The Emperor´s First Hand

Kapitel 25.: Die Jagd nach einem Jedi

Es war Mitternacht auf Coruscant. Eine schwarze Schattengestalt stand einsam auf dem kleinen Aussichtsdach an der Spitze des pyramidenförmigen Imperialen Palastes. Mit den Händen hielt sie sich an der brusthohen Brüstung fest, während die kühle Nachtbrise ihre lange schwarze Robe leise im Wind wehen ließ.

Von dieser Stelle aus hatte man den besten Ausblick auf die gigantische Stadtlandschaft von Imperial City. Milliarden von winzig kleinen Lichtpunkten erhellten den Planeten. Lichter der vorbeihuschenden Gleiter und Raumfahrzeuge. Reflektierende Lichtstrahlen, die sich in der glänzenden Oberfläche des Planeten widerspiegelten. Und riesige Scheinwerfer, die ihr Licht auf die endlosen Verkehrsströme lenkten und sich mit den anderen Lichtern am Himmel zu einem eindrucksvollen, flackernden Farbenspiel vermischten.

Die dunkle Jedi genoß die Aussicht. Schweigend blickte sie auf das unendliche Lichtermeer hinaus und war so tief in Gedanken versunken, daß sie gar nicht bemerkte, wie eine zweite Person hinter ihr durch den Eingang trat.

Erst als sie ein leises Rascheln vernahm, wurde ihr bewußt, daß sie nicht mehr alleine war.

Arme schlangen sich um ihren Körper, umarmten sie. In der Macht nahm sie augenblicklich eine vertraute Präsenz wahr. Eine dunkle, dominierende und alles erfüllende Aura.

Es war seine Aura. Die Machtaura des Imperators.

Sie spürte, wie er sie näher zu sich heranzog. Sein Kopf ruhte auf ihrer Schulter und an ihrem Ohr erklang seine zärtlich flüsternde Stimme. "Du bist zurück, meine Schülerin."

Die dunkle Jedi hob ihre Arme und legte sie um die seinen. "Ja, Meister." bestätigte sie,

"Mein Schiff ist vor einer halben Stunde auf Coruscant gelandet."

"Ich weiß." kam es von ihm.

Für einen Moment hielt sie inne, stirnrunzelnd. Woher kann er das wissen? Ich hatte doch eine geheime Andockbucht angesteuert...

Doch sie entschied sich, nicht weiter darüber nachzudenken. Wozu auch? Der Imperator konnte nicht nur aus seinen unzähligen Informationsquellen schöpfen, er bezog sein Wissen ebenfalls aus der Macht. Und die Macht beherrschte er auf wahrhaft meisterhafte Weise. Das hatte er ihr wieder deutlich vor Augen geführt.

"Über Kom hattet ihr mir mitgeteilt, mich hier treffen zu wollen.", sagte sie schließlich.

"Ja, es gibt einige Dinge, die wir zu besprechen haben. Von Angesicht zu Angesicht." erklärte er ihr.

"Und mit Einiges meint ihr sicher nicht nur meine Mission auf Sluis Van, nehme ich an?" fragte sie mit einem bereits flauen Gefühl in der Magengegend. Es waren vor allem Darth Nihilus' Worte, die noch immer in ihrem Kopf herumspukten.
Er scheint in Erwägung zu ziehen, sich einen neuen Sith-Schüler zu suchen...

Er nickte. "So ist es, ja. Ich möchte mit dir über meinen derzeitigen Schüler, Lord Vader sprechen."

Depa lächelte dünn und versuchte vorsichtig, ihr Gegenüber mit ihren Machtsinnen zu ertasten. "Über ihn? Oder geht es möglicherweise über die Person, die seine Nachfolge antreten soll?", fragte sie ihn vorsichtig.

Ob ihr Meister überrascht über ihre Frage war, konnte Depa nicht sagen. Er ließ sich nichts anmerken und stimmte mit ruhiger Stimme zu. "Du scheinst sehr gut informiert zu sein."

"Nun, Lord Nihilus hatte ein paar Andeutungen gemacht." entgegnete sie.

"Ich verstehe."

"Meister, ist es wirklich notwendig, nach einem Ersatz für Lord Vader zu suchen? Er war der Auserwählte.
Die Macht ist noch immer sehr stark in ihm." gab sie zu Bedenken und hatte dabei selbst im Hinterkopf, daß sie unter keinen Umständen in einen unnötigen Konkurrenzkampf mit Vader hineingezogen werden wollte. Sie kannte den Imperator. Sie ahnte bereits, daß dies wohl seine Intention war. Laß' zwei Akks-Hunde gegeneinander kämpfen und warte in Ruhe ab, wer wohl am Ende überlebt...

Darth Sidious entließ sie aus seinen Armen und sie drehte sich zu ihm um. Erst jetzt trafen sich zum ersten Mal in dieser Nacht ihre Augen. Für einen langen Moment begegneten ihre kobaltblauen Augen seinen gelben Sith-Augen. Dann wandte er seinen Blick langsam von ihr ab und sah mit nachdenklichen Gesichtsausdruck zum schwarzen Himmel hinauf.

"Lord Vader war einmal sehr stark. Doch nun ist er nicht mehr das, was ich mir anfangs erhofft hatte. Es werden Maschinen und vor allem die Energien der dunklen Seite benötigt, um ihn überhaupt am Leben zu erhalten. Wenn sein Überlebenswille nicht so ausgeprägt wäre, wäre er schon längst tot." sagte er ohne einen Hauch von Emotion. Ob er Gefühle wie Bedauern oder Mitleid verspürte, war nicht aus seinen Gesichtszügen abzulesen.

Im Gegenteil, der Imperator schien so kühl und distanziert zu wirken, als würde ihn Vaders Schicksal kaum oder gar nicht berühren.

Depa trat nun an die Seite des Imperators und folgte seinem Blick gen Himmel. "Seine Schwäche ist gleichzeitig seine Stärke, Mylord. Lord Vader hat es verstanden, sein Handicap mit seiner dominierenden, angsteinflößenden Präsenz wieder auszugleichen. Und mehr ist in diesen Zeiten auch nicht nötig, nicht wahr? Es bedarf nur einer starken und strengen Hand, um sich den Gehorsam und den nötigen Respekt seiner militärischen Untergebenen zu sichern. Mehr nicht."

"Wenn ich das gewollt hätte, meine Schülerin, dann hätte ich schon längst auf Vader verzichtet und stattdessen die Konstruktion eines zweiten General Grievous in Auftrag gegeben." zischte er kalt zurück und Depa biß sich auf die Innenseite ihrer Wange, als sie ein unbehagliches, kurzes Aufflackern in der Macht bemerkte.

Für einige Augenblicke herrschte ein langes Schweigen. Beide standen einfach da, ihre Augenpaare unverwandt auf den Nachthimmel Coruscants gerichtet.

Schließlich wanderte Palpatines Blick zu Depa, "Nein...", der Lord der Sith ergriff mit seiner weißen Hand die ihre und hielt sie fest umschlossen, "ich will einen Sith aus Fleisch und Blut. Einen Sith stark in der Macht und ohne Schwachstellen."

Er blickte sie durchdringend an. "Ich will eine Sith wie dich, Depa Billaba."

"Ich fühle mich geehrt, Lord Sidious. Aber..."

Seine gelben Augen starrten sie fragend an. "Aber?"

Schon auf ihrer Reise im Hyperraum hatte sie lange Zeit darauf verwendet, um über Nihilus' Andeutungen gründlich nachzudenken. Ihr war klar, daß Palpatine bei diesen geplanten Konkurrenzkampf zwischen Vader und ihr nur auf seine eigenen Vorteile bedacht war. Hier ging es nicht darum, wen der Imperator als seinen Schüler bevorzugte oder wen er sich als Nachfolger wünschte. Es ging nur um die Frage, wer für diese wichtige Position an seiner Seite am besten geeignet war. Und wie bei ihrer letzten Prüfung auf Korriban war er auch hier bereit, Depas Leben aufs Spiel zu setzen.

Nicht, daß es sie großartig kümmerte. Als Hand des Imperators war sie es gewohnt, Tag für Tag ihr Leben zu riskieren. Es gehörte einfach dazu. Nein, das Entscheidende war, daß es hier um niemand Geringeren als Palpatines Schüler ging. Depa hatte damit begonnen, ihre eigenen Chancen zu berechnen. In einem möglichen Kampf gegen Darth Vader.

Für sie standen ihre Erfolgschancen bei fünfzig zu fünfzig.

Sie atmete tief durch und fragte, "Aber warum habe ich das Gefühl, daß ich in dieser Angelegenheit nichts weiter als eine Spielfigur bin, um euren Schüler auf die Probe zu stellen?"

"Es wird eine Prüfung sein, ja. Eine Prüfung für Lord Vader und eine Prüfung für dich. Wenn du verlierst, wird es für Lord Vader eine überaus lehrreiche Erfahrung sein. Aber falls dies nicht der Fall sein sollte und du es schaffst, als Sieger hervorzugehen, werde ich eine neue Sith-Schülerin haben. Eine starke, eine mächtige Schülerin. Es ist vollkommen belanglos, wie euer Kampf ausgeht. So oder so werde ich derjenige sein, der am Ende von eurem Zweikampf profitieren wird."

Depa spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. "Und wann soll dieser Kampf stattfinden?"

"Die Wahl des Zeitpunktes überlasse ich dir, Depa. Aber sei dir bewußt, daß dein Gegner nicht schläft. Ich glaube, mein derzeitiger Schüler ahnt, was ich vorhabe. Wenn du also zu lange wartest, könnte er derjenige sein, der diesen Kampf beginnen wird." warnte er sie.

"Lord Vader ist Euer Schüler. Ihr habt ihn unterwiesen. Es dürfte schwer werden, ihn zu töten. Vielleicht ist es sogar unmöglich."

Sie machte eine kurze, bedeutungsvolle Pause und fuhr fort, "Ich brauche noch etwas Zeit. Es gibt da einen Kampf, den ich mit mir selbst auszutragen habe. Ich muß erst diesen Kampf bestreiten, bevor ich mir absolut sicher sein kann, mich auf ein Duell mit Vader einzulassen."

Ihr Meister sah knapp an ihr vorbei, nachdenklich, vertieft in Erinnerungen. "Ich habe schon viele Jedi ausgebildet. Jedi wie Dooku. Jedi wie Skywalker, und Jedi wie dich. Niemand kennt die Jedi so gut wie ich sie kenne. Ich kenne die Jedi besser, als sie sich selbst zu kennen glauben. Und ich weiß, daß die Jedi dazu neigen, der Vergangenheit zuviel Bedeutung beizumessen. Dies ist einer der Gründe, warum sie so oft von Visionen heimgesucht werden. Aber nichtsdestotrotz gehe ich davon aus, daß du auch dieses Hindernis bald überwinden wirst."

Hat er etwa in die Zukunft gesehen? Meine Zukunft? Weiß er etwas, das ich nicht weiß?

"Wie meint Ihr das, Meister?" fragte sie nach, leicht irritiert.

Doch er lächelte nur unter seiner dunklen Kapuze. "Hab' Geduld. Alles wird sich von ganz allein ergeben. Ich habe es vorausgesehen."

Einmal mehr mußte sich die dunkle Jedi eingestehen, daß ihr Meister die dunkle Seite wie kein anderer beherrschte. Anders konnte sie sich nicht erklären, daß er immer über alles und jeden bestens Bescheid zu wissen schien.

"Komm', Depa. Folge mir. Du wirst die Dinge viel klarer sehen, wenn ich dir deine nächste Mission erkläre." Er machte mit seiner Hand eine Geste, bedeutete ihr, ihm zu folgen.

Gemeinsam verließen sie die Aussichtsplattform und gingen nun durch einen langen Korridor, der hinunter zu den Turboliftkabinen des Palasts führte.

"Um was für eine neue Mission handelt es sich?" fragte sie ihn, während sie ihm langsam den Gang entlang folgte.

Der Imperator lächelte unter seiner tief ins Gesicht gezogenen Kapuze. "Es wird eine simple Überwachungsmission sein. Ich will, daß du den Senat für mich im Auge behälst. Und gleichzeitig...", er winkte sie näher zu sich heran und seine gelben Augen musterten sie abschätzend, "werde ich auch dich im Auge behalten."

Sie schluckte. "Ich verstehe, Meister."

Es ist nichts anderes als ein weiterer Test. Aber warum werde ich das Gefühl nicht los, das sich mehr dahinter verbirgt, als es den Anschein hat?


Der Senat von Coruscant hatte sich nach dem Ende der Klonkriege kaum verändert.

Das Hauptgebäude war noch immer ein niedrig gebauter Kuppelbau im Herzen des Stadtplaneten, umgeben von einem Kreis aus mehreren Türmen. In den vielen Gängen, Korridoren und Büros herrschte das übliche, geschäftige Treiben.

Die wahren Veränderungen machten sich erst bemerkbar, wenn man einen Blick in das Innere des imperialen Senats erhaschte.

In der Senatshalle waren unzählige Reihen von schwebenden Plattformen zu sehen.

Damals waren die meisten Plattformen stets belegt gewesen. Mit Senatoren aus den unterschiedlichsten Teilen der Galaxis. Doch in den Zeiten des Imperiums war die Zahl der Senatoren immer weiter gesunken, so daß der Rundbau von nun an nur noch knapp zur Hälfte gefüllt war.

Innerhalb des riesigen Senatssaals herrschte eine spürbar angespannte Atmosphäre.

Der Senator von Alderaan, Bail Organa, lieferte sich eine hitzige Diskussion mit dem imperialen Senatssprecher, Mas Amedda.

Depa Billaba saß etwas weiter oben, in einer der verlassenen Senatorenpods und verfolgte neugierig das Geschehen. Vor einigen Tagen hatte ihr der Imperator den Auftrag erteilt, den imperialen Senat und vor allem seine Senatoren unter besondere Beobachtung zu stellen.

Die Gerüchteküche über die Rebellen-Allianz und ihre möglichen Befürworter brodelte und viele Senatoren standen unter Verdacht, mit den Agenten der Allianz zu kooperieren.

Es wurde unter vorgehaltener Hand getuschelt. Viele Senatoren beäugten mißtrauisch ihre Kollegen und spionierten ihnen heimlich hinterher. Streitereien und Beschuldigungen standen in diesen Zeiten an der Tagesordnung.

"Die Bürger von Alderaan sind aufgrund dieser ungewohnten Situation sehr besorgt. Und das sind sie, wie ich finde, zurecht.Wie kann man denn Vertrauen in einen regionalen Gouverneur haben, der es erst gar nicht für notwendig hält, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen? Wie kann man erwarten, daß dieser Großmufti etwas von den Bedürfnissen des Volkes versteht, wenn er seine Regierungsgeschäfte zunehmend anderen überläßt?" sprach Bail Organa laut in das Mikrofon, während seine Senatsloge genau vor dem Podium des Imperators flog.

Palpatine saß gelassen in seinem Sessel. Er hielt es nicht mehr für notwendig, sich auf irgendwelche Diskussionen mit diesen lästigen Senatoren einzulassen. Früher, als Senator, und auch später als Kanzler, mußte er andauernd reden und ständig Überzeugungsarbeit leisten. Doch das war einmal. Der Imperator überließ das Reden nur noch dem blauhäutigen Chagrianer, Mas Amedda.

"Senator Organa, die Einführung der imperialen Gouverneure war und ist eine notwendige, und vor allem essentielle Neuerung.",

Mas Amedda machte mit seinen Händen eine weit ausholende Geste, "Alle Planeten benötigen eine führende, eine unterstützende Hand. Imperator Palpatine ist dieser Führer. Er hat uns Stabilität, Sicherheit und vor allen Dingen das Ende der Korruption versprochen. Die Gouverneure waren nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. Es müssen noch viel mehr Veränderungen vollzogen werden, um die gesetzten Ziele zu erreichen."

"Aber..." wollte Organa einwenden und wurde sofort vom Senatssprecher unterbrochen.

"Dieses System ist neu. Geben Sie den Großmuftis ihre nötige Zeit, um sich zurechtzufinden.
Haben Sie Vertrauen in unsere Gouverneure! Sie machen nur ihre Arbeit, so wie jeder von uns die seine erledigt!"

Der alderaanische Senator schüttelte ablehnend den Kopf, "Wir haben diesen Gouverneuren schon mehr als genug Zeit eingeräumt. So kann und darf es einfach nicht weitergehen! Und diese Meinung habe nicht nur ich, nein, viele meiner geschätzten Mitsenatoren teilen meine Ansicht. Wir sollten damit beginnen, die Möglichkeit einer Abschaffung der Großmuftis in Betracht zu ziehen. Je früher wir eine Besserung erzielen können, desto besser."

Ein lautes Gemurmel war zu hören. Der Chagrianer blickte leicht verärgert durch die Reihen und stieß dann seinen Stab mehrere Male demonstrativ zu Boden, um das aufkeimende Stimmengewirr schnell wieder verstummen zu lassen.

Als es wieder ruhiger wurde, wollte er fortfahren, aber bemerkte dann, daß der Imperator aufgestanden und an das Rednerpult herangetreten war. Mas Amedda nickte ihm still zu und zog sich elegant in die hintere Ecke des Podiums zurück.

Palpatine schenkte dem Senator ein zahnloses Lächeln. "Woher kommt eigentlich dieser plötzliche Sinneswandel, Senator? Wenn ich mich recht entsinne, hatten Sie, und auch viele andere Senatoren dieser Neuerung zugestimmt. Gibt es vielleicht etwas, das Sie mir verheimlichen wollen?"

Bail Organa spürte, wie sich seine Kehle zuschnürte . Denn er hatte nicht erwartet, daß sich Palpatine an dieser Senatssitzung beteiligen würde. Er schwieg, bereits ahnend, was als Nächstes kommen würde.

Palpatines gelbe Augen verengten sich zu Schlitzen und bohrten sich in die dunkelbraunen Augen des alderaanischen Senators. "Hat dieses ablehnende Verhalten etwa mit der sogenannten Rebellen-Allianz zu tun? Gibt es möglicherweise sogar eine Verbindung zwischen ihnen und den Rebellen?"

Der Senator schluckte. "Nein, ganz und gar nicht, mein Imperator. Wie kommt Ihr nur darauf, daß sich Alderaan mit diesen Rebellen abgeben würde?"

"Darf ich Sie an die Petition der Zweitausend erinnern, Senator? War nicht eine gewisse Senatorin namens Mon Mothma an dieser Petition beteiligt? Genauso wie Sie? Und ist diese Senatorin nicht Gerüchten zufolge der Kopf der Allianz?" fragte er ihn mit einem bedrohlichen Unterton in seiner Stimme.

Von oben konnte Depa beobachten, wie sich Organa für einen kurzen Moment umschaute. Sie folgte seinem Blick. Er sah zu einem Besucherbalkon hinüber, der sich etwas weiter hinter ihm befand.

"Banthamist! Nie hat man ein Makrofernglas zur Hand, wenn man mal eins benötigt!" fluchte sie halblaut, den Blick weiterhin auf den Balkon gerichtet.

Es ist die Besucherloge für alderaanische Gäste. Da ist jemand. Sie kniff die Augen zusammen und versuchte vergeblich, die fremde Person zu identifizieren, die wenige Sekunden später näher an die Balkonseitenwand trat und sich leicht nach vorne beugte.

Wer ist das? Ein Freund von Organa? Oder etwa... Sie griff bereits automatisch nach ihrem Lichtschwert ...ein Attentäter?

Vorsichtig lehnte sie sich vor und analysierte jede einzelne Bewegung des Fremden.

Hat er eine Waffe? Ja oder nein? Als sie aus der großen Entfernung nur leere Hände ausmachen konnte, entschied sie sich für Letzteres. Denoch blieb sie in Alarmbereitschaft, öffnete ihre Machtsinne und wartete auf eine Warnung.

Der Senator zögerte. Ob er nachdachte oder auf ein Zeichen dieses Fremden wartete, wußte Depa nicht. Aber sie war sich sicher, daß hier etwas nicht stimmte.

Organa zwang sich zu einem Lächeln. "Ja, ich habe auch nie mein Mitwirken an dieser Petition bestritten, Imperator. Ich war immer ehrlich gewesen und ich versichere..."

Der Senator brach plötzlich ab und Depa erstarrte. Die Macht klingelte in ihren Ohren wie eine laute Alarmglocke. Ein schneller Adrenalinstoß vertrieb ihre Taubheit und sie richtete all ihre Konzentration auf das Geschehen unter ihr.

Es war beinahe so, als würde sie alles aus einer anderen Perspektive betrachten. Wie in Zeitlupe nahm sie Bewegungen und Geräusche wahr.

Ein lautes, bekanntes Zischen. Ein Lichtschwert wurde aktiviert.

Ein Jedi!

Die Klinge pulsierte in weiß-violettem Licht.

Eine violette Klinge? Soll das ein schlechter Scherz sein? dachte sie finster.

Es gibt nur einen Jedi, der ein violettes Lichtschwert tragen darf und das war Mace.

Was denkt dieser Jedi eigentlich, wer er ist? Will er etwa Mace' Ehre und sein Andenken beschmutzen?

Dann eine lässige Wurfbewegung des Fremden. Gleich einem Boomerang-Geschoß flog das Laserschwert in einer tödlichen Spirale auf den Imperator zu.

Nein! Das werde ich verhindern! dachte sie nur noch, hob ihrerseits ihren Arm, um den gefährlichen Angriff mithilfe der Macht abzuwehren.

Das Lichtschwert blieb in der Luft hängen. Bewegungslos. Der Fremde streckte seine Hand danach aus, wollte sein Schwert zu sich zurückholen.

Mit aller Macht stemmte sich Depa gegen seinen Machtgriff. Vergeblich. Der Fremde war stärker. Überrascht mußte sie zusehen, wie der Laserschwertgriff in der Hand des Jedi landete.

Wieder ein lautes Zischen. Rotes Feuer entstand vor ihren Augen.

Sie hatte ihre eigene Klinge aktiviert.

Ihr Blick war noch immer auf die Besuchsloge fixiert. Der Fremde sah kurz zu ihr hinauf, zog sich zurück und verschwand im Korridorlabyrinth des Senats.

In ihrem Bewußtsein hörte sie die Stimme des Imperators. Töte den Jedi!

Ja, mein Meister! gab sie telepathisch zurück und überließ sich ganz den Strömen der Macht. Sie ließ sich von der Macht leiten. Ihr den Weg zeigen. Den Weg zum fliehenden Jedi.


Ohne sich selbst eine Pause zu gönnen, rannte sie durch die Gänge und Flure. Dabei versuchte sie hier und da ein Ausweichmanöver, aber beschränkte sich weitesgehend darauf, die vielen Politiker, Adligen und Droiden einfach beiseite zu schubsen oder unsanft zu Boden zu stoßen. Für Vorsicht und Rücksichtnahme hatte sie keine Zeit. Die Verfolgung des Fremden hatte die erste und oberste Priorität.

Sie suchte und wählte Abkürzungen. In der Hoffnung, dem Eindringling irgendwie den Weg abschneiden zu können.

Gleich habe ich dich! Sie war auf seiner Fährte. Kam ihm näher und näher.

Das wurde ihr klar, als sie seine Spuren der Verwüstung entdeckte. Anstatt von hier so schnell wie möglich fortzulaufen, machte er sich die umständliche Mühe, die Prowler 1000-Sucherdroiden, sowie jede einzelne Überwachungs-Holocam auf seinem Fluchtweg zu zerstören.

Da will wohl jemand um jeden Preis das Geheimnis seiner Identität bewahren. Äußerst interessant. Was für ein Jedi mag das sein? Jemand, den ich vielleicht kenne?

Viel Zeit zum Nachdenken blieb ihr nicht mehr. Sie merkte, daß er nicht mehr weit von ihr entfernt war. Er war ganz in der Nähe.

Kletternd und springend bahnte sie sich einen Weg durch ein Trümmerfeld aus Droidenteilen. Menschen und andere Wesen waren inzwischen gar nicht mehr zu sehen. Anscheinend hatte sich rasch herumgesprochen, daß ein Jedi in das Senatsgebäude eingedrungen war.

Die Sturmtruppen sind auch schon hier. Sie helfen bei der Evakuierung. wurde ihr bewußt, als sie ihre typischen, einheitlichen Klonbewußtseine in der Macht registrierte.

Sie haben begonnen, die Ausgänge zu versperren.

Die dunkle Jedi startete nun einen Kommunikationsversuch. In der Macht baute sie eine telepathische Verbindung zu ihm auf.

Das Netz wird immer enger für dich, Jedi! rief sie ihm ins Bewußtsein.

Eine Flucht ist unmöglich und das weißt du!

Keine Antwort. Hatte er ihren Machtruf gehört? Würde er aus seinem Versteck hervorkommen und ihr gegenübertreten?

Es war schwer, diesen Jedi einzuschätzen. Erst recht, wenn er sich in der Macht in Schweigen hüllte und seine Machtsignatur vollständig vor ihr verbarg. Depa wußte nicht, mit wem sie es zu tun hatte. Nur das Können des Jedi machte ihr klar, daß es sich hier nicht um einen einfachen Padawan handeln konnte.

Nein, dieser Jedi war äußerst geschickt und begabt.

Wahrscheinlich ein Jedi-Meister... vermutete sie selbst.

Die Sturmtruppen hatten den Senat inzwischen in Alarmbereitschaft versetzt. Rotes Licht durchflutete die Korridore und noch immer war nichts von ihm zu sehen.

Sie war bereits bis zum Ende des nächsten Korridors geeilt und wollte gerade um die Ecke biegen, als sie plötzlich etwas hörte.

Klack.

Klack.

Klack.

Das klackende Geräusch von Stiefeln. Sie kamen immer näher.

Er kommt hierher. dachte sie aufgeregt, senkte ihr Lichtschwert und hielt den Atem an.

Innerlich wappnete sie sich bereits. Ihr Körper spannte sich und mit ihren Ohren lauschte sie still den näher kommenden Stiefelschritten.

Fast da.

Jetzt! Kurz bevor der Fremde in ihr Blickfeld treten konnte, sprang sie ihm in einem Satz entgegen. Die rote Lichtklinge zum Angriff erhoben.

Was sie aber sah, ließ sie ihren Angriffsversuch vollkommen vergessen.

Wie hypnotisiert blieb sie regungslos stehen, die Spitze ihrer leuchtenden Klinge zeigte zu Boden.

"Wie ist das möglich?" murmelte sie ungläubig und am eigenen Verstand zweifelnd.

"Bist du das wirklich?" , ein Hoffnungsschimmer erhellte ihre Miene und sie sprach den Namen eines Mannes aus, den sie seit vielen Jahren für Tod gehalten hatte, "... Mace?"

Der fremde Jedi zog seine sandfarbene Kapuze vom Kopf und enthüllte ein von Brandnarben gekennzeichnetes Gesicht.

Der glatzköpfige Jedi-Meister sah blinzelnd auf seine ehemalige Padawan hinab.

Auf seinem Gesicht spiegelten sich all seine Gefühle wider. Zuerst waren es Überraschung und Erstaunen. Doch diese Gefühle wurden schnell von einer Gefühlswelle der Erleichterung, Depa lebendig wiederzusehen, abgelöst.

"Depa..." flüsterte er leise, überwältigt und nach Worten suchend, "Du lebst."