Dieses Mal weiß ich, dass ich es vergessen hab. Und es tut mir wirklich leid! Bei mir hat das neue Semester angefangen und dadurch war ich etwas abgelenkt, entschuldigt.

Der zweite Punkt, für den ich mich entschuldigen muss, ist die Tatsache, dass dieses Kapitel wieder etwas kürzer ist als die Vorherigen. Ich hab momentan einfach viel um die Ohren.

Aber seht es positiv: dafür kommt morgen schon ein neues, längeres Kapitel!

Viel Spaß beim Lesen!


Kapitel 24

Sie hätten sich etwas mehr Zeit gewünscht. Vielleicht hätten sie sich darauf vorbereiten können. Vielleicht hätten sie dann auch eine bessere Idee als die Lüge über Alices Vision gehabt. Doch schon am Wochenende nach ihrem Gespräch tauchten plötzlich am Waldrand, ein paar hundert Meter vom Haus der Cullens entfernt, vier schwarze Figuren auf. Helios hatte es als Einziger nicht bemerkt, vertieft in seine Hausaufgaben, während jeder im Haus sich nahezu gleichzeitig anspannte und sie sich in Position begaben. Carlisle ging schweigend ins Arbeitszimmer hinauf, blieb in der Tür stehen und bat Helios, mit ihm hinunter zu kommen. Sein Blick sagte dem Jungen alles, was er wissen musste.
Unglaublich nervös biss sich der Schwarzhaarige auf die Lippe und atmete tief durch, bevor er aufstand und die ihm entgegengestreckte Hand nahm. Wohl um ihn zu beruhigen zog der Blonde seinen Geliebten an sich und küsste ihn sanft, lächelte ihn an und murmelte: „Mach dir keine Sorgen. Niemand in diesem Haus wird zulassen, dass dir etwas passiert." Tatsächlich etwas ruhiger erwiderte Helios das Lächeln und sich an die Hand des Mannes klammernd gingen sie hinunter ins Wohnzimmer.
Die Vampire hatten beschlossen, dass es besser wäre, wenn der Mensch nicht das Erste war, dass die Volturi-Wachen zu Gesicht bekamen. Also saß er mit Esme auf der Couch, etwas, das in letzter Zeit häufiger vorkam, auch wenn es normalerweise angenehmer war als nun. Die Frau war für ihn schon so etwas wie ein Mutterersatz geworden und nahm nun beruhigend seine Hand in ihre, als der Junge nervös mit seinen Fingern spielte. „Es wird alles gut gehen, du wirst sehen", meinte sie tröstend und lächelte ihn sanft an. Er wollte ihr so gerne glauben und lächelte unsicher zurück.

Die übrigen Cullens hatten sich um sie herum verteilt und auch Jacob, Seth und sogar Leah standen am Rand, zu seinem Schutz. Es hätte eigentlich beruhigend sein sollen, doch dass jeder hier stand, bereit, ihn und ihre Familie zu verteidigen, machte ihn nur noch nervöser. Wie gefährlich mussten diese Volturi tatsächlich sein, wenn die Cullens so angespannt waren? Wenn Helios ehrlich war, hätte er lieber Carlisle an seiner Seite gehabt, doch als Oberhaupt der Familie war es mehr oder weniger seine Pflicht, ihre unwillkommenen Gäste zu begrüßen. Dass diese immer noch nicht hier waren, obwohl sie in einem Augenblick die Distanz hätten überwinden können, feuerte seine Unruhe noch weiter an. Und es hätte ihn nicht gewundert, wenn das ihre Absicht dahinter war.
Helios kaute auf seiner Lippe herum und war kurz davor, aufzuspringen und nervös auf und ab zu laufen, da öffnete Carlisle die Haustür und trat hinaus. „Jane, Alec, was für eine Freude, euch zu sehen. Natürlich auch euch, Felix, Demitri", meinte er freundlich. Es wurden ein paar nette Worte ausgetauscht, eindeutig nur Höflichkeiten, bevor eine wunderschöne, melodische, fast mädchenhafte und vor allem genervte Stimme fragte: „Du weißt, warum wir hier sind. Wo ist der Mensch?" Dieser beschloss gerade, dass er Jane, der diese Stimme als einzige Frau wohl gehören musste, kein bisschen mochte.

„Natürlich. Bitte, kommt rein", meinte Carlisle immer noch ruhig und kurz darauf kam er mit ihren ‚Gästen' ins Wohnzimmer. Die vier Vampire sahen wie alle unglaublich schön aus, zwei von ihnen – Jane und der Vampir direkt neben ihr, der Beschreibung der Cullens zufolge Alec – sahen aus, als ob sie noch nicht einmal wirklich in der Pubertät waren, als sie verwandelt wurden. Seltsamerweise weckte das in Helios das Bedürfnis, sich um sie zu kümmern.
Einer der beiden Männer war unglaublich groß, mit breiten Schultern und ein selbstsicheres Lächeln auf den Lippen. Und er sah so aus, als ob er auf jeden Fall wusste, wie er seine Größe im Kampf einzusetzen hatte. Wenn er sich richtig erinnerte, musste das Felix sein. Der letzte der vier, Dimitri, war nicht weniger beeindruckend, etwas kleiner als sein Kollege und schlanker, athletischer, doch sicherlich genauso gefährlich.
Seine Augen fixierten den nervösen Helios und durch deren blutrote Färbung wurde dieser Blick noch bedrohlicher. Der Junge zog die warme, hinreißende, goldene Augenfarbe der Cullens diesem gefährlichen Rot auf alle Fälle vor. Tatsächlich sorgten die roten Augen auf ihm dafür, dass er sich noch weiter anspannte. Kurz fühlte er einen leichten Druck auf seiner gesunden Hand, und er drückte zurück, unglaublich dankbar, dass Esme an seiner Seite saß.

„Darf ich euch Helios vorstellen", meinte Carlisle lächelnd und wie besprochen stand der Junge auf und kam auf sie zu, um sie höflich zu begrüßen, doch da rief Edward plötzlich: „Jane, nicht!" Sofort wurde der Schwarzhaarige an die Seite seines Geliebten gezogen und er hatte panische Angst, was nun passieren würde, doch im gleichen Herzschlag schrie das Mädchen auf und fiel, sich vor Schmerz krümmend, zu Boden.
Jeder starrte sie schockiert an, doch nach höchstens zwei Sekunden verstummte sie, sprang auf und starrte in die silbernen Augen des Jungen, nicht minder verwirrt als er. „Was ist das für ein Trick?", zischte sie, nun wütend und auf einmal stand Edward zwischen ihr und Helios. „Versuch es nicht einmal", knurrte er, was den kleinen Vampirjungen dazu veranlasste, die Arme um das Mädchen zu legen.
„Es ist seine Gabe. Edward kann seine Gedanken nicht lesen, so wie du ihn nicht angreifen kannst. Wir vermuten, dass er eine auf ihn angewandte Fähigkeit einfach… reflektiert", erklärte Carlisle, während er den Schwarzhaarigen weiter hinter sich schob. Ein erstauntes Lachen kam von einem der Männer, wohl Felix, bevor er meinte: „Wo treibt ihr nur diese begabten Menschen auf? Zuerst zeigt sich Bellas Fähigkeit schon vor ihrer Verwandlung, nun Helios hier. Ihr scheint ein eigenes Talent dafür zu haben."

Irgendwie wusste der Schüler nicht, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war, doch dass sich sein Geliebter ein kleines bisschen entspannte, ließ ihn ebenfalls ruhiger werden. „Erlaubt mir eine Frage… warum klammert sich der Junge so an dich, Carlisle?", fragte der gleiche Mann und legte den Kopf schief. „Kann es sein, dass du gleiche Vorlieben hast, wie dein Sohn?" Es verwirrte Helios ein wenig, als er den Schalk in der Stimme hörte und der Vampir ziemlich amüsiert aussah. „Wobei ich es durchaus verstehen, er sieht süß aus, fast zu schade zum Töten."
Dieser Satz brachte den Menschen dazu, sich noch weiter anzuspannen, während seine Augen riesig wurden, doch der Blonde ließ sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen und lächelte leicht. „Du hast recht, Felix. Wir sind verliebt. Aber er hat nicht dadurch von unserer Art erfahren. Das ist die Schuld einiger Nomaden, die versucht haben, ihn anzugreifen. Wir mussten eingreifen und dadurch ist unser Geheimnis aufgedeckt worden."
Helios fiel auf, dass sein Bruder mit keinem Wort erwähnt wurde und darüber war er über die Maße froh. So musste er sich nur um sich selbst Sorgen machen. Die Fremden musterten ihn kurz nachdenklich, bevor der Kleinere der Männer – das musste dann wirklich Dimitri sein – meinte: „Nun, die Umstände sind verständlich, aber nicht entschuldigend", meinte er dann und blickte wieder zu Carlisle. „Du kennst die Regeln, allein deine Freundschaft zu Aro hat ihn dazu bewogen, dir die Wahl zu lassen und nicht einfach uns den Auftrag zu geben, ihn zum Schweigen zu bringen."
Da meldete sich zum ersten Mal Alice, nachdem sie zu dem Menschen getänzelt war und lächelnd einen Arm um ihn gelegt hatte. „Dann richtet Aro aus, dass das kein Problem sein wird. Helios wird sich uns nach seinem Abschluss anschließen, wenn er offiziell nach Yale geht. Das dauert nur noch ein paar Monate. Und für uns ist das ja nicht einmal ein Augenblick", erklärte sie charmant und drückte dem verdutzten Jungen einen Kuss auf die Wange. Ihre Lüge so perfekt, dass Helios sie fast selbst glaubte.

Das brachte die fremden Vampire zum Zögern, sogar der Mensch konnte das sehen, bevor der kleinere Mann den Kopf neigte. „Ich verstehe. Nun, dann gibt es für uns keinen Grund mehr, hier zu bleiben." Carlisle nickte und strich sanft über Helios' Rücken. Der Junge glaubte schon, dass sie wirklich völlig problemlos aus der Sache heraus gekommen zu sein, da meldete sich Jane wieder zu Wort: „Ich freue mich schon auf euren Besuch. Es ist immer spannend zu sehen, wie die Verwandlung einen Menschen verändert."
Ihre Stimme war zuckersüß, doch jeder konnte die Drohung dahinter hören. Wenn sie keinen Vampir-Helios vorzeigen konnten, hatten sie ein riesiges Problem. Und sie hätte sicher unglaubliche Freude daran, ihn aufzuspüren und eigenhändig zu ermorden. Der Junge würde es ihr auf jeden Fall zutrauen.
„Natürlich. Richtet Aro unsere Grüße aus. Sobald Helios nach seiner Verwandlung reisefähig ist, werden wir ihn natürlich persönlich vorstellen", meinte Carlisle ruhig und Jane lächelte zufrieden. „Wir wünschen euch eine gute Heimreise. Und bitte, seht davon ab, hier zu jagen. Wir können keine Aufmerksamkeit dieser Art gebrauchen", bat der Blonde und die Gestalten in den schwarzen Umhängen nickten. „Verständlich. Bis auf das nächste Mal. Hoffentlich unter erfreulicheren Umständen."

Und damit waren sie weg. Langsam hasste der Junge diese Geschwindigkeit, mit der sich Vampire bewegen konnten und er sah zu Carlisle auf, der anscheinend noch angespannt lauschte. Auch der Rest stand noch da, wie erstarrt, bis Jacob seufzte. „Gut, ich höre sie nicht mehr, ihr?", fragte er, woraufhin alle Vampire den Kopf schüttelten und sich etwas entspannten, doch alle hatten einen Gesichtsausdruck, den man eigentlich bei einer Beerdigung erwarten würde.
Der Blonde drehte sich ganz zu seinem Geliebten um und küsste ihn sanft, bevor er ihn leidend ansah. „Was machen wir jetzt?", fragte Helios leise, trotz seiner Bemühungen konnte man seine Angst deutlich in seiner Stimme hören. Die Vampire warfen sich ein paar Blicke zu, bevor Jacob vorschlug: „Können wir nicht einfach behaupten, dass er davor gestorben ist?" Die Idee war zwar etwas unkonventionell, allerdings hatten sie es auch mit einem Haufen uralter Vampire zu tun.
Doch bevor Helios Hoffnungen entwickeln konnte, schüttelte Carlisle den Kopf. „Aro wird es in unseren Erinnerungen sehen wollen. Wenn wir ihm nicht erlauben, unsere Gedanken zu lesen, wird er sofort wissen, dass wir lügen. Genauso wenn wir es zulassen", murmelte der Mann betrübt und strich über die Wange des Menschen.
„Es tut mir so leid, Helios…", wisperte er und sah totunglücklich aus. „Ich habe dich zum Tode verdammt."