Kapitel 25
Imperius

Sage nicht immer, was Du weißt, aber wisse immer, was Du sagst.

(Matthias Claudius dt. Dichter, Journalist und Lyriker)


Draco erwachte früh am nächsten Morgen und war froh, dass schon wieder Samstag war. Langsam stand er auf, zog sich an und wollte sich aufmachen um nach Harry sehen zu können und erst eine verschlafene Stimme ließ ihn innehalten.
„Ich würde aufpassen wenn ich du wäre. Ihr seid beide in Gefahr."
„Das musst du mir nicht sagen,", erwiderte Draco leicht gereizt, durch diese frühe Warnung am Morgen. Musste Blaise sich in alles einmischen? „Ich pass auf."
Er hörte ein leises Lachen.
„So wie immer?"
Draco verließ die Kerker, leise und ohne jemanden zu begegnen. Er war noch immer unsicher, Blaise gegenüber. Der Junge hatte sich verändert seit seine Mutter gestorben war.
Er war nicht mehr der Junge den Draco gekannt hatte, geholfen hatte, an dessen Stelle war jemand getreten, der Draco half, aber auch kein übermäßiges Maß mehr an Hilfe brauchte.
Aber vielleicht war es auch der Blaise, den er die ganze Zeit kannte, ihn allerdings nie wirklich gesehen hatte. Vielleicht nun, wo nicht mehr der Schatten seiner Mutter über ihm lag, zeigte der Junge wer er war.
Draco, auch wenn er es sich ungern eingestand, hatte den Slytherin lieber auf seiner Seite als auf einer anderen.

Auf dem Weg zum Krankenflügel hörte er plötzlich Schritte und ließ sich geschmeidig hinter eine Säule gleiten. Warum genau er das tat, wusste er nicht, schließlich hatte er die Erlaubnis auf den Fluren zu sein, wie jeder andere, in diesem Moment jedoch fühlte es sich einfach sicherer an.
Er hörte die wütende Stimme von Pansy durch den Flur hallen und zog seinen Zauberstab. Schnell sprach er seinen Tarnzauber nur um sicher zu gehen und blieb regungslos stehen.
„Seide, meine Mutter wird mich umbringen. Das Zeug war so verdammt teuer und ich musste mich natürlich verbrennen." Sie stapfte wütend weiter. „Und dann zickt die dumme Kuh auch noch rum. Ich hasse mein Leben und..."
Draco lies ein ersticktes Niesen hören als ihn Staub in der Nase kitzelte. Erschrocken hielt er inne und verfluchte sich für seine Dummheit.

Anfängerfehler, dachte er wütend und wog die Möglichkeit ab einfach aus seinem Versteck zukommen und so zu tun als hätte er nicht gelauscht.
„Ist da wer?", rief Pansy und schaute sich um. Draco konnte sie von seinem ‚Versteck' aus gut sehen. Regungslos stand er da und wusste, dass seine Chance, den einfach Vorbeikommenden zu spielen nun vertan war. „Hallo?"
Sie kam seinem Versteck gefährlich nahe und sollte sie sich zu ihm umdrehen und wirklich genau hinschauen, würde auch sein Zauber nicht mehr viel bringen.
Es war schließlich kein Unsichtbarkeitzauber, sondern ein TARNzauber.
Doch sie kam nicht näher, denn plötzlich schoss die Graue Dame von Ravenclaw durch die Wand und lenkte Pansy ab.
Kopfschüttelnd wandte sich das Mädchen von seinem Versteck ab und Draco konnte noch hören.
„Langsam dreh ich durch."
Draco zog eine Augenbraue hoch als er ihren leicht erschöpften, leicht traurigen Ton hörte. Er wusste das Pansy sich irgendwie seltsam benahm, allerdings wusste er nicht inwiefern. Dass sie ihn bedroht hatte, hatte ihn vorsichtig gemacht, allerdings war es nichts Ungewöhnliches unter Slytherins; er hatte es auch schon oft getan. Lediglich die Tatsache, dass es Pansy gewesen war, die ihn drohte und erpresste, überraschte ihn. Er hatte ihr nicht zugetraut auf diese Idee zukommen, so beschränkt wie sie meistens auf ihn wirkte, aber vielleicht hatte er sich in ihr genauso getäuscht wie in der letzten Zeit in vielen Dingen.
Er wartete noch ein paar Augenblicke, bis er sicher sein konnte, dass sie verschwunden war, dann schlich er sich, immer noch unter seinem Tarnzauber, zum Krankenflügel.


Harry wusste, dass er schlief. Es war einer dieser seltsamen Wachträume, die er in letzter Zeit öfters hatte.
Er wusste noch genau was passiert war. Da war Sanctus, der ihn hereingelegt hatte und ihn anschließend folterte. Der für Voldemort arbeitete.
Er wusste, dass er Schmerzen gehabt hatte, so sehr wie selten. Nicht mal als Voldemort dasselbe mit ihm getan hatte. Dabei war es nur so kurz..., dachte er verwirrt.
Plötzlich fühlte er sich unwohl. Die Wärme des Bettes fühlte sich stickig an, das Laken erschien erdrückend und hinderlich.
Er war nicht alleine im Zimmer.
Augenblicklich riss er die Augen auf und setzte sich abrupt auf. Es dämmerte schon und die frühe Morgensonne war dabei aufzugehen.
„Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauern würde, bis du aufwachst.", sprach ihn eine leise, gelangweilt klingende Stimme an die vom Fenster kam. Draco stand an eine Wand gelehnt da und betrachtete den Sonnenaufgang. „Zumindest besser als letztes Mal." Das spöttische Grinsen musste Harry nicht sehen um zu wissen das es da war. „Weißt du dieses Mal wo du bist?"
„Draco.", zischte Harry und suchte nach seiner Brille, bevor ihm einfiel, dass er die schon seit Anfang des Schuljahres nicht mehr trug. Manchmal vergas er es noch. „Was machst du hier?"
„Ich dachte vielleicht freust du dich über Besuch.", erwiderte der Blonde scheinbar gelangweilt und stieß sich von der Wand ab. Mit langsamen, bedächtigen Schritten ging er auf Harry zu.
Harry schluckte leicht als die Augen des Blonden im aufgehenden Licht der Sonne fast zu glühen schienen.
„Wie spät ist es?", fragte Harry ohne auf Dracos Worte einzugehen und schaute aus irgendeinem Grund beschämt auf sein Laken.
„Kurz vor sechs, denke ich.", erwiderte Draco gelassen und zog sich einen Stuhl heran.
„Was ist mit Sanctus? Ich erinnere mich nur noch den Cruciatus und dann..." Draco schaute zur Seite und Haarsträhnen bedeckten die Hälfte seines Gesichtes.
„Ich hätte mir eigentlich denken können, dass wenn man dich alleine lässt du wieder in Schwierigkeiten gerätst. Wie haben Granger und Wiesel das bitte aushalten können?" Es hätte eine Anschuldigung oder sogar eine Beleidigung sein können, hätte Harry den weichen Unterton in Dracos Stimme nicht gehört. So klang es viel mehr wie eine Entschuldigung. Es ist eine Entschuldigung, nur halt auf Dracos Art und Weise, dachte Harry und schmunzelte leicht.
„Ich war auch dumm. Peeves hat mich auf den Fluren erwischt und hat Filch gerufen. Sanctus ist dann plötzlich aufgetaucht und hat mich mitgenommen. Auf den Gang auf dem wir Zabini damals gefunden haben."
„Ja, ich war selbst da.", sinnierte Draco und schaute ihn an. Die aufgehende Sonne schien nun auch Flammen auf seinem Haar entzündet zu haben. Harry musste aufpassen um nicht zu starren. „Ich habe euch gefunden als er den Cruciatus auf dich gelegt hat. Ach ja, erinnere mich daran, dass ich Longbottom danke."
Verwirrt schaute Harry ihn an.
„Was hat Neville mit der ganzen Sache zu tun?", fragte er misstrauisch. Draco schenkte ihm ein Grinsen.
„Nun, schließlich war er es an dem ich meinen Klammerfluch vervollkommnet habe. Kein anderer Schüler war so gut geeignet." Er lachte leise und schien sich an Vergangenes zu erinnern. Harry zog die Stirn kraus und funkelte ihn missbilligend an.
„Schüler zu quälen ist nicht komisch." Nachdenklich kratzte er sich am Arm. „Was ist danach passiert? Was ist mit Sanctus geschehen?"
„Ich habe ihn zusammengeschnürt und dann hab ich die Lehrer gerufen."
Draco erinnerte sich noch, dass Snape als Erster hereingestürmt war und Draco mit Harry im Arm gesehen hatte.
Draco war das Herz in die Hose gerutscht, doch Snape hatte nur gemeint:
„Sei vorsichtig."
Kurz darauf waren auch schon Dumbledore und McGonagall gekommen und hatten Sanctus in einen von Sinistras Türmen gesperrt.
Die Möglichkeit dort raus zu kommen war recht gering, denn nicht alle Türme waren offen. Dieser hatte eine Tür und ein Fenster durch das gerade mal ein Erstklässler passen würde.
Allerdings erschien dieses Zimmer nur an ungeraden Monatszahlen was die Nutzung zur Zeit Sirius Blacks nicht möglich gemacht hatte.
„Und wo ist er nun?"
„In diesem Raum. Die Auroren werden wohl bald kommen und ihn verhören und dir einige Fragen stellen. Sie schienen nur darauf zu warten das du aufwachst."
„Es war seltsam. Er konnte mir erzählen was uns passiert war. Der Werwolf,"
„WERwolf? Das war ein verfluchter Werwolf?", quietschte Draco und Harry konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. Draco würde leicht rot und räusperte sich um wieder zum Ernst der Situation zurück zukommen, aber man sah ihm seine Entrüstung deutlich an.
„Ich hätte gefressen... oder noch schlimmer gebissen werden können.", murmelte Draco durcheinander und raufte sich die Haare.

„Du hättest aber du wurdest nicht, oder?", erwiderte der Schwarzhaarige und blickte den Blonden blinzelnd an.
„Aber es hätte passieren können. Stell dir vor, ein Malfoy der ein Werwolf ist. Mein Vater würde..." Draco hielt inne, als er die plötzliche Veränderung in Harrys Gesicht sah. Die Worte die danach folgten, wollte er nie wieder hören.
„Malfoy, ich... du darfst nicht mehr in meine Nähe kommen.", presste der Schwarzhaarige heraus und Draco fühlte sich wie vor den Kopf geschlagen.
„Äh, wie bitte?", fragte er und grinste schief. Seine Gedanken überschlugen sich.
„Du bist nicht sicher." Harry schaute scheinbar beschämt zur Seite. „Irgendwann wird es dich auch erwischen."
„Und du glaubst dass ich das bis jetzt noch nicht begriffen habe? Ich müsste das intellektuelle Niveau von Crabbie und Goyle haben um das nicht zu bemerken. Davon abgesehen lasse ich mir nichts von dir vorschreiben Potter." Draco grinste und sah das leicht aufgebrachte Funkeln in den Augen des Gryffindors. „Und du tätest gut daran meine Gesellschaft zu akzeptieren, vielleicht lernst du noch was."

„Draco, danke.", erwiderte er lächelnd. Draco schnaubte.
Er blickte zur Seite und eine Hand strich ihm durch die Haare.
Sein Gesicht fing an zu brennen, dennoch war er sich sicher, dass es nur die Strahlen der Sonne waren, die sein Gesicht wärmten.
„Es gibt also keine Möglichkeit dich von mir fern zuhalten?", fragte Harry grinsend und Draco antwortete spöttisch.
„Dann müsste ich deine Befehle annehmen. Malfoys nehmen keine Befehle an." Er schaute zur Seite. „Ich werde also noch ein wenig länger in deiner Nähe bleiben."


Es war vielleicht kurz nach elf als Pomfrey hereinkam in der Begleitung von Dumbledore und zwei Auroren.
Die Falten auf dem Gesicht des Direktors waren tief, doch Harry sah wie die Augen funkelten. Er war sich sicher, dass Dumbledore etwas geplant hatte. So wie immer.
„Mr. Potter, es scheint ihnen ja schon wesentlich besser zu gehen. Wären sie so freundlich sich anzuziehen und mit uns zu kommen? Ihre Befragung wird gleich nach der von Sanctus..."
Die Tür flog förmlich auf und Snape in Begleitung zweier Auroren trat ein, seine schwarze Robe wallte mit seinen Schritten.
„Professor Dumbledore, es ist Sanctus. Er liegt tot in seiner Zelle."
Zwei Tage später war die Sache das Gespräch in der Schule, jeder wollte wissen, wer den Lehrer umgebracht hatte. Teilweise wurde auch gesagt, er habe sich das Leben selbst genommen und wäre für den dunklen Lord gestorben.
Harry, der neben Seamus saß, der scheinbar nicht aufhören wollte über das Thema zu reden, schaute nachdenklich zum Lehrertisch hoch.
Alle Lehrer waren vollständig anwesend, schienen aber weniger Appetit zu haben als gewöhnlicher Weise. Zumindest kam es Harry so vor.
Besonders schlecht sah Talin aus, die scheinbar ein paar Kilo verloren hatte. Ihre Wangen waren eingefallen, das Haar ein wenig wirrer als sonst und die Haut blass. Sie sah ausgezerrt und gestresst aus, dennoch war ihr Verhalten fehlerlos, wie immer.
Briefe und Heuler kamen jeden Tag. Schwarze hatte Harry zum Glück seit einiger Zeit nicht mehr gesehen.
Vielleicht war dies einfach nur die Ruhe vor dem Sturm?
Langsam nervte ihn Seamus und mit einer flinken Bewegung griff Harry die Zeitung, doch er kam nicht mehr dazu sich die Artikel bezüglich Sanctus und den Todessern, die erst letzte Woche aus Askaban entkommen waren, zu lesen.
Dumbledore war aufgestanden und sprach mit magisch verstärkter Stimme ruhig auf die Schüler ein.
„Ruhe, Ruhe meine Lieben. Ich bin mir sicher, dass jeder von euch genau über die Vorkommnisse unterrichtet werden will. Leider müsst ihr euch noch ein klein wenig gedulden. Zum ersten werden die nächsten Quidditchspiele, sowie Quidditchtraining und das Fliegen im allgemeinen ausfallen.
Niemand wird mehr das Schulgelände verlassen ohne die Begleitung eines Lehrers. Die Ländereien um Hogwarts werden nur noch in Gruppen von bis zu fünf besucht. Nach acht Uhr wird kein Schüler mehr auf den Gängen sein, ohne Ausnahme, soll heißen auch Vertrauensschülern und Schulsprechern ist es untersagt. Bei Verstoß werde ich gezwungen sein die jeweiligen Schüler umgehend von der Schule zu verweisen."

Harry riss die Augen auf und sein Blick traf Dracos, der gerade seinen Toast sinken ließ.
Ihre Blicke trafen sich fragend.
„Sie können nun machen was sie vorher gemacht haben... was immer das auch war.", meinte Dumbledore abwesend und ließ sich auf seinen Platz fallen.


Harry, Dean und Seamus waren gerade auf dem Weg zur nächsten Unterrichtsstunde als sich ihnen Blaise und Draco in den Weg stellten.
Harry blinzelte. Mittlerweile sah Blaise wie eine Imitation von Draco aus, zumindest was Verhalten und Auftritt anging. Es war unglaublich was der Tod von Blaises Mutter in dem Jungen verändert hatte.
Seine Lippen hatten sich, ganz wie die von Draco, zu einem spöttischen Grinsen verzogen.
„Lasst uns durch.", fauchte Seamus auch gleich. Er war seit dem letzten Angriff auf Harry überhaupt nicht gut auf Slytherins zu sprechen. Harry hatte zwar versuchte ihm zu erklären, dass nicht alle Slytherins schlecht waren, der Ire wollte allerdings nicht darauf hören.
Würde er wissen, das Draco mich gerettet hatte, dachte Harry kopfschüttelnd und fixierte den Blonden aufmerksam. Draco erwiderte seinen Blick und es schien Harry, als würde sein Grinsen noch eine Spur breiter werden.
„Warum sollten wir? Der Weg ist breit genug, meinst du nicht?", fragte Blaise spitz und pustete sich eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Ihr könntet auch einfach ein wenig zur Seite rutschen.", erwiderte Seamus. Dean warf Harry einen besorgten Blick zu und legte Seamus die Hand auf die Schulter.
„Und wenn wir nicht wollen?", fragte Blaise und verlagerte sein Gewicht auf das andere Bein. Er wirkte locker und völlig entspannt.
„Blaise, lass gut sein. Wie sagt man so schön? Der Klügere gibt nach und da wir es hier mit Gryffindors zu tun haben... sagen wir es so: Würden die es mit 'ner Wand zu tun haben, würde diese wahrscheinlich als erstes zerfallen." Er grinste leicht und blickte Blaise an. „Aber ich denke du weißt was ich meine." Dann schaute er wieder Harry an und nickte nur ganz leicht.
Natürlich, wie hatte er so dumm sein können? Draco war nicht hier um seine Freunde zu beleidigen.
„Du kleiner...", zischte Harry gespielt wütend.
„Was Potter? Sprache verschlagen?", erwiderte Draco grinsend. „Komm Blaise, wir gehen."
Harry musste zugeben das es ein mehr oder weniger geschickter Zug war das Gespräch so früh wie möglich abzubrechen. Er wollte keinen wirklichen Streit, sollten sie aber erst anfangen und sich dann hochschaukeln... keiner von ihnen konnte für Nichts garantieren.
Draco ging an ihnen vorbei, nicht aber ohne Harry einmal kräftig anzurempeln. Als sich der Schwarzhaarige beschweren wollte, wurde seine Hand von der Draco umfasst, die ihm etwas in die Handfläche drückte. Er griff automatisch zu und die Hand verschwand.
Schnell drehte er sich um doch Blaise und Draco gingen ohne einen weiteren Blick zu riskieren den Gang hinunter.

Bibliothek. Hinten rechts. 9 Uhr.

Grinsend ließ er den Zetteln in seiner Robe verschwinden, während er mit einem leichten Grinsen zum Zaubertrankunterricht ging.
Seamus und Dean schauten ihm zweifelnd hinterher.


Harry trug seinen Tarnumhang und hatte sogar einen Silencio auf seine Schuhe gesprochen. Ihn würde keiner sehen und keiner hören.
Leicht grinsend bog er in die Bibliothek ein, die zwar offen, aber scheinbar verlassen war. Eigentlich ungewöhnlich, bemerkte der Gryffindor, aber vielleicht hatte Draco es schon aufbekommen.
Langsam schlich er sich weiter zu dem Platz wo sie sich manchmal getroffen hatten um Hausaufgaben zu machen oder eher um Harry bei einigen Fächern ein wenig auf die Sprünge zu helfen.
„Draco?", flüsterte er und sah wie ein Schatten sich aus der Wand löste. „Finite Incantatem."
Es sah aus als würde ein Eimer Farbe über Draco ausgekippt werden der langsam den Körper überzog und den Blonden sichtbar machte.
„Ist er das? Dein Tarnspruch?"
Er wusste das Draco ihn benutzte, allerdings hatte er dessen Auswirkungen nur selten zu Gesicht bekommen.
„Sicher. Vielleicht zeige ich ihn dir irgendwann mal.", erwiderte Draco grinsend und wusste das er dann ein Geheimnis seiner Familie brechen würde. Es war ihm egal.
Sein Blick fiel wieder auf Harry, der sich mittlerweile auf einen Stuhl hatte fallen lassen. Er sah entspannt aus. „Wie geht es dir?", fragte Draco plötzlich und ließ sich neben den Schwarzhaarigen sinken.
Ihm war plötzlich heiß. Und der Wunsch, näher an Harry zurücken wurde stärker
„Warum fragst du? Warum sollte es mir nicht gut gehen?" Der Schwarzhaarige schaute ihn ein wenig verwirrt an. „Aber du siehst nicht sonderlich gut aus, bist du krank?"

„Malfoy? Malfoy?" Draco hörte die Stimme etwas entfernter und konnte sich ein dümmliches Grinsen nicht verkneifen. „Hey?" Eine Hand wedelte vor seinem Gesicht, irritiert schüttelte Draco den Kopf.
Hatte er geträumt?
„Schläfst du?", fragte Harry leise und blickte ihn fragend an. Draco Magen zog sich fast schmerzhaft zusammen.
„N-nein, alles in Ordnung."
„Vielleicht sollte ich dich lieber fragen ob alles in Ordnung ist.", erwiderte Harry und streckte sich gähnend. „Hast du eine Ahnung, was wir jetzt machen sollen? Wir können uns nicht mehr treffen…"
Draco zog skeptisch eine Augenbraue hoch.
„Und wieso ist das so? Sag nicht, der große Harry Potter lässt sich plötzlich von Regeln an irgendetwas hindern.", erwiderte er spöttisch und Harry warf ihm einen säuerlichen Blick zu.
„Du solltest wissen, dass ich das selten mit Absicht mache. Es ist nicht so dass ich Ärger suche, meistens findet er mich."
„Natürlich.", grinste Draco leicht.
„Du willst also, dass wir uns jede Nacht hinaus schleichen?" Harry schaute zur Seite. „Nun, zumindest für mich wäre es nichts Neues. Aber was ist mit dir? Merken die anderen nichts?"
„Und wenn schon…", erwiderte Draco gelassen. Allerdings wusste er dass die Situation nicht ganz so einfach war. Was wenn noch mehr Leute es erfuhren? „Was soll schon passieren?"
Die grünen Augen funkelten ihn im Licht der Kerze, die sie entzündet hatten, an. Draco schluckte schwer.
„Was ist mit deinem Vater?", fragte Harry, sein Blick immer noch auf Draco gerichtet.
„Er ist weit weg.", versuchte der Blonde einzulenken.
„Verkauf mich nicht für blöd. Ich mag vielleicht nicht deinen Intelligenzanforderungen entsprechen, aber ich bin kein Einfallspinsel. Du weißt sehr wohl, dass er innerhalb kürzester Zeit wieder hier sein kann."
„Er wird es schon nicht erfahren.", erwiderte Draco vorsichtig. Er hatte bei diesem ganzen Plan so wenig bedacht, es konnte nur schief gehen. Was war er bereit zu zahlen für das was er wollte?
Und was kann ich zahlen?
„Genauso wie Zabini?" Draco schaute ihn wütend an.
„Willst du mich nicht mehr sehen? Dann sag es, Potter!" Er wusste selbst nicht genau woher diese Wut plötzlich kam. Vielleicht lag es daran, dass Potter ihn auf Fehler, Lücken aufmerksam machte? Vielleicht, weil er gar nicht darüber nachdenken wollte und der Schwarzhaarige ihn unbewusst dazu zwang?
Beschwichtigend hob Harry seine Hände.
„Das meine ich nicht und das weißt du. Ich mache mir nur So…"
Er hielt inne und warf Draco einen warnenden Blick zu.
„Da ist jemand, komm, schnell!"

Ehe Draco sich versah, war der Tarnumhang über ihn geworfen.
Es war stickig unter dem Umhang und Draco konnte die Wärme des anderen spüren, seinen Geruch riechen.
Es war zum verrückt werden.
„Die Kerze!", hörte er Harry dann flüstern und Draco öffnete die Augen. Sein Blick zu der Kerze, die noch immer auf dem Tisch stand und auch ihre aufgeschlagenen Bücher lagen noch da.
„Nicht bewegen", hauchte Harry an sein Ohr und Draco musste einen Schauder unterdrücken. „Da."
Zuerst sah er die Gestalt, die an den Regalen und Wänden entlang schlich gar nicht wirklich, aber dann konnte er im leichten Licht der Kerze Umrisse wahrnehmen. Es schien, als wäre die Person unter einem ähnlichem Zauber verborgen, wie er auch.
Langsam zog er seinen Zauberstab.
„Was machst du da?", keuchte Harry auf, als Draco seinen Zauberstab auf die Gestalt richtete.
Harry versuchte ihn an seinem Unterfangen zu hindern, aber Draco hatte seine Worte schon gesprochen.
Finite Incantatem."
Und genauso wie zuvor bei ihm, schien sich ein Eimer Farbe über die Gestalt zu gießen und sie sichtbar zu machen. Ist das mein Tarnzauber?, fragte sich Draco verblüfft, als die Person Stück für Stück sichtbar wurde.


Harry traute seinen Augen nicht.
„Professor Talin?", hauchte Harry ungläubig und die Augen seiner Professorin richteten sich auf sie.
„Wer ist da?", ihre Stimme klang verzweifelt. „Bitte, helfen Sie mir, ich..." Sie griff sich an den Kopf, stöhnte und ging in die Knie.
Harry wusste nicht was dort geschah, aber er hatte das Verlangen den Umhang zu entfernen und ihr zu helfen.
Dracos Hand hatte sich schon fast schmerzhaft um sein Handgelenk gelegt, der Blonde schien genauso verunsichert zu sein.
Die Haare des Slytherins streiften sein Gesicht und Harry beugte sich zu seinem Ohr und flüsterte.
„Ich gehe raus, du bleibst hier. Sollte etwas passieren, dann holst du die Lehrer."
„Bist du verrückt?", hauchte Draco, scheinbar aufgebracht. Seine Stimme war zu leise, als dass Harry es mit Bestimmtheit sagen könnte.
„Vielleicht."
Mit diesen Worten zog Harry den Umhang geschickt aus, sodass er nur noch Draco bedeckte.
„Professor Talin, ist alles in Ordnung?", fragte er leise und schritt auf die Lehrerin zu. Er wusste selbst nicht genau warum er zögerte.
„Ich- Machen sie ihre Hausaufgaben.", erwiderte die Lehrerin und es erschien Harry, als würden sie Unterricht haben. „Ich..." Ihre Augen schienen an Fokus zu verlieren. „Helfen... Potter..." Dann, ganz plötzlich, schien es, als würde sie wissen, was sie wollte. Ihre Bewegungen, als sie aufstand waren geschmeidig, ihre Augen funkelten auf dieselbe unheimliche Art, wie die von Sanctus damals und Harry wich einen Schritt zurück.
„Harry Potter. Hat Sanctus ihnen nicht gesagt, sie sollten sich an die Regeln halten? Haben sie denn gar nichts gelernt? Scheinbar nicht." Sie schaute ein wenig enttäuscht drein. „Nun, weniger reden und mehr tun, meinen sie nicht?"
Plötzlich ging alles sehr schnell. Ein violetter Fluch traf ihn benahe an der Schulter, im gleichen Moment erfasste ihn ein seltsames Gefühl. Kaltes Kribbeln schien von seinem Kopf über seinen ganzen Körper zu gehen.
Ein Schubs von hinten, der ihn aus dem Licht drängte, brachte ihn wieder zur Besinnung.
„Draco?", flüsterte er, bekam aber keine Antwort. Vorsichtig hob er seine Hand.
Es schien als hätte er Blonde ihm schon wieder geholfen.
„Potter. Wo bist du?", hörte er die verzerrte Stimme Talins. Mit schnellen Schritten wollte er zur Tür hasten, seine ehemalige Lehrerin war allerdings schneller als er und die Tür fiel krachend ins Schloss.
„Hehe..." Das Lachen klang unheimlich und Harry drückte sich an ein Bücherregal. „Hier kommst du nicht mehr lebend raus."
Das werden wir sehen, dachte Harry und hoffte das Draco es geschafft hatte zu entkommen.
Fluchend riss Draco an dem Tarnumhang, der fast zur Hälfte von der Tür eingeklemmt worden war.
Es war mehr als nur Glück gewesen, dass er nachdem er Potter aus dem Licht geschubst hatte, sich sofort in Richtung Ausgang begeben hatte. Wenn nicht, würde er wahrscheinlich auch noch dort gefangen sein.
Er ließ den Umhang los und schaute durch die Fenster der Bibliothek. Noch war alles still, vielleicht könnte er einfach zurück in die Schlafsäle gehen und niemand würde…
Dann hätte er seinen Auftrag erledigt, oder?
Dann bräuchte er sich keine Sorgen mehr...
Wem versuchte er sich da eigentlich was einzureden? Harry war in der Bibliothek mit einer durchgeknallten Lehrerin gefangen...
Die vielleicht auch etwas mit den anderen Über- und Unfällen zu tun haben könnte.
Er lief los ohne weiter nachzudenken.
Snape musste um diese Zeit in seinen Räumen sein.
Harry atmete keuchend ein und aus.
Er hatte sich vorsichtig an einem der Regale hochgezogen und harrte nun dort oben aus. Es war ziemlich staubig und es war wieder so eine Situation in der er dankbar war nichts gegen Spinnen oder anderweitiges Getier zu haben.
Vorsichtig legte er sich flach auf den Bauch um nicht zufällig vom Schein der Kerze, die die Lehrerin vor sich her trug, getroffen zu werden.
Scheinbar durchbrach Licht die Illusion von Dracos Zauber.
Er sah wie der Lichtschein an ihm vorbei ging und beugte sich ein wenig weiter vor. Sein Atem wirbelte den Staub nur minimal auf, es reichte allerdings um Harrys Nase zu kitzeln.
Der Schwarzhaarige riss die Augen auf, konnte das Niesen, was folgte, aber nicht mehr verhindern.
Talin schien innezuhalten und dann in seine Richtung zu laufen.
Harry versuchte zwar noch sich auf die andere Seite gleiten zu lassen, doch die Professorin war schon bei ihm.
Ihre Augen funkelten fiebrig.
„Hab dich."
Draco sprach keuchend das Passwort um in Snapes Räume zu kommen. Dieser hatte es ihm vor kurzem gelassen, ohne wirklichen Grund. Draco hatte nicht weiter nachgefragt, allerdings wunderte es ihn schon ein wenig, dass Snape –von allen Leuten auf dieser Welt- ihm das Kennwort für seine Schlafräume gab.
Würde er Snape nicht kennen, würde er denken der Lehrer wollte ein wenig mehr als nur eine Schüler-Lehrer Beziehung.
Nun, zum Glück kannte er Snape und das machte Draco nur noch misstrauischer. Snape nämlich machte niemals irgendetwas ohne Grund.
„Pr-Professor.", hechelte Draco und versuchte seine Atmung wieder zu normalisieren.
Richtig gelingen wolle ihm das allerdings nicht.
Es war auch nicht wirklich nötig, Snape kam ihm in einem schwarzen Schlafanzug entgegen und Draco schloss beschämt die Augen.
Das waren ihm definitiv zu viele Informationen über seinen Lehrer.
Draco wollte gar nicht wissen wie oder ob sein Lehrer überhaupt schlief. Allerdings musste er sich -in einem kleinen Winkel seiner Gedanken, der noch zu solchen Gedanken fähig war- eingestehen, dass er recht froh, darüber war, dass Snape einen Schlafanzug trug.
„Mr. Malfoy? Was ist passiert?", frage Snape und schien nicht das kleinste bisschen Müdigkeit zu verspüren.
Rasselnd holte Draco Luft. Seine Lungen brannten unangenehm und das Sprechen viel ihm auffallend schwer.
Ich sollte mehr Sport treiben., gestand er sich selbst ein.
„Potter... Sie müssen unbedingt mitkommen."
„Was hat dieser eingebildete, kleine..."
„Kommen Sie mit.", rief Draco aufgebracht und Snape folgte ihm, nicht ohne vorher noch die anderen Lehrer zu informieren. Und –zu Dracos größter Erleichterung- auch ohne weiter nachzufragen.
Harry ließ sich bei dem plötzlich vor ihm auftauchendem Gesicht nach unten fallen. Ob es der Schreck war oder ein innerer Reflex wusste er nicht.
Er hörte wie Talin einen wütenden Fluch aussprach und das Regel, welches ihn und die Frau voneinander trennte, explodierte.
Er war so geistesgegenwärtig einen Protego zusprechen, der ihn vor schweren Schäden bewahrte, allerdings schützte ihn das nicht vor der nun auf ihn zuschreitenden Talin.
Sie blutete am Kopf, scheinbar getroffen von einem Buch oder etwas anderem das bei der Explosion durch die Luft gewirbelt worden war, doch ihr Schritt war stetig und zielgerichtet.
„Endlich habe ich dich."
Stupor!", versuchte Harry, doch sie wehrte den Fluch mit einer fast lässigen Bewegung ab. „Impedimenta!" wieder, doch sie lächelte ihn nur kalt an.
„Glaubst du wirklich das hält mich auf? Ich bin nicht umsonst Lehrer geworden." Sie lachte kalt. „Und nun... Verabschiede dich. Avada Ke...!"
STUPOR!!" Schallte es dann aus drei Mündern und Harry schaute verwirrt in die Richtung aus der die Flüche gekommen waren.
Draco stand da, genauso wie Dumbledore, McGonagall, Flitwick und –was hatte man auch anderes erwarten können?- Snape.
Alle bis auf den verhassten Zaubertranklehrer in Schlafanzügen oder Nachthemden.
„Was ist hier vorgefallen?", sprach Dumbledore als Erster und kam auf Harry zu.
Draco sah ihn besorgt an, sagte aber nichts.
„Ich... Ich hatte noch etwas zu erledigen und wollte mir die passenden Bücher holen..." Harry stoppte.
„Vielleicht... sollten wir Mr. Potter einmal von Madam Pomfrey untersuchen lassen,", mischte sich Snape ein. Sein Blick war leicht irritiert, sein Ton dennoch schneidend. „Vielleicht hat er ein Problem mit den Ohren, von dem wir bisher noch nichts gewusst haben. Wir sonst könnte es sein," er machte eine Pause und für einen kurzen Moment dachte Harry dass dieser Lehrer wohl aus seinem ganzem Leben einen dramatischen Akt machen musste. „Das er sich wieder gegen eindeutige Anweisungen der Schule gestellt hat und das obwohl er wissen müsste das diese Regeln gemacht wurden damit Schüler wie er sicher sind."
„Professor Snape.", entrüstete sich McGonagall, aber auch sie schaute Harry strafend an. Der Schwarzhaarige zog den Kopf ein. „Vielleicht sollten wir Mr. Malfoy fragen was er zu diesen Dingen sagt. Immerhin ist er auch außerhalb seines Schlafsaales, trotz Verbot."
„Nun, nun", unterbrach Dumbledore. „Ich denke die beiden jungen Herren haben für heute schon genug durchgemacht." Er blickte Flitwick an. „Wären sie so nett sich um Professor Talin zu kümmern? Ich denke Severus, wird noch ein wenig Veritaserum haben, oder?" Snape nickte kurz.
„Sie beide werden jetzt in ihre Schlafsäle gehen und morgen vor dem Frühstück in mein Büro kommen. Ich denke das wäre alles. Severus, Minerva, wenn sie die Beiden bitte zurück begleiten würden? Wir wollen doch nicht das noch etwas geschieht."
Er zwinkerte kurz.
Harry erwiderte den Blick nicht.
Er schaute nur einmal zu Draco, der in Begleitung seines Lehrers verschwand.
„Kommen sie Mr. Potter. Ich bin mir sicher, ihre Freunde warten schon auf Sie. Glauben Sie jedoch nicht, dass sie damit ungeschoren davon kommen." Sie schaute ihn spitz an. „Ein paar mal Nachsitzen mit Hagrid wird ihnen sicherlich nicht schaden."

Harry war sich nicht sicher ob er sich freuen sollte oder nicht.


„Was haben sie sich dabei gedacht, Malfoy?", fragte Snape, nachdem die anderen außer Hörweite waren.
„Was soll ich bei was gedacht haben, Sir?", erwiderte Draco fragend und schaute seinen Lehrer unschuldig an. Sein Herz schlug hart und unter seiner Robe konnte er den weichen, mittlerweile warmen Stoff des Tarnumhangs fühlen.
Er hatte ihn mitgehen lassen als sie den Raum betreten hatten.
Snape warf ihm einen scharfen Blick zu.
„Sie können die anderen Lehrer gerne verarschen, allerdings sollten Sie das bei mir nicht einmal versuchen.", erwiderte sein Hauslehrer gereizt. Einen kurzen Moment wundere Draco sich über die Aussprache seines Lehrers. „Ich weiß von Ihrem Auftrag Mr. Malfoy und bin mir sicher, dass sie ihre Pläne gut durchdacht haben, allerdings könnte ich ihnen trotzdem helfen."
Draco schaute vom Boden auf und seinem Lehrer ins Gesicht. Was zum Teufel... „Ich kann ihnen helfen, sie müssen mir nur sagen was sie vorhaben. Es könnte gefährlich werden und..."
„Sir, ich denke ich kenne meine Pläne und Aufgaben sehr gut und ich brauche Ihre Hilfe dabei nicht." Zumindest nicht mehr., füge Draco hinzu. Es war natürlich alles gelogen. Wie sollte er seine Pläne wissen, wenn die ganze Situation sich geändert hatte? Wie konnte er Hilfe bei einer Sache annehmen, bei dem ihm keiner helfen konnte?
„Sicher, dass Sie..."
„Ja, Sir. Ich bin mir völlig sicher.", Draco musste sich zusammenreißen um seine Worte nicht zu respektlos klingen zu lassen. Die schwarzen Augen seines Lehrers fixierten ihn, dann nickte Snape.
„Wenn Sie meinen."


Harry und Draco kamen am nächsten Morgen früh beim Büro des Direktors an.
Der Blonde schien schlecht gelaunt zu sein, sein Blick wirkte unfokussiert und müde.
Er warf ihm einen ‚Wie geht es dir?'-Blick zu, den der Blonde allerdings nicht beantwortete.
Eismäuse.", sprach Harry den Gargoyle an und dieser sprang zur Seite und ließ sie die Treppe besteigen die in das Büro von Dumbledore führte.
Draco fühlte sich krank und ausgelaugt. Er bezweifelte nicht, dass er wirklich krank werden würde, wenn er nicht endlich wieder Schlaf fand.
Er hatte gestern noch wach gelegen und versucht die Situation in der er sich nun befand zu lösen, aber es schien keinen Ausweg zugeben. Zumindest keinen den er willig war zu gehen.
Sein Blick fiel auf Harry, der ebenso müde schien wie er und ständig versuchte Dracos Aufmerksamkeit zu bekommen. Der Blonde würde sie ihm momentan nicht geben. Er konnte nicht.
Endlich hatten sie die Tür zum Büro erreicht und ohne anzuklopfen machte Harry die Tür auf und trat ein. Draco folgte ihm mit Abstand und schaute sich misstrauisch um. Er hatte diesen Raum noch nie wirklich gemocht, genauso wenig wie Dumbledore selbst.
Der Phönix saß ruhig auf seiner Stange, schien aber jeden von Dracos Schritten zu beobachten, als würde er erwarten, dass der Blonde irgendeinen Fehler machte.
Draco fühlte sich noch unwohler, tat aber sein Bestes es sich nichts anmerken zu lassen.
„Ah, da sind Sie ja. Es freut mich sie schon zu solch früher Stunde zu sehen, allerdings habe ich schreckliche Nachrichten."
Harry zog skeptisch die Augenbrauen zusammen und Draco verschränkte die Arme.
„Sie sollten sich dennoch erst einmal setzten", fuhr der Direktor fort und wies auf zwei Stühle. „Zitronenbonbon?" Beide schüttelten verneinend den Kopf und ließen sich widerstrebend auf jeweils einen der Stühle sinken. Dennoch schien eine fast greifbare Spannung im Raum zu liegen.
„Professor Talin, wurde heute Morgen, ebenso wie Sanctus, tot in ihrer Zelle aufgefunden. Scheinbar war sie auf eine mögliche Aufdeckung vorbereitet gewesen. Die Todesursache war Gift. Allerdings konnten wir durch Hilfe von Professor Snape und ein wenig Veritaserum, schon gestern einige wichtige Antworten bekommen." er holte Luft und schaute sie beide über den Rand seiner Halbmondbrille an.
„Professor Talin hatte Sanctus die ganze Zeit unter dem Imperiusfluch. Sie hat durch ihn gehandelt, wobei er sie beide, " er schaute Harry und Draco missbilligend an. „In Gefahr gebracht hat." Er runzelte missbilligend die Stirn. „Sie hätten etwas sagen sollen, als Sie von einem Werwolf angegriffen worden sind oder als Sie, Mr. Potter, beinahe vom Turm gefallen wären."
„Sir, wir wollten nicht..."
„Ich bin mir sicher, dass sie nicht wollten.", erwiderte der Direktor. „Wie dem auch sei, Sie werden beide Strafarbeiten erledigen müssen, wegen schwerwiegender Überschreitung von Schulregeln, die zu ihrem eigenen Schutz da waren. Aber sie werden nicht von der Schule verwiesen, immerhin ist es Ihnen zu verdanken, dass der Mörder von Professor Sanctus und Verantwortlicher auf weitere Angriffe gegenüber Ihnen Mr. Potter, gefasst wurde." Er seufzte tief und Draco musste sich ein Schnauben verkneifen. „Desweiteren werden ihre Ausflüge nach Hogsmeade ausfallen und sie werden stattdessen mit Mr. Filch zusammenarbeiten. Neben ihrer eigentlichen Strafarbeit, natürlich."
Natürlich, dachte Draco aufgebracht und schaute auf seine Hände. Wir haben nur eine Irre gefasst, die die Lehrer wahrscheinlich nie entlarvt hätten, aber hey, das war doch gar nichts. Leute wie Harry und ich machen das vor dem Frühstück.
Draco schaute verwirrt auf. Woher kam dieser plötzliche Anfall von Sarkasmus?
„Sie können nun gehen.", erinnerte sie Dumbledore gelassen und beide Jungen sprangen förmlich auf.
Draco für seinen Teil musste sich zwingen das Büro nicht zu schnell zu verlassen.
„Und das bekommt man, wenn man der Retter der Zaubererwelt ist?", fragte Draco nachdem sie das Büro verlassen hatten.
„Glaub mir, ich habe mir auch ein anderes Leben gewünscht."