Disclaimer: Wenn ich JKR wäre, hätte ich Kohle. Ich schreibe, weil es mir Riesenspaß macht. Bitte nicht klagen!

Viel Spaß beim Lesen!

Cassie

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Kapitel 24 – The American dream

Das Problem mit diesem riesigen Menschenhaus ist, seiner Meinung nach, dass man nie etwas finden kann. Obwohl er natürlich weiß, dass die Menschen Schilder benutzen, um sich zurechtzufinden, weiß er nicht, wie man eine Person findet. Denn dafür gibt es sicherlich kein Schild. Er hatte seine Sinne aber auch das nutzte ihm gar nichts wenn dieser jemand den man suchte, außerhalb der Reichweite seiner Nase ist. Aber wahrscheinlich benutzen die Menschen die Magie dafür. Denn er hat gelernt dass wann auch immer ihm etwas als unmöglich vorkommt, dass man dafür die Magie benutzt.

Amu konnte Magie. Nichts Beeindruckendes wie sein Meister aber doch hat es ihm schon oft geholfen. Sein Meister hat viel mit ihm daran gearbeitet und Amu ist ihm dafür dankbar. Er ist mehr als eine Schlange. Er ist auch teilweise ein Zauberer, eine Tatsache, auf die er sehr stolz ist. Vor allem kann er spüren, was ihm die Menschen sagen, auf welcher Sprache auch immer sie sprechen, aber leider nichts Bestimmtes. Sein Meister behauptet, dass er die Gedanken der Menschen und nicht die Stimme höre, aber Amu ist es egal. Es funktioniert. Und es ist auch etwas, was seine Mutter nicht so gut tun kann, wie er. Es ist eine Gabe.

Er biegt um die Ecke und zwei weibliche Menschen erstarren als sie ihn erblicken. Amu gibt ein gefährliches Zischen von sich, um sie noch mehr zu erschrecken, was ihm immer Spaß gemacht hat. Aber heute scheint ihm nicht viel Spaß zu machen. Langsam gleitet er weiter den Korridor entlang, versuchend, ihren Geruch wahrzunehmen aber alles was er riecht, ist schon ziemlich alt. Wo ist sie?

Obwohl er sich sehr schnell bewegen kann, wenn er so will, nimmt er sich diesmal die Zeit, um die Luft zu beschnüffeln und zu versuchen, seine Mutter zu finden. Als er tiefer in das Menschenhaus schlängelt findet er endlich den Überrest ihres Geruchs, der ziemlich frisch ist. Zielstrebig biegt er um die Ecke und findet sich in einem runden Zimmer, wo er endlich seine Mutter erblickt, welche einen schwarzen Stein zu streicheln scheint.

~Ich hab dich überall gesucht,~ sagt er, sich ihr nähernd. Ihm entgeht es nicht, dass sie den Stein liebevoll mit ihren Schwanz streichelt. Er kann auch spüren, dass sie traurig ist.

~Was machst du?~ fragt er sie.

Nagini dreht den Kopf und schaut ihn an. Amu ist erstaunt herauszufinden, dass sie geweint hat.

~Er liegt hier, unter diesem Stein,~ sagt seine Mutter, den Kopf wieder dem Stein zudrehend.

Ihr Sohn züngelt mit der Zunge. Ihm gefällt der Geruch der Blumen nicht, der in diesem Raum besonders stark ist. Aber er weiß gleich, über wen sie redet. Über ihren eigenen Meister, den großen Schwarzmagier, bei dem sie aufgewachsen ist. Amu erinnert sich an ihre Geschichten über ihn die sie ihm erzählt hat als er ein Baby war und bevor sie ihn seinem Meister gegeben hat. Amu wollte nicht weg von seiner Mutter, aber sie hat ihm erzählt, dass er ein großer Zauberer sei der sich gut um ihn kümmern wird. Das tut er. Amu hat viel mehr bekommen, als er je träumen könnte. Eines Tages, hat sie zu ihm gesagt, werden wir wieder zusammen sein. Und auch das ist wahr geworden.

Amu weiß nicht, wie er sich fühlen würde, wäre sein eigener Meister weg. Er kann auch nicht verstehen, wohin er gegangen ist wenn er laut seiner Mutter unter diesem Stein liegt. Seine Mutter hat ihm erzählt, dass er tot ist. Das heißt, sein Körper ist hier aber seine Seele nicht. Was soll denn eine Seele sein? Nagini erklärte ihm seufzend dass das ist, was wir wirklich sind. Der Teil von dir, der denkt, der fühlt, der die Welt um sich wahrnimmt und der sich auf Sachen freut – das ist deine Seele. Und dein Körper sei nur da sodass sich deine Seele herumbewegen könne.

Amu fand diese Erklärung sehr gut. Und da dieser Körper des großen Schwarzmagiers offensichtlich kaputt war, konnte sich seine Seele nicht mehr herumbewegen. Das ergab einen Sinn. Aber das erklärte noch immer nicht wo seine Seele momentan ist.

~Auf einem sehr schönen Ort,~ sagt seine Mutter zu ihm als er ihr diese Frage stellt. ~Meister sagte immer, dass dieser Ort sogar viel schöner als dieser sei. Dort muss man sich um nichts Sorgen machen und hat alles, was man braucht. Dort ist man frei weil man keinen Körper mehr besitzt.~

Dabei ist es zu einem Kurzschluss in Amus Kopf gekommen weil das, seiner Schlangenmeinung nach, ein Widerspruch war. Wie kann man bitteschön frei sein, wenn man sich nicht bewegen kann? Es klang nach Gefangenschaft.

Aber er lässt es durchgehen und konzentriert sich stattdessen auf seine Mutter.

~Ich muss weg, mein Sohn,~ sagt sie zu ihm. ~Hier gibt es nichts mehr für mich.~

~Weil er nicht mehr da ist?~ fragt Amu verzweifelt. Er will nicht, dass sie geht. ~Aber mein Meister behauptet, er komme wieder zurück. Er wird sich einen anderen Körper finden, sodass er sich herumbewegen kann.~

Seine Mutter züngelt traurig mit der Zunge.

~Und dein Meister weiß auch nicht, wann das passiert, oder? Es könnte eine lange Zeit dauern,~ sagt sie. ~Er ist weg. Trotzdem kann ich unsere Verbindung noch spüren...~

Sie schaut zum schwarzen Stein hoch und fährt wieder mit dem Schwanz darüber.

~Hat er dir irgendwelche Anweisungen gegeben?~ fragt Amu. Denn er weiß sehr gut, was Anweisungen sind.

~Nein,~ sagt seine Mutter. ~Er hat mir natürlich gesagt, dass er bald nicht mehr hier sein wird aber er hatte keine Anweisungen für mich.~

Amu senkt den Kopf und denkt darüber nach, was er sonst sagen könnte, sodass seine Mutter hier bleibt.

~Du bist aufgewachsen, mein Sohn,~ sagt sie. ~Und du hast deinen Meister. Ein sehr langes Leben steht vor dir. Ich wiederum habe keine Aufgaben mehr. Natürlich werde ich versuchen, auf meinen Meister zu warten aber obwohl ich noch immer unsere Verbindung spüren kann, werde ich schnell alt. Schließlich war es seine Magie die mich so groß gemacht und mir solch ein langes Leben geschenkt hat.~

Amu sagt nichts, weiß aber dass sie Recht hat. Er erinnert sich nur allzu gut daran, wie stolz er war, als er schnell zu wachsen begann nachdem sein Meister ihn an sich gebunden hat. Und er weiß dass diese Sache, die alles erklärt und möglich macht, die Magie, dafür verantwortlich war. Ob sein Meister auch seine Mutter an sich binden kann? Amu weiß es nicht.

~Ich möchte auch meine anderen Kinder suchen und sehen, wie es ihnen geht,~ fährt Nagini fort. ~Denn früher hatte ich keine Zeit dafür. Jetzt aber schon.~

Sie reibt liebevoll den Kopf gegen seinen und Amu züngelt mit der Zunge. Er weiß dass sie sich ständig Sorgen um ihre Kinder gemacht hat, die sie alleine gelassen hat. Außer ihm. Sie hat ihn ausgewählt und ihn seinem Meister in diese Schule geschickt. Amu erinnert sich an den Neid seiner Geschwister aber in diesem Moment würde er lieber an ihrer Stelle sein. Aber er sollte sich nicht beklagen. Er hat mehrere glückliche Jahre bei seiner Mutter verbracht und zusammen haben sie die zwei Schwarzmagier überallhin begleitet und Aufgaben für sie erfüllt. Sie sind mehr als Schlangen geworden und Amu wusste, dass er Glück hatte.

~Versprich mir nur etwas,~ sagt er resigniert zu ihr, denn er sieht ein, dass seine Mutter ihre Entscheidung schon getroffen hat. ~Komm zurück um mir zu sagen, wie es meinen Geschwistern geht wenn du sie findest.~

Nagini nickt und Amu reibt sich gegen sie.

~Also gute Reise, Mutter,~ sagt er zu ihr, bemerkend, dass sie sich langsamer als sonst bewegt.

~Ich bin stolz auf dich,~ sagt sie über ihren Schwanz und langsam verlässt sie den runden Raum.

Amu senkt den Kopf und denkt über ihre Worte nach, zum schwarzen Stein blickend. Sein Meister ist kein Mensch und er hat ihm erklärt, dass er ein sehr langes Leben führen wird. Amu freut sich darüber. Er freut sich auf all die Aufgaben die er bekommen wird. Aber leider gibt es keine anderen Schlangen in diesem Menschenhaus. Nur Katzen und Hunde und da ihm sein Meister verboten hat, sie zu fressen, machen sie ihm keinen Spaß. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass er sich eine weibliche Schlange findet und Kinder hat. Seine Mutter würde so was sicherlich freuen.

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„Du hast doch gesagt, dass es sicher sei!" bellt der Zauberer wütend, der versucht, die Holzsplitter aus seinem langen Bart herauszuschütteln.

„Es war sicher!" bellt der andere verzweifelt, seinen Stab zückend und versuchend, ihm zu helfen. „Es ist der verdammte Polarisorden, er ist überall!"

„Ja, ja," sagt sein wütender Kollege mit einem merkbaren Texasakzent. „Der Polarisorden ist an allem schuld. Sind die anderen schon da?"

„Sie haben sich in der Konferenzhalle versammelt," sagt der Zauberer. „Geht es dir gut? Du blutest."

„Ist nur ein Kratzer," meint der andere grimmig. „Ich habe wirklich dieses Land satt. Am liebsten würde ich nach Europa reisen."

„Du und wir alle," meldet sich die Stimme von Phil Richardson, der im Flur erscheint. „Beeil dich."

Der Texaner seufzt und dreht seinen Todesritter Ring auf die richtige Seite, streicht über den Bart und sein Hemd und betritt den Salon.

Die Todesritter sitzen zusammen an einem langen, ovalen Tisch. Das Klirren der Gläser ist zu hören und der Tabakqualm schwebt wie Nebel in der Luft, die Köpfe mancher Todesritter umgebend. Der Texaner hebt die Hand als Gruß und findet schnell einen freien Platz.

„Guten Abend, meine Freunde und Kollegen," fängt Phil Richardson von seiner Stelle am Kopfende des Tischen an. „Ich komme gerade aus dem Hauptquartier des dunklen Ordens mit neuen Befehlen und mit Neuigkeiten."

Er blickt sich um.

„Wie ihr schon wisst, haben wir einen neuen dunklen Lord," sagt er ernst und verschlingt die Finger auf dem Tisch. „Manche von euch haben an dem epischen Kampf in den Alpen teilgenommen, aber die Mehrheit von euch ist noch nicht in den Orden aufgenommen worden. Der dunkle Lord war der Meinung, dass die Zeit noch nicht die richtige war, dass die USA zum Teil des Imperiums wird. Der neue dunkle Lord denkt anders."

Die Amerikaner wechseln aufgeregte Blicke.

„Aber ehe ich fortfahre und euch seine Befehle vorlege, habe ich noch ein paar Sachen zu sagen," fährt er fort. „Der dunkle Lord möchte, dass alle Todesritter als Todesser in Betracht gezogen werden. Er möchte mit euch allen reden. Und im Gegensatz zu seinem Vorgänger möchte er nicht, dass diese edle Gesellschaft dadurch verlorengeht. Er sieht sie als eine amerikanische Tradition an, die er gerne behalten würde. Dabei wird es wahrscheinlich Todesritter geben, welche nicht in den dunklen Orden aufgenommen werden. Und das akzeptiert er. Aber er möchte, dass diese Gesellschaft weiter lebt und weiter blüht. Er erkennt sie als eine geheime und rein schwarzmagische Gesellschaft an, welche zum Ziel die Förderung der Schwarzmagie und den Schutz der Schwarzmagier im Allgemeinen hat. So können die Todesritter unabhängig von dem dunklen Orden existieren und weiterarbeiten."

„Momentan arbeitet er an der Stärkung des Imperiums von drinnen. Er möchte zuerst die Gesetze der einzelnen Provinzen in Einklang bringen und dadurch weitere Missverständnisse vermeiden. Er wird dabei natürlich die Kultur des Landes respektieren aber die Gesetze müssen universell sein, das heißt, es kann zu keinen Abschweifungen von den allgemeinen Gesetzen des Imperiums kommen, welche überall im Imperium gültig sein sollten. So wird für noch eine gewisse Zeit nichts was die USA angeht unternommen werden, aber sein Plan ist sehr ehrgeizig und wir müssen uns schon jetzt an die Arbeit machen, um alle Vorbereitungen rechtzeitig abschließen zu können."

„Worum geht es?" fragt einer der Amerikaner, der noch kaum ruhig sitzen kann. „Komm schon, wir werden an die Decke springen falls du uns nicht endlich verrätst, worum es geht."

Phil Richardson lächelt und zieht seine Aktenmappe zu sich, einen Stapel Papiere hervorziehend.

„Erstens, der dunkle Lord möchte die USA persönlich besuchen," sagt er, die Papiere noch immer in der Hand haltend, weil er nur so die Aufmerksamkeit seiner Kollegen auf sich behalten kann. „Aber ehe das passiert, müssen wir zuerst unter uns besprechen, was getan werden wird und wie. Wir müssen uns vergewissern, dass wir ihm etwas zeigen können wenn er kommt."

„Wenn der Polarisorden so weitermacht," meldet sich der Texaner zu Wort, während Phil Richardson die Papiere austeilt, „werden wir uns zu Tode schuften um einen passenden Ort für das Treffen mit ihm zu finden. Die Hellmagier sind verrückt geworden. In letzter Zeit greifen sie alles an, was sich bewegt und schwarz ist."

„Dann sollten wir mal versuchen etwas Weißes zu tragen," wirft einer ein, einen Blick auf den Inhalt des Papiers werfend. Seine Augen werden groß und er verstummt.

„Holy shit," entgeht es dem Texaner als er endlich eines davon in die Hände bekommt.

Phil Richardson sagt nichts zu seinem Aufruf sondern lächelt mysteriös weiter.

„Wie ihr sehen könnt, ist sein Plan sehr ehrgeizig," wiederholt er seine Worte, aber die Todesritter, wie vorausgesehen, schenken ihm keine Aufmerksamkeit mehr. Die Lippen des Texaners bewegen sich lautlos als er Zeile für Zeile weiter liest. Schließlich lässt er das Papier sinken und schaut in die Runde.

„Dafür werden wir zwanzig Jahre brauchen," platzt es aus ihm.

„Der dunkle Lord möchte, dass alle Vorbereitungen innerhalb zwei Monaten getroffen werden," sagt Phil Richardson ernst. „Das heißt natürlich nicht, dass wir gleich den Plan in die Tat umsetzen aber er möchte, dass wir bereit sind."

„Aber Phil," sagt einer. „Wie werden wir all diese Drachen besorgen, wenn uns der Polarisorden die Hölle jeden Tag heiß macht?"

„Lass die Hölle in Ruhe," murmelt sein Nachbar. „Ich hab gehört, dass sie ein sehr schöner Ort ist."

Die anderen lachen aber Phil kann die Spannung in der Luft deutlich spüren. Der neue dunkle Lord verschwendet keine Zeit und kommt gleicht zur Sache. Und er erwartet von ihnen, den Todesrittern, dass sie seinen Plan ermöglichen. Er selbst ist beinahe vom Stuhl gefallen als ihm der dunkle Lord seinen Plan erklärt hat. Wie schmiedet man nur solch einen Plan? Woher hat er all diese seltsamen Ideen?

„Wir arbeiten zusammen wie immer," sagt er entschlossen. „Der neue dunkle Lord respektiert uns und gibt uns diese Chance, um uns ihm zu bewähren. Zudem sieht er auch den Wert unserer Gesellschaft und möchte nicht, dass diese Tradition verlorengeht. Wir alle wissen dass er ein exzellenter Taktiker ist. Wenn irgendjemand die Regierung in den USA mit einem Schlag vernichten kann, dann er. Und wir werden die Aufgaben zwischen uns verteilen. Das ist nämlich der Grund, warum ich euch heute hierher gerufen habe."

„Ladies and gentlemen," sagt er, sich umschauend und mit seiner Kopie des Meisterplans wedelnd, „wir haben eine lange Nacht vor uns. Machen wir uns an die Arbeit."

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Um vier Uhr morgen sind die Tankstellen wahrscheinlich die einzigen Orte, wo man einen Drink bekommen kann. Auf dieser Tankstelle ist es besonders lustig und laut geworden nachdem eine Gruppe Motorradfahrer beschlossen hat, gerade auf dieser Tankstelle etwas zu trinken und sich ein wenig zu entspannen. Da die Bar hinter dem Tankstellgebäude bereits geschlossen ist, haben die Männer einfach ein paar Biers gekauft und sich da draußen auf den Beton gesetzt.

„Was ich nicht für einen Hotdog geben würde," seufzt einer, seine Bierflasche mit Hilfe des Randsteins öffnend.

Der Verschluss fällt klappernd zu Boden und er bemüht sich nicht, ihn aufzuheben.

„Nur noch ein paar Stunden," sagt ein anderer.

„He, wisst ihr was?" meldet sich der erste Biker zu Wort, sich eine Zigarette ansteckend. „Wir könnten doch ein paar Tage in Stephenville verbringen. Wir müssen nicht gleich los."

„Doch," sagt einer, der gerade mit seinem Bier aufgetaucht ist. „Wir haben eine Verabredung."

„Wir könnten sie doch anrufen," sagt der Raucher. „Komm schon, ich hab nichts Normales seit Tagen gegessen. Und außerdem kein Weib gesehen, weil wir ja den ganzen Tag lang fahren."

Der Biker mit dem ungeöffneten Bier verdreht die Augen und schüttelt den Kopf.

„Psst," sagt ein Biker mit einem langen Bart, auf das Gebüsch über die leere Straße deutend. „Habt ihr da was gesehen?"

„Ist nur ein Hirsch," sagt der Raucher. Offensichtlich denkt er noch immer an Hotdogs und Frauen.

Aber der Mann mit dem langen Bart steckt seine Hand in die Tasche, wo seine Pistole ist und sein Finger gleitet zu dem Abzug. Plötzlich schüttelt das Gebüsch heftig und jemand drängt sich durch die Zweige hindurch. Alle stehen auf und starren die junge Frau an, welche auf der Straße erscheint, sich umschaut und dann zielstrebig auf sie zugeht.

„Hallo, Jungs," sagt sie mit einem merkbar britischen Akzent. „Was gibt's?"

Die Biker starren sie blöd an als sei sie ein Gespenst. Ihre enganliegende Jeans dienen nur dazu, die Phantasie zu stimulieren und sie hätte, ihrer Meinung nach, auch nackt sein können. Aber sowie der Biker der über die Hotdogs nachdenkt gesagt hat, hatten sie seit einer langen Weile keine Frauen gesehen und auch mit keinen geredet. Sie haben eine Lieferung und sollten sich beeilen, sonst bekommen sie keine Kohle. Wenn sie sich auf einem Ort zu lange aufhalten besteht die Gefahr, dass die Polizei etwas mitbekommt und es ist am besten, immer in Bewegung zu sein und nicht aufzufallen.

„Was, habt ihr die Sprache verloren? Gibt es etwas Bier für mich?" fragt die junge Frau.

Sie wirft ihr langes Haar über die Schulter und setzt sich zu ihnen.

„Wo bist du denn hergekommen?" fragt einer, der als der erste seine Sprache wieder gefunden hat.

„Aus dem Gebüsch natürlich," sagt sie sachlich, als sei es die selbstverständlichste Sache auf der Welt.

„Und... was hast du da getrieben?" fragt der Biker verwirrt.

Sie verdreht die Augen.

„Musste mich natürlich erleichtern," sagt sie mit einem Ton, als erkläre sie etwas sehr Einfaches zu einem Kind das nichts begreift. „Das Klo ist geschlossen und ich wollte es ja nicht auf der Straße machen, oder? Gibt es denn ein Bier für mich? Wo sind eure Manieren?"

Ein jüngerer Mann reicht ihr wortlos sein Bier und sie bringt die Flasche zu ihrer Lippen, ein paar schnelle Schlucke nehmend.

„Sag mal, Kleine, wohin gehst du?" fragt der Biker, der Lust auf Frauen hat. Seine Träume scheinen sich vor seinen Augen verwirklicht zu haben.

„Nach Dallas," sagt sie, ihn süß anlächelnd. „Was, hast du einen freien Platz? Kann ich mitfahren?"

Seine Augen glitzern.

„Aber natürlich," sagt er. Plötzlich hat er alles über Stephenville vergessen. „Wie heißt du?"

„Katie," sagt sie und grinst.

„Und liebe Katie, bist du eigentlich alt genug, um Alkohol zu trinken?" fragt er.

Sie lächelt.

„Eigentlich nicht," sagt sie. „Aber jemand ist immer so nett, um mir ein Bier zu kaufen."

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„Fliegende Teppiche sind kein magisches Transportmittel!" brüllt ein Zauberer wütend. „Vielleicht irgendwo in Arabien schon, aber hier bestimmt nicht. Sie sind ILLEGAL!"

„Mein Teppich ist eh nicht für den amerikanischen Markt gemeint, Papa," besteht sein Sohn. „Und außerdem wenn ich mein Patent vorlege, zweifele ich nicht daran, dass die Behörden den Wert meines Teppichs gleich sehen werden und dass ich dafür Geld bekommen werde. Bitte. Gehen wir doch nach Frankreich zusammen. Ich möchte dir zeigen, wie gut mein Teppich ist und dass ich etwas sehr Nützliches erfunden habe."

„Lass mich das zusammenfassen," meldet sich seine Mutter zu Wort. „Du möchtest ins Herz des dunklen Imperiums gehen und dort den Schwarzmagiern deinen fliegenden Teppich zeigen, weil du hoffst, sie werden dir Geld dafür geben. Stimmt´s?"

Ihr Sohn zuckt mit den Schultern. Der Vater und die Mutter wechseln Blicke.

„BIST DU BESCHRÄNKT?" brüllt sein Vater wütend. „Was ist bloß in dich gefahren, Junge? Ins Imperium zu gehen! Du hättest auch eine Zielscheibe auf deine Stirn zeichnen können. Kommt gar nicht in Frage! Du gehst nirgendwohin!"

„Und wenn du schon diesen Teppich jemandem zeigen möchtest, wieso gehst du nicht in den Zauberhof und zeigst es den amerikanischen, das heißt, unseren Behörden? Wenn du schon zuversichtlich bist, dass er so gut ist?" fragt seine Mutter.

Der Sohn verdreht die Augen.

„Du verstehst es einfach nicht, oder?" fragt er. „Sie würden sich nicht darum scheren weil sie momentan viel wichtigere Sachen im Kopf haben. Sowie der Zauberkrieg. Sowie die Todesritter. Hallo, wo lebt ihr? Sie haben keine Zeit für meinen fliegenden Teppich. Aber die Schwarzmagier schon. Wenn sie den Wert meines Teppichs sehen, werden sie ihn bestimmt von mir kaufen weil sie alle verfügbaren Mittel für den Krieg brauchen."

„In anderen Worten möchtest du unser Land verraten," spuckt der Vater aus.

„Nein," sagt der Sohn verzweifelt. „Ich möchte nur Geld verdienen, verdammt noch mal! Wann haben wir zuletzt etwas Neues gekauft? Wir haben kein Geld, wacht auf! Und ich hab etwas erfunden was uns allen Geld bringen kann. Meine Schwester wird nie wieder gebrauchte Bücher in die Schule tragen müssen und ihr werdet ein neues Haus kaufen können. Was ist euch wichtiger, unsere Familie und dass wir uns ein normales Leben leisten können oder Amerika? Von der Liebe zur Heimat kann keiner leben."

„Das reicht," sagt der Vater und springt auf die Füße. „Ich hab genug gehört. Wenn ich wüsste, dass du solche Verrücktheiten im Kopf hast, hätte ich dir nie erlaubt, dich mit deinen Kumpeln herumzutreiben. Denn sie sind bestimmt schuld. Sie haben dir den Kopf verdreht. Verdammte Schwarzmagier!"

„Rede bloß nicht so über meine Freunde!" brüllt der Sohn wütend. „Du hast keine Ahnung von nichts und verstehst es einfach nicht, oder? Möchtest du bis zum Rest deines Lebens so bescheiden leben wie ein Muggel?"

„Das ist genug, Marcus, geh in dein Zimmer!" meldet sich seine Mutter zu Wort und deutet auf die Treppen. „Sofort!"

Wütend stapft der junge Zauberer zu den Treppen und steigt sie empor, ins Zimmer platzend das er mit seiner kleinen Schwester teilt.

„Was ist denn los?" fragt sie so bald er reinkommt, ihre blonden Haarsträhnen aus dem Gesicht streichend. „Ich hab Gebrüll gehört."

„Sie hören einfach nicht zu," murmelt Marcus zornig. „Aber ich werde es ihnen zeigen."

„Du," sagt seine Schwester mit großen Augen, zuschauend, wie er ein Stück Papier zu sich zieht, wobei seine Eule gleich auf seinem Bett landet da sie sieht, er wird bald Arbeit für sie haben. „Marcus, hör zu." Er blickt etwas genervt auf. „Du hast nichts Gefährliches vor, oder? Bitte, tu nichts Unbedachtes. Es würde unsere Eltern fertig machen."

„Ich schreibe einfach an einen Freund, reg dich nicht auf, Alice," murmelt Marcus als er den Namen 'Phil Richardson' auf den Umschlag kritzelt.

Alice sagt nichts dazu und widmet sich wieder ihrem Buch, aus dem Augenwinkel schauend, wie ihr Bruder hitzig kritzelt und dann den Umschlag am Bein seiner Eule befestigt, zu ihrer großen Freude. Endlich gibt es etwas Aktion, steht es der kleinen eifrigen Eule auf dem Schnabel geschrieben.

Als die Eule fröhlich davon fliegt und die Hunde im Garten unter ihrem Fenster ihr Davonfliegen mit einer Bellensalve grüßen, setzt sich Marcus auf sein Bett und nickt. So – jetzt kann er nur auf die Antwort warten und hoffen, dass sich die Todesritter wirklich als Menschen entpuppen, für die er sie hält. Und nicht als Menschen, worüber es in den Zeitungen geschrieben wird. Marcus hat nie diesen blöden Geschichten geglaubt.

„Wenn es dir etwas bedeutet," bricht Alice die Stille, „finde ich die Idee mit dem Teppich toll. Und ich würde ihn gerne benutzen, um in die Schule zu fliegen. Das würde all meine Freunde so neidisch machen."

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„Heutige Post," sagt Richardsons Frau, die gerade sein Arbeitszimmer betreten hat, einen Stapel Umschläge in ihrer Hand haltend. Natürlich hätte ein Elf seine Post abliefern können aber so hätte sie keine Ausrede, ihn zu suchen und mit ihm zu reden. „Phil, Schatz, wann sagst du mir endlich, was los ist?"

Ihr Mann blickt von seiner Arbeit auf und seufzt.

„Hab dir doch gesagt, wir haben eine Menge Arbeit," sagt er, die Hand ausstreckend und gleichzeitig mit der anderen sein Briefmesser aus einer Schublade hervorziehend. „Ich muss die Arbeit koordinieren da ich mehrere Aufgaben verteilt habe. Momentan arbeitet jeder und schickt mir Berichte." Er schaut auf den Stapel Umschläge hinunter. „Bericht, Bericht... Oder nicht."

Er schaut auf den Brief hinunter, der von keinem Todesritter stammt denn es gibt kein übliches Siegel oder irgendein anderes Kennzeichen, das darauf hindeuten würde, der Brief wurde von einem Todesritter geschrieben. Und auch von keinem Todesser, da es kein dunkles Mal auf dem Umschlag gibt.

Seine Frau seufzt und verdreht die Augen während ihr Mann mit Interesse den Brief schnell überblickt.

„Das ist aber interessant," murmelt er zu sich, sich eine Feder schnappend.

„Phil," wiederholt seine Frau verzweifelt. „Was ist nur los?"

„Dieser Junge ist sehr interessant," murmelt Phil weiter als er beginnt schnell seine Antwort zu verfassen.

Seine Frau dreht sich um und verlässt sein Arbeitszimmer bevor Phil es merken kann. Als er aufblickt und sie nicht sieht, zuckt er mit den Schultern. Er sollte diesem Jungen zurückschreiben. Phil ist kein Genie für Arithmantik aber aus dem kleinen Teilchen der Kalkulationen, das ihm dieser Junge – wie heißt er wieder? Marcus? – geschickt hat, sieht er dass er sich sehr gut bei der Arithmantik auskennt. Solche Menschen werden immer gebraucht und obwohl der Junge nicht dezidiert geschrieben hat, er sei ein Schwarzmagier, hört er sich wie einer an. Phil Richardson erinnert sich an Malcolm, den Iren, der das Interesse des damaligen dunklen Prinzen gleich geweckt hat. Er bekam sein dunkles Mal und ist jetzt ein Todesser.

Phil Richardson und seine Kollegen sind nach mehreren Monaten, die sie in Frankreich und im Hauptquartier verbracht haben, nach Amerika zurückgekehrt wo er sich ein neues Heim gefunden hat und seit dem im Geheimen weiter arbeitet. Die anderen Todesritter wohnen über die USA verstreut und tun das gleiche. Bisher hat Phil und seine Kollegen in den Wahnsinn getrieben, dass sie gar nichts unternehmen konnten außer an den Einsätzen und Angriffen in Europa teilzunehmen, wenn sie gerufen werden. Aber sonst hat er sich vollkommen nutzlos gefühlt. Jetzt geht es los und dazu mit Stil. Phil hat so viel Arbeit und so viel Korrespondenz dass er kaum die Zeit hat, mit seinen Kindern oder seiner Frau zu reden. Aber er weiß dass sie verstehen. Das hier ist wichtig. Es wird die Zukunft der USA und der Welt im Allgemeinen bestimmen.

Und dazu muss er auch einen sicheren Ort finden, wohin er den dunklen Lord führen wird und wo sie alles Notwendige besprechen werden. Glücklicherweise kennt Phil den ehemaligen Prinzen viel besser als den ehemaligen dunklen Lord. Er hat schon eine Vorstellung davon, was ihm gefallen würde und was nicht. Dieser Polarisorden geht ihm so sehr auf die Nerven dass er sich schon oft gewünscht hat, er hätte diese wunderschöne Kugel, mithilfe derer man mehrere Menschen zugleich umbringen kann. Er würde auch nichts gegen eine Muggelbombe haben. Der Vertreter des Lichtes ist tot – warum ist der Polarisorden noch immer hier? Verdammte Hellmagier, sie sind wie Ungeziefer, die man einfach nicht loswerden kann und die immer wieder zurückkommen.

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Katie parkt ihr Motorrad hinter dem Motel und seufzt vor Erleichterung als sie ihren Helm endlich abzieht.

Sie schaut sich um. Die Idee war sich in der Muggelwelt zu verstecken, denn die Schwarzmagier wissen nicht genug über die Muggelwelt um sie aufspüren zu können. Dennoch gibt es Granger, die sich dabei gut auskennt und Katie ist nicht dumm. Sie weiß dass der gesamte dunkle Orden auf der Suche nach ihr ist und Katie ist bereit, gleich unterzutauchen wenn es sein muss. Sie hat auch nicht vor, im grellen Licht durch die Muggelstraßen zu spazieren, wenn sie es irgendwie vermeiden kann. Aber momentan ist die Muggelwelt der sicherste Ort für sie. Zudem auch die USA, wo der Polarisorden noch immer viel Macht hat.

Aber Katie ist alleine. Der Polarisorden hat sie verwiesen und sie hat keine Freunde oder Verbündeten in den USA. Es sei denn sie muss neue Freunde finden und neue Bekanntschaften schließen. In Europa gibt es gar nichts mehr für sie. All ihre Freunde und Verbündete sind bei der Schlacht ums Leben gekommen und sie hat dort nichts zu suchen. Katie macht sich keine Illusionen darüber, dass sie etwas Großes erreichen kann, aber sie wird auch nicht still sitzen und zuschauen, wie der dunkle Orden langsam seine Zähne ins Fleisch der Unschuldigen senkt. Im gewissen Sinne betrachtet sie den Kampf gegen die Dunkelheit als ihre Lebensbestimmung. Nachdem Neville festgenommen worden ist, wollte Katie nicht mehr leben. Tagelang lag sie in den Wäldern Rumäniens, wo sie hingeflogen ist, und wälzte sich in ihrer Trauer und Hoffnungslosigkeit. Aber sie erkannte, dass sie nicht ewig so weitermachen konnte. Sie dachte darüber nach, wo sie hingehen und was sie unternehmen konnte. USA ist ihr gleich eingefallen weil Amerika noch immer außerhalb der Reichweite des dunklen Ordens steht aber es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich ein Tentakel des Todes über den Ozean hinweg erstreckt und die Wiege der Freiheit und Gleichheit in ewige Nacht hüllt.

Jegliche Träume und Vorstellungen, was sie mit ihrem Leben machen könnte, sind zugrund gegangen. Katie hat ins Auge des Todes geschaut und jetzt hat sie keine Träume mehr. Wenn schon, dann eben Albträume. Sie hat auch nichts zu verlieren denn sie hatte schon das, was sie am meisten geliebt hat, verloren. Sie weiß nicht was aus ihren Eltern geworden ist und ist sich darüber im Klaren, dass sie sie nicht suchen darf. So wäre sie ein leichtes Ziel für die Todesser. Zweifelsohne warten sie auf sie bei dem Haus ihrer Eltern und Katies Herz wird beim bloßen Gedanken eiskalt, dass die Todesser sie gefoltert und ausgefragt haben, in der Hoffnung dass sie wissen, wo Katie sich aufhält. Katie hofft dass es nicht so weit gekommen ist aber sie kennt den dunklen Orden. Wenn die Todesser nach jemandem suchen benutzen sie jegliches verfügbares Mittel um diese Person tatsächlich zu finden. Und ihre Eltern zu foltern wäre nur ein Mittel zum Zweck. Aber lieber nicht darüber nachzudenken.

Schuldgefühle sind etwas womit Katie Bell leben muss. Sie macht sich Vorwürfe, dass sie nicht Neville suchen ging sondern floh sobald ihr klargeworden ist, dass der Kampf verloren ist. Sie blieb nicht nach, um nachzuschauen, ob sie irgendwie helfen konnte. Sie ist davongelaufen. Obwohl sie natürlich weiß, dass das nur die Folge ihres Überlebensinstinktes war, hilft es nicht, um sich besser zu fühlen. Die ganze Zeit hat sie gehofft, dass Neville auch gelungen ist, zu fliehen oder sonst was, aber als sie die öffentliche Erklärung von Granger in den Zeitungen gelesen hat, sind alle ihre Hoffnungen wie ein Kartenhaus in sich eingestürzt. Ihr Freund ist tot. Oder wenn noch nicht, wird er bald tot sein. Laut den Zeitungen ist er im Kerker des dunklen Ordens. Und das ist noch schlimmer.

Katie schüttelt den Kopf und versucht die Schreie und die toten Augen, die nur in ihrem Kopf zu hören und sehen sind, zu unterdrücken und sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Sie hat jetzt etwas Muggelgeld und ein Motorrad. Sie musste den Mann mit einem starken Zauber belegen, aber hoffentlich erwacht er morgen auf der Bank auf der sie ihn zurückgelassen hat mit keiner Erinnerung wer ihn bestohlen hat oder was passiert ist. Leider war so was notwendig.

Sie drückt die Tür des kleinen Motels auf und schaut sich um. Das wird genügen. Sie hat seit Tagen nicht geschlafen und kaum etwas gegessen. Sie sehnt sich nach einer Dusche und nach erholsamem Schlaf. Dann wird sie klarer denken können.

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Marcus Garrison steigt die Treppen ins Wohnzimmer hinunter und blickt sich um.

„Ich gehe mich mit meinen Freunden treffen," sagt er zu seinen Eltern, die dort sitzen und leise miteinander reden.

„Mit deiner Bande, meinst du," wirft seine Mutter ein.

Marcus verdreht die Augen.

„Egal was du über sie denkst, sie sind meine Freunde," sagt er.

„Wo geht ihr denn hin?" fragt sein Vater.

„Wir machen einen Spaziergang, werden ein Butterbier trinken und so," sagt Marcus vage. „Wir treffen uns nur. Wir haben keinen bestimmten Plan."

„Komm rechtzeitig nach Hause, ja?" ruft ihm seine Mutter hinterher.

Marcus winkt ab und geht. Glücklicherweise hat Phil Richardson zugestimmt, sich mit ihm in Atlanta zu treffen. Dorthin kann Marcus apparieren. Aufregung breitet sich in seinem Magen aus als er sich um die Achse dreht und disappariert, die ganze Zeit spürend, dass ihn seine Mutter durch das Fenster beobachtet. Wenn das Ganze klappt wird er sich nie wieder darum Sorgen machen, ob seine Eltern wissen wohin er geht oder wann er nach Hause kommt. Er ist neunzehn, verdammt noch mal.

Er appariert bei der Statue eines pinkelnden Zentauren im Zauberviertel von Atlanta und schaut sich um. Phil Richardson hat ihm nicht viele Anweisungen gegeben, nur dass sie sich dort treffen. Er hat nicht gesagt, wie er ihn erkennt obwohl Marcus sicher ist, dass sich ein Zauberer wie er nie in der Öffentlichkeit zeigen würde. Schließlich sind ihm die Behörden hinterher und er würde nicht alles wegen eines Jungen aufs Spiel setzen.

Seufzend und mit aller Kraft versuchend, nicht auffällig unauffällig zu sein indem er den Kopf in alle Richtungen dreht, setzt er sich auf die Bank bei der Statue und blickt wieder auf den Brief von Richardson hinunter.

'Wir können uns bei der erwähnten Statue treffen. Dann werden wir unser Gespräch an einem sicheren Ort weiterführen.'

Kein Wort darüber, wie er aussieht, wie Marcus ihn erkennen kann oder sonstiges. Na ja, Richardson weiß dass Marcus neunzehn ist, aber das ist alles, was er über ihn weiß. Die Zauberer und Hexen gehen an Marcus vorbei und schauen nicht zurück. Da es ein schöner Tag für diese Jahreszeit ist, haben alle die Chance genutzt, um spazieren oder einkaufen zu gehen.

Viertel nach fünf. Wo ist Richardson? Die Aufregung mischt sich mit Nervosität aber auch mit Angst, dass alles nur ein Traum war. Aber der Brief von Richardson in seiner Hand fühlt sich real an. Führt ihn Richardson an der Nase herum? Wieso würde er sich überhaupt mit jemandem wie Marcus treffen wollen? Er hat sicherlich keine Zeit, wenn man den Polarisorden und den dunklen Orden in Betracht zieht, um sich mit irgendwelchem namenlosen Jungen zu treffen welcher einen magischen Teppich erfunden hat.

Vielleicht war das Ganze ein großer Fehler und er, Marcus, ein Vollidiot.

Urplötzlich taucht eine Hexe bei der Statue auf, schaut sich schnell um und lächelt dann breit.

„Hallo, Marcus," sagt sie freundlich zu ihm, als kennen sie sich ihr ganzes Leben lang.

Marcus erstarrt. Er hat keine Zeit für diese Hexe und was will sie überhaupt? Kennt er sie von irgendwohin? Als er aber einen Ring mit dem Totenkopf auf ihrem Ringfinger erblickt, wird ihm gleich alles klar. Er schluckt.

„Hallo," sagt er, sich dabei dumm vorkommend. Er weiß nicht ob er seine Hand ausstrecken soll denn offensichtlich ist dies ein Teil ihres Spiels. Sie sollten sich so anstellen, als kennen sie sich um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Schließlich ist diese lächerliche Statue ein häufiger Treffpunkt der Jugendlichen.

„Komm, gehen wir etwas trinken," sagt sie mit einem merkbaren Südakzent zu ihm und erspart ihm das Nachgrübeln.

Wenigstens kommt sie aus Atlanta, geht ihm durch den Kopf. Ein Stück etwas Bekannten.

Sobald sie um die Ecke biegen, packt sie ihn am Ellbogen und bevor er protestieren kann, zieht sie ihn in Apparition mit.

Marcus schaut benommen zu als die Hexe geschickt ihren Stab zückt und beginnt einen Zauber nach dem anderen auszuführen. Er blickt sich um. Sie stehen in einem vernachlässigten Garten vor einem alten Herrenhaus. Es gibt kein Zeichen von irgendwelchem Todesritter und der Garten ist menschenleer. Wo sind sie überhaupt? Sicherlich nicht in Atlanta.

„Ich bin Patricia," sagt die Hexe, ihm ihre Hand entgegenstreckend.

„Ähm," gelingt es ihm zu sagen als er ihre Hand schüttelt.

„Komm," sagt sie ohne weiteres.

Sie betreten zusammen das Herrenhaus. Hier drin kann man deutlich spüren, dass man die Magie dafür verwendet hat, um dieses Haus bewohnbar zu machen und dazu auch wahrscheinlich eine Armee Hauselfe her geschleift hat, um das Herrenhaus sauber zu behalten. Marcus entgeht nicht, dass dieses Haus einmal einer Muggelfamilie gehört hat denn er kann an den Wänden Spuren der Steckdosen sehen. Er weiß ja, dass die Todesritter aus den USA verwiesen worden sind und er wundert sich dass die Mehrheit zurückgekehrt ist. Dieses Herrenhaus scheint ihr Versteck zu sein und sie haben es ihren Bedürfnissen angepasst.

„Hier entlang," sagt Patricia, ihn dadurch aus den Gedanken reißend.

Sie drückt eine quietschende Tür und Marcus betritt einen dunklen Raum, der mit Möbel vollgestopft ist aber trotzdem sehr gemütlich aussieht. Drei Zauberer und eine Hexe sitzen auf bequemen, alten Ledersesseln und blicken auf als sich die Tür öffnet.

Marcus weiß nicht viel über die Todesritter. In der Zauberwelt gelten sie als eine geheime, schwarzmagische Gesellschaft, welche seinen Mitgliedern immer hilft, ist aber eine verschlossene Gesellschaft, in die keiner einen Einblick hat. So sehr sich manche Hellmagier, insbesondere Journalisten, bemüht haben, einen Blick in diese Gesellschaft zu werfen, ist es ihnen nie gelungen. Sie sind einfach verschwunden. Man kann nicht nur so ein Todesritter werden oder sich für die Mitgliedschaft bewerben. Man wird aufgenommen aber das scheint nur per Einladung zu sein. Ein Todesritter muss für jemanden bürgen und dann wird er wahrscheinlich aufgenommen. Also Marcus fragt sich, wie es ihm gelungen ist, so weit zu kommen denn offensichtlich befindet er sich momentan im Lager der Todesritter.

„Marcus," sagt ein großer Zauberer der ihm vage bekannt ist (aus den Zeitungen?) und ihn von oben bis unten mustert, wobei Marcus das Gefühl hat, er sei nackt. „Komm her."

„Wer ist er?" fragt ein Zauberer mit dem Texasakzent.

„Ein sehr interessanter Junge," sagt der große Zauberer mit glitzernden Augen.

„Waren wir uns denn nicht einig, dass man sehr vorsichtig vorgehen soll?" fragt eine Hexe mit kurzen Haaren.

„Ich bin vorsichtig," erwidert der große Zauberer. „Patricia hat ihn gecheckt."

„Na klar," sagt Patricia, die auf einen Sessel plumpst. „Er ist sauber."

„Na gut," sagt der große Zauberer, Marcus die Hand entgegenstreckend. Marcus entgeht es nicht, dass auch er den Ring mit dem Totenkopf trägt. Ein Kennzeichen. „Ich bin Phil Richardson."

Marcus schüttelt seine Hand. Als er den Brief an ihn geschrieben hat, war er so aufgeregt dass er aus seiner eigenen Haut fahren konnte. Er hat sich tausendmal ihr Treffen vorgestellt und doch jetzt ist er sprachlos und weiß nicht, wohin er blicken soll oder wie er sich benehmen soll.

„Marcus Garrison," sagt er, sich dabei sehr dumm vorkommend.

„Sag mal, Marcus," fragt Phil Richardson, „du hast etwas über deine Familie geschrieben. Du sagst, dass du nicht weiter bei deinen Eltern wohnen kannst. Sind sie denn Hellmagier?"

„Kann man so sagen," murmelt Marcus, an seine Eltern denkend. Was würden sie sagen, wenn sie wüssten, dass er hier ist? Sie würden ihm wahrscheinlich nie wieder Taschengeld geben und würden ihn in sein Zimmer sperren. Er senkt den Kopf.

„Aber du bist ein Schwarzmagier, oder?" fragt die Hexe mit kurzen Haaren, ihn argwöhnisch betrachtend.

Sie hat die Ärmel ihrer schwarzen Bluse hochgekrempelt und Marcus zuckt zusammen als er das dunkle Mal auf ihrem Unterarm erblickt.

Eine Todesserin... Was hast du nur gemacht, Marcus?

Die Realität schlägt ihm mit voller Wucht entgegen und er spürt den Drang, sich umzudrehen und dieses Haus zu verlassen. Worauf hat er sich eingelassen? Am Anfang war das Ganze nur ein Abenteuer, eine Revolte gegen seine Eltern und ihre Regeln, aber Marcus wird jetzt klar dass es ein Zurück nicht mehr gibt. Jetzt weiß er zu viel und die Todesritter würden ihn umbringen wenn er versuchen würde, zu fliehen. So viel weiß er über sie.

„Ich würde sehr gerne die Schwarzmagie erlernen," hört er sich selbst sagen. „Aber leider komme ich aus einer Familie, in der so was nicht toleriert wird. Und ich hatte bisher keine Chance und kannte niemanden, der sich mit so etwas beschäftigt."

Die Hexe mit kurzem Haar schnaubt verächtlich und pafft weiter an ihrer Pfeife. Aber Phil Richardson sieht nicht entmutigt aus.

„Und was für einen magischen Kern hast du?" fragt er ihn.

Noch immer steht Marcus, da ihm keiner angeboten hat, sich zu setzen und fühlt sich dabei so, als werde er verhört. Er zuckt mit den Schultern.

Phil Richardson zückt seinen Stab und hebt ihn hoch. Marcus schließt schnell die Augen, eine Welle Entsetzung in seinem Magen spürend. Jetzt wird man ihn bestimmt umbringen.

„Na und?" hört er die Stimme der Hexe. „Er hat einen grauen Kern. Das ist gewöhnlich. Viele Menschen haben einen grauen Kern."

Marcus öffnet verwundert die Augen und schaut auf seinen Körper hinunter. Und doch sieht er da keinen Körper sondern eine graue, an Stellen silberne und an Stellen gefleckte Wolke. Er hat schon von diesem Zauber gehört.

„Das ist schon der Anfang," meint Phil Richardson. „Erzähl uns von deinem Teppich. Setze dich."

Er wedelt mit seinem Stab und ein Sessel erscheint aus dem Nichts. Marcus lässt sich dankbar darauf nieder und blickt in die Runde. Er soll über seinen Teppich reden? Urplötzlich fühlt er sich so klein und bedeutungslos, dass er durch den Boden hindurch fallen könnte.

Die Todesritter schauen ihn ohne zu blinzeln an, von ihm erwartend, dass er etwas Beeindruckendes sagt. Doch Marcus hat sich nie dümmer in seinem Leben gefühlt.

Phil Richardson zieht ein Stück Papier hervor und reicht es den anderen. Marcus erkennt das Papier als einen Teil seiner Kalkulationen, den er Phil Richardson geschickt hat. Und wie durch ein Wunder, findet er wieder seine Sprache und beginnt den Schwarzmagiern über seinen Teppich zu erzählen.

Das Papier geht, während er spricht, von Hand zu Hand und die Schwarzmagier blicken darauf. Phil Richardson raucht seine dicke Zigarre weiter und hört aufmerksam zu.

„Seht ihr?" fragt er in die Runde als Marcus, nach was ihm wie eine Ewigkeit vorkommt, verstummt. „Er ist interessant."

„Ja klar," sagt die Hexe mit kurzem Haar. „Aber das heißt nicht, dass er hier sein soll."

„Wir brauchen Menschen wie ihn," besteht Phil Richardson. „Er kann uns viel helfen. Und außerdem hat er kein Zuhause. Man hat ihn wegen seiner Interessen rausgeschmissen. Die Dunkelheit alleine weiß, wie viele solcher Menschen es in den USA gibt, die dazu gezwungen sind, brav zu Hause zu hocken und keinen Mucks von sich zu geben, während der Polarisorden weiter gräbt und bei jeder Spur der Schwarzmagie Menschen verhaftet. Ich bin dafür, dass wir ihm eine Chance geben."

„Du kannst ihn ruhig beim nächsten Treffen vorschlagen und wir werden wählen," sagt die Hexe achselzuckend. „Ich gebe zu, dass dieser Teppich sehr interessante Elemente enthält, aber das an sich soll keine grüne Karte in unsere Gesellschaft sein."

„Du kannst hier blieben," sagt Phil Richardson an Marcus gewandt. „Wir werden mehr reden und uns besser kennenlernen. Für die Schwarzmagie ist es nie zu spät. Und nachdem wir wählen werden wir wissen, ob du bleibst oder nicht."

Marcus hatte nicht vor, ein Todesritter zu werden. Er wusste ja gar nichts davon. Er wollte nur jemandem seine Erfindung zeigen, der sie schätzen würde, im Gegensatz zu seiner Familie. Er wollte Anerkennung. Er wollte Geld. Aber die Todesritter scheinen zu vermuten, dass er einer von ihnen werden will.

„Und was passiert wenn ich nicht aufgenommen werde, Sir?" fragt er den Amerikaner.

Der große Zauberer lacht.

„Denk darüber nicht nach," sagt er zu ihm und doch scheinen die schlimmsten Vermutungen von Marcus bestätigt zu werden. Sie werden ihn umbringen, falls sie ihn nicht haben wollen. „Patricia, zeig bitte unserem Gast sein Zimmer – es gibt welche im ersten Stock – und versichere dich, dass er nicht davonlaufen kann." Er blickt zu Marcus. „Es ist nichts Persönliches, mein Junge. Nur eine Sicherheitsvorkehrung."

„Ich verstehe," sagt Marcus.

Als er heute sein Elternhaus verlassen hat, hat er sich nicht vorgestellt, dass er nie zurückkehren würde. Und doch scheint es jetzt so zu sein. Er verflucht sich für seine Dummheit. Was hat er bloß erwartet, dass man ihn für seine Erfindung lobt, ihm dafür etwas Geld gibt und ihn dann laufen lässt? Die Todesritter sind dafür berüchtigt, jede Spur zu zerstören die nachverfolgt werden kann. Ob es Mord oder Erpressung ist, wählen sie ihr Mittel nicht. Er hätte es besser wissen sollen. Seine Augen füllen sich mit Tränen als ihn Patricia die quietschen Treppen empor führt.

Was hat er nur gemacht?

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Marcus hat die ganze Nacht lang kein Auge zugemacht. Eine Stunde nachdem ihn Patricia alleine in einem winzig kleinen Zimmer zurückgelassen hat, das schlichtweg ein Besenschrank genannt werden könnte, kam ein dünner Hauself und brachte ihm sein Abendessen. Sogar das gute Essen konnte Marcus nicht aufmuntern und er saß die ganze Nacht lang in seinem Bett und starrte betrübt vor sich hin. Sie werden ihn umbringen. Da war er sicher.

Irgendwann hat er doch sein Abendessen gegessen und ist dann ins Bett zurückgekehrt. Dabei fiel ihm ein Buch auf dem Nachttisch auf, für das es sicher war, es war früher nicht dort. Er nahm das Buch in die Hand und begann zu lesen. Nach ein paar Seiten konnte er das Buch nicht aus seinen Händen fallen lassen und war so vertieft darin dass er gar nicht merkte, dass sich die Tür geöffnet hat bis er aufblickte und Phil Richardson vor sich stehen sah.

Der Schwarzmagier lächelt ihn an und lässt sich auf die Bettkante nieder, auf das Buch deutend.

„Gefällt es dir?" fragt er ihn.

„Es hört sich sehr interessant an," gibt Marcus zu.

„Na, ich wollte nicht, dass du deine Zeit verschwendest und dich hier zu Tode langweilst, während du wartest," sagt er zu ihm.

Ihre Blicke treffen sich und Marcus spürt etwas Seltsames in seinem Magen. Etwas sagt ihm, dass ihm dieser Mann etwas geben kann was er braucht obwohl Marcus nicht weiß, was das sein soll. Marcus zweifelt für keine Sekunde lang an, dass er ihn umbringen wird falls die anderen gegen seine Aufnahme sind, aber gleichzeitig fühlt er sich von diesem seltsamen Zauberer angezogen und weiß, dass er nicht möchte, dass das passiert. Dieser Zauberer scheint an ihn zu glauben auch wenn die anderen Todesritter das nicht tun.

„Wenn ich dich fragen würde, was du unserer Gesellschaft geben könntest, was würdest du sagen?" fragt ihn der Schwarzmagier.

Marcus denkt darüber nach. Er weiß ja, dass sich die Todesritter gegenseitig helfen und dass das einer der Gründe ist, warum Phil Richardson eigentlich einen Brief an ihn geschickt hat. Er denkt, dass Marcus den Todesrittern etwas geben kann. Aber er stammt aus einer armen Familie, kann keine Schwarzmagie und weiß auch nichts darüber.

„Ich kann Arithmantik," sagt er schnell. „Ich war immer gut darin. Und ich erfinde Sachen, ich bin gut auch in der Zauberkunst und solchen praktischen Zaubern. Der Teppich ist nur eine meiner Erfindungen."

„Könntest du ebenso leicht eine Waffe entwickeln?" fragt ihn der Todesritter.

„Was meinen Sie?" fragt ihn Marcus fassungslos.

„Wenn ich dir sagen würde, dass wir eine Waffe brauchen und dir ein paar Anhaltspunkte gebe, könntest du etwas damit anfangen?" fragt er ihn.

„Na ja," murmelt Marcus. „Ich denke schon. Ich hab einmal so etwas für die Ratten entwickelt."

Schon als er dies sagt weiß er, wie dumm es sich anhört. Sie möchten also dass er, Marcus, eine Waffe entwickelt die wahrscheinlich dafür benutzt wird, um Menschen umzubringen. Aber natürlich sollte er nicht sagen, er habe keine Ahnung, wie das gemacht werden soll auch wenn das die Wahrheit ist. So würde man ihn gleich umbringen.

Der Schwarzmagier lächelt flüchtig.

„Dieser Teppich," fängt er an. „Könnte man darauf nach Europa reisen?"

„Ja klar," sagt Marcus gleich. „Die üblichen fliegenden Teppiche sind relativ langsam und auch wenn man sich selbst und den Teppich unsichtbar machen würde, könnte es dazu kommen, dass man doch gesehen wird. Beim Regen oder starkem Wind ist das Risiko besonders groß. Aber mein Teppich kommt mit dem verbesserten Zauber und man muss gar nichts machen, nur auf eine gewisse Stelle auf dem Teppichmuster drücken um den Zauber zu aktivieren. Dazu kann man dem Teppich verbale Befehle geben und einen Ort nennen, denn ich habe ihn mit einer Karte ausgerüstet. Zugegeben, mit einer Karte der USA aber man könnte ebenso leicht eine Weltkarte einbauen."

„Und wieso hast du denn nicht diesen Teppich schon angefertigt?" fragt ihn der Schwarzmagier.

„Meine Eltern würden es nie erlauben," murmelt Marcus verlegen.

Der Schwarzmagier seufzt und blickt auf das Buch hinunter. Er zieht ein weiteres Buch aus seiner Tasche hervor und legt es auf das erste.

„Lese doch," sagt er zu ihm. „Ein Treffen findet heute Abend statt und wir werden auch über dich sprechen. Bis dahin musst du hier bleiben."

„Ich verstehe, Sir, und danke," sagt Marcus, der nach dem Gespräch über seinen Teppich plötzlich Zuneigung für diesen Zauberer spürt. Er versteht, wie gut seine Erfindung ist und sieht ihren Wert. Und ihm scheint die Tatsache, dass Marcus aus einer armen und hellmagischen Familie stammt – obwohl Marcus nie seine Familie so einzustufen versucht hat – nichts zu bedeuten. Ihn interessiert eher, was Marcus tun kann, etwas, worauf Marcus noch nie gestoßen ist.

Der Schwarzmagier gibt ihm einen Klaps auf die Schulter.

„Kann ich Sie etwas fragen?" ruft Marcus ihm hinterher.

Der Schwarzmagier hält bei der Tür inne.

„Sind Sie auch ein Todesser?" fragt er ihn mit zittriger Stimme.

Der Name wurde nur leise im Haus seiner Eltern gesprochen und dazu auch mit gebührender Dose Angst, welche der Bedeutung dieses Wortes bedürft.

„Bin ich," sagt Phil Richardson, seinen Ärmel nach oben ziehend.

Die schwarze Sonne mit ihren um sich träge bewegenden Strahlen und lateinischen Worte steht in einem starken Kontrast zu seiner blassen Haut. Beim bloßen Anblick spürt Marcus einen Stich vor Angst in seinem Magen aber gleichzeitig Aufregung, die er nicht erklären kann. Er hat darüber gelesen, darüber gehört – aber jetzt wirkt alles viel realer.

„Wieso fragst du? Ändert diese Tatsache etwas? Du wolltest doch ein Todesritter werden," sagt Richardson zu ihm. „Viele Todesritter sind auch Mitglieder des dunklen Ordens."

„Nein," sagt Marcus schnell. „Also... haben Sie... IHN gesehen?"

„Den dunklen Lord, meinst du?" fragt Phil Richardson und lacht. „Aber natürlich."

Er blickt auf Marcus hinunter und nickt.

„Und vielleicht wirst du ihn auch sehen," sagt er zu ihm. „Möchtest du das?"

„Ja," sagt Marcus bevor er sich aufhalten kann.

„Na dann," sagt Richardson lächelnd. „Vielleicht wirst du ihn sehen. Aber jetzt sollst du weiter lernen."

Er deutet auf die Bücher und drückt die Türklinke.

Marcus schließt die Augen und versucht sich zu beruhigen. Alles geht viel zu schnell. Und doch... hat er sich sein ganzes Leben lang nach solch einem Abenteuer gesehnt. Als er das Buch öffnet und beginnt darin zu lesen, fragt er sich vage, ob seine Eltern schon seine Freunde gefragt haben, ob sie wissen, wo er ist. Er wird seine kleine Schwester vermissen aber sie kommt schon ohne ihn zurecht. Urplötzlich fühlt es sich so an, als habe er zu wenig Zeit um diese Bücher zu lesen bis sich die Todesritter treffen. Denn Marcus möchte bis dahin so viel lernen wie er kann.

ooooooooooooooooooooooooo

Etwa um halb acht scheint das Herrenhaus aufgewacht zu sein. Marcus hebt den Kopf als er das Klingeln hört und dann laute Stimmen aus dem Erdgeschoss. Die Tür geht zu. Nach ein paar Minuten klingelt es wieder und so geht es weiter. Marcus fragt sich, als er versucht etwas runterzukriegen – obwohl das Essen in diesem Haus herrlich ist, wachsen seine dunklen Vorahnungen mit jeder Sekunde, die verstreicht, weiter – wie viele Todesritter überhaupt zum Treffen kommen und wie viele es überhaupt gibt. Lautes Gelächter ist zu hören und Marcus zwingt sich nur mit größter Mühe dazu, weiter zu essen und gleichzeitig zu lesen. Sein Gehirn arbeitet mit halsbrecherischer Geschwindigkeit um sich alles zu merken, was er gelesen hat und als irgendwo da unten eine schwere Tür endlich zugeht, verfällt das Haus in Stille. Marcus weiß, dass das Treffen begonnen hat.

ooooooooooooooooooooooooo

„Also das wäre es," sagt Phil Richardson, seine Papiere zur Seite legend und sich mit seinen Händen auf dem Tisch nach vorne lehnend. „Wir haben jetzt dem dunklen Lord etwas zu zeigen aber das ist noch immer nicht genug. Was aber momentan sehr dringend ist, ist dass wir einen Ort finden, wohin wir ihn führen können. Es ist selbstverständlich dass es um einen sehr sicheren Ort handeln muss aber zur gleichen Zeit können wir ihn nicht hierher führen. Und es ist nicht genug Zeit um diesen Ort zu renovieren. Ich habe selbst darüber viel nachgedacht aber ich würde gerne eure Vorschläge hören. Ja?"

„Vielleicht wäre es am besten, wenn wir irgendwo in den Bergen einen passenden Ort finden würden," sagt der Todesritter, der sich zu Wort gemeldet hat. „Irgendwo in den Rocky Mountains. Das würde dem Polarisorden nie und nimmer einfallen und wir könnten doch die notwendigen Schutzzauber über Nacht über den Ort stellen."

„Das umfasst das Einnehmen irgendeines Hauses, was unnötige Aufmerksamkeit auf uns und unsere Aktivitäten lenken würde," sagt eine Hexe kopfschüttelnd. „Und erwartest du etwa ein Schloss in den Rocky Mountains zu finden? Wohl kaum. Und wir können sicherlich nicht den dunklen Lord in eine Jägerhütte führen."

Die Todesritter nicken.

„Wie wäre es mit deinem Ferienhaus, Gregory?" fragt einer. „Es wäre passend und außerdem hast du schon mehrere Schutzzauber rund um das Haus errichtet."

Der Zauberer schaut in die Runde.

„Ich bin ein Mitglied des Senats," sagt er sachlich. „Und die Hellmagier warten nur auf einen Grund, um mich rauszuschmeißen. Man beschattet mich den ganzen Tag lang und es ist schwierig genug, hierher zu kommen, geschweige denn eine Todesserkonvention in meinem Haus zu veranstalten."

„Na dann vielleicht braucht der verdammte Polarisorden eine Ablenkung, sodass er dich nicht weiter plagt," meint eine Hexe grimmig.

„Eine ausgezeichnete Idee," ist Richardson der Meinung. „Hast du schon etwas Bestimmtes im Kopf, Annabell?"

„Na ja, wir könnten ein paar Doppelgänger benutzen," meint sie nachdenklich. „Ein paar von uns werden irgendwo gesichtet, der Polarisorden schluckt den Köder mit Stumpf und Stiel, organisiert eine Fahndung und wenn es sich herausstellt, dass der Köder nicht echt ist, ist es schon zu spät weil der dunkle Lord bereits zurück in Frankreich ist. Ich weiß, es ist ein alter und mieser Trick aber manchmal sind solche Tricks am besten. Sie würden nicht solch ein Klischee von uns erwarten."

Phil Richardson lacht und schaut in die Runde.

„Ausgezeichnet!" sagt er begeistert und klatscht in die Hände. „Wählen wir! Wie viele sind dafür?"

Die Mehrheit der Todesritter hebt die Hände, aufgeregte und billigende Blicke wechselnd und Gregory seufzt. Was ihm die anderen befehlen, so wird es sein müssen.

„Wer ist dagegen?" fragt Richardson, der die Stimmen der Todesritter hinkritzelt und dann den Blick hebt. „Schön! Dann haben wir entschieden. Gregory, du bekommst Hilfe und unseren Schutz, keine Sorge, da du dadurch ein großes Risiko eingehst. Du stehst nicht alleine."

Gregory scheint das nicht gerade tröstlich zu finden.

„Annabell, eine exzellente Idee," sagt er zu der Hexe, die diesen Vorschlag überhaupt gemacht hat. Sie verneigt sich gespielt. „Du wirst deine Idee weiter entwickeln und zwar schnell. Ich melde mich freiwillig um einen der 'Flüchtlinge' zu spielen. Wer ist dabei?"

Einige Todesritter heben die Hände und Annabell schreibt ihre Namen auf.

„Gut also brauchen wir nur noch die 'Opfer'," sagt Richardson, in die Runde blickend. „Wer wird sich für uns ausgeben?"

„Wie wäre es mit Muggeln?" fragt Annabell achselzuckend. „Wir könnten sie mit Imperius belegen." Alle schauen sie so an, als sei sie verrückt geworden. „Ja ich weiß, das ist der älteste Trick im Buch. Aber ich denke nicht dass der Polarisorden so was Dummes und Einfaches von uns erwarten würde. Und außerdem würden wir so nicht unsere eigenen Leben aufs Spiel setzen müssen."

„Wer ist geschickt mit dem Imperius?" fragt Richardson in die Runde.

Einige Todesritter heben beinahe widerwillig die Hände. Wieder kritzelt Annabell ihre Namen in ihr Notizbuch hin.

„Das ist also erledigt," sagt Richardson, eine Zigarre hervorziehend. „Es bleibt nur noch ein Punkt der besprochen werden muss. Wir haben einen neuen Kandidaten."

Die Todesritter brechen in Gemurmel aus und Richardson drückt zwei Papierstapel zu den Todesrittern, welche auf seiner rechten und linken Seite sitzen.

„Bitte verteilen," sagt Richardson sachlich. „Also sein Name ist Marcus Garrison und er ist neunzehn Jahre alt. Auf dem Papier stehen ein paar Tatsachen über ihn. Ich habe den Jungen selbst kennengelernt und mir kommt er als ein wertvoller Zusatz zu unserer edlen Gesellschaft vor. Bitte lesen und dann werden wir wählen. Ich werde etwas zum Trinken besorgen."

ooooooooooooooooooooooooo

Als sich die Tür endlich öffnet, springt Marcus beinahe auf seine Füße. Patricia, die heute ein flottes schwarzes Kleid trägt, winkt ihm zu.

„Komm, sie warten auf dich," sagt sie zu ihm.

Er steht auf und atmet tief durch. Er ist nervös, ja, aber etwas in ihm sagt ihm, dass alles in Ordnung sein wird. Marcus wundert sich über die Tatsache, dass er nicht außer sich ist. Jemand anderer würde an seiner Stelle an die Decke springen aber Marcus scheint irgendwie zu wissen, dass nichts schiefgehen kann. Ob ihn das verrückt macht oder nicht, ist ihm momentan vollkommen egal.

Patricia mustert kritisch seine Jeans und sein T-Shirt.

„Warte, ich bringe dir etwas Passendes zum Anziehen," sagt sie und verschwindet wieder.

Nach zehn Minuten und in einem frisch gebügeltes Hemd das jedoch zu groß für ihn ist und schwarze Hosen folgt Marcus Patricia die Treppen hinunter und in einen verrauchten Raum, wo ungefähr einhundert Todesritter in drei Reihen sitzen. Manche rauchen und die Mehrheit trinkt und tuschelt miteinander. Marcus kommt es so vor, als sei es ein sehr langes Treffen gewesen obwohl er keine Uhr hatte, um sich die Zeit zu merken. Manche geben sich gegenseitig einen Schubs und blicken auf als ihn Patricia hineinführt und bei ihm stehen bleibt.

„Ach, Marcus," sagt eine bekannte Stimme.

Marcus erblickt Phil Richardson, der aufsteht und auf ihn zugeht.

„Kann ich euch um Ruhe bitten?" fragt er, an die Todesritter gewandt.

Die Todesritter verstummen und Marcus' Blick wird verschwommen als der Todesritter vor ihm stehen bleibt. Er grinst.

„Willkommen in unserer Organisation, Marcus," sagt er zu ihm, seine Hand in die Hosentasche steckend und eine kleine Schachtel hervorziehend.

Wie im Traum öffnet Marcus die Schachtel und blickt auf einen goldenen Ring mit dem Totenkopf. Seine Kehle wird trocken und er schluckt mehrmals als seine Finger über den Ring fahren. Als er aufblickt erblickt er Phil Richardson, der ihm seine Hand entgegenstreckt. Sich dümmlich fühlend nimmt er seine Hand und schüttelt sie.

Bevor er die Chance hat, etwas zu sagen, steht der allernächste Todesritter auf und streckt ihm auch seine Hand entgegen. Einer nach dem anderen schütteln sie seine Hand und Marcus versucht sich zu sammeln wobei sich der Raum um ihn herum zu drehen scheint, was aber an den vielen Gesichtern liegen könnte, die vor ihm auftauchen um ihm die Hand zu schütteln. Er sieht die Gesichter der bekannten Politiker und der in der Zauberwelt bekannten Menschen, alle von denen seine Hand ernst schütteln und ihn prüfend mustern.

„Setze dich," sagt Phil Richardson nach einer Ewigkeit des Händeschüttelns und Gratulierens.

Er lässt einen weiteren Stuhl erscheinen auf den sich Marcus langsam niederlässt, mit aller Kraft versuchend, nicht umzukippen.

„So," drängt die Stimme von Richardson durch seine Benommenheit. „Marcus wird momentan hier bleiben, da er nirgendwohin gehen kann. Hier kann er an seiner ersten Aufgabe arbeiten. Wenn wir fertig mit unserem Treffen sind, können wir etwas essen."

Er klatscht zweimal in die Hände und ein Teller erscheint vor Marcus. Der Raum bricht in Gemurmel aus und die Todesritter widmen sich ihrem Essen.

„Im Übrigen," sagt der Todesritter, der auf seiner linken Seite sitzt, „habe ich die gleiche Schule besucht wie du. Unterrichtet die Professorin Warrington noch immer dort?"

„Aber ja," sagt Marcus gleich, wobei die Erwähnung des Namens in ihm ein Gefühl weckt, dass es doch etwas Bekanntes in seiner bisher vollkommen neuen und unbekannten Umgebung gibt. „Sie ist einfach phantastisch."

„Meinst du?" fragt der Todesritter, der seine Gabel in die Hand nimmt.

„Ja, ihre Methoden waren vielleicht ungewöhnlich aber das machte ihren Unterricht viel interessanter und wirksamer," sagt Marcus bevor er sich aufhalten kann.

„Das habe ich auch gedacht," sagt der Todesritter.

„Stecke den Ring auf deinen Finger," sagt die Hexe auf seiner rechten Seite, die schon die Hälfte ihrer Suppe gegessen hat. „Sonst verlierst du ihn."

Marcus erinnert sich an die kleine Schachtel in seiner Tasche und zieht den Ring hervor. Ihn von allen Seiten musternd, fragt er sich, was seine Familie gerade macht und ob sie ihn schon als abgängig gemeldet haben. Er hebt den Blick und lässt ihn über den Raum schweifen. So hat er sich sein Leben nicht vorgestellt. Ihm war nicht einmal im Kopf, ein Todesritter zu werden. Er dachte, dass man ein verdammt guter Schwarzmagier und dazu auch reich sein musste, um aufgenommen zu werden. Aber das hier geht über jegliche Vorstellung, wie er seine Zukunft sah. Er sitzt in einem Raum bei den Todesrittern und isst. Unter dem Tisch zwickt er sich und zuckt zusammen. Kein Traum.

Als er den Ring auf seinen Ringfinger steckt, spürt er, wie sich der Ring magisch seinem Finger anpasst.