24. Der andere Mann
„Wenn ich diese Fesseln loswerde, werde ich dir den Hintern versohlen, Bellatrix Lestrange, sodass du eine Woche lang nicht sitzen kannst!"
PLOPP! Seine Gelenke sind frei. Verdattert ... benötigt er eine Schrecksekunde länger – ehe er in der Lage ist, auf Bellas umwölkte Augen zu reagieren. Doch dann packt er sie, schaut sich erst danach um, entdeckt die Brüstung des Treppengeländers. Schleudert sie praktisch dagegen, greift ihre Hüften, zwingt ihren Oberkörper vornüber. Ihr Aufseufzen ist pure Verzückung.
Die augenblicklich auf ihn überspringt. Auf seinen Unterleib, der sich, noch immer prall, gegen sie drängt.
Bellas nächstes Stöhnen enthält etwas Warnendes.
Oh, stimmt ja. Er spannt die Bauchmuskeln an, nimmt sich zurück. Verlagert sein Gewicht auf den linken Arm, um sie in Stellung zu halten, um mit dem rechten auszuholen und ...
„AAAH!" -
- Sie zuckte sie zusammen.
Er mit. Seine Hand noch unverrichteter Dinge in der Luft.
Bellas Schrei war in ein Wimmern übergegangen – vor Schmerz? Vor Lust?
Aber was ...?
„Du auch, Sirius", hauchte sie.
Er hatte seinen Arm schon lange sinken lassen. „Ich was?"
„Züchtige mich!", stieß sie hervor. Mit gequält zusammengebissenen Zähnen.
Und da sah er, dass sie sich den linken Unterarm hielt. So fest, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten.
„Was hast du da?"
Tief durchatmend streckte sie ihm ihren Arm hin und entblößte – eine Wunde, so bizarr und rot, dass er erschrocken aufjapste. Das war doch nicht Tatze ...?
Mit einem erstickten Laut, offenbar auf eine neue Schmerzenswelle hin, wollte Bella ihre Hand neuerlich auf ihre glühende Haut pressen.
„Du brauchst einen Verband, das ist entzündet", kam Sirius ihr zuvor, blitzschnell ihr Handgelenk umschließend.
Welches sie ihm sofort wieder entriss. „Das ist das Dunkle Mal", erklärte sie mit tiefer Ergriffenheit in der Stimme. „ER ruft seine Todesser. Aber wenn du schnell genug bist, kannst du noch ..."
Sie hatte sich gedreht, hing nun rückwärts am Geländer, ihre Arme ausgestreckt zu beiden Seiten, und spreizte auffordernd die Beine. „Also komm, du darfst gleich rein, sonst schaffen wir es nicht mehr!"
„Das Dunkle Mal?" Sirius hatte davon gehört, natürlich. Dabei handelte es sich um eine Art Brandzeichen, das Lord Voldemort seinen Gefolgsleuten aufdrückte. Und mittels dessen er sie zu sich rief. „Es tut weh?", fragte er ungläubig.
„Der Dunkle Lord berührt das Mal eines Todessers mit seinem Zauberstab – und wir spüren e e!", hauchte Bella selig und wedelte mit ihrem Becken. „Und dich will ich dabei in mir spüren, komm endlich! Rodolphus hat sich immer geweigert, es zu tun, bevor wir losappariert sind. Aber du wirst es mir geben, nicht wahr, mein Sirius? Du wirst mich jetzt ficken, ficken, ficken bis zum letzten Augenblick ..."
Bis zum letzten Augenblick, ehe sie ... zu diesem Verbrecher entschwand?
Sirius stand starr. Warum traf ihn diese Tatsache so unvermittelt?
Sicher, er hatte gewusst, dass Bella und auch ihr Mann, an den er in der ganzen Zeit ebenfalls nicht einen einzigen Gedanken verschwendet hatte, diesen Todessern angehörten. Bisher jedoch war er irgendwie nicht dazu gekommen, darüber nachzudenken ...
„Worauf wartest du? Ein paar Stöße werde ich schon brauchen, gerade beim zweiten Mal." Bella war auf ihn zugesprungen, schubste ihn vor sich her zur Wand, wollte an ihm hoch, auf seinen Arm.
Sirius stieß sie weg. Erst einmal musste er sich klar werden, was er ...
„Willst du nicht?" Einen Moment schaute Bella zwischen seinem Gesicht und ihrer offene Handfläche hin und her, als überlege sie, ob sie ihn wiederum ohrfeigen solle. „Na, dann eben nächstes Mal", entschied sie dann. Stattdessen nahm sie Sirius' Hand, hielt plötzlich ihren Zauberstab in ihrer anderen und wedelte – Sirius Klamotten auf den Leib. Während sie ihre eigenen aus dem verschlossenen Schlafzimmer schon wieder trug!
Bewundernd die Augenbrauen hebend, sah er an sich herunter. Sie zauberte echt ganz schön cool. Und hatte Geschmack. Er hatte super verwaschene, ausgefranste enge Jeans und ein schwarzes T-Shirt an, das kaum den Bauchnabel bedeckte und so eng anlag, dass seine Brustmuskeln sich sexy darunter abzeichneten.
„Ja, so können wir gehen", nickte Bella befriedigt und zog ihn mit sich.
„Äh, warte!" Erst jetzt schüttelte er sie ab. „Ich werde doch nicht ..."
„Du und ich – wir werden doch von nun an sowieso zusammen sein, oder etwa nicht?" Ihre Stirn war gerunzelt. „Und ich muss IHM heute ein neues Mitglied bringen. Das wirst du sein." Sie nickte überzeugt und glättete ihre Stirn. „Es wird dir bei uns gefallen, du wirst sehen. Und außerdem ist es total praktisch, dann können wir nämlich viel öfter Sex haben."
Entrüstet wich Sirius mit erhobenen Armen zurück. „Ich werde doch kein Todesser! Was fällt dir ein? Niemals werde ich zu diesem Verbrecher von Volde..."
„SCHSCHSCHSCH!"
KLATSCH!
Da hatte Sirius wieder eine sitzen. Er hielt sich die Wange.
„DU WIRST IHN MIT ‚LORD' ANREDEN, HAST DU DAS VESTANDEN?"
„Das werde ich nicht, ich werde wie Albus Dumbledore ..."
„AAAH!"
Betroffen war Sirius mitten im Satz verstummt. Augenscheinlich war Bella von einer neuen Welle dieses schrecklichen Dunklen Mals getroffen worden. Und zwar so heftig, dass sie in den Knien eingeknickt war.
„Wird es schlimmer?", war ihm mitfühlend herausgerutscht. Was war dieser Lord für ein Unmensch!
„Der Nachdruck in seinen Rufen steigert sich." Bella hatte zuerst warten müssen, bis der Schmerz ihr Atem ließ. „Ich muss allmählich los, und allein kann ich nicht kommen, er tötet die, die seinen Auftrag nicht erfüllen ..."
Und wieder musste sie abbrechen, weil ER von Neuem zugeschlagen hatte.
Verdammt, verdammt, verdammt, Sirius konnte sie doch nicht in den Tod schicken! Doch er ... zu diesem skrupellosen Terroristen? „Wir fliehen zusammen!", rief er laut aus. „Wir disapparieren irgendwohin, wo dein Lord dich nicht finden kann, und dann ..."
„Sei nicht albern." Bella lehnte seitlich zusammengesunken an der Wand und stöhnte. Befremdlicher Weise mit einem leisen Lächeln auf den Lippen. „Der Schmerz ist immer aufs Neue beeindruckend." Es gelang ihr aber nicht mehr wirklich, lustvoll zu klingen.
Sirius war bei ihr, auf den Knien, umschlang sie ganz fest, drückte sie an sich – sie war schon ganz schlapp vor Schmerz. „Was sollen wir denn jetzt tun? Was sollen wir tun? Was sollen wir nur tun?"
Bellatrix strich über den inzwischen vor Schmerz helllodernden Arm, schmiegte sich kurz an Sirius Körper, den sie doch eigentlich noch lange nicht genug gekostet hatte. Dann zog sie ihren Zauberstab: „Petrificus totalus!"
Sirius, mit noch immer abturnend weinerlicher Miene, erstarrte und fiel steif wie eine Tanne einfach der Länge nach aufs Gesicht. Sie musste jetzt nachdenken und das konnte sie nicht, wenn er immerzu dazwischenquatschte.
Wieder fasste sie nach ihrem vor Schmerz brüllenden Arm. Darauf war sie noch nicht gefasst gewesen. ER kam zwei Tage vor der Zeit, absolut untypisch. Und gemein und ungerecht und doof und wirklich ganz und gar ... ach, ihr wollte kein passender Vergleich einfallen. Sie war einfach noch nicht so weit! Hatte Sirius in aller Ruhe und in sämtlichen Varianten ausprobieren wollen, sich nach Strich und Faden durchbumsen lassen, bis sie endlich mal satt gewesen wäre. Wo sie doch zum ersten Mal in ihrem Leben jemanden gefunden hatte, dem sie sich willen- und bedingungslos hingeben wollte. Und was tat der Lord? Spielte sich als totaler Spielverderber auf!
Sie hätte schreien mögen, keuchte allerdings nur. Vor Schmerz, wirklichem Schmerz. Dieses Brennen – war genauso wie der Dunkle Lord selbst. Es stellte einen knallharten Befehl dar. Da war kein Spielraum für andere Gefühle als blankes Gehorchen.
Was sie an sich gerne getan hätte. Schließlich liebte sie diese Art der Dominanz und den Dunklen Lord ganz besonders.
Aber jetzt ... war da Sirius, der eine viel tollere Dominanz aufzuweisen hatte, einen echten Hund in sich. Welchen sie doch am liebsten jetzt, sofort und gleich noch einmal ...
Diesen Wunsch zurückzustellen – würde sie wohl müssen.
Aber aufgeschoben war schließlich nicht aufgehoben.
Das galt allerdings nur, wenn sie überlebte. Und wenn sie ohne einen neuen Anhänger vor den Dunklen Lord treten würde – nein, das war ausgeschlossen. Sie musste also Sirius nehmen.
Bellatrix konnte sich sehr gut vorstellen, wie sie, ihn im Schlepptau, vor ihren Meister treten würde. Sie hätte damit ihre Aufgabe erfüllt und nichts mehr zu befürchten. Allerdings – sie warf einen Blick auf ihren jungen Geliebten – der sich sperrte, weigerte, verweigerte?
Bellatrix wusste, sie würde ihn nur mithilfe eines Permanent-Imperius dazu bringen, sich todesserkonform zu verhalten. Wovor sie im Normalfall auch keineswegs zurückgeschreckt wäre. Auch wenn es aus ihm im Bett vorerst einen willenlosen Schlappschwanz machen würde, der nur einen hoch bekommen könnte, während sie mit ihrem Zauberstab darauf zeigte. Unerotisch. Aber wenn sie wählen musste zwischen Sex und ihrem Leben – wäre es ja dumm gewesen, den Sex zu wählen.
Aber trotzdem ...
Woher die zusätzlichen Bedenken gekommen waren, hätte sie nicht sagen können. Urplötzlich waren sie einfach da. Was, wenn der Dunkle Lord ihr Sirius nehmen würde? Wenn er ihr einfach verbot, sich weiter mit ihm zu vergnügen? Und sie damit ihr Leben hätte – aber eines, das ihr gar keinen Spaß mehr machte?
Fakt war, der Dunkle Lord bestimmte, wer ein Paar werden durfte oder musste. Rodolphus war der beste Beweis dafür. Nie, nie hätte Bellatrix ihn gewählt. Und deshalb war sie sicher, dass ihr der Lord Sirius nicht lassen würde, sollte er von ihrer neuen Vorliebe Wind bekommen.
Und das stand völlig außer Zweifel. Selbst wenn sie all ihre Okklumentikfähigkeiten zusammenkratzte. Der Lord würde nur um so neugieriger ihre Barrieren gewaltsam durchbrechen – und dafür sorgen, dass er ihr verwehrte, wonach es sie verlangte.
„Bei Salazars schwärzester Seele", fluchte sie.
Der Schmerz in ihrem Arm raubte ihr den Atem und machte das Denken so schwer. Sie würde Sirius, ihren Hundeprinzen, verlieren, ohne all die wundervollen Spiele ausprobiert zu haben, die sein herrliches Wesen ihr versprach.
Aber weil es keinen Ausweg gab … Sie berührte Sirius am Arm, bereit mit ihm zu disapparieren – als ihr die Idee kam.
Der andere Junge – Snape!
Mühsam hob sie ihre schmerzgellende Zauberstabhand und richtete ihre Energie auf die Versiegelung der Schlafzimmertür.
„Hmprf!" Snape wand sich bereits, die auferlegten Zauber eisern bekämpfend. Gleich würde er sich befreit haben …
Sie musste also verhindern, dass er verschwand, denn dieser Junge stellte die Rettung aus ihrem Dilemma dar.
„Incarcerus!"
Snape, den Blindheitsfluch bereits losgeworden, nun aber zu einem handlichen Paket verschnürt, funkelte sie wütend an.
„Hrmpf!"
„Der Dunkle Lord wird sehr zufrieden mit mir sein, wenn ich ihm ein solch fähiges Neumitglied präsentiere."
„Hrmpf!"
Bellatrix betrachtete die sich noch wilder verzerrenden Züge Snapes. Durfte sie von ihm Zustimmung erwarten?
„Mit der Sprache haut es wohl noch nicht so recht hin? Aber das wird schon wieder. Allerdings ..." Sie presste die Rechte auf das Dunkle Mal, sie musste nun wirklich schnell machen, sonst würde sie den Unwillen des Dunklen Lords erregen. „Allerdings – ich kann dir nur raten, dich, wenn wir dort sind, gefolgschaftskonform zu verhalten."
Snapes Antwort war ein wirres Gurgeln. Während sein Kinn ständig auf und ab hüpfte. Nickte er?
Gleichmütig wedelte sie mit dem Zauberstab. Es war besser, wenn sie gleich wusste, ob sie ihn magisch würde ‚überreden' müssen.
„Mafoy."
Das war ein überraschendes erstes Wort aus seiner nicht mehr gelähmten Kehle.
„Malfoy?", wiederholte sie. „Was ist mit dem?"
Snape bedachte sie mit einem vernichtenden Blick. „Er hat versprochen mich mitzunehmen, wenn der Dunkle Lord ihn das nächste Mal ruft."
„Du – willst mitkommen?" Das war zu schön, um wahr zu sein!
„Mit Malfoy", knurrte Snape dunkel. „Seit Wochen redet er schon seit davon, aber immer ist ihm was dazwischengekommen."
„Diesmal auch. Glaub mir, er wird dich auch diesmal nicht mitnehmen." Bellatrix konnte ihr Lachen nicht mehr zurückhalten. „Aber ich kann es."
„Elende Schlampe", gab Snape seiner Meinung knurrend Ausdruck. „Mit dir mitgehen? Niemals."
„Nun gut", Bellatrix erhob sich, klopfte sich den Staub vom Kleid. „Der Dunkle Lord ist sehr eigen, weißt du? Fremde hat er nicht so gerne. Allerdings …" Sie drehte ihren Arm so, dass Snape das grelle Mal sehen musste. „Heute macht er eine Ausnahme. Nur heute – und er ruft uns bereits."
Snape schwieg. Also noch eins drauf.
„Wenn du also lieber auf Malfoy warten willst, nehm ich Sirius mit." Sie wandte Snape den Rücken zu.
„Nein! Ich komme." Diesmal war der wohlklingenden Stimme eine Prise Panik beigemischt.
Bellatrix blieb stehen, drehte sich um und betrachtete den noch immer wohl verschnürten Jungen. Dies lief überaus besser als gedacht.
„Gleich gehen wir los, mein Snapechen", gurrte sie. Aber zunächst musste sie noch einmal zu Sirius zurück.
„Finite incantatem!" Sie kniete neben Sirius, sah zu, wie er sich stöhnend aufsetzte. „Das wirst du mir büßen", knurrte er.
„Nichts lieber als das", hauchte sie ihm verheißungsvoll ins Ohr. „Nur leider nicht jetzt. Ich muss fort." Sie wies mit dem Kinn aufs Schlafzimmer. „Und den da drin nehm ich mit."
„Schleppst du diesen Widerling von Schnüffler zum Dunklen Lord?" Sirius schüttelte den Kopf. „Ich kann ihn nicht ausstehen. Aber trotzdem – spinnst du?"
„Dich oder ihn", stöhnte Bellatrix und reckte ihren Arm nach vorn. „Ich hab keine Wahl. Allerdings, dich hab ich lieber – hier."
Sirius sah sie finster an.
„Wirst du wieder hierher kommen und dich mit mir treffen?", musste sie ihn fragen, plötzlich nicht ganz sicher, wie echt seine Wut auf sie war. „Morgen oder übermorgen oder wann du willst?"
Abscheu stand ihm im Gesicht. „Du bist eine verrückte Todesserin und ich wäre ebenfalls verrückt, mich mit dir einzulassen."
Bellatrix legte den Kopf schief und lächelte gequält. „Aber wir hatten doch Spaß miteinander und das könnten wir wieder haben."
Gebannt sah sie zu, wie Sirius langsam aufstand, sich aufrichtete, bis er sie hoch überragte. Seine Stimme grollte dunkel, als er sprach: „Du bist es, die mich treffen will, also wirst auch du es sein, die hier auf mich wartet."
Bellatrix nickte ergriffen. „Alles, was du willst."
