Das neue Mitglied der Familie Blythe, Kapitel 25

Sarah's Herz, schlug von mal zu mal schneller, in ihrem Magen herrschte ein wahrer Kampf. Sie blickte Kreidebleich aus dem Fenster, des fahrenden Zuges, hatte jedoch im Moment keinen Sinn für die Natürliche Schönheit. Nervös spielte sie mit ihrer Bluse. Sie spürte, wie sich Rillas Hände auf ihre legten.

"Sarah", sagte Rilla und lächelte ihre Freundin an "du brauchst nicht nervös sein. Alles wird gut werden."

"Du sagst das so leicht. Ich schäme mich so sehr. Ich weis immer noch nicht, wie ich mich dazu hab überreden lassen können, mit dir mitzukommen.", flüsterte Sarah schwach.

"Du brauchst dich für nichts zu schämen. Wir haben doch beschlossen, unsere Streitereinvergangenheit ruhen zu lassen und uns nur noch auf die Zukunft zu konsentrieren."

Ein kurzes, schüchternes Lächeln stahl sich über Sarahs Lippen. "Ich hoffe du wirst recht behalten."

"Ganz bestimmt. Mein Bruder Shirley wird uns vom Bahnhof abholen. Er ist schon sehr gespannt auf dich."

"Du versuchst mich nur abzulenken", lächelte Sarah, "danke es funktioniert. Ist es der frisch verheiratete Bruder?"

Rilla kicherte. "Ja das ist Shirley. Emily, seine Frau, ist einfach ein besonderer Mensch. Er hätte keine bessere finden können."

Der Zug fuhr im Bahnhof von Glen St. Mary ein. Sarah wusste, das es nun kein zurück mehr gab. Etwas verlassen stand sie Bahnhof, während Rilla mit dem Gepäck beschäftigt war. Wie malerisch dieses Glen doch aus sah.

"Rilla!"

Sarah wurde plötzlich aus ihren Gedanken gerissen und erkannte einen Jungen Mann auf sie zulaufen.

"Shirley", rief Rilla.

Die beiden Geschwister schlossen sich in die Arme. "Schön dich zu sehen", begrüßte Shirley seine Schwester.

Sarah fühlte sich von mal zu mal unwohler, sie kam sich wie ein Wiesel vor, sie sollte ihre Koffer nehmen und wieder in den Zug steigen. Wie in Trance vernahm sie Rillas Stimme.

"Shirley, darf ich dir meine Freundin Sarah Walton vorstellen."

"Guten Tag Miss Walton, es freut mich wirklich sie kennen zu lernen. Rilla hat schon viel von ihnen erzählt. ", sagte Shirley und reichte Sarah seine Hand.

Wie selbstverständlich er mir seine Hand reicht, dachte Sarah.

"Es freut mich ebenfalls sie kennen zu lernen. Herzlichen Glückwunsch nachträglich zu ihrer Hochzeit und der Schwangerschaft."

Shirley lächelte sie an. "Danke sehr. Aber wir sollten nun zusehen das wir nach Hause komme, alle warten schon auf euch."

Zuhause, was für ein schönes Wort. Für viele eine Selbstverständlichkeit, für mich jedoch, so fremd. Es ist ein ganz kurzes Wort und bedeutet so viel. Wärme, Geborgenheit, Familie, Schutz und vor allem Liebe, überlegte Sarah während sie im Auto saß und in wenigen Minuten Ingleside erreichen würde.

"Das ist Ingleside, Sarah", rief Rilla freudig aus und zeigte mit ihrem Finger auf das Haus.

"Ich kann verstehen, warum du Ingleside so liebst.", lächelte Sarah. Sie konnte sehr gut verstehen, das Rilla dieses Haus liebte. Dieses große Haus, mit den grauen Wänden, den vielen Fenstern, dem Garten voller Bäume und Blumen. Ingleside muss ein Ort sein, an dem Kinder sorgenfrei aufwachsen können.

Shirley war voraus gegangen und trug die Koffer ins Haus. Rilla und Sarah folgten ihm. Im Wohnzimmer warteten bereits die restlichen Familienmitglieder auf Sarah und Rilla. Mit klopfendem Herzen betrat Sarah das Wohnzimmer. Sie blickte in sechs fremde lächelnde Gesichter.

Rilla wurde von ihrer Familie herzlich in den Arm genommen.

"Familie, ich möchte euch gerne meine Freundin Sarah Walton vorstellen.", sagte Rilla und präsentierte Sarah.

"Sarah, das sind mein Vater, meine Mutter, Emily Shirleys Frau, Nan meine Schwester und Susan, die gute Seele des Hauses. Meinen Bruder Shirley kennst du ja schon."

"Guten Tag, Miss Walton, nett sie kennen zu lernen", begrüßte Familie Blythe ihren Gast.

"Guten Tag, es freut mich auch sie kennen zu lernen. Ich möchte mich bei ihnen bedanken, das sie mich hier aufnehmen.", sagte Sarah.

"Das machen wir doch gerne. Aber nun setzt euch, und erzählt uns von eurer Reise.", lächelte Gilbert.

So wurde platz genommen und Susan trug Kaffee und Kuchen auf. Sarahs unwohl sein war verflogen. Sie fühlte sich wohl, im Kreise dieser netten Menschen. Sie dachte daran, wie aufgeregt sie war und musste schmunzeln.

Es wurde viel gelacht und geredet. Sarah wurde immer lockerer und unterhielt sich einfach prächtig. Sie hatte das Gefühl schon immer dazu gehört zu haben. Sie hatte sich zu Emily und Nan gesetzt, mit denen sie sich angeregt unterhielt.

"Wo sind den Di und Jem?", fragte Rilla.

"Das sind meine beiden anderen Kinder", lächelte Anne in Richtung Sarah," Jem kommt morgen und Di wird übermorgen kommen."

"Sie haben eine wunderbare, große Familie Mr und Mrs Blythe. Ich darf mich glücklich schätzen sie kennen gelernt zu haben.", sagte Sarah.

Gilbert und Anne sahen sich an. Wie recht Sarah Walton doch hatte.

"Das ist sehr nett Miss Walton, haben sie einmal die Absicht zu heiraten?", fragte Anne.

"Das hatte ich einmal, woraus jedoch leider nichts mehr wird. Der Krieg ist daran schuld", flüsterte Sarah schwach und nahm schnell einen schluck Kaffee zu sich. Alle anwesenden wusste genau, was Sarah damit meinte und wechselten das Thema.

"Na da dann werde ich mich einmal ans Essen kochen machen", sagte Susan und ging Richtung Küche.

Es klingelte plötzlich an der Tür. "Wer kann den das um diese Uhrzeit sein", fragte Gilbert und wollte schon aufspringen.

"Ich geh schon", hörte man Susan rufen.

"Um so älter die gute Susan wird, um so lauter sprich sie", grinste Nan.

"Nan, ich bitte dich", rügte Anne ihre Tochter.

"Das werden vielleicht die Merediths sein", meinte Shirley.

"Hallo Kenneth, schön dich zu sehen. Ich wusste gar nicht, das du vorbei kommst.", schrie Susan vom Flur.

"Ich musste einfach kommen", antwortete Ken mit seiner einfühlsamen Stimme.

Rilla sprang von ihrem Platz auf, lief ihrem Verlobten entgegen der sie freudig in den Arm nahm und sie zärtlich küsste.

"Guten Abend allerseits", grüßte Ken.

"Ken das ist meine Freundin Sarah", sagte Rilla und führte ihn zu Sarah hin.

"Guten Abend Mr Ford", begrüßte Sarah ihn.

"Guten Abend Miss Walton", grüßte Kenneth zurück.

"Dann werde ich mal ein weiteres Gedeck auf decken", meinte Susan und schlurfte in die Küche.

"Kenneth schön das du da bist. Kommen deine Eltern auch noch?", fragte Anne.

"Nein, sie haben beschlossen dieses Jahr nicht auf die Insel zu kommen. Sie können sich einfach nicht von Klein-Leslie trennen.", lachte Ken.

"Das kann ich gut verstehen", schmunzelte Nan.

Alle mussten zu lächeln anfangen.

Sarah fühlte sich an diesem Abend zum ersten mal nach langer Zeit richtig frei. Sie hätte nicht gedacht das man sie so herzlich aufnehmen würde. Sie wurde in jedes Gespräch mit eingebunden, selbst der neuste Tratsch und Klatsch wurde ihr mitgeteilt. Sie hatte zwar keine Ahnung wer die betroffenen Personen waren, aber es war ihr egal. Das hatte sie sich immer erträumt. Menschen um sie herum, die sie gern hatten, so wie sie war.

Alls Susan das Essen auf den Tisch brachte, erhoben alle ihre Gläser.

"Herzlich willkommen Sarah Walton", sagte Rilla und blickte ihre Freundin an.

Die anderen taten es ihr gleich und hießen Sarah willkommen. Über Sarahs linke Wange rann eine Träne des Glücks hinab.

"Vielen Dank, Familie Blythe, vielen Dank."