Kapitel 25

Unwillkürlich waren alle drei Schüler zurückgetreten, als der große silberhaarige Mann auf sie zukam.

Seine Augen schienen zu leuchten.

„Verschwindet von hier", knurrte der Mann bedrohlich, „Und ich werde euch nicht verletzen."

Harry nahm seinen Mut zusammen und richtete seinen Zauberstab auf seinen Lehrer.

Sharra jedoch hob nur eine Augenbraue.

„Und was soll das jetzt?", fragte er halb belustigt, halb zornig.

„Ich weiß nicht was sie vorhaben", erwiderte Harry, „Aber ich weiß, dass ich Sie nicht weiter lassen darf."

Der Lehrer stoppte und blickte die drei Kinder an.

„Ihr meint also, ihr kennt mich?" fragte er während der Boden leicht zu beben begann. Ron bemerkte, dass die Perle richtig heftig zu pulsieren begann.

Harry wich nicht zurück. Er verstärkte seinen Stand und blickte dem Mann direkt in die unheimlichen Augen.

„Ich weiß, was Sie für Neville gemacht haben", meinte Harry, „…Und dafür danke ich Ihnen."

Das brachte Sharra kurz aus der Fassung, und Harry fügt sofort dazu: „Und ich bin Ihnen auch dankbar, dass sie die Verbindung zwischen mir und Voldemort gekappt haben."

Seine Augen blitzten mit Entschlossenheit. „Aber ich kann Ihnen nicht erlauben, dass sie diesen Stein bekommen!"

Die Augen des Lehrers verengten sich. „So ist das also? Nun gut." Er zog seine Beretta aus dem Mantel. „Dann sollt ihr mir nicht länger im Weg stehen."

„EXPELLIARMUS!", brüllten alle Drei gleichzeitig.

Die Zauberattacken trafen den Silberhaarigen, schlugen ihm die Waffe aus der Hand und schickten ihn rücklings auf den Boden.

Sofort jedoch rollte der sich über die Schultern ab und sprang zurück auf seine Füße.

„Ihr wollt wirklich kämpfen? Großer Fehler", fauchte er. Dabei rammte er seine Handfläche auf den Boden und ließ mehrere scharfe Steinspitzen auf die Drei zurasen.

Sie wichen entsetzt aus, wirbelten aber sofort herum und feuerten mehrere Schockzauber kurz hintereinander auf den Mann ab.

Er wurde in seiner Bewegung gestoppt, schien jedoch keinen weiteren Schaden zu nehmen.

Er wich geschickt einem Impedimenta Zauber von Hermine aus und schleuderte eine massive Feuerlanze in ihre generelle Richtung.

Hermine quiekte überrascht, schaffte es aber, der Attacke auszuweichen.

Dennoch erlitt sie eine Verbrennung an ihrem Knöchel, sodass ihre Bewegung eingeschränkt wurde.

Ron, nun sichtlich erzürnt, schickte mehrere Schockzauber auf den Lehrer, der sie jedoch mühelos mit einer massiven Steinwand abwehrte, die er durch seine Gedanken allein aus dem Boden zog.

„Nutzlos!" knurrte er, als er eine wirklich große Feuerwand auf den rothaarigen Jungen losließ.

„GLACIUS!", brüllte eine Stimme vom Eingang her. Das Feuer wurde sofort zu Eis und zersprang in tausend Stücke.

Genervt drehte Sharra sich um und bemerkte Dumbledore, McGonagall und Snape, die ebenfalls ihre Zauberstäbe auf ihn gerichtet haben.

„Tch", schnaubte der silberhaarige Lehrer, „Was denkt ihr euch eigentlich alle dabei, mich so kurz vorm Ziel zu stören?"

„So kurz vorm Ziel?", fragte McGonagall mit einer scharfen Stimme. „Wir sind hier, um Sie dem Ministerium zu übergeben. Ihre Aktionen haben das Leben dreier Auroren gekostet und vier weitere schwer verletzt."

Ihre Augen verengten sich gefährlich. „Hinzu kommt, dass Sie einen Dämon hier auf Hogwarts halten."

Dumbledore hob seine Hand. „Sharra, bitte kommen Sie zur Vernunft! Dieser Kristall dort ist ungeheuer mächtig. Er könnte einen Zauberer wie Sie im Handumdrehen zerfetzen!"

„Zauberer wie mich?" Nun begann der Silberhaarige unheimlich zu lachen. „Alter Mann. Stell mich nicht mit solch Gewürm auf eine Stufe. Ich bin kein Zauberer wie ihr!"

Er stampfte mit dem Fuß auf und schickte mehrerer Reihen scharfer Stacheln gegen die drei. Mit einem sofortigen Schildzauber hielt Snape die Spitzen auf.

Sofort beschwor er eine weitere Feuerlanze und warf sie gegen die drei Schüler.

McGonagall stoppte sie, wie auch schon die Feuerwand, durch den Glacius Zauber.

Als die Lanze am Boden zerschellte, war Sharra schon wieder in Bewegung. Er rannte auf die drei Lehrer zu, wich mehreren Zaubern aus, die ihm entgegen geschleudert wurden. Kurz bevor er sie erreichte, duckte er sich, stützte sich mit den Händen ab und trat mit einem Bein nach den dreien. Er erwischte Snape, schleuderte ihn gegen McGonagall und beide dann gegen Dumbledore.

Mit einer einzigen Bewegung katapultierte er alle drei durch den Raum und schickte sie gegen die Wand, wo sie erst einmal benommen liegen blieben.

„Ihr Menschen könnt mit diesem Kristall nichts anfangen", knurrte der Höllendämon, „Mir jedoch verhilft er zu meiner alten Macht."

Hermine gelang es in diesem Moment, den Mann mit einem Klammerzauber zu fesseln.

Der Erfolg war nur von kurzer Dauer, denn Sharra befreite sich ohne weitere Probleme.

„Sinnlos", knurrte er noch einmal.

Dann ließ er einen Tsunami aus Erde auf die junge Hexe zurasen.

-o-

Bevor Harry oder Ron Hermine helfen konnten, brach die Erdwelle in sich zusammen und Dreck stob in alle Richtungen.

Fawkes hatte in den Kampf eingegriffen und mit seinem Schnabel dem Lehrer eine tiefe Wunde am Hals zugefügt.

Dies schien ihn zumindest seiner Konzentration zu berauben und er zielte lieber auf den Phönix.

Mit einer Hand schickte er massive, rote Flammen aus. Das Feuer brannte heißer als alles, was Harry bis jetzt erlebt hatte und es schmolz auch den Boden ein.

„Sectumsempra!" befahl Snape. Die magischen Klingen trafen Sharra quer über der Brust, zerfetzten sein Fleisch und seine Kleidung. McGonagall schickte einen starken Schockzauber hinterher und schickte den Lehrer in einen Trümmerhaufen.

Es war still für einen Moment als die Gruppe sich sammelte.

„Wars das?" fragte Ron entsetzt. „Lieber Himmel, ich habe noch nie solche Zauber gesehen!"

„Ich ebenfalls nicht", gab Dumbledore zu, „Er zaubert ohne ein Wort zu sagen und ohne Stab."

Ein Krachen zog ihre Aufmerksamkeit auf sich.

„Tch. Bildet euch nicht ein, ihr hättet mich."

Langsam erhob sich der silberhaarige Mann aus den Trümmern. Sein Mantel war in Fetzen, sein Hemd ebenfalls. Dreck klebte an ihm und sein rechter Arm schien ausgekugelt zu sein.

Mit einem eisigen Blick fixierte er die sechs Zauberer, ergriff seine Schulter und renkte sie mit einem hörbaren Knacken wieder ein.

„Wirklich beeindruckend", knurrte er, „Das hätte mich wirklich umbringen können."

Seine Augen leuchteten auf. „Wenn ich ein Mensch gewesen wäre."

Erst jetzt erkannten die Zauberer, dass die Wunde über seiner Brust nicht blutete. Mehrere tiefe Schnitte zogen sich über seine Brust, aber es war kein Blut und kein Fleisch zu erkennen.

Lediglich eine schwarze, formlose Masse war erkennbar. Schwarzer Nebel quoll aus der Wunde, wie Blut unter Wasser.

Plötzlich grinste er wieder als er seinen Arm hob.

„Dann wollen wir doch einmal sehen, was ihr zu diesem Trick sagt."

Das scharfe Schnippen seiner Finger klang wie ein Peitschenhieb.

Und dann hörten sie das Geräusch von Fleisch auf Stein.

-oOo-

„HEILIGE SCHEIßE!", brüllte Ron als er, zusammen mit Harry und Hermine, hinter einem Schutzwall von McGonagall in Deckung ging.

Der Gestank von Verwesung war unerträglich.

Kein Wunder, denn der vermoderte Kadaver des Basilisken hatte sich, auf Befehl des Sharra hin, aufgerichtet und die Sechs angegriffen.

Entsetzt beobachteten die Schüler, wie die drei Lehrer gegen das untote Monstrum ankämpften.

Fawkes hatte ihm die Augen ausgehackt, aber seine Zähne waren noch voll von tödlichem Gift.

Dumbledore schickte eine starke Flammenattacke auf das Wesen, aber durch die dunkle Magie seines Meisters war der Basilisk unempfindlich gegen Feuer.

Snape versuchte, das Monstrum mit dem Sectumsempra auseinander zu nehmen, es beeindruckte das bereits vermodernde Monster nicht weiter.

Es versuchte immer und immer wieder, nach den Lehrern zu schnappen, wobei große Teile seines eigenen Fleisches abfielen und mit einem widerlichen Aufklatschen den Boden trafen.

Harry bemerkte aus seinen Augenwinkel heraus, dass Sharra sich inzwischen wieder in Bewegung gesetzt hatte, trotz der offensichtlich tödlichen Verletzung durch Snapes Angriff.

Daher entschied er, sofort zu handeln.

Er sprang hinter dem Schutzschild hervor und preschte Richtung Lehrer. In einer Bewegung riss er den Zauberstab nach vorne und brüllte „EXPECTO PATRONUM!"

Der silberne Hirsch sprang aus der Spitze des Zauberstabes und wandte sich gegen den Silberhaarigen.

Der erkannte die Gefahr und rief sofort den untoten Basilisken zu sich.

Der Patronus traf das untote Monstrum und in einem Chor aus zerberstenden Knochen, zerfetzenden Fleisch und auseinander fallendem Gewebe wurden beide zerstört.

Knochensplitter, Gewebeteile und verrottendes Fleisch wurden zu Projektilen. Der ganze Basilisk verteilte sich ziemlich gleichmäßig im gesamten Raum.

Angewidert blieb Harry stehen und versuchte verzweifelt, zumindest seine Brille wieder sauber zu bekommen. Hermine war sofort zur Stelle und entfernte die Basiliskenreste mittels eines Zauberspruchs.

„Wirklich beeindruckend."

Alle wirbelten herum, als Sharra den Schutzwall aus Erde in den Boden zurücksinken ließ.

„Aber es ist zu spät. Ihr Würmer könnt mich nicht länger aufhalten."

Er hielt seine Hand nach oben, und Ron bemerkte, wie der Splitter sich plötzlich in Bewegung setzte.

Snape reagierte sofort. Dies war eine Notsituation, und das erlaubte seiner Meinung nach auch den Einsatz verbotener Zauber.

„AVADA KEDAVRA!" brüllte er. Der grüne Strahl aus seinem Zauberstab traf den silberhaarigen Lehrer mitten in die Brust.

Und verpuffte wirkungslos.

Fassungslos beobachten die sechs, wie Sharra seine andere Hand hob.

Und sie alle mit einer starken Druckwelle gegen die Wand zurück schleuderte.

Hermine, Ron und Professor McGonagall sackten ohnmächtig zusammen, Harry, Dumbledore und Snape fielen auf die Knie.

Es dauerte einen Moment, bevor auch sie wieder ihre Sinne beisammen hatten, aber da war es bereits zu spät.

Sharra hielt das Bruchstück in seiner rechten Hand.

Grinsend griff er mit seiner linken in seinen Mantel.

Nein!

Er griff in die Verletzung, die Snape ihm beigebracht hatte.

Mit einem Ruck riss der Silberhaarige Mann einen faustgroßen, beschädigten schwarzen Kristall aus seiner Brust und hielt ihn vor sich.

Dämonisch grinsend fügte er den Splitter in den Bruch.

Nahtlos setzte sich der Kristall wieder zusammen und begann erneut unheimlich rot zu pulsieren.