Mir gehört wie üblich nichts außer der Idee, der Rest gehört J.K. Rowling.

Kapitel 25 – Gespräch am Astronomieturm

Mit einem wütendem Blick sah Dean, wie Chris Brown hastig einen letzten Bissen hinunter schluckte und durch die große Halle lief, bis er bei Ginny Weasley war. Er beobachtete von einiger Entfernung, wie Ginny Brown anlächelte und die beiden zusammen zu ihrem nächsten Unterricht hasteten. Sein Gesicht verzog sich zu einem Groll. Zum Glück hatte er eine Freistunde am Morgen, sodass er nicht wie der Rest der großen Halle zum Unterricht laufen musste. Stattdessen frühstückte er in Ruhe weiter, doch das Bild von Brown und Ginny ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er hatte den Jungen vom ersten Moment im Hogwarts-Express an nicht leiden können, diesen verdammten Muggelgeborenen, und spätestens seit dem Verlust seiner Position in der Quidditch-Mannschaft war er richtig wütend auf ihn. Die Posteulen ließen ihn von seinen dunklen Gedanken aufschrecken und in diesem Moment setzte sich Seamus zu ihm.

HPHPHPHPHPHP

Als Chris an diesem Nachmittag nach dem Unterricht mit Ginny, Colin und Sarah über einen Witz lachend den Gemeinschaftsraum betrat, ging sein Blick wie in den letzten Tagen als erstes zum schwarzen Brett. Mit Erstaunen beobachtete er die Menschentraube, die sich davor gebildet hatte. Schüler aller Jahrgangsstufen standen davor oder rannten hektisch und laut redend im Gemeinschaftsraum umher. Als sein Blick zu Ginny fiel, bemerkte er, dass sie lächelte und auch auf seine Lippen schlich sich ein Lächeln. Colin, der sofort neugierig mit Sarah zum schwarzen Brett gelaufen war, kam wieder zurück und grinste Chris an. „McGonagall hat ihn aus der Mannschaft geworfen. Ihn und Seamus." Chris Grinsen wurde noch ein Stück breiter und er eilte zum schwarzen Brett hinüber. Er musste sich durch die Schülermasse drängen, um den Aushang lesen zu können.

Aushang zur Quidditchmannschaft

Mit sofortiger Wirkung ist Mr. Thomas vom Amt des Quidditch-Kapitäns und aus der Hausmannschaft zurückgetreten. Das Amt des Kapitäns übernimmt nach Rücksprache ab sofort Miss Bell. Die Auswahlspiele für einen neuen Jäger sind für Samstag, 9 Uhr angesetzt. Zudem werden die Auswahlspiele für einen Sucher, die am Anfang des Schuljahres leider versäumt worden waren, ebenfalls am Samstag um 9 Uhr nachgeholt.

Professor Minerva McGonagall, Hauslehrerin Gryffindor

Nachdem er den Aushang gelesen hatte, drückte er sich wieder durch die Menschenmenge und kehrte zu Ginny, Colin und Sarah zurück. „Samstag um 9 Uhr sind die Auswahlspiele." Ginny sah ihn fragend an. „Wirst du es versuchen?" Darüber hatte Chris in den letzten Tagen einige Zeit nachgedacht und er war zu dem Entschluss gekommen, dass es ungefährlich für ihn und seine Identität war. Zudem vermutete er, dass Professor McGonagall ihn auch noch darauf ansprechen würde und da konnte er schließlich schlecht nein sagen. „Ja, ich werde antreten. Als Sucher." Colin und Sarah nickten ihm zustimmend zu, während Chris sich Ginny zuwandte. „Und du?" Ohne zu überlegen grinste sie ihn an. „Natürlich, aber als Jäger. Gegen dich habe ich als Sucher ja eh nicht den Hauch einer Chance." Chris rollte nur mit den Augen. „Ich werde dann mal in die Bibliothek gehen, Hausaufgaben für Zaubertränke machen. Hier ist es mir eindeutig zu laut und hektisch. Wer kommt mit mir?" Ein Nicken von Ginny und zweimal je ein Kopfschütteln von Colin und Sarah waren die Antworten. Zufrieden über den bisherigen Verlauf des Tages nahm er seine Tasche und verließ mit Ginny den Gemeinschaftsraum. Deans wütenden Blick aus einer dunklen, verborgenen Ecke des Gemeinschaftsraumes hatte er erneut nicht bemerkt.

HPHPHPHPHPHP

Jubelnd verließen Chris und Ginny Arm in Arm das Quidditchfeld. Eine Masse von Griffindors stürmte nach den gerade absolvierten Auswahlspielen auf das Feld und sofort kamen Sarah, Colin und Karen auf sie zugestürmt. Breit grinsend fiel Sarah Ginny um den Hals. „Du hast es geschafft! Du hast es tatsächlich geschafft!" Ginny strahlte ihre Freundin an, umarmte sie nochmals fest und zusammen hüpften sie einige Male auf und ab. Währenddessen kam Colin mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf Chris zu. „Spektakulär geflogen." Chris lächelte und war sich sicher, was Colin in diesem Moment dachte. „Danke, Colin." Mit gespielt ernstem Blick fügte er hinzu: „Aber ich werde nicht bei Lobster London spielen, egal wie oft du mich fragst." Durch diesen Kommentar brach Colin in Gelächter aus und Chris stimmte gut gelaunt mit ein.

Es hatte sich so gut angefühlt, endlich wieder in der Luft zu sein. Doch bei des Auswahlspielen war da noch etwas anderes als sonst gewesen, nachdem sich seine anfängliche Nervosität etwas gelegt hatte. All diese Menschen, genau genommen fast alle Gryffindors, hatten auf der Tribüne gesessen und ihm jedes Mal zugejubelt, wenn ihm etwas gelungen war, sei es ein Trick oder das erfolgreiche Fangen des Schnatzes. Jeder Jubelschrei aus dem Publikum hatte ihn noch stärker motiviert, den Schnatz als erstes zu finden und ihn zu fangen und hatte zudem ein Glücksgefühl in ihm ausgelöst.

Seitdem er wieder gelandet war, fühlte er sich jedoch wieder ein wenig unbehaglich. Er war zum neuen Sucher ernannt worden und stand seitdem deutlich weiter im Mittelpunkt, als es ihm eigentlich lieb war. Alle Augen schauten nun auf ihn, seine Hand wurde von der einen in die andere gereicht, denn jeder wollte ihm plötzlich gratulieren. Hatten sie denn alle vergessen, wie sehr sie ihn in der letzten Zeit ignoriert hatten?

Chris hielt Ausschau nach Ginny und sah, wie sie kurz von Colin umarmt wurde. Er fühlte ein kurzes Stechen im Herzen, doch er wusste nicht, was es war, und es ging sofort wieder vorbei. Er lächelte ihr zu und in diesem Moment sah sie ihn an und kam auf ihn zu. Stürmisch wurde er von ihr umarmt und er drückte sie bei der Umarmung ebenso fest an sich wie sie ihn an sich. Als sie sich wieder ein wenig voneinander gelöst hatten, schauten sie sich tief in die Augen und Chris spürte plötzlich eine Wärme in seinem Herzen. Ihre Augen waren so wunderschön! Chris bemerkte, wie nah sich ihre Gesichter auf einmal waren.

Chris wollte sich gerade ein Stück nach vorne beugen, als ihm plötzlich jemand im Vorbeigehen die Schulter in den Rücken rammte und ihn so hart in Ginnys Umarmung stieß, dass sie beide fast umfielen. Als Chris sich umdrehte, konnte er jedoch nicht erkennen, wer ihn gestoßen hatte, denn die Person war schon wieder in der Masse verschwunden.

HPHPHPHPHPHP

Wütend lief Dean planlos durch die Korridore von Hogwarts. Dieses verdammte Schlammblut hatte tatsächlich beinahe Ginny geküsst. Seine Ginny! Ein Glück, das er zur Stelle gewesen und ihn noch rechtzeitig hatte wegstoßen können! Er war so wütend auf Brown. Er zog seinen Zauberstab, obwohl dieser in diesem Moment nutzlos war, und rannte so schnell er konnte durch die Gänge, den Blick starr auf seine Schuhe gerichtet. Als er nicht mehr weiter laufen konnte, blieb er völlig außer Atem stehen und steckte den nutzlosen Zauberstab in seiner Hand wieder ein. Ein kurzer Blick zeigte ihm, dass er am hinteren Ende des Schlosses war, nicht weit weg vom Astronomieturm. Er genoss einen kurzen Moment die Stille, ehe er plötzlich hinter sich leise Schritte hörte. Obwohl er eigentlich allein sein wollte, drehte er sich um, da die Schritte immer lauten wurden. Direkt vor ihm stand Professor Dumbledore und lächelte ihn freundlich an. Der Schulleiter schaute ihn mit einem wissenden Blick an, sodass Dean ein kurzer Schauer über den Rücken lief. Es war kurz still, ehe Professor Dumbledore zu sprechen begann.

„Sie müssen die Vergangenheit auch irgendwann einmal ruhen lassen, Mr. Thomas." Überrascht starrte Dean seinem Schulleiter ins Gesicht und es fühlte sich plötzlich an, als würde Professor Dumbledore direkt durch ihn hindurch blicken. Bevor er etwas entgegnen konnte, begann der Professor schon wieder zu sprechen. „Grundloser Hass ist, wie er auch schon heißt, grundlos. Lasse dich nicht schon in so jungem Alter zu ihm hinreißen." Diese Worte verwirrten Dean noch mehr und obwohl er eigentlich wütend war, verflog sein Zorn langsam. Er wartete einen Moment ab, doch der Schulleiter schien kein Bestreben zu haben, seine Gedanken weiter auszuführen. Stattdessen holte er eine kleine Dose aus seiner Robentasche, öffnete sie und hielt sie Dean hin. „Zitronendrop?" Vollkommen verwirrt nahm dieser sich einen Drop und schob ihn sich in den Mund. Der saure Geschmack von Zitrone breitete sich schnell aus, während er über die Worte seines Gegenüber nachdachte.

Doch egal wie lange er versuchte, die Bedeutung der Worte zu erfassen, machten sie für ihn einfach keinen Sinn. Wieso sollte er grundlos hassen? Ein wenig ungeduldig über die so berühmte und geheimnisvolle aber auch verschrobene Art von Professor Dumbledore harkte er nach. „Was meinen sie damit, Professor?" Dieser ging nicht direkt auf die Frage ein sondern nahm sich zunächst auch einen Drop und verstaute die kleine Dose wieder in seiner Robe. „Sie müssen wissen, Mr. Thomas, ich beobachte Mr. Brown sehr genau." Einen kurzen Moment sah der Professor so aus, als würde er sich selbst über seine Worte ärgern, ehe er fortfuhr. „Ich habe bemerkt, dass Sie beide nicht sonderlich gut zurecht kommen." Dean wollte etwas verteidigendes entgegnen, aber Professor Dumbledore ließ ihn nicht zu Wort kommen. „Sie müssen sich nicht vor mir rechtfertigen. Ich möchte einfach nur, dass sie darüber nachdenken, wieso sie sich so verhalten."

Professor Dumbledore machte eine kurze Pause, um Dean scheinbar ein wenig Bedenkzeit zu geben. Als dieser jedoch nicht reagierte sondern seinen Schulleiter nur mit einem unschlüssigen Gesichtsausdruck ansah, sprach er die indirekt gestellte Frage direkt aus. „Sagen sie mir doch bitte einen triftigen Grund, wieso sie Mr. Brown so ablehnend gegenüber sind." Obwohl seine Frage sehr freundlich formuliert war, wusste Dean, dass dies keinesfalls eine freundliche Bitte war. Professor Dumbledore erwartete eine Antwort von ihm. Also dachte Dean an Brown und sofort spürte er wieder, wie er wütend und zornig wurde. Schnell öffnete er seinen Mund, um dem Professor etliche Gründe zu nennen, die er hatte. Doch ihm fiel in diesem Moment kein guter Grund ein und er klappte seinen Mund wieder zu. Das konnte doch gar nicht sein, er hatte viele gute Gründe, weshalb er Brown nicht mochte! Das Ganze ging den Schulleiter doch gar nichts an!

Und doch hatte ihn seine Frage verunsichert, denn wenn er darüber nachdachte, hatte der Schulleiter irgendwie recht. Er hatte Brown seit seinem ersten Treffen nicht leiden können. Dabei hatte er sich mit Brown noch nie richtig unterhalten. Unsicher ging er einen Schritt rückwärts. „Es geht sie überhaupt gar nichts an, wieso ich Brown nicht leiden kann!"

Professor Dumbledores Blick veränderte sich plötzlich und er starrte Dean jetzt direkt in die Augen. Dieser fühlte sich beinahe, als könnte der Professor in ihn hineinschauen, direkt in seinen Kopf und in seine Gedanken. Er fühlte sich beobachtet und trat einen weiteren Schritt zurück, als der Schulleiter seinen bohrenden Blick wieder von ihm abwandte und ihn nun von oben bis unten musterte. Die Züge des Schulleiters wurden wieder sanft und seine Stimme war leise. „Es ist die Vergangenheit, die nicht ruhen will, nicht wahr?" Erstaunt starrte Dean seinen Professor an. Woher hatte der bloß immer solche zutreffenden Ideen? Bevor Dean jedoch weiter darüber nachdenken konnte, fing der Schulleiter schon wieder an zu sprechen. „Die Vergangenheit ist nichts, wofür sie sich schämen brauchen, Mr. Thomas. Und sie müssen auch nicht auf alles stolz sein, was sie getan haben. Das ist niemand. Aber sie müssen ihre Vergangenheit akzeptieren und sich mit ihr auseinandersetzen. Sie dürfen sie nicht ignorieren."

Nach einer Stille fuhr Professor Dumbledore fort. „Nun, Mr. Thomas, ich warte auf ihre Antwort." Dean zögerte kurz, ehe er einfach aussprach, was er gerade dachte. „Am Anfang mochte ich ihn nicht, weil er sich so gut mit Ginny verstanden hat. Die beiden sahen direkt auf den ersten Blick so aus, als würde sie etwas verbinden." Ein kleines Lächeln schlich sich auf die Lippen vom Professor und ihm entfuhr ein leises glucksen. „Ach ja, die Liebe. Sie lässt uns so manches Mal blind für viele Dinge werden." Dean nickte stumm und dachte weiter darüber nach, wieso er Brown so verabscheute. Es blieb einige Minuten still im Korridor und Professor Dumbledore machte keine Anstalten, die Stille zu brechen, während Dean die Ereignisse der letzten Tage in seine Erinnerung rief. Er war immer noch zornig, wenn er an Brown dachte, aber auf der anderen Seite hatte dieser seinen Zorn gar nicht verdient. „Er ist irgendwie wie eine Mischung aus Hermine und Kevin." Die Erkenntnis traf ihn hart und Dean senkte seinen Blick auf den steinigen Boden vor seinen Füßen.

Rückgabe eines Englisch-Aufsatzes. Stolz blickte Dean auf seine gute Note und strahlte seine Lehrerin an. Doch diese lächelte ihn nur kurz an, ohne ihm ein Wort des Lobes für die Bestnote auszusprechen. Eine Minute später erklang ihre sonst so strenge Stimme weich durch den Klassenraum. „Kevin hat wieder einmal die beste Note." Stolz blickte sie die Klasse an und sofort wurde Kevin von seinen Klassenkameraden umringt. Nur Dean bleibt einsam auf seinem Platz sitzen, neidisch, dass er nicht so viel Beachtung geschenkt bekam. Schließlich hatte er die gleiche Note. Er war immer fast genau so gut wie Kevin!

„Ständig stand ich nur in seinem Schatten. Immer stand Kevin im Mittelpunkt. Kevin, der Vorzeigeschüler. Kevin, das intelligente, englische Kind." Seine Stimme war nun ganz leise und traurig, hallte jedoch trotzdem im leeren Korridor. Noch ehe Professor Dumbledore etwas entgegnen konnte, war Dean schon in die nächste Geschichte seiner Kindheit versunken.

Die Pausenklingel ertönte laut und riss Dean aus seinem Tagtraum. Als Allererster sprang er auf, griff nach seiner schon gepackten Tasche und eilte aus dem Klassenraum. Auf dem Schulhof suchte er sich seine Ecke und blieb dort einsam sitzen. Eine Träne der Verzweiflung drohte sich den Weg aus dem Augenwinkel des kleinen Deans zu bahnen. Doch er durfte nicht weinen, er musste stark sein. Kevin und sein bester Freund standen plötzlich vor ihm. Beide hatten ein spöttisches Lächeln auf ihren Lippen. „Mr. Black ist wohl nur wieder die Nummer zwei. Wie schade für ihn." Grinsend hielt Kevin sein Zeugnis in die Höhe. Das Zeugnis, für dass er Minuten vorher von seiner Klassenlehrerin hoch gelobt worden war. „Gib es auf, Thomas. Du wirst nie besser sein als ich. Du bist eben nicht so gut, wie ich es bin."

Der Zorn über die Vergangenheit überwältigte Dean plötzlich und verbreitete sich in seinen Adern wie ein Gift. Wütend richtete er sich voll auf und schrie Professor Dumbledore an. „Wissen sie, wieso ich so behandelt worden bin? Wissen sie, wieso sie mich nicht beachtet haben? Sie haben mich nicht gemocht, nur weil ich anders bin!" Er machte eine kurze Pause. „Können sie sich eigentlich vorstellen, wie es sich anfühlt, nur auf seine Herkunft und Hautfarbe reduziert und deshalb sogar ausgegrenzt zu werden?" Wütend suchte Dean etwas, auf das er einen Fluch schleudern konnte. Doch in dem Korridor waren nur er und Professor Dumbledore. Dieser schaute ihn wieder durchdringend an und erhob seine Stimme. „Ich kann nur erneut sagen, was ich ihnen vorhin schon gesagt habe. Lassen sie sich nicht zu grundlosem Hass hinreißen. Sie haben doch scheinbar am eigenen Körper erlebt, wie unfair das ist."

Dean wollte etwas entgegnen, doch er kam nicht dazu, denn Professor Dumbledore drehte sich um und ließ ihn allein mit seinem Zorn und seinen Gedanken zurück.