schwarzeKatze - hey danke für dein Review - und auch dir Danke DreiSternchen!

Diesmal geht es mit Vor weiter und - bin sehr auf eure Meinungen gespannt liebe Leser! Denn wie der Titel schon sagt, wird einiges enthüllt und anderes in Gange gebracht.

Kapitel 24 - Enthüllung

Die zu erledigenden Dinge waren schneller beendet, als Lucius gedacht hatte. Es war an sich auch nichts sonderlich wichtiges gewesen, aber im vergleich zu den Anweisungen des dunklen Lord war eigentlich alles nicht sonderlich wichtig und dieser hatte Lucius schließlich aufgetragen Vor Unterricht zu geben, was lesen, schreiben und Manieren anging.
Außerdem war er doch ziemlich gespannt darauf, ob Voldemort mit den Fortschritten des Jungen zufrieden gewesen war.
Also war Lucius wieder im Hauptquartier aufgetaucht, nachdem er einen kurzen Abstecher in die Nocturngasse gemacht hatte, wo man sich einfach am besten auf dem Laufenden halten konnte, was Schwarzmagisches anging.
Sein erster Weg endete im Leseraum, wo er zu seinem Erstaunen Vor vorfand.
"Was machst du hier? Ich glaube nicht dass irgendjemand dir gesagt hat, dass du dich einfach dort aufhalten darfst, wo du willst!"

Vor der gerade bei einem besonders interessanten, kleinen, in schwarzes Leder gehüllten Buch verharrte, dessen Titel irgend etwas mit Halb- und Schlammblütern und Muggeln zu tun hatte, bemerkte das Eintreffen seines Lehrers erst, als dieser ihn ansprach. Erschrocken aufblickend, das bereits aus dem Regal herausgezogene Buch in Händen – er hatte es gerade aufschlagen wollen, da er wissen wollte, was Halb-, Schlammblüter und Muggel sein sollten – blickte er zu dem großen, weißblonden Mann auf.

"Ich wollte weiter lernen.", sagte er nur, sich wie bei dem anderen, Macnair, glaubte er, hieß dieser, wundernd, warum er nicht durch das Haus laufen sollte. Was war daran so schlimm? Oder befürchteten sie wirklich, er würde davonlaufen wollen?

Um diese Angst nun ein für alle Mal auszuräumen, fügte er mit einem Blick auf das Buch und die Regale mit den vielen, weiteren Büchern hinzu: "Ich werde ganz bestimmt nicht versuchen wegzulaufen. Es gibt noch so viel, das ich nicht weiß."

"Mal abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass du es schaffen wirst, wegzulaufen, geht es nicht darum.", meinte Lucius. "Nimm es einfach so hin." Es ging den Jungen einfach nichts an, was sich hinter manchen Türen hier befand.
"Wenn ich dich je dabei erwische, wie du unerlaubt hier herumschleichst, dann Gnade dir Gott.", sagte er lediglich drohend. "Wegen mir kannst du dich hier im Leseraum aufhalten, aber wehe ich erwische dich woanders, als in dem Zimmer, wo du schläfst."
Wenn Voldemort irgendwann etwas erwähnte, dass Vor sich frei durch das Hauptquartier bewegen durfte, würde es etwas anderes sein, aber jetzt musste er, Lucius, dafür gerade stehen, wenn der Junge etwas verbotenes tat.

Sich über das Verbot ärgernd, war er doch kein kleines Kind mehr und hatte bereits mehr gesehen als manch Erwachsener, dann aber aufhorchend wiederholte Vor sicherheitshalber: "Aber hier darf ich sein? Hier und in … in dem Zimmer?"

Wenn es wirklich so war, dass er hier auch alleine rein durfte, wenn sein Lehrer keine Zeit hatte, dann wusste Vor, dass er keine Schwierigkeiten damit haben würde, seine Neugier im Zaum zu halten. Was konnten ihm andere Zimmer denn schon verraten, was er nicht hier – in so vielen Büchern – in Erfahrung bringen konnte? Zumal er sich einfach bessern musste, sowohl im Lesen, als auch im Schreiben. Er musste besser und schneller werden, damit er noch mehr Wissen in kürzerer Zeit sammeln konnte.

"Red ich irgendwie falsch?", fragte Lucius leicht genervt. "Das hab ich doch grad gesagt."
So wie es aussah, würde er den Jungen nun eine ganze Zeit am Hals haben, wenn er sich hier befand, und das schmeckte Lucius nicht sehr.
"Das Buch, was du da grad in der Hand hältst, ist auch nicht grad die passende Lektüre, für einen Jungen mit deinen Kenntnissen vom Lesen und der Magierwelt...", fügte Lucius nebenbei hinzu, auch wenn er eigentlich nichts dagegen hatte, wenn jemand eventuell etwas, über die einzig richtige Philosophie des Lebens und was wirklich wichtig war, herausfinden wollte. Dieses Buch beherbergte einige sehr lehrreiche Theorien über die niedere Schicht der Muggel und der, wenn nicht weitaus schlimmeren, Schlammblüter. In Lucius stiegen etwas wie Mordgedanken auf. Dieser Abschaum sollte wirklich auf der Stelle vernichtet werden unter größten Qualen, die sich beschwören ließen.

Nun ja, dass es nicht das richtige für seine derzeitigen Kenntnisse war, sah Vor durchaus ein. Aber das bedeutete nicht, dass er es nicht versuchen konnte. Langsam und ein wenig enttäuscht, wollte er das Buch bereits wieder zurückstellen, als ihm etwas einfiel: "Darf ich es auf das Zimmer mitnehmen, wenn wir mit Lernen fertig sind? Ich … könnte es nach dem Unterricht ja lesen."

Es interessierte ihn einfach wirklich, was diese Worte zu bedeuten hatten, die da in silberner Schrift auf dem Deckel prangten.

"Wegen mir...", murmelte Lucius und nickte einmal kurz.
"Also, wo du schon mal hier bist... wollen wir also gleich weitermachen mit dem Lernen?"
Lucius sah es in den Augen des Jungen. Diese Wissbegierige war einfach unübersehbar.

Vor grinste nur glücklich: "Nichts lieber als das!", freute er sich.

"Dann setz dich!", forderte Lucius den Jungen auf. "Wie ist eigentlich das Vorführen deiner Leistungen geworden?", fragte er vorher noch.

Gerade hatte sich Vor hinter einen der Tische gesetzt, als ihn die Frage seines Lehrers erreichte und an den gestrigen Abend zurückdenkend, errötete der junge Albino heftig vor plötzlich wieder in ihm erwachter Scham: "Ich … ich ..", begann er, schwieg dann aber mit unglücklicher Miene. Wie sollte er sagen, was in dem Büro geschehen war? Wie beschreiben, wie sehr er sich geschämt hatte, weil er nicht genug wusste? Sicher, der Mann, den alle My Lord, oder Herr, oder Meister nannten und dessen Namen er immer noch nicht wusste, schien am Ende nicht allzu enttäuscht gewesen zu sein. Aber er selbst – Vor – fand einfach, dass er noch viel zu wenig wusste. Dass er noch mehr hätte lernen können.

Er wartete eine Weile, als dann aber keine konkrete Antwort kam, verfinsterte sich seine Miene etwas. "Bist du taub? Los erzähl schon. Hat der Lord irgendetwas erwähnt? Dann können wir den heutigen Unterricht danach richten."

"Ich … ähm .. also …", begann Vor unsicher zu stammeln, fasste sich dann aber ein Herz, blickte in die ihn wütend anfunkelnden Augen und die finstere Miene seines Gegenübers und erwiderte nun weniger stotternd: "Er meinte es gibt nur 26 Buchstaben und keine 52. Dafür gäbe es aber 52 Zeichen und … er ... war glaube ich .. zufrieden."

"Geht doch...", murmelte Lucius. "Der dunkle Lord hat Recht. Es gibt auch nur 26 Buchstaben. Ich wollte dir nur begreiflich machen, dass du mehr als 26 ursprüngliche Buchstaben zu lernen hast."
Lucius ließ das Lernbuch wieder erscheinen und legte es geöffnet vor Vor auf den Tisch. "Ich denke, heute ist es Zeit, dass du dich den ersten Aufgaben in dem Buch widmest. Nur die ersten zwei Aufgaben und danach werden wir ein paar Leseübungen machen."
Auch Feder und Tinte erschien vor dem Jungen. "Ich denke mal, du wirst es diesmal schaffen, die Buchstaben schnell genug einzutragen. Und wenn nicht, bleibst du so lange da sitzen, bis du es schaffst."
Abwartend sah Lucius Vor an.

Nickend nahm sich Vor die Feder, tunkte sie vorsichtig in das Tintenfässchen ein, strich sie behutsam am Rand entlang von allzu viel der Flüssigkeit ab und konzentrierte sich auf das vor ihm liegende Buch mit den tanzenden Bildern, Wörtern und Buchstaben.

Diesmal konzentrierte er sich aber weder auf die Bilder, noch auf die immer woanders scheinenden Buchstaben, sondern rein auf die Wörter und – nach dem zweiten Anlauf schaffte er es auch, ein ‚u' in Za.n einzusetzen.

Entschlossen, da es nun ja bereits einmal geklappt hatte, machte Vor mit konzentrierter Miene weiter und tatsächlich, jetzt wo er wusste, auf was es ankam und was er unbeachtet lassen musste, viel es ihm immer leichter, die passenden Buchstaben rechtzeitig in die Lücken zu schreiben.

Interessiert beobachtete Lucius den Jungen. Er lernte wirklich schnell und das gefiel dem Erwachsenen. Es würde nicht sehr lange dauern und der Unterricht würde abgeschlossen sein. Das perfekte Lesen und das perfekte Schreiben konnte man sich nur selber beibringen. "Das machst du gut.", meinte Lucius und sah weiter zu, bis Vor die Aufgaben erledigt hatte. "Und? War es sehr schwer?"

War es schwer gewesen? Vor überlegte, schüttelte dann jedoch mit dem Kopf.
"Nein – nicht wirklich schwer, aber ich war Anfangs einfach zu langsam und habe auf die falschen Dinge geachtet. Habe mich von den Bilden und den herumschwirrenden Buchstaben ablenken lassen.", gab der blasshäutige Junge mit ruhiger Stimme, seine Fehler erkennend und aufzählend wieder.

Lucius nickte. "Es ist immer das Beste die Fehler einzusehen, daraus kann man lernen."
Er schenkte Vor ein anerkennendes Lächeln. "Mit den Schreibübungen sollte es für heute reichen. Wir werden uns heute auf das Lesen konzentrieren."
Er ließ das Buch einige Seiten umschlagen, wo nun ein relativ fließender Text auftauchte. diesmal wanderten die Buchstaben nicht. Der Text stand still da, nur die Bilder bewegten sich, wie kleine Filme, je nach Art, wie vorgelesen wurde.
So konnte es auch sein, dass die Figuren auf den Bildern, bei zu langsamen lesen, verärgert drein schauten und einen gereizten Ausdruck im Gesicht hatten. Schließlich konnten sie beim zu langsamen Lesen nicht alle Aktionen vorführen die sie zu tun hatten.
Lucius sah Vor erwartungsvoll an: "Los, fang an laut zu lesen..."

Vor fand es mehr als nur ein wenig verwirrend, dass die Bilder sich zu bewegen anfingen, als er mit dem Vorlesen begann, und ihn immer wieder vom Text ablenkten, mit ihren grimmigen Blicken, den lang wachsenden Nasen, den hervorquellenden Augen und den herausgestreckten Zungen, die sie ihm zeigten.

Doch dann erinnerte er sich an das Buch, das er gerade eben erst im Schreibunterricht gemeistert hatte und kam zu dem Schluss, dass es sich hierbei wohl um das selbe Prinzip handeln musste. So ignorierte er, so gut es eben ging, die weiter Grimassen schneidenden Gestalten und konzentrierte sich rein aufs Lesen. Und tatsächlich – begann es langsam, für Vors Geschmack immer noch zu langsam, besser zu werden.

Erst das heftige Rumoren in seinem Magen ließ Vor mehr durch Zufall als denn durch Absicht von dem Text aufblicken und mit Erstaunen erkannte er, dass eine der Figuren gerade dabei war, genau das zu tun, was er eben noch gelesen hatte. Sie hielt einen Stock, der wie Vor mittlerweile wusste, ein Zauberstab war, auf eine am Boden liegende Figur gerichtet und funkelte ‚ihn' grimmig aus der Buchseite heraus an, da er gerade jetzt zu lesen aufgehört hatte.

Während Vor mehr und mehr zu begreifen schien, schmunzelte Lucus.
Aus einer Laune heraus sagte er: "Lies es schnell, wenn du die Figuren ärgern willst, so wie sie es grad mit dir tun."
Lucius wusste dass die Bilder gar nicht mehr mit den Taten nachkamen, wenn man sehr schnell las. Er selber hatte das viele Jahre zuvor herausgefunden, als er selber zu lesen begonnen hatte.
Es war ein erheiternder Anblick, wie die Figuren irgendwann anfingen in ihren Bewegungen zu straucheln.
Mit einer knappen Bewegung ließ er wieder ein Tablett mit Essen und Trinken bei Vor erscheinen.

Dankbar lächelnd ergriff Vor die Chance, nahm sich das Glas, das diesmal bereits mit Fruchtsaft gefüllt war, und leerte es zur Hälfte, ehe er sich dazu entschloss, vor dem Essen erst noch weiter zu lesen. Vielleicht würde er es ja schaffen den Tipp seines Lehrers befolgen zu können und dann selbst zu sehen, wie sich die Figuren wegen und nicht über ihn ärgerten.

Lucius fand, dass Vor nun erstmal keine Probleme haben dürfte beim Lesen. Dieser Tipp würde den Jungen vielleicht sogar animieren schneller zu lesen und somit seine Fähigkeiten auszubauen. Unterbewusste Suggestion war immer noch eine der besten Lehrmittel.
Lucius stand von dem Stuhl auf, auf dem er bisher gesessen hatte, ging zu den Bücherregalen und nahm sich von dort ein Buch heraus. Das Buch handelte von nichts anderem als 'Muggel und ihre Fähigkeiten'. Er benutzte solche Bücher meist, um die Schwächen der Muggel und Schlammblüter herauszufinden. "Immer schön weiter lesen...", meinte er, noch während er nach dem Buch suchte, zu Vor.

Vor sah nicht einmal von dem Buch auf, an dem er weiter am vorlesen war. Doch als ihn dann ein noch ärgeres Magengrummeln packte und ihm auf einmal der Duft des Essens in die Nase stieg, ließ er Buch erstmal Buch sein und machte sich über das Essen her.

Erst als auch der letzte Rest an Essbarem verschwunden war, begann er erneut vorzulesen und als hätte ihm das Essen und der Saft und die kleine Pause tatsächlich mehr als nur Nährstoffreich gestärkt, ging es nun noch besser und flüssiger als zuvor.

Lucius ließ Vor solange den Text vorlesen, bis die Figuren in den Bildern wirklich anfingen zu straucheln. Dabei erklärte er dem Jungen immer wieder dass das Wort mit einem 'H' in der Mitte etwas länger gesprochen wurde als das Wort ohne 'H'. Genauso wie ein Wort abgehakter gesprochen wurde, sobald ein doppelter Buchstabe auftauchte.
Er erklärte Vor, dass ein Komma immer eine kleine Pause in einem Text bedeutete und der Punkt, eine größere.
Einige Stunden später, als die Figuren nicht mehr vor Resignierung reagierten, sondern vor Erschöpfung ließ Lucius Vor eine erneute Pause machen.

Auch wenn er es nicht zugegeben hätte, so freute sich Vor doch etwas über die Pause. Seine Augen begannen ob der Anstrengung nun doch langsam, aber sicher zu schmerzen.

Die Fortschritte des Jungen stellten Lucius wirklich zufrieden.
"Wenn du weiterhin so pflichtbewusst lernst, dann kannst du bald beginnen die Bücher, die hier stehen zu lesen...!", meinte er irgendwann, nachdem er von dem Buch aufsah, das er selber gerade studierte. Ab und an dachte er noch an Voldemorts Worte, von wegen der Frau, die dieser für ihn ausgesucht hatte. Aber momentan hatte er nur den relativ eigennützigen Gedanken im Kopf, vom dunklen Lord gelobt zu werden, wenn er Vor alles Wichtige beigebracht hatte.
Irgendwann, während der Pause sah Lucius Vor an. "Hast du irgendwelche Erinnerungen an deine Eltern?", fragte er,

Vor, der bei den ersten Worten seines Lehrers mit begeistertem Blick die vielen Bücher in den Regalen gemustert hatte, fuhr bei der nun an ihn gerichteten Frage nur leicht zusammen: "Nein.", war seine kurze Antwort, ehe jedoch inne hielt und leiser hinzufügte: "nur meinen Namen. Nichts sonst."

Er merkte gar nicht wie sich seine Finger langsam zu Fäusten ballten und sich seine Fingernägel in die Handballen gruben, so dass die Haut aufriss und die ersten Blutstropfen aus den kleinen Wunden traten. In seinen sonst vor Wissensdurst schimmernden Augen, brannte nun kalte Wut. "Sie hielten es offenbar nicht für nötig", fügte er mit leiser, bitterer Stimme hinzu, während sich seine eigentlich blassen Augen erst in ein mattes gelb und dann ein leichtes orange verfärbten, "sich um ihr Kind zu kümmern und setzten mich auf die Straße. Als wäre ich Müll, den man einfach fortwerfen kann, wenn man ihn nicht mehr mag."

Bei Vors Aussage zog Lucius eine Augenbraue hoch.
"Wie lautet dein Name...?", fragte er, hatte aber keinen besonderen Klang von Interesse in seiner Stimme, aber auch kein Desinteresse. Erneut kam ihm in den Sinn, das nur Muggel auf die Idee kamen, das eigene Kind auszusetzen...

"Vor ..", knurrte der junge Albino leise, stand abrupt auf, als würde er es nicht mehr aushalten sitzen zu müssen, ging zu dem großen Fenster hinter den Stühlen und dem Tisch, welches das Lesezimmer tagsüber gut erhellte und fügte, sich erst am Fenster wieder umdrehend, hinzu: "Vorlost Salazar Slytherin Riddle."

Für eine Sekunde schien es so, als würde der letzte Rest Farbe, aus dem eh schon blassen Gesicht von Lucius Malfoy verschwinden. Mit einem undefinierbaren Blick starrte er Vor eine ganze Zeit lang an, war nicht in der Lage etwas zu sagen, oder sich auch nur zu rühren.
Konnte das wahr sein?
Oder machte der Junge ihm etwas vor? Hatte er vielleicht schon in einigen Büchern gestöbert...?
"Lüg mich nicht an, Junge...", gab er in einem leisen Ton von sich.
Hatte der dunkle Lord etwa damit gerechnet, mit irgendetwas in dieser Richtung? Das würde das Interesse erklären.

Das leichte Orange begann sich ob der Anschuldigung langsam, aber sicher zu verdunkeln, bis es mehr rot als Orange wirkte, was ob des hinter ihm in den Leseraum fallenden Lichtes jedoch nicht so leicht auffiel. "Ich lüge nicht!", zischte Vor mit nun unverkennbarer Wut in der Stimme, "wer immer sie waren, das war das Einzige, was sie mir hinterließen. Namen, nichts weiter! Sie hätten sie ebenso gut behalten können! Mich haben sie ja schließlich auch nicht gewollt!" Letzteren Satz schrie der Junge regelrecht seinem Lehrer entgegen.

"Zügel deine Zunge!", gab Malfoy dem Jungen lautstark zurück und stand nun selber auf. Auch wenn Vor wirklich das war, was sein Name aussagte, hatte der Junge nicht das Recht ihn, Lucius Malfoy, anzuschreien. Auch wenn Vor sich nur über die beschwerte, die er seine Eltern schimpfen konnte.
"Setz dich hin und sei still!", fuhr er den Jungen an und überlegte, was er nun tun musste. Ohne Zweifel dem Lord Bericht erstatten. Ja. Das musste er tun. "Du bleibst hier und wehe dir, du kommst auf die Idee, dich irgendwohin zu verdrücken!"
Mit diesen Worten drehte der Erwachsene sich um und verschwand aus dem Lesezimmer, um auf schnellstem Weg zu Voldemort zu gelangen. Vor der Tür fasste er sich wieder etwas und klopfte auch sogleich an.

Vor, der zu überrascht über die Reaktion seines Lehrers war, ging zum Lesestuhl zurück, nahm das Buch, aus dem er hatte vorlesen sollen, in die Hand und versuchte sich auf die Buchstaben zu konzentrieren. Doch gelang es ihm nicht. Er war einfach viel zu aufgewühlt, um die vor seinen Augen zu tanzen scheinenden Zeichen zu zueinander passenden Wörtern formen zu können.

"Ja!", donnerte Voldemorts Stimme ungehalten durch die Tür, als es klopfte.. Er war gerade mehr als beschäftigt. Einer seiner Untergebenen, der sich gerade stöhnend am Boden wand, hatte einen Bericht abgeliefert, der absolut unverzeihlich war.
Das brachte alle seine Pläne völlig durcheinander.

"Es tut mir leid, My Lord...", nuschelte Lucius und nahm gar keine Notiz von der Person am Boden, als er in den Raum eintrat.
"Aber, der Name des Jungen..." Lucius verstummte, konnte es einfach immer noch nicht glauben. "Er sagt sein wahrer Name sei Vorlost Salazar Slytherin Riddle..."
Er hob den Kopf und sah Voldemort an.

Voldemort war eine Sekunde so geschockt, dass er den Fluch von dem sich am Boden krümmenden Avery nahm und nur noch Lucius anstarrte. Er hatte also tatsächlich recht gehabt. Das Kind hatte damals überlebt und war nicht geopfert worden. Andererseits konnte es ein Trick sein. Er würde abwarten, was der Trank des Giftmischers herausbrachte, wenn dieser in einem Monat fertig war.
"Darum kümmern wir uns später. Jetzt geht es um diesen Versager.", knurrte der dunkle Lord und zeigte auf Avery. "Dieser Idiot sollte seine Ex beschatten und hat sich entdecken lassen... jetzt ist sie in Canterbury! Also stimmt der vage Verdacht, dass sie zum Orden gehört..."

"My Lord... wenn wir gleich...", versuchte Avery mit weinerlicher Stimme anzufügen, schrie aber sofort wieder auf, als ihn ein erneuter Cruciatus traf. Er war im Foltern von Menschen eindeutig weitaus besser, als im Einstecken von Qualen.

Lucius hielt inne und sah zu Avery hinunter, dessen vor Qualen gekrümmter Körper doch für leichte Erheiterung sorgte. Auf seinem Gesicht bildete sich ein hämisches Grinsen. Lucius war eh der Meinung dass Avery eher ein unnützer Schleimscheißer war. Abschaum, der es eigentlich nicht verdiente, zum inneren Kreis zu gehören.
Es bestätigte sich also jetzt auch noch, da er ja noch nicht einmal in der Lage war einen Auftrag ordnungsgemäß auszuführen. "Mit Verlaub, My Lord. Glaubt Ihr, dass nun irgendwer des Ordens Verdacht schöpfen könnte, wo unser Stützpunkt ist...?"

"Nein...das ist unwahrscheinlich. Es sei denn dieser Idiot hat sich verfolgen lassen.", erwiderte Voldemort und trat Avery kurz in den Magen. "Allerdings ist sie nach Canterbury und das wird wahrscheinlich bedeuten, dass Sonntag der Angriff zu spät sein wird... Nein, wir greifen morgen früh bei Sonnenaufgang an. Verschwinde, Avery... und wenn du Morgen das Weib nicht erwischst - tot oder lebendig - kannst du dich gleich selbst erledigen."

Der Angesprochene wimmerte einige Versicherungen, dass er alles tun würde, was der Lord befahl und stahl sich dann rückwärts aus dem Büro.

Mit einem argwöhnischen Blick sah Lucius Avery noch hinterher, ehe er wieder zu Voldemort sah.
Noch immer war er ein wenig wütend darüber, dass er an dem Angriff nicht teilhaben durfte. Zu gerne würde er wieder einigen dieser Muggelfreunde zeigen, dass die Verbindung, die sie geschlossen hatten, und all ihre Unterfangen einfach nur lachhaft und Unnütz waren.
"Morgen also.", meinte er nur und ging einige Schritte, dachte anscheinend nach. "Wir müssen damit rechnen, dass, wenn dieser Abschaum nicht schon sofort die Sachen gepackt hat, zumindest die Abwehrzauber verstärkt worden sind. Das Problem daran ist einfach, dass sie ab jetzt wahrscheinlich jeden Tag damit rechnen, dass es einen Angriff geben wird."

"Ich werde damit schon fertig werden... Du!.. Wirst dich morgen mit Narzissa Black treffen.", erwiderte Voldemort und ging zu einem der Sessel am Kamin, um sich zu setzen.
"Ich will, dass du dich mit jedem aus dem inneren Kreis in Verbindung setzt und mitteilst, dass der Angriff morgen bereits stattfindet. Der Treffpunkt bleibt der gleiche."
Einen Moment schwieg der dunkle Lord dann und sah ins Kaminfeuer.
"Wie macht sich der Junge? Übrigens... er widerspricht zu oft!"

"Natürlich, My Lord...", meinte Lucius, verbarg den Missmut in seiner Stimme gekonnt. Er würde so schnell wie möglich allen Bescheid geben.
Dann fiel das Gespräch wieder auf Vor.
"Nun, er lernt schnell. Sehr vorbildlich. Als ich vorhin in den Lesesaal kam, war er schon drauf und dran ein Buch lesen zu wollen. Ich werde mich natürlich um die Manieren des Jungen kümmern..."

"Das will ich sehr hoffen, sonst kümmere ich mich um deinen Gehorsam.", murmelte Voldemort und drehte den Kopf, sodass er Lucius anfunkeln konnte.
"Geh! Kümmere dich zuerst um die Nachrichten..."

Die Wut, die für einen kurzen Moment in Lucius aufstieg, verebbte schnell wieder. Schließlich hatte der Lord jedes Recht dazu ihn, Lucius, zu bestrafen wenn er die Aufträge nicht gut genug ausführte. Aber das würde er. Egal wer oder was der Junge war...
Lucius verbeugte sich leicht und verschwand dann aus dem Raum, um als erstes Macnair aufzusuchen, der sich garantiert wieder mit einem seiner so genannten Spielzeuge vergnügte...

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TBC