Und nun geht es weiter!
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Als Blaines Alptraum begann, war Kurt an seiner Seite und bereits bei den ersten Anzeichen fasste dieser seinen Freund sanft an der Schulter und schüttelte ihn ganz leicht.
„Blaine, Blaine, wach auf, es ist nur ein Traum!" flüsterte er immer wieder. Er wiederholte dies ein paar Mal bis Blaine plötzlich ruckartig die Augen öffnete und sich panisch im Raum umsah. Als er erkannte, dass außer Kurt niemand sonst im Zimmer war, beruhigte sich sein Atem schnell wieder und nach einer Minute richtete er seinen Blick auf den jungen Mann, der geduldig abwartend neben seinem Bett saß.
„Kurt!" stieß er hervor und es klang erleichtert, aber auch irgendwie verwundert.
„Ja, ich bin hier!" Kurt versuchte ihn so gut wie möglich anzulächeln, doch ihm war nicht nach Lächeln zumute. Er war fürchterlich wütend. Cooper hatte ihm erzählt, was am Morgen passiert war und Kurt konnte es nicht fassen. Er konnte nicht begreifen, dass Justin die Dreistigkeit besessen hatte, hier bei Blaine aufzutauchen, nach allem was er ihm angetan hatte. Natürlich machte er sich auch Vorwürfe, dass er nicht bei Blaine gewesen war.
Blaine hatte, nachdem Dr. Miller ihm das Beruhigungsmittel gegeben hatte, über vier Stunden geschlafen. Seit einer halben Stunde saß Kurt nun schon bei ihm und hatte sich darüber Gedanken gemacht, dass er dieses Zusammentreffen von Blaine und Justin hätte verhindern können.
„Ich hätte…" begann Kurt, doch Blaine unterbrach ihn sofort, da er wusste, was dieser sagen wollte.
„Nein, Kurt, mach dir bitte keine Vorwürfe! Du kannst nicht immer bei mir sein. Du hast noch ein eigenes Leben und die NYADA ist wichtig!"
„Nicht so wichtig, wie du!" erwiderte Kurt und schluckte.
Blaine sah ihn an und am liebsten hätte er Kurt nach dem Kuss gefragt, doch es kam ihm unpassend vor. Er schloss die Augen und die Erinnerungen an Justins Besuch überfluteten ihn und obwohl er es nicht wollte und es ihm auch vor Kurt peinlich war, fing er an zu weinen.
Als Kurt sah, wie die ersten Tränen aus Blaines geschlossenen Augen liefen, hätte er nichts lieber getan, als Blaine einfach in den Arm zu nehmen. Cooper hätte dies tun können, doch er fühlte sich so unsicher und wollte auch nichts falsch machen. Der gestrige Kuss war schon viel zu viel gewesen und so eine Entgleisung wollte er nicht noch einmal zulassen. Er würde Blaine nur noch küssen, wenn dieser es wollte, sonst nicht. Er beobachtete Blaine kurz und sein Anblick brach ihm sein Herz. Der Schwarzhaarige sah so verzweifelt und traurig aus.
„Möchtest du darüber reden, was passiert ist?" fragte er vorsichtig.
Zuerst kam keine Reaktion von Blaine. Dieser hatte Kurt genau gehört und hätte am liebsten sofort mit dem Kopf geschüttelt und den jungen Mann an seiner Seite weggeschickt. Warum sollte Kurt sich für das interessieren, was passiert war? Was hatte Justin noch gesagt? Er war doch ein niemand, ein Nichts! Doch halt, war es nicht Kurt gewesen, der in den letzten Monaten immer ein offenes Ohr für seine Probleme gehabt hatte? War es nicht Kurt gewesen, der ihn nie aufgegeben und auch nie im Stich gelassen hatte? Justin hatte ihn so oft belogen, warum sollte er ihm auch nur ein einziges Wort glauben? Er wusste, er musste über das reden, was geschehen war und Kurt war für ihn da. Er war hier. Blaine öffnete seine Augen und sah zur Decke. Dann begann er zu reden.
„Es war irgendwie gut, dass … dass er gekommen ist!"
Kurt sah ihn entsetzt an. „Was?" Er glaubte sich verhört zu haben. „Wie … wie meinst du das, Blaine?" Hatte Justin Blaine irgendwelche Lügen in den Kopf gesetzt? Konnte es sein, dass Justin immer noch Macht über Blaine und seine Gefühle hatte? Kurt bekam Angst, doch Blaines nächste Worte ließen ihn aufatmen.
„Ich weiß jetzt, was für ein Mensch er wirklich ist. Er hat seine Maske abgesetzt und mir sein wahres Ich gezeigt. Er hat mir gezeigt, dass er es nicht wert ist, auch nur einen einzigen weiteren Gedanken an ihn zu verschwenden!"
Erstaunt und erleichtert, vernahm Kurt diese Worte von Blaine. Er fragte sich nur, was den jungen Mann vor ihm zu dieser Erkenntnis gebracht hatte. Was hatte Justin gesagt oder getan? Die Antwort gab ihm Blaine, der, seinen Blick starr gegen die Decke gerichtet, leise weitersprach.
„Er hat mich nie geliebt! Er hat es mir selbst gesagt. Es war nur seine Absicht, mich ins Bett zu kriegen und dann wollte er mich eigentlich gleich wieder loswerden. Weil ich ihm aber gefiel und ich so schön naiv war, hat er mich behalten. Ja, genau das waren seine Worte. Er hat mich behalten wie ein Haustier." Blaines Unterlippe zitterte und wieder flossen Tränen über seine Wangen. Die Erinnerungen taten so weh. „Wenn wir Besuch hatten, ließ Justin mich immer Klavier spielen. Ich dachte immer, er wäre deswegen stolz auf mich, doch jetzt weiß ich, dass er nur mit mir angeben wollte."
Kurt war fassungslos. Wäre Justin in diesem Moment im Raum gewesen, hätte er wirklich für nichts garantieren können. Normalerweise war er kein gewalttätiger Mensch, doch in diesem Fall hätte er eine Ausnahme gemacht. Wie konnte Justin Blaine nur so etwas sagen, wie konnte ein Mensch einen anderen nur so behandeln? Er wollte etwas sagen, doch er konnte nicht, stattdessen griff er nach Blaines Hand und spürte erleichtert, wie dieser seinen Griff erwiderte und seine Hand festhielt.
Blaine drehte seinen Kopf und sah ihn an. „Justin hat gesagt, dass du auch nur Zeit mit mir verbringst, um mich ins Bett zu kriegen!"
Kurt schnappte kurz nach Luft. Er sah in Blaines traurig blickende Augen und er schüttelte den Kopf. „Das stimmt nicht! Das war niemals meine Absicht, Blaine! Ich …!" er stockte und suchte nach den richtigen Worten.
„Ich weiß, Kurt!" murmelte Blaine. „Du bist nicht, wie er! Warum sollte ich ihm auch nur einen Moment glauben? Er hat mich die letzten Jahre nur angelogen. Ich habe seine Lügen lange genug geglaubt. Ich kann nur nicht verstehen, warum ich das nicht eher realisiert habe. Wieso habe ich ihm nur blind vertraut, während er mir meinen Bruder und meine Freunde entfremdet hat?"
„Santana hat es als emotionale Abhängigkeit beschrieben und das stimmt." Kurt drückte seine Hand. „Deine Liebe zu Justin hat dich viel zu viel ertragen lassen, Blaine."
Eine Weile schwieg Blaine und dachte über das nach, was Kurt gesagt hatte. Er schloss kurz die Augen und holte tief Luft, dann sah er Kurt an. „Aber das ist jetzt vorbei!"
Kurt nickte nur und lächelte ihn an. „Ich werde dir helfen!"
Erneut schwieg Blaine eine Zeitlang und er sah dabei auf Kurts Hand, die seine immer noch festhielt. „Würdest du bitte bei der Polizei anrufen, Kurt, damit sie jemanden herschicken. Ich will ihn anzeigen! Er darf nicht ungeschoren davonkommen."
Kurt atmete innerlich auf. Endlich kam Blaine zur Vernunft in Bezug auf die Anzeige. „Das mache ich gleich, Blaine! Es … es ist die richtige Entscheidung!"
Blaine atmete tief durch und nickte. „Ich weiß! Ich hätte es schon viel eher tun müssen, aber …" Er stockte und brauchte einen Moment, bevor er weitersprechen konnte. „Ich… ich werde Hilfe brauchen, Kurt. Ich weiß nicht, ob ich es alleine schaffe, wenn Cooper wieder nach L.A. muss. Ich werde jemanden brauchen und ich…!"
Kurt unterbrach ihn. „Ich habe es dir schon gesagt, Blaine, ich helfe dir! Ich bin immer für dich da, wenn du mich brauchst!" Erneut drückte er die Hand seines Freundes und diesmal stahl sich ein kleines Lächeln auf Blaines Lippen. Dieses Lächeln ließ Kurt aufatmen und er wusste, dass Blaine es schaffen würde. Mit seiner Hilfe und auch der seines Bruders würde Blaine es ganz bestimmt schaffen, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Vielleicht würde auch der Besuch bei einem Psychologen ganz hilfreich sein, aber darüber, dass hatten Kurt und Cooper bereits besprochen, würden sie erst in ein paar Tagen mit Blaine reden.
Blaine sah den jungen Mann an, der immer noch seine Hand hielt und er war sich absolut sicher, dass Kurt ihn nicht belog. Sein Blick fiel auf seine Lippen und sofort fiel ihm der Kuss wieder ein. Kurt hatte ihn geküsst. Er überlegte, wie er Kurt danach fragen konnte und beschloss, es einfach zu tun.
„Kurt, du … du hast gestern, nachdem du mich… mich geküsst hast gesagt, dass du mich schon lange einmal küssen wolltest. Außerdem hast du Dinge gesagt, die … also ich bin mir nicht sicher, was sie bedeuten, aber ich … ich würde gerne wissen, was sie bedeuten!"
Kurt stockte der Atem. Natürlich hatte Blaine nicht vergessen, dass er ihn geküsst hatte, aber jetzt nach Justins Besuch und allem was geschehen war, hatte er gehofft, dass er dieses überfällige Gespräch mit Blaine erst in ein paar Tagen führen würde, dann wenn dieser sich mehr erholt hätte. Nun war die Frage aber gestellt und Kurt hatte nicht vor, Blaine anzulügen. Dies hatte Justin schon zu oft getan und Blaine verdiente eine ehrliche Antwort auf seine Frage.
„Ich liebe dich, Blaine!" sagte er einfach.
Blaine sah ihn an und sagte kein Wort. Er blinzelte nicht einmal, sondern starrte ihn einfach nur an.
„Ich liebe dich seit dem Tag im Supermarkt. Als ich aufsah und in deine wundervollen braunen Augen blickte, war es um mich geschehen." Kurts Herz begann schneller zu schlagen und sein Mund wurde trocken. „Aus diesem Grund bin ich nicht gegangen als du mir gesagt hast, dass du einen Freund hast. Ich wusste zwar, dass es mir das Herz brechen würde, aber ich war glücklich damit, dass ich dich jede Woche einmal sehen konnte und ich war glücklich, dass ich dein Freund sein durfte. Diese zwei Stunden im Café bedeuteten die Welt für mich. Insgeheim war da immer die Hoffnung, dass du dich irgendwann von Justin trennen und dich für mich entscheiden würdest, aber ich hätte niemals versucht, mich zwischen euch zu drängen. So … so bin ich nicht!"
Blaine starrte ihn immer noch an. Auch sein Herz schlug schneller. Kurts Worte gingen ihm immer wieder durch den Kopf. Er liebte ihn. Er liebte ihn! Er liebte ihn? Hatte er es gewusst, hatte er es nicht schon immer geahnt und nur aus seinen Gedanken verdrängt, weil ihn das schlechte Gewissen Justin gegenüber dazu trieb? Blaine dachte an die Träume, in denen Kurt vorgekommen war. Er dachte an die Berührungen und die Blicke, die mehr als nur freundschaftlich gewesen waren. Liebte er Kurt auch? War es Liebe, was er für den wunderhübschen und verständnisvollen jungen Mann neben sich fühlte?
Blaine wusste es nicht, denn mit einem Mal wurde ihm klar, dass Justin dafür gesorgt hatte, dass er nicht mehr wusste, was Liebe war. Außerdem wie konnte er jemals gut genug für jemanden wie Kurt sein? Tränen schossen in seine Augen und er holte zitternd Luft. „Kurt, ich…!" begann er, doch seine Stimme versagte ihm und er spürte, wie die Tränen aus seinen Augen kullerten.
Kurt missverstand seine Tränen und ließ seine Hand los. „Blaine, ich … es tut mir leid! Ich wollte dich nicht zum Weinen bringen und wenn du nicht so empfindest wie ich, verstehe ich das auch." Er stand auf und merkte, dass seine Knie ganz weich waren. „Ich werde gehen, denn ich hätte das nicht sagen sollen. Ich lasse dich lieber allein, ich hätte…" Auch seine Augen füllten sich mit Tränen, während er sich umdrehte und einen Schritt in Richtung Tür machte. Das war es jetzt, dachte er. Nun würde Blaine ihn mit Sicherheit nie wiedersehen wollen. Er hatte sich so sehr eine andere Reaktion auf seine Liebeserklärung erhofft und gewünscht, doch nun war alles zu spät.
„Warte, Kurt!" hörte er Blaine leise und mit zitternder Stimme sagen.
Langsam drehte er sich um und sah in Blaines tränenüberströmtes Gesicht. „Ich will nicht, dass du gehst. Ich will nicht meinen besten Freund verlieren! Bitte, Kurt, … bitte setz dich wieder zu mir, bitte!"
Kurt blickte ihn an und er sah, wie traurig und verzweifelt Blaine war. Er strich sich seine Tränen aus den Augen und setzte sich wieder an Blaines Seite.
„Gib mir deine Hand, Kurt!" flüsterte Blaine und Kurt reichte sie ihm und holte tief Luft. Der Schwarzhaarige ergriff seine Hand und hielt sie ganz fest. „Ich kann dir im Moment nicht sagen, was ich fühle, Kurt! … Justin hat… er hat … irgendwie hat er alles zerstört in mir." Wieder füllten sich Blaines Augen mit Tränen. „Ich weiß einfach nicht mehr, was … was ich fühle, was ich fühlen soll oder darf und ich … ich bin so durcheinander. Ich … ich weiß irgendwie nicht mehr was … was Liebe ist. Ich dachte, er liebt mich, doch …" Blaine atmete schwer. „Ich … ich weiß nur, dass ich dich nicht verlieren will, Kurt! Bitte gib… gib mir Zeit!"
Kurt atmete zitternd die Luft aus, die er unbewusst angehalten hatte. „Blaine, ich gebe dir alle Zeit, die du brauchst und wenn du dir niemals klar darüber wirst, was du für mich empfindest, dann ist das halt so. Ich will und werde dich zu nichts drängen! Niemals! Ich will einfach nur, dass du wieder glücklich wirst. Außerdem will ich dich auch nicht als meinen Freund verlieren!" Kurt lächelte ihn an und fühlte in diesem Moment eine so starke Verbindung zu Blaine, dass es ihn fast körperlich schmerzte, ihn nicht einfach in seine Arme schließen zu können und zu küssen. Er atmete tief durch und wartete auf Blaines Antwort.
„Danke, Kurt! Danke, dass du mein Freund bist!" murmelte Blaine und mit Tränen in den Augen lächelte er ihn an. Kurts Herz machte einen Sprung vor Freude, da er Blaine endlich wieder lächeln sah.
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Kein Cliffhanger, kein Cooper, der stört, kein Drama (nur ein bisschen)!
Ich hoffe, ihr seid zufrieden mit mir!
