So, hier wären wir also. eine Geschichte geht nach viereinhalb Jahren endlich zu ende. Danke für eure Treue, auch nach der ungeplanten dreieinhalb-jährigen Pause und viel Spaß mit dem letzten Kapitel!
Disclaimer: siehe erstes Kapitel
Kapitel 25
Sie zogen sich schweigend an und räumten die Sachen zusammen. Während Hermine ihren Rucksack schulterte, hob Severus die Banne auf und schlich sich als erster durch die Meute schlafender Tiere. Hier und da sah er ein Ohr zucken, einer der Strauße beobachtete aufmerksam, was er tat. Doch erst als er Anstalten machte aufzustehen, schaltete Severus ihn mit einem Stupor aus.
„Beeil dich!", raunte er Hermine zu, die ihm mit etwas Abstand folgte. Sie strich sich die Haare hinter die Ohren und stieg über die ausgestreckten Vorderpfoten des Tigers hinweg.
Severus ging weiter und folgte dem leuchtenden Ball, der in etwa zwei Metern Entfernung vor ihm in der Luft schwebte und sich in derselben Geschwindigkeit bewegte wie er selbst. Als er das Minenfeld der Tiere passiert hatte, wartete er auf Hermine und nahm ihre Hand, bevor sie sich an den Abstieg der leichten Anhöhe machten, die die Hütte von der restlichen Höhle trennte.
So lautlos wie möglich schlichen sie sich vorwärts, setzten ihre Füße mit Bedacht und schafften es tatsächlich, fast bis zum Ende des Abhanges zu kommen, ohne dass eines der Tiere sich gerührt hatte.
Und dann trat er auf den falschen Flecken Erde.
Eine kleine Gerölllawine löste sich und stürzte polternd den letzten Meter hinab, Severus rutschte direkt hinterher und weil er noch immer Hermines Hand hielt, geriet auch sie aus dem Gleichgewicht und stürzte mit einem „Uff!" vor seine Füße.
Sie wandten die Köpfe und starrten mit großen Augen zurück zu den Hütten, die komplett hinter dem Abhang verschwunden waren. Keine drei Sekunden später schauten sechs Paar Augen zurück.
„Lauf!", rief Severus und zog Hermine auf die Beine, ehe er ihr einen Stoß in Richtung ihres Wegweisers gab. Stolpernd kam sie seiner Aufforderung nach und lief nun vorweg, während Severus immer wieder zurückblickte und versuchte, ein paar ihrer Verfolger loszuwerden.
Sie wichen Bäumen und Sträuchern aus, über die Tiger und Strauße einfach hinweg sprangen, rutschten über am Boden liegende Früchte und bekamen Striemen im Gesicht von tief hängenden Ästen. Doch das Trommeln von Pfoten, Hufen und Krallen trieb sie vorwärts.
Nach einer Zeitspanne, die Severus vorkam wie eine kleine Ewigkeit, hatten sie das Ende der Höhle erreicht und bogen schlitternd in einen der schmalen Gänge ein. Das Rudel wurde für einen Moment ausgebremst, bis sie sich auf eine Reihenfolge geeinigt hatten (den Schreien nach zu urteilen, überlebten nicht alle diesen Kampf) und Severus hatte es nun leichter, die Flüche über seine Schulter zu schießen.
Schweiß lief ihm über die Schläfen, während er eine Hand zwischen Hermine Schulterblätter legte und sie immer weiter trieb, schneller und schneller.
„Severus – ich – kann – nicht – mehr", japste sie.
„Wenn du – noch – jammern kannst, – hast du – noch – Reserven", erwiderte er atemlos, spürte aber selbst kaum noch seine Füße. Dafür seine Lunge umso mehr.
Er warf einen Blick nach hinten, der Tiger war keine fünf Meter hinter ihm. Da wurde er plötzlich zur Seite gezogen, krachte durch den Schwung beinahe gegen die Felswand und landete schließlich unvermittelt gegen Hermine gepresst in einer Nische, die kaum genug Platz für sie beide bot.
Über seine Schulter hinweg errichtete sie einen Schutzbann und als Severus sich umwandte, sah er, wie das Rudel vorbeilief, weil die ersten nicht schnell genug bremsen konnten und von den anderen weiter den Gang hinuntergetrieben wurden.
„Hervorragend", grollte er.
„Was? Wir mussten – was tun."
„Schon. Aber jetzt", er holte tief Luft, weil er kurzzeitig das Gefühl hatte zu ersticken, „sitzen wir in der Falle." Er lehnte sich neben Hermine gegen die Wand und schloss die Augen, bis der Schwindel sich gelegt hatte. Als er sie wieder öffnete, begegnete er ihrem besorgten Blick und verengte die Augen. „Irgendwelche Ideen?"
Hermines Blick glitt zu der Kugel, die vor ihnen auf dem Gang schwebte und die ersten zurückgekehrten Tiere beleuchtete. „Hast du schon mal Tränke unter erschwerten Bedingungen gebraut? Also abgesehen von Neville Longbottoms purer Anwesenheit?"
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Hermine beobachtete, wie Severus' Gesichtsausdruck sich veränderte. „Worauf willst du hinaus?", fragte er.
Sie nahm den Rucksack von ihren Schultern und begann, den geschrumpften Inhalt auf dem winzigen Platz, der zu ihren Füßen geblieben war, auszubreiten. Am Boden der Tasche fand sie die Gefäße, die sie aus Fredericks Vorratsschrank entwendet hatte, brachte sie auf ihre ursprüngliche Größe und reichte sie Severus hinauf. „Ich weiß nicht, was es ist, sie sind nicht beschriftet."
Mit gerunzelter Stirn hielt er die Flaschen und Gläser gegen das Licht der Kugel, dann öffnete er einige und roch daran. „Es sind Rohzutaten", erklärte er schließlich. „Gemahlene Alraunenwurzel, Wermut, Salamanderblut, Baldrian, Schneckenschleim, Blutegelextrakt, Affodillwurzel und Schlafbohnen. Wo hast du das alles her?"
Hermine grinste. „Aus Fredericks Vorrat."
„Und das erzählst du mir jetzt erst?"
„Ich hab vorher nicht dran gedacht", verteidigte sie sich trotzig. „Es war ja nicht so als hätten wir viel Zeit zum entspannten Gedankenaustausch gehabt."
„Mit dir an meiner Seite brauche ich keine Feinde mehr", knurrte Severus.
„Schon klar. Aber wo hat Frederick das ganze Zeug her?"
„Ich nehme an, er hat die Zutaten hier unten kultiviert. Ich hatte eine Basisausstattung an Trankzutaten bei mir, als ich das letzte Mal hier war."
„Er hat es sich ja richtig bequem gemacht. Kannst du damit was anfangen?"
Trotz der Gefäße in seinen Händen schaffte er es, die Arme vor der Brust zu verschränken. „Sechste Klasse Zaubertränke, Hermine. Ich war es zwar nicht, der euch unterrichtet hat, aber ich kenne den Lehrplan."
Sie kniff die Augen zusammen und wälzte die Zutaten in ihrem Kopf. Dann endlich verstand sie: „Der Trank der Lebenden Toten!"
„Exakt. Was hast du noch in deinem Rucksack?"
Sie räumte die Tasche weiter aus, förderte noch ein paar Taschentücher und ein Haargummi zutage, ließ den Mascara, den sie am Boden ertastete, jedoch in einer der Falten verschwinden. „Das ist alles", log sie unschuldig.
„Also gut", murmelte Severus, schraubte das Glas mit den Alraunenwurzeln auf und leerte es durch die Banne. Die Tiere schnappten nach dem Staub, einige niesten und viele rieben sich die Augen im Fell. „Gib mir ein Taschentuch!", befahl er dann und wischte das Glas aus, bis nichts mehr von dem Pulver darin klebte. „Haben wir noch Wasser?"
Hermine nahm eine der Flaschen zur Hand und schüttelte sie prüfend. „Etwas, ja." Sie reichte es ihm und beobachtete, wie er die Flasche ins Glas entleerte und Wermut hinzufügte. Dann ließ er das Glas in der Luft schweben und erhitzte es von unten.
Es faszinierte sie, ihn bei der routinierten Arbeit zuzusehen. Er stellte den Wermutsud mit einer Selbstverständlichkeit her, die ihr den Atem raubte; von ihrem Zaubertrankwissen war in den letzten Jahren nicht allzu viel übrig geblieben, sie kaufte ihre Tränke lieber in der Apotheke.
Als der Sud fertig war, entfernte er den Wermut daraus und fügte die Affodilwurzel hinzu, die er vorher grob mit den Händen zerkleinert hatte. „Das gibt Kopfschmerzen nach dem Aufwachen", murmelte er und schnalzte mit der Zunge.
„Was nach dem Schlafen ist, ist mir herzlich egal", erinnerte Hermine ihn und zuckte zurück, als der Tiger gegen den Bann sprang in dem Versuch, sie anzugreifen. Aus dem Glas erhob sich blauer Rauch in die Luft und zog nur langsam in den Gang ab. Sie hustete.
Severus tauschte einen Blick mit ihr und schien zu überlegen. Doch als zwei Wölfe begannen, in der lockeren Erde vor dem Bann zu graben, traf er eine Entscheidung: „Gib mir deinen Zauberstab!"
„Wofür?"
Er verdrehte die Augen. „Ich will den Garprozess beschleunigen, aber da mein Zauberstab schon das Glas in der Luft hält und es erhitzt, brauche ich deinen." Er streckte fordernd die Hand aus und zuckte mit den Fingern, bis sie ihm das Gewünschte hineinlegte.
Während Severus eine Beschwörung murmelte, wurde der Trank dunkel und nahm eine violette Farbe an, die fast schwarz war. Draußen auf dem Gang griff der Tiger einen der Strauße an und schleppte das grausam kreischende Tier zu Hermines Erleichterung ein Stück weit fort, ehe er anfing, seinen Hunger zu stillen. Und wenn Severus sich nicht beeilte, würde sie bald dasselbe Schicksal ereilen, denn eine Wolfsnase zuckte bereits unter dem Bann hindurch.
„Willkommen in der Evolution", murmelte Severus und klemmte sich ihren Zauberstab unter den Arm, während er eine der Schlafbohnen nahm und sie über dem Glas zerdrückte. Träge tropfte der Saft in das Gefäß.
„Beeil dich!"
„Ich tausche gerne meinen Platz mit dir", erwiderte Severus gedehnt. Sein Blick flog zu der noch immer zitternd in der Luft schwebenden Kugel und dann zu den Wölfen.
„Können wir darüber eine Nachricht übermitteln?", fragte Hermine angespannt. Wenn sie hier schon ihr Leben riskierte, sollte wer auch immer da oben war wenigstens auf sie warten.
„Nein. Aber du kannst es mit einem Patronus versuchen. Vielleicht erreicht er sein Ziel."
Hermine kämpfte sich auf die Füße und nahm ihren Zauberstab von Severus entgegen. Sie deutete auf den Gang und dachte an das letzte Weihnachtsfest, das sie zum ersten Mal mit ihren Eltern, Harry und den Weasleys zusammen im Fuchsbau gefeiert hatten, so fest sie konnte, dann sprach sie den Zauber. Der ihr bereits bekannte Otter brach aus der Spitze hervor und wuselte durch das Rudel, machte einige der Tiere ganz wild und wartete dann auf ihre Befehle.
„Wer auch immer uns dieses Licht geschickt hat, sag ihm, wir kommen. Wir brauchen nur noch etwas Zeit. Los!" Das weiß leuchtende Tier drehte sich einmal um sich selbst, dann huschte es davon.
Severus riss ihr den Zauberstab aus der Hand und rührte den Trank um, der mit jeder Umdrehung etwas heller wurde, bis er klar wie Wasser war. „Den Trank hätten wir", stellte er fest. „Aber wie bringen wir sie dazu, ihn zu trinken?"
Hermine überlegte kurz, dann breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus. „Ich wusste, dass Rons dämlicher Köter irgendwann mal für etwas gut sein würde." Sie schnappte sich den Rucksack und öffnete die kleine Außentasche, aus der sie eine zerknüllte braune Papiertüte zog. „Hundekuchen!", triumphierte sie.
„Das könnte funktionieren." Severus nahm ihr die Tüte aus der Hand und begann, einen der braunen Brocken nach dem anderen in den Trank zu tunken. Zwei davon warf er direkt in die unter dem Bann geöffneten Mäuler der Wölfe, die anderen auf den Gang hinaus. Danach wartete er, bis die ersten Tiere eingeschlafen waren. Von rechts und links näherten sich die nächsten, stiegen über die Schlafenden hinweg und knurrten.
„Hier sind die nächsten fünf", sagte Hermine und reichte die nun klebrigen Hundekuchen an Severus weiter. Der warf sie gezielt den Tieren zu, die sie aus der Luft fingen.
Etwa zehn Minuten später waren die letzten Hundekuchen verfüttert und der Trank aufgebraucht. Und trotzdem standen noch gut ein Dutzend Tiere auf dem Gang, die nur darauf warteten, dass sie sich aus ihrem Versteck wagten.
„Was nun?"
Severus rümpfte die Nase. „Wenn du nicht nochmal dieselben Zutaten aus deinem Rucksack ziehst, dann werde ich diese Viecher jetzt auf die althergebrachte Art aus dem Weg räumen."
„Du willst sie umbringen?", keuchte Hermine.
„Warum muss eigentlich immer ich erklären, dass ein Mord nötig ist?", fragte er genervt.
„Du kannst sie schocken!"
„Das hält für fünf Minuten."
„Oder vielleicht ...", begann sie, wusste aber selbst nicht, wie sie den Satz beenden wollte.
„Es geht nicht anders!" Ungeduldig wartete er ihr Nicken ab.
„Tu es schnell", bat sie und hielt sich die Ohren zu, während Severus ihnen den Weg ebnete.
Es dauerte keine Minute, bis er sie am Arm berührte und mit seinem Kopf in den Gang ruckte. Hermine stieg über die am Boden liegenden Tiere hinweg und verbot es sich zu überlegen, ob sie tot waren oder nur schliefen. Mit eiligen Schritten folgten sie dem Licht durch das labyrinthartige Gangsystem.
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Es dauerte etwa eine Dreiviertelstunde, bis die Kugel stehen blieb. Sie erzitterte über ihnen, dann löste sie sich auf.
„Was bedeutet das? Sind wir da?", fragte Hermine hinter ihm atemlos, während er seinen Zauberstab erleuchtete und in die Luft hielt. Über ihnen sah die Decke genauso aus wie rechts und links davon.
„Ich bin mir nicht sicher", murmelte er. Er hatte keine große Erinnerung mehr an seine letzte Flucht aus diesem Gangsystem. Frederick hatte er für tot gehalten, er selbst war es beinahe gewesen. Das Glück, dass der Ausgang sich gerade in dem Moment über ihm befand, als er seinen Zauberstab ausstreckte und es versuchte, konnte er bis heute nicht fassen.
„Was heißt das?", fragte Hermine scharf. „Ist hier der Ausgang oder nicht?"
„Wir müssen es versuchen!", entgegnete er ebenso gereizt. Wenn es nicht klappte und der Ausgang nicht hier war, dann waren sie zwei Stunden lang einer falschen Hoffnung hinterhergelaufen.
Einige Sekunden lang starrten sie einander an, dann schluckte Hermine. „Also gut. Lass es uns versuchen. Aber vorher ..." Sie kam zu ihm, legte ihm eine Hand in den Nacken und küsste ihn so unvermittelt, dass Severus überrascht nach Luft schnappte.
Dann kehrten die Erinnerungen an die letzte Nacht zurück und was er seither für einen Traum gehalten hatte, wurde wieder zur Realität. Eine Realität, die viel zu schnell endete.
„Leg los!"
Severus räusperte sich, dann griff er nach ihrer Hand und löschte das Licht. Er hob seinen Zauberstab in die Höhe und dann geschah alles ganz schnell. Sie hoben vom Boden ab, tauchten durch lockeres Erdreich und wurden im nächsten Moment von der Sonne geblendet.
Der Aufprall auf der Erde war hart, Severus keuchte und hörte einen ähnlichen Laut von Hermine. Er legte sich eine Hand auf die Augen und rollte sich auf die Seite, dann blinzelte er mit tränenden Augen und sah vor sich das Gesicht von Harry Potter.
„Professor Snape, ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Reise."
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Hermine spürte jeden Knochen in ihrem Körper, als sie auf den Rasen fiel. Sie spuckte Erde aus und wischte sich Staub aus den Augen, doch aus ihren Haaren rieselte immer neuer nach. Zwei starke Hände hielten sie fest, als sie sich auf die Beine kämpfte und ihre Locken ausschüttelte.
„Ist alles okay bei dir?", hörte sie Rons Stimme neben sich.
„Bestens", nuschelte sie und als sie die Zähne aufeinander presste, knirschte der Sand dazwischen. Sie spuckte nochmal aus, doch es schien gar nichts zu bringen. „Dieser Ausgang ist das letzte."
„Ich brauche keine Hilfe, Potter!", grollte Severus hinter ihr und Hermine spürte, wie sie rot anlief. Für einen Moment glaubte sie, Harry und Ron müssten ihr an der Nasenspitze ansehen, was sie und Severus getan hatten. Und diesmal dachte sie nicht an die unzähligen Todesfälle, die auf ihr Konto gingen.
„Die Sonne ist ganz schön warm hier oben", stellte sie fest und erntete einen verständnislosen Blick von Ron.
„Ist wirklich alles okay?"
„Ja! Es geht uns gut." Rasch entzog sie ihm ihren Arm und wandte sich Harry und Severus zu. „Wie habt ihr uns gefunden?"
„Wir sind skeptisch geworden, als du nicht zum Endspiel gekommen bist", erklärte Harry.
„Und dann haben wir in deiner Wohnung nachgesehen, ob dir etwas passiert ist. Da haben wir deine Notizen zu dem Fall gefunden, an dem du gearbeitet hast", fuhr Ron fort.
„Dein Chef war nicht gerade hilfreich", ergänzte Harry, „aber auf deinem Schreibtisch lagen die anderen Akten, auch die über Professor Snape." Mit dem Kopf nickte er in die Richtung seines ehemaligen Lehrers, machte sich dabei aber nicht die Mühe ihn anzusehen.
„Sparen Sie sich den Professor!", fuhr Severus harsch dazwischen, die Arme vor der Brust verschränkt.
„Jetzt auf einmal", kommentierte Harry leise. „Wir haben uns dann jedenfalls alleine auf die Suche gemacht."
„Und als Harry euch beinahe nach da unten gefolgt wäre", berichtete Ron grinsend, „war es ein Kinderspiel, alles miteinander zu kombinieren. Und da seid ihr."
„Ja, sehr schön", schnarrte Severus. „Ich werde dann jetzt nach Hause gehen." Und disapparierte ohne ein Wort des Abschieds.
Für einen Moment starrte Hermine fassungslos auf die Stelle, an der er eben noch gestanden hatte. Erst Harry riss sie aus ihren Gedanken: „Dein Patronus hat uns übrigens erreicht. Wir hätten aber auch so noch lange nicht aufgegeben."
Sie lächelte. „Ich konnte ja nicht ahnen, dass ihr es seid. Dunabee hätte bestimmt schon nach fünf Minuten aufgegeben. Schließlich muss er mich ja auch in meiner Abwesenheit bezahlen."
„Mit Sicherheit. Kommst du mit zu uns? Wir brennen darauf zu erfahren, was ihr da unten erlebt habt."
„Und vor allem wie du mit Snape überlebt hast", fügte Ron hinzu.
Hermine schluckte trocken, der verdammte Sand schien ihr den ganzen Mund zu verkleben. „Seid mir nicht böse, aber ich würde gerne erstmal nach Hause gehen, duschen, vierundzwanzig Stunden am Stück schlafen, nochmal duschen, meinen Bericht schreiben und meine Sachen verbrennen, bevor ich zur Sicherheit noch ein drittes Mal dusche. Danach können wir uns gerne bei dir treffen und dann stehe ich Rede und Antwort. Okay?"
„Okay. Kommst du alleine nach Hause oder sollen wir dich bringen?"
Hermine überlegte einen Moment, doch abgesehen von der lähmenden Müdigkeit und dem Muskelkater in ihren Beinen ging es ihr gut. Sie konnte es zwar noch nicht ganz glauben, wieder oberhalb der Erde und lebendig zu sein und zweifelte auch daran, ob die Dinge da unten wirklich geschehen waren, aber abgesehen davon ging es ihr gut. Kaum zu fassen. „Nein, das geht schon, danke. Ich melde mich, wenn ich wieder in dieser Welt angekommen bin. Grüß Ginny von mir", bat sie Harry und an Ron gewandt sagte sie: „Richte deinem dämlichen Köter ein großes Dankeschön aus und gib ihm ein paar Hundekekse extra. Er hat uns da unten das Leben gerettet."
„Oh, okay", sagte Ron verwirrt und kratzte sich am Kopf.
Hermine hob die Hand zum Abschied und dann disapparierte sie direkt in ihr Badezimmer. „Meine Dusche!", juchzte sie, „Und die Toilette! Ich werde euch nie wieder für selbstverständlich halten, Ehrenwort!"
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Es waren fünf Tage vergangen, seitdem sie aus dem Gangsystem zurückgekehrt waren und Hermine schritt in Bluse und Anzug gekleidet mit zügigen Schritten über den Flur des Ministeriums. Ihre Kollegen sahen ihr neugierig hinterher, doch sie hatte kein Wort für sie übrig. An der Tür zu Wiggam Dunabees Büro blieb sie nur kurz stehen, klopfte und betrat es ohne Aufforderung.
„Miss Granger", grollte der übergewichtige Mann und wischte sich mit einem grauen Taschentuch die Schweißperlen von der Stirn. „Es gibt Sie also doch noch."
„Wie man sieht", entgegnete sie steif.
„Ich hatte Sie doch um tägliche Berichte gebeten."
Hinter ihrem Rücken ballte Hermine die Hände zu Fäusten. „Tut mir leid, das war nicht möglich. Aber Sie können sich eine Abmahnung sparen", fügte sie rasch hinzu, als er zu sprechen ansetzte. „Hier ist mein Bericht und hier ist meine fristlose Kündigung." Sie legte ihm beide Pergamente auf den Schreibtisch. „Einen schönen Tag noch."
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Severus schrumpfte die letzten Bücher und verstaute sie in einem der Kartons, ehe er das Bücherregal zerlegte, verkleinerte und daneben stapelte. Das war alles, sein Haus war leer und verkauft und neben ihm standen fünf Kartons, in die er sein Leben verpackt hatte.
Getroffen hatte er diese Entscheidung schon zwei Tage nach seiner Rückkehr, doch bis er sich tatsächlich hatte aufraffen können, waren vier Wochen vergangen. Er versiegelte die Kisten und verkleinerte auch diese, bis sie in seine Umhangtaschen passten.
Und dann klopfte es an seiner Tür.
Ohne große Eile durchquerte er sein ehemaliges Wohnzimmer und öffnete die Tür. Für zwei Sekunden blieb ihm das Herz stehen, als er Hermine davor fand. „Was willst du?", fragte er, doch seine Stimme ließ die übliche Schärfe vermissen.
„Ich bin schwanger", sagte sie, ohne eine Miene zu verziehen.
Severus spürte, wie er erbleichte. Die Gesichtszüge entglitten ihm schneller als er einen Fluchtplan schmieden konnte.
„Scherz!" rief sie eilig und er verspürte einen starken Drang, ihr den Hals umzudrehen. „Mir ist bloß aufgefallen, dass ich es ziemlich vermisse, mich mit dir zu streiten und so und da ich von dir wohl keinen Besuch erwarten kann, bin ich hergekommen."
„Und so?", fragte er und zog die Augenbraue in die Stirn.
„Ja, vor allem das Und so", entgegnete Hermine und lief rosa an. „Darf ich reinkommen?"
„Meinetwegen", sagte er, „Aber es lohnt sich nicht." Er trat zur Seite und offenbarte ihr das leere Haus.
Für einen Moment fehlten ihr die Worte, dann fragte sie hohl: „Ziehst du um?"
„Nein, ich verlasse das Land. Minerva ist ganz wild darauf, mich wieder an die Schule zu schleifen, wenn es sein muss mit gerichtlicher Anordnung, und daher plane ich, soweit weg wie möglich zu ziehen. Vielleicht nach Australien."
„Wow", hauchte sie und schluckte schwer. „U-Und ...", begann sie dann von Neuem, stockte allerdings.
„Und?"
Sie räusperte sich. „Und willst du alleine soweit weg wie möglich ziehen?"
Severus verzog nachdenklich den Mund. „Ich könnte möglicherweise über eine Reisebegleitung nachdenken."
Da breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus, das ihm schlicht den Boden unter den Füßen wegzog. „Schön. Und wie passend, ich hab gekündigt und meine Eltern leben in Australien!"
„Sagte ich Australien?", fragte er rasch. „Ich meinte eigentlich Brasilien."
Sie verdrehte die Augen. „Na, da ist es auch schön. Wann geht es los?"
Er zuckte mit den Schultern. „Wie wäre es jetzt? Wäre jetzt für dich in Ordnung?"
Für eine Sekunde stand ihr der Mund offen, dann nickte sie. „Ja, jetzt wäre perfekt."
Epilog
Auf lautlosen Pfoten schlich der Löwe durch die Gänge. Staubiger Sand wirbelte zwischen seinen samtenen Tatzen auf und ließ ihn erscheinen als würde er auf einer Wolke aus dunkler Luft dahingleiten. Um ihn herum wichen die anderen Tiere aus, traten in geduckter Haltung beiseite und ließen ihn ungestört passieren.
Seine Mähne streifte die Tunneldecke und ließ kleine Erdbrocken auf ihn rieseln, die er mit einem beiläufigen Schütteln von seinen Schultern beseitigte. Die mächtigen Muskeln unter seinem schmutzig-gelben Fell spielten dabei mit einer Leichtigkeit, die schon an Arroganz grenzte.
Leichtfüßig ließ er die letzte Kurve hinter sich und lief auf offenes Terrain hinaus. Die große Höhle lag verlassen vor ihm. Sein Maul öffnete sich und er ließ ein lautes Brüllen entweichen, dessen Echo sich tausendfach an den fernen Wänden zu brechen schien und noch lange nachklang, nachdem sich der Löwe bereits der Fellpflege gewidmet hatte und seine große, rauhe Zunge über seine Pfoten kratzen ließ. Er hielt kurz inne, sah auf und gab dann ein begrüßendes Knurren von sich, als sich eine hochgewachsene, wenn auch leichte gebückte Gestalt langsam auf ihn zubewegte. Schmutzige, knotige Finger krallten beinahe liebevoll in seine Mähne und der mächtige Löwenkopf lehnte sich sehnsuchtsvoll in die Berührung.
„Ich weiß, mein Freund," seufzte Frederick und verzog sein vernarbtes Gesicht zu einer schmerzverzerrten Grimasse, während seine freie Hand gegen seine schmerzenden Rippen pressten. „Aber wir haben Zeit. Im Gegensatz zu ihnen haben wir Zeit. Und die sollten wir nutzen. Beim nächsten Mal…"
Der Löwe senkte seinen Kopf, legte sich flach auf den Boden und das Kinn auf die Pfoten. Seine Augen verfolgten die Kreise seines Herrn und ganz so, als würde er verstehen gab er ein zufriedenes Knurren von sich.
Zeit, ja, die hatten sie.
ENDE
