Au, diese Kopfschmerzen! Ständig stößt Dominique mit ihrem Kopf gegen die Kofferraumwände, ihre verbundenen Arme und Beine lassen ihr keine Chance, sich irgendwie abzustützen. Erst seit wenigen Minuten lässt das Betäubungsmittel, was dieser verfluchte Mistkerl ihr verabreicht hat, nach. Wie lange sie ohnmächtig war weiß sie nicht, sie ist nur froh, dass sie noch am Leben ist.

Noch.

Warum hat der Mann sie nicht einfach getötet? Es wäre doch viel einfacherer gewesen, oder? Vielleicht hat sie noch den Ich-bin-doch-nur-ein-kleiner-Teenager-bitte-tut-mi r-nichts-Bonus. Oh Mann, die Frau die bei ihm war scheint auf jeden Fall mächtig sauer zu sein, Dominique hört sogar im Kofferraum, wie sie den Kerl anschnauzt.

»Jetzt bieg rechts ab, du Idiot! Fahr jetzt gerade aus, dort an der schiefen Eiche musst du sofort links, da ist ein Schleichweg!«

Der Weg wird holpriger, das Mädchen stößt sich immer wieder den Kopf. Falls sie das hier überleben sollte, braucht sie dringend eine Kopfschmerztablette!

Endlich fährt der Idiot langsamer, bis er schließlich anhält. Ihre holprige Fahrt scheint zu Ende zu sein, Dominique hört, wie Türen geöffnet werden. Sie tut so, als ob sie immer noch ohnmächtig wäre, wehren kann sie sich gegen ihre Entführer im gefesselten Zustand sowieso nicht. Kalte Luft durchströmt den engen Raum, als jemand den Kofferraum öffnet. Dominique traut sich nicht, ihre Augen zu öffnen.

»Hey Giulia, die Göre ist immer noch k.o! Was soll ich jetzt machen?«

»Halte sie in der Hütte gefangen und geh gleich wenn es hell wird mit ihr tief in den Wald und knalle sie dort ab.«

Ihrem Kollegen scheint das gar nicht zu gefallen. »Wieso durfte ich sie nicht gerade schon umlegen?«

»Spinnst du? Im Schnee hätte man ihr Blut gesehen und diese verfluchten Akademie-Gören will ich nicht im Nacken haben.«

So ist das also. Na super, wieso gefällt Dominique die Aussicht, morgen eine tote Leiche zu sein, gar nicht? Und dieser Mistkerl beschwert sich auch noch! Sie lässt sich immer weiter durch den Schnee ziehen, ihre Beine spürt sie dankt der Kälte gar nicht mehr.

Plötzlich schreit diese Verrückte Giulia schrill auf.

»Das gibt es ja gar nicht! Siehst du das, du Trottel? Unser lieber Tibor ist auch hier!«

Oh nein! Tibor darf nicht hier sein, das darf er einfach nicht! Dominiques Erschöpfung ist nun nicht weiter vorgespielt, ihre Enttäuschung lässt sie wirklich fast ohnmächtig werden. Immer weiter lässt sie den hünenhaften Kerl ihren Körper Richtung Hütte schleifen, während sie versucht, ihre Tränen zurück zu halten. Tibor ist also doch ein Verräter. Erst jetzt merkt Dominique, wie unfassbar dumm diese Aktion eigentlich von ihr war. Hätte sie nur auf Delilah und Julius gehört! Aber ihre Strafe wird sie schon noch bekommen, da ist sie sich ganz sicher.

Die Hütte ist ziemlich warm, obwohl das Feuer im Kamin bereits erloschen ist. Beinahe vorsichtig setzt der Hüne das Mädchen auf einen Stuhl ab. Sie lässt sich ohne Widerstand fesseln, immer noch spielt sie die Bewusstlose. Giulia verlässt die Hütte, nur um wenige Minuten mit schlechter Laune wieder zurück zu kommen.

»Er ist weg. Anscheinend wusste unser Freund, dass wir heute Nacht hier sind.«

Ihr Helfer ist verwirrt. »Woher soll er das wissen? Montinguez hat doch nur uns erzählt, dass die Sache heute laufen soll.«

»Natürlich wusste er nicht dass wir hier sind, du Trottel! Aber Tiborchen ist doch schon immer meiner Kugel ausgewichen, dieser feige Hund.« Zärtlich streichelt Giulia über ihre Pistole. Dominique braucht ihre gesamte Beherrschung, um sich ihre Wut nicht anmerken zu lassen. Tibor ist zwar ein Verräter, aber ganz sicher nicht feige!

»Wieso willst du ihn eigentlich töten?«

»Sagen wir es mal so: Wir konnten uns noch nie leiden. Er und dieser verdammte Max könnten unsere gesamte Sache ruinieren, und wenn er nun wirklich zur Akademie gehört, wie Montinguez behauptet, dann wird er noch gefährlicher. Tibor hat vielleicht ein gewisses Talent, aber er gehört leider zur falschen Seite.«

Gehört Tibor etwa nicht zu diesen beiden Trotteln? Aber was macht er dann mitten in der Nacht in einem Wald? Egal, Hauptsache, er ist kein Verräter.

»Ich fahre zurück zu Montinguez, falls Tibor auftauchen sollte halte ihn fest. Ich will mich persönlich um ihn kümmern.«

»Warte, Giulia! Was mach ich, wenn das Mädchen wieder aufwacht?«

Geschickt wirft sie ihrem Partner ein kleines Döschen zu.

»Gib ihr davon eine, und sie wird dir keinen Ärger machen. Sonderlich intelligent sieht sie mir nicht aus, sogar du dürftest mit ihr fertig werden.«

Nicht sonderlich intelligent? Täusch dich nicht, Giulia!