Halliwells zu Besuch
Kurz vor dem Mittagessen kam ihr Dad mit zerzausten Haaren und zerkratztem Gesicht ins Haus und stapfte missmutig ins Badezimmer. Er sah nicht gut gelaunt aus. Daher verminderte Helena ihr Grinsen. Der Kuchen, den sie gebacken hatten, sah einfach nur lecker aus. Das Mädchen war stolz auf sich, dass sie bei der Fertigung mitgeholfen hatte. Die junge Halliwell deckte den Tisch, als sich ihr Vater frisch geduscht auf einen Sessel fallen ließ. Die Kratzer auf seinem Gesicht waren alle verheilt.
„Hast du das gefräßige Ding erledigt?", fragte sie neugierig, doch der Miene des Tränkemeisters zu folgen, hatte er das Ding noch nicht erledigt.
„Nicht ganz. Ich konnte sie in eine Ecke zurück drängen. Und dort wird sie auch bleiben. Ich brauche nämlich die Samen der Pflanze für Tränke", erklärte er ihr und tat sich ein wenig Suppe in den Teller.
Helena beobachtete ihn. Sollte sie ihn darauf jetzt ansprechen? Sie hatte keine Ahnung. Doch er schien zu ahnen was sie wollte.
„Ich habe darüber nachgedacht. Sag deinen Schwestern, dass es uns eine Freude wäre, Weihnachten bei ihnen zu verbringen." Er löffelte das bisschen Suppe auf, ehe er den Löffel zur Seite legen musste.
Helena entfuhr ein erfreuter Schrei. Sie sprang auf und fiel Snape um den Hals. „Danke Dad! Du weißt, dass ich dich unheimlich lieb habe?" Argwöhnisch sah er sie an. Vor ein paar Stunden noch hatte sie geheult und jetzt war sie das glücklichste Kind auf Erden. Mit einem unheimlich breiten Grinsen machte sie sich ans Essen. Danach schrieb sie einen Brief an ihre Schwestern.
Während sich Snape wieder ins Gewächshaus aufmachte, wollte Helena das Haus erkunden. Immerhin hatte er ihr im ersten Stock nicht alle Zimmer gezeigt. Es waren einige Türen, hinter denen noch unbekannte Räume lagen. Die ersten beiden waren jedoch verschlossen. Mit gedämpfter Stimmung versuchte sie es bei einer anderen Tür. Diese ging ohne Probleme auf.
Die Tür öffnete sich quietschend und offenbarte einen großen Raum. Staunend trat sie ein. Zimmerhohe Regale vollgestopft mit Büchern. Ein Paradies für jeden Buchfreund. Die Gryffindor trat an eines der Regale und zog ein Buch heraus. Es handelte von Pflanzen. Es wäre sicher hilfreich für Kräuterkunde.
Vor einem verschmutzten Fenster, durch das das Licht nur schwer seinen Weg fand, stand eine kleine Sitzgruppe. Dort nahm die junge Halliwell platz. Staub wurde aufgewirbelt als sie sich auf einem gepolsterten Stuhl niederließ. Die Staubpartikel tanzen in den wenigen Sonnenstrahlen. Helena schlug das Buch auf und versank darin.
Plötzlich vernahm sie ihren Namen. Sie sah von den Seiten des Buches auf. Sie hatte keine Ahnung, dass selbst ein Pflanzenbuch so interessant sein konnte. Erst jetzt merkte sie, dass das spärliche Licht langsam weniger wurde. Wie lange war sie hier drinnen gewesen? Sie erhob sich und stellte das Buch behutsam an seinen Platz. Als sie die Türe öffnen wollte um hinaus zu gehen, wurde sie stürmisch aufgerissen. Die Erleichterung stand ihrem Vater ins Gesicht geschrieben, als er sie sah. Doch dann änderte sich seine Miene schlagartig.
„Was machst du hier? In diesem Haus gibt es Räume, in denen selbst ich noch nie war! Wer weiß welche Gefahr sich dahinter verbirgt!", fuhr er sie barsch an. Glaubte sie, da er zugestimmt hatte, dass sie nun machen konnte was sie wollte.
„Ich wollte das Haus erkunden und da bin auf diese wunderbare Bibliothek gestoßen. Es tut mir leid, ich hätte sagen sollen, wohin ich gehe", gab sie betreten zu und sah zu Boden. „Und dann hab ich mich in einem interessanten Buch über Pflanzen verloren."
Severus konnte sie gut verstehen. Immerhin war er als Kind auch oft in die Bibliothek verschwunden, wenn er hier war. Hier hatte er nicht nur das meiste gelernt, sondern sich auch so oft versteckt. Er seufzte. „Dann geh jetzt bitte runter und deck den Tisch. Es ist bereits Abendessenszeit!" Die junge Halliwell nickte und lief an ihm vorbei. Sie wollte nicht, dass er seine Meinung änderte. Severus jedoch blieb noch eine Weile stehen und sah die Regale entlang. Er hatte bestimmt mehr als die Hälfte davon gelesen. Es waren auch einige schwarzmagischen Bücher dabei, von denen Helena unbedingt die Finger lassen sollte. Vielleicht sollte er sie bei Gelegenheit mal aussortieren.
Helena hatte den Tisch bereits gedeckt. Fröhlich lächelnd hüpfte sie in die Küche zu Elly. Die Elfe war gerade dabei, die letzten Gewürze in einen Eintopf zu tun. „Der Meister war ganz schön besorgt, als er junge Helena nicht finden konnte. Elly hat ihn noch nie so wegen eines Kindes gesehen. Junges Fräulein müssen ihm schon ans Herz gewachsen sein!" Die Hauselfe lächelte zu dem Kind, das sich irgendwie geschmeichelt fühlte. Gerade als die junge Halliwell etwas fragen wollte, kam ihr Vater in die Küche. Elly schnappte den Topf und trug ihn zum Tisch.
Als wieder einmal ein Brief während dem Essen erschien, begann sich Severus darüber zu ärgern. „Wer stört denn diesmal?" Helena sah von dem Blatt Papier auf. „Wieder meine Schwestern. Sie wollen uns morgen am Nachmittag besuchen kommen!" Das Kind strahlte wie die Sonne selbst. Der Schwarzhaarige seufzte. Was blieb ihm auch anderes übrig. Morgen hatte er das Haus also voller Frauen.
*
Das Kind konnte gar nicht schlafen, so groß war die Vorfreude auf ihre Schwestern. Doch sie legte sich brav in ihr Bett und schlief, spät aber doch, ein. Auch am nächsten Tag war sie relativ früh wach. Sie frühstückte und machte sich dann gleich auf in ihr Zimmer. Dort stand Helena vor ihrem Schrank und starrte unentwegt hinein. Ob sie das die ganze Zeit gemacht hatte, konnte er, als er sie zum Mittagessen holte, nicht sagen, aber er vermutete es.
Als es dann plötzlich an der Tür läutete, war sie noch immer in ihrem Zimmer. Severus öffnete leicht nervös die Tür. Piper und Leo, Phoebe und ein Typund Paige standen vor der Tür. „Guten Tag, treten Sie bitte ein." Er trat zur Seite und gewährte ihnen Einlass.
Lächelnd traten die Besucher ein und sahen sich um. Währenddessen trat der Unbekannte an ihn heran und stellte sich als Cole vor. Irgendwie kam Snape dieser Gast eigenartig vor. Er führte sie jedoch halbwegs freundlich in das Wohnzimmer, wo Tee und Kekse warteten.
Helena hatte die Glocke vernommen und war noch nervöser geworden, als heute Morgen. Sie litt an einem Problem, das viele Frauen haben: Das Kind wusste nicht, was es anziehen sollte. Doch sie musste jetzt schnell irgendetwas aussuchen und entschied sich für eine fliederfarbene, langärmelige Bluse, die Phoebe ihr mal geschenkt hatte, und eine schöne schwarze Hose. Genau als sie fertig war, vernahm sie ihren Namen.
„Phoebe!", rief die junge Halliwell, als sie Treppe hinunter gestürmt kam und ihrer Lieblingsschwester in die Arme fiel. Die anderen beiden bekamen keine stürmische Begrüßung sondern wurden normal umarmt. Auch die Männer drückte sie kurz.
„Heute gar kein Willkommenskuss?", fragte Cole leicht beleidigt. Helena lachte und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. „Cool, dass du auch da bist!", flüsterte das Mädchen glücklich.
„Setzen Sie sich doch!", bot Severus den Gästen an. Er fühlte sich schon jetzt schrecklich fehl am Platz und das in seinen eigenen vier Wänden. Die Schwestern und ihre Begleiter nahmen Platz, wobei das Kind sofort auf den Schoß der mittleren Halliwell kletterte. Severus war seiner Tochter einen strengen Blick zu. Sie war doch kein kleines Kind mehr. Aber Helena achtete nicht auf ihn.
„Mein Schatz du hast uns ziemlich geschockt, als deine kleine Nachricht kam. Aber anscheinend hat sich ja alles wieder gegeben." Phoebe zwinkerte ihrer kleinen Schwester zu.
Severus musterte die beiden. Anscheinend hatte Helena zu Phoebe einen besonders guten Draht. Sie hatten sogar dieselbe Bluse an, wie ihm gerade auffiel. Um seine Nervosität zu kaschieren, goss er allen Tee ein.
„Ja … es war nur ein Missverständnis", flüsterte das Kind und sah zu ihrem Vater.
„Achja, um den Dämon hab ich mich gekümmert. Der dürfte dir keine Probleme mehr machen. Er war nur ein kleiner Fisch und war leicht zu beseitigen", erklärte Cole. Helena beugte sich zu ihm hinüber und umarmte ihn erneut.
„Mein Lieblingsdämon beginnt schon für die Halliwell Dämonen zu töten. Kein Wunder das die dich da unten nicht leiden können!", lachte das Mädchen. Cole zwinkerte ihr zu. Nun wusste auch Snape, warum er bei dem Dunkelhaarigen, der ein rotes Hemd trug, so ein eigenartiges Gefühl hatte. Ein Dämon in seinem Haus!
Danach kehrte mehr oder weniger Stille ein. Phoebe und Helena tuschelten und kicherten hin und wieder.
„Professor Snape, wie macht sich Helena eigentlich so in der Schule?" Piper sah den Schwarzhaarigen interessiert an und nahm einen Schluck Tee. Der Tränkemeister war innerlich froh, dass die älteste Schwester, wenn auch mit einem so normalen Thema, das Eis brach.
„Ihre Schwester ist sehr gut. Sie liegt vorne mit den klügsten der Klasse. Nur mit der Zauberstabkunstfertigkeit hat sie ein paar Probleme", erklärte er, als ob das hier ein Elternsprechtag wäre. Piper warf ihrer kleinen Schwester einen Blick zu, denn normalerweise nur eine unzufriedene Mutter ihrem Kind zuwarf.
Irgendwie war das alles ziemlich absurd. Immerhin lagen sie alle ungefähr im selben Alter. Paige räusperte sich. „Eigentlich können Sie uns duzen. Immerhin sind Sie ja der Vater unserer Schwester." Die anderen beiden Halliwell nickten. Sie waren auch einverstanden.
„Wenn ihr mir schon das „Du" anbietet, dann werde ich es gleich tun. Mein Name ist Severus." Er klang ruhig, aber Helena spürte, wie viel Überwindung es ihn kostete. Daher lächelte sie ihn an und kletterte von Phoebe runter, um sich neben ihren Dad zu setzen.
Dann kam Elly plötzlich und bot ihnen den Kuchen an, den sie gestern gebacken hatten. „Junge Helena hat beim Backen geholfen. Möchten die jungen Damen und Herren ein Stück?" Sie war erstaunt, dass so viele Menschen auf einmal im Haus ihres Meisters waren. Ein Mensch war schon ein Wunder bei ihm. Das Kind schien ihn wahrlich zum Guten zu verändern.
Die Gäste wollten gerne den Kuchen probieren. Verwirrt blickten die Schwestern Elly nach, als sie wieder in der Küche verschwand. „Was ist das für ein nettes kleines Wesen?"
Helena öffnete den Mund um zu antworten, doch Leo kam ihr zuvor. „Eine Hauselfe. Sie dienen Zaubererfamilien, ohne dafür groß entlohnt zu werden. Man kann ihnen alles befehlen. Freilassen kann man sie nur, wenn man ihnen Kleidung schenkt, dass macht sie jedoch traurig, da sie ihren Arbeiten gerne nachgehen." Verwirrt sah die junge Halliwell ihren Wächter des Lichts an. Woher wusste er das alles? Das meiste davon wusste nicht mal sie. „Gideon hat mir das alles erklärt! Glaubst du etwa, dass die Ältesten auf diese magische Welt kein Auge geworfen haben?"
Das Mädchen schüttelte den Kopf. „Warum erklärt er mir dann nicht alles? Das wäre sicher spannender, als Zaubereigeschichte bei Binns." Sie war beleidigt, dass alle mehr wussten als sie.
„Weil du nach Hogwarts geschickt wurdest, um dort alles schön nach der Reihe zu lernen!", antwortete ihr Dad bestimmt.
„Außerdem hätte ich dich dann ja nicht kennengelernt!", stellte das Kind entsetzt fest und kuschelte sich an ihn. Ihm war es sehr unangenehm, darum versuchte er sie wieder wegzuschieben. Doch sie ließ nicht los und Phoebe lachte. Er warf ihr einen strengen Blick zu, der sie doch dazu entschloss ihn loszulassen. „Wie hätte ich sonst erfahren, dass ich so einen tollen Dad habe wie dich!"
„Wenn ich doch auch nur so einen Vater hätte. Aber nein, ich bin das Kind eines alten versoffenen suspendierten Wächter des Lichts!", jammerte Paige sofort drauf los.
„Gib ihm eine Chance!", lachten Phoebe und Helena gleichzeitig. Die beiden zwinkerten sich zu und fingen sich daher verwirrte Blicke ein. „Glaub uns, es hilft!"
„Aller Anfang ist immer schwer Paige, merk dir das. Außerdem hat dein Vater oft versucht sich zu melden. Glaubst du unserer ist besser? Victor ist damals einfach abgehauen", stellte Piper fest.
„Aber nur, weil Grandma in verscheucht hat! Sie war der Meinung, dass er uns nicht beschützen kann!", verteidigte die junge Halliwell Victor.
„Woher willst du das den wissen! Du warst zu jung um dich daran zu erinnert! Du warst da überhaupt noch nicht auf der Welt!", giftete Piper sie an. Helena zuckte zurück. Was hatte die Älteste den plötzlich. „Du und Prue, ihr habt ihn gehasst und wart unfreundlich zu ihm, als er damals plötzlich auftauchte. Und jetzt verteidigst du ihn? Außerdem war er immer total nett zu dir!" Ach daher wehte der Wind. Piper war sauer, weil Victor ihr genauso Geschenke geschickt hatte wie ihr.
„Na und? Ich habe erkannt, dass es ein Fehler war und außerdem habe ich mit Grandma darüber geredet! Ich möchte nicht mit dir streiten Piper!", murmelte das Mädchen und zog die Beine an. Sie hatte sich so gefreut ihre Schwestern wieder zu sehen und nun stritt sie nur wieder mit ihrer ältesten. Eine Träne lief ihr aus den Augen.
„Es tut mir leid. Ich wollte nicht fies zu dir sein", gab Piper zu. Leo seufzte und sah seine Frau an.
Severus hatte nur still zugehört. Anscheinend herrschten zwischen den Schwestern immer wieder Spannungen. „Helena möchtest du deinen Schwestern nicht dein Zimmer zeigen?" Das würde sie ablenken.
Das Kind sprang auf. „Okay, wer mag mitkommen?" Phoebe und Paige erhoben sich. Piper blieb bei den Männern sitzen. „Ich bin sicher, dass es schön ist, aber ich möchte gleich die Gelegenheit nutzen um mit Severus zu reden." Die drei jüngeren Schwestern machten sich auf zu Helenas Zimmer.
Severus hob die Braue. „Und über was willst du reden?" Es war ziemlich eigenartig, mit jemanden per du zu sein, denn man kaum kannte. Doch er würde es seiner Tochter zu liebe tun.
„Phoebe hat mir gesagt, dass sie schon mit dir gesprochen hatte und ich hoffe dass sie nicht ganz so aufbrausend war wie sie es sonst immer ist. Den Dämon, der Helena vergiftet hatte, hat Cole ja schon vernichtet. Aber es gibt ein Problem. Er hat in der Unterwelt verbreitet, wo sie ist. Seit Prue getötet wurde, haben die Dämonen neue Hoffnung geschöpft, dass wir doch leichter zu vernichten sind, als vermutet. Daher wollen sie sich auf die Jüngste konzentrieren, weil sie sie für das schwächste Glied in der Kette halten. Ich habe große Angst um sie", schloss Piper ihren kleinen Vortrag ab. Sie wirkte mehr wie eine besorgte Mutter, als wie eine Schwester.
Der Tränkemeister hat aufmerksam zugehört. Es klang nicht besonders erfreulich. Seine Helena war in Gefahr. Schon wieder. Er würde noch mehr auf sie Acht geben müssen. „Und hast du einen konkreten Vorschlag wie wir sie am besten schützen können?"
„Leo hat von den Ältesten einen Beam-Block-Zauber bekommen. Den könnte man über Hogwarts legen, dann kann sie nicht wieder irgendwo hin verschwinden. Man kann den Zauber genau auf sie auslegen, somit kann Leo immer noch Notfalls zu ihr kommen. Außerdem sollte jemand mit Gideon über die Dämonenjägersache reden. Das ist einfach zu gefährlich!" Der Meinung war auch Severus er nickte. Dem Mädchen dürfte es nicht gefallen, nicht mehr einfach so verschwinden zu können, aber es war zu ihrer Sicherheit.
„Ich werde weiterhin in der Unterwelt Informationen sammeln. Wenn du möchtest kann auch dir die Resultate zukommen lassen", bot Cole dem Schwarzhaarigen an. Dieser nickte. Es erstaunte ihn irgendwie nicht, dass dieser Cole anscheinend eine Spionposition inne hatte. Wie es aussah hatte ihn die Liebe zu der mittleren Schwester die Seite wechseln lassen. Was Liebe so alles anrichtete.
Er selbst war zum Spion geworden. Nur durch seine jugendliche Dummheit war Lily getötet worden. Wenn er doch damals bloß nicht gelauscht hätte und es dann auch nicht dem dunklen Lord berichtet hätte, würde sie noch leben. Es versetzte ihm einen Stich. Doch er riss sich zusammen und gab sich nach außen hin wie immer kühl.
Die Halliwells blieben noch zum Abendessen. Ohne ein Wort ihres Vaters deckte die Jüngste den Tisch und half Elly die Speisen aufzutragen. Die Hauselfe lächelte das hilfsbereite Kind an.
Während dem Essen wurde Leo plötzlich von den Ältesten gerufen, daher verabschiedete er sich und verschwand.
Helena seufzte plötzlich. Besorgt sah Phoebe sie an. „Was hast du denn? Liebeskummer oder so?" Die Kleine wurde rot und schüttelte den Kopf.
„Nein, ich denke nur gerade an zwei meiner Freunde, die jetzt ganz alleine in Hogwarts sind und Weihnachten dort verbringen müssen." Ihr Dad rollte mit den Augen. Warum dachte sie an diese Jungen?
„Lass mich raten, es sind zwei Jungs. Spaß beiseite. Du könntest sie ja einladen. Wir haben Platz genug in Halliwell Manor!", meinte Piper. Wollte sie so den Streit wieder gut machen? Wenn ja, dann war es ihr gelungen. Helena sprang auf und umarmte ihre Schwester.
Nun seufzte Severus und hob die Braue. Weihnachten wurde ja immer schöner. Warum musste seine Tochter genau mit Potter befreundet sein? Die Welt war gegen ihn, das war die einzige Erklärung dafür. Er rieb sich die Schläfen.
„Sieh mal, dein Dad scheint gar nicht erfreut zu sein, wenn du dich mit so vielen Jungs abgibst. Da kann er nur hoffen, dass du nicht so wirst wie ich!", lachte Phoebe und sah zu Cole. Dieser küsste sie plötzlich stürmisch und Helena grinste. Severus war inzwischen ein wenig bleich geworden. Das Kind war erst 11, aber anscheinend musste er schon jetzt auf ihren männlichen Umgang achten. Wieder einmal fragte er sich, warum er unbedingt ein Mädchen gezeugt haben musste.
„Dad, hast du Mum auch mal so geküsst?", fragte das Kind plötzlich. Er verschluckte sich an seinem Kürbissaft, den er gerade trinken wollte. Die Schwestern lachten. Argwöhnisch sah er sie an. Toll, wenn man ausgelacht wurde, dachte er zynisch.
„Schätzchen! Das fragt man doch nicht. Ich frag dich doch auch nicht, wie viele Freunde du schon hattest, oder?", lächelte Phoebe. Helena sah sie groß an.
„Musst du ja nicht. Ich hab dir immer alles sofort erzählt!", rechtfertigte sie sich. Das stimmte. Sie hatte einmal so etwas wie einen Freund gehabt, aber davon wusste nur Phoebe. Das wurde ihr erst klar nachdem sie es aber schon ausgeplappert hatte.
„Und wir wissen es nicht? Das finde ich ungerecht! Komm schon, wer war es?" Piper und Paige verschränkten beleidigt die Arme. Langsam wurde die Bevorzugung immer deutlicher. Wieso sich Helena nur mit Phoebe so abgab?
„Das geht euch nichts an!" Frech streckte sie den beiden die Zunge raus und lachte. Doch als ihr Vater sich räusperte, gefror ihr Lächeln. Doch ihre Schwester musterten sie immer noch interessiert. Sie wollten es um alles in der Welt wissen.
„Gut, wenn du es nicht sagst, dann müssen deine Freunde auch nicht zu Weihnachten kommen", begann Piper ganz beiläufig. Helena sah sie säuerlich an.
„Du bist unfair und schrecklicher als jede Mutter der Welt! Nur damit du es weißt! Sein Name war Eduard!" Piper verzog das Gesicht zu einem schelmischen Grinsen.
„Gut zu wissen. Ich denke, wir sollten langsam gehen. Immerhin sehen wir uns ja in 2 Tagen sowieso wieder. Schreib den beiden, dass Leo sie abholt." Damit erhoben sich die Halliwell vom Tisch.
„Wir sind euch zu Dank verpflichtet für diesen tollen Nachmittag. Bis bald!", flötete Phoebe und schmiegte sich an Cole. Dieser zwinkerte Helena noch einmal zu und verschwand dann mit seiner Freundin. Auch die anderen beiden Schwestern verabschiedeten sich und verschwanden dann.
Nachdem Helena nun endlich im Bett lag, goss Severus sich ein Glas Cognac ein. Das musste jetzt einfach sein, nach so einem harten Tag. Was man mit so einem Kind alles mitmachen musste. Weihnachten mit einem Potter feiern.
Außerdem hatte er nun keine ruhige Minute mehr, da er wusste, dass sie in großer Gefahr schwebte. Jeden Moment könnte ein Dämon auftauchen und versuchen sie zu töten. Er kippte ein weiteres Glas und kam zu dem Schluss, dass er den Schutzzauber verstärken musste. Es lag zwar bereits einer über den Grundstuck, aber der würde nicht ausreichen. Er trug Elly auf, einstweilen auf das Kind zu achten, währen er das Grundstück abging und verschiedene Zauber anwendete.
Er würde nicht zulassen, dass seinem Kind etwas passierte. Beinahe lachte er selbst über diesen Gedanken. Vor 5 Monaten noch war sein einziges Problem, das Schuljahr halbwegs gut zu durchstehen und den Problemen von Kindern so gut es geht aus dem Weg zu gehen. Zu dieser Zeit war seine Welt noch in Ordnung gewesen.
Doch was war sie jetzt? Sie war nicht zerstört worden. Eher bereichert. Auch wenn er es nie zugeben würde, aber er konnte sich nicht vorstellen, wie die letzten Monate ohne sie verlaufen wären.
Die Worte der mittleren Schwester gingen ihn jedoch noch im Kopf um. Sie hatte bereits einmal einen Freund gehabt. Seine kleine Tochter. Unglaublich. Sie war doch noch ein Kind! Was wenn sie nur wollte, dass Potter kommt, weil sie … . Er schüttelte den Gedanken ab. Severus musste einfach achtgeben auf den Jungen. Er sollte sich zu seiner eigenen Sicherheit von Helena fernhalten.
Inzwischen war er wieder ins Haus getreten. Das gesamte Grundstück war nun gut abgesichert. Da sie schlief konnte er wieder ungestört in den Keller gehen. Dort war nicht nur ein perfekt eingerichtetes Labor, sondern hier konnte er auch ungestört seinen Gedanken nachhängen. Er trat in sein Labor und ging zu dem alten Holztisch, der im hinteren Teil stand. Dort lag eine kleine Schachtel. Ob es ihr gefallen würde? Er hatte bisher niemanden außer Lily Geschenke gekauft und war sich daher nicht sicher.
