Die Installation des Routers hat länger gedauert als gedacht, sry. Aber von jetzt an, wirklich regelmäßiger.

Mir ist beim Schrieben mal wieder die Story weggelaufen, weshalb das Zitat jetzt nicht so ganz passt, aber ihr werdet es hoffentlich überleben ...

Für E.

10. Kapitel

Kalt und Grau

Green is in the mistletoe
And red is in the holly,
Silver in the stars above
That shine on everybody.
Gold is in the candlelight and
Crimson in the embers.
White is in the winter night
That everyone remembers.

Have you heard the bells are ringing,
Ringing out their story?
Have you heard the choir singing?
Glory! Glory! Glory!

White is in the winter night– Enya

Das erste, was Remus spürte als er erwachte, war sein Kopf. Und das ziemlich deutlich. Vorsichtig setzte er sich auf, wobei sich die Welt leicht um ihn drehte. Obwohl er noch nie in seinem jungen Leben mehr als an dem Bier seines Vaters genippt hatte, war er sich ziemlich sicher, das ein Kater sich so anfühlen würde. Das Blut pochte hinter seinen Schläfen und ihm war übel.

Genervt schubste er eine Hand von seiner Schulter und erstarrte mitten in der Bewegung, als ihm klar wurde, wo er war. Oder, vielmehr, wo nicht.

Er lag nicht in seinem Bett im Gryffindor-Turm, sondern zusammengerollt auf einem trockenen Moosbett in etwas, das ihn vage an einen Felsvorsprung erinnerte. Verwundert schüttelte er den Kopf und sah auf seine drei Freunde hinab, die sich neben ihm im Moos zusammengerollt hatten.

Eine vage Erinnerung an hallende schritte und dumpfes Zauberstablicht sickerte in seinem Kopf, aber jedesmal, wenn er versuchte danach zu greifen, verflüchtigten sich die Bilder.

Kopfschüttelnd betrachtete er seine Füße von denen Schuhe und Strümpfe verschwunden waren.

„Sirius!", flüsterte er und stupste den Jungen neben sich an. Sirius drehte sich auf die andere Seite, wobei er gegen James stieß, der daraufhin unwillig „'s is' Sonntag. Lass mich pennen." knurrte.

Remus zog die Nase kraus, wie er es immer tat wenn seine Freunde ihn auf unglaublich penetrante Art und Weise nervten, und stach ihm den Zeigefinger in die Seite.

Zwischen diesem Moment und dem in dem alle vier wach waren vergingen nur wenige Sekunden. Sirius konnte sehr ungemütlich sein wenn man ihn unsanft weckte. Oder wenn man ihn generell weckte.

„Was sollte das bitte?", fragte er, wurde aber rigoros ignoriert.

„Wo sind wir?", fragte Malcom stattdessen. Er hatte seinen typischen Wo-ist-die-Treppenstufe-hin-und-warum-hat-mir-keiner-gesagt-das-sie-weg-ist-Blick aufgesetzt und guckte James erwartungsvoll an, als könne dieser aus Luft, Nebel und Nichtswissen eine Antwort fischen.

„Ähm.", sagte James.

Remus zog eine Augenbraue hoch.

„Gott, woher soll ich das den Wissen!", fauchte James und stand auf. Seine Haare standen noch wirrer als sonst vom Kopf ab, sodass er wie ein irrer Doktor Frankenstein aus einem alten Film aussah.

Remus stand auf und tappte in die Richtung aus der das schummerige Licht kam. Eine Wand aus Schlingpflanzen verbarg den Ausgang der kurzen Höhle wie ein Vorhang. Remus schob den Vorhang zur Seite und trat einige Schritte ins Freie. Sie befanden sich auf der Seite des Felsens, der sich in den Wald erstreckte, dem Eingangsportal entgegengesetzt. Wenn er den Kopf in den Nacken legte, konnte er die oberen Stockwerke der Türme sehen.

„Kommt mal her!", rief er zu den anderen hinein. „Wenn wir hier entlanggehen, können wir den Weg hinter den Gewächshäusern nehmen und durch die Nordpforte rein." Er wies seinen Freunden die Richtung. „So müssen wir nicht um den ganzen See laufen, nur um dann Filch zu begegnen."

Da niemand etwas einzuwenden hatte, machten sie sich auf den Weg.

„Hat irgendeiner von euch eine Ahnung, wie wir in dahin gekommen sind?", fragte James.

Sie sahen zurück. Hinter den Schlingpflanzen und im Dämmerlicht des Waldes ließ nichts darauf schließen, das sich hier eine halbrunde Höhle verbarg. Es sah eher so aus als ob der Fels nahtlos in die Erde überginge.

„Wir waren in den Archiven -", sagte Malcom.

„ - Sind einem absolut creepigen Gang in den Fels gefolgt -", sagte Sirius.

„ - sind in eine noch viel creepigere Höhle gekommen - ", sagte James.

„ - und in einem Felsvorsprung aufgewacht, den man nur von innen finden kann – wo auch immer dieses Drinnen ist.", vollendete Remus die Aufzählung. „Wenn das hier in einem Roman stände würde ich es nicht glauben. Seltsamer wird's nicht mehr"

„Doch. Sirius hat gruselig gekichert.", sagte James

„Ich? Wo?"

„In der Höhle."

„Nein! Das war Malc'"

„Nein, das warst du!"

„Ganz bestimmt nicht! Ich kichere nicht, und schon gar nicht gruselig."

„Aber ich war es nicht. Jedenfalls kann ich mich nicht mehr daran erinnern.", sagte Malcom, aber niemand hörte ihm zu.

„Du hast gekichert. Ich hab's doch gehört."

„Aber ich war es nicht."

„Ich will jetzt nicht blöd klingen, aber könnte nicht auch wer anderes gekichert haben?", fragte Malcom.

Die anderen drei schwiegen.

„Musst du über sowas nachdenken, wenn wir gerade durch den verbotenen Wald stapfen?"

„Warum nicht, es ist doch eine logische Schlussfolgerung."

„Es ist gruselig."

„Nein, nur logisch. Wenn es keiner von uns war muss es jemand anderes gewesen sein."

„Jemand, der mit uns in einer geheimen Höhle war an die wir uns nicht erinnern können und uns da beobachtet hat, Nachts, in einem Geheimgang, unter dem Schloss. Und da rumgekichert hat."

„Das ist gruselig."

„Natürlich ist es das. Depp."

Malcom schmollte.

Schweigend legten sie den Rest des Weges um das Schloss und einen schmalen und zugegebenermaßen recht steilen Pfad an der Rückseite hinauf, zurück.

Die alte Pforte hinter den Gewächshäusern gab ihnen quietschend den Weg frei und die vier huschten ins Schloss, ohne das jemand ihre Abwesenheit bemerkt hätte.

xXx

Die letzten eineinhalb Monate vor den Ferien vergingen wie im Flug. Mrs Greenwild kommandierte James zum Nachsitzen ab, weil er versehentlich ihren Stuhl verhext hatte, und Sirius, einfach weil sie es konnte.

Während sich der Rest der Schülerschaft auf ein gemütliches Weihnachtsfest vorbereitete, wurden die Rumtreiber mit jedem Tag den die Ferien näher rückten ein bisschen stiller. Remus hatte seit seinem mehr oder weniger freiwilligen Spaziergang ohne Schuhe eine Erkältung, die sich im laufe der Zeit zu einer fiesen Lungenentzündung entwickelte und ihn über eine Woche in den Krankenflügel verbannte. Aber auch als er wiederkam war er noch blass und fiebrig. Malcom schlich mit eingezogenem Kopf durch das Schloss und starrte lange Zeit gedankenverloren in die Ferne, als ob er etwas sehr Schweres mit sich herumtrug und nicht selten kam es vor, das er erst reagierte, wenn man ihn das dritte oder vierte Mal etwas fragte. Sirius wurde muffnasig und griesgrämig und schnappte nach jedem, der es wagte einen Witz in seiner nähe zu machen, während er sich grummelig in seinen Bettdecken einwickelte und seine Hausaufgaben vernachlässigte.

Und James stand ganz alleine da und versuchte zu entschlüsseln, warum seine Freunde mit nichts und niemandem etwas zu tun haben wollten. Aber er kam einfach nicht dahinter.

xXx

Etwa zwei Wochen vor den Ferien saß Remus ganz alleine an einem der Tische im hinteren Teil der Bibliothek. Gut versteckt zwischen einem beängstigend hohen Stapel vergessener Folianten und einem Kerzenständer, an dem so viel Wachs heruntergelaufen war das er praktisch non-existent war, hatte er seine Nase in einem Verwandlungsbuch vergraben.

Das nächste Fenster war am anderen Ende des Ganges, und das Tischchen stand in einer keinen Nische, sodass es relativ dunkel um ihn war. In der Nähe kratzte eine Feder über Pergament und in einiger Entfernung unterhielten sich ein paar Sechstklässler über ein gewisses Mädchen.

Remus nieste und setzte sich bequemer hin.

Die Sechstklässler wurden immer leiser, als sie sich in den vorderen Teil der Bibliothek begaben.

Milly Clue stellte ein Buch in der Nähe zurück und ging an Remus Nische vorbei. Er sah auf und seine Ohren färbten sich rosa als sie ihm zulächelte. Sie war ziemlich hübsch, viel ihm auf. Sie verschwand hinter der nächsten Ecke außer Sicht.

Das Kratzen der Feder stoppte, ein Stuhl wurde zurückgeschoben, Pergament raschelte, dann entfernte sich wer auch immer einen Gang weiter gesessen hatte.

Und Remus wurde sich schlagartig bewusst, das er alleine war. Nicht alleine wie wenn man alleine in einem belebten Laden stöberte, sondern alleine, wie man es war wenn man in dunkler Nacht eine enge Gasse hinuntergehen muss. Oder eben verlassen in einer großen Bibliothek sitzt. Unbehaglich alleine.

Es sollte ihm keine Angst machen, mitten an einem sonnigen, wenn auch windigen Nachmittag in der Bibliothek zu sein. Er war zwölf Jahre alt, er war nicht auf den Kopf gefallen, und er wusste das er hier keine Angst haben sollte. Das seltsames Gefühl war aber trotzdem da.

Er erschauderte und versuchte sich wieder auf das Buch zu konzentrieren.

Die Kerze flackerte träge, dann ertrank sie in ihrem eigenen Wachs. Remus seufzte und suchte in seiner Tasche nach einer Neuen. Kopfschüttelnd steckte er die Kerze auf den Halter und sie erwachte zischend zum Leben.

Er drehte sich um und zuckte zusammen.

„Sirius!", sagte er verwundert. „Du hast mich erschreckt."

Der größere Junge hatte den Kopf schief gelegt und beobachtet ihn interessiert. Irgendetwas war falsch an dem Bild, aber Remus wusste nicht was.

„Ist was?", fragte Remus und rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Das Gefühl der Einsamkeit wurde durch Sirius nicht gemildert, sie bestärkte es nur. Im Raum war es plötzlich seltsam kalt.

Sirius machte einen Schritt auf ihn zu und Remus sprang auf. Der Stuhl polterte zu Boden.

„Alles in Ordnung?", versuchte er es erneut. Verunsichert wich er zurück, aber hinter seinem Rücken war ein weiteres Bücherregal. Die Kerze zischte. Die Kerze sollte aber nicht zischen können, sie sollte auch nicht ausgehen können, sie war verzaubert. Remus war sich sicher, so absurd es doch war, wenn die Kerze jetzt ausging würde er in Panik geraten.

„Nein.", sagte Sirius. Seine Stimme klang rau.

Die Kerze blieb an.

„Wie?", krächzte Remus mit erstickter Stimme. Warum hatte er nur solche Angst?

Das Licht der Kerze spiegelte sich in Sirius' Augen und ließ sie schwarz erscheinen.

„Nein, es ist nicht alles in Ordnung.", sagte er. Und machte noch einen Schritt auf Remus zu. „Ich will wissen, warum du lügst, Remus."

„I-ich lüge doch gar nicht.", stotterte der Kleinere. Sirius war ihm jetzt so nah, das sie sich fast berührten. Remus presste sich fester gegen die Wand.

Sirius beugte sich vor bis seine Lippen direkt neben Remus' Ohr waren. „Ich weiß, wer du bist. Ich weiß, wer du wirklich bist. Ich. Weiß. Es."

Auf jeden Außenstehenden hätte die Situation absolut lächerlich gewirkt, aber für Remus waren die Sekunden die sie sich reglos gegenüberstanden, die wohl schlimmsten seines Lebens. Er konnte nicht mehr atmen. Etwas drückte schwer gegen seine Brust, in seinem Kopf tobt Panik, in seine Ohren rauschte das Blut. Er schluchzte trocken.

Plötzlich ließ Sirius ihn los – Remus hatte nicht einmal gemerkt das er nach ihm gegriffen hatte – und stürmte davon.

Remus sackte am Bücherregal zusammen und begann haltlos zu weinen.

xXx

Lily warf sich auf ihren Koffer, schlug gleichzeitig auf die Schnallen und stieß einen kleinen Triumphschrei aus, als der Koffer sich endlich schloss. Erschöpft blies sie sich eine vorwitzige Locke aus dem Gesicht und ließ sich auf ihr Bett fallen.

„Uff.", sagte Amy.

„Uff.", äffte Lily sie nach. „Uff, uff! Du hast zwei Koffer. Da passt alles locker rein." Sie lachte.

Aber Amy lachte nicht mit.

„Ist was?", fragte Lily und klaubte ein paar Federn zusammen.

„Nein, eigentlich nicht.", antwortete Amy und seufzte. „Nur … ach nichts."

„Das klingt aber nach einem sehr großen Ach nichts.", widersprach Lily. „Na los, sag's mir. Ich erzähl es auch nicht weiter, großes Indianerehrenwort."

„Nicht?"

„Du weißt doch was ich vom Tratschen halte."

„Aber es ist dumm. Wirklich wirklich dumm.", sagte Amy.

„Jungen sind immer dumm. Ich dachte das wüstest du schon längst."

Amy riss die Augen auf „Du denkst, ich habe Liebeskummer?"

„Was soll den sonst sein? Du rennst seit Tagen rum und seufzt dir die Seele aus dem Leib. Was soll ich den anderes Denken als das es um einen Jungen geht. Aber jetzt bin ich neugierig, also, wenn es keine Jungen sind, was ist es dann."

„Ich hab' doch schon gesagt, es ist dumm."

Lily zog eine Augenbraue hoch. Amy wurde rot.

„Aber du darfts es wirklich niemandem sagen, ja?" Lily nickte. „Weil, weist du, ich glaube ich habe das zweite Gesicht oder so. Guck nicht so, ich hab doch gesagt das es sich dumm anhört!"

Ich hab nichts gesagt, sagte Lily. „Aber wie meinst du das, zweites Gesicht? So wie Hellsehen und Gedankenlesen?"

„Nicht Gedankenlesen, eher Gefühle. Ich weiß was die Leute um mich herum fühlen, auch wenn sie es vielleicht selbst nicht wissen. Ich kann erraten ob sie lügen oder ob sie sich bei etwas sicher sind."

„Cool", sagte Lily. „Also wenn ich dich anlüge oder so, dann weißt du das sofort und wenn ich in jemanden verknallt wäre, und es nicht zugeben wollte -"

„- dann wüsste ich das auch.", vervollständigte Amy den Satz. „Aber das funktioniert nicht nur mit Menschen.

Ich habe in letzter Zeit das Gefühl, das, ich weiß auch nicht, dieser Ort irgendwie anders ist."

„Aber ein Schloss kann nichts fühlen. Es besteht a nur aus einem Haufen Steine."

„Nicht das Schloss an sich, nicht die Steine. Weißt du, ich habe da eine Theorie. Ich glaube, wenn an einem Ort sehr lange sehr viel gezaubert wird, dann wirkt sich das irgendwie auf ihn aus, verstehst du? Als ob die Steine mit jeder Generation ein bisschen Magie aufgesaugt haben und jetzt irgendwie magischer sind als vorher.

Ich meine, das dieser Ort sehr wohl denken kann. Die Treppen und Säulen und Statuen wechseln den Platz. Manchmal zeigt das Schloss und den Weg und manchmal lässt es uns herumirren. Und auch unsere Gedanken hier sind anders. An diesem Ort fällt es einem viel leichter zu glauben, das Magie existiert, als zuhause in unserem Vorgarten. Und als wir in unserem ersten Jahr über den See gefahren sind, wie hat das Schloss da ausgesehen? Irgendwie Imposant, oder? Beeindruckend. Mächtig. Magisch.

Und wenn du ganz alleine hier herumläufst und sehr still bist, dann sind da manchmal Geräusche … so als ob auf der anderen Seite der Wand etwas passieren würde, und du kannst es fast hören."

Amy schwieg und sah Lily halb erwartungsvoll, halb ängstlich an.

„Das klingt ja alles logisch, jedenfalls soweit ich das beurteilen kann, aber was hat das damit zu tun das du durch die Gegend rennst wie drei Tage Regenwetter? Es ist bald Weihnachten, verdammt, da sollte man sich doch freuen."

„In letzter Zeit hat sich etwas verändert."

„Das hast du schon gesagt."

„Ich weiß. Es ist als ob alles gespannt den Atem anhalten würde."

„Gespannt wodrauf?"

„Wenn ich das wüsste."

xXx