Kapitel 24 – Spiel mir das Lied vom Tod
Hallo, alle miteinander!
vampiredrängelnsichvorumzuwinken
wegschubs Ich hab euch wieder ganz schön warten lassen, aber dafür hab ich eine gute Nachricht: trommelwirbel
Das Warten hat ein Ende! Hier ist es endlich, das LETZTE Kapitel von Viva Venezia! stolzgrins
Auf den nächsten 17 Seiten erfahrt ihr also endlich, ob Herbert seinen Alfred noch kriegt, ob Kaspar wieder zu den Königsbergern kommt, ob van Helsing seinen Anhänger zurückkriegt ...
Aber genug geredet, ich sag im Anschluss noch was und lass jetzt erstmal die Vampire auf euch los ... viel Vergnügen!
„DU bist schlicht und ergreifend ein Verräter!"
Wie Rubi es geschafft hatte, in ihrem Käfig von den Ereignissen des letzten Tages zu erfahren, war Alfred ein Rätsel ... aber sie machte es ihm deshalb trotzdem nicht einfacher den restlichen Inhalt der Abstellkammer in einen großen Umzugskarton zu packen.
„Und ein feiger Schmarotzer noch dazu! Bei den Krolocks warst du dir für Herbert auch nicht zu schade, oder?"
In den letzten zweieinhalb Stunden hatte der Nachwuchswissenschaftler bereits so ziemlich jedes Argument ausprobiert, dass ihm einfiel. Angefangen bei „Ich wollte nie gebissen werden!" bis zu „Du bist ja nur eifersüchtig, dass du nicht mehr geheilt werden kannst!".
Er war sogar kurz davor gewesen, ihr ein „Ich liebe Herbert aber nicht, verdammt nochmal!" an den Kopf zu werfen, aber sein schlechtes Gewissen hatte ihn am ersten und seine gute Erziehung am zweiten Teil des Satzes gehindert.
Also half er den Studenten einfach weiter beim Packen und ignorierte Rubi so gut es eben ging.
„Weißt du, es ist echt schlimm mit euch Frischlingen! Kaum habt ihr keinen Druck mehr, was Vernünftiges aus eurem mickrigen Leben zu machen, schon schmeißt ihr alles über Bord, was auch nur annähernd mit Anstand zu tun hat! Warum eigentlich immer Herbi? Wirkt er so naiv? Oder habt ihr einen siebten Sinn dafür, bei wem sich Einschleimen am Meisten lohnt?"
Knurrend versetzte Alfred seiner Kiste einen Tritt.
„Jetzt hör mir mal zu, Rubi! Ich will Herbert nichts Böses, ja?! Ich mag ihn sogar und wenn ich dass hier irgendwie durchziehen könnte, ohne ihm Lebewohl sagen zu müssen, dann würde ich es tun, aber es geht nicht!!! Sei doch einfach froh, dass du dank mir hier raus kommst und halt die Klappe!"
Rubi musterte den innerlich brodelnden Assistenten nur verächtlich. „Weißt du was das Schlimmste an dir ist? Du bist von all den Bastarden, auf die Herbert schon reingefallen ist, auch noch der Sympathischste!"
Es hatte keinen Sinn. Schnaufend schob Alfred die Umzugskiste vor sich her und knallte die Tür zu.
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Auf dem Flur türmten sich bereits mehr als genug identische Kartons, so dass Tanja es schwer hatte, sich zwischen ihnen hindurch in Richtung Küche zu schlängeln.
„Hey, lass das Ding stehen!", rief sie Alfred im Vorbeigehen zu. „Die Antwort der Krolocks ist gerade reingekommen, sie bestehen darauf, dass du bei der Übergabe heute Nacht dabei bist!"
Sie bemerkte die entsetzte Miene des Studenten, deutete sie aber wohl falsch. „Ich denke, sie wollen sehen, obs dir auch wirklich gut geht. Na was auch immer, jedenfalls sollst du zu Wil nach unten, sie besprechen grad alles!"
Sie ließ den jungen Mann stehen und erreichte die Küche mit einer heldenhaften Hechtrolle über eine große Holztruhe mit Nahrungsvorräten.
„Wie geht's ihnen, Professor?" Sie schloss die Tür hinter sich und reichte einem noch reichlich zerknirschten Henry van Helsing eine kleine Dose mit Zuckerwürfeln. „Das hier war alles, was ich noch finden konnte."
„Nun, sagen wir meine rechte Schulter ist froh, nicht mehr direkt hinter dem Abfluss zu klemmen und meine Füße sind auch schon viel besser gelaunt, seit sie wieder durchblutet werden..."
Grummelnd ließ er ein Stück Zucker in seinen – inzwischen kalten – Tee fallen.
„Tut uns echt leid, Professor, aber sie müssen zugeben, dass wir allen Grund hatten, sie zu verdächtigen."
Sie seufzte und machte innerlich einen Haken hinter ihre nächste Archäologieklausur.
„Professor Claudius ist eben angekommen. Er bespricht unten mit Wilhelm alles Weitere und sie sollen auch mitkommen."
„Ich? Tatsächlich?"
Tanja schaute etwas verlegen drein. „Naja, wir dachten, sie würden gern dabei sein ... immerhin waren sie ja zumindest eine Zeit lang ebenfalls dort gefangen. Claudius meint, sie können vielleicht am Ehesten nachvollziehen, was Kaspar durchgemacht hat und ihm ein Bisschen helfen ... ich meine, wir haben zwar die Garantie, dass der Kleine unverletzt ist ... aber wer weiß in welchem Zustand."
Henry verkniff sich den Hinweis darauf, dass er bei den Vampiren die meiste Zeit besser behandelt worden war, als bei Claudius' Truppe und folgte ihr nickend.
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„Weißt du denn schon, wann ihr abfahrt?"
„Morgen bei Sonnenuntergang." Kaspar warf einen Blick auf die große Standuhr an der Wand und korrigierte sich sofort auf ein „Heute bei Sonnenuntergang."
Es war bereits kurz vor halb eins – höchste Zeit seine restlichen Sachen zu packen. Nicht dass er irgendetwas bei sich gehabt hätte, als die Vampire ihn erwischten. Aber Cilia weigerte sich strikt ihn auf eine mehrtägige Zugfahrt nach Königsberg zu schicken, ohne sicher zu sein, dass er wenigstens einen warmen Pullover haben würde.
Mit gemischten Gefühlen schaute er auf den bereits halb gefüllten Koffer neben sich. Er war nicht einmal eine Woche im Haus der de Montaines gewesen, aber es kam ihm vor wie eine Ewigkeit.
„Miss Cilia?" Er schluckte schüchtern, aber er hatte das dringende Bedürfnis, sich wenigstens zu bedanken.
„Was ist denn? Bist du nervös wegen heut Nacht?"
„Ein Bisschen ...", gab er ehrlich zu. „... aber ich wollte eigentlich sagen, dass es sehr nett von ihnen war, mich hier so gut zu behandeln. Immerhin ... naja, immerhin hab ich sie ja überfallen."
Die Vampirin lächelte den Jungen aufmunternd an.
„Weißt du, Kaspar, ich denke du bist ein sehr anständiger Junge. Du solltest nur dringend aufhören, etwas zu tun, nur um dich vor deinen Freunden zu beweisen."
Sie setzte sich zu ihm aufs Bett und legte dem bedrückten Jungen einen Arm um die Schultern. „Ist nicht leicht zwischen Älteren, was? Glaub mir, ich kenne das von Vico. Manchmal ist es eben wichtiger seinen Standpunkt, als seine Fähigkeiten zu zeigen. Ich hab gehört, du willst im Frühjahr als Assistent beim Professor anfangen?"
„Ja!" Kaspar schien erleichtert, zu einem angenehmeren Thema wechseln zu können. „Er hat mir ein Praktikumssemester angeboten, weil Alfred ja jetzt weiterstudieren wird und so. Wahrscheinlich ist Onkel Hermann schon glücklich, mich nicht auf noch mehr Exkursionen mitnehmen zu müssen ... und wenn ich dann auch noch der jüngste Student in ganz Königsberg bin..."
„Und das auch noch in einem ganz neuen Fach.", fügte Cilia hinzu, um dem jungen Mann ein Bisschen Zuversicht zu geben. „Du kannst jederzeit wieder vorbeikommen, Kaspar. Und wenn dich der nächste Vampir beißen will, sagst du einfach du bist ein Freund der von Krolocks. Glaub mir, das wird helfen ... so, und jetzt packen wir dir noch ein paar frische Socken ein, immerhin fahrt ihr fast drei Tage bis Königsberg."
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„Meinst du, sie versuchen etwas?" Graf von Krolock sah missmutig auf seine Taschenuhr. Noch drei Stunden bis zur Übergabe.
Cedric zuckte nur mit den Schultern und schenkte seinem Schwager Tee nach. „Ich bin mir fast sicher. In den letzten Tagen ist so wenig glatt gegangen, es wäre ein Wunder."
Er lächelte zum Grafen hinüber. „Wann ist es eigentlich so weit?"
„Was?"
„Nun tu nicht so unschuldig." Cedric streckte sich in seinem Sessel und genoss die wenigen Minuten Ruhe im Wohnzimmer. „Du bist doch nicht nach Venedig gekommen um deinen Sohn außer Gefecht setzen und seinen Lover entführen zu lassen." Er hob eine vielsagende Augenbraue. „Oder etwa doch?"
Graf von Krolock musste zugeben, dass er sprachlos war. In der ganzen Aufregung hatte er völlig vergessen, dass ihr Urlaub hier für ihn und Sarah hatte sein sollen.
„Hab ich das noch nicht gesagt?"
„Muss dir irgendwie entfallen sein... oder sind wir gar nicht eingeladen?"
Der Graf erlaubte sich ein Grinsen. „Würdest du denn kommen?"
Cedrics wehleidige Grimasse sagte ihm, dass er seine kleine Anspielung sehr genau verstanden hatte.
„Ich weiß nicht ... als wir das letzte Mal bei euch gefeiert haben, hat das mit einer gebrochenen Nase für mich geendet..."
„Ich nehme Herbert an die Leine."
„Wie wäre es mit einem Maulkorb? Oder einem Knebel?"
Die beiden Männer lachten leise.
„He, er hat sich wirklich gebessert! Wir dachten an eine Hochzeit im Herbst, wenn es warm ist und die Nächte länger ... ach und Cedric?"
„Ja?" Der unschuldige Gesichtsausdruck des braunhaarigen Vampirs war so überzeugend, er hätte glatt echt sein können.
„Sag meiner Schwester, es soll eine Hochzeit im KLEINEN Rahmen werden. Ihr seid unsere Gäste, ihr braucht wirklich nicht bei den Vorbereitungen zu helfen!"
„Oh, du bist großzügig wie immer, geliebter Schwager!"
„Ich meine es Ernst! Streite bloß nicht ab, dass ihr von der Feier für Herbert wenigstens gewusst habt!"
Cedric lächelte spitzbübisch. „Du bist viel zu paranoid."
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„Professor? Sie packen?"
Verdutzt stand Herbert in der Tür zu Abronsius' Zimmer und sah zu, wie der alte Mann sich abmühte, seine hoffnungslos überfüllte Tasche zu schließen.
„Tja, so langsam wird es Zeit. Immerhin haben wir nur noch zwei Stunden, bis zum großen Ereignis."
Er musterte Herbert vielsagend. Der Vampir war so aufgeregt, dass er schon seit Mitternacht fix und fertig angezogen durchs Haus tigerte.
„Sie fahren also auch zurück nach Königsberg?"
„Fürs erste ja, natürlich. Ich habe unglaublich viele wertvolle Aufzeichnungen gemacht, die die Welt unbedingt erfahren muss. Und das geht am Besten an der Universität in einem Hörsaal voller Studenten."
Und, fügte er im Stillen hinzu, Alfred an seiner Seite. Aber das war ein Thema, dass er gegenüber Herbert nicht unnötigerweise ansprechen wollte.
Der Vampir verzog das Gesicht zu einem höflichen Lächeln. „Was die Sterblichen daran finden, kleine Rotzgören zu unterrichten, ist mir ein ewiges Rätsel."
„Nun, es ist eben unsere Art, ein bisschen Unsterblichkeit zu erlangen." Abronsius gab den Kampf mit seiner Tasche auf und legte dem jungen Mann mit bedeutungsschwerer Miene eine Hand auf die Schulter.
„Ich wünsche ihnen alles Gute, Herbert. Auch wenn ich sicher bin, dass sich unsere Wege wieder kreuzen werden."
„Ich werde sie vermissen, Professor ... und die gelegentlichen Schirm-Hiebe."
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„Alles soweit fertig?"
Vico kramte eine reichlich mitgenommene Checkliste aus der Hosentasche. „Denke schon. Die Seile sind in Position und ich hab Oma gesagt, dass ich in meinem Zimmer verschwinde und Musik höre. Und weil ich mal wieder wie ein Kind behandelt werde, würde ich sie extra laut drehen."
„Guut, ich hab zu Koukol gesagt, er soll mir Badewasser heiß machen. Das ist DIE Tarnung überhaupt."
„Wunderbar." Vico sah auf die Uhr. „Dann haben wir jetzt noch eineinhalb Stunden um das alles möglichst echt aussehen zu lassen."
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„Was machst du da?"
Alfons hatte sich in den Keller verzogen, ein Handtuch über die Schultern geworfen und sich einen – wie Karolina fand, bemitleidenswerten – Mehlsack ausgesucht, dem er gekonnte Schläge und Tritte versetzte.
„Ich wärm mich schonmal auf. Falls sie wirklich einen Hinterhalt planen."
Schwer atmend versetzte Alfons dem Sack einen letzten Tritt in die Magengrube. Geschlagen rutschte der in sich zusammen und gab eine erschöpfte Mehlwolke frei.
„Überanstrenge dich nur nicht.", schmunzelte die Vampirin.
„Bestimmt nicht. Aber wenn deine Tante für einen kocht, kommt man völlig außer Form."
„Immerhin hast du Herbert gestern sicher nach Hause gebracht."
Alfons seufzte tief und wischte sich mit dem mehligen Handtuch den Schweiß aus dem Gesicht.
„Das klang vor ein paar Stunden aber noch ganz anders..."
„He, wird schon schief gehen!", versuchte sie, ihrem Freund etwas von seiner Anspannung zu nehmen. „Und tu mir den Gefallen, dusch dich noch schnell. Immerhin muss ich in nichtmal einer Stunde neben dir in der Kutsche sitzen!"
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Professor van Helsing und Professor Claudius tauschten einen letzten, grimmigen Blick aus.
„Henry, wenn sie das tun, kann ich ihnen nicht mehr helfen."
„Sie werden mich vermissen, ich weiß.", Henry konnte sich ein verächtliches Grinsen nicht verkneifen.
Seine Professur in Königsberg war vermutlich ohnehin längst gestrichen und neu ausgeschrieben worden. Kein Grund mehr, länger gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
Er winkte noch einmal in Richtung seiner ehemaligen Studenten, die den streitenden Professoren bis vor die Tür ihres Verstecks gefolgt waren und suchte sich dann eine möglichst willkürliche Gasse aus, um betont langsam und gemütlich davonzuschlendern.
„Henry!!"
„Spielen sie ihre Spielchen doch alleine. Außerdem muss ich noch etwas zurückholen, dass mir gehört..."
Ein ganz offensichtlich vor Wut schäumender Professor Claudius fuhr zu seinen Studenten herum. „Ihr da! Sina, Robert ... folgt ihm und falls er sich einmischen will, haltet ihn auf!"
Die beiden Studenten standen da, wie vom Donner gerührt. „Aber ... Professor van Helsing?"
„Natürlich van Helsing, wen denn sonst?! Und Professor ist er die längste Zeit gewesen, dass schwör ich euch!"
Immer noch ärgerlich stürmte er zwischen den Übrigen hindurch auf den Innenhof. „Und holt die Rothaarige und die Pfähle, wir müssen los!"
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„Rutsch noch ein Stückchen!", flüsterte Vico hektisch. „Sie müssen jeden Moment rauskommen!"
Keuchend schaffte Sarah es, sich in die reichlich engen Seile zu quetschen, die Vico unter die Kutsche gebunden hatte.
Eigentlich sollte sie es wohl als Kompliment nehmen, dass er sie für so schlank hielt. Aber momentan machte sie sich eher Sorgen darum, ob sie noch Luft bekommen würde, als Vico kurzerhand ihre Füße ergriff und sie die letzten paar Zentimeter in Position schob ... wie gut, dass sie eine alte Reithose angezogen hatte und nicht das kurze Kleid, das sie eigentlich tragen wollte. So gern sie Vico hatte, SOVIEL Einblick wollte sie ihm bestimmt nicht gewähren.
„Alles soweit ok?" Gekonnt schob sich der Vampir in seine eigenen Haltestricke und spähte unter dem Rand der Kutsche hervor.
„Denk schon ..." Noch war kein Vampir zu sehen, aber da es nur noch eine knappe Viertelstunde bis zur Übergabe war, konnte es nicht mehr lange dauern. 'Tja, Fledermäuschen, das wird dich lehren, mich wie ein Kind zu behandeln!'
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„Nun kommt schon, wir sind spät dran!" Hektisch scheuchte Cilia die Schar von Vampiren zum Südeingang hinaus.
„Aber Schatz, die Kutsche ..." „Los jetzt!" Sie schob Kaspar samt Gepäck in den Hof hinaus, bevor sie sich zu Cedric umdrehte.
„Die ist doch viel zu klein! Ich hab uns eine gerufen, dann müssen wir nicht die ganze Fahrt lang aufeinander sitzen. Und jetzt los."
Seufzend gab sich der Hausherr geschlagen und half Kaspar seinen schweren Koffer zu der - wirklich gigantischen – Kutsche zu tragen, die vor dem Haus stand.
„Weißt du, wo wir hinmüssen?", rief er zu Koukol hinauf, der schon ungeduldig auf dem Kutschbock saß.
„ ... hmm! ..."
„Wunderbar!" Als letzter sprang er in das volle Gefährt und hörte noch bevor er die Tür schließen konnte, wie Koukol grunzend die Pferde antrieb.
Auf der kurzen Fahrt herrschte betretenes Schweigen. Kaspar saß zwischen dem Professor und Karolina und starrte betreten auf seine Hände. Ab und zu wagte er es zu Herbert hochzuschielen, der ihm gegenüber dieselbe Haltung angenommen hatte.
Sie hatten kaum ein Wort gewechselt, seit Kaspar im Haus der de Montaines war, aber der Vampir tat ihm leid. Er schluckte schwer.
Nicht genug, dass er ihn lebensgefährlich verwundet hatte, in gewissem Sinne war er auch noch mit Schuld, dass Alfred jetzt auf dem Weg nach Königsberg war.
Wie entschuldigte man sich für so etwas?
Herbert unterbrach seine Gedanken, indem er zu ihm hoch sah. Ob der Vampir seine Gedanken erraten hatte? Kaspar hatte feststellen müssen, dass alle der älteren Vampire bei den von Krolocks diese unheimliche Fähigkeit zu besitzen schienen. 'Reine Lebenserfahrung', hatte Cilia es genannt.
„Ich glaub, wir müssen aussteigen." Das schmale Lächeln auf Herberts Lippen wirkte allerdings wenig rachsüchtig...
Tatsächlich stoppte Koukol die Kutsche auf einem kleinen unauffälligen Plaza.
Vorsichtig spähten die Insassen nach draußen. Kein einziger Vampirjäger befand sich in Sichtweite.
Alfons nahm ein Nicken des Grafen als Zeichen, die Tür zu öffnen. Vorsichtig betrat er den Platz. Soviel freie Fläche machte ihn nervös.
„Wo sind die?", raunte er Graf von Krolock zu, als der seiner Schwester und seiner Tochter aus der Kutsche half.
„Ich glaube nicht, dass sie zu spät kommen würden..." Von Krolock verstummte, als Alfons plötzlich die Schultern zurückzog.
Drei Menschen kamen aus einer der beiden Seitenstraßen auf sie zu.
„Da, in der Mitte ist mein Onkel!", flüsterte Kaspar aufgeregt aus dem Fenster der Kutsche. Offenbar steckte ihn die gespannte Stimmung der Vampire ebenfalls an.
„Aber ich seh den Frischling nicht."
Graf von Krolock spürte eine beklemmende Unruhe seinen Rücken emporkriechen, als Alfons Augen sich zu misstrauischen kleinen Schlitzen verengten. Der ältere Vampir hatte schon immer ein ausgezeichnetes Gespür für Gefahr besessen.
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„Vico ...", zischte Sarah wütend.
„Sie müssen jeden Augenblick da sein!"
„Vico..!!"
„He, jetzt reg dich nicht auf, ich hab die Pferde bestimmt nicht umsonst eingespannt!"
„VICO!!"
So sehr es seinen Stolz auch mit Füßen trat ... wenn er ehrlich war, konnte er es wirklich nicht mehr leugnen.
„VICO ... WIR ... HÄNGEN ... AN ... DER ... FALSCHEN ... KUTSCHE!!"
Und Sarah war auch wie immer sehr deutlich.
„Hey, jetzt gib nicht mir die Schuld! Das ist die größte Kutsche die wir haben und Papa hat gesagt ich soll die Pferde vor genau diese Kutsche hier spannen!"
„Ja, nur dummerweise ist er nicht eingestiegen..."
Vico seufzte. Inzwischen waren die anderen vermutlich längst am Übergabeplatz angekommen.
„Weißt du, du bist die Sorte Frau, vor der Herbert mich immer gewarnt hat.", knurrte er, während er sich aus seinen Halteseilen schlängelte.
„Wo willst du hin?" Sarah bemühte sich ihm zu folgen, als er unter der Kutsche hervor und auf den Kutschbock kletterte.
„Blöde Frage. Willst du dich nun von Alfred verabschieden oder nicht?"
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„Wie nett, gleich ein ganzer Familienausflug."
Flankiert von Tanja und Wilhelm machte Professor Claudius nur ein paar Schritte vor dem Grafen halt und ließ seinen Blick über die versammelten Vampire schweifen, bis er Kaspar entdeckte.
„Da bist du ja. Unverletzt, hoffe ich doch?" Kaspar nickte nervös, wich jedoch keinen Zentimeter von seiner sicheren Position zwischen Cilia und Karolina.
„Natürlich." Sie hatten sich bereits darauf geeinigt, dass Graf von Krolock die Verhandlungen übernehmen sollte... auch wenn es Cilia in den Fingern juckte, den Professor anzufauchen, er könne seinen verschollenen Neffen doch wohl etwas herzlicher begrüßen.
„Allerdings kann ich weder Alfred noch Rubi sehen."
Professor Claudius wich dem Blick des Grafen keine Sekunde lang aus, antwortete aber nicht. Auf einen Wink von ihm erschienen drei weitere Studenten.
Einer von ihnen trug eine nur allzu vertraute gepunktete Schleife und die obligatorische schiefe Mütze und zauberte damit ein kleines Lächeln auf Herberts Gesicht. Die anderen beiden schoben einen Käfig mit einer ganz offensichtlich fuchsteufelswilden, aber sorgfältig gefesselt und geknebelten Vampirin vor sich her.
„Wir würden sie ja gern frei laufen lassen, aber sie beißt ein wenig...", säuselte Claudius ohne eine Spur von Humor in der Stimme.
Auf halber Strecke blieben die Studenten mit Rubis Käfig stehen. Nur Alfred ging zögerlich weiter.
„Es wird folgendermaßen ablaufen:", zischte Claudius bestimmt. „Wir nehmen Kaspar und verlassen den Plaza. Erst, wenn wir vier in Sicherheit sind, geben meine Gehilfen die Rothaarige frei ... nur um zu verhindern, dass irgendwelche Gemüter überkochen."
„Halten sie uns eigentlich für dumm?" Würdevoll verschränkte der Graf die Arme vor der Brust. „Diese Übergabe wird genau so ablaufen, wie wir sie ausgehandelt hatten."
„Dann hat sich unser Handel eben gerade geändert."
Alfred war noch nicht nah genug um die Stimmen des Professors und des Grafen zu hören. Sein klopfendes Herz hätte sie vermutlich ohnehin übertönt.
Natürlich hatte Herbert ihn längst entdeckt. Alfred konnte sehen, wie sich der blonde Mann durch die Vampire schlängelte und langsam auf ihn zu kam.
Er kannte ihn inzwischen gut genug um zu wissen, dass Herbert mindestens genauso nervös war, wie er selbst.
'Ganz ruhig, ganz ruhig atmen, Alfred.' Er hatte sich in der letzten Stunde so viele gute Argumente für seine Entscheidung ausgedacht, dass er wohl sogar Professor Abronsius überzeugt hätte. Aber was zählten die schon in Herberts impulsiver, kunterbunter Gefühlswelt.
„Hallo."
Alfred zuckte fast zusammen, als er bemerkte, dass der Vampir ihn längst erreicht hatte. Er fühlte sich seltsam, als ob sein Kopf gar nicht da war, sondern immer noch in seiner Gedankenwelt schwebte. Was sagte man bloß zu einem Mann, dessen Herz man erst vor wenigen Stunden gebrochen hatte?
„Hallo..." 'Super Alfred, wortgewandt wie immer ...'
„Ich nehme nicht an, dass du es dir nochmal überlegt hast..."
Alfred schüttelte den Kopf. Es versetzte ihm einen Stich, das kleine Fünkchen Hoffnung aus den Augen des Vampirs verschwinden zu sehen. Wenigstens schien Herbert nicht darauf aus, es ihm noch schwerer zu machen.
„Herbi ..." Welches seiner vielen Argumente würde Herbert wohl am Ehesten verstehen? „Herbi, ich wünschte ich könnte dich mitnehmen ..."
Ein trauriges Lächeln schlich sich auf Herberts Gesicht. Alfred war sicher, für einen kleinen Augenblick hatte er mit dem Gedanken gespielt, das Angebot anzunehmen – egal wie unmöglich es sich herausgestellt hätte.
„Ich wünschte, ich könnte mitkommen ...", flüsterte er stattdessen.
Der Graf und Claudius stritten noch immer darüber, welche der Geiseln zuerst ausgehändigt werden würde. Nervös versuchte Alfons die nähere Umgebung im Blick zu behalten.
Er wurde das Gefühl nicht los, dass dieses dumme Kindergartengehabe nur Zeit schinden sollte.
Der Plaza hatte ohnehin nur zwei Ausgänge ... wenn die Jäger eine Falle planten, dann mussten sie sich nicht einmal besonders geschickt anstellen.
Der Vampir unterdrückte ein Knurren, als er eine Bewegung wahrnahm. Ein Mann auf einem der Dächer ... Er war gerade ins Mondlicht getreten und vollführte eine Bewegung, als würde er sich eine Kette um den Hals hängen.
Instinktiv griff Alfons nach dem kleinen Horusanhänger unter seinem Hemd ... van Helsing. Was zum Teufel trieb der denn da oben?
Der Mann wies in Richtung der Kutsche, die die Vampire als Rückendeckung genutzt hatten und Alfons fuhr gerade noch rechtzeitig herum, um zwei paar Füße dahinter huschen zu sehen.
„PROFESSOR, KOUKOL!", fauchte er warnend.
Es fiel Herbert beim Besten Willen nicht leicht, so vor Alfred zu stehen. Vor allem nicht, wenn ein Teil seines Verstandes ihn die ganze Zeit anbrüllte, er solle sich gefälligst beeilen, während der andere immer noch forderte, den Assistenten einfach unter den Arm zu klemmen und von hier wegzuschleppen.
„Ich ... ich hab hier noch was für dich ... damit die Fahrt nicht so langweilig wird ..." Vorsichtig zog er das kleine braune Buch heraus, das er heimlich unter seinem Hemd mitgeschmuggelt hatte.
Alfred klappte fast die Kinnlade herunter, als er den Titel entziffern konnte. Ratgeber für Verliebte Teil 2 - 100 Wege den Mann deiner Träume zu finden. „Aber, Herbi, das ist deins! Ich hab es dir geschenkt!"
„Ich weiß ..." Hätte er es gewagt, Alfred jetzt in die Augen zu schauen, er hätte ihn vermutlich an sich gedrückt und nie wieder losgelassen. „... aber ... ich hab den Mann meiner Träume schon gefunden ..."
Der Assistent schluckte schwer, antwortete aber nicht – und Herbert wagte auch nicht, zu ihm hoch zu sehen. „Außerdem...", fügte er hinzu, als das Schweigen zu erdrückend wurde. „... hab ich unsere Adresse rein geschrieben." Der Vampir zuckte gespielt gleichgültig die Schultern. „Falls du mal schreiben willst ..."
„He." Herbert spürte, wie sich eine kalte Hand auf seine Wange legte und seinen Kopf ein Stück nach oben zog. Alfred sah aus, als müsste er ebenfalls mit den Tränen kämpfen. „Natürlich schreibe ich!"
Herbert wollte den jungen Wissenschaftler für einen letzten Kuss an sich heranziehen, als hinter ihnen zwei erschrockene Schreie ertönten.
Die beiden Vampire wirbelten gerade rechtzeitig herum, um der Kutsche auszuweichen, die mit panisch schnaubenden Pferden auf sie zu donnerte und durch die freie Seitengasse verschwand.
Koukol schien nicht mehr als eine Beule von seinem Sturz vom Kutschbock behalten zu haben und rappelte sich bereits wieder auf. Neben ihm stand Alfons in Kampfhaltung ... und der überraschte Student, der ohnehin schon einen deutlich sichtbaren Stiefelabdruck im Gesicht trug, blieb klugerweise gleich auf dem Pflaster liegen.
„Was zum ..."
Herbert sah zu Alfred hinüber, aber der Student schien mindestens so ratlos wie er selbst. Ein kurzer Blick zur Seite bestätigte Herberts Befürchtung ... in den ehemals leeren Seitengassen standen jetzt kleine Gruppen bewaffneter Vampirjäger.
„Sie hätten lieber gleich kooperieren sollen.", schnitt Claudius' Stimme durch die beklemmende Stille auf dem kleinen Platz.
„Sonst ...?" Irgendwie schaffte es sein Vater immer noch, genug Autorität auszustrahlen um Tanja und Wilhelm nervös zu Boden sehen zu lassen. Leider schien Claudius weit weniger beeindruckt.
Auf einen Wink hin, kamen die umgebenden Jäger näher. Zwei von ihnen zogen eine unheilverkündende Armbrust hervor ...
„Professor, was soll das? Wir wollten doch bloß Kaspar ..." Protestierend trat Alfred zwischen seinen Lehrer und die Vampire, nur um unsanft zur Seite gestoßen zu werden.
„Professor!", Wil fing den Studenten auf, bevor er stürzen konnte.
„Er ist nicht objektiv! Alfred ist immer noch einer von denen, vergesst das nicht!"
„Sapperlot nochmal! Was geht hier eigentlich vor!" Nur mit Mühe und schweren Schirmschlägen schaffte Abronsius es, unbehelligt aus der Kutsche zu steigen.
Fünf entsetzte Studentenmienen begrüßten ihn, als er schließlich auf die Füße kam und seinen Hut wieder zurechtrücken konnte.
„Ja seit ihr denn wahnsinnig geworden! Einen alten Mann so zu überrumpeln!"
Hektisch sah er sich um. Ein dicker, dunkelhaariger Student mit einer fingerdicken Brille hatte Alfons' Attacke offenbar überstanden und die Kutsche in einer der Seitenstraßen zum Stehen gebracht. Dummerweise konnte man von hier aus den Plaza nicht einsehen – dafür hatte der alte Mann aber einen allzu deutlichen Ausblick auf Pflöcke, Messer, Silberdolche und eine gefährlich aussehende Armbrust, die sich spontan auf ihn richteten.
Herbert zuckte zusammen, als Alfred strauchelte, doch ein strenger Blick seines Vaters hinderte ihn daran einzugreifen.
Die Situation war tatsächlich schon gefährlich genug, auch ohne dass Claudius sich persönlich bedroht fühlte.
„Kaspar, wenn ich jetzt bitten dürfte?"
„Onkel Claudius, das ist wirklich nicht nötig...", meldete sich der schüchterne Junge das erste Mal zu Wort. „Sie haben mich wirklich gut behandelt."
Wenn Claudius die Worte seines Neffen tatsächlich wahrnahm, so ließ er es sich zumindest nicht anmerken.
„Komm her, Junge."
„Aber ..."
„Kaspar!"
„Du bringst sie doch um, wenn ich mitkomme!"
„Professor Abronsius?"
„Was? Natürlich, wer denn sonst?!", der Professor konnte mit den überraschten Gesichtern nicht viel anfangen.
„Aber sie sind am Leben!" „Sie gelten seit Monaten als tot!" „Und sie sind kein Vampir?"
„Nein, ist er nicht. Das kann ich bezeugen."
Überrascht richteten sich Abronsius' Blick und ein Haufen spitzer Waffen nach oben, als Henry van Helsing über ihnen auf einem Dachfirst erschien.
„SIE?!", der Dunkelhaarige auf dem Kutschbock schien keineswegs erfreut. „Sie arbeiten doch mit den Vampiren zusammen! Professor Claudius hat angeordnet sie sofort festzunehmen!"
„Ach ja? Und wie willst du das anstellen?"
Elegant schwang sich van Helsing vom Dach und landete mitten zwischen den Studenten.
Sofort richteten sich alle Augen und Waffen auf ihn ... und ein gequältes „NEEIIIN!!" gellte durch die kleine Gasse.
Alle Blicke richteten sich wieder nach oben ... unschlüssig, von wo nun eigentlich die größte Bedrohung kam.
Weit weniger elegant versuchten Sina und Robert ebenfalls unbeschadet vom Dach zu kommen.
„Nicht...", keuchte Robert noch halb an die Dachrinne geklammert. „Er ist ... bewaffnet!"
Unsicher zogen sich die Jäger in die Gasse zum Plaza zurück.
„Tut mir leid, Professor Abronsius, Professor van Helsing ... Wir dürfen sie hier nicht durchlassen!"
„Hast du grad nicht zugehört?", fauchte Sina. „Halt ihn bloß nicht auf!"
Unsicher rückte der Dicke seine Brille zurecht. „Er trägt aber gar keine Waffe, Sina..."
„Im Gegensatz zu euch, nicht war?" Missmutig schüttelte Abronsius den Kopf. „Hab ich euch denn gar nichts beigebracht?"
„Keine Angst, Professor. Das haben wir gleich..." Grinsend griff van Helsing in seinen Mantel und zog ... der drohenden Armbrust zum Trotz ... einen Stapel blütenweißen Papiers hervor.
„Was soll das denn bitte?" Der Dicke schien fast enttäuscht, dass sein Professor nun doch keine Waffe sein Eigen nannte. Um so verwirrter war er, als ein Student neben ihm aufschrie. „Das sind doch ..."
„Sehr richtig, das sind ... TESTATKARTEN."
„Halt den Mund und komm her!", fauchte Claudius so giftig, das Kaspar merklich zusammenzuckte. „Wenn ich dich wieder habe, dann können wir meinetwegen über alles reden.", fügte er wesentlich sanfter hinzu.
Zögerlich setzte der Junge an, seinem Onkel zu folgen, als Karolina seine Hand ergriff. „Kaspar, nicht!"
Wenn er aus dem Schussfeld war, würde die Sache schnell erledigt sein.
„Professor, sie haben uns nichtmal provoziert..." Claudius tat Tanjas geflüsterten Einwand mit einem verächtlichen Schnauben ab.
„Sie wollen uns mit Testatkarten bedrohen?" Der dicke Student war sichtlich irritiert.
„Falsch.", konterte van Helsing siegessicher. „Ich will euch damit prüfen."
„Bitte?"
„Natürlich, lass mich mal schauen ... ah da haben wir ja die Richtige." Lässig reichte er die Karte Professor Abronsius, der neugierig seine Brille zurechtrückte. Langsam begriff er, was sein Kollege vor hatte ... und auch wenn er, akademisch gesehen, entschlossen widersprechen sollte...
„Mal sehen, genau. Jonas Matzing, hat Praktische Archäologie I bis IV belegt und zwar bei mir und meinem geschätzten Kollegen, van Helsing."
Zufrieden bemerkte er wie die Farbe aus dem Gesicht des Dicken wich. „Das können sie gar nicht!"
„Zur Prüfung angemeldet für dieses Semester nehme ich an?"
„Sehr richtig.", bestätigte Professor van Helsing. „Also, gehen wir mal die Liste durch ... Oberstes Gebot der praktischen Archäologie ... Fundstücke werden solange nicht angefasst oder beschädigt, bis man ihr gesamtes Umfeld ebenfalls untersucht hat. Wie sind die Vampire dort vorn doch gleich miteinander verwandt?"
Ratlos blickten sich die Studenten gegenseitig an. „Meinen sie das ernst?" „Natürlich. Ich fürchte, ich muss jeden von euch durchfallen lassen, der mir diese Frage nicht beantworten kann ..."
„Aber ..."
„Nicht doch, Kollege." Abronsius musste ein triumphierendes Grinsen unterdrücken. „Solange sie keinen der Vampire verletzen, haben sie doch gar nicht dagegen verstoßen... und keinen Grund erneut zwei Jahre das 'langweiligste Fach überhaupt' zu belegen, oder?"
Aus den Augenwinkeln bemerkte Cedric die plötzliche Unruhe in den Reihen der Vampirjäger. Die Gruppe in der südlichen Gasse schien sich auf einmal mehr für sich selbst zu interessieren, als für ihre Opfer. Unauffällig tippte er die anderen Vampire an.
„Es ist genug, sie hatten ihre Chance.", Claudius seufzte mit falschem Bedauern. Er hob einen Arm und gab den Vampirjägern in den Gassen ein Zeichen. „Tanja, Wilhelm, bringt Kaspar hier rüber."
Keiner der beiden Studenten wagte sich auch nur einen Zentimeter näher, dafür setzten die Vampire sich in Bewegung. Mit nur noch einer Armbrust auf sie gerichtet, sprinteten Alfons und Cedric auf die verbliebene Gruppe von Jägern zu.
„Was zum ..." Entsetzt fuhr Claudius herum um den Feuerbefehl zu erteilen und bemerkte zum ersten Mal das Chaos in seinen eigenen Reihen. Entsetzte Schreie hallten über den kleinen Plaza.
„Herbert, Karolina, holt sie!" Die beiden Vampire stießen ihn fast zu Boden, als sie an ihm vorbei sprinteten. Die beiden Studenten, die Rubis Käfig bewachen sollten, suchten sicherheitshalber das Weite, bevor die Vampire sie erreichen konnten.
Er wandte sich wieder an Tanja und Wilhelm, nur um zu sehen, wie seine Helfer von Cilia und dem Grafen zu Boden gepresst wurden. Die Situation war ihm gehörig aus den Händen geglitten...
Lediglich Kaspar und Alfred standen noch vor ihm ...
„DIE KUTSCHE!!", brüllte er wutentbrannt in Richtung der südlichen Seitengasse.
Bevor noch mehr passieren konnte, zog er seinen eigenen Silberdolch und packte Alfred am Kragen.
„Onkel, nicht!"
„Komm schon her!"
Er presste dem sich windenden Vampir die Klinge an den Hals, um ihn ruhig zu halten. „Lassen sie mich los! Ich bin doch auf ihrer Seite...", keuchte Alfred mit dem bisschen Luft, dass ihm noch verblieb, als seine eigene Schleife ihn zu erdrosseln drohte.
„Kaspar!"
Unsicher eilte der Junge an seine Seite. „Bitte lass ihn los, Onkel!! Ich ..." Kaspar verstummte, als Graf von Krolock und Cilia auf sie zu kamen. Knurrend und mit wutverzerrtem Gesicht erinnerten sie kaum noch an die freundlichen Vampire, die er kennengelernt hatte.
„Wo bleibt die verdammte Kutsche?!", nervös blickte Claudius immer wieder in Richtung Süden, aber von den Studenten dort war nichts mehr zu sehen.
„Kaspar, bitte tu mir den Gefallen und bring dich in Sicherheit.",bat Cilia ruhig wie möglich.
Trotzig schüttelte der Junge den Kopf, wagte sich aber nicht, ihr direkt in den Weg zu treten. „Ihr bringt euch ja nur gegenseitig um, wenn ich es tue!"
„Lassen sie den Jungen in Ruhe!", wütend presste Claudius die Klinge noch etwas fester gegen Alfreds Hals.
Im Hintergrund sah er Herbert und Karolina zusammen mit der befreiten Rubi näher kommen. Der Blonde sah so schockiert aus, dass er mit Sicherheit nicht lange fackeln würde ...
selbst wenn der Assistent vor seiner Klinge so schlau war, jeden Widerstand einzustellen.
„Bleib hinter mir!", zischte der Professor zu seinem Neffen, als er hinter sich Pferdegetrappel lauter werden hörte. „Wenn sie hier sind, springst du zuerst auf!"
„Lassen sie Alfred los!", fauchte Herbert noch im Laufschritt, als hinter ihm die ersehnte Kutsche in halsbrecherischem Tempo aus der kleinen Gasse geschossen kam.
Sie wich dem Vampir nur mit knapper Not aus und kam hinter dem Professor zum Stehen.
„Steig ein! Wir müssen hier weg!" Hektisch schubste er seinen Neffen nach hinten und bemühte sich die Vampire zumindest im Augenwinkel zu behalten. Kaspar wurde hinter ihm in die Kutsche gezogen.
Doch bevor Claudius selbst nach der kurzen Leiter greifen konnte, landete etwas unerwartet Schweres auf seinen Schultern und krallte sich wie eine tollwütige Katze in seinen Messerarm.
„Lass Alfred los, du verfluchter Dreckskerl!"
Ein schmerzhafter Biss in seinen Bizeps zwang Claudius schließlich, den Dolch fallen zu lassen. Noch halb bewusstlos rutschte der Vampir aus seinem Griff.
Claudius hatte nicht einmal Zeit, seinen schmerzenden Arm festzuhalten, als ein zweites Etwas auf ihm landete und ihm endgültig das Gleichgewicht raubte.
Ohne eine Möglichkeit, sich auch nur festzuhalten schlug sein Kopf auf dem Pflaster auf und es wurde schwarz um ihn herum.
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„Hast du gesehen, wie ich ihn erwischt hab?" Sarah und Vico waren so aufgeputscht von ihrem Manöver, dass sie gar nicht mehr aufhören konnten zu reden.
„Ja, Sternkind. Reicht mir mal bitte einen der Türvorhänge." Ohne zu fragen, rupfte Vico eine der blickdichten Stoffbahnen von der Kutsche und reichte sie dem Grafen.
„Wir haben ja gleich gesagt, ihr solltet uns mitnehmen! Von wegen nichts für Jungvampire!"
Etwas unsanfter als nötig knebelte der Graf den noch immer bewusstlosen Professor Claudius. „Ich sage immer noch, wir sollten sie nicht einfach so davonkommen lassen!"
„Bruderherz, wenn wir uns an ihnen rächen, kommen die nächsten von der Sorte.", schalt Cilia den Grafen unbarmherzig. „Ich wollte gern noch ein paar Jahrhunderte hier wohnen bleiben."
„Das sind die letzten."
Cedric und Alfons schleiften drei weitere Studenten aus der kleinen Seitengasse, die sie überfallen hatten. Sie sahen nicht weniger geknickt aus, als die Gruppe, die van Helsing und Abronsius vor sich her auf den Plaza scheuchten.
Die beiden Professoren warfen einen kritischen Blick auf die versammelte Gefolgschaft ihres Kollegen.
„Hat noch jemand hier das dringende Bedürfnis, ein paar Vampire zu pfählen?" Unter van Helsings strengem Blick schüttelten die meisten von ihnen die Köpfe. Den wenigen, die es nicht taten, konnte Henry es nicht einmal übel nehmen. Cedric und Alfons schienen nicht gerade zimperlich vorgegangen zu sein, so dass Professor Abronsius schon fleißig Verbände und Halskrausen austeilte.
Ein paar Meter entfernt beobachtete Alfred die Szenerie.
„Ist ziemlich mies gelaufen, was?" Herbert war hinter getreten, hielt aber einen höflichen Abstand zu dem Assistenten.
„Hmm." Alfred bemühte sich gefasst zu wirken. Vor wenigen Monaten war er nicht weniger naiv gewesen, als Claudius' Studenten. Irgendwie hatte die Zeit bei den von Krolocks ihn verändert, ohne dass er es bemerkt hätte.
„Und ... was jetzt?"
„Naja ..." Alfred schluckte seine Grübeleien hinunter und drehte sich zu Herbert um. „Der Zug nach Königsberg fährt heut Abend. Und ich denke keiner von denen legt Wert darauf, noch länger zu bleiben. "
Der Grafensohn nickte. „Der Professor wird euch begleiten. Und wir sollten hier verschwinden."
„Ich weiß." Der Student seufzte. „Das wars also?"
Herbert bis sich auf die Lippe und zog ein kleines, verstaubtes Buch hinter dem Rücken hervor. „Du hast es fallen gelassen."
Lächelnd nahm Alfred den Ratgeber für Verliebte entgegen. „Danke."
Er bemerkte Herberts Unschlüssigkeit. „Ist seltsam, Lebewohl zu sagen, nicht?"
Der blonde Vampir nickte schweigend.
Ein leises Räuspern lenkte ihre Aufmerksamkeit zurück zu den anderen. Die beiden Professoren hatten jeden Studenten, der nicht mehr in der Lage war, selbst zu gehen in eine Kutsche geladen und auch die Vampire sammelten sich vor ihrem Gefährt.
„Kommst du noch auf Wiedersehen sagen?"
Alfred schluckte schwer, nickte aber. Er konnte schlecht gehen, ohne sich wenigstens verabschiedet zu haben.
„Alfi!!", Sarah warf sich dem jungen Wissenschaftler zuerst um den Hals. „Ich werde dich so furchtbar vermissen!"
Er spürte wie ihm noch mehr Hände auf die Schultern klopften und er in weitere Umarmungen gezogen wurde, aber er schaffte es nicht, seine Augen von Herbert zu nehmen.
Der Vampir ergriff Alfreds Hände. „Ich wünsch dir viel Glück in Königsberg."
„He, so formell heute?" Mühsam lächelnd schlang der Student beide Arme um Herberts Hals und zog ihn in einen zärtlichen Kuss. „Vergiss mich nicht, ja?"
„Aber nur, wenn du mich nicht vergisst."
Alfreds Lächeln bekam etwas herzliches. „Das könnte ich gar nicht."
Gerührt drückte Herbert den jungen Mann in einer letzten Umarmung an sich. „Ich liebe dich, Alfred..."
„Das weiß ich doch." Der junge Assistent schob seinen Freund ein Stück von sich und wischte ihm ein paar Tränen aus den Augen. „Aber versprich mir eins, ja? Nicht weinen."
Herbert versuchte sich an einem Lächeln. „Du machst es mir heute nicht leicht, Süßer."
Alfred nickte nur. „Machs gut."
„Du auch ..."
Nur zögerlich lösten sich die beiden schließlich voneinander.
„Alfred? Wir müssen los." Der Student zuckte zusammen. Er hatte nicht bemerkt, dass Professor van Helsing sich ebenfalls zu den Vampiren gesellt hatte.
Der Wissenschaftler warf Alfons einen erwartungsvollen Blick zu. „Ich wollte nur noch etwas abholen."
Etwas verwundert sah Alfred zu, wie Syriaci einen kleinen Anhänger hervor zog und dem Professor in die Hand drückte. „Bitte sehr. Das Ding hat eh schrecklich gejuckt."
Van Helsing hängte sich die Kette wieder um den Hals, machte aber keine Anstalten, wieder zu seinen Studenten zu gehen.
Seufzend schälte sich Alfons aus seinem liebgewonnenen Mantel und überreichte den ebenfalls.
Verdutzt schnüffelte Henry an dem Kleidungsstück. Der vertraute Geruch schien vollkommen verschwunden.
„Hab ihn reinigen lassen ... da waren noch uralte Käsesandwiches drin.", erklärte Alfons mit einem Schulterzucken.
Lächelnd nickte Henry dem Vampir zu und legte Alfred eine Hand auf die Schulter, um ihn zur Kutsche zu dirigieren.
Die wenigen Schritte bis zur Kutsche der Studenten kamen Alfred unendlich lang vor. Er suchte sich auf einem der Trittbretter eine freie Ecke neben Tanja und nickte Professor Abronsius auf dem Kutschbock zu.
Erst als sich die Kutsche langsam in Bewegung setzte, sah er zu den Vampiren zurück. Cilia hatte den geknickten Herbert zu sich gezogen und legte ihm einen tröstenden Arm um die Schultern.
Schweren Herzens winkte er den Vampiren zu, bis sie außer Sichtweite gerieten.
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Seufzend griff Sarah nach dem gebügelten Kleid, dass Karolina ihr reichte.
„Es fühlt sich so seltsam an, ohne ihn zurückzufahren."
Sie legte das Kleid vorsichtig in ihren großen Koffer und quetschte noch ein paar Strümpfe daneben.
„Du musst es eben auch mal aus Alfreds Sicht sehen. Für ihn ist es eine einmalige Chance."
Karolina zog die junge Vampirin in eine Umarmung. „Und es heißt ja nicht, dass ihr euch nie wieder sehen werdet ..."
Dankbar ließ sich die junge Frau trösten. „Trotzdem. Königsberg ist soweit weg. Und ... und ihr hättet mir ruhig sagen können, das Francesco die Abreise der Jäger im Auge behält, dann hätte ich mich von ihm verabschieden können. Und euch seh ich so schnell auch nicht wieder."
„Tja ... dann solltest du uns vielleicht alle einladen." Karolina schüttelte lächelnd den Kopf, als sie Sarahs verwirrte Miene bemerkte. „Du und Paps, ihr passt wirklich super. Vergesst beide die Verlobung, wegen der ihr hergekommen seid."
Sarah spürte, wie sie rot wurde. „Oh ... ich ... Sowas aber auch, es ist soviel passiert, dass ich überhaupt nicht mehr daran gedacht habe."
Ein leises Klopfen ließ die beiden Frauen aufsehen. Vico stand ein wenig schüchtern in der Tür. „Hoffe ich störe nicht..."
„Schon in Ordnung. Karo hilft mir nur beim Packen."
Der Vampir sah ebenso geknickt aus, wie Sarah sich fühlte. „Ok, soll euch nur sagen, dass Mama das Essen fertig hat."
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Auch im Hauptquartier der ehemaligen Vampirjäger musste Professor Abronsius mehr hängende Köpfe als strahlende Gesichter sehen.
Unbarmherzig zog der alte Mann die Schultern hoch und machte sich weiter daran, die Übersichtsliste abzuarbeiten, die Tanja ihm aufgestellt hatte.
„Ihr da vorn! Sina und Robert! Ihr wart in Team ... ääh ... Kruzifix, richtig?" Die beiden Studenten nickten nur müde.
„Solltet ihr nicht das zweite Hauptquartier ausräumen?"
Sina zuckte mit den Schultern.
„Wir waren zu spät. So eine komische Behörde namens VTO hat dort alles beschlagnahmt und die halbe Straße abgesperrt. Die haben wohl was von unserem kleinen Kämpfchen mitbekommen."
Abronsius runzelte die Stirn. Hoffentlich reisten auch die Vampire ab, bevor die VTO ihnen Probleme machen konnte.
„Nun gut, dann helft doch bitte den Silberdolchen beim Packen der Vorräte."
„Schon klar." Immer noch etwas zerschlagen rappelten sich eine Hand voll Studenten auf, zu ihren Kommilitonen in die Speisekammer zu gehen.
„Wie läuft ef, Profeffor?" Wilhelm balancierte eine Kiste voller Pässe und Reisepapiere in den Händen und hatte sich einen ganzen Block Zugtickets zwischen die Zähne geklemmt.
„HE, ROBERT! Ich hab deinen Paff noch nicht!", rief er den Studenten hinterher, bevor Abronsius die Notizen auf seiner Liste überfliegen konnte.
„Wir müssten in etwa einer Stunde alles gepackt haben.", schlussfolgerte der Professor schließlich und konnte sich ein bewunderndes Kopfschütteln nicht verkneifen, als Wil auch schon wieder verschwunden war.
Jetzt wo Claudius gut verschnürt in einer Abstellkammer saß, hatten Wilhelm und Tanja die Organisation der gesamten Studentengruppe übernommen.
Und irgendwie schafften sie es tatsächlich, im allgegenwärtigen Chaos den Überblick zu behalten.
Seufzend packte Professor Abronsius seine Liste weg. Hier war jeder Versuch von Ordnung verschwendet. Stattdessen machte er sich auf den Weg zu der kleinen Kammer, in der sie Alfred bis zum Sonnenuntergang untergebracht hatten.
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Die Vampire löffelten in bedrücktem Schweigen ihren Nachtisch.
„Ich werde euch noch ein paar Portionen für die Fahrt einpacken.", versuchte Cilia schließlich ein wenig Leben in die Vampire am Tisch zu bringen. „Irgendwelche Vorlieben?"
„Mmmh-hhmm." Mühsam schluckte Sarah den Brocken Eis herunter, den sie sich gerade in den Mund geschaufelt hatte. „Ich hätte gern etwas von diesem Erdbeerpudding!"
Cilia grinste. Viele Süßigkeiten schien die Wirtstochter von zu Hause nicht gewöhnt.
„Und du, Herbert?"
Sie hatte gehofft, ihm wenigstens ein 'Nein, danke.' zu entlocken. Aber der Vampir starrte nur weiter in die Schüssel, in der er herumgestochert hatte und schüttelte den Kopf.
„Pack ihm lieber noch ein Stück Lasagne ein.", erwiderte Graf von Krolock anstelle seines Sohnes. „Wir fahren fast eine Woche, dann wird er dankbar sein."
Endlich schien auch Herbert zu merken, dass sämtliche Blicke im Raum besorgt auf ihn gerichtet waren. Er hatte seit der Übergabe kaum ein Wort gesprochen und noch seltener einem der anderen Vampire in die Augen gesehen.
Selbst Alfons schien reichlich ratlos, wie er mit seinem Welpen umgehen sollte.
Mit einem leisen Seufzen erhob sich Herbert vom Tisch und schlurfte zur Tür hinaus.
„Willst du nichts mehr?" Karolinas Besorgnis war ihr deutlich anzuhören, aber ihr Bruder schüttelte nur den Kopf.
„Muss noch packen ..."
„Nicht gut.", sprach Vico es schließlich aus, als Herbert die Tür hinter sich geschlossen hatte.
„Überhaupt nicht gut.", stimmte Alfons ihm zu. „Wenn er tobt und schreit, weiß man wenigstens das er darüber hinwegkommen wird ..."
Seufzend stand Cilia ebenfalls auf und begann die leeren Schüsseln einzusammeln. „Armer Junge. Ich fürchte mit Alfred war es ihm wirklich ernst."
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„Los, kommt schon. Das muss alles noch hinter zum Gepäckwagen!" Tanja wurde das Gefühl nicht los, dass das Durcheinander ihrer Studenten im ganzen Bahnhof den Ausnahmezustand provoziert hatte.
Wil stritt sich seit geschlagenen zehn Minuten mit einem Schaffner über ihre Ausreisegenehmigung, die beiden Professoren hatten inzwischen aufgegeben und sich freiwillig gemeldet, Claudius zu bewachen. Und sie suchte immer noch nach Kaspar und Alfred!
Wenigstens waren ihre Kommilitonen so kurz vor der Heimreise ein ganzes Stück enthusiastischer im Kofferschleppen.
„Halt, Stop! Das Essen vorn zu den Sitzplätzen! Nützt uns nicht viel, wenn die Koffer satt werden!"
Endlich erspähte sie zwei vertraute Haarschöpfe zwischen den Menschenmengen am Bahngleis.
„Da seit ihr ja."
Ironischerweise waren die beiden wohl die einzigen hier, die ziemlich geknickt dreinschauten.
Keuchend ließ sie sich neben Kaspar auf einen Koffer fallen und zückte zwei kleine Zettel aus ihrer Hosentasche. „Eure Platzkarten. Ihr sitzt bei mir und Wil im Abteil. Und beeilt euch ein bisschen, die Herren Professoren wollen euch unbedingt noch sprechen bevor wir losfahren."
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Am Liebsten hätte Herbert von Krolock sich in irgendeine Ecke der Villa verkrochen und wäre nie wieder aufgestanden.
Sogar Koukol behandelte ihn mal wieder wie ein rohes Ei und nahm ihm in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit alle Koffer vor der Nase weg und verstaute sie selbst in ihrer Gepäckkutsche.
Die Sonne war gerade erst untergegangen und das helle Dämmerlicht brannte Herbert in den Augen, aber er weigerte sich beharrlich, das zur Kenntnis zu nehmen.
Nur als sein Blick auf einen Stapel Bücher fiel, der ihm nur zu bekannt war, zuckte der Grafensohn merklich zusammen.
„Die nicht.", murmelte er, als Koukol sie einpacken wollte. „Die sind aus der Stadtbibliothek."
Schwermütig strich er über den vergilbten Einband. Nur zu deutlich konnte er sich an Alfreds angestrengtes Stirnrunzeln erinnern, als der Assistent sich mit der Übersetzung des Wälzers abgemüht hatte.
„Das sind die letzten Koffer." Schwer bepackt schwankten Cedric und der Graf aus dem Haupthaus auf sie zu.
Herbert erhob sich, um ihnen etwas von dem Gepäck abzunehmen. „Die Bücher da drüben hat der Professor ausgeliehen. Wäre vielleicht besser, wenn ihr sie irgendwann mal am Nachtschalter liegen lasst." Er nickte seinem Onkel zu und umkreiste die Kutsche, um noch eine Lücke für die Koffer zu suchen.
Erschüttert blickte Cedric seinen Schwager an. „Das war der höflichste Satz, den er in 300 Jahren zu mir gesagt hat."
Graf von Krolock schaute nicht weniger überrascht aus der Wäsche. „Langsam macht er mir Angst ... ich hab ihn noch nie so gleichgültig gesehen."
Sichtlich hilflos sah er zu, wie Herbert es schaffte, doch noch die ein oder andere Tasche in die Kutsche zu packen und dabei so wenig Notiz wie möglich von den Umstehenden zu nehmen.
Hinter ihnen traten auch die anderen auf den Hof. Sarah hatte bereits jetzt Abschiedstränen in den Augen und jeden der Vampire mindestens ein Dutzend mal umarmt. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, Vico gleich nochmal um den Hals zu fallen, als sie vor der Kutsche angekommen waren.
„Ich werd euch ja alle so sehr vermissen!", schluchzte sie leise.
„He, so lang ist es ja nicht." Cilia drückte die rothaarige Wirtstochter zum Abschied.
Auch Karolina umarmte ihren Vater herzlich. „Machs gut, Paps. Und kommt gut nach Hause."
Sie warf Herbert einen abschätzenden Blick zu, bevor sie ihn ebenfalls an sich zog. Zu ihrer Überraschung erwiderte der Vampir die Umarmung sogar.
„Grüß Jonni von mir, ja?"
„Mach ich. Und du lass dich nicht unterkriegen."
„Genau." Alfons war neben sie getreten und versetzte seinem Welpen einen spielerischen Klaps gegen das Kinn. „Halt die Ohren steif, Krümel. Du kannst uns jederzeit schreiben, das weißt du."
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Als Alfred und Kaspar ihr Abteil erreichten, hätten sie kein unterschiedlicheres Bild abgeben können. Während der Junge grinste bis über beide Ohren, konnte man Alfred deutlich ansehen, wie schwer ihm der Abschied von seinen Freunden gefallen war.
„He, Alfi!! Schau doch mal ein bisschen glücklich!", brüllte Wil ihm ausgelassen entgegen, während er den Gang entlang stürmte und in jedes Abteil schaute, ob noch jemand fehlte. „Bald sind wir zu Hause!"
Der Student quetschte sich ungetrübter Laune zwischen ihnen hindurch und setzte seinen Kontrollgang fort, als Kaspar die Tür zum Abteil öffnete.
„Da seit ihr ja.", nicht ganz so überdreht aber auch sichtbar erleichtert lächelte Tanja ihnen entgegen. „Wie lief es?"
Kaspar strahlte noch immer übers ganze Gesicht. „Wir haben beide unsere Immatrikulationspapiere unterschrieben. Ab Herbst bin ich ein echter Student!"
„Gratuliere, Kleiner." Tanja bedeutete beiden, Platz zu nehmen. „Dann darfst du übrigens gern auch offiziell bei V.A.M.P.I.R. mitarbeiten.", fügte sie mit einem Augenzwinkern hinzu.
„Und du, Alfi? Freust du dich wenigstens ein Bisschen?"
Im Gegensatz zu Wil schien Tanja zumindest Verständnis für seine verzwickte Gefühlswelt zu haben, dachte Alfred bei sich.
„Ja natürlich. Ich meine, ich sehe dann endlich meine Eltern wieder." Tatsächlich konnte er nicht leugnen, dass er sich darauf freute. Aber dennoch blieb die Trauer über den Abschied von den von Krolocks.
Offenbar sah man ihm seine innere Zerrissenheit nur zu deutlich an, denn Tanja griff mitfühlend nach seiner Hand. „He, Herbert ist ja nicht unerreichbar. Du weißt doch, wenn du etwas liebst, lass es ziehen."
Sichtlich getroffen sah Alfred zu ihr auf. "Warum sagst du das?" Ungebeten erschienen wieder einmal die Bilder von Herberts Geburtstagsfeier und dem Angriff der drei Jäger vor seinem inneren Auge.
Etwas beschämt bis sich Tanja auf die Unterlippe und wies auf das kleine Büchlein, dass aus Alfreds Reisetasche schaute.
„Naja, du hast sie offen gelassen und es lag oben drauf. Tut mir leid ..."
Unsicher starrte Alfred den Ratgeber für Verliebte an. Kam es ihm nur so vor, oder hatte dieses Buch – oder vielmehr sein Vorgänger – ihm das ganze Gefühlschaos der letzten Wochen und Monate überhaupt erst eingebrockt?
„Herbert hat es mir gestern Nacht gegeben.", flüsterte der Assistent, als müsste er sich für das Buch rechtfertigen.
„Ich weiß."
Der Assistent griff so vorsichtig nach dem kleinen Büchlein, als könnte es in seinen Fingern zerfallen.
Ratgeber für Verliebte Teil 2. Alfred strich mit den Fingerspitzen über den eingeprägten Titel. Herberts fröhliches Lachen schien förmlich in den Buchstaben eingefangen zu sein.
Der jung Vampir schluckte schwer, bevor er sich traute, es aufzuschlagen.
„Rat 17: Wenn du etwas liebst, lass es ziehen. Kommt es zu dir zurück, ist es dein. Fliegt es fort, ist es nie dein gewesen.", flüsterte er so leise, das er die Worte selbst kaum hörte.
Darunter hatte Herbert in seiner unverkennbaren geschwungenen Handschrift die versprochene Adresse geschrieben. Was Alfred beinahe die Tränen in die Augen trieb, war das kleine getrocknete Vergiss-mein-nicht, dass zwischen den Seiten klemmte.
Mit zitternden Fingerspitzen zog er das kleine Pflänzchen heraus. Wo hatte er das nur aufgetrieben?
„Herbi ...", flüsterte er lächelnd und zuckte zusammen, als die Abteiltür unsanft aufgetreten wurde.
„Wil!", schallt die ebenso erschrockene Tanja den aufgedrehten Studenten, der gerade ein riesiges Tablett mit Snacks zur Tür hinein balancierte.
„Was denn? Dachte mir ich bring euch gleich was mit, dann müsst ihr euch nicht mit den anderen drum schlagen."
Stolz präsentierte er seine Beute. „Soo, zur Feier des Tages haben wir ein paar Salzstangen und ein fast schon bestandenes Diplom für dich, Tanja." Die Studentin schenkte ihm ihren besten Das-glaubst-du-doch-selbst-nicht-Blick, bevor sie nach den Knabbereien griff.
„Ein paar Erdnüsse mit Einschreibung für unseren lieben Kaspar..."
Hungrig griff der Junge nach dem Schälchen.
„Uuund nicht zu vergessen, geröstete Sonnenblumenkerne als Aussicht auf die Königsberger Sonne für unser aller Lieblingsvampir!"
Alfred sah so erschrocken auf, als hätte er Wilhelm noch nie in seinem Leben gesehen. Doch der Student deutete den Blick falsch. „Ja klar, hast du immer noch gedacht wir machen Witze? Und jetzt rutscht mal ein Stück, der Schaffner pfeift schon."
„Schon klar, tut mir leid. Ich musste nur gerade daran denken ... mir hat schon einmal jemand die Sonne geschenkt."
Alfred schüttelte den Kopf um seine Gedanken zu ordnen und schlug das Buch so heftig zu, dass das kleine Blümchen darin fast zu Staub gequetscht wurde.
„Tut mir leid.", wiederholte er noch einmal, stopfte das Buch in seine Tasche ... und rannte damit zur Tür hinaus.
Wie vom Donner gerührt blieben die anderen Studenten zurück. Tanja erholte sich am schnellsten von ihrem Schreck. Ein fröhliches Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht, als sie ihm noch ein „Viel Glück, Alfi!" den Gang hinterher brüllte.
Alfred drehte sich in vollem Lauf um, um ihr noch einmal zuzuwinken und überschlug sich in hohem Bogen, als ihm ein Schirm zwischen die Beine gehalten wurde.
„Pass doch auf wo du hin läufst, Junge!", schallt Abronsius ihn gutmütig, als er sich mühsam wieder aufrappelte und stopfte ihm einen kleinen Umschlag in die Reisetasche. „Und jetzt beeil dich!"
Tatsächlich spürte Alfred bereits, wie sich der Zug unter seinen Füßen in Bewegung setzte.
„Danke, Professor, wir sehen uns bestimmt mal wieder!"
Noch bevor der entsetzte Schaffner die Tür vor dem Studenten schließen konnte, sprintete Alfred hindurch und landete wenig elegant auf dem Bahnsteig. Keuchend blickte er dem Zug hinterher.
Drei schnell kleiner werdende Studenten winkten ihm aus einem der Fenster nach, als er mühsam auf die Füße kam und die Kutschen musterte, die den Bahnsteig säumten.
Wenn er jetzt auch noch die Adresse der de Montaines wüsste...
„In dem Tempo kommst du nie an, bevor sie losfahren."
„Ich weiß, ich weiß ..." Alfred wirbelte herum, als er ihm aufging, dass diese Stimme nicht aus seinem Kopf gekommen war. Hinter ihm stand ein hochgewachsener, dunkelhaariger Vampir mit einem amüsierten Grinsen im Gesicht.
„Francesco!"
„Jetzt mach schon, Alfi, du kannst bei mir mitreiten."
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Vor dem Haus der de Montaines saßen inzwischen die von Krolocks und Sarah in ihrer Kutsche und winkten durch das kleine Fenster noch einmal nach draußen.
„Ich werd sie vermissen.", murmelte Vico traurig, als Koukol die Pferde in Bewegung setzte.
„Jetzt komm, du hast es schon länger ohne Herbert ausgehalten als die paar Monate.", widersprach ihm sein Vater.
„Trotzdem."
„Mir tut es nur leid für den armen Herbert." Cilia zog ihren dünnen Pullover etwas enger um die Schultern, als die letzte Wärme des Tages langsam verflog. „Er hat aber auch immer ein Pech mit seinen Herzblättern."
„Nicht immer."
„Schon gut, Alfons. Sollte nicht persönlich sein."
Der blonde Vampir schüttelte den Kopf und ein Grinsen bemächtigte sich seiner Mundwinkel.
„Nein, ich meine es ernst. Rubi scheint nicht übertrieben zu haben, als sie meinte, sie hat Alfred gehörig den Kopf gewaschen..."
Irritiert wandte sich Karolina dem Griechen zu. „Wovon redest du?"
Alfons wies in Richtung des Häusermeers von Venedig, wo sich gerade panische Passanten an die Hauswände pressten oder gleich in den angrenzenden Kanal sprangen, als ein schwer keuchendes Pferd ohne Rücksicht auf Verluste zwischen ihnen hindurchpreschte.
„Koukol, warte!!" „STOPP!" Aufgeregt winkten sie der Kutsche der Vampire hinterher. Francesco hatte sie inzwischen beinahe erreicht und tatsächlich saß hinter ihm ein kreidebleicher Student, der sich offenbar mit aller Kraft, an ihm festgeklammert hielt.
In der Kutsche konnte man die aufgeregten Schreie der Vampire nur gedämpft hören.
„Was? Was wollen sie denn jetzt?" Gerade wollte sich Graf von Krolock zum Fenster beugen, als er von seinem Sohn zur Seite gestoßen wurde.
„Herbert! Was ist eigentlich in dich ge ... ?" Der Graf verstummte als er das unerwartete Lächeln auf Herberts Gesicht sah.
„Alfi.", hauchte er so leise, als würde er träumen. Dann wurde das Lächeln auf seinem Gesicht zu einem breiten Lachen und er hatte sich aus dem schmalen Kutschenfenster geschlängelt, noch bevor Koukol die Pferde zum Stehen brachte.
„ALFRED!!!" Ohne langsamer zu werden setzte er direkt über den Zaun und Cilias sorgsam gepflegte Hecke hinweg.
„Herbi!", überglücklich und mit zitternden Knien ließ sich Alfred von Francesco vom Pferd helfen, als der anstürmende Vampir ihn auch schon wieder fast von den Füßen riss.
„Alfred! ... Alfi!" Herbert bekam kaum noch Luft und seine Brust stach, als er seinen Studenten an sich drückte, aber um nichts in der Welt hätte er ihn je wieder losgelassen.
„Alfi ... ich ... ich hab wirklich gedacht, du kommst nicht wieder."
„Sschh ... hol erstmal Luft, Herbi. Jetzt bin ich doch hier." Lächelnd wischte er dem blonden Vampir ein paar der Freudentränen aus dem Gesicht, auch wenn er wusste, dass ihm ebenfalls welche über die Wangen liefen.
„Ich liebe dich, Herbert."
Glücklich, wie noch nie in seinem Leben, presste er den älteren Vampir an sich und ließ sich durch die zerzausten Locken wuscheln.
Lange standen sie so aneinandergeschmiegt, bevor Alfred die Augen wieder öffnete.
Der Graf und Sarah waren ebenfalls ausgestiegen und zu den de Montaines getreten. Und auch wenn sie sich höflich im Hintergrund hielt, konnte der Assistent deutlich die Erleichterung und die Freudentränen im Gesicht der Vampirin erkennen.
„Es tut so gut, wieder hier zu sein!"
Auch Herbert öffnete jetzt die Augen um seinen Alfred zu betrachten. „Es tut so gut, dich wieder hier zu haben." Er streichelte ihm über die Wangen und die Stirn, als wolle er sichergehen den echten Alfred vor sich zu haben.
Immer noch übers ganze Gesicht strahlend griff Alfred nach Herberts Hand und wollte ihn zu den übrigen Vampiren ziehen, aber Herbert hielt ihn zurück.
Er kam sich ziemlich dumm vor zu fragen – ausgerechnet jetzt – aber nachdem er nach Kräften versucht hatte, Alfreds Entscheidung zu akzeptieren, blieb einfach ein kleiner, nagender Zweifel. „Heißt das ... naja, was ist jetzt mit dem Professor und der Uni? Du wolltest doch so gern weiterstudieren..."
Lächelnd strich Alfred dem Vampir über die Wange. „Du bist mir wichtiger als Bücher und Hörsäle." Er zuckte fast entschuldigend mit den Schultern. „Es hat nur leider eine ganze Tüte Sonnenblumenkerne gebraucht, um das einzusehen."
„Ähh ..."
Noch einmal umarmte er den verwirrten Vampir. „Außerdem ..." Er griff nach seiner Reisetasche und zog einen kleinen weißen Umschlag heraus. Neugierig riss er ihn auf und grinste bis über beide Ohren, als er seinen Verdacht bestätigt sah. „... hab ich einen Lehrer der wirklich an alles denkt."
Herbert griff nach dem Brief, den Alfred ihm stolz präsentierte. „Ein Antrag auf Fernstudium?" „Unterschrieben und gestempelt. Ich kann bei euch bleiben und trotzdem mein Diplom machen."
Jetzt begann auch Herberts Gesicht vor Aufregung zu leuchten.
„Sowas geht?"
Alfreds Grinsen bekam etwas ungewohnt spitzbübisches. „Nur in Ausnahmefällen..."
Herbert schob das Schreiben so vorsichtig zurück in den Umschlag, als wäre es etwas Heiliges.
„Wie hab ich eigentlich die letzten Tage ohne dieses Lächeln ausgehalten..."
Gegen seinen Willen wurde der Student rot. „Jetzt hör schon auf und lass uns die anderen begrüßen." Er schlang Herbert ein wenig ungeschickt einen Arm um die Hüfte und folgte ihm zu den Vampiren.
