25. WO BITTE SEHR STARRST DU HIN
Sharons POV
Sharons Chucks rutschten prompt auf einer durchsichtigen Flüssigkeit aus, als sie in den Chemieraum stürmte. In letzter Sekunde umklammerte sie Nathan, der zufällig gerade hinter ihr den Raum betrat. "WAS ZUR HÖLLE!?", fluchte Sharon immer noch dank Mr. Sunburn aufgebracht. Mit gerunzelter Stirn kam Mrs. Owl auf sie zu, in einem perfekt sitzenden Chemie-Kittel gekleidet.
"Ralph war aufgrund seines leichten, durch Rauschmittel bedingten, umnebelten Geisteszustandes es für angebrachter befunden, das destillierte Wasser auf den Boden zu verteilen, anstatt es auf seinen Tisch zu stellen. Er ist gerade dabei, Ordnung zu schaffen.", refferierte Mrs. Owl und warf ein paar vernichtende Blicke in Richtung Ralph, der mit einem verträumten Blick und einem Schwamm in der Hand auf den Boden starrte.
"Als erstes bekommt ihr eure Tests wieder. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen ist er ganz annehmbar ausgefallen.", begann Mrs. Owl. Ein hörbares Seufzen der Erleichterung ging durch die Klasse. Gelassen lehnte ich Sharon in ihrem Stuhl zurück. Sie hatte wie verrückt für diesen Test gelernt und zur Abwechslung hatte sie alle Fragen im Test mit Leichtigkeit beantworten können. Da sollte doch eine gute Note für sie drin sein.
Laut vernehmbar knallte Mrs. Owl Sharons Test auf den Tisch. "Ich bin enttäuscht.", sagte sie schlicht zu Sharon. Sharons dunkelgrüne Augen weiteten sich vor Entsetzen. 3 Punkte. Eine 5+. ERNSTHAFT. DAS KANN NICHT SEIN!, dachte Sharon, während sie langsam ihren Test durchging und ab und zu auf den 2+ Test von Nathan neben ihr starrte. Sie wusste absolut nicht, was sie falsch gemacht hatte. Irritiert versuchte Sharon Blickkontakt mit Mrs. Owl aufzunehmen. Ganz kurz nur sah sie direkt in Mrs. Owls graue Augen, bevor diese den Kopf abwandt und mit Lorenz zu sprechen begann, der nicht kapierte warum er nur 10 von 11 Punkten in der 2. Aufgabe bekommen hatte.
Die Stunde endete damit, dass Mrs. Owl einen erneuten Test für die nächste Woche am Dienstag ankündigte. Sharon nahm sich vor, dieses Mal nicht zu versagen. Irgendetwas stimmte hier absolut nicht.
Dilans POV
Nervös fummelte Dilan am Saum seiner College-Jacke herum, während Mrs. Amour wie eine Raubkatze vor ihm auf und ab schritt. Das klacken ihrer High-Heels hallte als einziges Geräusch laut vernehmbar durch ihr Büro. Dilan saß auf einem Stuhl vor ihrem Schreibtisch, während er beobachtete, wie ihr glänzendes rotes Haar sich wie ein blutroter Wasserfall auf ihre Schultern ergoss und bei jedem Schritt auf und ab wippte.
"Also.", begann Mrs. Amour und Dilan zuckte überrascht zusammen. "Ich habe erfahren, dass Ruez Sharon fragen möchte, ob sie zusammen mit ihm zu diesem Halloween-Ball geht.", sagte sie und ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie Dilan ansah und bemerkte, wo er die ganze Zeit hingestarrt hatte. Mit hochrotem Kopf löste Dilan seinen Blick von seiner Französischlehrerin. "Ich will, dass du sie zuerst fragst. An einem öffentlichen Ort, während Ruez dabei ist.", befahl Mrs. Amour.
"Wie bitte, WAS?! Wissen sie wie anstrengend es ist, nur mit ihr zu reden? Ich kann das auf keinen Fall. Nie und nimmer.", stotterte Dilan panisch. Enttäuscht sah Mrs. Amour ihn an. "Scheint, als ob nur neue Klamotten nicht ausreichen würden, um aus dir einen echten Mann zu machen.", seufzte sie. Ihr sonst immer warmer und verführerischer Blick wurde zwingend. "Du WIRST sie fragen. Du kannst mit mir üben!", befahl Mrs. Amour. "Sharon ist für dich eine wesentlich bessere Partie als diese kleinen blondierten Schlampen, mit denen du andauernd rummachst.", höhnte sie.
"Und wenn ich...immer noch nicht will?!", versuchte Dilan mit einem letzten Rest Mut zu widersprechen. Sie kicherte Belustigt. "Ohne mich wärst du immer noch der größte Loser dieser Schule, mein junger Freund. Vertrau mir einfach.", antwortete Mrs. Amour. Sie setzte sich wieder hinter ihren Schreibtisch, schlug ihre langen, eleganten Beine übereinander und bedeutete Dilan mit einer Handbewegung den Raum zu verlassen.
Sharons POV
Seit 4 Tagen schleppte sich Sharon von Unterricht zu Unterricht und büffelte Nachmittags wie besessen für den Chemie-Test. Sie hatte in den letzten Tagen kaum mit ihren Freunden getroffen und Ruez schien ihr andauernd hinterher zu schleiche, als wollte er ihr etwas sagen, ohne sich zu trauen. Es war Freitag, das Wochenende war endlich in Reichweite. Gleich nach dem Klingeln lief Sharon auf dem Flur zu ihrem Schließfach, wo sie sich noch von Kathrine und Haley verabschieden wollte. Sie drängelte sich durch eine wahre Schüler-Invasion und hatte Mühe keinen 7. Klässler über den Haufen zu rennen.
An ihrem Schließfach stand Kathrine mit Grabesmiene. Verwirrt kam Sharon näher, als sie auch schon den Grund für ihre Verstimmtheit fand: Dilan stand lässig an den Schließfächern gelehnt neben ihr. In der Nähe standen Rei, Nathan, Angelo und Ruez und warfen immer mal wieder einen vernichtenden Blick zu Dilan herüber. Als Dilan sie erblickte, brachte er ein strahlendes Lächeln hervor und strich sich eine tief dunkelbraune Strähne seiner neuerdings modisch gekürzten Haare aus der Stirn.
Was jetzt geschah erschien Sharon wie ein Traum, bei dem sie sich selbst als unbeteiligte Person von außen beobachtete. Dilan trat auf sie zu, nahm ihre Hand und kniete sich vor sie hin. Er entschuldigte sich mit lauter Stimme bei ihr, für alle Gemeinheiten, die er ihr gegenüber von sich gegeben hatte. Er lächelte sie sogar charmant dabei an, ganz der Gentleman. Und dann kam es.
"Möchtest du mich zum Halloween-Ball begleiten?", fragte er. Der ganze Flur schien still zu stehen. Hunderte Schüler hatten sich zu ihnen umgedreht und brachen jetzt bei seinen Worten in lauten Anfeuerungsrufen auf. Am Rande ihres Sichtfeldes bemerkte Sharon, dass Ruez rot angelaufen war und von Nathan und Rei zurückgehalten wurde, während Angelo eindringlich auf ihn einredete. Sein Blick war mörderisch. "Ich...ich...", stammelte Sharon. Ihr Hirn schien wie benebelt. Dilan schien ihr Zögern zu bemerken, küsste ihr auf die Hand und flüsterte "Überlege es dir!", in ihr Ohr, während er in der johlenden Masse verschwand.
Ruez brüllte irgendetwas durch die Gegend, während Rei ihn Richtung Jungstoilette bugsierte und Kathrine hatte sich vor Entsetzen gegen die Schließfächer sinken lassen und die Augen geschlossen. Irrationaler Weise begann Sharon zu lachen, während sie auf den Schulausgang zustürmte. Sie hatte die letzten paar Jahre an dieser Schule komplett heil überstanden, dann tauchten aus dem Nichts diese neuen Lehrer auf und die halbe Welt spielt verrückt. Dieses Schuljahr würde in die Geschichte eingehen, dachte Sharon. Als das Schuljahr, in dem die Welt beschlossen hatte, Sharon Mainster so sehr zu vernichten, dass sie ihr ganzes Leben noch etwas davon hatte.
