Das Gegenwärtige

Regina erschien in einem lilafarbenem Nebel direkt am Eingang des Krankenhauses. Schon vor der Tür konnte sie Robin ausmachen, der dort auf sie wartete. Der Hilfssheriff lächelte sie aus müden Augen an und legte eine Hand in ihren Rücken, um sie ins Innere des Gebäudes zu führen.

„Gut, dass du da bist. Emma spricht mit dem Arzt."

„Was ist passiert?", hakte die Bürgermeisterin neugierig nach und folgte dem aschblonden Mann durch die Krankenhausgänge bis zur Zimmertür 0023. Emma stand zusammen mit Mary Margaret und Dr. Whale vor dieser und unterhielt sich mich den beiden. Die Blonde bemerkte den Neuankömmling und atmete tief durch.
„Wurde auch Zeit...komm schau dir das an!" Sie öffnete die Tür und ließ ihre Mutter und den Arzt einfach stehen. Mit der Hand deutete sie auf drei Betten, in denen jeweils ein Kind lag. Alle drei Gestalten lagen regungslos auf ihren Rücken. Nur das leichte heben und senken ihrer Brustkörbe verriet, dass sie lebten. Die Schwarzhaarige schritt an eines der Betten und starrte auf den Jungen. Sie erkannte ihn als einen der Unruhestifter, der Roland erst vor kurzem bedrohte, als sie ihn abgeholt hatte.

„Wir haben sie an der Trollbrücke gefunden. Sie lagen einfach dort. Wir haben versucht sie zu wecken, doch nichts hat funktioniert. Danach sind wir sofort ins Krankenhaus, doch hier weiß man auch nicht was ihnen fehlt, ich glaub...ich glaub...", Emmas Mundwinkel hingen gen Boden, als sie mit den Fingern das Auge des Jungen öffnete.
„...Ich glaube, das ist Magie. Schau!"

Reginas Augen weiteten sich, als sie das Schwarz sah, welches alle Farbe aus den Augen vertrieben hatte. Ein eisiger Schauer durchlief ihr Innerstes, als würde eine längst vergessene Erinnerung von neuem ihre Klauen nach ihr ausstrecken, doch die Bürgermeisterin ließ sich davon nichts anmerken. Stattdessen nickte sie.
„Ja, das sieht sehr nach Magie aus, aber ich frag mich, was man diesen Kindern angetan hat."

Mary Margaret und Robin, sowie Dr. Whale standen nun ebenfalls im Zimmer und blickten auf den Jungen. Snow hatte ihre Arme vor der Brust verschränkt und schüttelte ungläubig immer wieder ihren Kopf.

„Es wirkt, als wären sie in einem Koma...warum versetzt man sie in ein Koma?"

„Sie weisen keinerlei Verletzungen auf.", meldete sich der Art zu Wort und seufzte tief. „Organisch sind sie vollkommen gesund."

Regina wirkte einen Moment wie weit entfernt. Ihre Hand legte sich auf die Hand des Jungen und streichelte sie.

So kalt...als wäre er bereits tot...als...

„Ja sie sind gesund, aber ich werde den Verdacht nicht los, dass man ihnen was genommen hat."

„Ach du Scheiße, ich wusste es. Es war nur eine Frage der Zeit...Vampire!", Emmas Stimme war ein Jammern, welches ihren Unmut verriet, doch Regina konterte genervt:

„Echt jetzt, Emma? Vampire? Dann zeig mir, wie jemand organisch gesund sein kann, wenn kein Tropfen Blut in ihm ist. Sie würden absterben, aber die hier...", sie zeigte auf alle drei Körper in einer schwingenden Armbewegung, „leben alle. Nein, keine Vampire, aber es gibt genügend Energien die man abzapfen kann..."

Das Frösteln, welches sie beim ersten Blick auf den Jungen spürte, kehrte zurück, als sich ein Gedanke in ihrem Verstand manifestierte.

Ich würde meine eigene Seele darauf verwetten, dass man die ihre genommen hat

Sie behielt ihre Befürchtung für sich, aus Angst alle zu erschrecken, so lange sie nicht genau wusste, dass sie im Recht lag. Für einen Augenblick legte sich Schweigen über das Zimmer, welches nur von Mary Margaretes Seufzen durchbrochen wurde. Sie konnte den Anblick der Kinder nicht mehr ertragen und wandte ihr Augenmerk auf ihre Tochter, die blass um die Nase herum schien. Sie konnte beobachten, wie Emma ihre Atmung veränderte, konnte sehen, wie sie beinahe beiläufig über ihren Bauch streichelte und fragte sich innerlich enttäuscht, wann sie sich ihr endlich anvertrauen würde. Sie war noch in ihren Gedanken vertieft, als Regina verkündete:

„Mir reicht es langsam, die Bücher zu wälzen. Ich fahr raus zum Konvent. Vielleicht wissen die Feen, was hier los ist. Bevor noch jemand auf die dumme Idee kommt und mir die Schuld für diesen Zustand in die Schuhe schiebt."

Die Leute vergessen gern, dass ich nicht die einzige mit Magie hier bin. Dann sollen die Schwestern mal zeigen, was sie können

Emma nickte zustimmend und hoffte, dass man sie entbehren konnte, denn die Übelkeit überrollte sie ohne Vorankündigung. Mit aller Macht versuchte sie diese zu verdrängen, damit ihre Mutter nichts bemerkte. Hilfesuchend blickte sie zu Regina, als sie das Wort ergriff.

„Du willst sofort zu den Feen?"

Die Angesprochene brauchte nur einen Blick auf die Blonde werfen, um das mittlerweile vertraute Bild ihrer Schwangerschaftsübelkeit zu erkennen.

„Ja! Würdest du bitte schon mal Henry abholen? Dann muss ich nicht auch noch da hin." Dankbarkeit zeichnete sich auf Emmas Gesichtszügen ab, als Regina ihr einen Ausweg bot. Sofort stimmte sie diesem Vorschlag zu und verabschiedete sich, jedoch nicht ohne dass Mary Margaret ihr hinterher eilte.

„Warte Emma, ich begleite dich." Die Retterin hielt abrupt inne, verdrehte ihre Augen und zwang sich dann zur Beherrschung, bevor sie sich ihrer Mutter zuwandte.

„Nein. Geh nach Hause und erzähl Dad was hier passiert ist. Vielleicht hat er eine Ahnung, was hier los sein könnte. Ich ruf dich später an." Mit diesen Worten ließ sie Mary Margaret stehen und verschwand den Gang entlang.


Das Verlorene

Regina stand an der Spüle und sortierte das trockene Geschirr in die Schränke. Ihr Blick wanderte hin und wieder zu Roland und Henry, die am Küchentisch saßen. Der Jüngere malte voller Konzentration, während der andere sich mit den Schulaufgaben quälte, die er am vergangenen Tag verpasst hatte, da man ihn auf Grund der Geburt aus der Schule gehalten hatte. Daniel lag in seiner Wippe, die auf der Arbeitsfläche stand und schlief. Die einstige Königin betrachtete einen Moment das schlafende Baby und unterdrückte ein Gähnen. Die letzte Nacht war kurz. Nachdem die beiden Jungen ihren Bruder ausgiebig kennengelernt hatten, hatte sich Roland schneller im Ehebett eingefunden, als sie bis drei zählen konnte. Sie konnte ihn nicht hinaus werfen, konnte ihn nicht dazu überreden in sein eigenes Bett zu gehen, nicht nachdem der Lockenkopf fast schon selig in ihren Armen lag und auf sie einredete, um seine neugewonnene Position zu festigen.

Als könnte das Gespräch mit Henry und sein aufkommender Mut, nur ein Traum sein, hing er an ihr und löste sich nur widerwillig, als Daniel erwachte und lautstark seinen Hunger kundtat. Regina hatte versucht Roland davon zu überzeugen liegen zu bleiben, endlich zu schlafen, doch der Junge erhob sich, griff nach ihrer Hand und legte das kurze Stück zur Kinderstube mit ihr zurück. Sie wies ihn an, die Tür zuzuschieben, damit Robin nicht geweckt wurde und noch während er dieser Aufforderung nachkam, wollte er bereits hinunter und Pfannkuchen für seinen Bruder machen. Die Schwarzhaarige konnte das Schmunzeln nicht unterdrücken und versuchte ihm zu erklären, dass der Junge zu klein für feste Nahrung war. Für einen Moment hatte sie überlegt ihn doch irgendwie aus der Kinderstube zu lotsen, als sie Daniel aus dem Bett nahm und sich in den Sessel setzte, der im Zimmer stand. Doch sie wusste instinktiv, dass sie es nicht vermögen würde. Dass Roland diese Momente brauchte, um zu verstehen, dass er nicht zur Seite geschoben wurde, nun wo das Baby da war. Also knöpfte sie das Nachthemd auf und setzte den Säugling an die Brust. Der Lockenkopf blickte fasziniert auf seine Mutter, ehe er sich aus dem Bettchen seines Bruders zwei Stofftiere nahm und sich auf den Boden vor ihren Füßen setzte. Er spielte still und Regina fragte sich, wann die Müdigkeit ihren Tribut fordern würde und Roland endlich einschlief. Er blieb ruhig bis sein Bruder gesättigt und wieder im Bett lag, führte sie zurück ins Bett und kuschelte sich gleich darauf wieder an sie. Als Daniel nach wenigen Stunden erneut seine Bedürfnisse schreiend verkündete, glaubte sie Roland endlich schlafend und huschte aus dem Bett zu dem Baby, doch kaum saß sie in dem Sessel, da war ihr Schatten wieder da.

Jetzt nach dem Frühstück fühlte sie sich müde und war überrascht, dass Roland keinerlei Anzeichen von Müdigkeit zur Schau trug.

Regina hatte die letzten Teller im Schrank verstaut und begab sich zu ihren beiden Söhnen an den Tisch, um sich einen Tee zu gönnen. Henry brütete noch immer über seinen Hausaufgaben, doch Roland hatte sein Bild endlich beendet. Sie brauchte keine magischen Fähigkeiten, um zu ahnen, was der Lockenkopf auf Papier gebannt hatte. Stolz zeigte er sein Bild, auf das er den Wald gemalt und in der Mitte eine Wiege. Köpfe ragten über der Wiege auf und bedurften keinerlei Erklärung. Regina nahm das Blatt an sich und besah es mit übertrieben zur Schau gestelltem Kennerblick.

„Wundervoll, mein kleiner Schatz, das ist dir sehr gut gelungen.", lobte sie ihn und erfreute sich an dem Strahlen seiner Augen, welches sie ihm damit entlockte. Roland nahm das Blatt wieder an sich und erklärte, dass er in der Kinderstube aufhängen wollte. Noch während er sprach, ertönte ein Klopfen, welches sich im nächsten Augenblick in einen hohen Ausruf verwandelte.

„Wo ist das Baby?"

Mit einem breiten Lächeln betrat Tinkerbell die Küche und schritt sofort an den Tisch, wo die drei Gestalten saßen. Henry schaute von seinen Hausaufgaben auf und begrüßte die Fee mit einem Kopfnicken, während Roland von seinem Stuhl aufsprang und seine dünnen Ärmchen um sie legte.
„Hi Tink. Unser Bruder ist da!", machte er erfreut und wollte sie schon zur Wippe schieben, die noch auf der Küchenarbeitsfläche stand, doch die Fee löste sich vorsichtig von dem kleinen Jungen und erklärte:
„Ja, das habe ich gehört. Und ich wünschte ich wäre früher hier gewesen, aber es ging leider nicht. Nun lass mich aber erst einmal...", während sie sprach zog sie Regina vom Stuhl und drückte sie herzlich.

„Herzlichen Glückwunsch, meine Liebe. Und jetzt, zeig mir das Baby..."

Die Herrin vom Sherwood Forest erwiderte die Umarmung und zeigte danach auf die Wippe. Tinkerbells ehrliche Freude, peitschte ihre eigene von neuem an. Zu dieser Freude mischte sich ein Gefühl von Stolz, als sie ihren Sohn vorstellte. Die blonde Frau wartete nicht ab, fragte nicht einmal nach, ob es der Mutter recht wäre, das Kind zu nehmen, sondern griff sogleich in die Wippe und nahm das Baby aus dieser heraus.

„Hi Daniel!", hauchte sie freudig erregt und hauchte seiner Stirn einen Kuss auf, ehe sie ihn richtig auf ihrem Arm bettete. Ihr Augenmerk war weiter auf den kleinen Jungen gerichtet, als sie im selben Tonfall mit ihm weitersprach.

„Schön, dass du da bist. Du hast gar keine Ahnung, wie lange ich darauf gewartet habe, dich endlich kennenzulernen.", sie schenkte Regina einen belustigten Blick bei dem Seitenhieb und fuhr fort.

„Wenn deine Mom nicht so ein sturer Esel wäre, hättest du jetzt schon eigene Kinder."

Regina verdrehte amüsiert die Augen und forderte die Fee auf sich zu setzen. Sie selbst begann aus den Vorratsschränken, die vor Kuchen überquollen, einige der Süßspeisen heraus zunehmen und auf dem Tisch zu drapieren, bevor sie Teller und Gabeln verteilte. Tinkerbell indes betrachtete den Jungen in ihrem Arm mit einem verliebten Ausdruck auf dem Gesicht, als sie das Offensichtliche kundtat:
„Himmel...du hast aber bestimmt schon gemerkt, dass er aussieht wie sein Vater?!"

Die Schwarzhaarige platzierte gerade die Gabel neben Tinkerbells Teller, als sie innehielt und ihren Sohn betrachtete. Ein schelmisches Funkeln zeichnete sich in ihren dunklen Augen ab, als sie trocken erwiderte:
„Ja und ich beschwere mich nicht. Ich steh auf seinen Vater."

Die andere Frau lachte auf und wiegte den Jungen in ihrem Arm.

„Apropos Vater, wo steckt der Kerl?"

Regina konnte den Anflug von Gegenwehr nicht bekämpfen der sie befiel, als sie einen gewissen Unterton in der Stimme der Anderen zu hören glaubte. Sie konnte nicht ertragen, dass man ihm etwas negative anlastete, obwohl sie um sein Bemühen wusste, ihr alles Recht zu machen, damit es ihr gut ging. Sie wollte ihrer Freundin antworten, doch Roland kam ihr zuvor.

„Der ist kurz im Dorf. Moms Tee und Saft kaufen."

Es kam so einfach über seine Lippen, so dass Tinkerbell im ersten Moment glaubte sich verhört zu haben.

Mom?

Sie schenkte Regina einen fragenden Blick, als ihre Lippen bereits das Wort Mom formten, doch die einstige Königin schüttelte ihren Kopf, um die Fee zum Schweigen zu bringen. Sie hatte nicht vor darauf einzugehen und den Jungen vor ihr bloß zustellen, nachdem sie verstand ,wie schwer er unter seiner Feigheit gelitten hatte. Tink verstand und lächelte friedlich. Die beiden Frauen verfielen in eine Unterhaltung, während vor allem die Fee und Roland sich an dem Kuchen gütlich taten. Henry schien keinen Appetit zu verspüren und blickte nur hin und wieder zu seinem neuen Bruder. Als er seine Hausaufgaben endlich erledigt hatte, fragte er:

„Mom?! Einige der Jungs wollen heute Angeln. Darf ich auch?"

Regina nickte und erlaubte es ihm.

„Aber zum Abendessen bist du wieder da!"

Der Junge grinste und erwiderte:
„Jepp...ich bring auch das Abendessen mit!" Er erhob sich und drückte seiner Mutter einen Kuss auf die Wange, ehe er die Küche verließ. Die Schwarzhaarige wandte sich an Roland und hakte nach, ob er nicht auch zum Fischen wollte, doch tief in ihrem Innern kannte sie bereits die Antwort. Der Junge würde wohl noch einige Zeit ihr Schatten bleiben, bis er sich an die neue Situation gewöhnt hatte.

Kaum war Henry weg, erschien Robin. Er hatte die Küche noch nicht ganz betreten, da quietschte Tinkerbell übermütig, während sie den freien Arm in seiner Richtung ausstreckte.
„Daaaadyyyyy...na komm her du! Herzlichen Glückwunsch!" , sie zog ihn in ihre Arme und drückte ihn. Der einstige Geächtete wirkte, als stünde er neben sich und grinste debil vor sich hin, bevor er sich zusammenriss und den Gast anständig begrüßte. Er nahm die Glückwünsche herzlich entgegen und setzte sich zu den Frauen und Roland. Sie verfielen wieder in eine Unterhaltung. Regina berichtete von der Decke, die Eddy und Jeff hatten anfertigen lassen und schickte Roland sogleich los, diese zu holen.
„Okay, Mom!" Der Lockenkopf flitzte aus der Küche. Tinkerbell schaute ihm kopfschüttelnd hinterher und wagte erst jetzt die Frage zu stellen, die ihr auf der Zunge brannte.
„Mom?"

Regina setzte seufzend zu einer Erklärung an, doch Robin kam ihr zuvor.
„Ja, Mom! Der kleine Sauhund hat mich gestern dafür verschachert." erklärte er lachend. „ Aber ich beschwere mich nicht.", fügte er etwas ernster hinzu und griff nach Reginas Hand, um sie sacht zu drücken. Die Schwarzhaarige erwiderte den Druck und fühlte sich plötzlich, von seinem Blick und dieser winzigen Geste überwältigt.

Ich dreh noch durch mit diesen Hormonen, ich dachte das wäre jetzt vorbei


Das Gegenwärtige

„Du musst mich nicht zu den Feen fahren", Reginas Stimme übertönte die leise Musik, die aus den Boxen drang. Ihr Blick war auf die Straße gerichtet, die von Bäumen umsäumt vor ihnen lag.
„Ich bin der Hilfssherrif!", antwortete Robin knapp, während in einem gleichmäßigen Tempo fuhr. Er spürte Morpheus Hände, die nach ihm griffen, doch er verdrängte das Gefühl der Müdigkeit. Er musste sich konzentrieren und seinen Job machen, ganz gleich ob die Nächte, dank seiner Söhne, kurz und voller Unterbrechungen waren.

„Du kannst mir ohnehin nicht dort helfen oder hast du auch nur ein Fünkchen Ahnung von Magie?" Robin seufzte innerlich und bekämpfte das Gefühl anzuhalten, sie aus dem Wagen zu zerren und ihren Kopf gegen die Wagentür zu knallen. Wie konnte sie sich noch immer dagegen wehren, wenn er nicht nur nett war, sondern seinem Job nachkam. Der Schlafentzug legten seine Nerven mehr und mehr blank, doch der einstige Räuber brachte alle Selbstbeherrschung auf, dem inneren Drang nicht nachzugeben, und so hielt er den Blick stur auf die Straße gerichtet, als er antwortete:

„Nein, habe ich nicht. Aber von diesen Blagen hab ich mehr als einmal den Arsch aufgerissen bekommen, dass ich das Recht habe zu erfahren, was los ist.", erinnerte er sie an die Verletzung seines Arms und die vielen Einsätze in der Schule. „ Also wenn Madam jetzt das nörgeln unterlassen und sich stattdessen über ein wenig Unterstützung freuen würde, wäre diese Fahrt weitaus angenehmer..."

Dieses Weib macht mich wahnsinnig

Er atmete einmal geräuschvoll durch und hielt die Luft an, als er sie durch den Seitenspiegel beobachtete.

Sag jetzt ein Wort, Mills und ich halte wirklich an

Regina öffnete bereits ihre Lippen, um ihm zu antworten. Der Ton und die Worte, die er anschlug gefielen ihr nicht, doch als ihre Blicke sich im Spiegel trafen, schloss sie ihren Mund, ohne ein weiteres Wort. Stattdessen verschränkte sie die Arme vor der Brust und schaute aus dem Seitenfenster, den dahin rasenden Bäumen zu.

Was sind wir heute nur so empfindlich...

Dachte sie gehässig, doch dann beschwor ihr Verstand sein müdes Antlitz herauf und sie konnte sich nicht gegen das Mitgefühl wehren, welches sie überkam. Die Bürgermeisterin hasste die Emotionsgewalt, die er in ihr auslöste, hasste die Momente, in denen sie sich schwach und gleichzeitig sicher bei ihm fühlte und so beschloss sie für den Rest der Fahrt den Mund zu halten.

Wenigstens nörgelt sie nicht mehr rum

Dachte Robin und genoss die Stille. Die monotone Fahrbahn, die eingeübten Bewegungen und die Ruhe befreiten seine Gedanken und bewegten sie in seinem Kopf hin und her. Rolands Alpträume schlauchten ihn. Die vielen Fragen nach seiner Mutter verwunderten ihn, doch die Hysterie in der Nacht, wenn er schreiend und schweißnass erwachten, erschreckte ihn. In solchen Nächten, wenn sein Erstgeborener in seinem Arm weinte und schluchzte, wünschte er sich noch sehnlicher, dass der Schleier des Vergessen endlich gelüftet wurde. Wünschte er sich, dass er endlich wisse, warum er in dieser Welt gelandet und mit seinen Söhnen allein war. Manchmal glaubte er sich selbst einen Reim zu machen. Glaubte, dass die Mutter des Babys vielleicht auch für Roland eine Mutter war, die er unbewusst vermisste, doch er kannte sich, wie Regina so trefflich gesagt hatte, nicht mit Magie aus. Wusste nicht, wie sie wirkte und wie man sie auflösen konnte. Doch er wusste, dass die Frau neben ihm über genug Wissen verfügte, um Antworten auf all seine Fragen zu geben.

„Die Nächste Rechts.", durchschnitt Reginas Stimme die Stille. Der Hilfssheriff kam der Order nach, bog ab und fuhr den Wagen auf einen kleinen, Hof ähnlichen Platz. Dort angekommen, parkte er den Wagen direkt vor der Eingangstür und schaltete den Motor aus.

„Es wirkt so ruhig hier.", bemerkte Robin, als er die Tür öffnete und ausstieg. Regina tat es ihm gleich, bevor er so galant sein konnte und ihr aus dem Auto half. Die beiden betrachteten das große Bauwerk, als sie zu reden begann.

„Vielleicht ist gerade Gebet...oder Fastenzeit...oder weiß der Himmel, vielleicht ist heute Bingo in der großen Halle."

Robins Mundwinkel verzogen sich haucheben zu einem Schmunzeln, ehe sie die wenigen Stufen zur Tür erklommen und Regina anklopfte. Der Ton dröhnte in seinen Ohren, was der Schlafmangel nur verstärkte.

Himmel...ich bin froh, wenn ich heute mal zur Ruhe komme

Robin und Regina warteten einen Moment ab, doch nichts geschah, so dass die Schwarzhaarige abermals klopfte, doch dieses Mal mit viel mehr Kraft. Sie hielt das Klopfen für einige Zeit aufrecht bis der aschblonde Mann genervt nach ihrem Handgelenk griff und sie damit zum Aufhören zwang.

„Korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber ich glaub da ist niemand da!"

Regina seufzte frustriert und wischte mit der Hand einmal über die Tür. Im nächsten Moment erklang ein leises Klick und die Tür öffnete sich knarzend.
„Das ist Einbruch, Mills!"

Die Angesprochene verdrehte ihre Augen und konnte doch ein leichtes Grinsen nicht unterdrücken.
„Also dein Spezialgebiet. Siehst du, haben wir doch noch einen Grund gefunden, warum du mich begleitest. Komm jetzt, Locksley!", forderte sie ihn auf und war schon im Innern verschwunden.

Robin schüttelte seinen Kopf und konnte sich nicht gegen das Gefühl des Amüsement erwehren.

So schnell wie sie mich auf die Palme bringt...so schnell schafft sie auch alles anderes...

Die beiden betraten den Raum und schritten durch das Mittelschiff zum Altar. Regina rief immer wieder nach dem Namen der Mutter Oberin, doch die einzige Antwort waren ihre eigenen Worte, die von den Wänden widerhallten.

„Gibt es hier noch mehr Räume?"
Die Bürgermeisterin nickte und führte ihn zu einer Tür. Sie öffnete sie und ein langer Gang erstreckte sich mit vielen Türen. Robin folgte der Frau, als sie auf den Gang trat und zuckte leicht zusammen, als sie zu rufen begann:
„HAAAALLLLLOOO BLUUUEEEE? IST JEMAND HIER?"

Für einen Augenblick verstummte sie und horchte in die Stille.

„Da ist niemand!", flüsterte Robin und als Regina erneut zum Rufen ansetzen wollte, legte er ihr die Hand auf den Mund.
„Psch...da ist doch jemand...hörst du...?"

„Im tiefschten Keller schiitz isch hier... einsam un allein. Da kam ein hol'es Weibelein schur Tür he' der Hand ein Korb voll Wein, jetzt sitzen wir beide hier un sinn nimma allein...Heihoooo Heeeiiihoooooo juchaeisaaaasaaa...Heiiihooooo...Heiiiihooooo..."
Der Gesang erklang leise durch den Gang. Robin packte nach Reginas Hand und zog sie diesem hinterher. Sie kamen an eine weitere Tür, welche der einstige Räuber öffnete. Eine Treppe führte hinab in das Kellergewölbe. Kaum war die Tür geöffnet, war die Stimme laut und gut wahrnehmbar.
„Was zum...", fragte die Schwarzhaarige, was den aschblonden Mann wohlwissend grinsen ließ.
„Nicht was! Wer!", erklärte er kurz und führte sie in den Raum, aus dem die Stimme drang. Eine nackte Birne erhellte den Raum, in dem ein dicker kleiner Mann an einem Weinfass stand und sein Glas auffüllte. Noch immer sang er.

„Und wenn der Wein schuuuuuu Neige ischt...dann...fängst das Unglück an von..."

„Du verschrobener, versoffener, alter Mann.", Robins Stimme erklang belustigt und ließ den Mann zusammenzucken. Er ließ das Glas fallen und drehte sich zu der Quelle der Stimme um.
„Robin!", quietschte er und machte einen Schritt auf den Neuankömmling zu. Regina begutachtete den Mann mit hochgezogener Augenbraue. Sein fetter Leib war in einer Mönchskutte gekleidet. Um sein Hals lag eine einfache Kette, deren Kreuzanhänger auf seinem viel zu großen Bauch thronte. Er umarmte Robin auf der Stelle.

„Wasch maschu hia?", lallte der Mönch und drückte den aschblonden Mann fest an sich.

„Das gleiche könnte ich dich Fragen, Tuck."

Die beiden Männer lösten sich, doch nicht ohne dass Robin ihn stützend am Arm festhielt, da der Mönch gefährlich schwankte.

„Isch...isch hab keine Ahnug...Robin...", setzte er zu einer Erklärung an und gestikulierte wild mit dem freien Arm. „Isch hab jeschlafen und dann plötzlich..,Wusch war isch hia...gansch allein...nur Isch Robin...und dann bin isch raus...und das war alles so fremd, da bin isch schnell surück...das ischt ein Teufelschwerk..."

Erst jetzt bemerkte Bruder Tuck Reginas Anwesenheit. Er leckte sich über die Handinnenfläche und strich sein schütteres Haar glatt, ehe er eine segnende Bewegung ausführte.
„Oh...Sei geschegnet Dochter...möge der Herr dein sch...schhhhh...schöööönes Antlitz in Gnade bedenken..."

Regina rümpfte die Nase, als der Alkoholgeruch in ihre Nase stieg und trat einen Schritt zurück. Der Mönch klammerte sich jetzt an Robin, als habe er nach ewigem Suchen den heiligen Gral gefunden. Flüsternd hakte er nach,.
„Waaaa...Warum bischt du hia?...Du hascht keinen Platsch in der Hölle verdient, mein Sohn!"

Robin seufzte tief. Die Müdigkeit war Angesichts der Aufregung gewichen. Er wollte gerade mit seinem alten Freund und Weggefährten reden, da erklang Reginas Stimme.

„Hör auf zu Schwafeln, alter Mann. Wo sind die Feen?..."

„Feen?", machte er, als hielte er sie für verrückt.

„Schwestern...die Nonnen? Wo sind die Nonnen?", besann sie sich und wartete ungeduldig ab.

Bruder Tuck zuckte mit seinen Schultern und setzte zu einer weiteren Erklärung an.

„Dochter...isch sachte bereischt...isch bin hia erwacht...allein...ganz allein!", sein Blick wurde leer, doch im nächsten Moment füllte Panik seine Augen. Er wendete sich Robin zu, klammerte sich an sein Hemd und schüttelte den Hilfssherriff.
„Robin...Robin...dasch war dasch Armageddon...da drauschen...die Hölle wartet...isch hab diese lauten Viecher gesehen...Diese Monster...Isch hab die Hölle geschehen!"

Regina wandte sich ab und zwang sich Ruhe zu bewahren, doch als die Hysterische Stimme all die vom Alkohol genährten Worte ausspuckte, bewegte sie ihre Hand in Bruder Tucks Richtung. Der Mönch wurde von Robin losgerissen. Eine weitere Bewegung ihrer Hand und ein Schwall Wasser ergoss sich über seinen Kopf.

„Heeeeeeeey!", machte das Opfer anklagend, doch Regina antwortete:
„Noch ein bescheuertes Wort aus deinem Mund und ich bring dich ganz anders zum Schweigen." Sie atmete geräuschvoll aus und fügte hinzu.

„Geh deinen Rausch ausschlafen, alter Mann und dann können wir reden."


Das Verlorene

Nachdem Tinkerbell wieder gegangen war, hatte Robin seine Gefährtin dazu überredet, sich etwas auf die Couch zu legen. Nach der kurzen Nacht und dem Stillen, welchem sie so oft nachkommen musste, wirkte sie müde und erledigt. Er war froh, dass sich Roland, obwohl er sie kaum einen Augenblick allein ließ, still selbst beschäftigte und nicht allzu viel ihrer Aufmerksamkeit forderte. Nun saß er neben ihr auf der Couch, schmiegte ihren Oberkörper an den seinigen und hauchte ihrer Schläfe einen zärtlichen Kuss auf. Ihm war, als wenn sie jetzt das erste Mal, seit der Geburt, wirklich einen Moment für sich hatten. Einen Moment, in dem nicht noch mehr Boten läuteten und Blumen und Geschenke brachten, nicht noch mehr Gratulanten kamen, sondern sie etwas Zeit hatten, um zur Ruhe zu kommen. Das Geschehene sacken zu lassen. Der aschblonde Mann konnte spüren, wie die Frau in seinem Arm entspannten. Auch er merkte, wie die Müdigkeit ihn überrollte, doch er zwang sich wach zu bleiben.

Seine Augen betrachteten die Gestalt seiner Gefährtin, wanderten über ihr Gesicht, welches Müdigkeit ausstrahlte und hin zu ihrem Dekolletee, das sich in den vergangenen vierundzwanzig Stunden verändert Blick ruhte auf dem Ansatz ihrer Brüste, die gewachsen waren, so dass sie die obersten Knöpfe ihres Kleides nicht schließen konnte. Ein seliges, fast schon debiles Lächeln legte sich auf seine Gesichtszüge, welches sich zu einem Grinsen wandelte, das in seiner Stimme mitschwang.

„Wo kommen die denn her?"

Er konnte den tiefen Seufzer seiner Gefährtin hören. Doch als sie antwortete, erkannte er ihr Schmunzeln, das von Scham durchzogen war.

„Milcheinschuss...ich muss meine Sachen weiten, sobald ich mich aufraffen kann."

Das Grinsen auf Robins Lippen intensivierte sich gleichermaßen, wie das Starren auf ihre Brüste. In dem Moment, als er wie in Trance seine Hand hochhob und nach ihr ausstreckte, spürte er einen leichten, verspielten Klaps an seinem Hinterkopf.

„Finger weg, Locksley! Die gehören deinem Sohn, fürs Erste!"

In Robins Kehle erwuchs ein warmes Lachen. Er zog Regina an sich, die ebenfalls in sein Lachen einfiel und drückte ihr einige Küsse auf die Stirn.

„Wie Madame befehlen!"

Noch während sie sich dort neckten, fiel dem aschblonden Mann etwas ein.

Ich bin so ein Idiot...wurde wirklich Zeit, dass hier Ruhe eingekehrt ist

Dachte er, und spürte plötzlich das Gewicht in seiner Brusttasche überdeutlich. Er bewegte seinen Arm, um in diese zu greifen und zog die Hand zur Faust geballt wieder heraus.

„Du hast wirklich einen Narren an deiner Seite, Liebes.", erklärte er schmunzelnd und löste sich von ihr. Er hielt ihr die Faust hin und konnte beobachten, wie Reginas rechte Augenbraue in die Höhe schoss.

„Ein Juwel für einen Juwel.", während er sprach, öffnete er die Hand und enthüllte eine goldene Kette mit drei grünen Edelsteinen. Robin öffnete den Verschluss und forderte seine sprachlose Gefährtin auf, ihren Oberkörper leicht zu drehen, damit er ihr die Kette anlegen konnte.
„Es ging so schnell und ich wusste bis gestern nicht, welche Farbe der dritte Stein bekommen sollte, deswegen ist die Kette erst heute Morgen fertig geworden."

Regina streichelte über das kostbare Material, das um ihren Hals lag und öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch kein Laut entfleuchte ihren vollen Lippen. Stattdessen beugte sie sich zu ihm und nahm seine Lippen zu einem gefühlvollen Kuss gefangen. Noch während sie sich berührten, hauchte sie.

„Ich hab zu danken..."

Das habe ich...

Robin antwortete auf ihre Worte mit einem weiteren Kuss, ehe ein Besucher diesen Unterbrach.
„Entschuldigt, ich wollte nicht einfach rein platzen, aber die Tür war offen."

Bailey lächelte freundlich und hob den Korb, den sie in ihre Hand hielt, demonstrativ an.

„Ich hab euch etwas zu essen gebracht."

Robin erhob sich, begrüßte den Neuankömmling und bedankte sich für ihre Fürsorge. Er nahm ihr den Korb ab und sprach:

„Ich pack das in die Küche und lass die Damen noch einen Moment allein. Die Pflicht lässt einen nie los, Stanley braucht eine Unterschrift."

Er wendete sich nochmal zu seiner Gefährtin, beugte sich zu ihr und gab ihr einen Kuss.
„Ich bin bald zurück."

Regina erwiderte den Kuss und schaute ihm nach, bis er das Wohnzimmer verlassen hatte. Ihr Blick ruhte noch auf der Stelle, wo er bis gerade eben noch gestanden hatte, als Bailey das Wort ergriff.

„Er war dir von Anfang an verfallen, aber jetzt...", begann sie und machte einen Kopfdeut zur Wiege, die hinter dem Sofa stand „... hast du ihn vollkommen in der Hand, das weißt du?" Reginas Mundwinkel zuckten. Selbstbewusst nickte sie ein paar mal.
„Oh ja, das weiß ich...und ich werde den Teufel tun und mich darüber beschweren!"
Die Alte lachte auf und setzte sich neben die frischgebackene Mutter.


Das Gegenwärtige

Robin und Regina bekamen kein Wort mehr aus dem Geistlichen heraus, denn kaum dass sie ihn abgeduscht hatte und er einen letzten Versuch der Gegenwehr versuchte, kippte der dicke Mönch einfach um und schlief tief und fest ein. Bürgermeisterin und Hilfssheriff nutzten die Zeit, um sich im Kloster umzuschauen, doch von den Feen fehlte jegliche Spur. Nichts was von dem Verbleib der magischen Wesen zeugte, konnte gefunden werden, so dass sie schlussendlich aufgaben.

„Wir finden hier nichts und ich befürchte", begann Regina, als sie zurück in das Kellergewölbe kamen, in dem Bruder Tuck lag, „...dass wir aus ihm, außer Schnarchen, nichts Brauchbares heraus bekommen..."

„Jedenfalls nicht, solange noch so viel Wein durch seine Adern rauscht.", bestätigte Robin ihre Befürchtung. Der aschblonde Mann wischte sich müde über das Gesicht und konnte die Enttäuschung nicht verbergen. Gähnend verkündete er:

„Nimm den Wagen, ich bleib bei ihm und bring ihn, wenn er wieder nüchtern ist, in die Stadt. Bailey oder Stanley soll sich um ihn kümmern. Die beiden haben ein Händchen für ihn."

Regina wandte den Blick auf Robins Gesicht und las mehr, als sie wollte. Sie sah die Müdigkeit und sein Sehnen, endlich zur Ruhe zu kommen.
„Nein! Der wacht nicht so schnell auf.", sie wischte mit der Hand über die schlafende Gestalt des Mannes und er verschwand. Robin starrte sie vorwurfsvoll an und wollte gerade los motzen, doch da brachte sie ihn seufzend zum Schweigen.
„Er liegt jetzt in seinem Bett. Du bist hundemüde und hast genug mit deinem Job und deinen Söhnen zu tun, also schick jemanden von deinen Männern hier raus, um sich um ihn zu kümmern." Robins Augenbraue hob sich minimal in die Höhe, als er so etwas wie Fürsorge nicht nur in ihren Worten, sondern auch in ihrem Blick erkennen konnte. Augenblicklich kehrte das warme Gefühl in seine Brust zurück, welches nur sie heraufbeschwören konnte. Geschlagen nickte er.
„Du hast vielleicht Recht, ich...", weiter kam er nicht, denn sie fiel ihm mit gespielter Arroganz ins Wort.

„Natürlich habe ich Recht und nun komm!"

Die beiden Gestalten verließen das Gebäude und kehrten zurück zum Hof, auf dem der Wagen stand. Robin öffnete die Beifahrertür und half der Schwarzhaarigen in das Gefährt, bevor er den Wagen einmal umrundete und auf dem Fahrersitz Platz nahm. Frustriert entfleuchte ihm ein Seufzen, als er mehr zu sich, als zu der Frau an seiner Seite sprach:

„Jetzt sind wir genauso schlau wie vorher.", er steckte den Schlüssel ins Zündschloss, doch bevor er diesen drehen konnte, erklang Reginas Stimme.
„Nein, wir haben ein weiteres Puzzleteil. Die Feen sind nicht hier, das ist seltsam. Kinder führen sich unmöglich auf, verschwinden und kehren verändert zurück."

Allem Anschein, seelenlos

Sie behielt ihre Gedanken für sich und sprach weiter:

„Du siehst, wir haben einiges, mir erschließt sich nur noch keine Verbindung."

Robins Kehle entfleuchte ein weiteres Seufzen, als er antwortete und die Hand vom Schlüssel nahm."

„Du bist nicht die Einzige...ich bin ebenfalls blind zu erkennen was los ist. Das ist alles nichts für mich. Ich war zufrieden im Wald...und jetzt bin ich mit Vergessenheit geschlagen in einer Welt, die ich nicht ganz begreife und weiß kaum, wie ich...", sprudelte es ehrlich aus ihm heraus, als er alle Waffen niederstreckte und offenbarte, was sein übermüdeter Verstand nicht länger leugnen konnte. „wie ich meinen Sohn nachts noch zum Schlafen bekomme, ohne dass er schluchzend und brüllend aufwacht..."

Über Reginas dunkle Augen zog sich Mitgefühl. Ohne es beherrschen zu können, legte sich ihre Hand auf seinen Unterarm und drückte ihn einmal, während es ihm nicht gelang ihr ins Gesicht zu schauen. Robin starrte durch die Windschutzscheibe und wirkte wie ein geschundener Hund, den man einmal zu oft geschlagen hatte.

„Mittlerweile ist er so übermüdet, dass er nicht mal mehr in den Schlaf findet, wenn ich ihn zu Bett bringe..."

Die Schwarzhaarige schaffte es nicht ihre Hand von ihm zu lösen. Ihr war, als würde sie seine Verzweiflung und Erschöpfung nicht nur erahnen, sondern spüren können. Als hätte sie sich vor ihrer eigenen Erschöpfung viel zu lange verschlossen. Rolands Leid, ihr Gespräch und seine Qual war plötzlich wieder gegenwärtig und ließ sie schlucken. Sie versuchte ihrer Stimme einen festen Klang zu verleihen, um ihre Anteilnahme nicht all zu deutlich zu zeigen, doch es misslang ihr. Mit warmer Stimme sprach sie:
„Er hat heute Mittag geschlafen...gut sogar.", sie starrte auf das Profil seines Gesichts, welches noch immer starr aus der Frontscheibe blickte. Die winzige Regung der Erleichterung berührte etwas in ihrem Innern, nährte das vertraute Gefühl, ihn glücklich wissen zu wollen und erschrak sie gleichermaßen. Abrupt ließ sie seinen Arm los und wollte ihn auffordern endlich loszufahren, doch als ihre Lippen sich öffneten, hörte sie sich sagen:

„Du bist übermüdet. Schlaf dich heute Nacht aus. Ich nehme die beiden Jungs mit zu mir. Henry wird sich darüber freuen, wenn Roland über Nacht bleibt."

Die Worte drangen in Robins Gehörgang und schlugen Wurzeln in seinem Verstand. Dankbarkeit stieg in seiner Brust auf und vermischte sich mit dem Gefühl ihr einfach nur nah sein wollen. Er drehte seinen Kopf in ihre Richtung und griff nach ihrer Hand. Für einen Moment glaubte er, sie würde sie weg schlagen, doch sie gewährte ihm diesen Moment der Nähe. Ein Teil in ihm wollte ablehnen, wollte ihr sagen, dass sie schon genug für ihn getan hatte, doch ein Anderer konnte nicht anders, als annehmen.

„Danke, Regina...ich weiß kaum noch, wie ich das hier alles hinbekommen sollte, ohne dich..." Der aschblonde Mann lächelte zaghaft, als er sprach und blickte der einstigen Königin fest in die Augen. Sein Herzschlag beschleunigte sich. Seine Hand drückte sachte die ihre und das Lächeln, gerade noch zaghaft, wurde liebevoll.
Reginas Atmung schwoll an, als sie die Zärtlichkeit in seinem Blick erkennen konnte. In ihrer Brust breitete sich eine Sehnsucht aus, vor der sie sich fürchtete. Seine Ehrlichkeit und Nähe brachten etwas in ihr in Wallung, das weit von der Leidenschaft entfernt lag, die sie ihm sonst nur gewährte. Der aschblonde Mann fasste sich ein Herz und überbrückte die letzten Zentimeter, legte seinen Arm um sie und bettete seine Stirn an die ihrige. Für den Augenblick hielt die Welt in ihrem Lauf innen, ehe er sich aus dieser Position löste und sein Haupt auf ihre Schulter legte. Einem Automatismus folgend, schloss Regina ihn in ihre Arme und schmiegte ihn an sich. Es war unbequem, doch der einstige Räuber beschwerte sich nicht. Er schloss eine Augen, atmete ihren vertrauten Geruch ein und spürte wie seine Seele zur Ruhe kam. Überwältigt von dem Frieden, der ihn überkam, hoffte er, dass sie diese Verbindung nicht einfach lösen würde. Hoffte, einfach in ihren Armen bleiben zu können, bis diese fremde, neue Welt da draußen ihm endlich freundlich gesinnt wäre.
Die Schwarzhaarige hielt ihn fest und konnte seinen Atem auf ihrer Haut fühlen. In ihrem Magen rumorte es. Verstand und Gefühl fochten einen Kampf, den sie nicht länger kontrollieren konnte. Sie wollte sich gehen lassen, ihn einfach bis zum Ende aller Zeiten in ihren Armen halten und die Harmonien ihrer beider Seelen auskosten, doch die Angst packte nach ihren Eingeweiden und drückte erbarmungslos zu.

Was mache ich hier...

Sie konnte spüren, wie die Kontrolle aus ihren Fingern glitt, als wäre sie bloß ein nasses Rinnsal, welches sie mit ihren Händen halten wollte. Robin löste die verschiedensten Empfindungen aus und als sie glaubte, den Verstand zu verlieren, erkämpfte sie sich die Kontrolle zurück. Wortlos begann sie seinen Hals zu küssen und presste sich an ihn. Sie riss das Ruder rum. Wo gerade noch wohltuende Zärtlichkeit beide in Frieden versetze, legte sie Leidenschaft in die Umarmung und bemerkte das frustrierte Seufzen des Mannes nicht, als sie den intimen Moment zerstörte.

Robin gewährte ihr die Flucht in das allzu vertraute Verhaltensmuster, wenn er ihr mehr als ein bisschen Spaß im Bett, abverlangte. Sein Herz wollte, dass er sie aufhielt. Verlangte, dass er sich nicht mehr für diese schnellen Nummern, in denen er kaum das Hemd auszog, hingeben sollte, doch gleichzeitig dürstete er nach allem, was sie bereit war ihm zu geben.
Die Leidenschaft dauerte nicht lang an. Für einen Moment war Robin überrascht, wie flink sie auf seinem Schoß saß und gerade soviel freigelegt hatte, damit sie sich nehmen konnte, was sie begehrte. Damit sie in die Offensive gehen konnte, um die Angst, die er viel zu oft in ihren Augen erkennen durfte, vertreiben konnten. Der Sitz klappte sich zurück und nur der Laut der Hupe, die sie versehentlich mit ihrer Kehrseite betätigte, erinnerte an die Enge des Wagens.

Nun saß sie wieder neben ihm und sah schweigend aus dem Fenster, während er den Wagen nach Hause fuhr.

Der ehemals Geächtete wagte immer wieder einen Blick auf die Frau an seiner Seite zu werfen. Sein Herz schmerzte und wollte gleichzeitig aus seiner Brust springen, als er darüber nachsann, ob er nicht einer Illusion erlegen war, mehr als ein bisschen Spaß zu bekommen. Er hing dem Gedanken nach, als ihm ein Neuer in den Sinn kam. Einer, der alle Bitterkeit aus ihm heraus schwemmte, wie das erste Schmelzwasser in den Bergen. Sie gab ihm mehr, als sie ihm und sich versuchte weiszumachen. Gab ihm diese Momente, nach denen er sich sehnte, wenn sie ihm die Sorge um ihn und seine Söhne offenbarte, wenn sie ihm helfend zur Seite stand und sich nicht nur um die beiden Jungen, sondern auch um sein Wohlergehen kümmerte. Beseelt von dieser Erkenntnis, parkte er den Wagen in der Nähe seines zu Hauses und stieg, genau wie die Beifahrerin, aus dem Auto aus. Noch immer über diese Einsicht erfreut, schmunzelte er vor sich hin und steckte den Schlüssel ins Schloss. Dabei suchte sein Blick Reginas Antlitz. Das Schmunzeln verwandelte sich in ein seliges Lächeln, welches sich in dem Blau seiner Augen widerspiegelte.

„Nochmals Danke, Regina...", kaum kamen die Worte über seine Lippen, beugte er sich zu der Frau, die dicht neben ihm stand und kam dem immer wieder kehrendem Bedürfnis endlich nach, sie einfach zu küssen. Er näherte sich ihrem Gesicht und kurz bevor seine Lippen die ihren trafen, drehte sie ihren Kopf weg und flüsterte mit einem uralten Schmerz in der Stimme.

„Nicht...bitte..."
Für einen Augenblick war Robin, als habe man ihn mit kalten Wasser überschüttet. Er kehrte zurück aus seiner verträumten Empfindung und kehrte zurück in die Realität. Ein Blick in ihre Augen und er fühlte sich wie der Narr, den sie so oft in ihm sehen wollte. Mit schuldvoller Miene blickte er sie an und verteufelte sich selbst, weil er ihr zu nah getreten war.

Ich Idiot...

„...Es ...es tut mir Leid...ich wollte nicht...ich...", stammelte er und erwartete, dass Regina sich nun gänzlich zurückzog und ihn alleine stehen ließ, doch die einstige Königin straffte die Schulter und antworte.

„Ich weiß, du bist übermüdet...", gab sie ihm eine Entschuldigung und war dankbar dafür, dass er darauf erklommen sie die Treppen zur Wohnung. Schon vor der Tür, noch bevor Robin diese öffnen konnte, erklangen laute Stimmen aus dem verschlossenem Raum. Robin und Regina tauschten einen fragenden Blick aus, auf den Robin mit einem Schulterzucken antwortete. Mit einer bestimmten Bewegung steckte er den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür.

Was ist hier los