4. Champagner, Tea and Wine
I) Die zweite Zeichnung, die Voldemort gemacht hatte, zeigte eine Familie.
Zwei Frauen saßen auf zwei gepolsterten Stühlen und man hätte sie für Zwillinge halten können. Doch die Rechte war blond und lächelte streng. Die Haare der Linken waren schwarz wie die Farbe der Nacht und der Umhänge der Gestalten, die sich darin tummelten und ihre Augen hatten einen kalten Schimmer.
Vor ihnen saß auf einem Kissen ein brünettes Mädchen, das den Betrachter schüchtern anlächelte und eine Puppe im Schoß trug. Hinter dem Stuhl der blonden Zwillingsschwester stand mit vorgereckten Kinn der Vater mit ordentlich getrimmten Spitzbart und mit Gehstock in der Hand, mit dem er gerne zur Ordnung rief.
Hinter der Schwarzhaarigen standen zwei Personen. Eine junge, rothaarige Frau im blauen Kleid, die grinste und ein junger, gutaussehender Mann mit brünetten Haaren, der sich einmal zwecks einer Vertuschungsaktion, die nie erzählt wurde, mit Tom in einer Kneipe geprügelt hatte.
Sie wirkten wie eine harmonische, normale Familie, doch es gab sie nur in der Vorstellung und in der Erinnerung mancher.
II) Zwei Monate zuvor, der Mittwinterball der Zaubereiministerin Millicent Bagnold
„Was ich schon immer mal wissen wollte... Wo verstecken die Damen bei so einem Festumhang eigentlich ihren Zauberstab?"
„Ach, wenn Ihnen das jetzt verrate, wird ihre Frau eifersüchtig."
Helena zwinkerte und nippte an ihrem Glas. Sie und der errötende Herr vor ihr saßen am Tisch der Ministerin in der glitzernd geschmückten Festhalle.
Der Champagner war genauso prickelnd wie die Unterhaltungen, doch als das Gespräch auf die Tanzfähigkeiten der Tischgäste kam und besonders die Frage nach dem Feuertanz gestellt wurde, der Kür jeden guten Tänzers, wurde Helena auf einmal sehr einsilbig.
Sie gab zu, ihn zu beherrschen, wehrte aber charmant die Bitten ab, ihn mit dem Mann von Millicent zu versuchen, der ihn ebenfalls beherrschte.
„Helena! Tanzen Sie! Das ist ein Befehl!", meinte die Ministerin. Unwillig stand Helena auf, ging mit dem Ministergatten, der charmant lächelte, zum Showmaster, der die Bühne räumte.
Der Feuertanz hieß deswegen so, weil in der Mitte des Tanzstücks das Kleid der Dame in Flammen stand, die sie benutzte, ihren Tanzpartner mit Schlangen aus Feuer in die Luft zu heben.
Er endete mit den zusammengesunkenen Gestalten des Tanzpaares.
Das Licht ging wieder an und beide verneigten sich vor dem tosenden Applaus.
„Will ein Mann jetzt noch überhaupt mit Miss Fawley tanzen?", rief der Showmaster übermütig.
Seinem Spott wurden sehr viele Hände entgegengehoben.
Helena lächelte geschmeichelt, wimmelte die vielen Bewerber aber ab, unter dem Vorwand, erschöpft und durstig zu sein und setzte sich wieder an den Tisch.
Nach ein paar Minuten erklang eine warme Stimme hinter ihr.
„Ich wusste, dass Sie neben den Heilen noch andere Talente besitzen."
Helena schaute überrascht auf und lächelte. „Professor Dumbledore! Schön, Sie zu sehen!"
„Albus, meine Liebe, bei dem Professor fühle ich mich alt." Dumbledore, der mittlerweile der ergraute Schulleiter geworden war, lächelte verschmitzt. „Darf ein ehemaliger Lehrer Sie zum Tanzen auffordern?"
Helena nickte und die beiden schwebten kurz darauf über die drei Bühnen, die aussahen, als seien sie aus festen Goldstaub gemacht und die in dem großen Festsaal übereinander schwebten. Die Höchste reichte bis fast zu der bemalten Decke, dessen mythologischen Figuren Dumbledore Helena erklärte.
Nach dem Tanz bat Dumbledore um ein Treffen im Tropfenden Kessel, um „bei Tee und Schach ein bisschen zu plaudern". Helena sagte zu und sie verneigten sich höflich voreinander.
„Wer tanzt eigentlich besser? Der dunkle Lord oder Dumbledore?" grinste Aaron Nott, als Helena an ihm vorbeilief.
„Der dunkle Lord führt besser.", antwortete Helena und Aaron prustete in sein Glas.
Als das offizielle Programm vorbei war und der Abend sich zum Ende neigte, zogen sich die kleine Ministerin und die große -Leiterin in den Garten zurück.
Sie machten einen kleinen Spaziergang durch die nur vom Mond erhellten Sträucher und Statuen, entfernt von dem Trubel des Balls. Beide hatten ihre Champagnergläser in der Hand.
„Der Witz vom Showmaster war unangebracht. Aber sagen Sie mal im Ernst, warum wollen Sie nicht heiraten?", fragte Millicent und schaute zu der Frau neben ihr hoch. Zwischen den beiden Frauen hatte sich im Lauf der Jahre einen ehrlichen Respekt entwickelt. Beide führten ihre Zuständigkeitsbereiche mit harter, aber gerechter Hand und eine gewisse Wesensverwandtschaft ließ auch Raum für persönlichere Gespräche.
Helena antwortete ihr mit der gewohnten knappen, sachlichen Weise. „Ich sehe keinen Sinn darin, in den Mittelpunkt meines Lebens einen Mann zu stellen, der meine ohnehin schon knappe Zeit und Energie beansprucht."
Sie kamen an ein kleines Mäuerchen, auf dem sie ihre Gläser abstellten. Millicent seufzte.
„Tja, das ist ein Fehler unserer Gesellschaft. Es ist einem nicht erlaubt, alleine zu sein. Wir alle haben von dem Zauberstab des Zauberers und dem Kessel der Hexe gehört. Und wir Hexen sind alle von unseren Müttern ermahnt worden, unseren Kessel sauber zu halten. Was ist mit ihrem Kessel?"
„Ich denke, er ist dazu da, mit ihm Zaubertränke zu brauen und nicht im Regal zu stehen und zu verstauben."
Die Ministerin lächelte in sich hinein. „Von mir aus." Dann seufzte sie wieder. „Aber es wird nun mal erwartet, dass eben nur einer im Kessel rührt."
„Fangen Sie jetzt auch damit an?", meinte Helena leicht genervt.
„Ich rate es ihnen nur."
„Aber haben Sie einen bestimmten Kandidaten im Kopf.", erwiderte Helena.
„Ja. Ich kann mir nur einen vorstellen. Dumbledore.", sagte Millicent ernst.
Helena hatte gerade ein Schluck Champagner getrunken, prustete und verschluckte sich. Sie hustete und sagte dann: „Dumbledore?! Es könnte mein Vater sein! Wenn nicht sogar mein Großvater!"
„Aber er ist es nicht. Und er ist der Einzige, der intellektuell und kräftemäßig in ihrer Liga spielt."
beharrte die Ministerin. „Abgesehen von dem Dunklen Lord, aber der ist garantiert nicht an einer Beziehung interessiert."
Helena nahm ein ausgiebigen Schluck Champagner und sagte ernst: „Ich denke, da haben ich, Dumbledore und der Dunkle Lord eine Gemeinsamkeit."
„Na gut, das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass es ein Unterschied ist, dass Sie eine Frau sind und Sie deswegen in den Augen der Gesellschaft unter die Haube gehören!" Ihre Stimme wurde sehr ernst. „Sagen Sie es mir ehrlich. Warum wollen Sie nicht heiraten?"
Helena seufzte.
„Ich sehe nicht ein, warum ich meine ohnehin schon knapp bemessene Zeit und Kraftressourcen in eine lebenslange Bindung mit einem Mann investieren sollte, deren einziges Nutzen ist, dass auf Bällen und Partys über etwas anderes als über meinen Beziehungsstatus gelästert wird. Ich werde nicht heiraten. Würden Sie nochmal heiraten, wenn es für ihre Karriere egal wäre?"
Millicent schaute in den dunklen Garten. „Ich liebe meinen Mann. Aber ich denke nicht."
Sie schwiegen einige Minuten. Dann wechselte Millicent das Thema und sagte in die Stille hinein.
"Helena Fawley, kennen Sie das Tier in sich?" Sie wandte den Kopf und schaute Helena in die Augen.
"Ja."
Millicent hatte Jahre später das unbestimmte Gefühl, so ein wages Gefühl in der Magengegend, das langsam zum Gehirn aufsteigt und sich dort zur Gewissheit verfestigt, dass das, das einzige Mal war, wo Helena ehrlich zu ihr war.
Die Ministerin fuhr fort. „Es ist schwer, das hier zu genießen, wenn man weiß, dass sich dieses Monster da draußen immer noch irgendwo versteckt. Vielleicht haben Sie sogar Recht. Vielleicht habe ich nichts weiter vorzuweisen als unsere alten Gesetzbücher, während er die Hoffnungen von so vielen nährt, endlich ans Tageslicht treten zu können und die ganze Magie nicht mehr verstecken zu müssen. Aber dann gebe es Chaos. Und wie kann ein Mann auf der Seite des Volkes stehen, wenn er so viele von ihnen regelmäßig attackiert? Wissen Sie, was der dunkle Lord in seinem letzten Brief geschrieben hat?"
Der Briefwechsel hatte mit einer Morddrohung seitens des Dunklen Lords angefangen. Stur wie die Ministerin war, hatte sie es sich nicht nehmen lassen, ihm eine höchst unfreundliche Antwort zurückzuschicken, in dem sie ihn grob zusammengefasst dazu aufforderte, sich zurück in die Hölle zu scheren, wo er als Teufel hingehöre. Daraus hatte sich ein reger Briefwechsel entwickelt.
Beide verwendeten selbstverständlich Eulen, die einem in die Hand bissen und sich weigerten die Briefe zuzustellen, sobald man versuchte, sie mit Ortungszaubern zu belegen.
„Er hat geschrieben, er sei lieber der böse Mann als der tote Mann."
„Ja, das klingt ganz nach dem dunklen Lord." Amüsiert trank Helena ihren Champagner leer.
„Ja, aber ich meine, was soll ich darauf antworten?", grummelte die Ministerin.
„Dass es bemitleidenswert ist, dass er nichts hat, für das es sich zum Sterben lohnt.", sagte Helena schlicht.
„Das ist gut." Millicent grinste. Sie blieben noch eine Weile im Garten, dann verabschiedete Helena sich.
II) Vier Tage später, Zur brennenden Hex, Nebenzimmer
„Das sind Mörder, Verbrecher und Terroristen"
„Und ich war mit ihnen Schlittschuhlaufen. Ich verstehe, worauf sie hinauswollen. Sie wollen mich warnen." Helena stellte ihre Teetasse auf dem fleckigen Schenkentisch ab und zog einen weißen Bauer auf dem Schachbrett vor.
„Nicht nur.", sagte Dumbledore. Helena zog eine Augenbraue hoch, aber Dumbledore beachtete ihren fragenden Blick nicht und beugte sich vor, um seinen ersten Schachzug zu machen. Dann fuhr er unbekümmert fort.
„Wissen Sie, das Spiel endet dann, wenn der König fällt. Aber es ist doch meistens die weiße Dame, deren Zug den Ausgang entscheidet. Auch Sie waren in der Schule sehr begabt, Helena."
Sie verstand, worauf er hinauswollte, wehrte aber ab. „Jetzt übertreiben Sie mal nicht, Professor. Ich habe oft erlebt, wie ein einfacher Bauer eine Dame geschlagen hat. Außerdem entscheiden die Spieler über Sieg und Niederlage und nicht die Spielfiguren."
„Da gebe ich Ihnen Recht. Aber in diesem Fall entscheiden die Spielfiguren selbst, welchem Puppenspieler sie sich ihnen überlassen. " Er sprach längst nicht mehr über das Schachbrett, das zwischen ihnen lag. „Außerdem sollten Sie nicht so bescheiden sein."
„Und das sagt mir ausgerechnet das Musterbeispiel an Bescheidenheit",erwiderte Helena mit einem koketten Lächeln.
Dumbledore trank stirnrunzelnd von seinem Tee und fragte dann: „Haben Sie eine Erklärung für all das, was gerade passiert? Diese Attacken, Regelbrüche und Muggeljagden? Diese Begeisterung für die Lehre, die der dunkle Lord verbreitet? Viele Leute in ihrem Alter stehen ihm nicht so ablehnend gegenüber, wie sie es sein sollten. Können Sie sich das erklären?"
Helenas Schultern zuckten und sie schwieg eine Weile. Sie drehte einen herausgeworfenen Turm in der Hand. „Wir sind die Kriegsgeneration. Erinnern Sie sich, wie wir als Schüler die Opfer des Angriffs auf Hogsmeade begraben mussten? Diese Kinder vom Grab sind jetzt erwachsen."
Dumbledore trank einen Schluck Tee. „Ja, ich erinnere mich. Sie haben ihm damals ein Taschentuch gereicht."
„Weil ich dachte, er weint."
„Helena, er kann nicht weinen, merken Sie sich das gut. Die Zeiten waren schrecklich damals und ich gebe zu, die Muggel haben uns damals sehr eindrücklich demonstriert, dass sie nicht mehr so schwach und harmlos sind. Aber man rennt mit den Wölfen gegen Füchse, wenn man sich dem Dunklen Lord anschließt. Und einen Krieg verhindern zu wollen, ist kein Grund einen anzufangen."
„Und was tut das Ministerium? Oder ihr Buchclub?",erwiderte Helena gelassen. Sie hatte sich mit überschlagenen Beinen entspannt zurückgelehnt. Ihre Hände ruhten verschränkt auf ihrem Knie.
Dumbledore räusperte sich. „Zugegeben, es ist schon lange kein Buchclub mehr. Aber wir vom Orden des Phönix sind immer bestrebt, das Richtige zu tun."
Dann wechselte er prompt das Thema. „Wussten Sie, dass er ein Halbblut ist?"
„Ja." Helenas Stimme war noch immer entspannt.
„Und ? Was halten sie davon?"
„Ich denke, es ist eine Ironie der Geschichte."
„Wissen Sie, was ich meine? Ich denke, es ist eher ein ernstzunehmender Widerspruch, wenn ausgerechnet ein Halbblut die Bewegung gegen unreines Blut anführt."
„Das Blut ist also doch wichtig?" Dumbledore zögerte mit seiner Antwort und sie fuhr im unbeschwerten Ton fort.
„Eine Utopie zu vertreten ist immer sehr einfach, aber wenn man danach handelt, gestaltet sich die Sache immer etwas unsauberer."
Dumbledore erwiderte bloß: „Sie sind dran."
Dann nahm er einen Schluck Tee, stellte die Tasse weg und taxierte sie mit einem kalten Blick, den sie offen erwiderte. Das Blau in ihrer beiden Augen prallte wie Stahl aufeinander.
„Hat er sie kontaktiert?" fragte Dumbledore unvermittelt.
„Ja."
„Hat er Sie aufgefordert, sich ihm anzuschließen?"
„Ja."
„Was haben sie erwidert?"
„Nein."
„Warum?"
Sie lehnte sich nach vorne, trank ein wenig Tee und machte ihren Zug. Sie seufzte und sagte:
„Wussten Sie, dass Weiß eigentlich gar keine Farbe ist? Weiß ist das Fehlen aller Farben. Sie ist die Nicht-Farbe und steht außerhalb des Farbenkreises. Sie steht für das Göttliche und die Neutralität. Deswegen tragen auch Angehörige der Heilertums diese Farbe. Als Heilerin kenne ich kein größeres Wohl, Albus, sondern nur das kleinere Übel. Beantwortet das ihre Frage?"
„Ja."
„Gut. Schachmatt."
Dumbledore warf einen kurzen Blick auf das Schachbrett und lächelte. „Ich sagte doch, Sie sind begabt." Er wurde wieder ernst. „Ich kann sie nur vor Voldemort warnen. Er ist ein großartiger Zauberer. Nicht nur so, wie wir das Wort für uns verwenden, sondern auch einer in der Welt der Muggel, der, der die Kaninchen aus dem Hut zaubert. Er ist ein großer Illusionist, er weiß, wie man die Massen zum Staunen bringt, wie man sie bewegt. Die Leuten dazu zu bringen, nicht zu sehen, was sie sehen, die Aufmerksamkeit zu lenken, als wäre sie ein Lichtstrahl, der treu seiner ausgestreckten Hand folgt, diese Kunst beherrscht er spielend und er liebt es, in die verwunderten Augen des Publikums zu blicken. Merken Sie sich das."
„Das werde ich. Ich muss jetzt nun aber wirklich nach Hause aufbrechen." Helena stand auf und nahm ihren Mantel, in den Dumbledore ihr galant hineinhalf. Als sie sich wieder zu ihm herumdrehte, schaute er ihr fest in die Augen. Er war ein wenig größer als sie. „Wenn Sie Hilfe brauchen, kommen Sie zu mir. Wir haben immer ein Platz im Orden des Phönix für Sie."
Sein Blick wurde traurig und er hob die Hände, um sie auf ihre Schultern zu legen .
„Soviel Verantwortung auf so schmalen Schultern." meinte er leise. Helena beruhigte ihn unbeschwert. "Diese Schultern schaffen das schon." Sie verabschiedeten sich. Dumbledore sah ihr mit einem traurigen Lächeln nach.
III) „Lies."
Sie saßen beide in seinem Arbeitszimmer und der dunkle Lord schob einen Pergamentbogen über seinen Schreibtisch, der zwischen ihnen stand.
Helena nahm den Brief mit der runden, mädchenhaften Schrift, die garnicht zu der Zaubereiministerin zu passen schien. Sie schaute eigentlich nur kurz auf das Pergament, aber Voldemort meinte spöttisch: „Du brauchst nicht so lange zum Lesen, Helena."
Diese schaute ertappt auf und legte den Brief zurück auf seinen Schreibtisch.
„Es ist bemitleidenswert, dass ich nichts habe, für das es sich zum Sterben lohnt" zitierte Voldemort den Brief mit höhnischer Stimme. „Das stammt von dir, oder?"
Helena legte den Brief vorsichtig auf den Schreibtisch. „Jaa." sagte sie kleinlaut.
Vor achtzehn Jahren waren sie alle mit einem Glas Rotwein in der Hand in diesem Raum gesessen und Voldemort hatte am Feuer gestanden und ihnen alles erklärt.
„Seid nicht so blauäugig und denkt, wir könnten für immer in Frieden abseits von den Muggeln leben. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie uns entdecken. Und ich frage mich, ob es nicht klüger wäre, den Überraschungsmoment für uns zu nutzen, denn wir machen nur einen Bruchteil der gesamten Weltbevölkerung aus.
Noch sind sie schwach genug, dass wir sie besiegen können, aber sie werden stärker und stärker. Schon jetzt kann ein Muggel einen Zauberer einfach so erschießen. Meine Freunde, ihr denkt jetzt wahrscheinlich; warum kein Friede zwischen Zauberer und Muggel? Wer so denkt, sollte sie sich anschauen! Zwei Kriege, die die Welt ins Verderben stürzten, allein in diesem Jahrhundert!
Wie werden sie wohl auf uns reagieren? Wir, die so vollkommen anders sind als sie?
Die vollkommener sind als sie! Werden sie uns mit Posaunen und Blumen willkommen heißen? Nein! Allem Unbekanntem begegnen sie mit Hass! Denkt an die Hexenverfolgungen! Es hat sich nichts geändert seit wir uns zurückziehen mussten!"
Magnus bekräftigte ihn in der folgenden Pause. „Die Frage ist nicht, ob es Krieg gibt sondern wann!Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist!"
„Ja, Magnus" fuhr Voldemort fort. „Mit dem Unterschied, das dass hier kein Krieg wird. Es wird auch keine Revolution. Denn ein Krieg braucht eine Front und eine Revolution braucht eine Straße, auf die man geht. Wir aber werden überall es wird lange dauern, meine Freunde, sehr lange.
Aber ihr werdet euch gefragt haben, warum ich? Warum ist alles auf mich konzentriert?" Er sprach die Worte mit Nachdruck. „Wisst ihr, meine Freunde, Ideen sind unsterblich, aber ihr seid es nicht. Ich schon. Und solange ich überdauere, überdauert unsere Idee. Ich bin jetzt der Kopf, der einzige Kopf, ich hoffe nur ich bin nicht das einzige Herz."
"Das seid ihr nicht, Mylord."
Voldemort saß nun achtzehn Jahre später an seinem Schreibtisch und musste sich mit dem Vorwurf, auseinandersetzen, nichts zu haben, für das es sich zu Sterben lohne.
„Weißt du, was ich Millicent geantwortet habe?" fragte er Helena mit ruhiger Stimme.
„Dass du dafür etwas hast, für das es sich ewig zu leben lohnt?"
„Exakt."
In dem Briefwechsel zwischen Zaubereiministerin und dem dunklen Lord ging es so weiter.
Liest man sich diese Briefe durch, so wünscht man sich, die beiden hätten sich zumindest einmal von Angesicht zu Angesicht gegenüber gestanden.
„Leben ist wie Gold. Gäbe es zuviel davon, wäre es wertlos!"
„Warum begehren dann alle den Stein der Weisen?"
„Nur Geistesgestörte und Verrückte wollen den Stein der Weisen!"
„Falsch. Alle wollen den Stein der Weisen. Aber nur Verrückte und Geistesgestörte trauen sich, ihn zu suchen."
An diesem Punkt wäre die entscheidende Frage gewesen, ob wirklich alle Menschen blind nach ihrem eigenen Glück strebten. Je nachdem wie man sie beantwortete, so würde man sich auf eine Seite stellen.
Helena für ihren Teil hätte diese Diskussion zwischen Millicent und Voldemort genauso nachstellen können. Sie kannte die Argumente beider Seiten. Voldemort wusste das.
Nun stand Helena auf und entschuldigte sich. Dumbledore hatte sie zum Tee und zum Schach in den Tropfenden Kessel eingeladen
