Disclaimer: Die handelnden Personen und die Orte an denen die Geschichte spielt, sind das geistiges Eigentum von Joanne K. Rowling. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen, sie dient lediglich der Unterhaltung. Mir gehören nur Jane Baker, Nicole Smith, Sarah Black, Sophie Evans, Lucy Potter, Samantha Lestrange, Debbie Grant und Josh Black, sowie einige unbedeutende Nebencharaktere.


Die Rebellion des Phönixorden

Kapitel 24

Weihnachtsstimmung


Halbherzig hob Sam ihren Zauberstab in einem weiteren Versuch, die Schutzzauber von Hogwarts zu brechen, der wie sie wusste zum Scheitern verurteilt war. Er wäre wahrscheinlich auch zum Scheitern verurteilt gewesen, wenn sie Dumbledore nicht schon vor ein paar Wochen gesagt hätte, dass die Todesser versuchen würden, die Schutzzauber zu knacken. Selbst der dunkle Lord hätte keine Chance, dessen war sie sich sicher.

„Die Zauber sind selbst regenerierend," sagte Jason MacKenzie, der neben ihr stand.

Sie unterdrückte den Drang die Augen zu verdrehen, das hatte der Typ ja echt früh bemerkt.

„Das hat keinen Sinn," hörte sie ihre Mutter rufen, „wir brechen ab."

Jason sah skeptisch aus, „Der dunkle Lord hasst Versagen."

„Der dunkle Lord kann Versagen von einem sinnvollen Rückzug unterscheiden," erwiderte Bellatrix.

Sie sah Jason an, als sei er eine niedere Kreatur, was Sam beinahe ein Grinsen entlockt hätte, doch sie behielt ihre ausdruckslose Miene bei.

„Ich werde dem dunklen Lord Bericht erstatten, ihr seid für den Moment von euren Pflichten entbunden."

Mit diesen Worten disapparierte Bellatrix und ließ Samantha mit ihrem reizenden Todesserkollegen zurück.

„Begleitest du mich in die drei Besen?" fragte er.

„Klar, hab ja sonst nichts zu tun." Außer meinen Freund zu besuchen und mit ihm vor dem Kamin zu sitzen, oder seiner Mutter beim backen zu zusehen, oder so was.

Eher Missmutig folgte sie Jason durch das dichte Schneetreiben um zurück nach Hogsmeade zu kommen.

„Sollten wir nicht einfach apparieren? Geht schneller."

Er lächelte, „Magst du keine Schneespaziergänge?"

Ein Todesser mit Sinn für Romantik, toll. „Im Moment hab ich keine besondere Lust darauf," erwiderte sie.

„Gut, apparieren wir."

Man hätte fast meinen können, dass seine Stimme enttäuscht klang. Den Bruchteil einer Sekunde später standen sie beide vor den drei Besen. Sam erinnerte sich noch lebhaft an das letzte Mal, als sie mit Jason hier gewesen war und seufzte innerlich, hoffentlich wurde es dieses mal angenehmer.

Doch ihre Hoffnungen darauf wurden schlagartig vertrieben, als sie den Pub betraten und die Gespräche um sie her verstummten. Eins war klar, auch wenn die Menschen nicht wagten, sich gegen das neue Regime zu stellen, glücklich waren sie damit nicht. Und niemand wollte mit Todessern gemeinsam ein Bier trinken.

Tja, immerhin geht es mir da genauso wie ihnen, dachte sie, ihr eigenes Verlangen mit Jason ein Bier oder jegliches andere Getränk zu trinken war jedenfalls niedriger, als ihr Bedürfnis, einem brütenden Drachenweibchen die Eier zu stehlen, so viel stand fest. Aber sie hatte eine Rolle zu spielen und sich gewissen Gepflogenheiten zu widersetzen, würde sie nicht glaubwürdiger machen. Das war der Grund, aus dem sie noch lebte, weil sie ihre Rolle zu spielen wusste, egal wie wenig es ihr manchmal gefiel.

„Macht den Tisch frei," fuhr Jason ein paar Männer an, die einen Tisch am Fenster belagerten.

Keiner von ihnen wagte zu widersprechen, als sie aufstanden und an die Bar wanderten.

„Wie wunderbar, dass sie unsere Befehle so leicht befolgen, nicht wahr?" fragte er.

„Ja, ziemlich angenehm," stimmte sie zu.

Er lächelte selbstzufrieden. Als ob es sein Verdienst wäre, dass Voldemort jetzt an der Macht war, bis vor ein paar Monaten war er ein niemand in den Reihen der Todesser gewesen und auch jetzt gehörte er nicht zu denen, die für Voldemort wirklich wichtig waren. Arroganter Idiot.

„Also meine liebe Samantha, was trinken wir?"

„Wein?"

Meine liebe Samantha? Das wurde ja immer besser, gleich würde er ihr einen Antrag machen.

„Zwei Gläser Elfenwein, schnell," wies er die Bedienung an, die sich beeilte, der Aufforderung nachzukommen, so dass kurz darauf zwei Gläser vor ihnen standen.

„Also meine Liebe," wandte er sich wieder an sie, „ich finde wir sollten anstoßen, auf die Erfolge des dunklen Lords und darauf, dass uns das immer wieder zusammenbringt."

„Das ist eine hervorragende Idee, Jason," erwiderte sie.

Sie lächelte ihn an und erwiderte das Lächeln. Seine Hand umschloss ihre, die auf dem Tisch lag, als sie ihrer Gläser erhoben. Sie stöhnte innerlich auf, das würde sicherlich ein reizender Abend werden.


„Und wie hat der dunkle Lord auf deinen Bericht reagiert?" fragte Sam, als sie zwei Tage später mit ihren Eltern zu Abend aß.

„Er war nicht erfreut, wie du dir sicherlich vorstellen kannst," erwiderte Bellatrix.

„Ja, das dachte ich mir. Will er das wir es wieder versuchen?"

„Er scheint meinem Urteilsvermögen und meiner Loyalität zu trauen. Er weiß, dass ich alles tun würde um ihn zufrieden zu stellen und er weiß, dass ich ihm nie leichtfertig berichten würde, ein Auftrag sei nicht erfüllbar."

„Das beantwortet nicht meine Frage," erwiderte sie leicht genervt.

„Dein Tonfall, Samantha," sagte ihr Vater auch sogleich leise.

„Er hat mir nicht gesagt, wie genau er weiter vorgehen will. Doch er will zunächst nicht, dass wir erneut versuchen die Zauber zu brechen."

„Wird er es selbst versuchen?"

„Wie du sehr genau weißt, maße ich mir nicht an, Vermutungen über die Pläne unseres Meisters anzustellen, Samantha."

„Verzeihung Mutter," murmelte sie.

Sie griff nach ihrem Weinkelch um einen Schluck daraus zu trinken.

„Hat einer von euch mit Lucius und Narcissa gesprochen?" fragte sie dann.

Rodolphus schnaubte spöttisch, während Bellatrix nur leicht verärgert den Mund verzog, ehe sie antwortete,

„Wie nicht anders zu erwarten sind sie nicht glücklich mit der kürzlichen Änderung in der Rangordnung. Doch ich habe Narcissa gesagt, dass sie sich glücklich schätzen können, dass sie nach all dem noch immer zum inneren Kreis gehören.

Dracos Verrat war der Gipfel der Schande und er hat den Plänen unseres Meisters geschadet. Der dunkle Lord hätte in dieser Nacht Harry Potter getötet, wenn dieser elende Feigling uns nicht verraten hätte. Und Harry Potters Tod und der Tod seiner Schwester hätte ihre Eltern zu Fall gebracht. Schwächlinge, sich von solch niederen Gefühlen beeinflussen zu lassen.

Ohne Dracos Verrat jedenfalls, wäre der Triumph des Dunklen Lords endgültig gewesen, so jedoch bleiben einige Ärgernisse, die beseitigt werden müssen. Und nach Dracos Verrat haben sie weitere Fehler gemacht, dumme Fehler, und dafür zahlen sie nun. Das ist nicht unsere Schuld, egal wie Lucius und Narcissa darüber denken. Wir sind nicht auf ihre Kosten in der Gunst unseres Meisters gestiegen."


Mit nachdenklicher Miene lauschte James dem, was Sam über Voldemorts Pläne bezüglich Hogwarts erzählte, wobei sie zugegeben nicht allzu viele Informationen hatte und einiges reine Spekulation war. Seit Voldemort seinen Todessern Ende November den Befehl gegeben hatte, sie sollten die Schutzzauber durchbrechen, waren die Lehrer in Hogwarts in Alarmbereitschaft gewesen, doch die Zauber hatten sich in den folgenden Wochen als Widerstandsfähig erwiesen.

Nun hatte Voldemort also beschlossen, dass es sinnlos wäre, wenn seine Todesser weiterhin dieser Aufgabe nachgehen würden. Aber James wusste, dass Voldemort nicht einfach so aufgeben würde, er war sich sicher, dass sich im Kopf des Schwarzmagiers bereits ein neuer Plan formte, mit dem er versuchen würde, Harry in seine widerlichen Finger zu bekommen.

Nur über meine Leiche, Bastard, dachte James.

„Ich glaube irgendwie nicht, dass es sich für uns vorteilhaft auswirken wird, sollte er beschließen sich selbst darum zu kümmern," murmelte Lily neben ihm.

„Ich mir auch nicht, obwohl ich glaube, dass nicht mal er die Chance hat die Zauber zu brechen."

„Vielleicht nicht, aber wenn er selbst scheitert, dann wird er etwas anderes versuchen, nicht wahr?"

„Er kann versuchen was er will, solange er die Zauber nicht bricht und unsere Kinder nur einmal auf uns hören, hat er keine Chance an Harry heran zu kommen."

Er legte soviel Zuversicht in seine Worte wie er konnte. Es half ihnen nicht, sich den Kopf über Eventualitäten zu zerbrechen, die vielleicht niemals eintreten würden. Sam hatte ihren Bericht beendet und Remus fasste jetzt kurz zusammen, wie die Arbeiten des Fluchthelferteams vorangingen.

„Einige Muggelstämmige und Halbblüter sagen natürlich, sie wollen nicht fliehen und bitten um Kontakt zum Orden," erklärte er, „wir haben ihnen empfohlen, ihre Häuser mit starken Schutzzaubern zu umgeben und gesagt wir würden sie kontaktieren."

„Das werde ich tun," sagte Albus, „ich werde es selbst machen um sicher zu gehen, dass sie Vertrauenswürdig sind. Vielen Dank Remus."

Der Blick des Schulleiters wanderte nun zu James.

„Wie wollen die Auroren weiterhin vorgehen? Ihr habt euch in den letzten Monaten zurück gehalten was direkte Angriffe angeht, plant ihr das weiterhin so zu Handhaben?"

„Es war Sams Empfehlung, die uns dazu veranlasst hat. Wir beschränken uns im Moment auf den Schutz der Menschen. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass die Todesser wieder etwas unvorsichtiger werden, also sollten wir in ein paar Wochen vielleicht erneut versuchen, einige zu verhaften."

Fragend sah er zu Sam, die nickte.

„Stimmt schon, sie werden wieder unvorsichtiger, denken anscheinend, sie hätten euch verschreckt. Eine Zeit lang gab es sogar das Gerücht, du wärst in dem Hinterhalt im August gestorben, aber inzwischen hat sich das wieder gelegt. Übrigens hat Voldemort ein paar Todessern den Auftrag gegeben, euer Gefängnis aufzuspüren, es ist sicher keins seiner wichtigeren Ziele, aber ihr solltet vielleicht die Wachen intensivieren."

„In Ordnung. Es sollte zwar eigentlich nicht aufspürbar sein, aber man weiß ja nie."


Weihnachten rückte immer näher und solange Lily sich in Godrics Hollow aufhielt, konnte sie sich fast einbilden, dass alles ganz normal wäre. Sie und Sarah hatten das ganze Haus weihnachtlich dekoriert. Mit Josh als fleißigem kleinen Helfer, der allerdings mehr Chaos angerichtet hatte als irgendetwas sonst.

James, Sirius und Remus benahmen sich in dieser vorweihnachtlichen Atmosphäre mehr denn je wie Kinder. Und Dora klagte über den immer dicker werdenden Babybauch und darüber, dass das Baby es wagte, sie regelmäßig zu treten. Doch natürlich sah Lily das Leuchten in ihren Augen, das davon zeugte, wie sehr sie sich darauf freute, dass Baby in drei Monaten in den Armen zu halten.

Voldemort blieb seltsam ruhig. Hin und wieder mussten die Auroren Menschen in Sicherheit bringen, die seinen Zorn auf sich gezogen hatten, doch wenn man es nicht besser gewusst hätte, hätte man erwarten können, Voldemort selbst bereite sich auf ein rauschendes Weihnachtsfest vor. Der Gedanke war allerdings so absurd, dass Lily tatsächlich bei der Vorstellung lachen musste.

„Kommen eure Kinder eigentlich über Weihnachten nach Hause?" fragte Dora eines Abends an Lily gewandt.

Sie saßen im behaglichen Wohnzimmer, das Feuer im Kamin brannte und von Dora abgesehen hielten sie alle schön warme Tassen mit Glühwein in den Händen.

„Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht," erwiderte Lily.

Sie hatte sich an James gekuschelt, der ein merkwürdig angespanntes Gesicht machte und tief in Gedanken versunken schien. Wahrscheinlich grübelte er wieder einmal über die Frage nach, was Voldemorts nächster Schachzug sein würde. Unabhängig davon, ob es dabei primär um Harry ging, darum den Orden zu demoralisieren oder um bloße Zerstörung, war sie sicher, dass der nächste Schlag brutal und schmerzhaft werden würde.

Sie nahm einen großen Schluck des Glühweins, der ihr angenehm warm die Kehle hinab rann. Sie konzentrierte sich aus das warme Gefühl, ehe sie sich wieder der Unterhaltung zuwandte.

„Eigentlich könnten sie, oder? Sie können alle hier wohnen, Harry, Lucy, Hermine, Neville und die Weasleys und wir machen unser traditionelles Essen, so wie jedes Jahr, ein bisschen Normalität, wäre doch schön... nur für ein paar Tage."

„Und du glaubst ernsthaft, wenn wir sie alle hier einquartieren, steht das Haus nach Weihnachten noch?" fragte Sirius grinsend.

„Mir gefällt die Idee," meinte Sarah, „ein bisschen Normalität."

„Also ich finde, damit ist es beschlossen," meinte James.

„Dann denk bei deiner beschlossenen Sache an Draco," erinnerte Sirius ihn, „wenn ich ein halbwegs anständiger Vormund sein will, dann müssen wir ihn auch einladen."

„Schön von mir aus. Sie scheinen sich alle sowieso besser mit ihm zu verstehen, also was soll's."

Er machte kein glückliches Gesicht, schien aber bereit die Anwesenheit des Slytherins zu ertragen.

„Ich fürchte allerdings, dass dann Hermine, Ginny und Lucy und Harry, Ron und Neville Zimmer teilen müssen."

„Was sicherlich eine Katastrophe für sie ist," erwiderte Lily.

„Hm, bevor wir hier alles planen, sollten wir vielleicht Arthur, Molly, Alice und Frank über diese wunderbare Idee aufklären," erinnerte Remus.

Ebendies tat Lily am nächsten Tag und wie nicht anders zu erwarten, hielten die anderen ebenfalls viel davon, ein großes Weihnachtsfest zu veranstalten. Molly hätte Ginny und Ron zwar auch gerne im Fuchsbau gehabt, doch Sicherheit ging vor, weshalb sie ihre jüngsten Kinder lieber unter dem Schutz des Fideliuszaubers wusste. Neville wäre im Haus seiner Eltern natürlich ebenso sicher gewesen, wie in Godrics Hollow, doch so wie Alice und Frank ihn kannten, würde er die Feiertage eher zusammen mit seinen Freunden in Godrics Hollow verbringen wollen.

Die Kinder reagierten erfreut auf die Möglichkeit über Weihnachten nach Hause zu kommen. Diese Möglichkeit wurde nur denen eingeräumt, deren Eltern im Orden waren und den meisten wurde von ihren Eltern geraten, in Hogwarts zu bleiben, damit ihre Sicherheit gewährleistet war. („Ein Hoch auf den Fideliuszauber," meinte Harry dazu nur.)

Die Weihnachtsfeiertage verliefen in guter alter Tradition, ein Festmahl am Abend des 24. Dezember, Geschenke am Morgen des 25. (wobei die Ausbeute in diesem Jahr eher Mager ausfiel, denn wo sollte man auch Weihnachtsgeschenke kaufen, wenn überall Todesser herumliefen.)

Doch die Stimmung war bei allen Anwesenden Großartig. Lily stellte überrascht fest, dass Bill inzwischen mit Fleur Delacour zusammen war. Die beiden ließen sich kaum voneinander trennen und wirkten sehr verliebt. Charlie erzählte ihr später am Abend des 25. die ganze Geschichte, die für Lily recht amüsant war. Charlie selbst wirkte ein wenig geknickt, was wohl daran lag, dass Sam durch die Weihnachtsfeier mit ihrer eigenen Familie von dieser fern gehalten wurde. Als sie es jedoch spät am Abend doch noch schaffte, zu ihnen zu stoßen hellte sich die Stimmung des zweitältesten Weasley merklich auf.


Charlie war es natürlich längst gewöhnt, Weihnachten ohne Sam zu feiern. Sie hatte familiäre Verpflichtungen und diese zu versäumen hätte ihre Eltern misstrauisch gemacht und sie in Gefahr gebracht. Alles vernünftige Gründe, aus denen sie jetzt noch nicht bei ihm sein konnte, aber das bedeutete nicht, dass er sich nicht das Gegenteil wünschte.

Gerade heute, wo es ihm vorkam, als wäre er von lauter glücklichen Paaren umgeben. Lily und James, Sirius und Sarah, Alice und Frank, Remus und Dora, die gerade eng nebeneinander saßen, wobei Remus Hand auf ihrem Bauch ruhte und sie beide so glücklich miteinander und dem kleinen Baby waren. Eine richtige Familie. Seine Eltern natürlich, die schon solange verheiratet waren. Bill und Fleur, die seit dem Kuss unter dem Mistelzweig ganz offensichtlich auf Wolken schwebten. Ron und Hermine die so offensichtlich miteinander flirteten, dass Rons Freundin und Hermines Freund vor Eifersucht wahrscheinlich geplatzt wäre, wenn sie davon gewusst hätten.

Gut, Ginny, die Zwillinge, Harry, Lucy, Neville und Draco waren auch alleine doch die sieben saßen zusammen auf dem Boden und spielten Karten und schienen einfach glücklich zu sein. Selbst Draco schien wie selbstverständlich zu ihnen zu gehören. Jane unterhielt sich angeregt mit Sarah und Lily und fühlte sich offenbar ebenfalls wohl umgeben von ihren Freunden. Nur er fühlte sich merkwürdig fehl am Platz, bis im Flur ein Apparations-Knall ertönte, den nur eine Person verursacht haben konnte und er spürte, wie sein Mund sich zu einem breiten Lächeln verzog, als er sich umwandte um zu sehen, wie Samantha das Wohnzimmer betrat.

Sie sah so wunderschön aus, dass es ihm für einen Moment den Atem verschlug, das passierte ihm immer wieder, selbst nach all den Jahren, die sie nun schon zusammen waren. Sie trug ein schwarzes knielanges und schulterfreies Kleid, dass eher schlicht geschnitten war, jedoch ihre langen Beine betonte, was Charlie nur recht sein konnte. Er überwand die Distanz zwischen ihnen um sie zu küssen.

„Fröhliche Weihnachten," flüsterte er danach in ihre Haar, zunächst nicht bereit, sie wieder los zu lassen.

„Fröhliche Weihnachten," flüsterte sie ebenfalls.

Schließlich ließ er sie doch los, damit sie die anderen begrüßen konnte doch gleich danach, während Lily ihr ein Glas Wein reichte, schlang er von hinten beide Arme um ihre Taille um ihr so nah wie möglich zu sein. Sie lehnte sich an ihn und schien die Berührung ebenso zu genießen, wie er selbst. Er hauchte einen Kuss in ihren Nacken, der nicht von Haaren verdeckt war, weil diese zu einem eleganten Knoten hochgesteckt waren.

„Wenn du so weiter machst, kommt noch jemand auf den Gedanken du würdest mich mögen," neckte sie ihn.

„Wäre das schlimm?"

„Ich weiß nicht."

„Wie war euer Weihnachtsfest?"

„Großartig, meine Eltern haben heute Abend ein Dinner gegeben, die Gesellschaft war also wirklich erlesen."

Er lachte über den offensichtlichen Sarkasmus.

„Mein Vater und Lucius haben sich verbal zerfleischt, Lucius ist wohl der Meinung, dass er eigentlich da sein sollte, wo mein Vater ist. Also, alle waren in total weihnachtlicher Stimmung."

„Jetzt bist du ja hier," tröstete er sie.

„Ja und darüber bin ich sehr froh."

Er ließ sie ihren Wein austrinken, ehe er sie bat ihn nach draußen zu begleiten. Er wollte einen Moment mit ihr allein, einen Moment, der nur ihnen beiden gehörte und der von niemandem unterbrochen werden sollte. Der Schnee knirschte unter ihren Füßen, als sie durch den Garten gingen, vorbei an dem Spielplatz und in Richtung des Sees, dessen vereiste Oberfläche im Mondlicht glitzerte.

„Ich hab dich vermisst," sagte er leise.

Er hatte die Arme wieder um sie geschlungen, während sie gemeinsam in den Nachthimmel blickten, an dem die Sterne funkelten.

„Ich hab dich auch vermisst, die ganzen letzten Tage. Schließlich ist Weihnachten das Fest der Liebe und das sollte man auch mit Menschen verbringen die man liebt oder?"

„Und du liebst mich?"

„Ja."

„Ich liebe dich auch."

Er wusste, dass sie jetzt lächelte und dass ihre Augen leuchteten, weil sie es liebte, wenn er ihr sagte, was er fühlte.

„Ich hab ein Geschenk für dich und ich werde es dir jetzt geben, aber bevor du irgendwas sagst, will ich, dass du mich ausreden lässt."

„Okay," erwiderte sie.

Sie sah ihn jetzt neugierig an. Er atmete tief ein, ehe er die Hand in seine Hosentasche schob und den Ring herausholte, den er schon den ganzen Abend bei sich hatte. Sam schnappte überrascht nach Luft, als sie den Ring sah.

„Ich lieb dich, Sam," begann er, „und ich möchte dich heiraten. Ich weiß, wir haben darüber schon öfter gesprochen und ich weiß auch, dass es vollkommen unmöglich ist, solange dieser Krieg andauert. Wir haben immer wieder gesagt, später. Aber was ist, wenn es kein später gibt? Es gibt keine Garantien in diesem Krieg, weder für dich noch für mich. Und ich will, dass du weißt, dass ich dich liebe und den Rest meines Lebens mit dir verbringen möchte. Und deswegen," er kniete sich vor ihr in den Schnee, „Samantha, möchtest du mich heiraten?"

Er sah zu ihr hoch. Ihre grauen Augen sprühten regelrecht vor Freude und sie nickte,

„Ja, natürlich will ich dich heiraten!"

Er nahm ihre Hand um den Ring darauf zu schieben, silbern, mit Saphiren besetzt. Dann stand er wieder auf um sie in einen langen Kuss zu ziehen.


Die Weihnachtsfeiertage waren inzwischen vorüber, doch bis Neujahr würden die Schüler noch in Godrics Hollow bleiben.

„Kann ich mit dir reden?"

Überrascht blickte Harry zu seinem Vater hoch.

„Sicher, warum nicht," erwiderte er.

„Komm mit, lass uns ein Stück gehen."

Harry zog Schuhe und einen Winterumhang an und folgte dann seinem Vater nach draußen, der sich zunächst allerdings in Schweigen hüllte, während er Harry immer weiter von Haus wegführte.

„Dad, mach's nicht so spannend," beschwerte Harry sich, nachdem sie den See halb umrundet hatten.

James blieb stehen und drehte sich mit einem schiefen Grinsen zu ihm um, „Kannst du ein bisschen Spannung nicht vertragen?"

„Nicht wenn ich weiß, dass du mit mir über etwas furchtbar Ernstes reden willst," erwiderte Harry.

„Und wie kommst du auf die Idee, dass es was furchtbar ernstes ist?" fragte James.

Harry hob eine Augenbraue, „Wir laufen seit einer Viertelstunde durch den Schnee."

„Vielleicht will ich dir nur zeigen, wie schön unser Grundstück ist."

„Dad!"

James Grinsen verblasste.

„Ich will mit dir über Voldemort reden."

„Warum?"

„Also ich dachte zumindest das wäre offensichtlich."

„Ja, schon klar, ich bin der einzige der ihn besiegen kann. Aber ich dachte das Duelltraining und alles wäre dazu da, mich darauf vorzubereiten."

„Das ist es auch, aber darum geht es mir gar nicht."

„Sondern?"

„Als ich sechzehn war, war meine größten Sorge, wie ich Lily dazu überrede mit mir auszugehen und wie ich Filch oder den Slytherins einen guten Streich spielen kann und das, wie ich zu meiner Schande zugeben muss, nicht immer in dieser Reihenfolge."

Harry grinste leicht, war sich jedoch nicht sicher, worauf James hinaus wollte.

„Du wiederum hast inzwischen dreimal Voldemort persönlich gegenüber gestanden, mit Todessern gekämpft und du warst bereit, dein Leben gegen Lucys einzutauschen und das alles zählt nicht zu den Dingen, die ich mir für dich gewünscht habe, als du geboren wurdest und es sind auch keine Dinge, um die sich Teenager normalerweise Sorgen sollten."

„Das ist alles nicht so schlimm," erwiderte Harry schnell, „ist ja nicht so, als ob es mir irgendwie schlecht ginge. Was Lucy passiert ist, ist viel schlimmer, besonders wenn man bedenkt, wie unfair es war, sie da mit rein zu ziehen."

„Was Voldemort Lucy angetan hat..." Harry sah wie sich James Hände zu Fäusten ballten, „das war... nun ich dachte nicht, dass mein Hass auf ihn noch steigerungsfähig wäre, aber was Lucy passiert ist, ist nicht der Grund aus dem ich mit dir reden wollte. Ich will über das reden, was dir passiert ist und noch passieren wird. Und vor allem darüber wie es dir dabei geht."

Harry war sich nicht ganz sicher, ob ihm die Richtung gefiel, in die sein Vater das Gespräch lenkte. Seine Gefühle hatte er in jüngster Zeit nicht gerade mit seinen Eltern erörtert und eigentlich hatte er auch nicht das Bedürfnis gehabt, damit wieder anzufangen. Abwartend sah er seinen Vater an, hoffend, dass er ihm noch für eine Weile das Reden überlassen konnte.

„Nachdem ihr aus der Kammer des Schreckens zurück gekommen seit, als wir in Dumbledores Büro saßen, da hast du was gesagt über das ich die letzten Monate immer wieder nachgedacht habe. Du sagtest, dass du gehofft hast, es könnte dir helfen, zu wissen was Voldemort in seiner Schulzeit getan hat. Und als du das gesagt hast da klangst du so verzweifelt. Als wäre das so was wie deine letzte Hoffnung gewesen und mir ist klar geworden, dass wir überhaupt nicht darüber geredet haben, wie du dich fühlst."

Harry zögerte einen Moment, ehe er sprach, „Ich komm schon damit klar. Ich meine ich hab ja nicht gerade darum gebeten, der eine zu sein, der Voldemort besiegen kann, aber... na ja, es gibt wohl nicht so viel, was ich daran ändern kann."

„Nein, ich fürchte nicht."

„Ich weiß nur nicht, ob ich es kann," brach es plötzlich aus ihm heraus, „was ist, wenn er mich tötet? Dann gibt es niemanden mehr, der ihn besiegen kann, oder?"

„Ich weiß nicht, was dann passieren würde und..." er beendete den Satz nicht, doch Harry sah Angst in seinen Augen. Und das war tatsächlich die größte Angst seines Vaters, dass ihm etwas zustieß, oder Lucy.

„Ich weiß nur nicht, wie ich jemals die Stärke aufbringen soll, Voldemort zu besiegen, egal was ich tue, ich werde doch niemals die magische Macht haben, die er hat."

„Voldemort ist sehr mächtig. Ein weniger mächtiger Magier wäre wahrscheinlich gestorben bei dem versuch, einen Horkrux zu schaffen, von sechs ganz zu schweigen. Aber bei all seiner Macht und Intelligenz fehlt ihm jede Menschlichkeit und jedes Gefühl ich glaube, dass es am Ende das sein wird, was dich ihm überlegen macht."

Harry lächelte, „Vielen Dank, Dumbledore."

James grinste. „Das war ernst gemeint."

„Aber wie sollen Gefühle und Menschlichkeit ihn besiegen können?"

„Ich weiß es nicht. Ich denke, dass du der Einzige sein wirst, der am Ende weiß, wann er wie handeln muss."

„Ich bin mir nicht sicher, ob mich das aufbaut."

„Mir gefällt das auch nicht besonders. Es wäre mir lieber, wenn ich dir eine Patentlösung liefern könnte, wie genau du ihn umbringen kannst. Aber alles was ich tun kann, ist dir das beizubringen, was ich übers Kämpfen weiß. Und man sagt mir nach, ich wäre ein guter Kämpfer, also hoffe ich, dass es dir helfen wird."

„Ja, das hoffe ich auch. Ich meine ich will schließlich nicht sterben, oder so."

„Das beruhigt mich ungemein."

Harry lachte, „Dachtest du, ich hätte einen Todeswunsch?"

„Nicht viele fünfzehnjährige sind ohne einen zweiten Gedanken bereit ihr Leben gegen das eines anderen Menschen auszutauschen."

„Vielleicht nicht. Aber das heißt nicht, dass ich sterben wollte und dass ich keine Angst davor hatte."

„Ich weiß, ich hab schließlich deinen Brief gelesen und ich war derjenige, der dich gefunden hat."

„Jaah... ich hab dich geschlagen."

„Allerdings und ich kann dir sagen, das hat wehgetan."

„Wäre schlecht wenn nicht."

James lachte und auch Harry grinste.

„Immerhin beherrschst du Kämpfen ohne Zauberstab."

„Ja, das kann hin und wieder ganz nützlich sein," erwiderte er und dachte flüchtig an Melanies Bruder.

Sie schlenderten inzwischen wieder zurück in Richtung des Hauses.

„Dad, wie viele Freundinnen hattest du vor Mum?" James stieß ein sehr seltsames Hüsteln aus.

„Wie genau definierst du Freundin?"

„Mädchen mit denen du entweder ein Date hattest oder Körperkontakt der über Umarmen hinaus geht."

„Ähm, ein paar..."

„Gut. Also findest du es nicht, wie soll ich sagen, moralisch verwerflich, ähm, körperlichen Kontakt außerhalb einer Beziehung zu haben?"

Nun brach James in lautes Lachen aus.

„Das ist nicht witzig," beschwerte Harry sich.

„Okay, seit wann kommst du wieder mit Beziehungsproblemen zu mir?"

„Lucy kam vor ein paar Wochen in den Raum der Wünsche wo ich gerade, na ja, beschäftigt war. Und danach durfte ich mir von ihr anhören, dass ich mir mehr Gedanken über die Gefühle der betreffenden Mädchen machen sollte."

„Also ich war nie der große Herzensbrecher, das war Sirius, kennst du die Geschichte von ihm und Nicole? Ich bin immer ein paar mal mit ihnen ausgegangen, hab ausprobiert wie weit ich gehen konnte und wenn ich keine Lust mehr hatte, habe ich Schluss gemacht. Das lief immer in Zeiträumen von zwei Wochen bis zu drei Monaten, oder so. Also genau genommen, hattest du mit Cho eine ernst zu nehmendere Beziehung, als ich jemals vor Lily hatte."

Nun war es an Harry zu lachen.


Die restlichen Tage bis Silvester vergingen schnell und am zweiten Januar wurden die Schüler wieder in der Schule erwartet. Dort ging das Leben weiterhin seinen gewohnten Gang. Mitte Januar konnten die meisten die Apparationsübungen abschließen. Es gab zwar noch ein paar Nachzügler die immer noch Schwierigkeiten damit hatten, doch Harry und seine Freunde zählten zu ihrer aller Erleichterung nicht dazu.

Während der Januar sich nun dem Ende zuneigte, hatten sie wieder ein bisschen mehr Freizeit, doch Harry kam es so vor, als würde ihm dies überhaupt nichts nützen, weil die Lehrer sie mit Hausaufgaben ausreichend beschäftigten. Besagte Hausaufgaben versuchte er auch zu erledigen, als er – zu seinem Verdruss alleine – im Raum der Wünsche saß.

Von dieser Einsamkeit wurde er allerdings erlöst, als Ginny den Raum der Wünsche betrat. Sie lächelte, als sie ihn sah und ließ sich neben ihn auf das Sofa fallen.

„Na, was macht Hogwarts' größter Mädchenschwarm so ganz alleine im Raum der Wünsche?"

Er grinste, „Das fragen sich alle Mädchen, oder?"

„Na du bist ja gar nicht von dir selbst überzeugt, wie? Und lässt du mich an dem großen Geheimnis teilhaben?"

„Also erstens ist ein gesundes Selbstbewusstsein nie verkehrt. Zweitens ich mache Hausaufgaben. Und drittens bin ich gar kein Frauenheld."

„Also Lucy lässt da was anderes verlauten."

„Zu meiner Verteidigung, es waren seit Oktober drei Mädchen und seit Lucys Standpauke und dem Drama mit Melanie und ihrem Bruder lief bei mir überhaupt nichts mehr."

Ginny grinste, „schon seit zwei Monaten enthaltsam, Mr. Potter? Da bin ich aber stolz auf Sie."

„Halt die Klappe."

Sie lachte laut während er sich bemühen musste, seine eigene Belustigung nicht zu zeigen.

„Na ja, du bist erst seit Anfang Januar nicht mehr mit Michael zusammen, oder? Also gewinne ich das Duell der Enthaltsamkeit."

Ginny schnaubte spöttisch, „Also das ist jawohl was komplett anderes, immerhin war ich mit Michael fest zusammen, während das alles bei dir reines Vergnügen war. Du verlierst das Duell."

Er seufzte resignierend, „Okay, wir canceln das Duell einfach."

„Du hast Glück, heute ist mein großzügiger Tag. Aber erklär mir doch mal, warum du nicht einfach mit Melanie oder irgendeinem anderen Mädchen zusammen gekommen bist, wäre das nicht für dich einfacher gewesen?"

„Das erschien mir nicht fair. Ich hatte an niemandem wirklich Interesse und ich dachte, dass ich ihnen so weniger weh tun würde, als wenn ich fest mit jemandem zusammen komme. Aber zumindest in Melanies Fall hat das ganz offensichtlich nicht funktioniert."

„Ja, das habe ich mir gedacht, nachdem ich dein blaues Auge gesehen habe..."

„Damit werdet ihr mich für den Rest meines Lebens aufziehen, was? Dabei hab ich ihm fast den Kiefer gebrochen."

„Auf jeden Fall, aber jetzt klär mich doch mal auf, welche Bedingungen muss ein Mädchen erfüllen, um das ehrliches Interesse des großen Harry Potter zu erregen?"

„Ziemlich neugierig heute, wie?"

„Du kennst mich, ich werd nicht locker lassen, bevor ich meine Antworten habe, also erzähl."

Sie grinste frech und Harry hob die Hände zum Zeichen seiner bedingungslosen Kapitulation, wohl wissend, dass sie tatsächlich nicht locker lassen würde, ehe er ihr alles erzählt hatte, was sie wissen wollte.

„Hm, also lass mich mal überlegen... das Mädchen meiner Träume... sie muss Quidditch mögen, sie muss Sinn für Humor haben und ein guter Streich hin und wieder sollte sie auch nicht stören, ich muss mit ihr Spaß haben können, aber ich muss ihr auch vertrauen können, sie muss mich und meine Situation verstehen, sie muss genauso bereit sein, gegen Voldemort zu kämpfen, sie muss tough sein, sie... warum grinst du?"

Er sah sie irritiert an, bis ihm schlagartig klar wurde, was so lustig war.

„Das klang als würde ich dich beschreiben."

„Ein bisschen." Sie grinste noch immer belustigt.

„Okay, du bist dran, ich hab mich für heute lächerlich genug gemacht."

„Also mein Traumtyp, er muss lustig sein und mutig, Quidditchspieler natürlich, größer als ich, aber nicht zu riesig, schwarze Haare, grüne Augen und als ganz besonderes extra wäre eine Blitznarbe auf der Stirn super... Moment mal, habe ich jetzt dich beschrieben?"

„Machst du dich etwa über mich lustig, Ginny?" fragte Harry mit gefährlich ruhiger Stimme.

„Nein."

„Das bedeutet Krieg!" Mit diesen Worten warf er ein Kissen auf Ginny.

Sie sprang von Sofa auf und griff sich ebenfalls eines der Wurfgeschosse. Harry wich ihrem Kissen aus, das hinter ihm an eine Wand klatschte.

„Fang mich doch Potter!"

„Renn um dein Leben!"

Er stürmte auf sie zu, doch sie wich ihm aus und rannte auf die andere Seite des Sofas. Harry folgte ihr, doch sie umrundete das Sofa bereits zum zweiten Mal. Mit einem eleganten Sprung überwand Harry die Sofalehne und landete direkt vor Ginny, die gespielt panisch aufkreischte.

„Ha!"

Triumphierend stieß er sie auf das Sofa und beugte sich über sie, damit er ihre Hände mit seinen an die Armlehne pinnen konnte.

„Und was willst du jetzt tun?" fragte Ginny herausfordernd.

„Zufällig weiß ich genau, wie kitzelig du bist, es gibt also kein Entkommen."

„Nein! Gnade!"

Sie funkelten einander weiterhin herausfordernd an, beide mit einem Grinsen im Gesicht. Ihre Augen waren braun, fiel ihm plötzlich auf, er hatte das natürlich gewusst, aber nie zuvor hatte er gesehen, dass sie innen die Farbe von Karamell hatten und nach außen hin dunkler wurden und dass da diese winzigen Sprenkel waren, die ihn an flüssiges Gold erinnerten. Er merkte nicht, wie sein Grinsen langsam verblasste und wie das herausfordernde Funkeln in seinen Augen einem verwirrten, fragenden Ausdruck wich.

Er bemerkte aber sehr wohl, dass die gleiche Veränderung auch auf Ginnys Gesicht zu beobachten war. Ihre Lippen öffneten sich ganz leicht, als ob sie fragen wollte „Was...?" Aber sie hatte keine Gelegenheit dazu, denn ohne sich bewusst dafür zu entscheiden, beugte Harry den Kopf zu ihr herunter und küsste sie. Seine Hände gaben nun endlich ihre frei und ihre Arme schlangen sich um seinen Nacken. Seine Zunge tastete vorsichtig nach dem schmalen Spalt zwischen ihren Lippen, die sich weiter öffneten, so dass seine Zunge vollständig in ihren Mund eindringen konnte.

Zunächst zögerlich erkundete er ihren Mund, dann jedoch begann sie mit ihrer Zunge gegen seine zu stoßen um sich dann schnell wieder zurück zu ziehen. Er ging auf dieses Spiel ein und sie begannen einander zu necken, bis ihre Zungen einen regelrechten Kampf miteinander führten, den allerdings keiner von ihnen gewinnen konnte. Schließlich unterbrachen sie den Kuss, beide heftig atmend. Harry wartete einen Moment, ehe er sich wieder zu ihr hinunter beugte und sie erneut küsste.

Der zweite Kuss war langsamer, zärtlicher. Sie nahmen sich mehr Zeit die Berührung zu genießen und den Mund des anderen zu erforschen. Doch auch dieses mal mussten sie irgendwann voneinander ablassen um zu neuem Atem zu kommen. Erst jetzt wurde Harry bewusst, dass er inzwischen halb auf Ginny lag, deren Hände sich inzwischen in seine Haare gegraben hatten. Ihre Augen waren weit aufgerissen und der Ausdruck darin war merkwürdig verschleiert und da waren immer noch Spuren der Verwirrung aber eindeutig auch Freude.

Doch dann begann sich der Ausdruck zu verändern und Schock mischte sich in die anderen Emotionen und verdrängte sie schließlich völlig. Ihre Hände lösten sich aus seinen Haaren und sie begann sich unter ihm zu winden. Er richtete sich auf und rückte von ihr weg, so dass sie sich ebenfalls hinsetzen konnte, worüber sie erleichtert schien. Nervös zupfte sie an ihrer Schuluniform herum und vermied den Blick in seine Richtung. Ein sehr peinliches Schweigen trat ein, wie er es mit ihr noch nie erlebt hatte.

„Ginny?" unterbrach er es schließlich.

Ihr Blick huschte kurz zu ihm, ehe sie ihn wieder abwandte.

„Ja?"

„Alles okay?"

„Jaah klar, was sollte sein? Das war schließlich nur ein Kuss, oder?"

„Ja, na ja, zwei genau genommen."

„Ja stimmt, zwei. Aber na ja, das war halt ein komischer Moment. Hätte dir auch mit Debbie oder Hermine passieren können, oder?"

„Jaah, wahrscheinlich."

„Wie auch immer, ich muss weg... Bibliothek."

Und schon war sie aufgesprungen und verschwand durch die Tür. Einige Minuten starrte Harry die Tür an, ehe sein Hirn wieder das tat, wozu es da war: Denken. Eins stand fest, was da gerade passiert war, wäre ihm mit Debbie nicht passiert und mit Hermine erst recht nicht. Und der Kuss, oder vielmehr die Küsse, waren viel zu intensiv gewesen um sie als das Ergebnis eines komischen Moments abzutun.

Er stand auf und begann auf und ab zu gehen. Das alles ließ nur einen Schluss zu, aber das durfte und konnte nicht sein, es ging schließlich um Ginny. Ginny, die er schon kannte, seit sie beide Babys gewesen waren. Mit der er seine Kindheit verbracht und allen in ihrem Umkreis Streiche gespielt hatte. Mit der er die schlimmsten Ängste geteilt hatte und die sich zusammen mit ihm in Lebensgefahr gebracht hatte. Ginny, deren Augen so wunderschön waren. Die tatsächlich alles war, was er sich von einem Mädchen wünschte und von deren Kuss seine Lippen noch immer brannten.

„Scheiße!"

Ron würde ihn umbringen, aber zu seiner eigenen Überraschung stellte er fest, dass ihm das egal war.

Bibliothek, hatte sie gesagt, ja ganz bestimmt. Zum Glück hatte er die Karte bei sich und brauchte nicht lange um den mit Ginny Weasley beschrifteten Punkt zu entdecken, der soeben das Schloss verließ. Er griff nach seinem Umhang, schob Zauberstab und Karte in eine Tasche und rannte los.


AN: Das war Kapitel 24... wie passend. Da sitze ich hier bei kuscheligen 30 Grad und schreibe über Weihnachten, Schnee und Eis.

Ich hoffe das Kapitel hat euch gefallen. Und keine Sorge, nach der ganzen Romantik in diesem Kapitel gibt es im nächsten wieder mehr Action, ihr dürft also gespannt sein.

Ich bin übrigens ein bisschen Enttäuscht, dass so wenige sich die Mühe machen, Reviews zu schreiben. Ich sehe, dass ihr da seid und mitlest, wenn ihr die Zeit zum lesen habt, dann ist es doch wohl auch nicht zu zeitaufwendig, ein Review zu schreiben, oder? Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn es dieses Mal mehr Reviews gibt.

Bis zum nächsten Mal

lg Sanny