Ich erwachte mit grauenhaften Kopfschmerzen und dem sicheren Gefühl, dass ich irgendwie Mist gebaut hatte. Ich schämte mich, aber kam nicht darauf weswegen. Als ich mich umdrehen wollte, merkte ich, dass ich nur meine Unterwäsche trug. Während ich mich noch wunderte, fiel mir langsam ein, was ich mir abends als Abschluss eines sowieso beschissenen Tages für eine ungeheuerliche Dummheit geleistet hatte. Ich war Miesepeter um den Hals gefallen? Oder hatte ich das nur geträumt?

- Ich denke Du hast! Hilfe! Das darf nicht wahr sein! –

Ich fuhr hoch und bekam den nächsten Schlag, als ich feststellte, dass ich auf einem Sofa lag, welches allerdings leider nicht in mein Zimmer gehörte.

- Oh mein Gott,! Wo bin ich? In Miesepeters Zimmer? Scheiße! Scheiße! Scheiße! Wer hat mich ausgezogen? -

- Was hast Du sonst noch mit ihm angestellt? – WAS HAST DU GETAN? – Raus hier, bevor der im Rahmen steht! Flieh, Charlie, schnell!

Neben mir auf einem Sessel lag mein Kleid. Ich schnappte es mir, zog es hektisch über, stand auf und schwankte zur Tür. Mein Kreislauf kam nicht nach, aber darauf konnte ich gerade keine Rücksicht nehmen. Ich wollte nur noch in mein Zimmer, mir die Decke über den Kopf ziehen und verschwinden. Ich würde mich die nächsten Tage krank melden und vor dem Rest der Welt verstecken, bis ich wieder heim konnte.

Ich öffnete die Tür zum Flur, sah mich vorsichtig um, ob niemand im Gang war, und rannte los. Auf halbem Weg lief ich allerdings Sybill in die Arme, die mich verwundert von oben bis unten ansah. „Wo kommst Du denn her? Komm mit, das Frühstück wartet nicht. Und sag mal, wie siehst Du eigentlich aus? Warst Du noch gar nicht im Bett?"

- Oh Scheiße! Und o.k., soviel zum Thema krank melden. Ausgerechnet dem lebenden Tagespropheten muss ich hier in die Arme laufen. NEEEEIN! –

„Sybill, erklär ich gleich, geh schon vor, ich komme sofort nach." Ich hetzte in mein Zimmer, nahm eine Turbo-Dusche, zog mich um und rannte also in die Halle zum Frühstück. Ich hoffte, Sybill unterhielt nicht bereits den gesamten Lehrertisch mit der Neuigkeit, dass ich offensichtlich nicht in meinem Zimmer übernachtet hatte. Als ich mich gesetzt hatte, überfiel sie mich auch sofort mit Fragen. „Wo warst Du? Ich wollte Dich wecken, weil Du gestern doch etwas mehr Alkohol getrunken hast, als gut für Dich ist? Wo kamst Du eben her? Und wieso bist Du wie bekloppt gerannt?"

Ich setzte gerade zu einer spontanen Lüge an - das klappt schon wie aus dem ff -, als ich eine Hand auf meiner Schulter spürte. Ich saß wie paralysiert, als in trägem Tonfall die Worte fielen: „Einen schönen guten Morgen, zusammen. Ach, Anna, haben Sie die Nacht gut überstanden? Tut mir leid, dass ich Ihnen keinen Sarg zur Verfügung stellen konnte."

Ich sah die Augen der Lehrer auf mich gerichtet, Minerva saß stocksteif auf ihrem Stuhl schoss wahre Blitze zu mir hinüber und Dumbledore sah auch nicht begeistert drein, fokussierte allerdings das Wesen hinter mir. Ich hörte rechts neben mir Hagrid fragen: „Wovon redet der?" und links Sybill irritiert nachhaken: „Seit wann sagt der „Morgen"? Und wieso nennt er Dich „Anna"? Und was willst Du mit einem Sarg?" Dann ging ihr auch der Rest der Aussage auf: „Warst du die Nacht etwa…?" Ich wurde rot wie eine überreife Tomate, als ich Sybill versuchte zu erklären, dass dies nur eine dumme Albernheit sei, der Name stamme aus einer Horrorgeschichte mit einem Vampir. Ich sei selbstverständlich nicht bei Miesepeter gewesen und überhaupt wolle der mich nur wieder ärgern.

- Dreckskerl! Bastard! Missgeburt! Nun glauben alle – IGITT! -

- Der Penner hat Dir gerade den nächsten Job besorgt. Herzlich willkommen der Schlampe des Schlosses -würg -

- Ich will sterben – Malfoy, ich komme, töte mich, ich stelle mich freiwillig! –

Irgendwie überstand ich das Frühstück, und vor allem die bohrenden Blicke von Minerva, deren Moralvorstellung vermutlich gerade Amok lief, und rannte dann fast aus der Halle. Ich schämte mich, wie noch nie in meinem Leben, und konnte mich auch nicht freuen, als ich Weihnachtsmanns Stimme im Hinauslaufen hörte:„Severus! Wir haben zu reden!"

- Gut so, hoffentlich faltet der den miesen Penner richtig zusammen! -

Mir war konstant übel und immer wieder grübelte ich, wie ich aus dieser beschissenen Situation wieder herauskommen sollte. Während des Tier-Trainings entging dummerweise auch Halbgott mein heute leicht angeschlagenes Ich nicht. Er nervte mit „Ist Ihnen nicht gut?", was ich verneinte und erklärte ich habe einfach schlecht geschlafen. Leider schien ihm die Aussage nicht zu genügen, denn er stichelte plötzlich los „Aber Sie haben doch etwas? Mache ich sie wieder nervös? Oder haben Sie etwa Probleme mit Severus?"

- Ich? Nein! Wie kommt der bloß darauf? Den Aushang am Eingang noch nicht gesehen? Hier werden doch schon Wetten auf den Sieger abgeschlossen. Ganze Schulklassen gehen bereits unter die Buchmacher! –

„Nein, habe ich nicht. Und selbst wenn, wüsste ich nicht, was es Sie angehen sollte" pfiff ich ihn an. Sollte er von mir aus ausflippen und mich verfluchen, dann hatte ich wenigstens meine Ruhe. Aber er fluchte nicht, sondern begann wieder mich anzubaggern. „Sie sollten sich vielleicht Ihre Gesellschaft besser aussuchen? Wir würden bestimmt sehr gut miteinander auskommen."

- Ich soll was? Mit Dir AUSKOMMEN? Du arrogantes narzisstisches Ergebnis jahrzehntelanger Inzucht, was bildest Du Dir eigentlich ein? Glaubst Du allen Ernstes, ausgerechnet DU seist die bessere Wahl? Geh mal zum Psychiater! -

Tja, Halbgott war eben nicht vollkommen und hatte einen strategischen Fehler begangen. Er hatte offensichtlich vermutet, wenn ich nicht ganz auf der Höhe bin, sei ich anfälliger für ihn. Hatte er tatsächlich geglaubt, ich würde ihm um den Hals fallen und bei ihm ausheulen? Dummerweise tickte ich entgegen dem ihm bekannten Schema, das lief bei mir genau umgekehrt. Gestern, in meinem angeschickerten Zustand, nun ja, da hätte ich vermutlich für nichts garantieren können.

- Und er hätte dankend angenommen und Deinen Zustand ausgenutzt! Im Gegensatz zu…. – NICHT JETZT!

Wenn ich allerdings in der Sinnkrise war, ging mir plumpe Anmache extrem gegen den Strich. Vor allen Dingen, wenn mein Gegenüber offensichtlich der Meinung war mir damit eine besondere Gunst zu bezeugen. Auf diese Art Mitleid konnte ich voll und ganz verzichten. So schön konnte Malfoy gar nicht sein, dass ich das geschluckt hätte. Als bellte ich los.

„Das glauben Sie doch wohl nicht im Ernst. Es mag Ihr Weltbild ja massiv erschüttern, aber ich habe keinerlei Interesse daran mit Ihnen, in welcher Weise auch immer, auszukommen."

- Glaubt der ernsthaft, Du würdest Dich als Affäre eines verheirateten Mannes mit Kind hergeben? Ich hatte ihm tatsächlich mehr Verstand unterstellt. -

Allerdings war ich noch nicht fertig. Ich war es satt vor ihm zu kuschen und mich in die Rolle der Untergebenen drücken zu lassen, mir war kotzschlecht, in meinem Schädel hämmerten mindestens drei Straßenbaukolonnen unaufhörlich, und ich war extrem sauer. „Sie mögen ja ganz gut aussehen, aber bilden Sie sich wirklich ein, ich würde mich auf Ihr Niveau herab lassen? Sie wissen nicht, wer ich bin und was ich bin, aber ich versichere Ihnen, in der Familie, der ich entstamme, gibt es gewisse Prinzipien und Ansprüche. Sparringpartner für horizontale Sportarten eines verheirateten Mannes zu sein, gehört garantiert noch nicht einmal ansatzweise dazu. Und nun lassen Sie mich endlich in Ruhe."

Er blickte etwas verdutzt, fiel aber nicht aus der Rolle und rastete auch nicht aus, er ritt noch nicht mal auf seinem Aristokratenstatus herum, was mich anfangs etwas wunderte. Dann erkannte ich aber, dass er meine Ansage wohl nicht zu interpretieren wusste. Der Part mit der Familie hatte allem Anschein nach seinen Denkapparat in Gang gesetzt. Er wusste nichts von mir, nur meinen Namen. Vermutlich überlegte er, ob meine Herkunft eventuell seiner entsprechen oder noch höher gelagert sein könne und er sich mit weiteren unmoralischen Angeboten in die Nesseln setzen würde.

- Herrlich! Ein Malfoy, der lieber mal die Schnauze hält! Dass ich das erleben darf! -

„Ach und noch etwas", setzte ich nun todesmutig nach, „sollte ich in Erfahrung bringen, dass Sie versuchen in meiner Vergangenheit herumzustochern, könnte das ziemlich unangenehme Folgen nach sich ziehen."

- Yep, zum Beispiel eine heulende Charlie, eine schreiende Charlie, eine fluchende Charlie, eine sterbende Charlie. Sehr, sehr unangenehme Folgen! -

„Ich hatte nicht vor, Ihnen zu nahe zu treten. Es sollte nur ein Scherz sein." ruderte Blondie plötzlich zurück und bedachte mich mit einem Lächeln, von dem ich augenblicklich der festen Meinung war, er müsse dafür einen Waffenschein benötigen. Aber irgendwie war meine Faszination für den Kerl verschwunden. Er sah noch immer verflucht gut aus, aber das brachte mich nicht mehr in Verlegenheit.

Ich nickte hoheitsvoll, teilte ihm mit, das die Fronten ja dann geklärt wären, und ich im Übrigen auf weitere Treffen dankend verzichten, seinem Sohn jedoch nach wie vor Nachhilfe geben würde. Den Teil „weil der arme Kerl nix für den Arsch von Vater kann" schenkte ich mir dann sicherheitshalber doch.

Nach meinem Abgang fühlte ich mich ein wenig besser und ging schnell auf der Krankenstation vorbei, wo ich Pomfrey was gegen Kopfschmerzen abschwatzte. Mein „One-Night-Stand" schien auch bis hier bereits die Runde gemacht zu haben, denn sie blickte mir ziemlich intensiv an und hatte doch wirklich den Nerv zu fragen: „Er schläft wirklich in einem Sarg?"

- Vielen Dank auch, Sybill, Du bist ja noch schneller als Bild-Online! –

Ich musste trotzdem gegen meinen Willen lachen, sah sie mitleidig an, und ging dann kopfschüttelnd auf mein Zimmer, um mich vor dem Mittagessen noch etwas auszuruhen und meinen nächsten Zug in Sachen Kriegsstrategie auszuarbeiten.

Frisch geduscht und ohne hämmernde Kopfschmerzen wühlte ich schließlich in meinem Schrank herum, bis ich das Passende für meinen Rachefeldzug gefunden hatte. Ein weinrotes, eng geschnittenes Samtoberteil mit einem ziemlich übertriebenen Ausschnitt, das ich mit einer hautengen schwarzen Hose und den hochhackigen Stiefeln, die Sybill mir geschenkt hatte, kombinierte. Dann schnappte ich mir das desaströse blaue Ballkleid, riss eine Samtschluppe ab und band sie mir um den Hals, wie ich den alten Vampirfilmen, wenn das Opfer den Biss verstecken will. In diesem Kampfanzug marschierte ich zum Mittagessen.

In der Halle angekommen erntete ich bereits erste fragende Blicke und amüsierte mich über Lockhart, der offensichtlich Probleme hatte mein Dekolleté und meinen Hintern gleichzeitig ins Visier zu nehmen. Ich steuerte die andere Seite des Tisches an, an der Snape schon über einem Steak brütete. Offensichtlich hatte Dumbledore ihm eine Standpauke gehalten, denn er blickte konzentriert auf seinen Teller und versuchte mich zu ignorieren. Ich ging also von dieser Seite zu meinem Sitzplatz und als ich an Giftpilz vorbei kam, blieb ich kurz stehen, beugte mich von der Seite über ihn und säuselte, laut genug, damit der Rest der Anwesenden es auch mitbekam, „Vladi-Mausi, ist Dein Steak blutig genug, oder möchtest Du doch lieber wieder an mir knabbern?". Ich sah, wie seine Finger sich um das Besteck krampften, als wolle er es zerbrechen, die Knöchel wurden weiß, er holte tief Luft, und ich hätte beinahe laut gelacht, aber ich hauchte ihm nur ein Küsschen auf die Wange, richtete mich wieder auf und ging zu meinem Platz.

Gouvernantchen sah mich an, als seien mir Hörner gewachsen, Hagrid hatte den Mund offen stehen, Lupin war merkwürdig rot im Gesicht und Sybill hatte offensichtlich extreme Probleme nicht vor Lachen brüllend über dem Tisch zu kollabieren. Ich setzte mich ganz ruhig hin, schnappte mir etwas Salat und ein Steak und begann ungerührt zu essen. Neben mir gluckste Sybill „Was wird denn das? Ich brech zusammen. Und was trägst Du denn da? Lockhart wird gleich rollig."

Wir begannen beide zu lachen und ich vergaß recht schnell die irritierten Blicke der anderen. Mit einem Seitenblick zu Weihnachtsmann stellte ich fest, dass auch dieser die Show offensichtlich nicht übel nahm und war beruhigt. Miesepeter wollte miese Spielchen? Nun, das konnte ich auch.