Kapitel 25
Zur Verzweiflung von Pamela Pomfrey, Poppy Pomfreys Tochter, verbrachten Severus und Hermine ihren gemeinsamen Aufenthalt im Krankenzimmer von Beauxbaton, um sich gegenseitig die Mandeln zu massieren. „Madmoiselle Gondet… Granger, wie auch immer, würden sie jetzt bitte die Güte haben, sich für ein paar Sekunden mir zu widmen. Ich weiß, dass ich längst nicht das gleiche Ansehen, wie dieser Mann, in dessen Armen sie liegen, habe, doch ich würde gerne ihr Bein einwickeln und ihnen diesen Trank geben. Danach würde ich noch gerne ihre Niere entfernen, um sie zur Organspende freizugeben, ihren rechten Daumen amputieren und natürlich, nicht zu vergessen, wollte ich danach ihre Haare Rosa färben!" Mdm. Pomfrey hatte die Hände in die Hüfte gesteckt und sah die beiden strafend an. So etwas war ihr, während ihrer gesamten Laufbahn, noch nicht untergekommen.
„Uhm, was haben sie gerade gesagt?" Hermine konnte sich nur mit Müh und Not von den weichen Lippen, die sie so verwöhnten, losreisen und zur Krankenschwester blicken. „Tut mir leid, ich habe gerade nicht zugehört, was sie gesagt haben.", gab Hermine kleinlaut von sich. Die Krankenschwester knurrte leise vor sich hin. „Das wär' mir jetzt nicht aufgefallen, wenn sie mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätten." – „Na ja, tun sie, was sie tun müssen, Madame Pomfrey." Hermine nickte der Krankenschwester noch einmal zu und widmete sich wieder ihrem Professor. „Das würde ich ja gerne, wenn sie mir endlich ihr Bein zur…" Pamela Pomfrey stöhnte genervt auf. Selbst eine Wand wäre kommunikativer, als diese junge Frau.
„So… und jetzt reicht es.", fauchte sie die beiden an. Sie packte Severus am Kragen, der sich bisher aus jeglichen Diskussionen herausgehalten und sich lediglich an den stürmischen Küssen, bei Hermine beteiligt hatte. Alles andere interessierte ihn im Moment herzlich wenig. Doch genauso wenig interessierte es Pamela Pomfrey, was die beiden hier taten, so hatte sie sich für die einzige, ihr plausible, Möglichkeit entschieden. Mit festem Griff zog sie Severus von seiner Verlobten weg und schmiss ihn kurzerhand aus dem Krankenzimmer. „Da draußen können sie warten, bis sie fertig ist! Sollten sie es wagen, auch nur einen Fuß hier herein zu setzen und dann auch noch Anstalten machen, meine Patientin zu küssen, werde ich sie in eine Kröte verhexen!" Verdattert blickte Severus die junge Medihexe an, als ihm vor der Nase die Tür zugeknallt wurde.
„Aber das war doch jetzt nicht nötig!", gab Hermine ein wenig säuerlich von sich. „Oh doch, das war es absolut! Denn sonst würden wir hier noch morgen sitzen bzw. sie würden da sitzen und ich würde ihnen zuschauen, wie sie übereinander herfallen, während ich verzweifelt versuche, eine Möglichkeit zu finden, ihr Bein zu heilen." Hermine verdrehte die Augen. „Nun, das wird die Heilung auch nicht beschleunigen! Hier - Trinken!", brummte die Medihexe und schob Hermine einen Trank vor die Nase. Seufzend kippte sich Hermine das Zeug hinunter und verzog jeden einzelnen Muskel in ihrem Gesicht. „Boah, ist das widerlich!", beschwerte sich die junge Hexe. Pamela Pomfrey warf ihr nur einen finsteren Blick zu, während sie sich weiter um das Bein kümmerte. „Und kalt sind die Umschläge auch noch, die sie da um mein Bein wickeln!" Hermine wollte hier nur noch raus, zu Severus und dann mit ihm das weite suchen.
Abermals legte die Medihexe ihre Hände in die Hüfte. „Können sie auch etwas anderes tun, außer zu jammern, Mademoiselle Granger? Sie sind heute ja schlimmer als der junge Reno!" Hermines Augen verfinsterten sich ein wenig. Sie wurde mit dem Ekelpacket Reno verglichen, na super. Dieser kleine Schleimscheißer war in etwa das, was Malfoy in Hogwarts war. „Gönnen sie sich noch 15 Minuten Ruhe und wenn die Uhr durchgelaufen ist, können sie aufstehen und gehen. Und keine Sekunde vorher, ist das klar?" – „Jawohl, Madame!"
Severus hatte es sich vor der Türe mehr oder weniger bequem gemacht. Gut, diese paar Minuten hier draußen würde er gerade noch so verkraften. Alles was für Severus im Moment zählte, war, dass er seine Hermine wieder gefunden hatte. Wie kitschig sich das anhörte „Seine Hermine", als würde Hermine ihm gehören. Gut, irgendwo war es auch so, irgendwie. Er drehte den Kopf in Richtung Treppen, als er Schritte vernahm. Wer verirrte sich an so einem Abend hier hoch, wenn er nicht gerade weglief und sich den Fuß verstauchte. Doch Severus verfluchte sich innerlich, dass er sich diese Frage überhaupt gestellt hatte, als zwei wohlbekannte Gesichter auftauchten. Potter und Weasley. Diese zwei Nervensägen hatten in den letzten 12 Monaten besonders schlimm leiden müssen. Denn Severus hatte ihnen die Schuld in die Schuhe geschoben für Hermines Verschwinden und so waren sie zu den ewigen Sündenböcken geworden.
Es war unfair gewesen, aber wann war Severus, im Großen und Ganzen, jemals fair gewesen? Aus der Sicht eines Schülern niemals, aus der Sicht eines Erwachsenen… gute Frage! Anfangs war Severus einfach nur wütend, verletzt und enttäuscht gewesen und hatte ein Ablassventil gebraucht. Und genau dieses Ablassventil waren Potter und Weasley gewesen. Er hatte sie mit den unmöglichsten Aufgaben betreut, hatte sie tagelang das Schullabor schrubben oder sie Meterlange Aufsätze schreiben lassen. Doch vor allem war er davon überzeugt gewesen, dass die beiden Jungs genau wussten wo Hermine war. Erst drei oder vier Monate später hatte auch Severus eingesehen, dass sie genauso wenig wussten, wie er. Sie hatten ebenfalls Weihnachtskarten bekommen, doch auch in ihren Karten war nicht ein einziger Hinweis, wo sich Hermine aufhielt. Es standen fast die gleichen Sätze, wie bei ihm drin. ,Sie sollten sich keine Sorgen machen, ihr ginge es prächtig! Sie wünsche ihnen noch frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr' - das war es dann auch schon gewesen. Severus hatte die Enttäuschung der Jungen gesehen und für kurze Zeit hatte ihn sogar ein schlechtes Gewissen heimgesucht. Allerdings nur für sehr kurze Zeit.
Irgendwann hatte sich die Situation zwischen ihm und seinen Schülern entspannt. Er war nicht mehr so extrem reizbar, doch herausfordern sollte man ihn deswegen trotzdem nicht. Und die unfairen Punkteabzüge für Gryffindor ließen langsam nach, wenn sie auch nie ganz aufhörten. Severus hatte erkannt, dass Hermine einfach weg war und sich durch seine schlechte Laune nichts ändern würde. Doch er hatte sich eins in den Kopf gesetzt, egal wann und wo er Hermine sehen würde, er würde ihr einen Antrag machen.
„Potter… Weasley, was machen sie hier oben?", knurrte er die beiden Schüler von seiner Stufe an, auf der er sich nieder gelassen hatte. Beide blieben augenblicklich stehen und starrten den Professor an. „Ich… wir… also… wir wollten zu Hermine." Klar, was hatte Severus erwartet, um ihm die Füße zu kraulen, waren sie bestimmt nicht gekommen. „Miss Granger ist gerade in Behandlung. Sie können da nicht rein." – „Das ist mir doch egal!", schnippte Harry ihn an. „Und versuchen sie gar nicht erst mir Punkte abzuziehen. Sie sind nicht mehr mein Lehrer!" Ein wissendes, leicht fieses Lächeln legte sich auf seine Lippen. „Oh, doch mein Lieber, das bin ich. Während dieses ganzen Ausfluges über. Und erst, wenn sie Hogwarts für immer verlassen haben, bin ich nicht mehr ihr Lehrer. Fordern sie mich nicht heraus Potter!"
Harry schnaubte ihn an. „Ach, ist mir jetzt auch schon egal. Ich geh da jetzt hinein!" Noch bevor Severus ihn zurück halten konnte, war Harry durch die Flügeltüre im Krankensaal verschwunden. „Sie Idiot!", knurrte Severus und starrte Weasley an, der immer noch wie erstarrt vor ihm stand. „Was ist los Weasley?" – „N-Nix… Professor…", stammelte der rothaarige Schüler. „Wollen sie mich nicht auch ignorieren und ihrem Freund!!! folgen?" Ron wurde Augenblicklich rot. „Ich bin gespannt was Miss Granger dazu wohl sagen wird, wenn sie davon erfährt." Ron stotterte etwas Unverständliches vor sich hin. „Haben wir etwa Angst, Mr. Weasley? Nun, ich denke ihre Freundin wird das doch verstehen, dass sie sich lieber mit Männern vergnügen." Die tiefrote Farbe in seinem Gesicht war nicht mehr von seinen Haaren zu unterscheiden. „Aber...", fing er stotternd an, schüttelte den Kopf. „Woher ich das weiß? Sie sollten mittlerweile gelernt haben, Mr. Weasley, dass ich ein ausgezeichneter Beobachter bin. Und außerdem denke ich, dass Miss Granger ihnen auch noch etwas zu erzählen hat."
Fast zeitgleich drang ein lauter, verzweifelter Schrei aus dem Krankensaal, der eindeutig von Harry Potter stammte. „Oh, ich glaube, Mr. Potter hat es gerade erfahren." Ron blickte Snape ungläubig an und stürmte dann, ohne ihn weiter zu beachten, in den Krankensaal. Severus blickte ihm mit einem zufriedenen Grinsen hinterher.
„Hermine, du hast Fieber, genau! Du hast dir den Kopf gestoßen und bist jetzt nicht mehr zurechnungsfähig. Das ist es! Ja genau!" Harry wirbelte mit den Händen aufgeregt vor Hermine herum. „Glauben sie mir, Monsieur, sie hat das nicht erfunden, ich habe es ertragen müssen!" Pamela Pomfrey war mit vollen Armen am Bett vorbei gelaufen und hatte einige Wortfetzen des Gespräches mitbekommen. Hermine grinste Harry jedoch zufrieden an. In diesem Moment kam Ron auf das Bett zu. „Harry, er weiß es!", quiekte Ron aufgeregt. „Wer weiß was?", fragte Hermine neugierig. Doch Harry ging nicht auf das ein, was sein Freund gesagt hatte, sondern sprach aufgeregt auf ihn ein. „Ron, stell dir das vor! Es ist grausam. Sie müssen Hermine Drogen gegeben haben, aber Snape und sie - er legt sie flach! Und jetzt wollen sie heiraten! - SNAPE UND HERMINE! UNSERE MINE!"
Ron sah fassungslos zum Bett. Was war jetzt schlimmer, dass Snape wusste, dass er mit Potter die Matratzen prüfte und ihn damit an der Schule so richtig lächerlich machen würde oder das Hermine sich von Snape flachlegen ließ. „Du und Snape habt, also miteinander, boah also, das ist ja eklig!" Rons Gesicht nahm eine käsige Farbe an. „Nein, haben wir nicht!", brauste Hermine auf. „Wir haben noch nicht miteinander geschlafen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden! Und ich vermute mal ziemlich bald!" Nun gab Ron ein gefährliches Würgegeräusch von sich. Hermine verdrehte die Augen. „Hör auf Ron. Ich bin es, der mit ihm schlafen will und nicht du! Außerdem frag ich dich ja auch nicht. Hey Ron… und wen legst du flach?" – „Harry!" – „Was?" Hermine schüttelte den Kopf und sah ihren Freund verwirrt an. Harry wurde augenblicklich rot und wich Rons Blick aus. „Was ist mit Harry?" Sie blickte zwischen den Jungs hin und her. Beide waren so rot, wie Rons Haare, hatten ihre Köpfe gesenkt und malten mit den Schuhen unsichtbare Muster auf den Boden.
Hermine ging ihre letzten Worte noch einmal durch, dann fing sie schallend an zu lachen. „Was gibt's denn da zu lachen?", knurrte Harry sie an. „Das war es also, das hattet ihr immer für euer eisernes Geheimnis gehalten! Ihr beide seid…" Hermine hielt sich vor lachen den Bauch. Lachtränen kullerten aus ihren Augen. Severus stand mittlerweile grinsend in der Tür und kam nun langsam auf das Bett zu. Er setzte sich auf die andere Bettseite und legte Hermine einen Arm um die Hüfte. „Und glaub mir, es war nicht immer schön, das mit anzusehen, wenn sie dachten sie seien unbeobachtet und haben sich gegenseitig… Ich denke ich brauch nicht ins Detail gehen." Hermine lachte noch lauter auf. „Sorry Jungs, aber das ist irgendwie so… absurd, seit wann, ich meine…" Beide Jungs sahen sie beleidigt und den Professor wütend an. „Seit der 4. Klasse…", murmelte Ron. „Oh man, und mir ist all die Jahre nichts aufgefallen!" Hermine hatte sich langsam wieder im Griff, ihren Kopf an Severus Schulter gelehnt.
„Ich denke ihr Fuß ist soweit in Ordnung, Mademoiselle Granger." Pamela Pomfrey war erneut ans Bett getreten und sah auf die abgelaufene Uhr. „Sie können gehen." Hermine bedankte sich und stand mit wackeligen Beinen auf. „Ich würde sagen, daunten ist noch ein Ball, der auf uns wartet und außerdem, will ich jetzt endlich mein Diplom haben!"
Zusammen mit den Jungs und Severus ging Hermine zurück in den Ballsaal. Von den Schmerzen in ihrem Fuß spürte sie nichts mehr. Allerdings lehnte sie sich nur zu gerne an Severus und ließ sich von ihm ein wenig stützen. In der großen Halle schien nun alles bereit zu sein, für die große Übergabe. Severus lief auf die Schuldirektorin zu und drückte ihr einen Stapel Pergamente in die Hand. Die Diplome der Hogwartsschüler. Hermine selbst fand sich schnell in einer Gruppe ihrer alten Schulkameraden wieder. Sie stellte ihren alten Freunden ihre jetzigen Schulkameraden aus Beauxbaton vor. Sie tratschten und lachten bis es endlich soweit war für die Diplomübergabe.
Wie zu erwarten war, war Hermines Diplom das Beste beider Schulen. Allerdings wollte Hermine so schnell, wie möglich von der Bühne. Es war ihr irgendwie peinlich, so in den Himmel gelobt zu werden. Sie war auch nur ein Mensch. Ein Mensch, dem eben das Talent des Lernens mit auf die Welt gegeben worden war. Und schließlich war das jahrelang ihre einzige Möglichkeit gewesen, sich zu beschäftigen. Da Hermines Diplom das letzte war, trat Severus hinter der doppelt so großen Direktorin hervor und ging auf Hermine zu.
„Darf ich die junge Dame zu einem Tanz einladen?" Glücklich nickte Hermine ihn an. „Aber sicher doch!", lachte sie verlegen. Severus zog sie von der Bühne hinunter, auf die Tanzfläche. „Ignorier die Blicke, die sind doch alle nur neidisch!", flüsterte Severus ihr ins Ohr, als sie zu den ersten Klängen des Liedes miteinander tanzten.
Doch auch ein Abend, wie dieser endete, zum Leid einiger anwesenden, ziemlich schnell. Während sich die Beauxbatonschüler in ihre Betten zurückzogen, zogen sich die Hogwartsschüler in ihren Zug zurück, der extra für diese Reise mit Schlafabteilen ausgerüstet war.
„Du kommst doch mit uns?" Hermine stand als einzige Schülerin Beauxbatons mit Harry, Ron, Severus und ihrer Direktorin noch in der großen Halle. „Bitte, Hermine, du kannst nicht schon wieder verschwinden. Und schon gar nicht mit diesem…" – „Überlegen sie sich ihre Worte gut, Mr. Potter!", unterbrach Severus Harry. Dieser räusperte sich kurz. „Nachdem du jetzt in festen Händen bist. Bitte komm mit uns. In unserem Abteil ist noch ein Platz frei. Es wäre so schön, wenn wir endlich mal wieder stundenlang quatschen könnten." Hermines Blick ging zu ihrer Direktorin, die lächelnd nickte. „Ich habe mir erlaubt ihre Sachen bereits packen zu lassen. Ich habe vermutet, dass sie mit nach Hogwarts reisen werden. Es war schön sie hier zu haben, Hermine." Sie blickte zu der großen Frau auf und griff nach ihrer rieseigen Hand. „Danke… für alles!" – „Nichts zu danken." Sie drehte sich um und verließ die kleine Gruppe.
„Severus, wärst du sehr enttäuscht, wenn ich mich zu den Jungs zurückziehen würde. Ich meine, wir haben ja noch die ganzen nächsten Wochen. Die Jungs habe ich nur noch für 2 Tage!" Severus nickte, auch wenn es ihm nicht ganz passte. „Na ja, wenigstens brauch ich keine Angst haben, dass sie sich an dir vergreifen", grinste er zu ihr hinüber. Die finsteren Blicke, die er dafür von den Jungs erntete, ignorierte er gekonnt.
Und so machte sich die kleine Gruppe auf den Weg zu ihrer Reise zurück nach Hogwarts.
