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„Zeig meiner Mutter nicht, wenn du dich vor ihr fürchtest!", beschwor sie ihn noch, ehe sie den Zeitumkehrer zu drehen begann.

Sie sah die Fragen in seinen Augen, aber dafür war es nun zu spät. Ihre Reise hatte bereits begonnen und vermutlich würden sie genau rechtzeitig zurück sein, bevor ihre Mutter mit Liam kam. Hermione spürte wie sie bereits nervös wurde. Für ihre Mutter war ihr Single-Dasein ein sehr heikles Thema und wer konnte schon sagen wie sie auf Severus reagieren würde.

Jedenfalls kannte sie sie schon lange genug um sich auf das Schlimmste gefasst zu machen. Wenn es um ihr einziges Kind ging, dann nahm ihre beschützende Mutterliebe beizeiten die seltsamsten Formen an. Innerlich seufzte sie. Severus war ihr auf ihre Frage eine Antwort schuldig geblieben, aber was hatte sie erwartet?

Wie sollte er anders auf ihren kindischen Anfall reagieren? Für immer zu fragen, war einfach töricht gewesen. Immerhin hatte er sich darauf eingelassen zu bleiben und er wollte sie heiraten. Alles andere würde sich mit der Zeit schon finden. Sie wussten vielleicht viel übereinander, aber im Grunde kannte sie sich beide kaum. Eindringlich betrachtete sie ihn. Alles an ihm war ihr in kürzester Zeit lieb und teuer geworden.

Die Reise war so schnell zu Ende, wie sie begonnen hatte und schon standen sie wieder in ihrem – ehemalig seinem – Haus.

„Warum sollte ich das tun?", fragte er und stellte seine Tasche ab.

Diesmal hatte er sein Gepäck mitgebracht. Eine winzig, kleine Reisetasche, aber in ihr verbargen sich wahrlich ein riesiger Schatz an Büchern, Tränken, Kräutern und Pilzen und natürlich seine unentbehrlichen schwarzen Roben. Irgendwann sollten sie über seine Kleiderwahl einmal sprechen. Nicht das sie es nicht lieben würde, wenn er mit seiner dunklen Kleidung durch die Gänge von Hogwarts streifte, aber hier wäre es vielleicht besser er würde sich angepasster kleiden.

Geräusche an der Tür enthoben sie einer Antwort. Sie waren zurück. Tief holte sie Luft und sah ihm noch einmal in die Augen, dann eilte sie zur Tür.

„Schon zurück? Und wie hat es dir gefallen?"

Sie hob Liam in die Höhe und herzte ihn.

„Es war toll!", schwärmte ihr Sohn, als sie ihn wieder auf die Füße stellte.

„Komm doch rein!", bat sie ihre Mutter, die noch etwas unschlüssig in der Tür stand.

„Komm Oma! Ich zeig dir den schwarzen Mann, der von nun an bei uns wohnen wird!", rief in diesem Moment ihr Sohn.

Herimone verdrehte innerlich die Augen. Sie hätte gerne diesen Augenblick anders gestaltet, aber ihr Sohn sah das scheinbar anders.

„Er redete die ganze Zeit von nichts anderem. Jetzt bin ich schon ganz neugierig, wenn er damit wohl gemeint hat!"

Hermiones Mutter versuchte über ihre Schulter hinweg einen Blick auf ihn zu erhaschen, aber noch versperrte sie ihr die Sicht.

„Er meinte damit wohl mich! Darf ich mich Ihnen vorstellen? Mein Name ist Severus Snape!"

Hermione konnte seine Stimme dicht hinter sich hören. Er war ihr also gefolgt. Vorsichtig trat sie einen Schritt zur Seite um die Sicht auf ihn freizugeben. Er hatte seinen Titel weggelassen. Warum verschwieg er ihrer Mutter, dass er Professor war? Absicht oder Zufall? Ihre Mutter musterte ihn ungeniert von Kopf bis Fuß. An ihrer Miene war unschwer zu erkennen, dass ihr Urteil niederschmetternd ausfiel.

„Nun Mr. Snape, darf ich fragen womit Sie ihr Geld verdienen oder empfinden Sie das zu unhöfflich?"

Hermione wollte am liebsten vor Scham im Boden versinken.

„Aber nicht doch! Ich habe lange Zeit in Hogwarts unterrichtet, doch jetzt bin ich auf der Suche nach einer neuen Aufgabe. Aber zurzeit konzentriere ich mich auf das bisher Wichtigste in meinem Leben!", erwiderte er scheinbar gelassen und ohne mit der Wimper zu zucken.

Vielleicht machte sie sich auch umsonst Sorgen? Dieser Mann hatte, ohne dabei in Schweiß auszubrechen, Voldemort ausspioniert und belogen.

„Ach ja? Und was wäre das?", hakte ihre Mutter neugierig nach.

Noch konnte sie diesem hagern, blassen Mann nicht wirklich etwas abgewinnen, was ihr finsterer Ausdruck eindeutig bewies.

„Liam, geh bitte auf dein Zimmer!", befahl Hermione ihrem Sohn.

Es konnte sein, dass das hier etwas unschön ablief. Sie kannte ihre Mutter und sie hatte so eine Ahnung wie Severus darauf reagieren könnte. Und wurde nicht enttäuscht.

„Meine Verlobte und unseren gemeinsamen Sohn natürlich!"

Noch nie sah Hermione ihre Mutter sprachlos. Sie war eine begnadete Zahnärztin und den Umgang mit schwierigen Patienten gewohnt. Von daher fiel es ihr nie schwer auf alles die passende Antwort zu finden. Nur nicht diesmal. Dieses Mal ließ sie ihre Schlagfertigkeit in den Stich. Severus hatte erreicht, wo andere scheiterten. Ihre Mutter schwieg. Ganze zwei Minuten lang und dann kam Leben in sie.

„Was soll das heißen euer gemeinsamer Sohn?"

Diese Frage richtete sich ausschließlich an Hermione. Diese presste gerade die Lippen fest aufeinander, ganz so als wollte sie auf keinen Fall dazu etwas sagen. Sie überlegte es sich aber rasch anders, als bemerkte wie Severus neben ihr tief Luft holte. Es war besser, sie beantwortete die Frage.

„Severus hat mich gebeten ihn zu heiraten und da wir uns bereits seit vielen Jahren kennen und er der Vater von Liam ist, habe ich eingewilligt!", sagte sie beinahe trotzig. Ihre Mutter öffnete bereits den Mund, aber Hermione war noch nicht fertig.

„Außerdem liebe ich ihn!"

Sie verschränkte die Arme vor der Brust und stellte sich schützend vor Severus, was im Anbetracht seiner Größe und dessen wozu er fähig war, eigentlich lächerlich war. Er war bestimmt der letzte der Schutz benötigte. Ihre Mutter sah von einem zum anderen.

„Du liebst ihn?", fragte sie ungläubig.

Offenbar fiel es ihrer Mutter schwer ihr zu glauben. Obwohl, als sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte, hatte er auch auf sie eine sehr einschüchternde Wirkung gehabt. Erst später erkannte sie seine anderen Qualitäten und in letzter Zeit entdeckte sie noch viel mehr an ihm.

„Du hast ihn nicht einmal erwähnt. Ich finde das Ganze kommt doch etwas plötzlich und außerdem bist du dir sicher, dass er der Vater von Liam ist? Es könnte doch auch dieser, wie hieß er noch gleich, ah Ron Weasley gewesen sein?"

Ihre Mutter war offensichtlich mit ihrer Wahl nicht einverstanden. Hinter ihr wurde Severus starr und sie konnte seinen Zorn beinahe greifbar spüren.

„Ja, ich bin mir sicher und nein, ich werde nicht länger mit dir darüber diskutieren. Ich bitte dich nur meine Entscheidung nicht länger in Frage zu stellen und sie einfach zu akzeptieren! Und vielleicht kannst du dich auch eines Tages mit mir freuen."

Still kam man darüber ein sich bei einer gemeinsamen Tasse Kaffee zu entspannen und dabei manche Themen unberührt zu lassen. Eine gute Stunde später machte sich ihre Mutter auf den Nachhauseweg. An der Tür nahm sie ihre Tochter in den Arm. Das hatte sie schon viele Jahre nicht getan.

„Wenn du glücklich bist, dann freue ich mich für dich!", flüsterte sie ihr zu, dann ging sie.

„Es tut mir leid, sie ist …", begann sie sobald sie zurück war. Severus hatte in der Küche auf sie gewartet.

„Fürsorglich? Besorgt? Eine Mutter die ihr Kind liebt und es beschützen will?"

Herimone verzog leicht den Mund.

„Genau, aber sie übertreibt dabei ein bisschen!"

Müde ließ sie sich auf einen Stuhl fallen.

„Danke, dass du trotzdem geblieben bist!"

Severus zog einen Stuhl zu ihr heran und nahm Platz.

„Ich habe dir versprochen zu bleiben und daran halte ich mich!", kam es ernst von ihm.

„Ja das hast du!" Hermione rubbelte sich mit der Hand über das rechte Auge, ganz so als würde sich etwas Schmerzhaftes darin befinden.

„Ich wünschte nur … du gibst mir das Gefühl als handelte es sich für dich als reine Pflichterfüllung, als müsstest du das tun!"

Hermione erhob sich und füllte den Wasserkessel mit Wasser. Nicht weil sie plötzliche Lust auf Tee verspürte, sondern weil sie irgendetwas zu tun brauchte. Sie musste ihre Hände einfach beschäftigen. Sie hatte sich einfach zuviel von ihm erhofft. Lautlos trat er von hinten an sie heran und beinahe wäre sie erschrocken zusammengezuckt, als sie seine Hand auf ihrer Schulter spürte.

„Nicht bloß Pflichterfüllung. Dazu bräuchte ich nicht hier zu sein!", widersprach er ihr sanft. Hermione schloss die Augen. Sie spürte wie die Hoffnung in ihr zu wachsen begann.

„Mich hat die Rache, für das was du mir angetan hast, zu dir getrieben!", eröffnete er ihr.

Unwillkürlich sanken ihre Schultern herab.

„Ich muss Abendessen für Liam machen. Er hat bestimmt Hunger.", sagte sie resigniert.

„Warte! Ich bin noch nicht fertig!", hielt er sie zurück.

„Denn das war nicht alles."

Stumm lauschte sie seinen Worten. Er wusste, dass sie ihn liebte. Sie hatte es ihm gesagt und sie hatte es ihrer Mutter gesagt.