Kapitel 25 - Werwölfe in der Nokturngasse
Remus schlief, nachdem er den Tag bei Celine verbracht hatte, in seiner Wohnung. Celine hatte er mit Mühe davon überzeugen können, die Nacht allein bei James zu verbringen, da er vorgeblich einen Auftrag für den Orden zu erledigen hatte. Er wollte nicht, dass sie noch auf die Idee kam zu glauben, er würde plötzlich etwas gegen sie haben. Das war der einzige Grund für seine Lüge gewesen und James hatte er von einem privaten Problem erzählt, weswegen er heute Nacht etwas zu erledigen hatte.
Als er am nächsten Morgen aufwachte, lag Dolphine immer noch um seinen linken Arm gewickelt, als hätte sie sich die ganze Nacht nicht gerührt. Seufzend erhob er sich und brachte mit einem leisen Knacken seine Kochen wieder in die richtige Position, ehe er sich anzog und den Frühstückstisch deckte.
"Guten Morgen, Prinzessin. Wollen wir es wagen?", meinte er und hielt ihr seine Teetasse hin. "Ich würde nämlich zu gern wissen, wie ich dir helfen kann."
Die Zeit, in der ihr Bringer offenbar fest eingeschlafen war, hatte Dolphine in einer halb wachen, halb dösenden Starre verbracht, wobei sie froh war, sich so eng an seinem warmen Körper halten zu können, da die ansonsten im Raum herrschende Temperatur für sie doch ein wenig zu kühl geworden wäre. Etwas, das sie erst jetzt in ihrem neuen Körper wirklich bewusst wahrnahm und das sie zuvor nicht wirklich gestört hatte. Zwar hatte sie die warmen Räume in dem Haus, das sie mit Großvater teilte, immer vorgezogen, doch als wirklich störend hatte sie ein klein wenig Kälte nie empfunden. Höchstens als unangenehm und sie in ihren Gedanken leicht träge werden lassend.
Als er ihr nun abermals eine mit Tee gefüllte Tasse anbot, diesmal wohl gleich seine eigene, um das Erlebte vom vorigen Tag zu wiederholen, zögerte sie nicht lange und gab erneut etwas ihres Giftes in die Flüssigkeit. Nicht so viel wie gestern, nicht so viel, dass sie nicht mehr genügend übrig hätte, um sich notfalls verteidigen zu können, oder denjenigen zu kennzeichnen, den sie auserwählen würde, aber genug, dass es eine Wirkung zeigen sollte.
Remus nickte dankend und hielt seine Hand an die zweite Tasse. "Keine Bange. Er ist fast kalt", meinte er und trank seinen eigenen in einem Zug aus, um sich gleich einen Neuen einzuschenken und den bitteren Nachgeschmack zu vertreiben. Er bevorzugte Süßes definitiv.
Da sie bereites am Vortag etwas von dem Tee gekostet hatte und sie eher Hunger als wirklichen Durst hatte, verschmähte Dolphine dieses Mal das Angebot. Vor allem da sich auch das Verlangen nach etwas Flüssigkeit mit dem Verspeisen der richtigen Mahlzeit wieder legen würde.
"Nicht? Kann ich dir denn etwas anderes geben? Hast du einen Wunsch?", fragte Remus, gleichzeitig damit beabsichtigend, dass er so testen konnte, ob er sie jetzt verstand.
‚H..ger', zischelte sie leise, sich dabei halb auf seinem Arm aufrichtend und ihm mit ihren schwarzen Schlangenaugen starr ins Gesicht blickend.
"Äh... Hunger ja?", fragte Remus nach, da er sich nicht ganz sicher war, ob er sie richtig verstanden hatte. "Und was... fressen Schlagen? Oder was möchtest du?"
‚Ma.s … Vo.el … irg..dwas le.end.es.', antwortete sie sich, jetzt da sie es auch noch aussprach, leicht unruhig auf seinem Arm bewegend.
Remus runzelte die Stirn und überlegte fieberhaft, was Schlangen so fraßen, denn viel hatte er nicht verstanden. "Was lebendes ja? Besonders gut klappt das immer noch nicht", meinte er. "Wegen dem Essen... das einzige Lebende, was wir hier fangen könnten, sind Ratten." Allein bei dem Gedanken daran wurde Remus flau im Magen.
‚Sc.nell H.ger …', stimmte sie sich nun noch aufgeregter bewegend zu.
"Beruhig dich", meinte Remus und stand auf. "Ein Werwolf auf Rattenfang. Oh Gott. James und Sirius würden sich wegschmeißen vor lachen", murmelte er und nahm den direkten Weg in den Keller. Er wusste, dass es in einem der Räume nur so von diesen Viechern wimmelte. Dass seine Wohnung davon noch nicht befallen war, lag einzig und allein an der Magie, mit der er sie geschützt hatte. Und auch Peters Drohung, dass sie alle sterben würden, kämen sie der zu Nahe. "Einer der Vorteile wenn dein Freund eine Ratte ist", stellte Remus fest und drückte die Tür auf. Das Fiepen und Quietschen war nicht zu überhören. "Soll ich dir eine fangen, oder willst du selbst jagen. ich warte auch hier, versprochen", fragte Remus die Schlange, wobei er sich dabei ungeheuer dämlich vorkam.
‚M.ch du ..', züngelte sie leise. Auch wenn sie sich am liebsten selbst auf die Jagd machen würde, wusste sie, dass sie sich nicht von ihm trennen durfte. Nicht bevor sie nicht denjenigen gefunden hatte, für den sie bestimmt war, oder der sie weiter an ihr selbst noch unbekanntes Ziel bringen würde.
‚Na klasse!', dachte Remus und schoss zwei Schocker aus dem Stab einfach in den Raum. das Quieken wurde lauter, das Trippeln kleiner Füße rascher. Mit einem "Accio Geschockte Ratten", flogen die getroffenen Tiere vor seine Füße. mit einem beschworenen Tuch hob er sie auf und ging zurück in seine Wohnung. Nur widerwillig legte er sie auf sein Sofa. "Ich wäre dir dankbar, wenn du fressen würdest, ohne dabei um meinen Arm gewickelt zu sein. Ich werde dir sicher nicht weglaufen. Ich will dir helfen. Wirklich", erklärte er Dolphine.
‚Muss .onta.t ble.ben.', gab sie aufgeregt von sich, während ihr Kopf mit einem guten Stück ihres Oberkörpers zwischen dem nun nur noch halb umschlungenen Arm und dem Tuch mit den beiden darauf liegenden Ratten hin und her pendelte.
Remus zuckte nur mit den Schultern, während er sich innerlich ekelte. "Wenn du das sagst", meinte er dann und ließ sein eigenes Frühstück stehen. Eine Schlange fressen zu sehen, verdarb ihm den Appetit.
Nachdem Dolphine, als Mensch war sie Remus wesentlich lieber, gefrühstückt hatte und Remus das Tuch hatte verschwinden lassen, bat er: "Versuch mir noch mal zu erklären, warum du dich nicht zurück verwandeln kannst. Langsam bitte. Vielleicht versteh ich es dann."
Zufrieden und satt und mit zwei deutlich sicht- und auch spürbaren Wölbungen in ihrem ansonsten schlanken Leib, hatte sie sich wieder ganz um den Unterarm ihres Bringers gewickelt, jedoch locker genug, um es ihm und sich selbst so angenehm wie möglich zu gestalten.
Sie war schon halb am Dösen, als sie seine Frage wieder ein klein wenig wacher werden ließ.
‚Bin je… vollst.nd.g m.ss s.chen .m .. vere.nen.', versuchte sie erneut etwas zu erklären, das auch ihr selbst nur durch ihren Instinkt langsam klarer wurde.
"Alles, was ich verstanden habe, ist, dass du was suchen musst. Ist das richtig?", fragte Remus noch mal nach.
‚Ja ..', stimmte sie, zugleich ihren Kopf leicht auf und ab bewegend zu.
"Dann stellt sich nur die Frage, was du suchst und wo wir es finden können", meinte Remus. "Und dein Großvater wird uns sicher nicht helfen, oder?" Nachdenklich warf er einen Blick auf die Schlange.
Verneinend zuckte ihr dreieckiger Kopf leicht hin und her.
"Na gut", sagte Remus dann entschlossen und mit einem Schwenker seines Stabes war die Wohnung wieder ordentlich. "Dann werden wir zwei jetzt mal dem auf den Zahn fühlen gehen, der mich zu euch geschickt hat. Denn irgendwie hab ich das Gefühl, dass Horatio etwas weiß. Wir werden wohl wieder apparieren. Sonst dauert es zu lang", erklärte er, zog sich seinen Umhang über und verließ die Wohnung, um Richtung Portune Manor zu apparieren. Zu Remus' Erleichterung waren die Ärmel von Umhängen immer sehr weit, daher fiel Dolphine trotz ihrer Magenfüllung nicht weiter auf. Und auch das Haus war schell erreicht, wo er sofort klingelte.
Nachdem sie sich gerade ohnehin in der Empfangshalle aufgehalten hatte und an der Eingangstüre vorüber gegangen war, öffnete Elea, nachdem sie Tinker mit einem Wink ihrer Hand wieder verscheucht hatte, selbst die Tür in der Hoffnung, dass es ihr Ehemann sein könnte, der schon seit Stunden unterwegs war.
"Elea meine Liebe", grüßte Remus die ihm öffnende Frau. "Ich hoffe, ich komme nicht Ungelegen. Ich müsste dringend mit deinem Mann sprechen", erklärte er ihr dann, nachdem er sie begrüßt hatte:
Ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, das sie nicht einmal herbeizwingen musste. Zumindest nicht sehr, war die Sorge um Horatio und die Enttäuschung, dass nicht doch er selbst es gewesen war, der hier vor ihr stand, nicht ganz aus ihren Gedanken und ihren leicht verschatteten Augen gewichen.
"Es tut mir leid, Remus, aber Horatio ist nicht hier. Du kannst aber gerne hereinkommen und bei einer Tasse Tee auf ihn warten.", bot sie nun wieder ehrlich lächelnd an.
"Danke, Elea aber dazu fehlt mir heute leider die Zeit. Ein anderes Mal gern. Aber weißt du, wo dein Mann hin wollte? ", erkundigte sich Remus, der auf keinen Fall hier bleiben wollte. Dolphine war nicht unter seinem Hemd, nur unter dem Reiseumhang.
"In die Winkelgasse," erklärte sie und nach einem kurzen Rundumblick noch hinzufügend, "nach einem bestimmten Buch sehen, das er schon länger sucht."
"Verstehe. Danke, Elea. Wir sehen uns", meinte er und machte kehrt. Unterwegs in die Seitenstraße zurück murmelte er: "Dann führ ich dich jetzt mal in die Zauberwelt ein. Die Winkelgasse ist unsere Einkaufsstraße. Und wir apparieren wieder." Es war für ihn einfach beruhigender Dolphine jedes Mal vorzuwarnen, wenn er apparierte, nicht dass sie sich erschrak und doch noch zubiss.
Er tauchte direkt hinter der Mauer zur Winkelgasse auf. Seit die Angriffe sich verschlimmert hatten, war das Treiben hier nicht mehr ganz so gemächlich wie sonst. Es war hektischer. Angst lag in der Luft. Remus war klar, dass er Horatio keinesfalls hier finden würde. Nicht wer nach einem bestimmten Buch suchte. Diese bestimmten Bücher, wenn es denn eines war, fand er allenfalls in der Nokturngasse, dem Teil ihrer eigenen Einkaufswelt, in der sich alles, was mit schwarzer Magie verbunden war, angesiedelt hatte.
Flüsternd erklärte er dem Mädchen, das bei seiner letzten Erzählung über seine Welt schier aus dem Häuschen gewesen war, einiges über die Geschäfte, an denen sie vorbei kamen. Madam Malkins, Olivanders, Florish und Blotts.
"Und wir gehen jetzt in die Nokturngasse. Etwas dunkler hier", flüsterte er Dolphine zu. Wirklich wohl fühlte er sich hier nicht, auch wenn man behaupten konnte, als Werwolf gehöre er hier her. Er kannte auch durchaus die eine oder andere einschlägige Kneipe, in der sich seinesgleichen traf, aber diese mied er tunlichst.
Voller Interesse hatte sie den Erklärungen gelauscht, die ihr zugeflüstert wurden. Dabei immer mal wieder zwischen dem Hemd und dem Mantel, oder Umhang wie er dieses Kleidungsstück nannte, herauslugend.
Als sie schließlich in eine wirklich dunkler scheinende Seitenstraße einbogen, in der irgendwie alle sogar dunkler angezogen zu sein schienen, ergriff sie ein leichter Schauer, der durch ihre Schuppen jagte. Irgendetwas war hier, das ihr vertraut erschien.
Ein Seufzen unterdrückend stand Horatio Portune in einer der vielen dunklen Ecken der Nokturngasse und wartete. Dabei ganz den Anschein erweckend, als würde er gedankenverloren in seinem bereits eine Stunde zuvor erworbenen neuen Buch blättern, das er ebenfalls in einem einschlägigen Geschäft dieser Straße ergattert hatte.
Es war tatsächlich auch ganz interessant und eines, das er noch nicht in seiner doch recht beträchtlichen Sammlung besaß, doch galt sein wirkliches Interesse nicht den verschiedensten Möglichkeiten mit diversen als verboten geltenden Kräutern Tees mit unterschiedlichster Wirkung zu kreieren, sondern viel mehr seiner restlichen Umgebung.
Alleine mit seiner Erscheinung und der Ausstrahlung, die von ihm ausging und jedem schwächeren Willens klar verdeutlichte, dass er kein leichtes Opfer sein würde, sondern eher ‚sie' als potentielle Opfer sah, verhinderte er, dass er von diversen unerwünschten Individuen angesprochen wurde, oder noch Schlimmeres.
Zwei Stunden hatte er dazu gebraucht das Buch zu finden, da er schließlich nicht jedes beliebige Exemplar möglichen Beobachtern für seinen hiesigen Aufenthalt in der Nokturngasse vorweisen konnte und eine weitere Stunde wartete er nun bereits.
Viel zu lange, wie er selbst wusste, war es doch recht unwahrscheinlich, dass er sich ausgerechnet in dieser Gegend derart in seiner Lektüre verlieren würde.
Der in ihm brodelnde Ärger über diesen erneut misslungenen Kontaktversuch, um mit möglichst höherrangigen als ihm persönlich bekannten Todessern in Kontakt zu treten, stellte seine ohnehin nur mühsam zusammengenommene Geduld auf eine harte Probe. Natürlich kannte er einige Namen von offensichtlich dem Dunklen Lord nahe Stehenden. Namen, die auch jeder andere, der ein klein wenig Verstand besaß, ebenfalls kennen würde und Personen, die das Ministerium mit Sicherheit unter mehreren wachsamen Augen hielt. Also konnte er – Horatio – nicht einfach zu diesen spazieren, sondern musste über niederrangige Mittelsmänner einen Kontakt herstellen. Etwas, das bei weitem nicht so einfach war, wie er sich nun schon seit zwei Wochen erhofft oder früher auch befürchtet hatte. Beides aus jeweils anderen und sich nun vollkommen verändert habenden Gründen heraus.
Abermals wie schon so oft zuvor ließ Horatio Portune seinen Blick über die links und rechts von ihm abgehenden Wege und Gassen der Nokturngasse schweifen, die nur dem Namen nach eine Gasse war, aber in Wirklichkeit weit verzweigter und verwinkelter war, als es die Winkelgasse jemals sein könnte.
Was er zu sehen bekam, ließ ihn für einen Moment beinahe vor Schreck erstarren. ‚Was bei Salazar macht der verflixte Werwolf hier?', schoss es ihm durch den Kopf, als er nach außen hin vollkommen ruhig bleibend, eine weitere Seite in seinem Buch umblätterte.
"Gift oder doch Genuss" stand dort als neue Kapitelüberschrift.
Remus schlich ein leichtes Grinsen aufs Gesicht, als er die Person entdeckte, die er zu finden gehofft hatte. Schon zweimal hatte er, um sich das Gesindel, das hier lauerte, vom Hals zu halten, seine fühlbare Magie verstärkt. Besonders gut konnte er das nicht, wenn der Schulleiter von Hogwarts dies tat, und der tat das nur sehr, sehr selten, war das bei weitem Imposanter. Aber es hatte gereicht, um etwas Angst zu verbreiten.
Zielstrebig ging er auf seinen Freund zu. Zwar wollte er nicht unbedingt in dieser Umgebung mit ihm darüber reden, aber er konnte ihm schon mal verdeutlichen, dass es da ein Hühnchen zu Rupfen gab, wie die Muggel es so schön formulierten.
An einer Nische vorbeieilend fiel sein Blick für Sekunden auf eine große schlaksige Gestalt. Seine Haare wiesen, wie er vom fahlen Schein einer hier immer leuchtenden Laterne erkennen konnte, viele mattgraue Strähnen auf und eine seltsame Magie ging von ihm aus. Irgendwie unheimlich und gleichzeitig vertraut. Etwas das Remus sich nicht wirklich erklären konnte, und auch jetzt nicht wollte. Unwillkürlich verstärkte er seine eigene Magie etwas, noch etwas mehr als bei den anderen Gestalten vorhin, um dem potentiellen Gegner klar zu machen, dass ihn Ärger erwartete, sollte er sich anschleichen.
"Horatio. Ich muss mit dir reden. Unbedingt. Nur nicht hier", sagte Remus ohne große Umschweife. Er hatte das Bedürfnis, hier so schnell wie möglich wieder raus zukommen. außerdem fiel sein Blick auf den Titel des Buches. ‚Da will wohl jemand unsere Teestunden versüßen.', dachte er.
Langsam das Buch zuklappend und in eine seiner Robentaschen verschwinden lassend, was durch einen in den Robentaschen integrierten Schrumpfzauber kein Problem war, blickte Horatio Portune zu demjenigen auf, der ihn soeben angesprochen hatte und den er sehr wohl auch schon zuvor erkannt hatte. Da war es vollkommen unnötig mit einem solchen Schwall an roher Magie um sich zu werfen. ‚Ich fürchte ich muss einem ganz bestimmten Werwolf mal die Feinheiten gewisser gewollter und ungewollter Ausstrahlungen beibringen …'; sinnierte er, während er dem Mann einen eisigen Blick schenkte und erst einmal nichts auf dessen Worte erwiderte.
"Lass uns rauf gehen und uns in ein Cafe setzten", schlug Remus vor und hörte hinter sich dann eine Tür klappern und kurz darauf das Lachen mehrer Gestalten. Er warf nur kurz einen Blick über die Schulter, um dann wieder Horatio anzusehen, doch schlagartig gefror ihm das Blut in den Adern.
Er kannte einen von den Gestalten, die aus dem Pub in der Nähe getreten waren. Ein großbulliger Kerl, mit strohigem blondem Haar. Sie alle nannten ihn nur Shane. Ein Werwolf, der Voldemort diente und in dessen Auftrag Familien das Fürchten lehrte. Aber er trug kein Dunkles Mal. Voldemort nahm keine Werwölfe in seine Reihen auf. Warum das so war, wusste keiner. Aber Dumbledore vermutete, dass sie für ihn auch nur niederes Volk waren, was er nicht an sich binden wollte.
Remus kannte ihn von einem Versuch der Kontaktaufnahme zu den Werwölfen. Er war ein brutaler Schläger und die fünf Kerle hinter ihm waren ganz sicher auch Werwölfe. Deutlich war der Unterschied zu sehen. Wilde lange Haare, ungepflegte Zähne, raue Hände. So sahen jene Werwölfe aus, die nach dem Biss verschleppt worden waren, verstoßen worden waren und unter ihres gleichen aufwuchsen. Und so sah auch jeder, dass er ein Werwolf war, der unter Menschen lebte.
Die sechs Personen kamen wankend und grölend auf ihn und Horatio zu. ‚Betrunken und das zu Neumond .'schoss es Remus durch den Kopf. Eine ziemlich heikle Mischung für diese Gestalten, oder besser für die, die ihnen begegneten. So wie der Vollmond einen Werwolf in einen Blutrausch stürzte, riss der Neumond sie in ein Loch, das viele mit Alkohol betäubten. Remus hatte schon vor seiner Schulzeit damit angefangen dieses Loch mit Lesen oder Spaziergängen auszufüllen.
"Lass uns verschwinden", raunte er Horatio zu. Er hatte auf keinen Fall vor, mit denen aneinander zu geraten. Erstens würde das Aufsehen erregen, zweitens könnte Horatio bemerken, wie stark er wirklich war, denn Werwölfe setzen nicht nur Magie ein, und drittens und das war wohl das wichtigste, war er nicht allein. Dolphine sollte das auf keinen Fall miterleben.
Horatio, der die sechs Gestalten, die nun mehr oder minder langsam auf sie zukamen, auch bemerkt hatte, ließ sich nichts von seiner innerlich anwachsenden Anspannung anmerken und erwiderte so, als täten die durchaus alleine schon durch ihre Überzahl ihnen überlegenen, lachenden und grölenden Männer, nichts weiter zur Sache, in gelassenem Ton: "Ein Cafe wäre wirklich nicht schlecht."
Damit wandte er sich um, seine Hand wie nebenbei in die Robe zu seinem Zauberstab gleiten lassend und diesen fest mit seinen Fingern umschließend, und begann langsam und äußerlich vollkommen entspannt, als ginge ihn die sich immer weiter zusammenrottende Meute hinter ihm nichts an, tiefer in die Nokturngasse hinein zu schlendern.
Mit Absicht nicht die Richtung zur Winkelgasse wählend, da sie diese wohl kaum vor einer möglichen Konfrontation erreichen würden und alleine schon eine solche Handlung, die Unterlegenheit, in der sie sich momentan befanden, nur noch deutlicher betonen würde. Sich stärker geben, als man in Wirklichkeit war, war das einzige, was jetzt noch helfen mochte, heil hier heraus zukommen. Das war Horatio mehr als klar.
Remus folgte seinem Freund sofort, und stimmte auch der eingeschlagenen Richtung ohne Widerspruch zu. Auch seine Hand ruhte bei seinem Zauberstab, und in Gedanken formten sich schon Flüche, mit denen er sich und auch seinen Freund verteidigen konnte.
"HEY!" hallte plötzlich ein Ruf hinter ihnen her, der Remus leicht zusammenfahren ließ. Es war Shane gewesen. Und Remus konnte nur beten, dass er ihn nicht erkannte. Sein Kontaktversuch war deutlich in die Hose gegangen, Shane hätte ihn sogar beinahe umgebracht, weil sie ihn erkannt hatten von einem einzigen Besuch hier mit James zusammen. Und da James den Todessern oft kräftig in die Quere kam, war das ein ziemlich schlechter Ausgangspunkt für eine gepflegte Konversation unter Werwölfen gewesen. Er war nur knapp entkommen. Aber Shane wollte Rache, das wusste Remus genau, denn ein Werwolf ließ niemals eine Niederlage auf sich sitzen.
Den Ruf ignorierend ging Horatio weiter, sich dabei dazu zwingend, auch weiterhin gleichmäßig und äußerlich unbeeindruckt wirkend seinen Weg fortzusetzen. Auch wenn er sich innerlich bereits darauf vorbereitete, sich selbst und dem neben ihm einher schreitenden Werwolf erst mit einem Schildzauber zu umgeben, ehe er sich dem Gesindel hinter sich widmen würde.
Remus wäre mit Sicherheit zu schwach, besonders zu der gerade herrschenden Mondkonstellation, um sich groß verteidigen zu können. Hatte er ihm doch einmal über die Schwäche erzählt, die seine Art zu Neumond ergriff. Horatio wollte auf gar keinen Fall, dass sein Freund verletzt würde.
"HEY! IHR!", hallte erneut ein Ruf hinter ihnen her und Remus machte sich auf alles gefasst. Seine rechte Hand hatte sich schon fest um seinen Zauberstab gelegt, Zaubersprüche für Flüche und Schilde lagen ihm schon auf der Zunge. Helfen würde ihnen hier niemand. Sie waren nur auf sich gestellt und so weit unten in der Nokturngasse wagte sich auch kein Auror allein. Zumindest sollte es keiner tun. Und selbst James hielt sich daran und ging nur mit Begleitung hier her. Auch wenn die schon mal nur aus ihm und Sirius bestanden hatte. Aber er war nie allein gewesen.
Dann urplötzlich donnerte Jemand hinter ihnen Stupor und Remus handelte instinktiv, wie er es bei James gelernt hatte. "Protego!", schrie er und riss seinen Stab in die Höhe, gepaart mit einer Welle von Magie um das Schild zu verstärken.
Horatio, der ebenfalls erst einmal einen Schildzauber hatte ausrufen wollen, änderte seine Meinung im selben Moment, als er sah, wie der Werwolf neben ihm dies bereits tat und schrie stattdessen ein lautes: "Expelliarmus!", ehe er gespannt beobachtete, ob und wie viele der feindlichen Zauberstäbe seinen Gegnern aus den Händen gerissen würden.
Der Schockzauber prallte am Schild ab und während Remus es wieder fallen ließ, sah er das nur einem Werwolf von Horatios Entwaffnungszauber der Stab entrissen wurde.
Doch den interessierte das nicht weiter, sondern er stürzte sich unter wildem Geschrei und dem Schutz der Flüche der anderen ohne Stab auf sie zu. Das was Remus am liebsten verhindert hätte. "Impedimenta", donnerte er dem Angreifer entgegen, während er einem anderen Fluch auswich.
Horatio, der sich ebenfalls außer Reichweite zweier auf ihn zuschießender Flüche warf, rollte sich gerade zur Seite hin ab, als er aus den Augenwinkeln sah, wie der auf ihn zustürzende Schläger von Remus Lähmfluch getroffen zu Boden stürzte, ehe er selbst wieder, immer noch mehr auf den Knien als alles andere, seinen Zauberstab schwang und einen weiteren Gegner einen: "Stupor!", entgegen rief.
Remus achtete nicht großartig auf seinen Freund. Der beherrschte sicher mehr Schwarze Magie als er selbst und würde sich schon helfen können. Deshalb wandte er sich zwei der Fünf verbliebenen zu und es entbrannte ein heftiges Duell. Stumm dankte er James dafür, dass er ihm einiges aus der Aurorenschule beigebracht hatte. Doch die Werwölfe waren keinesfalls schlechte Duellanten. Sie hatten sogar einiges drauf. Plötzlich wurde Remus hart gegen die Wand geworfen und sein Stab aus der Hand gerissen.
Was immer gerade geschah, es war nichts, das Dolphine besonders gefiel. Erst recht nicht nach der üppigen Mahlzeit der zwei verspeisten und immer noch langsam verdaut werden müssenden Ratten.
Langsam begann sie sich zu lösen, ohnehin spürend, dass das, was immer sie suchte, in der Nähe sein musste und nun nur noch auf die richtige Gelegenheit wartend, möglichst unbemerkt verschwinden zu können.
Mit einem: "Incarcerus!", sorgte Horatio dafür, dass einer der drei verbliebenen und sich nun mit ihm beschäftigenden Gegner, gefesselt zu Boden stürzte, während die zwei anderen ihre Aufmerksamkeit auf Remus gerichtet hielten, als er auch schon von einem der auf ihn zurasenden Flüche zum Glück nur gestreift wurde, was ihn seinen rechten und damit nicht seinen Zauberstabarm leicht taub fühlen ließ.
Was nun folgte, war eines der ihn forderndsten Duelle seines Lebens, was er gewiss nicht erwartet hatte und ihm wieder einmal zeigte, dass man seine Gegner nicht nur nach deren offen verwahrlostem Äußeren beurteilen sollte. Er zumindest würde diesen Fehler bestimmt nicht wieder begehen, sollten sie hier jemals mehr oder minder heil herauskommen.
Er hatte es gerade geschafft, den zweiten Mann zu verlangsamen, als sich der dritte plötzlich zu einer für Horatio vollkommen unerwarteten Attacke entschied, seinen Zauberstab einfach auf ihn warf, was den älteren Portune Herren doch kurz, aber für ihn entscheidend nachteilig in seiner Abwehr innehalten ließ. So dass er dem sich von dem Verlangsamungsfluch nun wieder erholt und ihm einen Schocker entgegenjagenden Zauber nicht rechtzeitig einen Schild entgegensetzen konnte und dadurch selbst ein Stück weit zu Boden geworfen wurde.
Horatio gelang es gerade eben noch dem nun einen weiteren Fluch auf ihn sprechen wollenden Mann mit einem Incendio soweit abzulenken, dass er ihm gleich einen Stupor hinterher schicken konnte, doch war ihm die Genugtuung nun ach den zweiten Gegner für längere Zeit zu Boden geschickt zu haben, nicht lange gegönnt, als er von dem Mann nun erreicht wurde, der zuvor seinen Zauberstab auf ihn geworfen hatte.
Dieser warf sich einfach auf ihn und drückte ihn abermals zu Boden, wobei die Horatio entgegenschlagende Mischung aus fauligem Atem und einer alles bisher gekannte in den Schatten stellende Alkoholfahne regelrecht würgen ließ.
Instinktiv versuchte er seinen nun langsam wieder erwachenden Arm, der von einem der ihn zuvor gestriffen habenden Flüche betäubt worden war, zwischen sich und dem Angreifer zu bringen, als dieser daraufhin nur bösartig grinste und – ihn mit seinen langen, gelben Zähnen kräftig in das rechte Handgelenk biss.
Einen durch das Gewicht auf seinem Körper halb erstickten Schmerzensschrei ausstoßend, stieß Horatio dem Mann seine andere, immer noch seinen Zauberstab fest umschlossen haltende Hand mit Wucht in die Seite, was diesen zu Horatios größter, aber nicht ungewollter Überraschung kurz von ihm zurücktaumeln und vor allem seine Zähne aus seinem Handgelenk lösen ließ.
Ohne nun noch länger zu überlegen, ob er in Gegenwart seines Freundes Dunkle Flüche anwenden sollte oder nicht, zischte er ein leises aber deutliches und von Remus hoffentlich ungehörtes: "Imperio!" Was seinen Gegner nach einem scharfen: "Zurück von mir!", von ihm forttaumeln ließ, sodass sich Horatio dazu in der Lage fand, sich aufzurappeln und auf seine eigenen Beine zu stellen.
Die rechte Hand von der das Blut herabströmte und die von dem Biss ausgehenden Schmerzen versuchte er dabei, so gut es ging, zu ignorieren.
Nun völlig stablos und zwei Werwölfen gegenüberstehend die ihn Todschlagen wollten, ausgerechnet war einer von ihnen Shane, hatte Remus keine Gelegenheit auf Horatio zu achten.
"Lupin", zischte Shane kalt und Remus betete, dass sein Freund mit den Drei andern genug abgelenkt war, sodass er nicht mitbekam, wenn er hier seine waren körperlichen Kräfte zeigte.
Was dann kam, war ein unschöner Nahkampf und zu Remus' Glück waren es nur zwei. Mit dem anwesenden Rudel wäre er allein nicht fertig geworden und James würde ihm eh schon den Kopf abreißen, wenn er das hier erfuhr. Dem Faustschlag Shanes ausweichend, der daraufhin die Wand traf, drehte er sich einmal um sich selbst und schlug dann selbst mit der Faust seinem Angreifer ins Zwerchfell.
‚Hat seine Vorteile mit Sirius Black aufgewachsen zu sein!', notierte er sich dabei stumm, den in die Knie gegangenen Werwolf ignorierend, da ihn der zweite mit einem Fesselspruch belegte. Remus fackelte aber nicht lang, packte das Seil aus dem Stab das seine Handgelenkte umschloss und zog einmal mit aller Kraft daran, was dem Werwolf einen entsetzten Aufschrei entlockte, wurde er doch mit Wucht von dem Füßen gerissen. ‚Gepriesen seien die Werwolfsgene!' ließ Remus seinen stummen Sarkasmus freien Lauf, und warf die nun lockeren Fesseln ab.
Für Sekunden von Horatios Aufschrei abgelenkt, traf ihn ein Fausthieb in den Magen und ließ ihn aufkeuchend gegen die Wand taumeln. Lang genug für einen zweiten Treffer auf die Nase hielt der Schock darüber an, aber dann packte Remus den erneut auf ihn zuschnellenden Arm. Dieser wurde mit einer Drehung seitens Remus auf dessen Rücken gedreht, begleitet von einem hässlichen knackenden Geräusch und einem Aufheulen. Zu guter Letzt verpasste Remus dem Werwolf einen kräftigen Stoß in den Rücken, der ihn gegen die Wand prallen ließ.
Dann schnellte sein Blick zu Horatio herum der wieder auf den Beinen stand, am Handgelenk blutend wie Remus mit Schrecken feststellte. Ihm gegen über ein entwaffneter Werwolf, mit seltsam entrücktem Blick. Doch ehe Remus darüber nachdenken konnte, wovon das kam, tauchte hinter Horatio ein zweiter Werwolf auf, der drohend den Stab hob.
Remus selbst stablos und auch nicht wissend, wo dieser geblieben war, tat das erste, was ihm einfiel. Er rannte los und riss Horatio Sekunden nach einem gedonnerten "Desteio!" zu Boden. Zu spät für ihn auch aus der Schusslinie des schwarzen Blitzes zu kommen. Der traf ihn schmerzhaft im Rücken und ließ ihn schmerzerfüllt aufschreien.
Horatio, der von Remus' Attacke ihm gegenüber vollkommen überrascht wurde, aber im nächsten Augenblick auch sofort deren Grund begriff, zögerte nun nicht mehr, als er erkannte, dass sein Freund dem eigentlich für ihn bestimmten Fluch voll abbekommen hatte.
Mit einem Schwenker seines Zauberstabs und einem in Richtung des immer noch unter dem Imperiusfluches stehenden Mannes vor ihm, befahl er diesem kalt: "Verteidige uns!"
Nur Sekunden später sprang der mit einem glasigen Blick in seinen Augen gezeichnete Zauberer an ihm und Remus vorbei und stürzte sich auf den anderen, gerade einen weiteren Fluch auf sie schleudern wollenden Werwolf.
Dem nun hinter ihm entbrennenden wütenden Geknurre und dem Geräusch von Fäusten, die auf nachgiebigeres Gewebe trafen, nur soweit Beachtung schenkend, dass er einschätzen konnte, wie viel Zeit ihm blieb, schnappte sich Horatio einen unter seiner linken Hand liegenden Kieselstein und verwandelte ihn mit einem energischem: "Portus!", und dem Gedanken fest an sein Manor gerichtet, in einen Portschlüssel, der ihn und Remus, auch schon im nächsten Moment aus dem Geschehen in der Nokturngasse heraus und in die Vorhalle seines Manors hineintrug, wo er – den Werwolf immer noch auf seinem Rücken liegen spürend – selbst erstmal benommen und erschöpft liegen blieb.
Das während des kurzen Augenblicks bevor sie vom Portalzauber hinfort gerissen worden waren, etwas blaugrünschwarz gemustertes von Remus fort in andere, düstere Winkel der vom Kampfeslärm erfüllten Gasse gekrochen war, bekam der etwas ältere Zauberer nicht mehr mit.
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