LunaNigra: Dackel? Ich mag keine Dackel... aber ich mag dich und deine Reviews. Danke! :D
einfach so...: Ja, Dracos Sicht... ich habe auch Kapitel 20.2 hochgeladen - schau doch mal rein. ;)
Elizan: Ja, zwei Kapitel... aber die Einteilung, die ich hier gepostet habe, ist etwas anders - Hermine wird also erst in Kapitel 26 mit der Sprache herausrücken. Sorry! x.x
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Kapitel 24:
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„Hermine, Hermine!"
Rons Stimme schien durch das gesamte Black'sche Anwesen zu hallen.
Dann ertönte ein dumpfer Knall und ein zischend gemurmeltes „Au, verdammtes Buch", ehe der Junge mit den leuchtend roten -und nun verwuschelten- Haaren, den ich wie eine bedächtige große Schwester liebte, in die Küche stürzte.
„Ich glaube, wir müssen uns um einen Horkrux weniger kümmern!"
Argwöhnisch hob ich eine Augenbraue, als er einen dicken, zerfledderten Wälzer auf die Arbeitsplatte vor mir warf, auf welcher sich gerade das Suppengemüse von selbst schnitt.
„Sieh mal, hier steht dass schwarzmagische Zauber und Flüche auf Objekten ausnahmslos immer eine Markierung hinterlassen, eine Art Mahnmal, meist nachdem die ausgesprochene Formel nicht mehr gültig ist!" Er deutete wild auf eine Stelle im Buch, während ein Stück Karotte unter dem massiven Schmöker auf den Boden hinunterkullerte. „Uuund -" Ron holte tief Luft, um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen. „ außerdem wird hierbei erwähnt, dass es sich durchaus um einen dunklen Fleck handeln kann, der je nach Fluchintensität verschieden stark ausgeprägt ist ..."
Er sah mich erwartungsvoll an und für einen Augenblick erinnerte er mich an meine kleine Großcousine, die denselben Ausdruck trug, wenn man sie lobte. Ich lächelte
„Das hört sich alles sehr plausibel an, Ron, aber soweit -"
„Jetzt sag nicht, du hast das schon alles gewusst!" Er blickte mich zutiefst bestürzt an.
Doch ehe ich ihm noch mehr Seelenschmerz bereiten konnte, betrat Harry die Küche und Ron wandte sich sofort an ihn.
"Harry, Hermine glaubt unsere ausgeklügelte Theorie nicht!"
"Ich konnte noch nichts dazu sagen!", bemerkte ich pikiert. "Und wieso bitte ist diese These ausgeklügelt, wenn ihr sie wortwörtlich aus einem Buch herausgelesen habt?"
Harry seufzte.
"Malfoy!" , rief Ron dann und setzte dann ein triumphierendes Grinsen auf. "Malfoy hat doch bestimmt unzählige Verbindungen zu seinen Todesserfreunden, soll der Versager doch mal -"
"NEIN!!!", heulte ich schrill und aus meinem Gesicht wich jede Farbe. Doch diese schien im nächsten Augenblick schon wieder in einer unbehaglichen Hitzewallung zurückzukehren, als die Köpfe von Ron und Harry sich ruckartig verblüfft zu mir umwandten.
"Ich meine...", begann ich schwach und mein Puls raste. "was willst du ihm denn erzählen... Ron? Hast du etwa vor, unser Wissen mit ihm zu teilen?"
"Natürlich nicht!", schnaubte er und ließ sich auf einen Küchenstuhl fallen, um sofort nach einer Schüssel Popcorn zu langen.
Nur Harry betrachtete mich noch einen Augenblick mit einem harten Zug um den Mund, als ob es für ihn neu wäre, eine Hexe zu sehen, die zauberstabschwingend Karotten, Kartoffeln und Sellerie in ihren Selbstmord treibt. Dann aber ließ er sich neben Ron auf einen Stuhl fallen und schaufelte sich ebenfalls Popcorn in den Mund.
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Wütend stapfte ich durch den dunklen Flur und riss die Tür des Badezimmers auf.
Mit einem Schnauben feuerte ich meine Handtücher auf die helle Holzbank neben dem Whirlpool und wandte mich dann meinem Spiegelbild zu.
Oh ja! Ein Mitternachtsbad passt nun verdammt
gut zu meiner Stimmung!
Meine Augen funkelten gefährlich und mein Gesichtsausdruck war tatsächlich beunruhigend. Meine Hormone spielten in der letzten Zeit einfach verrückt. Die nächtelangen Recherchen taten mir nicht gut und die Angst schien mich von innen aufzufressen.
Harry und Ron lagen nun schon seit dem Abendessen faul auf ihren Betten, während ich weiter stundenlang in Die schier endlose Geschichte der Zeit recherchiert und immer noch keinen eindeutigen Beweis für die Existenz von Rissen in der Zeitlinie gefunden hatte. Verdammt.
Langsam sollte ich einsehen, dass man den Lauf mancher Dinge nicht ändern kann. Es wäre gesünder, die Hoffnung, Harry und ihn retten zu können, aufzugeben und...
Ich wollte seufzen, als ich ein leises Keuchen hörte.
Sofort drehte ich mich um – und erkannte Draco Malfoy. Sein Anblick ließ meinen Atem stocken und meine Wut sofort verfliegen.
Er kauerte neben dem massiven Whirlpool, die Stirn an den kalten Marmor gepresst und die Arme um den Kopf geschlungen. Sein gesamter Körper bebte.
Ihm entkam ein weiteres Keuchen.
Ich stürzte auf ihn zu und riss die Arme von seinem Gesicht.
„Was ist los?", japste ich und starrte auf die dunklen Ringe um seine Augen.
„Knnt ncht schlfn", nuschelte er und die feinen Muskeln des Kiefers zeichneten sich vage unter seiner Haut ab. Fahrig versuchte er, seine Arme wieder loszureißen.
Doch ich hielt sie weiterhin fest umklammert und ließ mich vor ihm auf die Knie fallen.
Sein Gesicht war schweißnass und er hatte die Lippen zu einer verbissenen, dünnen Linie zusammengepresst. Doch er konnte nicht verhindern, dass ihnen ein erneutes Keuchen entkam.
Draco wandte den Kopf zur Seite und seine Haare verdeckten mir den Blick in seine Augen.
Sein Körper zitterte aber immer noch bedrohlich.
„Ist dir kalt?", fragte ich und verdrängte jeden aufkommenden Gedanken über die Gründe seines Zustandes.
„Kalt...", flüsterte er undeutlich und sah mich an. „Müde..."
Dann schnellten plötzlich seine Hände hoch und er klammerte sich schmerzhaft an meinen Arm. Ein weiteres abgehacktes Keuchen entkam ihm und er lehnte seine glühende Stirn gegen meinen Hals.
Meine Augen weiteten sich, doch ich erlaubte es mir nicht, mehr als einen winzigen Augenblick im Schock zu verharren. Seine Finger und seine Stirn waren so brennend heiß, dass es mir wie Schuppen von den Augen fiel.
Ich umfasste sein Gesicht mit meinen Händen und zwang ihn so, mir in die Augen zu sehen.
„Draco", sagte ich laut und klar. „Draco, hier ist Hermine, hör mir zu! Draco!"
Sein Blick klärte sich etwas und ich glaubte, dass er mich wahrnahm.
„Draco, das ist der Entzug, du hast Fieber und du beginnst zu hyperventilieren... Draco!" Seine Aufmerksamkeit driftete genauso schnell wieder davon, wie er sie auf mich konzentriert hatte. „Du musst dich jetzt in die Wanne neben dir setzen, Draco, okay?"
Er reagierte nicht und sein Blick war leicht verschleiert, dennoch versuchte er nach einigen Sekunden sich am Rand des Whirlpools hochzustemmen. Ich stützte ihn und er stolperte schwerfällig in die quadratische Wanne.
Hastig drehte ich an den Reglern und ließ kaltes Wasser in das Becken laufen, woraufhin Draco zusammenzuckte und beinahe ausrutschte.
„Vorsicht", flüsterte ich.
Ich kannte mich mit Zahnmedizin, Hausmedizin und simpler Erster Hilfe aus, doch um die Entzugserscheinungen von Muggeldrogen wusste ich so wenig und fühlte mich unsicher. Aber ich hoffte und betete,das Wasser würde sein Fieber senken und verhindern, dass er zu hyperventilieren begann.
Als die Nässe allmählich meine Knöchel bedeckte, schwankte Draco und versuchte fahrig, sich zu setzen. Doch er taumelte steif gegen mich und riss mich mit ihm in das eisige Wasser.
Stöhnend lehnte er seinen Kopf an den Rand der Wanne und ich kletterte unbehaglich von ihm herunter und setze mich in die gegenüberliegende Ecke.
Eiskalte Wasserkaskaden prasselte unaufhörlich auf uns herab.
Und langsam wurde mir mulmig zumute.
Was, wenn ich das Falsche tat?
Was, wenn dies hier nicht die Folgen des Entzugs waren?
Aber... er wusste um den kleinen Flakon und wem sollte er sonst gehören?
Draco hatte Fieber, das stand fest, auch wenn er das Gegenteil behauptete. Und er stand eben noch knapp davor, zu hyperventilieren, wogegen sich jetzt sein Atem beruhigt hatte. Teilweise ging er noch stockend, aber sein Gesicht wirkte deutlich entspannter als vor wenigen Minuten. Seine blonden Haare hingen ihm wirr und strähnig ins Gesicht, ebenso wie die nassen Kleider an seinem Körper klebten. Sein muskulöser Bauch hob und senkte sich unregelmäßig.
Und ich fror.
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Welche Ingredienzien waren in seiner Droge enthalten?
Ich versuchte, mich an die exakte Zusammensetzung zu erinnern, die ich in meiner Untersuchung ermittelt hatte. Benzamide zur Beruhigung der Nerven und der Konzentrationssteigerung... und ein Stoff, der als Dämpfer der Müdigkeit wirkte... was war noch enthalten?
Ich konnte mich nicht konzentrieren.
Als das Becken zur Hälfte vollgelaufen war, regte sich Draco wieder.
„Kalt", murmelte er. „Kalt."
Und dann stemmte er sich gegen die Marmorwanne und versuchte aufzustehen.
„Nicht!", quiekte ich und drückte seine Arme herunter. Aber natürlich war er viel stärker als ich und schien langsam zu seinen Kräften zurückzukehren. Mühelos schüttelte er meine Hände fort und stützte sich am Wasserregler ab, der zuschnappte und den Wasserfluss unterbrach.
Da ich es nicht anders verhindern konnte, warf ich mich auf ihn und drückte ihn so mit meinem Körpergewicht an die kalte Wanne. Einige Sekunden zögerte ich, dann setzte mich auf seine Beine und sah ihn mahnend an.
Doch er zog seinen Arm aus meinem Griff und verpasste mir eine Ohrfeige. Das Klatschen hallte laut im Badesaal wieder.
Mein Atem stockte und ich starrte ihn an.
Einen Moment lang regte sich keiner von uns beiden.
Dann senkte ich den Kopf und meine nassen Locken fielen mir eisig ins Gesicht.
Dieser Mann ist nicht Draco. Das hier ist nur ein Mensch, der sich auf seinem Entzug befindet. Er weiß nicht, was er tut.
Meine Wange brannte.
„Nur noch ein paar Minuten", sagte ich trocken und fragte mich, ob er meine Lüge in seinem Zustand durchschaute.
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Es erschien mir wie eine Ewigkeit, ehe Dracos Handgelenke wieder die normale Temperatur erreichten und sein Atem sich beruhigt hatte. Ich legte meine Finger bedacht an seine Stirn und seufzte erleichtert.
Draco schien es überstanden zu haben.
„Es ist vorbei", flüsterte ich.
Nachdem er mich geschlagen hatte, hatte er die Augen geschlossen und sich die gesamte Zeit nicht mehr bewegt. Nun öffnete er sie langsam und ich begegnete seinem gewohnten, klaren Blick.
Etwas an ihm war anders, ein dunkler Schatten lag auf und unter ihnen, doch ich schob es auf seine Müdigkeit.
Ich lächelte ihn an und krabbelte von ihm herunter.
Als ich aus der Wanne steigen wollte, griff er plötzlich nach meinem Handgelenk.
Überrascht drehte ich mich um und blickte ihn an. Er zögerte einen Moment und ließ meinen Arm dann los. Kopfschüttelnd sammelte ich meine Handtücher ein und blieb vor der Tür stehen.
Draco stieg mit einer unnachahmlichen Eleganz aus der Wanne und nichts erinnerte mehr an den schwachen Menschen, den ich eine Ewigkeit zu bändigen versucht hatte.
Dann stand er neben mir und sah mich an.
Seine Kleidung war verrutscht und sein Haar hing ihm klatschnass in die Stirn, aber sein Gesicht war wieder klar und bewusst. Langsam wanderte sein Blick über meine Gestalt und blieb an den blauroten Flecken an meinem Arm hängen. Seine Augen weiteten sich minimal und er schaute hoch.
„Es tut mir leid", sagte er.
Ich musste lächeln. „Nicht schlimm, das tut nicht so sehr weh."
Draco zog fragend eine Augenbraue in die Höhe. Und dann fiel sein Blick auf meine Wange, die sicherlich rot oder geschwollen war.
Sofort drehte er seinen Kopf zur Seite und biss sich auf die Lippen. Doch er schwieg und ich war froh darüber.
„Lass uns gehen", meinte ich und öffnete die Badezimmertür.
Draco nickte und trat zuerst hinaus.
Schweigend gingen wir durch den Flur, bis ich an meinem Zimmer angelangt war. Ich wandte mich zu ihm um.
„Ich..." Eine Pfütze sammelte sich zu unseren Füßen. „I-ich ziehe mir trockene Kleidung an, denke ich." Meine Stimme klang schwach.
Draco nickte wieder und schwieg.
Dann hob er langsam, ganz langsam, seine Hand und strich mit seinen Fingerspitzen über meine nassen Wangen.
Und nach wenigen Sekunden war er wieder in den Schatten des Gangs verschwunden.
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