Fünfundzwanzigstes Kapitel - Ihr-wisst-schon-wer
Das Verhältnis zwischen Lily und Snape war Gesprächsthema Nummer Eins unter den Hogwarts Schülern und auch an den Lehrern ging dieses Ereignis nicht unbemerkt vorbei. Besonders Hagrid konnte es überhaupt nicht fassen.
Als zwei Tage nach diesem Morgen Eowyna, Sirius, Lily und Celina bei ihm zum Tee trinken waren, polterte er los: „Also bitte Lily, aus euch Mädchen werde ich einfach nicht schlau… und gerade du! Ein so intelligentes Ding!" Er schüttelte den Kopf.
„Hagrid, hör sofort auf, sonst geh ich gleich wieder. Ich hab mir schon genug darüber anhören dürfen und irgendwann ist es einfach genug. Lasst uns bitte nicht mehr darüber reden. Ich will das Thema Snape endgültig abhaken."
„Hrmpf… na wenn du meinst…", brummelte Hagrid und schenkte Tee nach.
„Gibt es was Neues bei dir? Du warst in letzter Zeit oft weg. Was hast du gemacht?"; wechselte Sirius schnell das Thema.
„Nein, keine Chance, das kann ich euch nicht sagen. Alles streng geheim, hab ich Dumbledore versprochen. Guter Mann Dumbledore…"
„Och komm schon, bitte sag es uns. Wir verraten es auch keinem anderen.", bettelte Eowyna und setzte dabei ihr stahlendstes, überzeugendstes Lächeln auf.
„Nein, nein", protestierte Hagrid, „auf gar keinen Fall, du musst gar nicht so gucken, aus mir wirst du nichts herausbekommen!"
„Plant Dumbledore vielleicht noch eine besondere Überraschung für das Abschlussfest? Vielleicht will er ja eine tolle Band, am besten die ‚Crazy Broomsticks' engagieren.", mutmaßte Celina, die jetzt auch neugierig geworden war.
„Ach Kinder, in der Zauberwelt gehen größere Dinge vor, um die sich ein herrauragender Zauberer wie Dumbledore zu kümmern hat. Euer Abschlussball ist leider nicht alles, was wichtig ist, jetzt wo Ihr-wisst-schon-wer wieder versucht Zauberer und Hexen zu rekrutier…" Er brach ab und schaute schuldbewusst zu Boden. „Ihr habt nichts gehört, verstanden?", murmelte er. „Und jetzt raus mit euch, ich habe noch zu tun. Bis bald." Er stand auf und öffnete die Tür. Die Freunde standen langsam auf.
„Dann mach's gut.", verabschiedeten sie sich.
Als sie draußen vor Hagrids Hütte standen schauten sie sich eine Weile lang einfach nur schweigend an.
„Was er wohl für einen Auftrag von Dumbledore erhalten hat?"; brach Celina schließlich das Schweigen.
„Keine Ahnung, aber es muss etwas Ernstes sein. Er hat ja von Lord Voldemort gesprochen.", überlegte Eowyna. Als sie den Namen aussprach, zuckten Lily und Celina leicht zusammen. „Hallo! Es ist nur ein Name, er steht nicht leibhaftig vor euch, also bitte!" Eowyna schüttelte den Kopf. Sie hatte nie verstanden, warum die Leute solche Angst davor hatten, den Namen Lord Voldemorts auszusprechen.
„Es ist sehr ruhig um ihn geworden. Als wir noch klein waren, hat er ja schreckliche Taten begangen, aber genaues weiß ich auch nicht. Aber man munkelt, dass er sich nach Osteuropa zurückgezogen hat. Aber wenn Dumbledore Hagrid auf irgendwelche geheimen Missionen schickt, die mit ihm zu tun haben…ich hoffe bloß nicht, dass das heißt, das er zurückgekehrt ist…", meinte Sirius besorgt.
„Zurückgekehrt?"; flüsterte Lily leise. „Hagrid wollte wohl etwas vom Rekrutieren sagen…heißt das, er sucht neue Anhänger?"
„Death Eater!"; murmelte Eowyna.
Keiner mochte sich vorstellen, was eine Rückkehr Lord Voldemorts nach England für Folgen haben könnte. Seine erste Hochzeit hatten sie nicht aktiv mitbekommen, da sie noch sehr jung waren, aber Geschichten, von denen einem ganz schlecht werden konnte, hatten sie oft genug gehört. Ein großes Aufatmen ging durch das Land, als man vermutete, Voldemort hätte sich eine neue Heimat gesucht und England den Rücken gekehrt. Aber was war jetzt? Würde jetzt alles wieder von vorn beginnen? Das durfte nicht sein. Es würden wieder Menschen sterben und wer weiß, ob man es schaffen würde, Voldemort zu besiegen. Es durfte ihm am besten gar nicht erst gelingen, neue Anhänger zu finden. Hoffentlich wusste Dumbledore, was er tut.
„Weiß jemand von euch etwas Konkretes über Ihr-wisst-schon-wen?", fragte Celina.
„Nichts Genaues. Er hasst Muggel und Muggelgeborene, die Reinblütigen sind für ihn die einzigen, die ein Recht zu leben haben. Natürlich auch nur, wenn sie sich ihm anschließen. Das hat mir mein Dad mal erzählt, als ich ihn mit tausenden Fragen über die Geschehnisse damals gelöchert habe. Danach war ich ganz schön geschockt und hab das Thema verdrängt.", antwortete Eowyna ernst.
„Wie wäre es denn, wenn wir mal in die Bibliothek gingen? Vielleicht finden wir etwas. Und es kann bestimmt nicht schaden, gut informiert zu sein.", schlug Lily vor. Die anderen nickten und gingen zum Schloss zurück.
In der Bibliothek stießen sie auf James und Remus, die einen Vortrag für die nächste Verwandlungsstunde vorbereiten mussten.
„Was seht ihr denn so besorgt aus? Ist was passiert?", fragte Remus die hereinstürmenden Freunde verwundert.
Die erzählten den beiden schnell, was sie von Hagrid erfahren hatten. Die beiden schauten dann doch ziemlich schockiert drein.
„Mensch, der wird doch nicht…" Remus wusste gar nicht, was er sagen wollte. Er hatte jetzt wieder noch mehr Angst als sowieso schon, dass die Leute erfahren könnten, er sei ein Werwolf. Das letzte Mal hatten sich die Werwölfe nämlich mit Voldemort verbündet. Das würde dann noch mehr Vorurteile und Abneigung geben.
„Und jetzt?", fragte James unschlüssig.
„Wir wollten mal schauen, was wir so in Büchern oder in alten Tagespropheten über ihn finden. So zur Information…", erklärte Sirius.
„Na dann los!", ermunterte Remus sie.
Und sie kämpften sich durch die riesige Hogwarts Bibliothek. Eowyna und Sirius hatten beide einen riesigen Stapel alter Zeitungen vor sich liegen. Die anderen lasen in Büchern aus den hohen Regalen.
„Mann. Das wollt ihr gar nicht wissen. Hier in den Zeitungen, die sind jetzt zwölf Jahre alt, da steht fast jeden Tag was über mindestens einen Mord drin. Das ist echt schrecklich." Sirius schüttelte den Kopf.
„Und niemand konnte sich sicher sein. Er und seine Death Eater scheinen alles ermordet zu haben, was ihnen in den Weg gekommen ist. Hier steht ‚Die dreijährige Doro Maryland wurde tot in ihrem Elternhaus aufgefunden. Es wurde festgestellt, dass sie mit einem Todesfluch ermordet wurde. Über dem Haus wurde das dunkle Mal gesehen. Die genaueren Umstände der Tat sind bis jetzt unbekannt, die Eltern der kleinen sind verschwunden.' Das ist doch furchtbar! Wie kann man denn ein kleines Mädchen einfach so umbringen?" Eowyna war fassungslos und auch die anderen schüttelten die Köpfe.
„Die Eltern wurden später auch tot aufgefunden, das steht hier.", fügte Sirius hinzu. „Sie wurden aber erst bis zu Besinnungslosigkeit gefoltert…weil sie sich nicht Voldemort anschließen wollten…"
Sie hätten wahrscheinlich noch stundenlang fortfahren können und Morde von Voldemort und seinen Anhängern aufzählen können, aber das reichte ihnen.
„Ich
hab hier was gefunden in ‚Bedeutende Zauberer unserer Zeit'",
fing Lily an. „Voldemort ist der gefürchtetste Magier in
der Zaubererwelt. Die Hexen und Zauberer haben soviel Angst vor ihm,
dass sie sich nicht trauen ihn bei seinem Namen zu nennen. Sie
sprechen lieber von du-weißt-schon-wem oder dem Dunklen Lord.
Er ist der letzte direkte Nachfahre von Salazar
Slytherin
Voldemort hieß einst Tom
Marvolo Riddle und war Schulsprecher an der
Hogwartsschule
für Hexerei und Zauberei war. Er wuchs in einem Waisenhaus
auf."
„Das ist ja interessant.", wisperte Celina. „Er
war also auch in Hogwarts? Das will ich gar nicht glauben… Aber ich
hab auch noch etwas gefunden: ‚Voldemort ist ein Verfechter der
Theorie der ReinblütigkeitHalbblütige
Zauberer, Schlammblüter
und gar Muggel hält er für minderwertige Geschöpfe,
die es nicht wert seien, von gleich zu gleich mit reinblütigen
Zauberern Umgang zu haben, gar auf einer Stufe mit ihnen zu
stehen.
Damit tritt er in die Fußstapfen seines Urahnen,
Salazar
Slytherins, der sich tausend Jahre zuvor nicht
hatte durchsetzen können.' Und er ist ein direkter
Nachfahre Slytherins…wer hätte das gedacht?"
„Ich hab
noch etwas über die Death Eater gefunden.", fügte James
hinzu. „'Death Eater ist der Name der Anhänger Lord
Voldemorts. Sie sind in dunkle Umhänge
gehüllt und tragen Masken, so dass nur ihre Augen erkennbar
sind. Weiter haben alle als Gemeinsamkeit, dass sie das Dunkle
Mal auf ihrem linken Unterarm tragen. Dies
stellt einen Totenkopf dar, aus dessen Mund eine Schlange
aufsteigt.'"
„Das ist ja alles ziemlich erschreckend.
Und ihr meint wirklich, dass er zurückgekehrt ist? Und vor allem
wo war er dann die ganzen Jahre?", fragte Remus besorgt.
„Also
hier im Tagespropheten steht, dass man annimmt, er wäre nach
Rumänien gereist, um dort die dunklen Künste zu
studieren.", las Eowyna vor.
„Na das kann ja dann was werden…", unkte James.
„Wir werden sehen, was passiert, noch sollten wir den Teufel nicht gleich an die Wand malen.", versuchte Sirius seine Freunde zu beruhigen.
„Was habt ihr denn hier für ein heilloses Chaos angerichtet?", ertönte da plötzlich die wohlbekannte Stimme von Madame Pince, der Bibliothekarin.
„Entschuldigung, aber wir haben nach ein paar wichtigen Sachen gesucht.", sagte Lily, die eigentlich der erklärte Liebling der Bibliothekarin war. Aber heute schien sie nicht gerade bester Laune zu sein.
„Und was wollt ihr denn mit diesen ganzen alten Zeitungen?" Sie überflog die Überschriften und schielte auch schnell auf die aufgeschlagenen Seiten der Bücher. „Also ich möchte euch nicht noch einmal hier erwischen, wenn ihr euch mit solchen Dingen beschäftigt. Dazu seid ihr noch zu jung." Sie schwang ihren Zauberstab und alle Bücher und Zeitungen flogen an ihren Platz.
Im Gemeinschaftsraum saßen die Freunde noch lange zusammen und redeten über das Gelesene.
„Ich hätte nie gedacht, dass der schlimmste Schwarzmagier aller Zeiten mal Hogwarts Schüler war." Lily konnte es immer noch nicht glauben.
„Sogar Schulsprecher."; fügte Celina hinzu.
„Es war schon ein bisschen komisch, wie die Pince reagiert hat, findet ihr nicht?", fragte James.
„Schon, du meinst, sie wollte vielleicht nicht, dass wir zuviel erfahren, aber warum nicht?", überlegte Eowyna.
„Ich glaube eher, dass sie uns weggeschickt hat, weil wir auf der richtigen Fährte sind. Irgendetwas ist da mit Voldemort. Und sie wollte nicht, dass das die Runde macht." Sirius schaute sehr ernst drein. „Mal sehen, was da noch auf uns zukommen wird."
