Hallo,
da ich in der letzten Woche eine große Familienfeier zu organisieren hatte, ist das Posten hier leider zu kurz gekommen - tausend Mal Entschuldigung an Euch treuen "Sofort-Leserinnen"!
Wieder danke ich herzlich für die Eure lieben Reviews! Ich werde nie müde zu lesen, wie Ihr so über den Fortgang der Story denkt, was Euch besonders gefällt – oder seltsam erscheint ;-) und welche Mutmaßungen Ihr anstellt! Gerne mehr davon *Euch anstrahl*!
Dann also: Einfach nur viel Spaß!
Ann
Vertraust du mir? – Teil 25 –
Am nächsten Morgen lenkte Dean den Impala gegen halb acht Uhr vom Hof des Schrottplatzes. Da es Samstag war, wollte Jonathan Francis sie bereits am Vormittag treffen, und Bobby hatte sich für elf Uhr mit ihm verabredet. Ihnen blieb somit genügend Zeit, die knapp 150 Meilen bis Norfolk in Nebraska hinter sich zu bringen.
Sam saß auf der Rückbank und wirkte sehr müde und blass. Er war sich der besorgten Blicke, die ihm die beiden Älteren bereits den ganzen Morgen über zuwarfen, durchaus bewusst, doch er konnte und wollte nicht über das reden, was ihm Sorgen machte.
-s-s-s-s-
Nach Bobbys Eröffnung am Abend zuvor, als er den heutigen Ausflug ankündigte, hatten ihn beide Winchesters zunächst nur verwundert angestarrt, bis Dean seinen Bruder kurz abschätzend von der Seite angeschaut hatte, bevor er fragte: „Willst du uns mehr darüber erzählen?"
Dies war für seinen sonst wenig feinfühligen Bruder eine ungewöhnliche Frage, die in Sam sofort die Vermutung aufkommen ließ, dass Dean mehr wusste, als er jetzt zugeben wollte. Wenn Bobby tatsächlich jemanden ausfindig gemacht hatte, der Gillian kannte, dann war das sicher nicht ohne das Wissen seines älteren Bruders geschehen. Und mit dieser Erkenntnis stellte sich bei Sam wieder das unangenehme Gefühl ein, von seiner Familie ausgeschlossen zu sein.
Er spürte, wie Bobby ihn eindringlich musterte – und dann übernahm Gillian die Regie.
„Von welcher Freundin sprichst du?" fragte sie, und ihr Tonfall ließ nicht erkennen, wie sie zu der Eröffnung des alten Jägers stand.
„Es ist schon eine Weile her, aber vielleicht erinnerst du dich an sie?" antwortete Bobby ihr ruhig. „Ihr Name ist Madison Francis."
Tatsächlich erhellte kurz ein leises Lächeln Sams Gesichtszüge, als wäre Gillian die Erinnerung an Madison angenehm. Doch es erlosch schnell wieder, und sie fragte weiter: „Wie hast du sie gefunden?"
Damit kam sie so zügig zum heiklen Punkt der Geschichte, dass Dean sich unwillkürlich versteifte. Doch Bobby war auf diese Frage gefasst und erklärte seelenruhig: „Ein Kumpel hat mir von einer verrückten Story erzählt, über die er gelesen hat. Es ging dabei um eine Frau, die behauptete, von einer schottischen Hexe aus dem 16. Jahrhundert besessen zu sein. Da bin ich hellhörig geworden."
Gillian schwieg, um die Informationen zu verarbeiten. Schließlich fragte sie: „Und warum sollten wir Madison besuchen? Es liegt schon so viele Jahre zurück – wer weiß, ob sie sich überhaupt noch an mich erinnert…
„Oh, das tut sie!" erklärte Bobby. „Ihr Sohn Jonathan hat einen Aufruf gestartet. Er sucht Menschen, die dich kennen."
„Warum?" entgegnete die Hexe verwundert.
„Weil sie dich in all den Jahren vermisst hat." Dean entspannte sich merklich. Bobby hatte nicht nur die Situation offensichtlich im Griff – nein, er konnte auch noch mit absolut erfreulichen Nachrichten aufwarten. Gebannt lauschte er, was sein alter Freund weiter berichtete: „Vielleicht erinnerst du dich an Jonathan? Er war damals sieben Jahre alt!"
Gillian nickte mit Sams Kopf, und wieder schien es, dass die Erinnerung angenehm war.
„Ich habe vor einer halben Stunde mit ihm telefoniert. Er ist verzweifelt – Madison ist schwer krank – sie braucht deine Hilfe."
Gillian und auch Dean sahen ihn verwundert an. „Was meinst du damit?" fragte die Hexe schließlich.
„Ich habe ihm gesagt, dass du sie heilen kannst!" erklärte Bobby ruhig.
Gillian schwieg – und nur Sam nahm wahr, wie es in ihr tobte. „Wie konnte er!" begehrte sie ausschließlich für ihn hörbar auf. „Wie konnte er Jonathan solch trügerische Hoffnung schenken?"
„Wieso trügerisch?" fragte Sam und unterdrückte gleichzeitig sein großes Erstaunen über das, was er gerade durch Bobby erfahren hatte. Irgendeinen triftigen Grund hatte der alte Fuchs mit Sicherheit, wenn er Gillian mit Madison konfrontieren wollte. „Wir können ihr doch helfen – so, wie du Dean geholfen hast." fügte er hinzu.
„Nein, das können wir nicht!" erwiderte Gillian erregt.
„Warum?" bohrte Sam nach. „Willst du ihr nicht helfen?"
„Es ist gefährlich!" entgegnete sie verzweifelt. „Du weißt doch, wie schlecht es dir nach der Heilung deines Bruders erging! Es schwächt deinen Körper! Es schwächt dich ungemein!"
„Kannst du mich nicht einfach anschließend kurieren?" fragte Sam nach.
„Das ist genauso wenig möglich, wie sich selbst am Schopfe aus dem See zu ziehen!" erklärte Gillian ungeduldig. „Ich benötige deine körperlichen Kräfte, um zu heilen."
Sam dachte kurz nach. Es klang logisch, was sie sagte. Doch Bobby war die Genesung dieser Madison Francis offenbar wichtig, und deshalb erwiderte er: „Es ist mir egal. Mir geht es ja wieder gut! Wenn sie eine Freundin von dir ist, nehme ich es gerne in Kauf, ein paar Stunden etwas schlapp zu sein."
Erneut schwieg Gillian einen Moment, bevor sie widerwillig zugab: „Ich kann nicht jeden beliebigen Menschen heilen…"
„Das verstehe ich nicht..!" erwiderte Sam und runzelte unwillkürlich die Stirn – er schien wieder Gewalt über seinen Körper zu haben. „Sam?" hörte er die fragende Stimme seines Bruders, doch er hob kurz die Hand, um ihn um Geduld zu bitten.
„Ich kann nur die Menschen heilen, um derentwillen meine Wirte mich riefen. Dadurch bin ich ihnen verbunden!" erklärte Gillian betrübt, und in Sam dämmerte eine Ahnung. Er dachte an den Satz, der ihm unverhofft am frühen Abend durch den Kopf geschossen war, und deshalb erwiderte er argwöhnisch: „Du musst diese Menschen heilen – ist es nicht so? Dadurch, dass ich dich um Deans Willen gerufen habe, bist du für sein Wohl verantwortlich!" Und als sie wiederum schwieg, verlangte er unnachgiebig: „Antworte mir!"
„Dem ist so…" flüsterte sie.
„Hättest du Dean sonst sterben lassen?" Gillian spürte deutlich die Wut, die sich hinter diesem Satz verbarg. Trotzdem nahm sie sich Zeit, bevor sie antwortete, denn sie wollte, dass Sam von der Aufrichtigkeit ihrer Worte überzeugt war: „Ich mag ihn nicht allzu sehr, und ich weiß, er hasst mich. Aber ich weiß auch, was du für ihn empfindest, und ich habe gesehen, was er bereit ist für dich zu tun. Das hat mich tief beeindruckt. Deshalb: Nein, Samuel – ich hätte ihn auf jeden Fall gerettet."
Sam atmete einmal tief durch – und entschloss sich, ihr zu glauben.
„In Ordnung." erwiderte er deshalb ruhiger. „Aber wir sind uns noch nicht einig geworden, was wir mit Madison tun!"
„Ich kann nicht!" wiederholte Gillian ihre Worte, doch es fehlte ihnen an Kraft.
„Lass es uns doch wenigstens versuchen!" schlug Sam beharrlich vor. „Schließlich war auch sie einmal mit dir verbunden. Und es wird uns schon nicht umbringen!" Bei dem letzten Gedanken huschte ein Lächeln über sein Gesicht, und wieder hörte er die Stimme seines Bruders, der nun ungeduldig seine Aufmerksamkeit forderte: „Sam – was habt ihr so lange zu bequatschen?"
„Gillian ist einverstanden, dass wir Madison besuchen." entschied er kurzerhand. „Allerdings ist sie sich nicht sicher, ob sie ihr tatsächlich helfen kann." fasste er das Zwiegespräch zusammen.
„Und dafür habt ihr so lange gebraucht?" hakte Dean misstrauisch nach. Da Sam nicht die geringste Lust hatte, ihm auf die Nase zu binden, dass Gillian ihn nicht unbedingt freiwillig geheilt hatte, nickte er nur knapp und sah Bobby an, als wollte er in dessen Gedanken dringen um herauszufinden, was sein Freund im Schilde führte.
Doch der alte Jäger lächelte ihn nur an und entgegnete: „Ich bin froh, dass Gillian und du helfen wollt!" Sam nickte und ignorierte den unwilligen Blick seines Bruders. Dean gefiel es nicht, bei einer solchen Entscheidung übergangen und mit so wenig Informationen abgespeist zu werden. Doch Bobby warf ihm einen vielsagenden Blick zu, mit dem er den Jüngeren bat, sich zurückzuhalten und erklärte schließlich: „Wir sind morgen um elf Uhr mit Jonathan in Norfolk/ Nebraska verabredet. Das heißt, wir müssen relativ früh aus den Federn! Deshalb gehe ich jetzt ins Bett – und ihr solltet es auch nicht zu spät werden lassen!"
„Ist okay, Bobby! " erwiderte Sam und griff nach der Fernbedienung, während er dem Freund noch ein „Gute Nacht!" hinterherrief. Dean sah ihn ungläubig von der Seite an, meinte dann jedoch nur: „Warte noch einen Moment – ich muss mal wohin." und folgte Bobby aus dem Wohnzimmer.
„Nein – wir werden ihm nicht folgen." erklärte Sam mit ruhiger Festigkeit, als Gillian versuchte, seinen Körper zu bewegen.
„Ich fühle mich schwach!" entgegnete Gillian unzufrieden. „Du musst Nahrung zu dir nehmen!"
„Ich kann so spät am Abend nichts essen – das bekommt meinem Körper nicht!" erwiderte Sam mit einer Prise Sarkasmus, indem er fast ihre Worte benutzte.
„Nun gut!" entschied Gillian nach einer kurzen Bedenkzeit, und für Sams Ohren klang die Spur einer Drohung mit. „Aber wenn du in der Tat gewillt bist, Madison zu heilen, so benötigen wir jede Menge Kraftreserven! Du wirst nicht umhin kommen, nahrhafte Speise zu dir zu nehmen!"
„Morgen!" erwiderte Sam entschlossen und blickte zur Tür, durch die Dean gerade wieder eintrat. Der Ältere wirkte nicht sonderlich glücklich, aber auch nicht mehr so unzufrieden wie noch vor wenigen Minuten.
Er setzte sich wieder neben seinem jüngeren Bruder auf die Couch, suchte die letzten Nachos-Krümel in der Schüssel zusammen und erklärte: „Ich schlage vor, dass wir den Film zu Ende schauen und uns dann aufs Ohr hauen."
„Einverstanden!" erwiderte Sam und bemerkte mit einem gewissen Behagen, wie Gillian sich zurückzog, als er den Wiedergabeknopf an der Fernbedienung betätigte. Offenbar stand sie tatsächlich nicht sehr auf Horrorfilme…
…was sie ihm zwei Stunden später unmissverständlich klar machte.
Dean schlief längst, wie Sam den ruhigen und gleichmäßigen Atemzügen seines Bruders entnehmen konnte. Doch ihm ließ die Hexe keine Ruhe. Sie war tief besorgt über ihr Vorhaben am nächsten Tag, fürchtete sich vor der langen Fahrt und gab zu bedenken, was unterwegs alles geschehen könnte. Sams genervte Versicherung, dass sowohl Dean als auch Bobby bei ihnen sein würden – und dass sie schließlich auch heute hatte sehen können, wie er selbst in der Lage war, auf sich aufzupassen, brachte sie nur kurz zum Verstummen.
Schließlich begann sie Mutmaßungen darüber anzustellen, warum Bobby über Mrs. Francis nachgeforscht hatte und traf dabei gefährlich häufig Sams eigene Gedanken, die sich darum drehten, ob sein alter Freund und sein Bruder eine Möglichkeit gefunden hatten, ihn mit Madisons Hilfe von Gillian zu befreien. Gleichzeitig schwanden die Kräfte des jüngeren Winchesters immer mehr, die seine Gedanken vor Gillian abschirmten.
Es war weit nach drei Uhr in der Nacht, als er sie völlig zermürbt anflehte, ihn zur Ruhe kommen zu lassen. Und ob sie nun Mitleid mit ihm hatte oder selbst inzwischen erschöpft war – sie schwieg endlich.
Trotzdem brauchte Sam noch eine ganze Weile, bis er endlich einschlief – um nur gefühlte Minuten später erbarmungslos von seiner Armbanduhr geweckt zu werden. Völlig gerädert öffnete er die Augen – und sah zu seiner Verwunderung seinen Bruder, der bereits angezogen bequem in dem kleinen Sessel saß und ihn beobachtete. Dieser Anblick war so ungewöhnlich, dass Sam sofort hochfuhr und hastig fragte: „Was ist los?"
Dean sah ihn einen Moment lang nur an, wobei nur die leicht zusammengekniffenen Augen zeigten, dass er nicht so entspannt war, wie er sich gab. Schließlich erwiderte er ziemlich zusammenhanglos: „Ich bin seit einer Stunde wach."
Zumindest schien keine akute Gefahr zu drohen, so dass Sam sich halbwegs beruhigt gegen den Kopfteil des Bettes sinken ließ und nicht sehr freundlich erwiderte: „Und deshalb sitzt du hier und starrst mich an?"
Dean schüttelte langsam den Kopf und antwortete: „Ich frage mich nur, was Gillian mit dir anstellt, während du schläfst." Der Jüngere blickte ihn ehrlich verwundert an, so dass Dean hinzufügte: „Ich bin vor einer Stunde aufgewacht, weil du…sagen wir mal, sehr unruhig geträumt hast!"
Sams Stirn runzelte sich, als er überlegte, wovon sein Bruder sprach. Er hatte geschlafen wie ein Stein…oder? Allerdings fühlte er sich in keiner Weise ausgeruht – eher das Gegenteil war der Fall. Und nun fiel ihm auch wieder ein, warum er den Wecker gestellt hatte: Sie wollten nach Nebraska, um Madison Francis zu treffen. Unbehagen breitete sich in ihm aus, und er ließ sich leise stöhnend in sein Kissen zurücksinken.
„Ich fühle mich auch nicht sehr gut!" gab er schließlich zu. Dean wartete schweigend, bis er fortfuhr: „Ich weiß nicht, ob das eine so gute Idee ist, heute nach Nebraska zu fahren. Vielleicht sollten wir es verschieben?" dabei sah er zu Dean hinüber – und dessen Gesichtsausdruck ließ ihn schaudern, ohne dass er genau sagen konnte, warum.
Doch nur wenige Sekunden später hatte der Ältere sich wieder im Griff und entgegnete mit ruhiger Stimme: „Glaub mir: Heute ist genau der richtige Tag für Nebraska!" Damit stand er auf, griff sich Sams Kleider, die über der Kommode hingen, warf sie dem Jüngeren zu und erklärte beherrscht: „Zieh dich an. Bobby und ich warten unten mit dem Frühstück auf dich!" Danach verschwand er ohne ein weiteres Wort durch die Tür und ließ einen ziemlich verwirrten Sam zurück.
„Was hatte die Worte deines Bruders zu bedeuten?" fragte Gillian. Bildete er es sich nur ein – oder schwang eine Spur Nervosität in ihnen mit?
„Ich weiß es nicht!" erwiderte Sam laut, fügte jedoch misstrauisch hinzu: „Oder hast du vielleicht eine Ahnung, was er wollte?"
„Selbstverständlich nicht!" entgegnete Gillian rasch. „Aber vielleicht hast du recht – vielleicht solltest du dich heute schonen, statt nach Nebraska zu fahren!"
In Sam summte eine leise Alarmglocke: Warum schlug Gillian das vor?
Doch er wusste, wessen Urteil er im Zweifel eher vertrauen konnte. Deshalb erwiderte er: „Schon gut. Ich kann mich während der Fahrt ausruhen. Und vielleicht sind wir ja am Nachmittag bereits wieder zurück."
Gillian schwieg für einen Moment, bevor sie erwiderte: „Wir werden nach dem Frühstück weiterreden."
-s-s-s-s-
Und nun saß Sam bereits seit über einer Stunde auf der Rückbank des Impala und versuchte, zur Ruhe zu kommen. Doch obwohl Gillian ihre besorgten Kommentare seit einer geraumen Weile eingestellt hatte, kreisten seine Gedanken weiter um ihre Vermutungen. Was würde sie in Norfolk erwarten? Bobby und Dean erschien es jedenfalls wichtig, dass sie Madison trafen und zumindest versuchten, sie zu heilen. Und er vertraute den beiden älteren Jägern – egal, welche Argumente Gillian auch vorbrachte. Er würde sein Bestes tun.
Sie waren seit Salem südwärts auf dem Highway 81 unterwegs und hatten die Grenze nach Nebraska bei Yankton passiert, als Dean seinen Wagen auf einen Rastplatz lenkte und vor einem Diner anhielt.
„Zeit für ein ordentliches Frühstück!" verkündete er. „Irgendwelche besonderen Wünsche?" Damit drehte er sich zu seinen Fahrgästen um.
„Für mich nur einen Kaffee." erwiderte Bobby.
„Frühstück?" fragte Sam nur und versuchte, seinen knurrenden Magen zu ignorieren, als er hinzufügte: „Ich hatte doch schon Marmeladentoast." Dean sah ihn an. Wieder stand dieser seltsame Ausdruck in seinen Augen, der dem Jüngeren Unbehagen bereitete, als er entgegnete: „Solltet ihr zwei in der Lage sein, Madison zu helfen, wirst du alle Energie brauchen, die du kriegen kannst."
„In Ordnung." stimmte Sam zu, zumal Gillian keine Einwände erhob, und wollte aus dem Wagen steigen. Doch die Tür ließ sich nicht öffnen.
„Ich komme nicht raus!" erklärte er verwundert, als er sah, wie Bobby und Dean einen kurzen Blick tauschten. „Dein Bruder wird sich ums Essen kümmern, während wir zwei hier warten." entgegnete Bobby ruhig.
Dean mied seinen fassungslosen Blick und stieg aus, so dass der Jüngste seinen Unmut an dem alten Freund ausließ: „Was soll das? Sperrt ihr mich hier etwa ein? Verdammt – Bobby!"
Der so Angesprochene seufzte einmal tief durch und antwortete dann, ohne Sams Blick auszuweichen: „Wir sind nicht sicher, wie ernst es Gillian mit ihrer Behauptung ist, sie sei bereit zu helfen." Sams Gehirn arbeitete auf Hochtouren. „Deshalb bekomme ich auch erst jetzt Frühstück…" meinte er schließlich zynisch. Und Bobby nickte nur.
„Sie wollen dich nur benutzen!" raunte Gillian ihm auf einmal zu. Wütend entgegnete er: „Das ist völliger Blödsinn! Der Grund für das Theater hier bist du! Sie misstrauen dir! Was ist verdammt noch mal heute Nacht passiert?" die letzte Frage galt sowohl Gillian als auch Bobby, doch nur letzterer antwortete: „Du hast im Schlaf geredet. Und für Dean klang es wie ein Gespräch mit Gillian, bei dem sie dich davon überzeugen wollte, nicht an unserem kleinen Familienausflug teilzunehmen."
Sam war sprachlos. „Stimmt das?" fragte er die Hexe gefährlich ruhig.
„Es ist die Wahrheit." gab sie tatsächlich unumwunden zu und erklärte erregt: „Ich versuche nur, dich und mich zu schützen, denn…" „Hör auf!" unterbrach Sam sie barsch, doch dieses Mal ließ sie sich nicht den Mund verbieten. Stattdessen wurde sie wütend: „Was soll das? Haltet ihr mich für ein geistig minderbemitteltes Wesen? Weshalb sollten deine Gefährten sich für Madisons Wohlergehen interessieren? Sie erhoffen sich Informationen über mich – um uns trennen zu können - um mich zu vernichten! Soll ich dies stillschweigend dulden?"
Sam schwieg betroffen, bevor er wesentlich ruhiger als zuvor und dieses Mal mit lauter Stimme erwiderte: „Niemand will dich vernichten, Gillian! Du weißt selbst, was ich dir schulde! Aber du merkst doch auch, dass mein Leben nicht zu deinen Bedürfnissen passt! Was ist so schlimm daran, wenn Dean und Bobby sich bemühen, eine bessere Lösung für uns beide zu finden?" Bobby sah ihn gespannt an, doch er ignorierte den Freund und konzentrierte sich ausschließlich auf sein Inneres.
Seine Worte waren so aufrichtig, dass Gillians Zorn verrauchte. Nach einer kleinen Weile erwiderte sie nachdenklich: „Ich mag dich, Samuel Winchester. Trotz allem bist du ein guter Mensch – und ich vertraue dir. Ich werde versuchen, euch zu unterstützen." Sam atmete auf. „Doch ich warne dich!" fügte sie plötzlich hinzu, und ihre Stimme hatte dieses Mal eindeutig einen drohenden Beiklang, „Ein Verrat würde dich teuer zu stehen kommen! Denn ich werde dich eher töten, als mich mit Gewalt aus dir entfernen zu lassen!" Und Sam wusste ohne jeden Zweifel, dass dies keine leere Drohung war.
In diesem Moment öffnete sich die Tür neben ihm, Dean steckte seinen Kopf in den Wagen und schob ihm eine Tüte und einen Kaffeebecher entgegen. Als er die angespannten Gesichter seiner zwei Mitreisenden bemerkte, fragte er beunruhigt: „Was ist hier los?"
„Ein kleiner Disput mit Gillian, nehme ich an!" entgegnete Bobby trocken, und Sam fügte lediglich hinzu: „Ich konnte sie überzeugen, mit uns zusammenzuarbeiten, was Madison angeht." Dabei vermied er es, den Älteren direkt anzusehen.
Doch Dean war auch so klar, dass sein jüngerer Bruder ihm etwas verschwieg. Er beschloss, es zunächst auf sich beruhen zu lassen und stieg stattdessen wieder aus dem Fond, um zum Fahrersitz zurückzukehren. Bevor er die hintere Tür schließen konnte, bat Sam betont höflich: „Würdest du bitte die Kindersicherung wieder entriegeln?"
Der Ältere hielt kurz inne, drehte sich dann jedoch wieder um und kam dem Wunsch seines Bruders nach, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.
Während der Jüngere sich dem Inhalt der Tüte widmete – zwei dick mit Schinken, Salat und Ei belegten Sandwiches und einem Doughnut mit Zuckerguss, dazu einen Milchkaffee – lenkte Dean den Impala zurück auf die Straße südwärts nach Norfolk. Sam machte sich mit echtem Heißhunger über das Essen her.
Vierzig Minuten später – um zwanzig vor elf Uhr – bog Dean am südlichen Stadtrand von Norfolk nach links in die Monroe Avenue ein, um eine halbe Meile später erneut Richtung Süden der 5th Avenue zu folgen. Hier standen zwischen hohen, alten Platanen und Kiefern nur noch vereinzelt Häuser, so dass alle drei genau Ausschau halten mussten, um das von Jonathan Francis beschriebene Haus nicht zu übersehen.
Dichte Wolken hatten die Sonne, die sie die meiste Zeit ihrer Fahrt begleitet hatte, hinter sich verborgen, und als sie die Wagentüren öffneten, um auszusteigen, blies ihnen ein unangenehmer Wind entgegen. Beides verbesserte Sams Stimmung keineswegs.
Er ging hinter Bobby auf dem Weg zu der Haustür aus ausgebleichtem Eichenholz, gefolgt von Dean, und hatte nach wie vor das unangenehme Gefühl, die beiden würden jeden seiner Schritte genauestens überwachen – als könne er einen Fluchtversuch wagen, den es zu vereiteln galt.
Er schob diesen Gedanken hastig bei Seite, als Bobby klingelte und kurz darauf ein mittelgroßer Mann mit dünnem Haar und einer randlosen Brille die Tür öffnete.
Kurz starrte er sie alle drei der Reihe nach an, bis sein Blick an Bobby hängen blieb und er sagte: „Robert Singer, vermute ich?" Bobby nickte und streckte ihm die Hand entgegen.
„Und sie sind Jonathan Francis, nehme ich an."
Zur Antwort nickte der Andere nur und öffnete die Tür weit, um sie eintreten zu lassen.
„Wenn sie noch einen kleinen Moment Geduld haben – sie sind etwas früh – ich muss mich noch schnell umziehen – Schuhe, eine andere Hose…" murmelte der Mann und blickte dabei nervös zwischen den Winchester-Brüdern hin und her, und Sam verstand. „Ich bin derjenige, dem Gillian sich im Augenblick anvertraut hat." erklärte er auf die für ihn so typische freundliche Art – und sein Blick verschleierte sich.
„Hallo, Jonathan!" grüßte Gillian leise, „Du bist groß geworden…"
tbc
Tja – schon wieder so viele Worte, und eigentlich wollte ich inhaltlich schon weiter sein…
Aber mir war es wichtig, noch ein paar kleine Fragen zu klären und Sams und Gillians Gemütslage in Worte zu fassen.
Im nächsten Kapitel erfahren wir dann aber ganz bestimmt mehr über Mutter und Sohn Francis…versprochen :-)
Bis dahin Euch allen eine gute Zeit!
GLG
Ann
