Unterlippe. Der Schmerz brachte ihn zu Besinnung und er ging weiter auf die beiden zu.

„Hey", begrüßte er sie lächelnd, als er auf sie zutrat. Die beiden drehten sich um. „Wie gut, dass ihr Wasser gefunden habt."

„Ja und es ist wirklich köstlich", entgegnete Lara. „Wie dem auch sei. Wir sollten uns langsam der Münze zuwenden. Sonst kommen wir nicht weiter."

„Ja, das sollten wir wirklich", stimmte Joan zu und stand nach Lara auf. „Du blutest ja!", fiel es ihr auf, als sie Brandens Bein sah.

„Ich habe viel mehr geblutet", erklärte Branden. „Das habe ich diesem Crowe zu verdanken. Hat bei unserem Kampf einfach ein Messer gezogen."

„Ist der Schnitt sehr tief?", erkundigte sich Joan einfühlsam.

„Na ja…wird wohl ein bisschen dauern, bis es vollständig verheilt ist."

„Hoffentlich bist du dadurch nicht allzu sehr eingeschränkt", wünschte Lara ihm.

„Das hoffe ich auch. Aber so schlimm ist es auch wieder nicht. Also kommt, gehen wir."

So schritten sie gemeinsam zurück zum Lager, wo Branden in nur zehn Meter Entfernung vom Zelt der Damen das seine aufgestellt hatte.

„Da sind Sie ja endlich!", hörte man Crowes Stimme, der mit Frankenstein auf die Dreiergruppe zukam. „Wir sollten damit anfangen diese dämliche Münze zu entschlüsseln. Kommen Sie!"

„Sicher doch, Mister Crowe…", erwiderte Branden gespielt schmeichelnd.

Crowe trat wütend auf Branden zu.

„Sparen Sie sich Ihre dummen Sprüche!", befahl er ihm, als sein Gesicht nur einige Zentimeter von Brandens entfernt war.

„Wissen Sie was? Ein Pfefferminz würde Ihnen gut tun", konterte Branden und fächerte sich mit der Hand Luft zu. Crowe versetzte ihm einen Schlag auf den Kopf und at von ihm weg.

„Also dann, Mädels", begann er den Abschied. „Wir sehen uns."

„Bis dann", erwiderten die beiden und gingen auf ihr Zelt zu.

„Mit Ihren Sprüchen werden Sie wirklich nicht weit kommen", kommentierte Frankenstein fast wohlwollend.

„Auf jeden Fall weiter als Sie. Obwohl das keine Kunst ist", warf Branden ihm gleichgültig entgegen, weshalb Lara und Joan zu lachen begannen.

„Tja, Männer sind die besseren Zicken", gab Joan amüsiert dazu.

„Weißt du wie ich mir bei diesen ganzen dämlichen Sprüchen vorkomme?", fragte Lara, als sie ihr Zelt erreichten.

„Wie?"

„Wie in einer drittklassigen Fan Fiction", antwortete Lara und betrat mit Joan das Zelt.

Kapitel 25 Ende

Hahaha, man beachte diese Ironie. ;-)

Tja, dass Crowe und Frankenstein wieder auftauchen würdet, habt ihr wohl nicht gedacht, oder? Scheint als wäre mir zur Abwechslung mal eine Überraschung gelungen. #muhaha#

Nun eine Nachricht für alle, die Silas nicht mögen: Er ist einer von den Guten! Das sage ich bei meiner Autoren-Ehre und ganz ohne Sarkasmus.

Joan und Branden scheinen sich inzwischen wieder freundschaftlich gesinnt zu sein. Ich denke, das hat sich in der Zeit entwickelt, als die drei bei Branden gewohnt haben. Also wundert euch nicht, dass ich euch vor vollendete Tatsachen gestellt habe.

Jetzt sind so viele Leute auf einem Haufen, die sich nicht leiden können. Ob das gut gehen wird? ;-) Ich werde versuchen die kommenden Kapitel humorvoll zu gestalten, aber versprechen kann ich nichts. Leute zum Weinen zu bringen ist viel leichter als Leute zum Lachen zu bringen. Dabei bin ich im echten Leben eine so alberne Person. #lol#

Alle Namen der Räume sind auf Spanisch...da ich leider nicht die Sprache der Maya beherrsche, Spanisch in der Schule lerne und es mir dank der Kolonialzeit zumindest teilweise logisch erscheint, habe ich es so gemacht. Ich hoffe ihr könnt meine überaus unlogische Logik nachvollziehen.

An dieser Stelle möchte ich euch nochmals für eure Reviews danken. Ich war wirklich erstaunt wie schnell sie gekommen sind, obwohl meine letzte Aktualisierung so lang her war. :-)

Diese Geschichte nimmt wirklich große Ausmaße! In meinem Word-Dokument sind es nun tatsächlich 144 Seiten! Hammer, was? Das ist auch mein persönlicher Rekord. Die längste Geschichte, die ich bisher zu Papier gebracht habe. #hehe#

Na ja, nun möchte ich euch nicht weiter langweilen. Spart euch eure Kraft für das Tippen einer Review und nicht zum Lesen meiner unwichtigen Kommentare. #muhaha#

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und bleibt mir gewogen!

Cora