Nachspiel

Irgendwann endete die schlaflose Nacht, in der ich mich mehr wach in meinem Bett hin und her geworfen hatte. Die Sonne färbte allmählich den Himmel bläulich und ich war todmüde. Emily und Lauren schliefen noch friedlich. Aber ich wusste, dass ich keinen Schlaf mehr finden würde und so stand ich leise auf und zog mich an. Tiger hob verschlafen den Kopf und fragte leise: „Was machst du denn da? Es ist noch mitten in der Nacht!" Ich sah auf die Uhr; es war 7 Uhr in der Früh. „Ich kann einfach nicht mehr schlafen!", meinte ich müde. „Was ist denn los?", fragte Tiger verwundert. Ich atmete leise aus und antwortete: „Ach gestern ist etwas passiert, also ich meine, ich habe gestern etwas gemacht von dem ich nicht besonders überzeugt bin, dass es gut war. Ich mein es war richtig, aber…" Ich seufzte tief, brach ab und strich mir müde übers Gesicht. Tiger sah mich skeptisch an und miaute: „Ich brauche mehr Informationen!"

Ich seufzte erneut und sah zu den beiden schlafenden Mädchen hinüber und flüsterte: „Nicht hier." Ich gestikulierte ihm mir zu folgen und führte ihn aus dem Turm ins Hauptquartier. Dort setzte ich mich auf einen Sessel. „Also!", Tiger sprang auf den kleinen Kaffeetisch und setzte sich mir gegenüber hin. „Ich habe Prof. Snape von Harrys Pläne erzählt", gestand ich leise. Tiger nickte nur. „Ich weiß nicht, ob das gut war. Ich meine, …ich weiß, es war richtig. Aber ob es gut war? Ich weiß nicht", versuchte ich weiter zu erklären, aber gab seufzend auf. Tiger lächelte wissend und fragte: „Hast du Angst Harry könnte sauer auf dich sein?" „Unter anderem!", antwortete ich. Tiger nickte verständnisvoll. Ich versuchte weiter zu erklären: „Die Sache ist die, Prof. Snape hatte mir versprochen, den anderen nicht zu erzählen von wem er die Informationen hat."

Tiger sah mich fragend an und miaute: „Dann ist doch alles gut!" Ich sah ihn müde an und zuckte mit den Schultern: „Ich weiß nicht. Ich habe das Gefühl, ich sollte es ihnen erklären. Ich mein, ich habe wochenlang versucht, die drei von diesem Abenteuer abzuhalten, aber sie haben nicht zugehört. Nun sind sie meinetwegen in Schwierigkeiten." Tiger schüttelte vehement den Kopf: „Nein, sie sind deinetwegen hoffentlich nicht verletzt. In Schwierigkeiten sind sie, weil sie wiedermal die Regeln gebrochen haben."

Ich stöhnte. Mann, wieso ist das Richtige zu tun, so deprimierend. Tiger hat schon Recht, aber ich habe trotzdem so ein komisches Gefühl. Hätte McGonagall ihnen bloß zugehört und wäre nicht so abrupt gewesen. Ich mein, verstehen kann ich es ja. Aber trotzdem…vielleicht wären die drei dann nie losgegangen. „Du hast schon Recht, Tiger! Aber ich kann einfach nichts gegen dieses dumme Schuldgefühl in meinem Bauch tun", meinte ich niedergeschlagen. Tiger schnurrte leise, sprang auf meinen Schoß, rollte sich zusammen und ich streichelte ihn. Das entspannte mich etwas. Nach ein paar Minuten bemerkte ich, wie meine Lider schwer wurden und ich schlief, Tiger streichelnd, auf dem Sofa ein.

Ich erwachte abrupt, weil jemand ziemlich laut polternd in den Raum gestolpert kam und Tiger purzelte von meinem Schoß, aber landete auf seinen Pfoten. Er sah irritiert nach oben und sprang wieder zurück in meinen Schoß. Neville stand völlig außer Atem im Raum. „Anna, gut du bist hier! Ich hatte so ein Gefühl! Stell dir vor, was passiert ist", sagte er. Ich sah ihn erwartungsvoll an. Neville erklärte völlig außer Atem: „Harry, Ron und Hermine sind gestern Nacht durch die Falltür im 3. Stock." Klar welche sonst? Ich schluckte dann aber schwer.

Moment, war ich zu spät gewesen. Es war gestern doch erst kurz vor zehn. Sind die drei so früh losgelaufen? „Ist ihnen was passiert?", fragte ich ängstlich. „Nein, nein", beschwichtigte Neville mich schnell „Aber da waren viele Hindernisse und jetzt rate mal, wer sie aufgehalten hat?" Ich zuckte mit den Schultern. Neville rief laut aus: „Prof. Snape! Er kam, als Harry sich mit Quirrell duellierte und hat ihn ausgeknockt!" Ich musste auflachen. Neville grinste breit und ich sah ihn fragend an. „Du hattest Recht! Du hast immer gesagt, dass mit Quirrell etwas nicht stimmt." Wer die Zukunft kennt, ist klar im Vorteil. Aber was ist mit Neville? Eigentlich sieht er ganz gut aus. Wurde er nicht eingefroren? „Und du? Bist du ganz in Ordnung?", fragte ich vorsichtig. „Mit mir?", fragte Neville verdutzt. „Mir geht es gut. Ich habe alles verschlafen." Okay…. Anders als im Buch!

Ich lächelte. „Sind sie in Schwierigkeiten?", fragte ich. Neville schüttelte den Kopf und antwortete: „Bevor Snape loswettern konnte, kam wohl Prof. Dumbledore und hat alle vier ins Bett geschickt." Ich musste grinsen: „Vier?" Nevilles Lächeln wurde noch breiter, wir schwiegen kurz und mussten dann laut loslachen. „Ist wirklich niemand verletzt worden?", fragte ich erneut. Neville wirkte nun doch etwas zerknirscht und meinte leise: „Naja, Ron musste in den Krankenflügel, aber Hermine sagte es sei nicht so schlimm." Ich nickte erleichtert. Neville setzte sich auf das Sofa und legte die Beine hoch. „Wenn die uns schon wieder Punkte kosten, werden sie keine schöne Zeit in Gryffindor bis zum Ende des Schuljahres haben."

Ich lächelte schwach. Naja, so lange ist es nicht mehr bis dahin. Und außerdem konnte Snape zwar schlimmeres verhindern, aber Dumbledore wird sehr wahrscheinlich seine schützende Hand über Harry und seine Freunde halten. So wie immer, daran muss man sich gewöhnen. Ob er das auch für die Uniques mal machen wird? Bin ich vielleicht dazu verdammt, zuzusehen wie alles so geschieht, wie es schon geschehen ist? Naja sozusagen… Ich entspannte mich ein wenig und sank in die Kissen zurück. Harry und den anderen beiden ging es gut; Hauspunkte werden sie vermutlich nicht verlieren, sondern gewinnen und Snape konnte sie nicht bestrafen. Meine Schuldgefühle sind weg, aber irgendetwas ist da noch… Wut? Enttäuschung? Ach ich weiß nicht, eigentlich sollte ich froh sein, aber irgendwie bin ich es nicht. Ich glaub ich muss mit Harry sprechen, ein ernstes Gespräch! 17 zu sein ist manchmal anstrengend!

Die Möglichkeit zu einem Gespräch ergab sich erst zwei Tage später, denn offenbar waren die drei doch nicht so straffrei aus der Sache entwischt. Prof. McGonagall verdonnerte sie zu zwei Tagen Nachsitzen mit Filch. Prof. Snape lief aber trotzdem mit so einem grimmigen, finsteren Gesicht herum, dass alle einen riesigen Bogen um ihn herummachten. Ich auch! Zumindest versuchte ich es nach meinem zweiten Nachsitzen. Er ließ mich ein und deutete nur auf meinen Arbeitsplatz. Ich schrieb meinen Aufsatz neu, so wie Snape ihn wollte und braute den Zaubertrank erneut, aber diesmal korrekt. Prof. Snape schwieg die ganze Zeit nur. Als ich mit meinem Trank fertig war, nickte er nur und meinte leise: „Dieses Niveau will ich von nun an wieder bei Ihnen sehen. Sie haben Talent, Miss Hansen und sollten sich in Zukunft lieber Ihren Studien widmen, als arroganten Gryffindors das Leben zu retten. Glauben Sie mir, es gibt genug von der Sorte!" Ich nickte leicht und verabschiedete mich höflich von ihm.

Allerdings in meinem Herzen stimmte ich ihm nicht zu. Es wird nie etwas anderes geben, dass wichtiger ist als ein Menschenleben! So verbittert wie Snape will ich niemals werden. Ich weiß, er hat seine Gründe, aber trotzdem! Er sah mich nach dem Nachsitzen einige Tage später einmal im Gang und nickte mir kurz zu, aber ansonsten sagte und tat er nichts. Tracey, die neben mir lief, bemerkte es trotzdem und fragte mich danach und so erzählte ich ihr und Neville dann alles über mein Nachsitzen mit Snape, über den Stein der Weisen und meinem Versuch, die drei von ihrem Vorhaben abzubringen in unserem Hauptquartier. „Du hast richtig gehandelt. Ich will mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn nicht", meinte Tracey dann nachdenklich. Neville nickte zustimmend.

Am Abend drei Tage nach dem Abenteuer traf ich Harry und Hermine im Gang vor der Bibliothek. „Hallo ihr zwei", sprach ich sie an und die beiden grüßten mich ebenfalls. Ich nickte ernst und sagte dann: „Harry, ich muss mit dir sprechen!" Hermine sprach bevor Harry die Möglichkeit hatte zu antworten: „Wenn es um die Sache mit dem Stein geht, lass es! Prof. McGonagall hat uns schon eine Standpauke gehalten und wir hatten den ganzen Tag Nachsitzen mit Filch. Ron ist gestern erst entlassen worden und muss heute und morgen noch seine Strafe absitzen." Hermine wollte weitergehen, aber ich trat ihr in den Weg. Sie seufzte genervt. „Was möchtest du Anna?" Ich hob eine Augenbraue, Snape-mäßig, hoch und sah sie herausfordernd an. „Mit euch reden!" Manchmal komme ich mir echt fehl am Platz vor. Ich muss mich daran erinnern, dass die beiden erst 11 Jahre alt sind, und nachsichtig sein. Fast erwachsen zu sein und die Zukunft zu kennen, lässt einen die Dinge anders sehen. Ich muss geduldig sein. Aber trotzdem, so einen Blödsinn, habe ich nie gemacht. Abenteuer ja, tödliche Gefahr nein!

Ich öffnete eine Tür zu einem leeren Klassenzimmer und deutete den beiden an reinzugehen. Die beiden sahen sich verwundert an, aber folgten mir in den Raum. Ich schloss die Tür, drehte mich um und sah die beiden dann streng an. „Ich werde nicht wiederholen, was Prof. McGonagall wahrscheinlich bereits gesagt hat, denn es ist mir ziemlich egal, dass ihr die Regeln gebrochen habt etc. pp." Die beiden sahen erstaunt aus. Harry räusperte sich leicht und fragte: „Über was möchtest du dann sprechen?" Ich setzte mich auf einen der leeren und leicht verstaubten Tische im Raum und seufzte: „Darüber, dass ich total sauer auf euch bin!"

Die beiden machten große Augen. „Warum?", fragten sie, wie aus einem Mund. „WARUM?", fragte ich entgeistert und fuhr lauter fort: „Vielleicht, weil ich eine Heidenangst um euch hatte? Vielleicht, weil ihr nicht mal in Betracht gezogen habt, dass ich Recht haben könnte und ihr falsch liegt? Vielleicht, weil ihr euch ohne SINN und VERSTAND und OHNE Plan in TODESGEFAHR gebracht habt? Ihr vertraut den Erwachsenen nicht, aber ihr hättet mir vertrauen können! Harry, was wäre passiert, wenn Prof. Snape nicht gekommen wäre? Hattest du irgendeine Chance gegen QUIRRELL?"

Harry schluckte mühsam und Hermine war leicht rot geworden. „Hör zu, Anna", begann Hermine, aber ich unterbrach sie entschieden: „Nein, Hermine! Eure Erklärungen habe ich mir wochenlang angehört und … Endergebnis: Ich hatte Recht und ihr Unrecht! Wärt ihr dem Stein nicht hinterhergelaufen, wäre er immer noch in Sicherheit! Es war eine Falle für den Dieb! Punkt! Schluss! Aus! Ich hätte beinahe drei meiner engsten Freunde verloren, weil sie dachten sie könnten es mit einem erwachsenen Zauberer aufnehmen!" Jetzt waren die beiden still und sahen auf den Boden.

Ich war allerdings noch nicht fertig mit meiner Ansprache. „Harry, ich dachte du hättest nach der Katastrophe mit Norbert gelernt, dass Erwachsene manchmal wirklich helfen können!", meinte ich leise. „Wir haben versucht Prof. McGonagall Bescheid zu geben, aber sie hat uns nicht zugehört!", versuchte sich Harry zu verteidigen. Ich unterbrach ihn: „Aus dem gleichen Grund, den ich schon versucht habe, euch zu erklären: Der! Stein! War! Sicher! Und selbst wenn Prof. McGonogall euch nicht zugehört hat, was war mit Sprout, Flitwick oder irgendeinem anderen Lehrer. Nur weil einer euch nicht zuhört, gebt ihr gleich auf? Lieber stellt ihr euch einem gefährlichen dunklen Zauberer? Ihr seid ja komplett verrückt!" Ich hatte Tränen in den Augen und flüsterte nun: „Du bist mein Freund Harry und ich hätte dich verlieren können. Verstehst du das denn nicht?!" „Es tut mir leid!", sagte Harry geknickt. „Wirklich es tut mir leid, Anna. Nächstes Mal…naja… denken wir besser nach. Ehrlich!", versprach er. Ich nickte dankbar. Harry sah erleichtert aus und kämmte sich mit der Hand durchs Haar, wodurch es noch mehr zerwühlt wurde.

Hermine entschuldigte sich auch leise: „Es tut mir auch leid, Anna!" Ich nickte und bat: „Bitte, wenn jemals wieder so etwas passiert, denkt an dieses Gespräch. Bitte!" Die beiden nickten, ich sprang vom Tisch und umarmte die beiden. In Harrys Ohr flüsterte ich noch leiser: „Ich bin so froh, dass du lebst!" Harry nickte leicht und umarmte mich kurz fester. Wir trennten uns danach, die zwei liefen zurück in den Gryffindorturm und ich in die Bibliothek. Neville sah von seinen Aufgaben auf und lächelte leicht: „Na Anna, du siehst aus, als ob du Snape begegnet wärst!" Ich lächelte matt und erzählte ihm von meinem Gespräch mit Harry und Hermine. Neville sah nachdenklich aus und flüsterte leise: „Hast du ihnen erzählt, dass du es warst die Snape Bescheid gegeben hat?" Ich schüttelte den Kopf. Neville nickte wissend: „Sie würden es vermutlich falsch verstehen, besser es bleibt ein Geheimnis zwischen den Uniques." Ich stimmte leise zu.

Es vergingen noch fünf ruhige Tage, die die Uniques stundenlang im verborgenen Tal verbrachten, ihre Elementarmagie übten und sich mit den magischen Wesen austauschten. Es würden Wochen vergehen bis wir dieses Tal wieder besuchen könnten. Deswegen nutzten Neville, Tracey und ich jede Gelegenheit, die wir hatten um uns ins verborgene Tal zu schleichen. Im Moment lag Neville zufrieden auf der Wiese am See, während kleine Gartenfeen um ihn herumschwirrten und Blumen wässerten, dabei bespritzten sie auch hin und wieder ihn, was in dieser warmen Jahreszeit niemanden sonderlich störte. Neville wischte sich dann und wann übers Gesicht ohne die Augen zu öffnen. Er hatte ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht und döste friedlich.

Tracey saß neben mir auf dem großen flachen Stein, der leicht über den Rand des Sees hing, und genoss ebenfalls die warmen Sonnenstrahlen. Ich lag auf dem Bauch und sah ins klare Wasser des Sees. Meine Arme baumelten über den Rand des Steines und meine Finger spielten im Wasser. Ab und zu ließ ich kleine Schnüre aus Wasser an meinen Fingern in die Höhe steigen. „Ich werde diesen Ort wirklich vermissen!", flüsterte ich leise. Tracey öffnete ein Auge und schielte leicht zu mir. „Wir sind doch in 2 Monaten wieder hier", meinte sie gähnend. Ich nickte und sagte: „Trotzdem!" Tracey lächelte und sprach: „In der Ruhe liegt die Kraft und nach diesem Schuljahr können wir alle Ruhe gebrauchen. Ich mein, Freunde in anderen Häusern, Goyle und Crabbe, das verborgene Tal, ein Drache und das Beltanefest. Ich mein reicht das nicht? Also ich kann zwei Monate Ruhe gebrauchen. Wer weiß was uns nächstes Jahr erwartet?" Ein verfluchtes Tagebuch, ein freigelassener Basilisk, Versteinerungen und und und… Okay Tracey hat ja Recht. Wir können Ruhe gebrauchen und sollten die Ferien genießen.

Ich nickte ihr zustimmend zu. Tracey sah mich kurz an und lächelte, dann ließ sie sich auf den Rücken sinken und schloss wieder die Augen. Ich sah von ihr zu Neville und mein Blick schweifte dann über das ganze Tal, das wir noch immer nicht komplett erkundet hatten. Es gibt hier noch so viele Geheimnisse, Fragen und Wesen. Ich wünschte trotzdem ich könnte den Sommer komplett hier verbringen. Ich seufzte tief und schüttelte leicht den Kopf. Unmöglich! Außerdem wären Emily und Lauren enttäuscht. Emily hat mich auf das Gestüt ihrer Eltern eingeladen und ich kann es kaum erwarten Gryffin Coast kennenzulernen. Ein magischer Hafen und geflügelte Pferde …. Ist doch auch spannend und aufregend!

Die Einladung kam ursprünglich von Emilys Eltern, die mich an Weihnachten dazu eingeladen hatten, den Sommer bei Ihnen zu verbringen, da sie ja glaubten, dass ich mich mit meinen Verwandten nicht gut verstehe und gerne die Ferien woanders, als bei denen, verbringen würde. Neville hatte auch schon Pläne gemacht um uns hin und wieder zu besuchen. Tracey würde zunächst ihre Ferien in ihrem Manor mit ihrer Schwester verbringen und später mit ihr in die deutschen Lande reisen, in denen ihr Vater im Moment arbeitet. Die Uniques würden demnach erst wieder im neuen Schuljahr zusammenkommen. Allerdings freue ich mich auch darauf wieder intensiv Zeit mit Lauren und Emily zu verbringen. Ich habe sie in den letzten Monaten ja doch recht vernachlässigt. Das war nicht beabsichtigt aber irgendwie habe ich mehr Zeit mit den Uniques und Harry verbracht, als mit irgendwem sonst. Im Ravenclawturm war ich nur zwischen Speerstunde und Schlafenszeit. Neville hatte recht mit seiner Meinung, dass ich viele Bälle jonglieren würde. Mal sehen was mich auf dem Gestüt der Windsors erwarten wird. Bin schon sehr gespannt…

Tiger kam herangelaufen, sprang im Zickzack durch die Wassersäulen, die ich hinaufbeschwor, landete dann zufrieden zwischen Tracey und mir, rollte sich zusammen und schnurrte zufrieden. Ich lächelte, entließ das Wasser wieder, legte mich dann ebenfalls auf den Felsen und genoss die letzten Stunden im magischen Tal, das still und zufrieden in Mitten der Felsenberge lag.

In der Ferne graste eine Herde Einhörner auf einer großen Wiese. Das Fell der Fohlen blitze in der Sonne. Am Wasserfall planschten die magischen Chamäleonotter im Wasser mit den Wassergeistern. Am Himmel kreisten Adler über den Felsen, ein bunter Vogelschwarm flog knapp über den See hinweg und ein paar Feuervögel konnte man in der Ferne erkennen. In den Hügelkämmen wuselten die Blätterkobolde und auf dem Versammlungsplatz, an der magischen Quelle, tanzten die Nymphen um ihren Saphir, der eine lustige, aber ruhige, Melodie spielte. Die Schutzfeen gingen in allen möglichen Ecken des Tales ihren Beschäftigungen nach und ihre Königin Kalita machte mit einem Teil ihrer Berater einen Erkundungsspaziergang durch das Tal.

Ich döste und ließ die Magie durch mich durchfließen, sowie es mir meine Mentorin beigebracht hat. Nur hier fühlt sie sich so lebendig, warm und sicher an. Nirgendwo sonst, auch nicht in Hogwarts. Ob es mal so war?

Nur ein paar Stunden später war es mit der Ruhe und dem Frieden vorbei, als wir alle zurück in Hogwarts waren und getrennt an unseren Haustischen saßen. Wir warteten mit allen anderen Schülern darauf, dass das Abschlussfest begann. Von der Decke hingen Flaggen und Banner in den grünen Slytherinfarben. Naja nicht mehr lange, fürchte ich. Ich besah mir die Dekorationen und lauschte den Gesprächen um mich herum. Lisa würde mit ihren Eltern nach Spanien reisen, die Patils reisten anscheinend nach Indien, Sue nach China und Stephen würde auf jeden Fall das Endspiel der Quidditchliga in Spanien besuchen.

Der Schulleiter erhob sich, begrüßte uns alle, nannte die Hauspunkterangliste, Ravenclaw lag auf dem zweiten Platz, dicht hinter Slytherin. „Zweiter Platz, schade, aber nicht schlecht, oder?", murmelte Stephen neben mir und ich nickte abwesend. „Das Slytherin gewinnt, liegt an Harry Potter und Hermine Granger! Hätten die beiden Gryffindor nicht so viele Punkte gekostet, würden die Schlangen endlich mal verlieren", hörte ich jemanden aus der zweiten oder dritten Klasse wütend sagen. Ich verdrehte die Augen. Ja oder wir hätten uns mehr angestrengt und hätten die Slytherins ganz ehrlich geschlagen. Fasst euch an die eigene Nase!

Ich hatte den letzten Worten vom Schulleiter keine Beachtung geschenkt und als ich mich wieder auf seine Ansprache konzentrierte, hörte ich die berühmten Worte von Prof. Dumbledore. „…aber die letzten Ereignisse müssen auch beachtet werden." In der großen Halle wurde es still. „Was meint er?", fragte Lauren flüsternd. Dann blickte sie zum Gryffindortisch herüber und zischte leise aber fassungslos: „Er wird doch nicht…" Prof. Dumbledore gab gerade 50 Punkte an Ron. „Ich fürchte doch", flüsterte ich zurück. Weitere 50 Punkte an Hermine. „Sie haben Hufflepuff überholt", flüsterte Emily „und uns fast eingeholt", meinte Stephen mürrisch. „Was habt ihr?", frag ich gespielt überrascht und fügte hinzu: „Seit Wochen grummelt ihr, weil Harry, Hermine und Ron durch die Drachenaktion 150 Punkte verloren und Slytherin so den Sieg geschenkt haben." Die anderen sahen mich verblüfft an, dann grinsten sie. „60 Punkte an Mr. Harry Potter...", sprach Prof. Dumbledore weiter. „Jetzt haben sie uns überholt!", fügte Lisa hinzu „und haben Gleichstand mit Slytherin", meinte ich gleichgültig. „Das ist nicht fair", protestierte Lauren. „Da hast du Recht! Aber ehrlich gesagt will ich nicht, dass die Schlangen gewinnen", entgegnete Stephen achselzuckend.

Ich suchte Traceys Blick. Wir verstanden uns auch ohne Worte und Traceys Blick war traurig. „Es ist trotzdem nicht gerecht!", bemerkte ich seufzend. Die letzten 10 Punkte gab Prof. Dumbledore an Seamus, weil dieser sich den drein entgegengestellt hatte. Ein bisschen anders als im Buch, aber ändert nicht das Ergebnis. Die Halle explodierte in Applaus. Gryffindor hatte gewonnen und Slytherin verloren. Das worauf alle ein paar Wochen zuvor drauf gehofft hatten, war eingetroffen. Jetzt feierten alle mit den Gryffindors. Die Abneigung gegen das Haus der Schlangen war größer, als die Aufregung gegen die Ungerechtigkeit gegenüber den Häusern, deren Mitglieder nicht gegen fundamentale Regeln der Schule verstoßen haben.

Ich war nicht mit aufgesprungen und als Stephen sich wieder neben mich setzte, wollte er etwas sagen, aber das Essen erschien und alle aßen und feierten das Ende dieses Schuljahres, sodass er mein Verhalten nicht mehr kommentieren konnte. Das Schuljahr war vorbei und neun lange wunderbare schulfreie Wochen lagen vor uns. Am späten Abend saßen Lauren, Emily und ich in unserem Zimmer und räumten unsere letzten Habseligkeiten in unsere Koffer. „Ich freue mich schon so auf zu Hause", freute sich Lauren übermütig und hüpfte dabei durch unser nun fast leeres Zimmer. Emily verdrehte schon amüsiert die Augen und ich musste lachen. Tiger, der schon zusammengerollt auf meinem Kissen schlummerte, hob müde den Kopf. Ich streichelte ihn beruhigend und kraulte sein Ohr.

Irgendwie sieht das Zimmer so komisch aus ohne die Bücher in den Regalen, Pergamentrollen, Federn und Tinte auf den Tischen und Emilys Bildern an den Wänden. Das Terrarium von Tom und Jerry, den beiden Schildkröten von Emiyl, war bereits zusammengeschrumpft und weggepackt. Das hier ist mein Zuhause und trotz oder eher wegen allem, freue ich mich schon darauf wieder hier her zu kommen. Ich denke, nun habe ich etwas mit Harry gemeinsam. Hogwarts ist unser zu Hause und ich weiß nicht, was oder ob ich was tun kann, aber ich werde nicht zulassen, dass ein verrückter Irrer es zerstört!

Als wir dann doch irgendwann schliefen, denn wir konnten das flüstern und kichern lange nicht beenden, sodass zum Schluss Tanja so genervt war, dass sie gedroht hatte uns stumm zu zaubern, wenn wir nicht endlich Ruhe geben würden, träumte ich von Mystery, dem verborgenen Tal, den Uniques und allem was Hogwarts zu meinem Hogwarts machte. Am nächsten Morgen waren alle unglaublich müde und trotzdem total aufgedreht. Ich teilte mir mit Neville und Tracey ein Abteil im Zug. Es war zwar ein Risiko, aber wir wollten ein letztes Mal zusammen sein vor den Sommerferien.

Ich ging während der Zugfahrt einmal kurz zu Hermine, Ron und Harry, sowie zu den Mitgliedern meines Switchballteams. Prof. Flitwick und Madame Hooch wollten die Switchballspiele nächstes Jahr weitergehen lassen und vielleicht ein richtiges Turnier auf die Beine stellen. Lauren fand das toll und plante schon alles mit den anderen, als ich mich zu ihnen setzte. Am Ende vereinbarten wir, wie in diesem Jahr, zweimal wöchentlich zu trainieren und ich ging im Zug wieder zurück zu meinem Abteil. Auf dem Weg dorthin begegnete ich ein paar Mitschülern, die ich aus dem Musikflügel kannte und wünschte auch ihnen erholsame Ferien. Als der Zug am Abend endlich in London einrollte, seufzte ich erleichtert und kletterte mit meinem schweren Koffer hinaus. Blödes Zauberverbot! Lord und Lady Windsor begrüßten Emily, Matthew und mich freundlich. Schnell verabschiedete ich mich von meinen Freunden: Neville, Tracey, Lauren, Stephen, Harry, Hermine und Ron. Dann nahm Lady Windsor meine Hand um uns zum Gestüt Windsor zu apparieren.

Ich habe das erste Jahr überstanden! Jetzt erwarten mich wunderbare, abenteuerlustige und spannende Sommerferien!

Das war´s fürs erste liebe Leser und Leserinnen! Ich hoffe euch hat diese Reise genauso gut gefallen wie mir. Bald geht es weiter mit dem zweiten Schuljahr! Aber zunächst geht es in die Sommerferien hier und im RL. Was Anna in diesen Sommerferien noch alles erlebt werde ich in den ersten Kapiteln von "eine magische Reise -Jahr 2-" erzählen. Bis jetzt hat sich in Hogwarts noch nicht viel verändert, aber das bleibt nicht so, versprochen! Ihr werdet es sehen, wenn ihr mir und meiner Geschichte gewogen bleibt.

Auf ein baldiges Wiedersehen, eure Melody!