A/N: So, Ihr Lieben, es ist mal wieder soweit. Ein neues Kapitelchen geht online. Wir danken Euch in diesem Zusammenhang auch für die wunderbaren Reviews zum letzten Chap. Leider hat nicht jeder eine Mail-Adresse hinterlassen, aber das ist nicht weiter schlimm. Im Gegenteil – selten hat uns etwas so sehr inspiriert, wie Evas Kommi … Und Lord Voldemort ist in solchen Fällen eine unschätzbare Hilfe. Grins!

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Summary: Eine Literaturkritiker hat sich Voldy Umhang und seine geschliffenen Manieren geliehen und macht damit jetzt unseren Mädels das Leben schwer, während ein ekliges Insekt noch ekligere Fantasien spinnt und ein abgehalfterter Politiker seine Berufung zum Folterknecht erkennt.

In weiteren Rollen: Zwei – verdächtig stille – Wachdackel mit Flachmännern in der Tasche, jede Menge schmutzige Fantasien und grausame Wunschträume und eine von Sekunde zu Sekunde lauter tickende Uhr.

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Kritiken und Drohungen

Eigentlich war es gut, dass weder Lena noch Stella damit gerechnet hatten, dass der nächste Besuch des dunklen Lords lange auf sich warten lassen würde, diese Erwartung wäre nämlich enttäuscht worden. Kaum eine Stunde, nachdem er sie verlassen hatte, tauchte er wieder auf – offenbar, um sich persönlich davon zu überzeugen, dass diese rebellischen Muggelweiber, die tatsächlich geglaubt hatten IHN hinhalten zu können, diesmal verstanden hatten, woran sie bei ihm waren.

‚Wenn es dick kam', zitierte Stella insgeheim ihre Großmutter, eine ziemlich clevere alte Damen, die über einen reichen Erfahrungsschatz verfügte, ‚dann kam es meistens richtig dick.' Keine Frage: Oma Elsbeth musste Voldemort wohl mal irgendwann begegnet sein.

Nervös blickte sie sich in der Kerkerzelle um und wagte es kaum, sich zu bewegen. Hoffentlich entdeckte er die verbrannten Papierreste nicht!

Was für ein Tag! Erst wurden sie entführt und jetzt sollten sie eine Geschichte für Lord Voldemort persönlich schreiben! Was denn noch alles?

Lena hegte genau die gleichen Gedanken. Der Tag war jedenfalls geprägt von einer Menge unangenehmer Erfahrungen und Entdeckungen, deren Nächste darin bestand, dass der größte und böseste Magier seit Rasputin aus dem Mund roch wie eine in Richtung Norden grasende Kuh aus ihrer südlichsten Körperöffnung.

Sie kam um diese Feststellung nicht herum, weil besagter Magier direkt neben ihr Platz genommen hatte und nun fast Wange an Wange mit ihr saß, während er interessiert den Text auf dem in der Schreibmaschine eingespannten Blatt überflog.

Igitt. Und sie konnte nicht einmal von ihm abrücken, weil sie sich bei seinem Erscheinen schnell auf eine noch nicht verbrannte, aber außerordentlich verräterische Seite gesetzt hatte…

Sie hätten Crabbe und Goyle noch um Pfefferminzbonbons bitten sollen!

Allerdings war der höchst unangenehme Geruch noch eine ihrer geringeren Sorgen. Das Stück Papier unter ihr schien ihr förmlich ein Loch in diese komische Todesser-Kutte brennen zu wollen … und sie spürte, wie ihr der Angstschweiß auf die Stirn zu treten drohte.

Glücklicherweise schien der dunkle Lord ihre Anspannung nicht zu bemerken – oder er schob sie auf ihre Angst vor seiner eher weniger geschätzten Person.

Ja, das musste es sein. Nur so ließ sich nämlich die nächste unangenehme Entdeckung erklären, nämlich die, dass Lord Voldemort zu allem Überfluss in reichlich leutseliger Stimmung zu sein schien – eine Tatsache, die sich überhaupt nicht mit seinem Ruf als knallharter Muggelfeind vertrug. Andererseits hatte Boshaftigkeit ja bekanntlich viele Gesichter. Und für Folter brauchte man nicht immer eine Streckbank … Keine Machtdemonstration, keine weiteren Drohungen … allerdings war das auch nicht nötig, da sie selbst ja bereits panisch zitternd neben ihm saß und Stella ihn noch immer wie ein verschrecktes Kaninchen musterte und größtmöglichen Abstand zu ihm hielt.

Lena – deren Herz ihr fast bis in den Hals hinein schlug und deren Wange noch immer nach seiner letzten Maßregelung brannte – konnte es ihr nicht verdenken. Allerdings brauchte sie den Großteil ihres Mitgefühls, um sich selbst Leid zu tun.

Dieser Kerl saß NEBEN IHR!

DICHT neben ihr!

So nah ließ sie normalerweise nur sehr wenige Menschen, und besonders nur einen Mann. Einen großen, schönen, Dunkelhaarigen mit großen, sanften Händen und einer Stimme, die sie fast wie ein Streicheln fühlen konnte … Keinen englischen Heino-Verschnitt, der noch dazu nicht einmal genug ästhetisches Empfinden besaß, um seine Kaninchenauchen hinter einer dunklen Brille zu verbergen! Würg! Momentan war sie sich sicher, dass sich ihrem Nackenfell noch zusätzlich die Haare sträubten…

Tja, und die überraschendste – und schockierendste – Entdeckung des Tages war, dass er sich selbst offenbar gern reden hörte.

Lena verdrehte insgeheim die Augen, als er sich mit hoher, zischelnder Stimme lang und breit über die Geschichten ausließ, die sie und Stella bisher im Internet veröffentlicht hatten. Offenbar hatte die Kimmkorn-Ziege sie für ihn fein säuberlich auf Pergament übertragen, denn er schien sie wirklich alle gelesen zu haben.

Hoffentlich hatte ihm das Drabble gefallen, in dem er sich zum Schluss in Scheiße verwandelt hatte, dachte sie grimmig.

Himmelherrgott noch mal, wer war der Kerl – ein Literaturkritiker? Hoffentlich wollte er – falls das mit der Weltherrschaft nicht klappte – nicht als alternative Karriere ins Verlagsgeschäft einsteigen … Da wäre zumindest der Tod guter Literatur.

Der große Zampano bemerkte indes nichts von ihrer Irritation, sondern ließ sich genüsslich über eine ihrer noch unvollendeten Geschichten aus:

„Wissen Sie, meine Beste, im ersten Moment dachte ich ‚Huch, wo bin ich jetzt gelandet?' Vielleicht würden ein paar Sexszenen weniger dem Plot Ihrer Geschichte etwas besser bekommen – immerhin schreiben sie ja keinen Muggel-Porno, sondern eine ‚Fanfiction' – komisches Wort – die – obwohl an einem Originaltext orientiert – trotzdem ein eigenständiges, interessantes Stückchen Literatur werden kann, und kein Ausschnitt aus dem Nachtprogramm Ihrer privaten Fernsehsender."

Er kannte Muggelfernsehen? Großer Gott, bei den Todessern musste es ja wirklich langweilig zugehen, dass er sich solch einen Schrott antat! Armer Voldemort … eigentlich kein Wunder, dass er zum Massenmörder mutiert war.

Tja, dachte Lena, ohne ihn jedoch einer Antwort zu würdigen, da hatte er wohl den Proclaim zu besagter Geschichte ausgelassen. Immerhin hatten sie in diesem ja ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Story nicht ganz ernst zu nehmen war und es darin hauptsächlich und fast ausschließlich Rating-M-Szenen geben würde … und dass der Plot eigentlich nur eine lose Rahmenhandlung dazu darstellte. Aber okay. Auch Magier mochten ja ein schwerwiegendes Augenproblem haben. Und bei Voldemorts roten Sehwerkzeugen konnte man eh nicht unbedingt davon ausgehen, dass die gerade dann funktionierten, wenn es darauf ankam…

Aber wie das nun einmal war in der Natur – dafür funktionierte sein Mundwerk umso besser … leider!

„Die Beschreibung der Charaktere ist ebenfalls ziemlich verbesserungsbedürftig. Remus Lupin und Sirius Black sind doch nun wahrhaftig keine knackigen jungen Kerle, die kein anderes Ziel haben, als mit einer Möchtegernautorin im Bett zu landen. Sie sind im Gegenteil gesellschaftliche Außenseiter, keine Aufreißertypen …"

Stella ließ vor Verblüffung fast den Kerzenhalter fallen, den sie eben zurechtgerückt hatte, nur um sich irgendwie zu beschäftigen und zu kaschieren, dass dieser vorher gerade zur Aktenvernichtung zweckentfremdet worden war.

Sie tauschte einen ungläubigen Blick mit Lena.

AUSSENSEITER? Remus und Sirius? Das hätte der wohl gern …'

Seit sie festgestellt hatten, dass das reale Potterversum sich erheblich von der Version unterschied, die Mrs. Rowling in ihren Büchern beschrieb, staunten sie immer wieder darüber, wie sehr sogar Leute, die es doch eigentlich besser wissen müssten, der Propaganda von England reichster Autorin erlagen. Dass dies aber sogar auf Voldemort persönlich zutraf … Nun ja, das war nun einmal nicht zu ändern. Himmel, der Arme war ja förmlich zum Scheitern verurteilt, wenn er den mickrigen, kleinen, unterernährten Harry von Miss Rowling, unterstützt von einem ausgemergelten Ex-Häftling und einem schwachen, kränkelnden Werwolf erwartete.

Armes Todesserlein …

Und außerdem hatten sie – bevor sie in dieses Kaninchenloch hier gestürzt waren – doch selber zahlreiche Geschichten verfasst, in denen Remus und Sirius ganz Rowling-getreu dargestellt wurden … Warum zogen sich nur alle immer gerade an ihren Sex-Geschichten hoch? Wenn sie ihnen nicht gefielen, sollten sie sie doch einfach nicht lesen! Sie persönlich hörte einfach auf, wenn ihr eine Geschichte nicht gefiel, und kämpfte sich nicht bis zum Schluss durch, in der irrigen Hoffnung auf eventuelle Besserung.

Wenn zwanzig Kapitel ihrer Geschichte seiner Meinung nach schlecht waren, warum musste er dann also auch noch die restlichen lesen? Sollte er doch einfach aufhören und die aufgewendete Zeit als Verlust abschreiben. Das galt genauso für einen Voldemort wie für alle anderen Hobby-Literatur-Genies!

Aber natürlich lief es meist anders … Stella erschauerte unwillkürlich. Allein die Vorstellung, wie er über einer ihrer erotischen Stories hockte und auf das Pergament sabberte – IGITT!!!

Der große Magier störte sich indessen nicht im Geringsten an ihrem Schweigen, sondern fuhr genüsslich fort, rechthaberisch Salz in die Wunde zu reiben.

„Warum müssen Sie in Ihren Authors Notes eigentlich immer so übertrieben um Kommentare betteln, Ladies? Haben Sie etwa Angst, dass Sie sonst keine – wie heißt das doch gleich – äh … Reviews bekommen? Zumindest auf mich wirken diese – wenn wahrscheinlich auch nicht ganz erst gemeinten – Drohungen und das ewiggleiche Flehen um Rückmeldungen einfach nur peinlich und aufdringlich. Natürlich ist es sicher schön, wenn man Reviews bekommt, jeder Autor freut sich bestimmt darüber. Aber sollte ein Schriftsteller nicht immer in erster Linie für sich schreiben? Na ja … wenigstens Ihre Rechtschreibung ist besser als die vieler Anderer."

Okay, das war es dann wohl. Der Mann, der an die Weltmacht gelangen wollte, wollte ihr etwas über Freigiebigkeit und der Loslösung von allen materiellen Dingen erzählen? Hatte er ein ganzes Gefolge von kriecherischen Anhängern, oder sie?

Lena konnte es nicht fassen und auch Stellas Blick drückte ungläubiges Erstaunen aus. Wie konnte ein so kleingeistiger Mensch eigentlich eine solche Macht anhäufen? Er verstand offenbar überhaupt nichts von der Kommunikation zwischen Autoren und ihren Lesern. Und vermutlich war er auch der humorloseste Mensch überhaupt … was wohl erklärte, warum nur Furcht seine Anhänger an seine Seite gebracht hatte und sie auch dort hielt.

Sie und Stella waren immer ganz besonders stolz gewesen, wenn ein positiver Kommentar zu ihren Geschichten gekommen war. Mal ganz davon abgesehen, dass der Verlauf ihrer Geschichten immer von den Feedbacks profitiert hatte. Und sie liebten die kleinen Scherze, die zwischen ihnen und ihren Lesern hin und her gingen, über alles. Was hatte Voldemort da behauptet? Ein Autor schreibt nur für sich selbst? Natürlich … klar doch! Vielleicht in einem buddhistischen Parallel-Universum. Die gute Miss Rowling hatte natürlich nur für ihre lieben Kleinen geschrieben und nicht für die Millionen Pfund Sterling, die ihre Werke ihr einbrachten. Und jemand ganz gemeines hatte ihre Bücher an Verlage geschickt, um frecherweise damit Geld zu verdienen! Die letztlich verdienten Millionen hatte sie natürlich kommentarlos abgelehnt und meditierte seitdem still über den Sinn des Seins.

Musste die kleine, heile Welt dieses Irren schön sein. Aber bei all der buddhistischen Freigiebigkeit ... wie wäre es, wenn er sie selbst mal an den Tag legen würde? ‚Gehet hin und lebet friedlich all ihr Zauberer, Schlammblüter und Muggel …'

Stella konnte ihren Unmut kaum noch zügeln und nur Lenas warnender Blick und der Gedanke an ihre Kinder hielt sie zurück, diesem Möchtegern-Literaturkritiker im Zaubererumhang die Meinung zu sagen. Statt einer Äußerung biss sie sich energisch auf die Zunge, während der selbsternannte Lektor noch immer nicht fertig war …

„Das Hinzufügen von eigenen Charakteren in ein bereits bestehendes Fandom wie das von Mrs. Rowling", spann er stattdessen ungerührt seinen Faden weiter, „ist grundsätzlich eine schwierige Sache. Wenn der Charakter gut durchdacht ist, eigene Stärken und auch Schwächen hat, kann das gut gehen. Muss es aber nicht. Bei Ihren Charakteren hingegen merkt man genau, dass Sie sich selbst in die Fanfiction geschrieben haben. Natürlich ist das der Traum eines jeden Autors, einmal neben seinen Idolen zu stehen – wobei ich diesen Ausdruck wohl kaum für einen abgewrackten ehemaligen Askaban-Insassen und einen räudigen Werwolf verwenden würde."

Abgewrackter ehemaliger Askaban-Insasse … räudiger Werwolf …

Langsam ging auch Lena die Hutschnur hoch. Dieser Kerl war nicht nur größenwahnsinnig – er war auch eindeutig selbstmordgefährdet! So etwas im Beisein von zwei Frauen zu äußern, die gerade in diese Männer unsterblich verliebt waren, hatte auch schon anderen Leuten einen absolut miesen Tag beschert. Und wenn ihm ihre Geschichte nicht gefiel – warum las er sie denn dann überhaupt? Musste wohl morbide Neugier und ein ausgeprägter Hang zum Voyeurismus sein. Ansonsten würde er sich so was doch unmöglich antun, oder? Großer Gott – da hatte offenbar der dunkle Lord persönlich ihre Sexszenen verschlungen – und wollte dann hier einen auf Moralapostel machen. Wie absurd sollte die Situation denn noch werden?

Die Antwort war: Noch viel absurder!

„Vielleicht sollten Sie sich ja einen guten – wie heißt das doch gleich bei Ihnen – Betaleser? – ja genau, suchen ... der auf Ecken und Kanten achtet ... inhaltlich gäbe es nämlich eine Menge zu verbessern!"

Stella konnte nichts dagegen machen. Nicht einmal der Biss in ihre Fingerknöchel half. Sie tarnte geistesgegenwärtig ihr Lachen als Hustenanfall und hustete, bis sie dunkelrot anlief und fast erstickt wäre.

Wenn das nicht makaber war! Voldemort wollte ihre Geschichten überarbeitet sehen! Der Wahnsinn! Eigentlich ja kein Wunder, denn deren Ausgang konnte ihm ja nun alles andere als Recht sein.

Aber trotzdem – allein die Vorstellung...

Das hartnäckige Schweigen der beiden Frauen schien allerdings irgendwann auch die Konversationsfreudigkeit eines Slytherin-Erben lahm zu legen, weil Voldemort sich jetzt endlich ebenfalls schweigend in die drei Seiten vertiefte, die Lena seit seiner Drohung Stellas Kinder betreffend eilig zusammengetippt hatte. Nach einer Weile legte er das letzte Blatt auf den Tisch zurück und blickte mit unzufrieden gerunzelter Stirn auf.

„Portschlüssel?"

„Sie wollten doch, dass wir Ihnen einen Sieg schreiben, oder?" Lenas Kieferknochen bildeten eine harte Linie, die ihren ganzen Widerwillen gegen diese furchtbare Aufgabe verriet. „Vor einem Sieg steht immer ein Kampf."

„Natürlich. Aber ein Portschlüssel … wie soll ich dann wissen, wann die Ordensleute hier eintreffen? Ein Überraschungsangriff könnte mich schließlich empfindlich treffen. Warum können Sie den Orden nicht einfach per Apparation vor den apparationsgeschützten Katakomben auftauchen lassen, so dass wir sehen können, wann diese Blutsverräter kommen? Ich hätte mir das eigentlich folgendermaßen gedacht …"

Lena stoppte ihn mit erhobener Hand. „Sie wollen, dass wir eine Geschichte schreiben, die dann auch so eintrifft, nicht wahr? All die Geschichten, auf die das bisher zutraf, hatten eines gemeinsam: sie entsprangen ausschließlich unserer eigenen Fantasie. Bei einem Diktat den Inhalt betreffend wird das also nicht funktionieren."

Stella hielt unwillkürlich den Atem an. ‚Bitte, liebes Todesserlein. Schluck das …'

„Außerdem", fuhr Lena mühsam beherrscht vor, „wovor sollten Sie sich denn fürchten, Voldemort? Der Orden kommt. Und sie sind keine wirklichen Gegner, wie sie es eben selbst bemerkt haben!"

Er dachte einen Augenblick darüber nach, ehe er widerwillig nickte. Allerdings funkelten die roten Augen in dem fast weißhäutigen Gesicht Unheil verkündend.

„Das leuchtet mir ein. Allerdings frage ich mich in diesem Zusammenhang, ob Sie es wirklich schaffen werden, sich die Vernichtung ihrer Freunde so realistisch auszumalen, dass es seinen Zweck erfüllt." Lauernd blickte er von einer der zwei Frauen zur anderen. „Ich hoffe, sie vergessen nicht, wie die Strafe für Versagen aussieht, meine Damen. Ihre Leben – und die Ihrer Kinder, einschließlich der Ungeborenen – im Tausch für meinen Sieg. Halten Sie sich das immer vor Augen!"

Weder Lena noch Stella antworteten darauf – was hätten sie auch sagen sollen? Die schreckliche Angst, die sie hatten, schnürte ihnen ja ohnehin schon die Kehlen zu.

Voldemort beobachtete sie mit lauerndem Ausdruck. Er registrierte jede ihrer Regungen. Die Blässe ihrer Gesichter, das unwillkürliche Nach-Atem-Ringen, die geweiteten, Panik erfüllten Augen, die unbewussten Gesten, mit denen sie schützend die mittlerweile recht deutlich gewölbten Bäuche berührten … Zufrieden grinsend verzichtete er auf Leglimentik – Muggel waren so leicht zu durchschauen - wandte er sich wieder den drei Seiten zu, um sie nochmals aufmerksam zu lesen. Diese naiven Muggelweiber würden genau das tun, was er von ihnen verlangte. Sie hatten viel zu viel Angst, um auch nur an Gegenwehr zu denken.

Und wer weiß', dachte er mit einem höhnischen Grinsen, ‚vielleicht lasse ich sie ja tatsächlich noch eine Weile am Leben …' Wäre es nicht eine perfekte Rache an Black und Lupin für all die kleinen, störenden Nadelstiche, die sie ihm schon versetzt hatten, wenn deren Frauen erst unter Schmerzen ihre Kinder gebären dürften, nur um dann zuzusehen, wie diese starben, bevor sie schließlich selbst das Schicksal ihrer Männer teilten?

Noch besser wäre es natürlich, wenn diese Blutsverräter wüssten, was auf ihre Muggel-Schlampen zukam. Aber vielleicht ließ es sich ja einrichten, dass sie es vor ihrem Tod erfuhren…

„Okay, noch mal zu diesem Portschlüssel", bemerkte er kalt. „Warum ist eigentlich keiner von Ihnen diese Apparationsgeschichte eingefallen? Das wäre doch nahe liegend gewesen, oder?"

„Erstens … wir sind nur Muggel", presste Lena zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

„Und zweitens haben wir eine Weile unter den Ordensleuten gelebt. Und uns ist schnell klar geworden, dass Minister Dumbledore nicht dumm ist." Das war Stella, die sich bemühen musste, ihre Stimme einigermaßen fest klingen zu lassen. Noch immer hatte sie die Gesichter ihrer Kinder in dieser von Voldemort heraufbeschworenen Kugel vor Augen … „Eine solche Maßnahme würde er niemals gestatten. Nicht einmal in einer Geschichte. Vergessen Sie nicht, dass wir nur schreiben können, was unsere Fantasie uns glaubwürdig erscheinen lässt. Und damit wäre Ihr ganzer Plan von vorn herein zum Scheitern verurteilt."

„Außerdem werden Sie sicher bemerkt haben, dass wir noch keine Zeit festgelegt haben, zu der dieser Portschlüssel genutzt wird", merkte Lena unterstützend an. „Die entsprechenden Stellen haben wir noch freigelassen, immerhin arbeiten wir ja noch an einem Rohentwurf. Wenn wir es aber tun, werden Sie ohnehin der Erste sein, der davon erfährt." Sie warf einen Blick auf Crabbe und Goyle, die vor dem Gitter zum Gang standen und die zwei Frauen mit finsteren Mienen musterten, während sie jeder einen Schluck aus ihren Taschenflaschen nahmen.

Ihre Stimme klang genauso abfällig wie ihr Gesichtsausdruck aussah. „Ihre zwei Wachhunde werden Ihnen doch sicher jeden unserer Fortschritte melden."

Das würden sie ganz sicher, daran hegte Voldemort nicht den geringsten Zweifel. Nach dem Cruciatus, den er ihnen erst vor kurzem hatte zuteil werden lassen, würden sie sich nun buchstabengetreu an seine Befehle halten. Und – nur um kein überflüssiges Risiko einzugehen – würde er ihnen gleich noch einmal ihre Pflichten vor Augen führen!

Er wandte sich mit wehendem Umhang zum Gehen, drehte sich an der Tür zu ihrem Kerker allerdings noch einmal um und bedachte die beiden Frauen mit einem drohenden Blick.

„In Ordnung, Ladies. Wie ich sehe, haben Sie mittlerweile eingesehen, dass ich hier das Sagen habe und Ihre Ausweichtaktiken nicht länger hinnehmen werde. Ich werde in einigen Stunden damit beginnen, meine Anhänger hier zu versammeln, so dass die Schlacht noch in dieser Nacht geschlagen werden kann. Und Sie sollten sich jetzt schnellstens wieder an ihr merkwürdiges Schreibgerät setzen. Bis heute Abend – wenn meine Todesser hier versammelt sind – erwarte ich einen detailgenauen Entwurf Ihres Planes. Ihnen bleiben also noch etwa drei Stunden. Und vergessen Sie nicht – Ihr Leben und das Ihrer Kinder hängt davon ab, dass dieser Plan auch funktioniert!"

In diesem Punkt gaben Stella und Lena ihm zwar stillschweigend, aber uneingeschränkt Recht.

Reglos sahen sie ihm nach, bis die schwere, hölzerne Tür am Ende des schummrigen Ganges, der vermutlich aus den Katakomben herausführte, hinter ihm ins Schloss fiel, bevor sie sich – nach einem Blick auf Crabbe und Goyle – wieder an die Arbeit machten. Es war viel zu tun und ihnen blieb nur wenig Zeit…

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Mit zufrieden funkelnden Augen frischte Rita Kimmkorn ihr Make-Up auf und stieg in die teure, extravagante Kleidung, die sie kurz zuvor sorgfältig ausgewählt hatte.

Es spielte zwar vermutlich keine Rolle, ob sie heute Nacht attraktiv war oder nicht, aber sie hatte immerhin einen Standard, nicht wahr? Und dem wollte sie auf jeden Fall entsprechen, wenn der dunkle Lord sein Versprechen ihr gegenüber erfüllte.

Sie bekam Sirius Black.

Und – was für sie noch viel wichtiger war – sie bekam auch sein Gringotts-Verlies.

Wohlig erschauernd malte sie sich bereits aus, was sie mit diesem prachtvollen Hengst alles anstellen würde, wenn Voldemort ihn erst einmal mit dem Imperius belegt hatte. Endlich hätte sie dann mal einen Kerl zwischen den Schenkeln, der die Mühe des Kleiderablegens auch wert war. Nur schade, dass es nur für diese eine Nacht wäre …

Andererseits verstand sie natürlich, dass Voldemort Black unbedingt tot sehen wollte. Viele Jahre erbitterter Feindschaft lagen zwischen ihnen. Und niemals würde der dunkle Lord einen solchen Gegner am Leben lassen. Black würde also mit Sicherheit sterben … Aber erst am nächsten Morgen … heute gehörte er ihr!

Er würde vor dem Priester, den sie bereits beauftragt hatte, genau die richtigen Antworten geben, dafür würde Voldemorts Imperius-Fluch schon sorgen.

Und nach der Trauung bekäme sie auch noch ihre Hochzeitsnacht.

Himmel, allein der Gedanke daran, dass dieses Prachtexemplar von Mann alles tun würde, was sie wollte, ließ sie feucht und geil werden und ihren Atem rascher gehen! Er würde nackt auf den Knien vor ihr liegen und ihr jeden Wunsch erfüllen – egal wie abartig der auch ausfallen mochte! Visionen von Ketten und Metall, verbrämten Peitschen, von Knebeln und Würgern gingen ihr durch den Kopf. Oh, wie sie es genießen würde, ihn demütig vor sich im Staub zu sehen! Wie sie es genießen würde, ihn zu erniedrigen und zu quälen und sich dabei auch noch von ihm befriedigen zu lassen – wieder und wieder!

Und vielleicht … nun, vielleicht bräuchte Voldemort ihn ja nicht einmal selbst zu töten, überlegte sie mit einem grausamen Lächeln, während sie ihren eben frisch aufgetragenen, blutroten Lippenstift überprüfte. Vielleicht ließ sich das ja in die wilden Spiele, die ihr für die kommende Nacht vorschwebten, mit einbauen. Immerhin hatte sie ja auch noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen…

Wäre das nicht die ultimative Klimax?

Allein die Vorstellung, ihn auf dem Höhepunkt ihrer Lust zu töten, brachte sie fast zum Orgasmus. Und warum auch nicht? Sterben musste er ja sowieso, warum sollte sie es also nicht selbst tun und spüren, wie unter ihren Händen das Leben aus ihm wich?

Sie würde es genießen, soviel stand fest. Und außerdem würde sie als seine Frau ihn danach auch noch beerben…

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Auch Cornelius Fudge hing seinen Träumen nach.

Er hatte sein Leben lang dafür gekämpft, die Zaubererschaft von diesen unwürdigen Halbmenschen zu befreien. Und all seine Bemühungen waren von einem einzelnen Mann vereitelt worden.

Er hatte sich einfach an Dumbledore gehängt und diesen auf irgendeine Weise davon überzeugt, dass auch Halbmenschen wie Werwölfe eine Daseinsberechtigung hatten. Und der alte Minister war auch prompt darauf hereingefallen – na ja, was wollte man denn von einem einfachen Schullehrer erwarten? Die mussten ja naiv und gutgläubig sein … auch einem Mann wie Lupin gegenüber.

Obwohl – war „Mann" überhaupt die richtige Bezeichnung für diese finstere Kreatur Remus Lupin? Wohl kaum! Das war kein Mann, sondern eine reißende Bestie, die um jeden Preis vernichtet werden musste!

Aber heute war es soweit! Und der dunkle Lord hatte ihm versprochen, dass er selbst es sein würde, der diesen Werwolf endlich vernichtete. Und es würde ihm ein Vergnügen sein!

Mit träumerischem Lächeln musterte Fudge die Ausrüstung, die er im Laufe vieler Jahre eigens zu diesem Zweck zusammengetragen hatte.

Der Käfig, dessen mit Silber verbrämte, bewegliche Gitterwände an den Innenseiten scharfe Spitzen hatten, die beim Zusammenfahren der Wände schlimme Verletzungen hervorrufen würden.

Die silbernen Hand- und Fußschellen, mit denen der Werwolf angekettet werden würde.

Die schwere, lederne Peitsche in deren neun Lederriemen er eigenhändig kleine silberne Widerhaken geflochten hatte.

Und natürlich den Spieß mit der Spitze aus reinem geweihtem Silber.

Heute Nacht würden all diese Werkzeuge endlich zum Einsatz kommen und ihren Zweck erfüllen. Er würde Remus Lupin ein für alle mal vom Angesicht der Erde vertilgen. Und – wenn es nach ihm ginge – den alten Narren Dumbledore, der es gewagt hatte, den eigentlich ihm – Fudge – zustehenden Platz als Zaubereiminister einzunehmen, gleich dazu!

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Im Kerker zog Lena das letzte Blatt aus der Schreibmaschine und wechselte einen Blick mit Stella.

Es war soweit. Die Geschichte, die Voldemort von ihnen verlangt hatte, war fertig. Und gleich würde er hier auftauchen und die Blätter an sich nehmen, die die Vernichtung seiner Feinde bargen.

Die Würfel waren gefallen – die Schlacht stand unmittelbar bevor und sowohl Lena als auch Stella spürten, wie die Bürde ihrer Entscheidungen von Sekunde zu Sekunde schwerer auf ihren Schultern zu lasten schien.

Hatten sie die richtige Entscheidung getroffen? Und was, wenn nicht? Aber derartige Überlegungen waren müßig. Mit dem letzten Punkt, den Lena gesetzt hatte, war die Frist abgelaufen. Schwere Schritte im Gang kündeten von der Ankunft des dunklen Lords.

Jetzt blieb ihnen nur noch eines zu tun … zu beten.

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So, liebe Leute! Das war es für heute … Und natürlich endet auch dieses Kapitel mal wieder mit den – wie war das doch gleich, Eva? – ach ja: „peinlichen und aufdringlichen Betteleien" um Reviews … Also los, Mädels! Füttert das Tier in uns! Zwinker!