Was war schon der Unterschied zwischen inoffiziell mit Draco Malfoy verlobt zu sein oder offiziell?
So einiges wie Astoria herausfinden musste. Nach dem beinahe obligatorischen Artikel in der Hexenwoche, die zwar nur über eine Verlobung munkelten, folgte am Tag darauf der Sturm von Eulen.
„Mieses Biest… blah blah blah… Wie kannst du nur."
Daphne schoss den Brief in den Kamin zu den geschätzten hundert letzten, die dort schon brannten. Sie sassen gemeinsam im Wohnzimmer der Familie. Astoria lag quer über dem Sofa und hielt sich die Augen mit beiden Händen zu, als könnte sie damit etwas ändern. Neben ihr lag ein ganzer Korb voller Briefe, die noch nicht gelesen waren und es wurde nicht weniger. Das meiste davon waren Hasstriaden, wie sich herausgestellt hatte. Sie hörte, wie Daphne sich wieder zu ihr rüber lehnte und mit wählerischer Hand den Nächsten daraus fischte.
„Man könnte meinen die Menschen seine kreativer", langsam wurde selbst Daphnes Stimme gelangweilt, wo sie sich zu Beginn noch köstlich darüber amüsiert hatte.
„Elende Hure. Mit gefühlten zwanzig Ausrufezeichen."
Der Brief landete im Feuer.
„Miststück… Verräterin. Von welcher Partei ist der denn? Ich weiss nicht. Man kann dich ja für alles halten, aber eine Verräterin, weil du Draco heiratest?"
Astoria hob halbherzig eine Augenbraue. „Keine Ahnung. Führst du immer noch die Liste?"
„Nein, ich hab beim Stand fünfzig zu zehn aufgehört." Daphne schenkte ihr ein breites Grinsen, worauf hin Astoria ihr die Zunge rausstreckte. Ihre Schwester hatte es sich zur Aufgabe gemacht, heraus zu finden wie viele der Briefe von Draco Anhängern verfasst worden waren und welche tatsächlich an sie gerichtet waren als Person und nicht die Frau an Dracos Seite. Wie gesagt, der Stand war klar bei fünfzig zu zehn für Draco.
„Oh hör mal. Lass die Finger von ihm Astoria, er kann dich nur verletzen. Ah ja… das scheint wohl eine Verflossene zu sein. Was steht denn da?" Daphne versuchte, die Unterschrift zu entziffern, blieb aber erfolglos dabei. Entsprechend ging es weiter. Irgendwann hatte Astoria keine Lust mehr. Sie packte den Korb und leerte ihn über dem Feuer aus. Beinahe hätte sie gar Babblings Brief mit reingeworfen, hätte ihre Schwester nicht genug geistige Anwesenheit bewiesen – oder sich einfach darüber erschrocken, dass sie keine weiteren Briefe lesen konnte.
„Stopp! Astoria." Rasch griff Daphne in den Berg von Briefen hinein, die gerade im Feuer gelandet waren, was Astoria einen erstaunten Blick entlockte. Ihre Schwester fischte elegant nach dem Brief aus schwerem Pergament und hielt ihn ihr besserwisserisch unter die Nase.
„Ich hab ja nicht viel für Alte Runen übrig, aber soweit ich weiss wolltest du doch mit Babbling nach Ägypten."
Schuldbewusst nahm Astoria den Brief entgegen, der mit dem Siegel von Hogwarts verschlossen war und auf dessen Absender tatsächlich Professor Babbling aufgeführt war.
„Hoppla." Sie wollte gar nicht wissen, ob noch mehr wichtige Briefe in dem Stapel waren. Wenn, dann verbrannten sie gerade.
Es war nicht so, dass es Draco wirklich besser erging. Die Briefe hatten sogar fast denselben Inhalt, die tagtäglich bei ihm im Manor einflatterten. Es waren sogar einige Heuler dabei, welche er direkt den Hauselfen zur Entsorgung überreichte. Im Gegensatz zu Astoria kümmerte er sich aber nicht weiter um die Briefe. Er machte sich nicht einmal die Mühe, die Ersten auf zu machen. Nur was Daphne bei Astoria war, war bei Draco Blaise.
„Draco… Das kannst du mir nicht antun…", las der dunkelhäutige junge Mann theatralisch vor und Draco verdrehte die Augen.
„Blaise…"
„…denk doch an die Zukunft die wir gemeinsam hätten haben können."
„Blaise!"
„All die schönen Tage, Monate, Jahre!" Blaise kugelte sich vor Lachen auf dem Bett und griff nach dem nächsten Brief.
„Noch ein Wort und ich verbrenn dich mit den Briefen!"
„Ach komm schon Dray Schätzchen." Den Spitznamen hatte er aus einem der Briefe. Draco schloss die Augen und zählte langsam bis zehn.
„Oder würdest du lieber mein kleiner Draci genannt werden?"
Draco riss der Geduldsfaden. Da half alles Zählen nicht mehr. Sein Zauberstab lag schneller in seiner Hand als Blase „Nicht" sagen konnte und er zeigte auf eben jene. Er wusste sehr genau, dass er sich das alles von Blaise noch mehr als einmal anhören musste. Als wäre es nicht genug, dass Pansy schon hier gewesen war.
„Ein Wort Blaise."
Mit seiner Drohung erreichte er genauso wenig wie bei Pansy. Was mehr daran liegen mochte, dass seine Drohung gerade lächerlich war.
„Sei nicht so humorlos. Nur weil du jetzt verlobt bist, musst du nicht den Erwachsenen raushängen lassen. Kann ich mir wenigstens die spannenden Briefe raussuchen? Bei einigen hatte es wirklich ein paar süsse Fotos dabei."
Draco verwarf interesselos die Hand.
„Tu was du nicht lassen kannst." Damit ließ er sich in seine Sessel fallen.
Professor Babbling hatte allen Muggelkunde Schülern empfohlen, sich die einmalige Gelegenheit nicht entgehen zu lassen mit einem Flugzeug nach Ägypten zu kommen. Astoria musste gestehen, sie hatte erst nochmals in ihren Schulbüchern nachsehen müssen, um zu wissen, was ein Flugzeug war. Nach dem sie es rausgefunden hatte, war sie panisch zu Jon appariert und hatte sich von ihm Zehntausendmal versichern lassen, dass es sicher war und vor allem tatsächlich funktionierte. Astoria vertraute der Magie. Sie wusste, dass Muggeltechnik funktionieren konnte. Mit der Betonung auf konnte. Sie hatte auch gelernt, dass die Chance auf Fehlschlägen bei doch sehr vielen Objekten aus der Muggelwelt um die 20% lag. Zu viel ihrer Meinung nach. Wenn sie apparierte war es wenigstens ihre Schuld, wenn etwas schief ging. Sich darauf zu verlassen, dass eine Person für Stunden keinen Fehler machte, schien Astoria doch etwas wagemutig. Aber sie wollte es versuchen. Wenn etwas schief gehen sollte, wäre sie ja schließlich immer noch eine Hexe und könnte sich einfach raus apparieren. Damit gab sie sich zu frieden. Vielleicht auch deswegen, weil Jon ihr versprochen, mit zum Flughafen zu kommen. Der nächste Schock war, dass sie bereits zwei Stunden vor dem Flug am Flughafen sein sollte. Per Muggelart. Schließlich flogen Zauberer nicht mit Flugzeugen und so gab es keine speziellen Räume, die für Zauberer gedacht waren, in die sie hätten apparieren können, ohne aufzufallen.
So war sie an diesem Morgen in der Frühe bei Jon erschienen. Dieser hatte sie zu einem ‚Auto' geführt und von ihr verlang einzusteigen. Astoria war dem allem skeptisch gegenüber gestanden, hatte seinem Urteil aber vertraut. Auch wenn er während der Urteilsabgabe immer wieder von seinem eigenen Lachen unterbrochen worden war. Sie waren dann also geschlagene zwei Stunden zu früh dort gewesen und hatten ihr Gepäck aufgegeben. Auch so etwas Nutzloses. Man konnte doch einfach alles im Handgepäck mitnehmen. Für etwas gab es Verkleinerungszauber. Nach der Gepäckabgabe musste sie alleine weiter. Ihr ‚Pass' war eher skeptische betrachtet worden und Astoria war sich sicher gewesen, dass der Zollbeamte in Wahrheit Zauberer war, der die Illusion schon längst durchschaut hatte und sie nur noch etwas hinhalten wollte, um ihr das Erlebnis umso nervenaufreibender zu machen. Verwirrt hatte sie sich dann, wie Jon es ihr gesagt hatte, an den Anzeigen orientiert und war tatsächlich ohne sich zu sehr zu verlaufen zu den seltsamen Schranken gekommen, an denen sich die Menschen ansammelten. Als dann der Mann mit der Maschine ihr Handgepäck durchleuchtete, wurde ihr auch klar, warum man nicht alles im Handgepäck mitnehmen sollte. Sie hatte sich beeilt ihm einen Verwirrungszauber aufzuhalsen, bevor er dazu kam sie aus der Schlange zu nehmen und ihr Gepäck zu durchwühlen, wie er das schon bei zwei Anderen getan hatte. Wenigstens blieb ihr erspart, dass der seltsame Türrahmen durch den sie laufen musste, begann zu piepsen und nach einem Marathon von gefühlten fünf Stunden, kam sie endlich und gerade noch rechtzeitig zum Gate.
Seufzend hatte sie sich auf einen der harten Plastiksessel fallen gelassen. Danach war alles irgendwie ganz schnell gegangen und nun sass sie in diesem Flugzeug. Das Gefühl vom Start war nicht annähernd so schlimm wie jenes vom Apparieren und so war sie schon kurz darauf eingenickt.
Sie wachte erst weit über den Wolken wieder auf. Die Sonne schien draußen und beleuchtete das Meer von Watte unter ihr in einem goldenen Schein. Wunderschön. Nie hatte sie Derartiges gesehen. Es war so schlicht und so bezaubernd.
„Fliegen sie das erste Mal?", erklang eine junge, tiefe Stimme neben ihr.
Noch immer verzaubert vom Anblick draußen, wandte sie sich mit einem Lächeln um. Neben ihr sass ein junger Herr im schwarzen Anzug. Er hatte ein freundliches, wenn auch recht kantiges Gesicht und strahlend blaue Augen.
„Ja", sie nickte. „Unsere Lehrerin gesagt, wir sollen doch das Flugzeug nehmen."
Der Herr neben ihr lachte auf. „Ja hoffentlich. Ich weiss nicht wie sie sonst nach Ägypten kommen wollen. Mit Schiff und Auto könnte es etwas länger dauern."
Astorias Wangen wurden heiß. Natürlich. Für Muggel gab es nur diese Möglichkeit. Wie dumm war sie eigentlich? Sie probierte die Verlegenheit mit einem Grinsen zu tuschieren.
„Ich bin Carter." Er wechselte seinen Kaffee in die andere Hand, um ihr die Hand zu reichen.
„Astoria." Sie schüttelte seine Hand mit einem Lächeln. Er war nett und fast bereute Astoria, dass sein Blick so gut wie augenblicklich auf ihren Verlobungsring fiel. Er hob die Augenbrauen an.
„So jung und schon verlobt?"
Wieder schoss ihr die Röte ins Gesicht und sie zog umständlich die Hand zurück.
„Nun, Sie wissen ja nicht wie alt ich bin und ja tatsächlich."
Das Schöne an diesem Tag unter Muggeln war, dass niemand sie erkannte. Niemand hier kannte die Hexenwoche. Niemand hier kannte das offizielle Verlobungsfoto, welches vom Ball stammte und vor einigen Tagen von Malfoy Manor an die Presse gereicht worden war. Niemand kannte ihr Gesicht und schmiss ihr irgendwelche Drohungen an. Zugegeben, die Drohung eines Muggels hätte wohl auch etwas lächerlich gewirkt.
„Nun wer ist denn der glückliche Mann, den man dafür beneiden muss?"
Ob er glücklich darüber war, wagte Astoria zu bezweifeln, doch es widerstrebte ihr das irgendwie zuzugeben, selbst einem unbekannten Muggel gegenüber nicht. Also entschied sie sich, das einzige Bild von Draco hervorzunehmen, welches sie gerade dabei hatte. Das Verlobungsfoto aus der Hexenwoche von dieser Woche.
„Einen Moment." Soweit sie wusste, hatte das Blatt eine Muggeltarnung inne. Die Verleger wussten wahrscheinlich auch genau, warum das so war. Wer ließ öfters seine Zeitungen liegen, als Frauen die Klatschblätter lasen? Sie begann in ihrer Tasche zu wühlen und zog schließlich die eingerollte Zeitschrift hervor und schlug die Seite mit dem Artikel auf. Er war zum Kotzen – der Artikel –, wie Astoria fand, wenn er auch von Astoria nur in den höchsten Tönen sprach. Sie war sich sicher, dass Draco eine Menge Geld und Beziehungen hatte spielen lassen, um einen derart positiven Artikel über die Verlobung heraus zu bringen.
Behutsam reichte sie ihm die Hexenwoche herüber.
„Oh la la. Nicht schlecht. Sie sehen bezaubernd aus."
Langsam begannen die schmeichelnden Anspielungen zu nerven. Vielleicht wäre es weiter angenehm gewesen, wenn sie ihm nicht gerade ihr Verlobungsfoto in die Hände gedrückt hätte. Sie verfiel in eine stoische Höflichkeit. Mit einem gezierten Lächeln senkte sie den Blick.
„Dankeschön."
Ihr Verhalten schien der junge Mann nun aber als Aufforderung zu halten, um einfach weiterzufahren.
„Draco Malfoy. Der junge Professor für Chemie ist ein aufsteigender Stern in der Forschung. Astoria Greengrass hat sich mit der Verlobung einer der begehrtesten Junggesellen Nordenglands unter den Nagel gerissen", las Carter die Headline vor und schien daraufhin nochmals das Foto zu Mustern, welches in seinen Augen wohl unbeweglich sein musste. „Schaut er immer so streng? Ich meine es ist eure Verlobung."
Astoria unterdrückte ein leises Seufzen und hielt sich stattdessen an dieses gezierte Lächeln.
„Sehen sie sich vor Carter, sie sprechen hier von meinem Verlobten. Und nein nicht immer. Er ist nur nicht der Typ der seine Gefühle gerne mit der Öffentlichkeit teilt. Sein Blick kann ganz anders sein." Ihre Stimme war fast etwas wehmütig. Sie wünschte sich, dass sie irgendwann wieder den warmen Blick sehen würde, den sie gerade gemeint hatte. Sie hoffte, irgendwann wieder das weiche Lächeln auf seinen Zügen zu sehen. Doch wie groß waren die Chancen dazu schon? Seit der Verlobung hatte sie den Blick nicht mehr gesehen. Zugegeben, sie hatte ihn seit der Verlobung gar nicht mehr gesehen.
„Sie vermissen ihn wohl bereits." Carter schien ihre Wehmut zu ihrem Glück falsch zu deuten, was es Astoria überließ, einfach nur betroffen zu nicken.
Der Rest der Reise verlief zeitlos. Der junge Herr hatte es als Grund genommen das Thema zu wechseln und sie redeten über belanglose Dinge, bei denen Astoria meistens unwissend über die Muggelwelt einfach entweder bluffen musste oder sich in Unwissenheit belehren ließ.
Als die Boardlampen angingen, war sich Astoria gar nicht bewusst, wie viel Zeit schon vergangen war. Carter bot sich an, sie noch bis aus dem Flughafen hinaus zu einem Taxi zu begleiten, da sie noch nie geflogen war. Alles in allem hinterließ die Begegnung mit ihm ein angenehmes Gefühl bei ihr.
Das Taxi brachte sie mit verschiedenen Umwegen und vor allem Erstaunen zur angegebenen Adresse. Als sie ausstieg, erkundigte er sich nochmals in gebrochenem Englisch, ob sie sich sicher war an der richtigen Adresse zu sein. Astoria betrachtete das Haus von ihrem Stand aus. Es war ein kleines Hotel, wie auf dem Bild, welches sie von Babbling bekommen hatten. Sie nickte nochmals entschieden.
„Ja danke." Umständlich suchte sie das Muggelgeld heraus und zählte die Noten ab, die der Fahrer verlangte. Dabei musste sie nochmals zweimal korrigieren, da sie das englische Geld mit dem von hier vertauscht hatte. Schlussendlich aber bedankte sich der Taxifahrer und fuhr davon.
Bereits als sie in den kleinen Empfangsraum trat erkannte Astoria, dass es sich um ein magisches Hotel handeln musste. Diverse Gegenstände und vor allem die altbekannte Art der Einrichtung gaben ihr das gute Gefühl an einem vertrauten Ort zu sein.
„Guten Morgen Schätzchen." Die braungebrannte Hexe hinter dem Tresen sah von ihrer Zeitung auf. Kurz darauf leuchteten ihre Augen.
„Ach Miss Greengrass, richtig?" Auch ihr Englisch war eher gebrochen. Es war auch nicht zu erwarten hier jemanden aus der Heimat anzutreffen.
„Richtig.", bestätigte Astoria. Es wäre auch zu viel gewünscht gewesen, hier nicht erkannt zu werden. Vielleicht sollte sie für ein halbes Jahr bei den Muggeln untertauchen. Dort war ihr Gesicht wenigstens nicht bekannt.
Die alte Frau rief einen Zimmerschlüssel herbei und reichte ihn Astoria.
„Hier, Schätzchen. Du hast das Zimmer mit Miss Avery. Sie ist bereits seit gestern Abend hier."
„Dankeschön." Mit einem Schwung ihres Zauberstabes ließ sie ihre Koffer hinter sich her schweben und ging die schmale Treppe hinauf. Sie fand ihr Zimmer schnell. Zu viele zur Auswahl gab es auch gar nicht. Die Tür stand bereits weit offen und ein warmer Luftzug kam ihr entgegen. Sie stellte den Koffer im Zimmer neben das noch nicht belegte Bett und ging hinaus auf den Balkon. Das Erste was ihr entgegenkam, war Valentines entrüstete Stimme.
„Astoria. Merlin, was hast du für Sachen an?" Ihre Mitschülerin sass draußen in der Sonne und nach dem ersten Lächeln hatte sich ihr Gesichtsausdruck in Stein verwandelt. Natürlich hatte Astoria für die Reise sich Muggelkleider bei Jons Schwester ausgeliehen. Bisher war das ganz gut angekommen, doch dass Val das nicht akzeptierte, war ebenso klar.
„Ich bin auf Muggelweise angereist. Du weisst dass ich Muggelkunde belege." Erklärte sie gelassen und ließ sich auf den zweiten Stuhl neben Valentine fallen. Es tat gut endlich angekommen zu ein. Auf Muggelart zu Reisen war definitiv anstrengender als apparieren.
„Das gehört sich aber nicht für die Frau an Draco Malfoys Seite. Und ich will dich nicht so ansehen. Zieh dir was Ordentliches an", meinte Valentine zynisch.
„Ist mir egal und ich will jetzt erst mal einfach hier sitzen."
Sie ließ den Blick über den Innenhof schweifen. Die Klasse in Alte Runen war nicht sehr groß, einige davon befanden sich unten an einem kleinen Tisch und spielten Schach. Kurz winkte Astoria ihnen zu, als ein Hauself neben ihnen auftauchte und ihr ein Glas Wasser servierte. Sie mochte das Hotel jetzt schon.
Die Annehmlichkeiten dauerten noch bis zum nächsten Morgen an. Sie assen gemeinsam mit Babbling zu Abend, während dessen ihnen die Professorin das Programm für die Woche in Ägypten präsentierte. Die meisten verhielten sich Astoria gegenüber zurückhaltend. Angenehm zurückhaltend wie sie fand. Nur der eine oder andere beglückwünschte sie kurz zur Verlobung oder ließ eine Bemerkung darüber fallen und am nächsten Tag war das Thema sowieso vergessen. Zumindest dachte das Astoria.
Babbling brachte sie zu einer der Ausgrabungsstätten, wo einer der Grabungsleiter sie erst mal zum selber anpacken verdonnerte. Mit der Aussage, dass sie erst das Gefühl für die harte Arbeit einer Ausgrabung bekommen sollten. Obwohl das meiste per Zauberei machen ließ, gab es doch bestimmte Stellen, an denen sie den Zauberstab beiseitelegen mussten und in der warmen Sonne zu Handschaufeln und Pinseln greifen mussten, um die zierlichen Runen freizulegen.
„Hey Ms Malfoy. Sind sie sich nicht zu gut fürs Buddeln im Sand?" Der Junge neben ihr war Randy. Blond und groß gewachsen und Astoria kam bis dahin gar nicht so schlecht mit ihm aus. Dementsprechend nahm sie seine schalkhaften Worte auch nicht zu ernst.
„Darauf kannst du noch lange warten Randy!", gab sie stattdessen grinsend zurück und die nächste Schaufel Sand kam schwungvoll in seine Richtung geflogen. „Hey. Na warte."
Kurz darauf rieselte ihr feiner Sand durch die Kleider und Astoria kreischte lachend auf bei dem unangenehmen Gefühl.
„Benehmt euch bitte! Das sind keine Ferien."
Trotz der strengen Aussage war ein Lächeln auf Babblings Gesicht. Sie schien den Ausflug genauso zu genießen wie die Schüler. Die Ausgrabungen waren unheimlich spannend und sie durften helfen bisher unbekannte Runen zu entschlüsseln. Nicht das sie wirklich Erfolg darin gehabt hätten. Astoria ging auch nicht davon aus, dass irgendjemand von ihnen erwarte, dass sie wirklich etwas herausfanden, was all die Hexen und Zauberer die hier beschäftigt waren, nicht selbst schon wussten. Valentine allerdings ließ das Geheimnis um die neuen Runen offensichtlich nicht los. Sie zeichnete sich die Runen auf ein Stück Pergament ab und setzte sich jeden Abend erneut nochmals darüber um deren Code zu entschlüsseln. Es war für Astoria schwer zu widerstehen und sich nicht einfach zu ihr zu setzten und zu helfen. Tatsächlich war die Arbeit spannend und ließ kaum einen von der Gruppe wieder los.
„Ich komm einfach nicht darauf. Hier besteht definitiv eine Verbindung, aber der Rest macht überhaupt keinen Sinn." Das dunkelhaarige Mädchen ließ sich in den Stuhl zurückfallen. Tiefe Falten auf der Stirn und ein missmutiger Blick auf dem Gesicht, was Astoria ein Grinsen entlockte. Interessiert ging sie zu ihr hinüber und sah über ihre Schultern hinab auf die die Aufzeichnungen.
„Wo ist eine Verbindung meinst du?"
Mit den Worten hatte sie ihr Schicksal besiegelt. Valentine erklärte ihre Theorie und nun kam auch Astoria nicht mehr davon los. Nicht, dass sie das Rätsel noch gelöst hätten bis zum Ende des Aufenthalts, doch es machte Spaß.
Schließlich brach der letzte Tag an. Babbling hatte versprochen, das sie nur noch am Morgen mit den Ausgrabungen beschäftigt sein würden und ihnen gestattet war so lange zu bleiben wie ihnen beliebte, solange sie am Montagmorgen ausgeruht zum Unterricht erschienen.
„Astoria! Umdrehen!"
Grinsend drehte sich Astoria zu Valentine um und ein Blitzlicht blendete sie für einen Augenblick. Ein Foto und wenn sie sich den Fotographen betrachtete ein magisches Foto.
Kurz darauf bekam sie dieses auch schon in die Hand gedrückt „Voilà. Wir wollen ja ein paar Erinnerungen haben."
Eine lachende Astoria blickte ihr entgegen.
Es gab noch weitere Bilder als Erinnerung, doch Astorias Blick blieb vor allem an diesem ersten Bild hängen. Sie war glücklich. Wie würde es wohl werden, wenn sie zurück in Hogwarts war? Wenn der Alltag sie wieder einholte? Mit einem Mal war sie überhaupt nicht mehr betrübt darüber, keine Zaubertränke mehr zu belegen. So konnte sie Draco mindestens ohne Probleme aus dem Weg gehen, ohne dass jemand Verdacht hegte, dass etwas nicht stimmen könnte. Apropos Jemand. Jemand legte gerade seinen Kopf über ihre Schultern.
„Das solltest du Draco schicken. Es ist hübsch." Astoria verzog das Gesicht über Valentines Vorschlag.
„Findest du?" Sie fand es eine ganz und gar schlechte Idee, Draco schon im Voraus eine schlechte Laune zu machen, in dem sie ihm ein Bild von seiner verhassten Verlobten schickte.
„Ja klar. Komm." Sie zog Astoria an der Hand und in ihren Augen lauerte ein fieser Schalk, an dem sie vermutete, dass Valentine irgendetwas wusste. Leider gab es gerade kein Zurück mehr. Sie wollte noch immer nicht auffallen und schon gar nicht auffallend machen, dass sie Angst davor hatte irgendwie mit Draco in Kontakt zu geraten. Valentine zog sie mit zur nächsten Eulerei beziehungsweise Falknerei. Eulen gab es hier nämlich keine.
„Wir möchten ein Bild versenden", gab Val an ohne darauf zu warten, dass Astoria es selbst tat. Sie bekamen ein kleines Röhrchen gereicht und Valentine drückte Astoria zusätzlich eine Feder in die Finger.
„Schreib noch was drauf", forderte sie in Hochstimmung.
Zögerlich nahm Astoria die Feder entgegen. Was schrieb man einem Verlobten, von dem man nicht wusste, wie er eigentlich für einen empfand? Die einzigen Empfindungen, die ihm Astoria in Bezug auf sich selbst im Moment zutraute, war Verachtung oder Enttäuschung. In Anbetracht dessen, dass Valentine sie immer noch beobachtete, würde sie bestimmt nicht das schreiben, was ihr sonst vielleicht alles in den Sinn gekommen wäre. Allerdings würde sie auch das Bild nicht schicken, würde Valentine sie nicht beobachten.
Sie überlegte einen Moment bevor sie die Feder in das Tintenfass tauchte, welches die Dunkelhaarige bereit hielt.
Der Falke erreichte Draco erst einen Tag später. Mit verwundertem Blick ließ er das schöne Tier herein und nahm das kleine, silberne Röhrchen von seinem Bein. Er setzte den Vogel erst zu seinem eigenen Waldkauz, der nur widerwillig Platz machte und als Erstes nach dem kleineren Tier schnappte um es wieder zu vertreiben.
„Lass das Edgar", beschied Draco mit abwesender Stimme, während er das Röhrchen kurz zwischen seinen Fingern drehte. Edgar plusterte beleidigt seine Federn auf und zog den Kopf wieder ein.
Wer schickte ihm Post mit einem Falken? Nun er würde es ja wohl hoffentlich herausfinden. Flink schraubte er den Verschluss ab. Der Inhalt flog von Zauberhand beflügelt aus dem kleinen Röhrchen, kaum hatte er den Verschluss abgenommen. Rasch pflückte er das kleine Stück Papier aus der Luft. Er hatte bereits gesehen, dass es sich um ein Foto handeln musste, las jedoch erst auf der Rückseite die in zierlicher Handschrift geschriebenen Worte.
‚In Liebe. Astoria.'
Er drehte das Papier mit einem Stirnrunzeln um und Astoria wandte sich gerade ein weiteres Mal auf dem Foto um und lächelte ihn an.
Draco lehnte sich mit gezwungener Ruhe in seinem Stuhl zurück. Sein Herz klopfte und er musste das Zittern seine Finger unterbinden. Er atmete einmal tief durch.
Wunderschön. Das war das Einzige, was ihm bei dem Anblick in den Sinn kam.
Warum hatte sie ihm das geschickt? Er wurde einfach nicht schlau aus ihr. Ein Friedensangebot? Irgendwie glaubte er nicht daran.
Eine ganze Weile konnte er sich nicht von dem Anblick lösen. Er sass einfach nur da und betrachtete das Abbild seiner Verlobten. Es war nicht zu vergleichen mit ihrem Verlobungsfoto. Es war tausendmal schöner. Es war natürlich und er hatte keine Ahnung, was sie ihm damit sagen wollte. Es war der Unterschied in ihrem Lächeln. Dieses ehrliche Lächeln.
