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Kapitel 25
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Die wenigen Tage, die nun bis Weihnachten vor der Türe standen, waren harmonisch. Ricks Beichte hatte sie enger zusammen gebracht. Sie war nun beinahe in der 15. Schwangerschaftswoche und ihr Körper veränderte sich beinahe täglich, zumindest kam es ihr so vor. Als sie sich schließlich früher aus der Arbeit verabschiedete, hatte sie vor, Weihnachtsgeschenke zu kaufen, doch fehlte ihr noch jegliche Idee. Die letzten Tage waren zwar harmonisch aber auch emotional intensiv gewesen. Nicht nur die Krankheit ihres Vaters, die er ihr verheimlicht hatte. Nein, es war auch ihre Beziehung zu Rick.
Als sie in seinen Armen gelegen hatte, hatte sie schließlich dieses Kribbeln in ihrem inneren gefühlt. Wieso man es Schmetterlinge nannte, war ihr bewusst geworden. Und wahrscheinlich hatte sie sich zu lange halten sollen, aber es war schön gewesen, nahezu perfekt. Seine Arme waren stark und sich nach all den Offenbarungen des Tages, hatte sie diese Stärke gebraucht. Doch seine ständige Anwesenheit, das nicht Wissen, ob er im nächsten Moment den Raum betrat, sie anstarrte – ihr auf Bauch und Busen starrte – hatte sie in einen ständigen Zustand der Nervosität. Einer beinahe guten Nervosität. Es war ihr nicht unangenehm, nein keinesfalls. Immerhin waren sie einmal intim gewesen, immerhin war dieses Wesen, das mehr und mehr Platz in ihrem Körper forderte, gezeugt worden.
Nun ging sie die Einkaufsstraßen entlang. Schaute in Auslagen. Rasch hatte sie ein paar Kleidungsstücke für sich gekauft, neue schwarze Jeans mit einem extrem niedrigen Bund. Jeans mit elastischem Bund oder Hosen mit solchem sollten ihr nicht in den Kasten kommen. Außerdem kaufte sie neue, passende Unterwäsche – in einfachem Schnitt. Baumwolle. Sie würde sich für niemanden in den kommenden Wochen ausziehen. Allerdings stand sie lange vor der Auslage eines exklusiven Unterwäscheherstellers – Le Petite Coquette. Sie könnte sich seit langem wieder ein sexy Set, wissend, dass sie es nicht lange tragen konnte, doch war sie im Moment optisch mehr Frau als jemals zuvor und sollte es sich können. Ihre Entscheidung fiel auf ein weißes Spitzenset. Es war nicht extrem teuer – Unterwäsche für mehr als 150 Euro fand sie lächerlich, immerhin war es nur Unterwäsche. Kopfschüttelnd war sie vor La Perla gestanden und hatte Büstenhalter um mehr als 400 Euro gesehen und hatte sich gefragt, was an diesen Teilen wohl anders war, abgesehen vom Namen am Etikett. Sie hatte alles anprobieren müssen, eine Novität für sie. Es hatte sie Zeit gekostet, aber nachdem sie diese zwei Papiertaschen in der Hand hatte, auf den verschneiten Straßen New Yorks stand, fühlte sie sich gut. Herrlich. Kurz hatte sie sich selbst bewusst gemacht, dass sie nun einiges an Geld in diesem Geschäft gelassen hatte, um sich Lingerie zu kaufen, die sie niemandem zeigen würde, aber es reichte sie aus, zu wissen, dass sie sie unter ihren Blusen trug.
Kate streifte weiter durch die überfüllten Kaufhäuser, fand rasch einen Schal für Martha und eine Handtasche für Alexis, weitere Kleinigkeiten für diese beiden Frauen und ein passendes Geschenk für Lanie.
Doch bei Castle war sie immer noch nicht viel weiter. Irgendwann stand sie vor einem exklusiven Uhrgeschäft. Nach beinahe einer Stunde entschied sie sich für eine exklusive Rolex, einen Chronographen mit dem Namen Daytona in einer Edelstahl-Ausführung. Es war ein teures Geschenk, ein sehr teures, aber er hatte ihr in den letzten Wochen so viel geschenkt, ihr so viel aus Selbstverständlichkeit an die Seite gestellt, dass es ihr die Summe wert war. Kurzerhand ließ sie „Yours, KB" eingravieren auf die Rückseite.
Nachdem sie die Türe hinter sich zuhause geschlossen hatte, die vom Schnee durchnässten Schuhe im Vorraum auf die bereitgestellte Tasse stellte, roch sie bereits das Abendessen. Sie verstaute den Einkauf kurzerhand in einem Schrank und ging in Richtung Küche. Rick stand am Herd, die Schürze umgebunden. Im Hintergrund lief leise Jazz-Musik. Der Christbaum war beleuchtet, auf der Kücheninsel stand eine dampfende Kanne Tee.
„Rick", sagte sie vorsichtig und gab sich zu erkennen.
„Kate", antwortete er mit einem Lächeln und sah eine Frau vor ihm mit dunkelroten Wangen, vom Schnee feuchtem Haar und einem bezaubernden Lächeln. „Hungrig?", fragte Rick vorsichtig.
Sie nickte und ging in seine Richtung, um zu sehen, was er fabrizierte. Er nutzte den Wok – war dabei, asiatisches Gemüse zuzubereiten, Putenfleisch erkannte sie und am Herd stand ein Topf in dem Reis gekocht wurde.
„Sieht lecker aus."
„Ist es auch", entgegnete er und stand nahe an ihr, roch den Rest ihres Parfums. „Und warst du erfolgreich?"
„Das bin ich immer", antwortete sie und als sie zu ihm aufblickte, erblickte sie seine hochgezogene Augenbraue. „Ich finde immer etwas, wenn ich einkaufen gehe."
„Auch für dich?" Seine Frage sprach er vorsichtig aus, wissend, dass es ein heikles Thema war.
Sie nickte. „Insgesamt sind es zwei Jeans geworden, ein paar längere Tops und Shirts, aber nicht all zu viel. Und ein paar Sachen für darunter", kommentierte sie und ihre Stimme war leiser geworden, der Blick etwas fragender. Und die gesamte Zeit hatte sie in seine unergründlichen blauen Augen geblickt, hatte gesehen, wie seine Pupillen sich geweitet hatten, als sie die letzten Worte aussprach. Und abermals grinste sie, bevor sie sich an ihm vorbeischob, mit ihrem Bäuchlein seine Taille streifte, seine Hand kurz über seinen Bauch streifen ließ.
Kate hatte nicht gesehen, dass er seine Augen schloss, als sie ihn berührte, sich schließlich mit beiden Händen auf der Arbeitsplatte abstützte, tief durchatmete und versuchte, seinen Körper zu kontrollieren. Wie konnte diese Frau ihn innerhalb weniger Sekunden von null auf hundert hochfahren? Obwohl, wenn er ehrlich zu sich war, wann war er auf null, wenn er in ihrer Nähe war?
Seitdem er sie gehalten hatte, waren sie sich näher gekommen. Also für ihre Verhältnisse. Es waren unschuldige Berührungen, wie diese zuvor. Sie verbrachten mehr Zeit mitsammen, saßen näher beisammen.
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Kate duschte schnell, wusch ihre bereits nassen Haare, trocknete sie lediglich mit einem Handtuch und kleidete sich in bequeme Hosen und ein dazu passendes Top. Es hatte einen tieferen Ausschnitt als sonst, oder es kam ihr zumindest so vor. Oftmals täuschte sie etwas heutzutage. Am Morgen hatte sie den Eindruck, dass man ihren Bauch nicht sah, wenn am Revier in der Toilette vor dem Spiegel stand und sich betrachtete, schien er ihr so unglaublich offensichtlich.
Rasch räumte sie die neugekaufte Wäsche aus den Taschen und warf sie in die passende Röhre, die r alle Wäsche in den Wirtschaftsraum im unteren Stockwerk transportierte, wo sie in einer großen Tonne darauf wartete sortiert zu werden. Kate hatte ihm mehrmals erklärt, dass eine Putzfrau, die die Wäsche macht, vollkommen unnötig sei. Sie würde die Anzüge in die Putzerei bringen, die Hemden auch und der Rest, der wäre gleich erledigt. Natürlich hatte sie nicht an einen Haushalt mit drei bis vier Leuten gedacht, als sie diese Aussage getätigt hatte.
Sie hatte ein Tuch umgelegt. Kaschierte etwas den Ausschnitt. Die Haare hatte sie locker zusammengebunden. Ein letzter Blick in den Spiegel und sie war zufrieden mit ihrem Aussehen.
Unten angekommen musterte Rick sie. Ihr Shirt war weiß, ihre Hosen weinrot. Unter dem Oberteil zeichnete sich deutlich ihre Brust ab und sie musste zweimal hinsehen, sie trug nichts unter dem Shirt, nur nackte Haut. Doch nicht nur diese zeichnete sich ab, nein, auch das Bäuchlein, das sein Kind beherbergte.
Inzwischen hatte er den Tisch gedeckt, es standen zwei große Tassen Kaffee neben den Tellern, die bereits mit asiatischem Gemüse und Putenfleisch sowie Reis angefüllt waren.
„Alexis?", fragte sie vorsichtig, da sie nur zwei Gedecke sah.
„Sie schläft bei Mara, einer Schulkollegin."
Obwohl er jeden Biss in ihrer Gegenwart genoss, war er nervös. Ihre Brust bewegte sich unter dem Shirt und ihre dunkler werdenden Brustwarzen zeichneten sich unter dem dünnen Stoff deutlich ab. Nervosität. Wusste sie, dass sie ihn irritierte? Ihn erregte, sodass er nachdem sie aufgegessen hatten, nicht gleich aufstehen konnte, um das Geschirr wegzuräumen. Anstatt ihr zu helfen, beobachtete er sie, wie sie sich bewegte, ihr Körper sich bewegte. Und Rick wusste, dass es nicht richtig war.
Kate hatte bemerkt, dass er sie beobachtete und er genoss seine Blicke. Als sie ihm den Teller abgenommen hatte, hatte sie seine Erregung gesehen und seither redete sie sich ein, dass er auch nur ein Mann war, der seit längerer Zeit offensichtlich mit keiner Frau mehr zusammen gewesen war. Und trotz ihres veränderten Körpers schien er Gefallen an ihr zu finden. Eine körperliche Anziehung war eine einfache Angelegenheit. Zwei Menschen. Erotik. Passende Gedanken. Berührungen.
Rick versuchte alles, es nicht zu offensichtlich erscheinen zu lassen. Auf der einen Seite genierte er sich für sich selbst, auf der anderen hätte er es am liebsten rausposaunt, es ihr einfach gesagt, dass sie umwerfend aussah, die Schwangerschaft ihr stand und sie doch bitte in seiner Gegenwart mehr darauf achten solle, was sie trage, wenn sie von ihm erwarten sollte, dass er sie nicht gegen den nächsten Tresen presse und sich das nehme, auf das er gerade Lust hatte.
Männer. Frauen. Castle. Beckett. So ähnlich und doch so unterschiedlich.
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Ende Kapitel 25
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A/N … ich weiß, sehr sehr kurz geraten aber ich habe beruflich so viel zu tun im Moment, dass ich nicht zu viel gekommen bin … leider
Noch einmal ein großes Danke für das Lesen und „Reviewen" … in der Statistik hat nun diese Geschichte bei mir Rank 1 übernommen die SVU Geschichte „LA Swinger Club" auf Platz zwei verdrängt. Danke!
