Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!

Cassie

oooooooooooooooooo

Kapitel 24 - Auferstehung

Voldemort wartet ungeduldig auf mich. Er sitzt auf einem Propheten und zischt, als ich sein Zimmer betrete.

~Endlich~, zischt er, als ich mich auf die Knie niederlasse. Er beschnüffelt die Luft und streckt die Zunge aus. ~Du riechst anders.~

Ich ziehe die Augenbrauen in die Höhe, bleibe jedoch knien.

~Du riechst nach einem Jungen~, meint Voldemort. Dann zischt er belustigt. ~Also hast du endlich eine Freizeitbeschäftigung gefunden. Du solltest aber mit deinen Gedanken bei dem Ritual bleiben.~

~Keine Sorge, mein Lord~, sage ich. Hätte er einen Stab halten können, hätte er mich in die Hölle geflucht, weil ich nicht gleich zu ihm gekommen bin? ~Alles steht bereit. Morgen ist Vollmond; und am Abend werden wir das Ritual ausführen.~

~Ich habe diese lächerliche Nachricht gelesen~, sagt Voldemort. ~Aber natürlich konnte ich Severus keine Fragen stellen. Aufstehen! Erzähl mir alles.~

Ich seufze und beginne Voldemort von Dumbledores behandschuhten Händen zu erzählen und ich sage ihm alles, woran ich mich erinnern kann. Ich kann sehen, dass Voldemort aufgeregt und genervt ist. Sicherlich kann er es kaum abwarten, endlich einen menschlichen Körper zu haben. Was für ein Körper wird es wohl sein? Ich habe keinen blassen Schimmer. Hoffentlich wird er zufrieden sein, dass er überhaupt Beine hat.

Als ich fertig bin, wirkt Voldemort nachdenklich. Na ja, so nachdenklich wie eine Schlange aussehen kann.

~Ich möchte mit Severus sprechen~, sagt er schließlich. Hey, warum bin ich hier? Kannst du mir nicht sagen, was du darüber denkst? ~Noch heute Abend.~

~In Ordnung, ich sage es ihm~, murmele ich gereizt.

~Ich habe eine Theorie, wie Dumbledore verflucht wurde~, sagt Voldemort. ~Und ich möchte sie testen.~

~Also hat der Gegenstand, der ihm das angetan hat, Euch gehört~, schlussfolgere ich.

Voldemort durchbohrt mich mit seinem Blick– was ziemlich unheimlich ist, denn seine Augen sind ja gelb.

~Mir wurde gesagt, und ich habe tatsächlich diesen Eindruck bekommen, als wir uns zum ersten Mal getroffen haben, dass du nicht sonderlich klug bist~, sagt er belustigt. WAS? ~Aber als ich dich in dieser Form getroffen habe, hast du einen ganz anderen Eindruck gemacht. Und ich frage mich, ob die dunkle Magie dafür verantwortlich ist. Wie kommst du mit deiner Schularbeit voran?~

~Hellmagie, meint Ihr?~, frage ich mit einem hämischen Lächeln. ~Im Vergleich zu Meisters Unterricht, kommt mir nichts schwer vor.~

~Das kann ich mir vorstellen~, sagt Voldemort zufrieden. ~Es ist Schade, dass du erst vor ein paar Monaten mit dem Studium der dunklen Künste angefangen hast.~

~Vor einem Jahr~, unterbreche ich ihn. Voldemort zischt gefährlich. Oh ja, ich habe es vergessen. Tom mag es nicht, wenn man ihn unterbricht. Also mag auch Voldemort nicht, wenn er unterbrochen wird. ~Verzeihung.~

~Du wirst lernen, mich mit Respekt anzusprechen, wenn du möchtest, dass ich dir etwas beibringe~, zischt Voldemort genervt. Also möchte er mich doch unterrichten?

~Natürlich, mein Lord~, sage ich demütig, aber meine innere Stimme tanzt einen Freudentanz. ~Es ist nur, ich bin so aufgeregt. Wegen des Rituals.~

~Nervös? Hast du Angst?~, fragt er.

~Nein, ich bin nur aufgeregt. Ich bin darauf gespannt. Ich kann es kaum abwarten~, platzt es aus mir. Voldemort schüttelt den Schlangenkopf und mustert mich.

~Also, wie ich gesagt habe, ehe du mich unverschämt unterbrochen hast~, fährt er kalt fort. ~Ich vermute, hättest du früher mit deinem Studium angefangen, wärst du schneller magisch gewachsen. Denn die dunkle Magie scheint ja deine Herkunft zu sein. Also daher kommt deine beschleunigte magische Entwicklung. Fühlst du dich manchmal instabil? Bist du zornig, auch wenn es keinen Grund dafür gibt? Spürst du Stimmungsschwankungen?~

~Ähm... ja, ich fühle mich oft zornig~, murmele ich verlegen. Hat er etwa mit Snape darüber gesprochen? ~Und... vor ein paar Tage habe ich einen Schüler angegriffen, weil er seit Monaten versucht, zu beweisen, dass ich ein Schwarzmagier bin. Er hat mich überfallen... Und ich habe rotgesehen.~

~Du hast ihn nicht etwa getötet?~, fragt Voldemort scharf.

~Nein, nein~, sage ich schnell. ~Aber... ich hatte den Wunsch. Er war beinah unwiderstehlich.~

Voldemort schüttelt wieder seinen Kopf.

~Wir werden noch darüber reden, aber es ist wichtig, dass du an deiner Selbstkontrolle arbeitest~, meint er. Ich stöhne. ~Es ist wichtig, verstehst du?~ Ich nicke dumpf. ~Nur ein falscher Schritt und alles geht den Bach runter. Du wirst enttarnt werden. Jetzt aber schlage ich vor, dass du deinem Zorn Luft machst. Geh jagen oder so was.~

Wie wäre es mit einer Nacht mit Draco?

~Oder was auch immer du mit diesem Jungen treibst~, murmelt Voldemort. Es ist nicht fair. Sind meine Gedanken etwa so transparent? Vielleicht kann er Hormone riechen, wenn ich an Draco denke? ~Rufe Severus, ich möchte ihn sprechen. Du darfst gehen.~

Also sollte ich jagen gehen. Wen oder was sollte ich jagen? Ich muss zugeben, dass dieses Gespräch beinahe dem Gesprächen zwischen Tom und mir geähnelt hat. Das war das erste Mal, dass ich und Voldemort so... ruhig miteinander gesprochen haben. Er hat mir sogar Ratschläge gegeben! Wird er seine Meinung ändern, wenn er endlich einen neuen Körper hat? Es kommt mir vor, als machen ihm unsere Gespräche eigentlich Spaß.

ooooooooooooooooooooo

Tom ist mir ziemlich distanziert vorgekommen, als wir letztlich miteinander gesprochen haben. Hat er Angst, dass das Ritual schiefgeht? Alle sind nervös, alle, außer mir. Ich bin lediglich aufgeregt. Die Spannung beim Frühstück könnte man beinahe mit einem Messer schneiden und Lucius wirft mir ständig Blicke zu, als versuche er, ein Zeichen von Nervosität oder was auch immer an mir zu finden. Narzissa wirkt blass, aber entschlossen.

„Ich habe die größte Halle im Haus aufgeräumt", sagt Lucius leise. Narzissas Hand zittert. „Was benötigst du?"

Ich schlucke meinen Toast runter und schaue ihn nachdenklich an. So dumm und nervig sie ist, hat Madame Pomfrey doch was Gutes bewirkt. Ihre Tränke haben mir geholfen, ein Stück zu wachsen und ich bin nicht mehr so dünn, wie früher. Jetzt gibt es auch ein wenig Fleisch an mir und ich fühle mich im Allgemeinen kräftiger und nicht so oft ausgepowert. Was eigentlich ziemlich nützlich ist, wenn man oft nur ein paar Stunden zum Schlafen hat.

„Einen großen Kessel, den haben wir schon", sage ich langsam. „Einen kleinen Tisch, um die Zutaten darauf abzustellen. Rote Kreide... Um den Kreis zu zeichnen. Und eine Schale für den Weihrauch. Eigentlich wäre es das Beste, wenn der Weihrauch in allen vier Ecken brennen würde."

Lucius nickt und Narzissa presst die Lippen zusammen.

„Ich brauche eine Robe", sage ich schnell. „Ich habe dir schon davon erzählt – hast du eine für mich?", fällt mir ein. Da gibt es so viele Details, um die man sich kümmern muss, dass ich das beinah vergessen habe.

„Ja, eine Ritualrobe", sagt Lucius. „Die habe ich schon für dich bestellt. Obwohl..." Er mustert mich. „Hoffentlich passt sie dir. Denn du bist gewachsen."

Narzissa lächelt flüchtig und mustert mich stolz.

„Gut", sage ich zufrieden. Ich hatte vor, mit Pettigrew zu reden, aber jetzt muss ich mich auf das Ritual konzentrieren. Keine Ablenkungen. Ich werde den Tag in meinem Zimmer verbringen und alles nochmal mit Tom durchgehen. „Ihr sollt auch Roben tragen."

Narzissa schaut schnell auf.

„Du möchtest, dass wir anwesend sind?", fragt sie leise. Ich ziehe die Augenbrauen in die Höhe.

„Natürlich, es sollte Zeugen geben", sage ich. „Ihr sollt nur ruhig dastehen, was auch immer passiert. Draco kommt mit, oder?"

Die grauen Augen schauen mich dankbar an. Natürlich wollte er da sein, nicht weil er am Ritual teilnehmen will, sondern weil er sich Sorgen um mich macht. Ich wiederum spüre seit heute Morgen ein Kribbeln in meinem Magen und meine Magie scheint zu wissen, was ich vorhabe. Sie ist auch aufgeregt. Es fühlt sich beinahe so an, als sammele sie sich in meinem Inneren, sodass sie heute Abend aus mir platzen kann. Die Spannung wird mich umbringen.

„In Ordnung", sage ich lächelnd. „Wir werden die Kammer nach dem Frühstück vorbereiten, Lucius – ok?" Er nickt feierlich. „Und dann werde ich ein wenig Zeit alleine verbringen."

„Natürlich", sagt Narzissa. „Was auch immer du brauchst..."

„Nichts", sage ich zu ihr gewandt. Ich bin für diese Frau sehr dankbar. „Ich brauche nur Ruhe, und die kann ich hier haben."

„Was auch immer passiert...", flüstere ich, meine Schale anstarrend. „Bleibt ruhig. Mischt euch nicht ein. Es ist wichtig."

ooooooooooooooooo

Als die Sonne unter den Horizont sinkt, beginnt mein Herz schneller zu schlagen. Ich öffne mein Fenster und setze mich auf die Fensterbank. Die Nachtluft riecht nach Freiheit und nach Aufregung. Bald werde ich nach unten gehen und alles wird anfangen... oder enden. Denn Voldemort kann auch seine Meinung ändern, wenn ich ihm gebe, was er braucht. Dieses Ritual bestimmt meine Zukunft und ich darf es nicht verkorksen. Vielleicht war ich in letzter Zeit ein wenig nachlässig und nicht vorsichtig genug; vielleicht war meine Selbstkontrolle wirklich jämmerlich; aber dieses Ritual und das, was ich heute tue, wird alles wieder gutmachen oder permanent zerstören.

So ist die Macht der dunklen Magie. Sie kann einem einen neuen Körper geben. Und eigentlich habe ich bei dem Ritual etwas ganz anderes erwartet. Ich habe Menschenopfer erwartet, Dämonenbeschwörungen oder so was, aber nein. Das Ritual ist anspruchsvoll, was die Magie angeht. Der Ritualmeister ist derjenige, der die Mehrheit der Arbeit selbst erledigen muss und dessen Sachkenntnis und Macht das Ergebnis des Rituals bestimmen. Und vom hellmagischen Standpunkt aus kann man beinahe sagen, dass das, worauf das Ritual abzielt, nicht den Mittel, die ich benutzen werde, entspricht. Und trotzdem habe ich schon hundertmal, als ich geübt habe, diese uralte, geheime Macht, die hinter den Wörtern, den Sprüchen und den Handbewegungen steckt, gespürt.

Ich schaue auf meine Hände hinunter und presse die Lippen zusammen. Diese Hände müssen es tun. Wenn ich die Kammer betrete, stehe ich alleine. Da wird es keinen Tom geben, der mir Anweisungen gibt und keine Narzissa, die mich beruhigt. Ich stehe alleine; aber wenigstens weiß ich, dass ich mich auf mich verlassen kann. Das Ergebnis des Rituals ist in meinen Händen, und so erschreckend mir diese Tatsache vorkommen sollte, finde ich sie keinesfalls. Denn ich weiß, was ich tun kann und brauche mich nicht auf die anderen verlassen.

Gut. Tief durchatmen. Ich bin bereit.

Ich stehe entschlossen auf und beginne mich auszuziehen. Meine Ritualrobe hängt in der Ecke und die schwarze Seide schimmert im Mondlicht. Einen Umhang brauche ich wohl nicht, denn es wird ganz schön heiß da unten sein. Der Kessel ist riesig und solch ein riesiger Kessel benötigt ein riesiges Feuer. Ich brauche keine Kerzen, weil ich nichts vorlesen werde. Ich kenne den Text auswendig.

Alles, was existiert, ist dieser Moment. Nur dieser Moment, in dem ich endlich das tun werde, worauf ich mich seit Monaten vorbereitet habe. Und ich denke nicht darüber nach, ob es fehlschlägt oder klappt. Ich denke nur an die Macht, die ich heute in der Ritualkammer spüren werde. Die uralte Macht, die ich schon geschmeckt habe, aber jetzt bekomme ich das ganze Paket. Und ich sehne mich danach, sie so schnell wie möglich zu spüren. Die Macht... der Dunkelheit.

Die Zutaten stehen schon in einer Kiste bereit, die ich hochhebe und damit die Treppen nach unten steige. Die Türen, die zur Halle führen, stehen weit offen. Die Kiste ist verdammt schwer, stelle ich fest. Aber ich habe es nicht gewagt, sie leicht zu zaubern, weil ich Angst habe, dass mein Zauber eine ungewünschte Wirkung auf die Zutaten haben könnte. Ich stelle die Kiste auf dem Tischen bei dem Kessel ab und schaue mich um. Tom steht in den Schatten, mich seltsam anschauend. Als unsere Blicke sich treffen, nickt er mir todernst zu. Voldemort die Schlange sitzt auf einem Kissen direkt hinter dem Kessel und seine gelben Augen sind auf mich fixiert. Ich verbeuge mich, blicke aber schnell weg. In diesem Moment kann ich seinen durchbohrenden Blick nicht brauchen.

Wie in einem Traum beginne ich die Phiolen und die Tuben hervorzuziehen, letztendlich meinen Stab – meinen Basiliskenstab – auf das Tischen ablegend. Narzissa, Lucius und Draco stehen auf der anderen Seite des Raumes, aber ich schenke ihnen keine Aufmerksamkeit. Keine Ablenkungen. Alles, was existiert, sind die dunkle Magie und ich. Ich schließe die Augen und atme tief ein. In Ordnung. Los geht's.

Langsam gehe ich, um den Weihrauch zu entzünden, denn wenn ich mit dem Ritual anfange, werde ich den Kreis nicht verlassen dürfen. Den Kreis samt entsprechenden Runen habe ich schon nach dem Frühstück mit einer roten Kreide auf den Steinboden gezeichnet und ich habe den Kessel mit Wasser gefüllt. Als ich so den Weihrauch stablos anzünde, spüre ich Blicke auf meinem Rücken, aber ich konzentriere mich auf meine Arbeit. Ich nehme meinen Stab in die Hand und stelle mich auf eine der Runen. Den Stab auf den Boden richtend, beginne ich das Ritual.

(„Gott der Unterwelt, bezeuge dieses Ritual und antworte meinen Ruf"), rezitiere ich, dabei non-verbal eine rote Linie zaubernd, die ich hinterlasse, als ich um den Kreis schreite. („Stehe auf; öffne die Türe zur Unterwelt und lass die Macht in diesen magischen Kreis fließen.")

Ich komme zurück zur Mitte des Kreises, die rote Linie leicht pulsierend. Sie ist überall gleich – gut. Ich strecke meine Arme aus und schließe die Augen.

„Exorire! (Erscheine!)", sage ich laut und plötzlich, sodass Draco zusammen zuckt. Mit einer Hand deute ich auf die Decke und mit der anderen auf den Boden.

„Ego te voco, Anubis, deum Inferorum. Custos in limene! Exorire et duc hanc animam rursum ad terram! (Dich rufe ich an, Anubis, Gott der Unterwelt, Wächter an der Schwelle! Erscheine und führe diese Seele zurück zur Erde!)"

Meine Stimme hallt durch die Ritualkammer und ich bin mir plötzlich sicher, dass ich die Aufmerksamkeit von jenen geweckt habe, die ich brauche. Ich spüre etwas Fremdes, das allmählich deutlicher wird, aber keine klare Form hat. Es ist so ein Schatten; als wolle jemand genau hören, was hier vorgeht, aber nicht gleich kommen. Ich drehe die Sanduhr um.

(„Ich, deine Mutter, habe dich zur Welt gebracht"), fahre ich fort, die erste Zutat hervorziehend. („Ich habe deiner Seele einen Körper gegeben, sodass du großartige Sachen auf der Erde bewirken kannst.")

Während ich spreche, werfe ich die erste Zutat – die Knochen von Voldemorts Mutter – in den Kessel. Ich lasse meine Hände sinken, hebe sie aber schnell wieder in die Luft.

„Ecce, hoc est Corpus meum. (Siehe da! Das ist mein Fleisch!)" Ich zeichne schnell eine Rune in die Luft, die weiß aufglüht. Ich schnappe mir den Ring, der ihr Blut enthält.

„Ecce, hic est Sanguis meus. (Siehe da! Das ist mein Blut!)" Ich lasse schnell ein paar Tropfen Blut, die der Ring enthält, in den Kessel fallen und zeichne die entsprechende Rune in der Luft. Ich hebe meine Hände schnell in die Luft – Dramatik ist sehr wichtig, hat Meister Tom gesagt – und lasse ein bisschen meiner Magie in den Kessel fließen. Die ganze Zeit musste ich mir vorstellen, ich sei tatsächlich Voldemorts Mutter, aus welchem Grund der arme Lucius tagelang nach ihren Bilder gesucht hat. Das habe ich monatelang geübt.

„Exsurgere per Corpus Sanguinemque meum. (Sei durch mein Fleisch und mein Blut wiedergeboren.)" Ich beende diesen Teil des Rituals mit noch einer Rune. Dreimal drei.

Jetzt ist Dumbledore dran. Ich werde diesen Teil nicht genießen...

(„Ich habe immer gewollt, dich zu zerstören"), fahre ich fort, die Schachtel mit Dumbledores – igitt, Blase – nehmend. („Ich habe deinen Körper in Stücke zerteilt und sie in einen Fluss geworfen.")

Ich hebe die Hände mit der Schachtel in einer Hand und kippe den Inhalt in den Kessel.

„Ecce!(Siehe da)", schreie ich wieder. „Hoc est Corpus meum! (Das ist mein Fleisch)" Als ich die Rune mit meinem Stab in die Luft zeichne, glüht sie schwarz auf.

Bis jetzt ist diese Präsenz, dieser Schatten, im Kreis stärker geworden und ich kann beinahe Hände spüren, die mir im Vorbeigehen über die Wange streichen. Ich habe ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Mir noch immer vorstellend, dass ich Dumbledore bin, lasse ich auch sein Blut in den Kessel fallen.

„Ecce, hic est Sanguis meus! (Siehe da! Das ist mein Blut!)" Meine Stimme hört sich anders an. Aber ich habe keine Zeit, um darüber nachzugrübeln.

(„Ich bin dein Feind und ich habe dich zerstört"), sage ich in einer zittrigen Stimme, die mir fremd vorkommt. War ich so erfolgreich? Klinge ich auch wie Dumbledore? („Und jetzt schenke ich dir ein neues Leben.")

„EXSURGERE! (Sei wiedergeboren!)"

Ok, ich kann nicht atmen, denn die dunkle Magie ist überall. Ich schwitze unter der Robe wie verrückt und meine Magie pulsiert in meinen Fingerkuppen. Der Schatten ist nicht mehr nur ein Schatten. Ich kann Umrisse von einem Körper sehen... Es ist ein Mann, der etwas Langes in der Hand hält... Noch drei Minuten sind vergangen, wie die Sanduhr verkündet. Das Kind.

Welche Erleichterung! Ich kann wieder ich selbst sein. Ich schüttele den Kopf um den Eindruck loszuwerden, dass ich einen langen Bart habe und konzentriere mich stattdessen auf meine Arbeit. Bin ich Voldemort treu? Möchte ich, dass er einen Körper bekommt? Ich stelle mir kurz Tom vor und greife nach dem Ritualdolch.

(„Ich bin dein treuer Diener"), fange ich an, den Dolch in die Luft hebend. Das wird wehtun... Aber ich denke nicht, dass ich den Schmerz in diesem Zustand wahrnehmen werde. („Und ich opfere mich heute zu dir.")

Meine linke durchgeschwitzte Hand schwebt über dem Kessel, der Dolch parat in meiner rechten Hand.

„Ecce! Hoc est Corpus meum! ( Siehe da! Das ist mein Fleisch!)"

Um die Nerven nicht zu verlieren, schneide ich mit einer schnellen Bewegung. Ich kann keinen Schmerz spüren, als ein wenig Haut abgeschnitten ist und blutig und noch immer warm in den Kessel fällt. Mein Herz schlägt wie verrückt und ich bin so hellwach wie noch nie. Ich ziehe meine Hand schnell zurück, sodass ich nicht zwei Zutaten zugleich dem Trank hinzufüge und ich zeichne mit der anderen Hand – den Dolch schnell in die linke, blutige Hand nehmend – die entsprechende Rune. Sie glüht rot Schatten, dessen Form nun als der eines Schakals erkennbar ist, steht jetzt hinter dem Kessel, bei Voldemort der Schlange, und beobachtet mich. Die Augen des Schakals glühen im Licht des Feuers und starren mich ohne zu blinzeln an.

„Ecce", sage ich, schwer atmend, den Dolch wieder in die rechte Hand nehmend. „Hic est Sanguis meus! ( Siehe da! Das ist mein Blut!)"

Obwohl es schon genug Blut gibt, war Tom der Meinung, dass ich es trotzdem nochmal tun muss. Jetzt ist meine linke Hand ganz schön rot und das Blut tropft in den Kessel hinunter.

(„Ich habe dir gedient"), fahre ich fort. Mir ist wegen all dieser Magie, die in der Luft schwebt, schwindelig. („Und ich opfere dir mein Fleisch und Blut.")

„Per me, servum tuum, exsurgere! (Durch mich, deinen Diener, sei wiedergeboren!)"

Die dritte Rune. Jetzt muss ich schnell sein. Als ich mit meiner Hand nach den Wurzeln greife, die Lucius aus Ägypten bestellt hat, bemerke ich, dass der Kessel zittert. Der Gott der Unterwelt schaut mich ohne zu blinzeln an und jetzt kann ich deutlich die Umrisse seines Körper sehen... Seine Haut ist schwarz... Ich begegne dem Blick seiner unheimlichen Augen und lasse die Wurzel in den Kessel fallen, mit der anderen Hand gestikulierend.

„Cyclus absolutus est! (Der Zyklus ist komplett!)", brülle ich. „Anubis, deus Inferiorum, Custos in limine, cape hanc animam et da ei corpus novum! (Anubis, Gott der Unterwelt, Wächter an der Schwelle, nimm diese Seele und gib ihr einen neuen Körper!)"

Ich lasse die Schlangenleber mit der anderen Hand fallen.

„Accipiat per corpus sanguisque Creatoris, Destructoris Servique corpus, ut ea tenebris servet!

(Möge sie durch Fleisch und Blut des Erschaffers, des Feindes und des Dieners einen Körper erhalten, sodass sie weiter der Dunkelheit dienen kann!)"

Die Drachenaugen fallen in den Kessel und Voldemort die Schlange klettert auf das Tischen. Ich packe ihn schnell und hebe ihn in die Luft, der Flüssigkeit, die jetzt im Kessel tobt, näher bringend.

„Stopp", hallt eine unheimliche Stimme durch die Halle.

Ich hebe schnell den Blick und erstarre. Der Gott der Unterwelt steht jetzt direkt vor mir – oder so nahe an mir, wie er stehen kann – mit einer Hand in der Luft. Er wendet sich um und deutet auf eine Ecke der Halle. Ich folge seinem Blick, hin und her gerissen, wohl wissend, dass meine Minute bald zu Ende sein wird und erstarre erneut. Tom steht da und macht einen Schritt nach vorne.

„Menschlichkeit", murmelt der Gott des Todes. „Für einen menschlichen Körper... brauchst du... ihn..."

Ohne weiteres hüpft Tom über die schimmernde Linie und kommt direkt zum Kessel, wo ich stehe. Ich schaue auf die Schlange hinunter, die ihn anschaut.

„Opfere den Schatten der Menschlichkeit und du wirst einen menschlichen Körper bekommen, Seele", befiehlt der Gott des Todes mit einer heiseren Stimme. Als er spricht, nimmt Tom den Ritualdolch in die Hand und dreht ihn um, sodass er ihn bei der Klinge hält und durchbohrt mich mit seinem Blick.

~Töte ihn~, zischt Voldemort.

Mir trommelt es in den Ohren, als ich den Dolch in die Hand nehme, während Voldemort sich um meine Schultern wickelt. Meine Minute ist vorbei. Ich habe es verkorkst. Oder? Hin und her gerissen, schaue ich wieder zum Gott des Todes, der mir zunickt. Ihn habe ich angerufen, also muss er wissen, wie das Ritual verläuft. Er verlangt Opfer. Und er möchte Tom. Ich muss einen klaren Kopf behalten... Tom nicht verlieren... Mir ist schwindelig, als ich den Dolch hebe und Tom schließt seine Augen. Träume ich?

~TÖTE IHN!~, zischt Voldemort aus vollem Schlangenhals.

Ich muss es tun... ich bin der Ritualmeister... Ich alleine kann es tun... Mein Kopf wird vollkommen leer, außer einem einzigen Gedanken – tu es.

Ich höre einen Schrei – ich weiß nicht, wer geschrien hat, aber Toms Lippen sind zusammengepresst – und ohne weiter darüber nachzudenken, versenke ich den Dolch schnell in seine Brust, meine Augen schließend. Es war so leicht... Sein Fleisch ist so weich wie Butter... Man braucht überhaupt keine Kraft, um jemanden auf diese Weise zu töten... Interessant...

Und als ich meine Augen öffne, ist Tom nicht mehr da. Ein schwarzer Umhang und eine grüne Krawatte liegen auf dem steinigen Boden, aber das ist alles. Kein Blut. Kein Tom. Kein...

„Hier ist dein Körper, Seele des dunklen Lords", zischt der Gott der Unterwelt, der sich vor dem Kessel aufbaut.

Er greift nach Voldemort der Schlange, der zappelte, als wollte er sich wehren, doch auf einmal hört die Schlange mit jeglicher Bewegung auf. Sie erinnert mich an ein komisches, gestreiftes Seil, das leblos in den unheimlichen, schwarzen Händen des Gottes der Unterwelt liegt. Als er die tote Schlange so hält, ertönt ein ohrenbetäubender Knall. Die Flüssigkeit, die bisher im Kessel gekocht hat, explodiert und ich stolpere ein paar Schritte rückwärts, das Gesicht mit der Hand schützend. Als ich meine Augen wieder öffne, gibt es keinen Gott der Unterwelt mehr und keine gestreifte Schlange, sondern einen nackten Körper, der im Kessel kauert.

Überall gibt es Überreste des Trankes, den ich gebraut habe und der Boden ist versengt. Ist der Kessel etwa leer? Wo ist der Trank? Mir geht es nicht gut...

„Ein Körper...", flüstert eine männliche Stimme aus Richtung Kessel. Ich schaue auf meine Hand hinunter und bemerke, dass ich noch immer den Ritualdolch mit meiner Hand umklammere. Aber da gibt es kein Blut an der Klinge... Und ich habe Tom damit... Ich fühle mich betäubt und als träume ich. Das ist es ja, oder? Ein Traum?

„Harry Potter...", ertönt wieder diese Stimme. Ich schaue auf und blinzele. Ich kann nicht gut sehen. Ich habe doch meine Brillen mit einem Zauber belegt, also scheint es nicht an der Brille zu liegen. Ich fühle mich so leer... Und doch, als ich mich wie ferngesteuert dem Kessel nähere, spüre ich etwas Seltsames... Diese Macht...

Eine weiße Hand wurde an den Rand des Kessels gelegt und ich strecke automatisch meine aus. Die weiße Hand greift nach meiner und der Kopf des nackten Mannes dreht sich in meine Richtung. Und ich begegne dem Blick von dunklen Augen, die... Tom gehören. Ich spüre einen Stich von Aufregung in meinem Magen und eine Welle von Freude, als ich dem Mann dabei helfe, aus dem Kessel heraus zu klettern. Ich nehme schnell Toms Umhang, der auf dem Boden liegt, und werfe ihn über die Schultern des nackten Mannes. Wie in Zeitlupe schaue ich zu, wie der Mann den Umhang umklammert, mich noch immer haltend. Er lässt den Blick über die Halle schweifen und sein Blick fällt wieder auf mich, der ihn müde und mit einem leeren Kopf anschaut.

Die dünnen Lippen – Toms Lippen – strecken sich zu einem Lächeln, als die dunklen Augen – Toms – mich mustern. Er ist Tom – oder genauer gesagt, sieht er Tom ähnlich. Aber er ist irgendwie größer und seine Wangen sind nicht ganz so glatt wie Toms... Tom... Ich habe Tom getötet...

„Harry Potter", flüstert der Mann. „Du hast es geschafft."

Als er diesen Satz ausspricht, spüre ich überhaupt nichts. Ich verbeuge mich nur, nicht wissend, was ich sagen soll. Und außerdem fühle ich mich, als hätte ich eine ganze Flasche Feuerwhiskey getrunken. Mein Kopf ist total leer und ich kann nicht gerade stehen.

„Das fühlt sich viel besser an", flüstert er, auf seine Hände hinunter schauend und seine langen Finger bewegend. „Einen Körper zu haben... Ich habe nicht gedacht, dass du dazu fähig wärst, deinen Mentor zu töten."

„Ich... weiß es nicht... aber Ihr habt jetzt einen Körper", flüstere ich. „Mein Lord."

Die dunklen Augen durchbohren mich und er gluckst.

„Du bist magisch erschöpft", stellt er fest. „Wir werden später darüber reden. Lucius, mein Diener."

Lucius zittert schon auf dem Boden und ich torkele zum Kessel hinüber. Die Halle dreht sich um mich herum und mir ist übel... Aber ich darf mich nicht hier übergeben. Das wäre eine schlechte Idee... Bloß nicht umkippen...

„Führe mich zu meinem Zimmer. Und...", Voldemort wendet sich um und sucht mit seinem Blick nach mir. Ich stehe gegen den Kessel gelehnt und atme schwer. Ich kann Voldemorts Stimme aus der Ferne hören und es fühlt sich beinahe so an, als wäre ich untergetaucht und höre jetzt seine Stimme unter Wasser.

„Kümmere dich um ihn", sagt Voldemort, auf mich deutend. Ich nehme vage wahr, dass mich jemand unter den Armen packt und mich aus der Halle hinaus schleift. Ab und zu sehe ich im Vorbeigehen etwas Bekanntes, aber alles kommt mir verschwommen vor, als hätte ich meine Brille vergessen. Zwei Arme legen mich auf etwas Weiches und eine Hand greift nach meiner.

„Es ist in Ordnung", flüstert Dracos Stimme. „Du bist sicher. Ich werde mich um dich kümmern."

Ich öffne den Mund, um ihm zu sagen, dass ich meine Brille benötige, aber Erschöpfung breitet sich wie Gift in mir aus und ich sinke mit Erleichterung in die Schwärze.

oooooooooooooooo

Als ich meine wieder Augen öffne, greift jemand schnell nach meiner Hand. Der Geruch von Kiefern steigt mir in die Nase und ich lächele. Draco. War er die ganze Zeit bei mir?

„Er ist wach", flüstert er. Ich höre Rascheln und sehe die Umrisse von einem Mann, der näher und näher rückt. Blondes, langes Haar und teure Roben. Lucius.

„Hier, trink das", sagt er leise. Ich spüre etwas Kaltes an meinen Lippen.

„Was ist das?", frage ich. Meine eigene Stimme kommt mir fremd vor. „Wo ist...?"

„Ein Erholungstrank", sagt Lucius ungeduldig. Ich beginne langsam zu schlucken. Das ist widerlich. „Severus war soeben bei dir und er hat ein paar Tränke für dich gebraut. Du hast dich magisch erschöpft und du darfst eine Woche lang keine ernste Magie benutzen, sodass dein magischer Kern sich erholen kann."

Eine Woche lang?

„Widerlich", murmele ich, als Lucius die Phiole wegnimmt. „Wundert mich auch nicht, wenn Snape ihn gebraut hat."

„Hast du Hunger?", fragt Lucius, meinen Kommentar ignorierend.

„Nicht wirklich", sage ich, mich aufsetzend. Draco überreicht mir meine Brille und sein Gesicht rückt ins Blickfeld. Viel besser. „Ich fühle mich nur... wie gerädert."

„Das kann ich mir vorstellen", murmelt Lucius.

„Wo ist der dunkle Lord?", frage ich leise. Ich erinnere mich vage an das Ritual und mein Magen verkrampft sich. Ich habe Tom getötet...

„Er hat gesagt, er wolle dich sprechen, so bald du wach bist", erwidert Lucius leise. „Also? Möchtest du was essen?"

„Nein", sage ich schnell. Voldemort sprechen, jetzt.

„Oh doch", sagt eine weibliche Stimme.

Narzissa kommt rein, ein Tablett in ihren Händen tragend. Ich stöhne und werfe mich auf das Kissen, als sie das Tablett auf meine Knie stellt.

„Du hast vierzehn Stunden lang geschlafen und Severus sagt, du musst dich erholen", sagt sie scharf. „Also iss."

Also so fühlt es sich an, wenn sich jemand um mich kümmert. Ich knurre und beginne die Suppe in meinen trockenen Mund zu löffeln. Eigentlich schmeckt sie ziemlich gut.

„Und außerdem kannst du nicht erwarten, dass das Gespräch mit dem dunklen Lord kurz sein wird", sagt sie leise. Sie setzt sich an den Rand des Bettes und mustert mich. „Du hast mir Angst eingejagt. Du hast das Bewusstsein verloren und wir konnten dich nicht wecken. Also haben wir gleich Severus gerufen. Der dunkle Lord war auch bei dir."

Ich hallte inne und schaue sie überrascht an. Voldemort war hier? Warum denn?

„Ich bin so stolz auf dich, Harry", sagt sie sanft, das Haar aus meinem Gesicht streichend. „Das war... einfach unglaublich."

„Es fühlt sich nicht unglaublich an", murmele ich. „Ich habe... meinen Mentor getötet."

„Nein", sagt sie entschlossen. „Du hast ihm einen neuen Körper gegeben. Es war notwendig."

„Warum denn?", frage ich. Mein Verstand ist momentan außer Betrieb.

„Ich überlasse es ihm, es dir zu erklären. Aber er ist sehr zufrieden mit dir", sagt sie lächelnd und wuschelt mir durchs Haar.

„Iss", sagt sie aufstehend. „Und dann werde ich ihn rufen. Komm, Lucius; wir sollten Draco und Harry alleine lassen. Wir haben zu tun."

Warum möchte sie uns alleine lassen? Es kann doch nicht sein, dass sie etwas weiß?

So bald sie weg sind, greift Draco nach meiner Hand und drückt sie.

„Es war phantastisch", murmelt er. Die grauen Augen schauen mich voller Bewunderung an und ich streichele über seine Wange.

„Denkst du, dass sie es wissen?", frage ich leise, zur Tür schauend.

Draco senkt den Blick und seine Wange laufen rosa an.

„Ich vermute... ich befürchte... dass der dunkle Lord ihnen etwas gesagt hat", murmelt er. WAS? „Ich weiß nicht genau, was. Aber sie haben mich so seltsam angeschaut und später haben sie drei Stunden lang im Salon verbracht und sie wollten mich nicht rein lassen."

„Und jetzt das", murmele ich. Klar, das hat Narzissa schon früher getan, mich und Draco alleine gelassen, aber vorher hat sie dabei nicht diesen Ton benutzt. Und ich frage mich... was Lucius wohl dagegen unternimmt. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass Narzissa es billigen würde, Lucius wiederum nicht.

„Vielleicht wissen sie doch nichts", sage ich mit dem Mund voller Kartoffeln.

Draco spielt mit meinen Fingern und sagt nichts dazu.

„Weißt du, dass du mit Dumbledores Stimme gesprochen hast?", fragt er leise. „Ich hab gedacht, du wärst von einem Dämon besessen, bis mir klar wurde, dass die Stimme bekannt klingt."

„Echt?", frage ich überrascht. Ich habe es also geschafft... Bilder flitzen vor meinem geistigen Auge und mein Magen verkrampft sich. Tom ist tot. Ich muss schnell essen, um mit Voldemort sprechen zu können. Draco ist mir lieb, aber jetzt habe ich andere Prioritäten.

„Und als du das Blut von... seiner Mutter hineingeworfen hast, war deine Stimme irgendwie höher... In einem Moment, da gab es einen Satz... den du mit einer weiblichen Stimme ausgesprochen hast."

„Das ist... unglaubliche Magie, Harry", sagt er, meinem Blick begegnend. Ich schnaube.

„Ich habe ja monatelang geübt", sage ich.

„Und ich bin der Meinung, dass auch der dunkle Lord dieser Meinung ist", murmelt er. „Denn er war hier und er wollte wissen, wie es dir geht und was für Tränke du benötigst. Severus hat beinahe einen Infarkt bekommen, als er ihn gesehen hat."

„Kann ich mir vorstellen", kichere ich. Ich küsse ihn auf die Wange und verschränke meine Fingern mit seinen. „Versteh mich nicht falsch, aber ich muss ihn sprechen. Ich brauche Antworten. Ich muss wissen... was mit meinem Mentor passiert ist."

Draco nickt nur und drückt meine Hand.

„Es ist gut zu wissen, dass es dir gut geht", murmelt er.

„Wir sehen uns später", sage ich, als er aufsteht. Er sieht ein wenig enttäuscht aus. Aber ich muss wirklich mit Voldemort sprechen.

Die Tür fällt ins Schloss und ich schlucke den Rest des Fisches runter, alles gut mit Wasser runterspülend. Ich stelle das Tablett auf den Nachttisch und stöhne. Mir ist schwindelig und ich fühle mich schwach. Und ich kann mich an die Hälfte davon, was ich in der Ritualkammer getan habe, nicht erinnern. Es fühlt sich so an, als hätte jemand anderer meine Beine und meine Hände bewegt. Habe ich mich so in meine Arbeit vertieft? Allem Anschein nach, ja. Das Bild von Tom, der mit zusammengepressten Lippen vor mir steht und darauf wartet, dass ich den Dolch in seiner Brust versenke, taucht vor meinem geistigen Auge auf. Ich schüttele den Kopf und versuche dieses Bild daraus zu vertreiben.

Jemand hat mir die Robe ausgezogen... und Pyjamas angezogen. Hoffentlich war es nicht Draco. Dobby. Oder Narzissa. Dobby wäre mir lieber.

Die Tür öffnet sich und ich versteife mich. Ein großer, dünner Mann in einem schwarzen Umhang kommt rein und bleibt bei der Tür stehen. Ich schnappe nach Luft.

Die dunklen Augen gehören Tom... und sie mustern mich auf diese, für Tom typische, einschüchternde Weise. Die dunklen Augen, die die Macht der Dunkelheit spiegeln... Zwei Quellen von Macht und Unbesiegbarkeit. Die dünnen, erbarmungslosen Lippen... Auch sie gehören Tom. Jetzt sind sie eine gerade Linie. Die blassen Wangen... Und sein Haar, das kurz genug ist, um ihm nicht ins Gesicht zu fallen, aber das zur gleichen Zeit die Anzeichen von Rebellion zeigt, denn es ist leicht lockig, aber so schwarz, dass es beinah blau ist.

Er ist größer als Tom; weil das hier offensichtlich der Körper eines erwachsenen Tom Riddles ist. Er ist dünn – wie Tom; wie ich. Und nur seine Größe und seine Wangen weisen darauf hin, wie alt dieser Körper ist. Der erwachsene Lord Voldemort. Da blitzt etwas in diesen dunklen Augen auf und ich bin mir auf einmal bewusst, dass ich meinen Atem angehalten habe.

„Harry Potter", flüstert er. Die Stimme von Tom; die jedoch viel, viel tiefer ist. „Du bist endlich wach."

Ich senke meinen Blick, denn ich traue mir nicht zu, aus dem Bett zu kommen und mich hinzuknien, ohne mein Bewusstsein wieder zu verlieren, aber Lord Voldemort hebt eine weiße, dünne Hand.

„Bleib sitzen", sagt er mit einem Hauch von Lächeln. Er durchquert das Zimmer und setzt sich anmutig auf einen quietschenden Stuhl, die Beine übereinander schlagend. Typisch Tom. Wie oft habe ich ihn gesehen, als er in dieser Pose auf einem Schlangenkopf in der Kammer des Schreckens gesessen und mir mit der gleichen ruhigen Stimme Anweisungen gegeben hat?

Ich kann nicht wegblicken. Die dunklen Augen ziehen mich magnetisch an.

„Du warst erfolgreich", sagt Lord Voldemort leise. „Trotz allem, warst du erfolgreich."

„Warum... was... wo ist mein Mentor?", platzt es aus mir. „Mein Lord", füge ich schnell hinzu.

Die Lippen des dunklen Lords kräuseln sich zu einem Lächeln.

„Du hast ihn getötet", murmelt er. „Ich hätte nie gedacht, dass du zu so was fähig wärst... Aber trotzdem habe ich alles mit meinen eigenen Augen gesehen. Und du hast ihn mit einem Dolch getötet. Das war sicherlich... ein intimes Erlebnis für dich."

„Ich hatte ihn gerne", murmele ich. Schon wieder kann ich nicht weinen, obwohl ich mir wünsche, dass ich es könnte. Denn es wäre MENSCHLICH. „Er war mein Mentor. Und ich weiß nicht, warum die vierte Zutat nötig war."

„Sieh mich mal an", sagt Voldemort mit einer untypisch sanften Stimme. Warum spricht er auf diese Weise mit mir? Er kommt mir beinahe... freundlich vor. Lord Voldemort, freundlich. Soll das ein Witz sein? „Was siehst du?"

„Ich... ähm... ich sehe ihn...", murmele ich verlegen.

„Genau", sagt Voldemort zufrieden. „Erinnerst du dich an das, was dir gesagt wurde?"

Ich runzele die Stirn. Ich kann mich nicht an viel erinnern, aber ich werde mich immer an den Mord an Tom erinnern können.

„Menschlichkeit", sagt Voldemort leise. Seine Augen glitzern. „Ohne dieses Opfer weiß keiner, wie mein neuer Körper ausgesehen hätte. Und durch sein Opfer habe ich seinen Körper bekommen. Aber das ist nicht alles."

Ich schaue auf und versuche meinen Kopf zu klären. Es ist so schwer... Magische Erschöpfung fühlt sich seltsam an; aber das hier ist nicht nur magische Erschöpfung, sondern auch eine physische. Seit Tagen habe ich nicht genug geschlafen und die Aufregung und die Macht, die ich in der Ritualkammer gespürt habe, die Anrufung des Gottes der Unterwelt, seine Gegenwart, seine Worte... waren einfach zu viel für mich.

„Er hat dir gesagt, was er eigentlich ist", fährt Voldemort fort. „Und da du ihn während dieses Rituals mit einem Ritualdolch, der fürs Opferbringen bestimmt ist, getötet – beziehungsweise zerstört – hast, hast du mir ermöglicht, einen Teil von ihm zu haben."

Ich zucke zusammen und fixiere den dunklen Lord mit meinem Blick.

„Normalerweise wäre ich nicht sehr stolz auf die Tatsache, einen Teil der Menschlichkeit, die ich loswerden wollte, zurück zu bekommen, aber jetzt sehe ich ein, dass es notwendig war. Denn wer weiß, wie mein Körper ansonsten hätte aussehen können. Auf diese Weise habe ich auch all die Informationen über Dumbledore, über Hogwarts, über alles, was ihr zwei monatelang gemacht habt, und auch über dich, bekommen. Ich weiß alles. Ich bin mir selbst nicht sicher, was ich alles von ihm bekommen habe, aber ich kann spüren, dass ein Teil meiner Seele wieder bei mir ist.

Und so, wie er einmal gesagt hat – er ist ich und ich bin er. Wir sind Lord Voldemort."

Ich bin vollkommen sprachlos. Er ist... zurück bei ihm? Er ist... da? Ich habe ihn doch nicht getötet?

„Noch immer denkst du in weiß und schwarz", tadelt mich ein sehr zufrieden aussehender Lord Voldemort. „So denkt ein Hellmagier. Da gibt es aber feine Nuancen von Grau." Gerade das waren einmal Toms Worte und sie wurden mit demselben Ton ausgesprochen. Ich grinse breit. Ich habe ihn nicht verloren! Er ist noch immer da! Und er lebt in Lord Voldemort.

„Erhole dich schnell, Harry Potter", sagt Voldemort aufstehend. „Denn ich möchte dich heute Abend in meinem Arbeitszimmer sprechen."

„Ja, mein Lord!", sage ich schnell und grinse breit. Voldemort schüttelt den Kopf und verlässt das Zimmer, aber nicht ehe ich eine Spur eines Lächelns in seinem Gesicht gesehen habe.

Ich habe gedacht, dass ich Tom verraten habe, indem ich ihm den Dolch in seine Brust versenkt habe, aber die Wahrheit ist, ich habe ihn befreit. Jetzt lebt er in Lord Voldemort. Und er ist stärker denn je.