Der letzte Tanz

Ron reagierte äußerst beschämt, als er erfuhr, dass er beinahe von Blaise Zabini umgebracht worden wäre.

„Ausgerechnet der Schönling", sagte er und schauderte übertrieben. „Wenn es wenigstens Selwyn gewesen wäre, aber Zabini..."

- „Nicht witzig, Ron", fauchte Hermine.

„'Tschuldige."

- „Wann wirst du entlassen?", fragte Harry, um das Thema zu wechseln.

„Pomfrey meint, in frühestens vier Tagen", sagte er finster. „Als wenn ich hier nicht schon genug Zeit verschwindet hätte..."

- „Nun, es ist ja nicht so, dass du hier nichts zu tun hättest", meinte Hermine schroff und deutete auf den beachtlichen Stapel Mitschriften und Bücher, die sie ihm mitgebracht hatte.

Ron verdrehte genervt die Augen. „Ja, das wertet diesen ganzen Aufenthalt hier wirklich unglaublich auf, Hermine."

Er nahm einen Schluck Kürbissaft und verzog das Gesicht, als er das Glas wieder absetzte. Harry seufzte innerlich auf. Ron konnte so gesund tun, wie er wollte, aber er war längst nicht wieder der Alte.

„Wie macht Hooper sich?", fragte Ron unschuldig.

„Klasse", brummte Harry. „Einfach klasse. Wenn du nicht schnell wieder hier rauskommst, bist du deinen Platz im Team los."


Nach dem Besuch im Krankenflügel machte er sich auf den Weg zum Quidditch-Training, während Hermine sich mit Ernie und Terry traf, um zu patrouillieren. Hoopers Leistung brachte ihn wieder einmal an den Rand eines Schreikrampfs, obwohl Peakes und Coote mit den Klatschern schon gar nicht mehr auf den Ersatzhüter zielten.

„Können wir nicht einfach einen Erstklässler ins Tor stellen?", murmelte Peakes, als sie sich umzogen. „Bitte?"

- „Ron ist bald wieder fit", seufzte Harry. „Bis dahin müssen wir es wohl oder übel mit ihm aushalten."

Harry glaubte nicht, dass Geoffrey Hoopers ohnehin kaum vorhandenes Selbstbewusstsein seinen Rauswurf als Ersatzhüter überleben würde.

Am Samstag ging er, begleitet von Ginny, nach Hogsmeade, um sich dort mit Tudgeberry zu treffen. Hermine blieb im Schloss, um Ron zu besuchen und ihm alles beizubringen, was er in dieser Woche an Stoff verpasst hatte.

„Wie hast du McGonagall eigentlich dazu gebracht, uns gehen zu lassen?", fragte Ginny, während sie übers Schlossgelände gingen.

Harry grinste sie an. „Das war ganz einfach. Wir sind beide erwachsen, also haben wir jedes Recht, die Schule am Wochenende zu verlassen."

- „So ganz ohne Begleitung?"

- „Natürlich", sagte Harry und drückte sie kurz an sich. „Die würde uns doch nur stören..."

Ginny lachte leise. „Kann es sein, dass wir nach diesem Treffen noch etwas länger da bleiben?"

- „Wer weiß", sagte Harry mit einem Augenzwinkern.

Troilus Tudgeberry erwartete sie in einem Zimmer im ersten Obergeschoss der Drei Besen. Er war ein großer, ernster, glatzköpfiger Mann mit einer Unmenge Falten, der einen schwarzen Umhang über einem weißen Hemd mit karierter Krawatte trug.

„Mr Potter", sagte der Anwalt, als sie hereinkamen und schüttelte seine Hand. „Es ist mir eine Ehre. Und die junge Dame ist sicher Miss Weasley?"

Ginny schüttelte ebenfalls seine Hand. „Sie sind gut informiert."

- „Das gehört zum Job", sagte Tudgeberry und deutete einladend auf die Sitzgruppe vorm Kamin.

Nachdem sie sich gesetzt hatten, zog er seinen Zauberstab.

„Nur einige Schutzzauber", sagte er ruhig. „Damit wir ungestört sind und sicher sein können, dass niemand zuhört."

Er machte einige Schlenker mit dem Zauberstab, die Harry als ein paar der Schutzzauber erkannte, die Hermine und er im letzten Jahr immer um das Zelt gewoben hatten, und steckte dann seinen Zauberstab wieder weg.

„Nun, Mr Potter...wie kann ich Ihnen behilflich sein?"

Harry räusperte sich. „Zunächst mal würde ich gerne wissen, ob Sie Rita Kimmkorns neues Buch gelesen haben."

- „Natürlich", sagte Tudgeberry und richtete seine Krawatte. „Das Buch und jeden einzelnen Artikel, den sie je über Sie geschrieben hat, ihr Hauself hat schließlich gesagt, dass es um die...Dame geht."

- „Gut", knurrte Harry. „In der Muggelwelt würde dieser ganze Müll reichen, um sie wegen Rufmords dranzukriegen, aber ich weiß nicht, ob es hier auch so ist. Ich habe keine Ahnung von magischem Recht."

- „Der Tatbestand sieht ganz ähnlich aus, Mr Potter", sagte Tudgeberry gelassen. „Und ich habe keine Zweifel daran, dass eine solche Klage von Ihrer Seite Erfolg haben würde, allerdings möchte ich kurz auf die Risiken eingehen."

Harry nickte kurz.

„Wenn Sie beweisen wollen, dass Kimmkorn Lügen verbreitet, liegt es in der Natur der Sache, dass Sie mit der Wahrheit herausrücken müssen. Logischerweise wird diese Wahrheit dann öffentlich, und ich könnte mir vorstellen, dass es einiges gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es jeder weiß. Nehmen wir zum Beispiel ihre Kindheit bei diesen Dursleys..."

Harry runzelte die Stirn. „Ich habe nicht-"

- „Ich glaube nicht, dass Sie derjenige waren, der misshandelt hat, Mr Potter", sagte Tudgeberry eilig. „Nein, nein, das ist offensichtlich. Aber die Frage ist, ob Sie dafür bereit sind, dass die Öffentlichkeit weiß, was Ihnen in Ihrer Kindheit widerfahren ist, verstehen Sie?"

Harry nickte langsam und Tudgeberry fuhr fort.

„Was den Rest angeht, so ist die Lage da noch verzwickter, besonders, was Ihre Aufeinandertreffen mit Ihm-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf angeht."

- „Voldemort", knurrte Harry, was Tudgeberry leicht zusammenzucken ließ. „Ja, da sind einige Dinge, die nicht jeder wissen muss."

Er wusste, dass Rita dem letzten Jahr gleich mehrere Kapitel gewidmet hatte, die alle um die Frage kreisten, was er so getrieben hatte, und es wäre eine Katastrophe, wenn die Wahrheit ans Licht käme. Das Letzte, was er brauchte war, dass Selwyn und Gleichgesinnte erfuhren, dass man mit Horkruxen sein eigenes Leben verlängern konnte.

„Was wollen Sie also?", fragte Tudgeberry nüchtern.

Harry ballte die Fäuste und dachte an all die Lügen, die Rita über ihn, Dumbledore und Snape verbreitet hatte. An Bathilda Bagshot, deren Erinnerungen sie sich illegal mit Veritaserum verschafft hatte.

„Machen Sie sie fertig", knurrte er. „Aber so, dass alles, was im letzten Jahr passiert ist, unerwähnt bleibt."

Tudgeberry nickte, offensichtlich nicht sehr überrascht über Harrys Entscheidung. „In dem Fall wäre es vielleicht einen Versuch wert, dass Sie sich an den Zaubereiminister wenden", riet er. „Mr Shacklebolt könnte den Zaubergamot dazu bewegen, diesen Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden zu lassen, wegen der heiklen Themen."

- „Wäre das möglich?"

- „Selbstverständlich", sagte Tudgeberry. „Artikel 24, Absatz b des Nationalen-"

- „Schon gut, schon gut", winkte Harry eilig ab. „Ähm, da ist noch eine andere Sache."

Tudgeberry nickte neugierig.

„Ich will sie nicht nur vor Gericht angreifen", sagte Harry. „Ich versuche, sowohl den Tagespropheten, als auch diesen Verlag zu kaufen, der ihr Buch veröffentlicht."

- „Nun, falls Sie die Mittel haben, sollte der Verlag kein Problem darstellen", sagte der Anwalt nach kurzer Überlegung. „Was den Propheten angeht, so liegt das Gros der Anteile allerdings überwiegend bei Familien, die...andere Ansichten haben als Sie."

- „Ich weiß", sagte Harry. „Ich habe Fenwick schon um ein Treffen gebeten, aber Parkinson und Rosier...gibt es einen Weg, dass Sie diese Anteile für mich kaufen?"

Tudgeberry faltete nachdenklich die Hände und starrte auf den Boden.

„Ich wäre trotzdem verpflichtet, Ihren Namen zu nennen, Mr Potter, aber...Sie sind Sirius Blacks Erbe, nicht wahr?"

Harry zuckte leicht zusammen. „Woher wissen Sie das?"

Tudgeberry zeigte den Hauch eines Lächelns. „Weil ich der Notar war, bei dem Mr Black dieses Testament hinterlegt hat...nun, Harry Potter würden Parkinson und Rosier sicher keinen einzigen Anteil verkaufen, aber wenn ich sage, dass ich für den Erben des Fürnehmen und gar Alten Hauses Black handle und einen großzügigen Preis biete, wären Sie sicher weniger abgeneigt."

Harry runzelte die Stirn. „Sie würden nicht nach meinem Namen fragen?"

Ginny schnaubte laut, was beide Männer dazu veranlasste, sie anzusehen.

„Harry, für diese Leute sind Abstammung und Titel alles. Das einzige, wonach sie fragen würden, wäre eine Einladung zum Tee."

- „Die können sie haben", knurrte Harry. „Aber erst, nachdem sie an mich verkauft haben."

Tudgeberry nickte zufrieden. „Ich werde sofort auf Mr Parkinson und Mrs Rosier zugehen, Mr Potter. Das wäre dann alles?"

- „Ja, Mr Tudgeberry", sagte Harry. „Würde es Ihnen etwas ausmachen, uns kurz allein zu lassen, wir haben noch andere Dinge zu bereden. Im Schloss haben die Wände Ohren."

- „Natürlich, Mr Potter, ich muss ohnehin zurück nach London", sagte Tudgeberry, nahm seine Tasche und schüttelte ihnen die Hände. „Ich habe das Zimmer für den ganzen Tag gebucht, geben Sie Madam Rosmerta nur bitte den Schlüssel, wenn Sie Ihre Angelegenheiten geklärt haben."

Er gab Harry den Zimmerschlüssel, wünschte ihnen einen angenehmen Tag und ging dann.

„Ein interessanter Mann", bemerkte Harry.

„Mmh", sagte Ginny, verschloss die Tür mit einem Wink ihres Zauberstabs und sah sich versonnen im Zimmer um. „Aber nicht der interessanteste Mann, der eben hier im Zimmer war, finde ich."

Harry lehnte sich lächelnd zu ihr hinüber. „Das Zimmer ist für den ganzen Tag gebucht, Miss Weasley."

- „Tatsächlich, Mr Potter?", fragte sie. „Nun, es wäre doch eine Schande, wenn wir dieses Bett so unbenutzt hinterlassen würden..."


Am Dienstagmorgen durfte Ron den Krankenflügel endlich wieder verlassen, was alle Gryffindors außer Geoffrey Hooper in Hochstimmung versetzte, denn das Finale um den Quidditch-Cup stand unmittelbar bevor. Selbst Harry stellte fest, dass er öfter an das bevorstehende Duell mit Slytherin dachte, als an Selwyn, Rita Kimmkorn oder andere Probleme. Auf welcher Seite man auch stand, keiner konnte sich an ein Spiel erinnern, dem die ganze Schule so entgegengefiebert hatte. Obwohl sowohl Harry als auch (überraschenderweise) Malfoy ihr Möglichstes taten, um die Emotionen zu dämpfen, befand sich Hogwarts im völligen Ausnahmezustand. Das letzte Duell der beiden besten Sucher der Schule, die sich seit sieben Jahren um den Quidditch-Cup duellierten, elektrisierte sowohl Schüler als auch Lehrer gleichermaßen, und die Geschehnisse der letzten Wochen mit den Angriffen auf gleich drei Spieler ihres Teams durch einen Slytherin peitschte die Antipathie, die die Gryffindors gegen ihre Erzrivalen hegte, nochmal hoch. Hinzu kam das letzte Schuljahr, in dem viele Slytherins sich auf der anderen Seite wiedergefunden hatten, als die Gryffindors, was die Stimmung noch schärfer machte.

Die logische Folge dieser Atmosphäre war, dass die üblichen Sticheleien und Flüche, die man im Vorfeld dieses Duells gewohnt war, zu regelrechten Duellen in den Korridoren ausuferten, wobei natürlich die Spieler des gegnerischen Teams besonders begehrte Ziele waren. Harry und sein neuer Feuerblitz blieben unbehelligt, wobei er sich nicht sicher war, ob es daran lag, dass das halbe Haus sich permanent um ihn scharte, um seinen Kapitän zu schützen, oder daran, dass die Slytherins es besser wussten, als ihn anzugreifen. Der erste Spieler, den es erwischte, war der Slytherin-Jäger Vaisey, dem Seamus Finnigan im Zauberkunstkorridor eine kreative Auswahl verschiedenster Flüche aufhalste, was darin resultierte, dass Vaisey mit einem Elefantenrüssel am Hinterkopf im Krankenflügel auftauchte. Aus Rache wurden Seamus und Dean auf dem Jungenklo im ersten Stock Opfer von ausspuckenden Kloschüsseln. In beiden Fällen gab es keine Bestrafung, weil keines der Opfer die Vergeltung dafür in die Hände eines Lehrers legen wollte.

In den letzten Tagen vor dem Spiel trauten sich die Spieler beider Teams kaum noch, ohne starke Eskorte das Schloss zu durchqueren. Trotzdem wurden sowohl Demelza Robins, die für Stunden in einem Besenschrank eingesperrt war, bis Harry und Ginny sie dank der Karte des Rumtreibers ausfindig machen konnten, um ihre Körperklammer zu lösen, als auch Tracey Davis, die in ein rosa Kaninchen verwandelt wurde, Opfer von Attacken.

Sportlich gesehen hatte Harry keinen Grund zur Sorge, denn Ron war überraschend schnell wieder auf der Höhe und auch der Rest des Teams trainierte gut und voller Elan, weil jeder wusste, dass das ein ganz besonderes Spiel werden würde. Von dem, was der Haufen Erstklässler berichtete, der das Slytherin-Training regelmäßig beobachtete, um seinen Beitrag zum Pokalsieg zu leisten, war Malfoys Team ebenfalls gut drauf, selbst Richie Coote, der sich ihnen einen Abend lang anschloss, musste den Slytherins das zugestehen. Coote bezahlte mit seine Wagemut, sich nur in der Begleitung von Erstklässlern übers Gelände zu bewegen, einen hohen Preis: die Gruppe Slytherins, die ihn und die Erstklässler entdeckten, belegte ihn mit einem echten Klassiker, sodass er den Rest des Abends Schnecken spuckend im Krankenflügel verbrachte. Harry schmuggelte ihn unter dem Tarnumhang zurück in den Gryffindor-Turm, damit er nicht noch weiter behelligt wurde.

Auch die Lehrer hatten Schwierigkeiten, ihre Neutralität zu wahren, obwohl sich das in unterschiedlichen Ausprägungen zeigte: während Hagrid schon zwei Tage vor dem Spiel mit seinem Gryffindor-Schal fröhlich „Weasley ist unser King" summend durch die Korridore wanderte und Professor Slughorn eine Party nur für das Slytherin-Team in seinem Büro veranstaltete, beschränkte sich Dawlish darauf, Ron, Harry und Dean in Verteidigung gegen die dunklen Künste für jeden gut ausgeführten Schildzauber ausdrücklich zu loben.


Am Morgen des Spiels wurde Harry schlagartig wach. Sein Pyjama war durchgeschwitzt, aber er spürte eine leichte Brise durchs Zimmer streichen. Er griff nach seiner Brille auf dem Nachttisch, aber sie fiel zu Boden und so tastete er zunächst einmal eine Weile blind auf dem Boden herum, bevor er sie fand und aufsetzte. Die leichte Brise kam daher, dass das Fenster geöffnet war. Ron stand davor, auf die Ellbogen gelehnt, während es draußen langsam dämmerte. Harry strampelte seine Decke weg, ging zu ihm und sah hinaus auf das dunkle Schlossgelände, über den See, Hagrids Hütte und hinüber zum Quidditch-Stadion.

„Komisch, oder?", sagte Ron. „Nach allem, was wir erlebt haben, kann ich immer noch Angst vor einem Quidditch-Spiel haben."

- „Dafür gibt's keinen Grund, Kumpel."

Ron schnaubte. „Sagt der Typ, der auch nicht lange schlafen konnte."

Harry schüttelte den Kopf. „Ich bin nicht nervös. Eher ein bisschen traurig. Das wird unser letztes Spiel."

Ron nickte. „Ein Grund mehr, nicht zu verlieren. Wenn ich hieran zurückdenke will ich nicht daran denken müssen, dass wir unser letztes Spiel tatsächlich gegen Malfoy verloren haben."

Die ersten Sonnenstrahlen krochen über die Berge am Horizont. Beide atmeten gleichzeitig aus und lachten dann leise.

„Eure Nerven hätte ich gerne", sagte eine heisere Stimme hinter ihnen.

Dean saß auf seinem Bett, Ringe unter den Augen.

„Nicht unser erstes Finale, Mann", sagte Harry mit einem Achselzucken.

„Kommt, lasst uns was essen."

Dean sah zwar nicht so aus, als ob er irgendwas runterkriegen könnte, stand aber auf und warf dabei sein Glas Wasser vom Nachttisch. Das Klirren weckte Seamus und Neville, der aus dem Bett fiel und hektisch nach seinem Zauberstab griff. Harry und Ron brüllten vor Lachen und selbst Dean schaffte ein Lächeln.

„Nervös, Männer?", fragte Seamus und grinste seinen besten Freund breit an.

Dean machte eine rüde Geste, hob seinen Zauberstab auf und reparierte sein Glas.

„Das letzte Mal Qudidditch in Hogwarts", sagte Neville nostalgisch, nachdem er sich aufgerappelt hatte. „So fängt das Ende also an."

- „Ich wünschte, wir hätten die letzten Prüfungen auch schon hinter uns", sagte Seamus, dem das Grinsen vergangen war.

„Zieh meine Spieler nicht runter, Finnigan", sagte Harry und drohte spaßeshalber mit erhobenem Zeigefinger, „sonst lasse ich die Treiber auf den Kommentator zielen."

- „McGonagall hätte da sicher ein Wörtchen mitzureden, Potter", sagte Seamus. „Keine Sorge, du wirst mit dem Kommentator heute sehr zufrieden sein."

- „Was soll das denn jetzt schon wieder heißen?", fragte Harry misstrauisch.

- „Ich dachte, wir wollten zum Frühstück", sagte Dean, der aus dem Bad zurückkam und sich gerade die Zähne putzte.

„Ja, sofort", sagte Ron und ging ins Bad, gefolgt von Harry, der sich an der Tür nochmal umdrehte.

„Denk an Zacharias Smith, Seamus. Übertreib es nicht, sonst lasse ich Ginny auf dich los."

Seamus grinste nur.


Eine halbe Stunde später gingen sie gemeinsam runter zum Frühstück. Wie erwartet buhte und pfiff der Slytherin-Tisch, als sie vorbeigingen, aber die Jubelrufe vom Tisch der Gryffindors standen dem in nichts nach. Als er sich setzte, warf Harry einen Blick hinüber zu Malfoy, der noch bleicher als sonst aussah und sein Rührei anstarrte, als wollte es ihn auf grausame Art und Weise ermorden. Astoria Greengrass redete beruhigend auf ihn ein.

Dean, dem der Zuspruch der Gryffindors um ihn herum das letzte bisschen Mut ausgetrieben zu haben schien, schüttelte nur matt den Kopf, als Seamus ihm Würstchen auf den Teller schaufelte.

„Iss jetzt, 'diot", sagte Ron, der selbst nicht viel besser aussah, aber sein Frühstück mit der üblichen Leidenschaft attackierte.

„Wenn du gleich nicht fit bist, bringe ich dich um."

Dean blickte ihn nur müde an. Neville ihm gegenüber gähnte herzhaft und richtete sein Schulsprecherabzeichen.

„Wisst ihr, irgendwie bin ich gerade ziemlich froh, dass ich mir das Spiel von der Tribüne angucken kann."

- „Halt die Klappe, Neville", sagten die anderen im Chor.

„Guten Morgen, Harry", sagte Romilda Vane, die hinter ihm stehen geblieben war.

„Zieh Leine", sagte eine scharfe Stimme.

Ginny war da, begleitet von Hermine und Demelza. Romilda ging hastig weiter.

„Ich schwöre euch, irgendwann verhexe ich sie", sagte sie zu den beiden anderen, dann schüttelte sie beim Anblick der restlichen Teammitglieder den Kopf.

„Ehrlich Jungs, ihr seht aus, als ginge es zu eurer eigenen Beerdigung."

Sie bückte sich zu Harry herunter und küsste ihn.

„Nervös?"

Er schüttelte den Kopf. „Willst du nichts essen?"

- „Wir haben schon gegessen. Wir waren sogar schon untem auf dem Feld. Ideale Bedingungen."

- „Du siehst wesentlich entspannter aus als dieser Haufen hier, Ginny", sagte Seamus.

Ginny pickte sich ein Stück von Harrys Brötchen ab.

„Das wäre das erste Mal, dass ich den Cup nicht gewinne, Finnigan."

- „Hochmut kommt vor dem Fall, Miss Weasley", sagte Professor Slughorn, der zusammen mit Dawlish unbemerkt zu ihnen getreten war.

„Keine Sorge, Horace, Miss Weasley hat nur die Fakten wiedergegeben", sagte sein Kollege ruhig.

Slughorn lächelte. „Wie auch immer, viel Glück Ihnen allen. Aber ich fürchte, heute wird Ihre Siegesserie reißen."

Er watschelte vergnügt weiter zum Slytherin-Tisch. Dawlish nickte Harry knapp zu. „Dieser Quidditch-Pokal macht sich ganz hervorragend in meinem Büro, Potter. Ich würde mich um einen neuen Briefbeschwerer bemühen müssen, wenn Sie heute verlieren. Unterlassen Sie das also bitte."

- „Keine 'orge, Pro'essor", schmatzte Ron mit vollem Mund dazwischen und würgte einen großen Bissen herunter. „Ihre Briefe sind völlig sicher."

Hermine legte eine Hand über ihre Augen.

Dawlish nickte. „Viel Glück." Damit ging er weiter.

Ron!", zischte Hermine.

- „Was?", fragte er verwirrt.

„Nicht jetzt, Hermine", sagte Harry bestimmt, denn Malfoy und der Rest seines Teams standen gerade auf und machten sich unter dem Jubel der anderen Slytherins auf den Weg.

„Los, Leute. Wir haben ein Finale zu gewinnen."

- „Ich bin noch nicht fertig!", sagte Ron entrüstet, sprang aber dann hastig auf, als hinter ihm ein lautes Brüllen ertönte.

„Verdammt...", sagte er schwach, als er erkannte, dass es nur Luna Lovegoods berühmter Löwenhut war.

„Viel Glück, Ronald", sagte sie mit einem träumerischen Lächeln, umarmte Ginny kurz und schwebte in Richtung des Ausgangs.

„Komm jetzt, Ron", sagte Harry und führte sein Team unter lautem Applaus aus der Halle. Drüben am Lehrertisch hob Hagrid grinsend beide Daumen, was ihm unter anderen Umständen einen scharfen Seitenblick von Professor McGonagall eingebracht hätte, aber heute nickte die Direktorin dem Gryffindor-Team nur kaum merklich zu. Harry musste grinsen.

„So weit geht ihre Neutralität dann doch nicht", sagte er leise zu Ginny.

Während sie das Gelände mit zügigen Schritten überquerten, sah Harry kurz nach oben. Ginny hatte Recht, es war ein warmer, fast windstiller Tag, aber die Sonne war hinter großen Wolken versteckt, sodass sie sie nicht behindern würde.

„Ideale Bedingungen", bestätigte er zufrieden. Er blickte kurz um sich.

Ginny war die Ruhe selbst, Demelza sah ziemlich nervös aus, Ron war immer noch ein bisschen geschockt vom abrupten Ende seines Frühstücks, aber Dean war mittlerweile recht grün im Gesicht. Harry boxte ihn kräftig gegen den Oberarm.

„Wird schon schiefgehen, Mann."

Dean nickte nur.

Als sie die Umkleide erreichten, waren Coote und Peakes bereits umgezogen und klopften mit ihren Schlaghölzern nervös gegen die Bänke. Auf Ginnys fröhlichen Morgengruß hin nickten sie nur steif. Harry ging hinüber ins Kapitänsbüro und zog sich um. Jetzt erst wich die Melancholie der üblichen Mischung aus Anspannung und Vorfreude, die er vor jedem Spiel empfand. Ja, es war sein letztes Spiel für Gryffindor, sein wahrscheinlich letztes Spiel überhaupt, aber er wollte verflucht sein, wenn er das nicht gewann. Er wartete, bis er das laute Stimmengewirr von draußen hörte, das anzeigte, dass der Rest der Schule zu den Tribünen strömte, dann atmete er einmal tief durch und ging zurück in die Umkleide.

Die anderen Spieler sahen genauso nervös aus, wie er sich fühlte. Selbst Ginny fuhr sich jetzt fahrig durch ihre strahlend roten Haare. Ron und Dean sahen aus, als müssten sie gleich vor der ganzen Schule mit einem Paar Knallrümpfiger Kröter tanzen. Harry warf seine Taktiktafel, auf der er ihnen immer die verschiedenen Spielzüge gezeigt hatte, gegen die Wand und sie brach mittendurch.

„Wenn ihr es bis jetzt nicht kapiert habt, ist es eh zu spät", sagte er mit einem Achselzucken und alle lachten etwas nervös.

„Heute können wir etwas schaffen, das in Hogwarts seit sieben Jahren keinem Team mehr gelungen ist", sagte er laut, um das Getöse von draußen zu übertönen.

„Wir können eine perfekte Saison spielen. Drei Siege in drei Spielen. Wir können diesen Cup gewinnen, zum vierten Mal hintereinander, und das hat seit fast fünfzig Jahren keiner mehr geschafft. Gryffindor hat das noch nie geschafft. Aber wisst ihr, was viel wichtiger ist, als das?", fragte er.

„Wir können Slytherin schlagen", sagte Coote.

Harry schlug sich mit der Faust in die Hand.

„Verdammt richtig, wir können Slytherin schlagen. Darauf wartet das ganze Haus das ganze Schuljahr lang, auf diesen Tag. Ihr habt alle erlebt, was die letzten Wochen los war - die Hexereien, die Duelle, die Sprüche. Ihr wisst, wie heiß die ganze Schule auf dieses Spiel ist. Das ist das Spiel des Jahres, und wir werden es gewinnen. Ich habe noch nie gegen Slytherin verloren. Keiner von uns hat das. Und heute werden wir ganz sicher nicht damit anfangen. Weil wir verdammt nochmal besser sind als sie!"

Draußen blies Madam Hooch laut in ihre Pfeife.

Harry warf sich seinen neuen Feuerblitz über die Schulter. „Also los, holen wir uns diesen Pokal!"

Sie gingen raus, unter dem ohrenbetäubenden Jubel von drei Vierteln des Publikums. Harry hörte das laute Brüllen von Lunas Hut deutlich heraus. Die Slytherins waren bereits bei Madam Hooch, Malfoy starrte ihn bleich an.

„Und hier kommen die Gryffindors, der Titelverteidiger, das beste Team, das Hogwarts zu bieten hat!", rief Seamus Finnigan aus der Kommentatorenbox, unter lauten Pfiffen der Slytherins.

„Weasley, Weasley, Robins, Thomas, Peakes, Coote und Potter, der nur von Dementoren und übermotivierten Hütern gestoppt werden kann..."

Harry warf einen wütenden Blick hinauf zu Seamus.

„Sie treffen heute auf die Slytherins, die auf dem zweiten Platz liegen, wo sie auch hingehören..."

- „FINNIGAN!"

- „Verzeihung, Professor. Also, die Slytherins. Selwyn, Greengrass, Vaisey, Davis, Pritchard, Goyle und Malfoy, der blonde Engel, der heute zum fünften Mal das Nachsehen haben wird."

Malfoy zog die Mundwinkel leicht nach oben.

„Kapitäne, gebt euch die Hand", sagte Madam Hooch.

Malfoy und Harry reichten sich die Hand.

„Unser letzter Tanz, Potter."

- „Man muss den Leuten ja was bieten."

- „Auf meinen Pfiff", sagte Madam Hooch. Normalerweise bat sie noch um ein faires Spiel, aber angesichts der Ausgangslage schien sie das für hoffnungslos zu halten. „Drei, zwei, eins..."

Fünfzehn Besen schossen in die Höhe, Harrys und Malfoys am höchsten. Harry begann, seine Kreise zu drehen und suchte nach dem Schnatz, während Ginny den Quaffel aufnahm.

„Und Ginny Weasley, die unangefochten hübscheste Jägerin von Hogwarts übernimmt sofort den Quaffel, sie weicht einem Klatscher aus, sie umkurvt Greengrass, sie fliegt auf Bulstrode zu, Bulstrode taucht nach links - TOR FÜR GRYFFINDOR! Zehn zu null für Gryffindor, und jetzt Slytherin mit dem Quaffel..."

Ginny drehte eine Ehrenrunde vor der scharlachrot-goldenen Kurve, während Vaisey mit finsterem Gesicht den Quaffel aufnahm. Harry warf einen Blick hinüber zu Malfoy, der sich auf seinem Besen drehen musste, um einem von Richie Coote geschlagenen Klatscher zu entgehen. Malfoy schenkte dem Spielgeschehen keine Beachtung, sondern zog unermüdlich seine Kreise, das bleiche Gesicht vor Anspannung verzerrt.

„...Vaisey wirft zu Greengrass, Greengrass taucht unter Robins her, passt zurück zu Vaisey, Vaisey zu Davis, Davis direkt vor Weasley..."

Seamus stöhnte, denn Ron war nach rechts getaucht, obwohl Davis auf den linken Ring gezielt hatte.

„...Davis trifft, zehn zu zehn, und Gryffindor hat den Quaffel..."

Unter Harry jubelten die Slytherins, Professor Slughorn saß in der ersten Reihe und klatschte so frenetisch, dass sein Gesicht vor Anstrengung rot anlief. Und da sah er ihn: der Goldene Schnatz schwirrte direkt vor Slughorns Nase. Er lehnte sich nach vorn und ging in den Sturzflug, schoss wie ein Pfeil auf Slughorn zu, der die Augen entsetzt aufriss, die Slytherins neben ihm warfen sich schreiend zur Seite, jetzt wich der Schnatz ein bisschen nach rechts aus, Harry sah aus den Augenwinkeln Malfoy heransausen, aber Malfoy würde es niemals rechtzeitig schaffen, er nahm die Hand vom Besen - - - im letzten Moment hörte er das Zischen des Klatschers und riss den Besen herum, sodass der Klatscher ihn verfehlte, Malfoy krachte fast in ihn hinein und wich im letzten Moment aus und dann sahen sie sich beide hektisch um, aber der kurze Augenblick hatte genügt: der Schnatz war verschwunden.

Seamus fluchte in sein Mikrofon.

„Finnigan, wenn Sie sich nicht beherrschen können..."

-„Verzeihung Professor. Guter Klatscher da von Pritchard, der ein frühes Ende des Spiels verhindert. Gryffindor immer noch in Ballbesitz, Robins mit dem Quaffel..."

Harry zog wieder nach oben und drehte seine Kreise, aber der Schnatz war wie vom Erdboden verschluckt.

„Robins zu Thomas, Thomas geht - nicht vorbei an Vaisey, Vaisey jetzt in Ballbesitz und auf dem Weg zu den Torpfosten, komm schon, Ron! - JA! Weasley hält, Vaisey vergibt, und Gryffindor wieder mit dem Quaffel, Ginny Weasley mit dem Quaffel, schüttelt Davis ab, guter Pass zu Robins und Robins jetzt vor Bulstrode und sie - ähm, vergibt auch, Slytherin mit dem Quaffel-"

Aber auch den Slytherins gelang es nicht, bis zu Rons Torpfosten vorzustoßen. Allmählich wurde Harry klar, dass das hier das beste Quidditch-Spiel war, das er in Hogwarts je erlebt hatte. Beide Teams waren einander ebenbürtig, also würde es letztlich darauf hinauslaufen, dass Malfoy oder er das Spiel entschied.

„Greengrass vorbei an Robins, verdammt, sie weicht einem Klatscher gut aus, Greengrass vor Weasley -"

Die Gryffindors fluchten, Greengrass hatte getroffen.

„Zwanzig zu zehn für Slytherin..."

Das Spiel unter ihm war atemberaubend. Der Quaffel wechselte den Besitzer so schnell, dass Seamus mit dem Kommentieren beinahe nicht hinterher kam.

„Weasley - Thomas - jetzt wieder Vaisey - Greengrass - Vaisey - Weasley - Weasley trifft!"

Ginny schoss zwei Tore und Vaisey und Davis jeder eins, sodass Slytherin weiter in Führung blieb, und immer noch sah Harry keine Spur vom Schnatz. Glücklicherweise erging es Malfoy ebenso, der über ihm wie ein blonder, silbergrüner Raubvogel kreiste.

„Dean Thomas erobert den Quaffel von Davis, Thomas blockt Greengrass ab, Thomas auf dem Weg zu Bulstrode, das muss der Ausgleich sein, das - VORSICHT, DEAN!"

Harry riss den Kopf herunter. Dean hörte Seamus zu spät, in dem Moment, als er zum Wurf ausholte, traf ihn Graham Pritchards Klatscher voll gegen den Arm, der Quaffel flog harmlos zu Bulstrode, der ihn schnell zu Vaisey warf, während Dean mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden schlingerte.

„Und jetzt geht Dean Thomas zu Boden, er scheint verletzt zu sein, Gryffindor jetzt in Unterzahl und mit nur noch zwei Jägern..."

Harry schoss herunter zu Dean.

„Kannst du weitermachen?"

Dean hob den Arm und Harry fluchte, denn er war ganz offensichtlich gebrochen.

„Versuch, Madam Pomfrey zu finden, sie kann das in einer Minute wieder hinbiegen."

Dean nickte mit bleichem Gesicht. „Fang bitte einfach den Schnatz, Harry."

Harry stieß sich wieder ab und brachte sich auf Malfoys Höhe, während Greengrass traf. Fünfzig zu dreißig für Slytherin.

„Sieht schlecht aus, was, Potter?", brüllte Malfoy zu ihm herüber.

Harry ignorierte ihn und suchte fieberhaft weiter nach dem Schnatz.

„Weasley mit dem Quaffel, auf dem Weg zu den Torpfosten, vorsicht, Ginny!"

Vaisey und Davis versuchten, sie in die Zange zu nehmen, aber Ginny bremste hart ab und die beiden Jäger der Slytherins rasselten beinahe ineinander.

„HA! Gut gemacht! Weasley zu Robins, Robins vorbei an Greengrass, Demelza Robins - TRIFFT! TOR FÜR GRYFFINDOR, Slytherin führt nur noch mit zehn Punkten..."

Aber dabei blieb es nicht. So sehr Ginny und Demelza sich auch anstrengten, gegen drei Gegner waren sie hoffnungslos unterlegen. Greengrass und Vaisey schossen jeder zwei Tore und Ginny gelang währenddessen nur eins, sodass Malfoys Team auf neunzig zu fünfzig davonzog.

„Vaisey mit dem Quaffel, Vaisey weicht Weasley aus- aber verliert den Ball an Robins, gute Aktion, Demelza, Demelza Robins mit dem Quaffel, vorbei an Davis, vorbei an Greengrass, coole Rolle, Demelza! Robins...ahhhh"

Vaisey rammte Demelza hart direkt vor der Tribüne der Gryffindors, der Quaffel flog weg, während Demelza in die Menschenmenge knallte und ein paar Erstklässler von den Beinen riss.

Madam Hoochs Pfiff brachte Harry Trommelfelle fast zum Platzen.

„FOUL!", brüllte sie. „Ein hinterhältiges Foul vom Jäger der Slytherins! Freiwurf für Gryffindor!"

Neville versuchte auf der Tribüne, Demelza auf die Beine zu ziehen, aber sie kippte weinend um.

„Gebrochener Knöchel!", rief Ginny Harry grimmig zu, dann nahm sie den Quaffel, um den Freiwurf auszuführen.

Vaisey grinste Harry an, aber genau in dem Moment fiel er fast von seinem Besen, weil sein eigener Kapitän ihn hart rammte.

„LASS DEN MIST SEIN!", brüllte Malfoy mit wutverzerrtem Gesicht. „Wir gewinnen das Ding hier fair und ehrlich!"

Vaisey nickte, ebenso verblüfft wie Harry.

„Gryffindor jetzt nur noch mit einer Jägerin, Ginny Weasley mit dem Freiwurf. Weasley gegen Selwyn - sie trifft! Neunzig zu sechzig für Slytherin, Slytherin mit dem Quaffel..."

Jetzt wurde es ein Massaker. Man hörte im Stadion nur noch die in grün und silber gekleideten Fans der Slytherins, während Ginny und Ron sich verzweifelt um Schadensbegrenzung bemühten. Slytherin schoss Tor um Tor.

„Vaisey nimmt Weasley den Quaffel ab, Vaisey auf dem Weg zu Weasley - HA! DAS HAST DU VERDIENT, DU MISTKERL!"

- „FINNIGAN!"

Cootes Klatscher traf Vaisey mitten ins Gesicht, der beste Torschütze der Slytherins fiel rücklings von seinem Besen, Goyle und Pritchard konnten ihn so gerade noch auffangen und flogen ihn zu Boden.

„Verzeihung, Professor. Der arme Oliver Vaisey ist ebenfalls aus dem Spiel, nur noch drei der Jäger im Spiel, Ginny Weasley mit dem Quaffel..."

Aber auch allein gegen zwei sah es für Ginny nicht viel besser aus, Greengrass und Davis trafen nach Belieben, während ihr nur zwei weitere Treffer gelangen und die Luft für Harry immer dünner wurde.

„Zweihundertzwanzig zu achtzig, Slytherin in Ballbesitz, Davis auf dem Weg zu Weasley..."

Sie lagen mit hundertvierzig Punkten in Rückstand, wenn Harry den Sieg noch klarmachen wollte, musste das jetzt passieren. Er flog wütend kreuz und quer übers Feld, aber der Schnatz war nicht zu sehen...

„Davis holt aus - war das der Schnatz?!"

Harry und Malfoy schossen im selben Moment auf den goldenen Ball los, der an Davis' Ohr vorbeigeflogen war, aber während Harry schon auf der richtigen Höhe war, musste Malfoy von oben herab kommen.

Davis versuchte, Harry zu blocken, aber Ginny rammte ihn aus dem Weg, Pritchard schlug einem Klatscher nach ihm, dem Harry mit einem raschen Schlenker auswich, während der Schnatz nach unten schoss und jetzt eher Malfoys Flugbahn zupass kam. Harry lag flach auf seinem Besen, aus den Augenwinkeln sah er Malfoy herabstossen, der Ball flog jetzt direkt über dem Boden, Harrys Knie berührten den Rasen, Malfoy streckte die Hand aus - Harry sprang wild nach vorn vom Besen, seine linke Hand schlug Malfoys zur Seite, Malfoys Finger kratzten über den Schnatz - dann schloss Harry die rechte Hand um den Ball und sie krachten beide auf das Feld, überschlugen sich und blieben, bedeckt von Dreck und Grashalmen, liegen.

Für einen Moment war es totenstill im Stadion, dann drückte Harry die Hand mit dem Schnatz nach oben und die Menge explodierte, schrie lauter als die Zuschauer bei der Weltmeisterschaft. Über sich sah er die anderen Teammitglieder zu sich herunterschießen. Harry versuchte mühsam, sich hochzustemmen, als er von hinten gepackt und hochgehievt wurde.

„Guter Fang, Potter", presste Malfoy zwischen den Zähnen hervor.

Harry nickte und schlug ihm kurz auf die Schulter.

„Das war das beste Spiel, das Hogwarts je gesehen hat", sagte er heiser. „Danke."

Malfoy nickte knapp und ging mit schnellen Schritten davon, während Ron Harry von hinten packte und fast erwürgte.

„WIR HABEN GEWONNEN, MANN!"

- „GRYFFINDOR GEWINNT!", brüllte Seamus sich heiser. „GRYFFINDOR GEWINNT ZWEIHUNDERTDREISSIG ZU ZWEIHUNDERTZWANZIG! GRYFFINDOR GEWINNT DAS SPIEL, GRYFFINDOR GEWINNT ALLE DREI SPIELE, GRYFFINDOR GEWINNT DEN POKAL!"

Peakes und Coote droschen ihm auf die Schultern, dann drückte er Ginny fest an sich und küsste sie.

„Netter Fang, Potter", rief sie strahlend, dann war die Menge heran und Neville riss seinen Arm mit dem Schnatz in die Luft, bevor Harry und die anderen Spieler auf die Schultern gehoben wurden und hinüber zu McGonagall getragen wurden, die mit dem glitzernden Quidditch-Cup auf sie wartete.