Auf besonderen Wunsch hin habe ich mich beeilt, dass es weiter geht!

:-)

25. Im Angesicht des Morgengrauen

Von wachem Verstand gesegnet zu sein ist ein kostbares Geschenk der Schöpfung. Die Gabe zu haben, diesen Verstand auch zu nutzen eine weitere Kostbarkeit.

In dem Bewusstsein aufzuwachsen, dass die Macht des Geistes und des Verstandes als Kleinod in die Wiege gelegt wurde, als unerschöpfliche Ressource, kann dazu verleiten sich in der trügerischen Sicherheit zu wiegen und darauf zu vertrauen, dass es kein Problem auf dieser Welt geben mag, dass nicht durch die intensive Nutzung des Intellekts gelöst werden kann.

„Es gibt immer eine Lösung!" war Hermines Wahlspruch gewesen, seit sie denken konnte.

Doch mit dem ersten Augenaufschlagen diesen Tages musste sie sich eingestehen, dass sie erstmalig im Leben an ihre Grenzen gestoßen war.

Machtlos dem Unvermeintlichen gegenüber zu stehen erfasste sie mit eisenharter Hand und raubte ihr den Atem. Ehe sie sich den Schlaf aus den Augen reiben konnte, war ihr Körper schon in Schweiß gebadet.

Snape war wie immer schon lange aufgestanden und hantierte wohl wieder in seinem Labor herum.

ermine hingegen war wie gelähmt. Nur schwer konnte sie sich dazu bewegen unter die Dusche zu dehen.

Angstvoll zählte sie die Stunden bis zum Sonnenuntergang ab.

Die letzten Stunden ihrer Jungfräulichkeit?

Mit dem heißen Wasser der Dusche versuchte sie den bangen Schauer zu vertreiben, der ihr beim Gedanken an Snape über den Rücken lief.

Snape!

In Gedanken versuchte sie die Situation durchzuspielen, wieder und wieder!

Snape! Ungläubig schüttelte sie immer wieder still ihren Kopf.

Es konnte, durfte nicht wahr sein!

Gerechterweise musste sie ihm zugestehen, dass er sie in der letzten Zeit ihres Zusammenlebens nicht übertrieben grausam behandelt hatte. Sie hätte es sich schlimmer vorgestellt.

In ihrer Verzweiflung klammerte sie sich an den einen Gedanken, der ihr in den letzten Tagen Kraft gegeben hatte.

Es würde vorüber gehen und bald würde es vorbei sein.

Bald würde sie in ihr Zimmer in den Turm zurückkehren dürfen.

Bald würde sie wieder geschieden sein.

Geschieden von Snape.

Nachdenklich rubbelte sie sich trocken und hüllte sich rasch in ihren Bademantel. In der Absicht sich rasch anzuziehen betrat sie wieder das Schlafzimmer.

Sie erstarrte im Türrahmen.

Snape stand mitten im Zimmer. Er trug seine Arbeitsrobe und sah sie ruhig an.

„Ich habe die Essenz kontrolliert, sie ist kristallklar."

Er schwieg einen Moment.

Hermine schluckte schwer.

„Es fehlt jetzt nur noch – dein Blut."

JETZT?

Etwas in Hermine krampfte sich zusammen. Sie war der festen Überzeugung gewesen dass sich Snape ihr erst am Abend nähern würde.

Wieso war es in ihrer Vorstellung immer Abend oder Nacht gewesen?

Jetzt stand er ihr gegenüber und es war früher Morgen.

Hermine sah auf Boden und nickte verstehend. Sie fühlte sich wie versteinert und um einen Tag ihres Lebens betrogen.

Snape hatte in der vergangenen Nacht kaum schlafen können. Vergeblich hatte er sein Hirn zermartert, wie er Hermine diesen letzten Schritt ersparen oder wenigstens erträglich machen konnte.

Die Essenz duldete keinen Aufschub. Sie hatten nur Zeit bis Mitternacht.

Als er sich noch vor dem ersten Morgengrauen ins Labor aufmachte, da war er ratloser als zuvor. Er wusste nur eines, es musste ein Ende haben und das so schnell wie möglich.

Alles musste ein Ende haben. Sein Blick in die Schale, in der er die Essenz aufbewahrte, offenbarte ihm die Schönheit und Reinheit der Substanz. Er konnte sich nicht erinnern, jemals so etwas Vollkommenes gesehen zu haben.

Es fehlte nur noch Eines!

Ihr Blut!

Nur ihr Blut konnte sein Werk vollenden.

Nur ihr Blut würde es gelingen lassen, die sagenhafte Ronkowa Essenz zum Leben zu erwecken.

Er musste es tun!

Für sich und die Welt, aber vor allem für sie!

Entschlossen ging er ins Schlafzimmer und hörte gerade noch, dass sie das Duschwasser abstellte. Er brauchte nur noch einen Moment zu warten, dann sah er sie in der Tür stehen.

Ihre Locken wellten sich wegen der Feuchtigkeit in ihren Haaren und sie trug nichts, außer dem Bademantel, den sie keusch zugezogen hatte.

Mit einigen Schritten war er bei ihr und stand ihr still gegenüber.

Hermine schloss die Augen.

Seine Nähe war ihr unerträglich.

Nach einer Weile spürte sie seine Hand unter ihrem Kinn, die sie zwang den Kopf anzuheben. Angstvoll öffnete sie die Augen und sah direkt in seine. Seinem Gesichtsausdruck war keine Gefühlsregung anzumerken, er schaute sie nur an und Hermine wich unter seinem Blick alles Blut aus den Lippen. Ihre Knie zitterten, ihre Hände waren kalt und die Kehle trocken und wie ausgebrannt.

„Bitte....!" ihre Stimme gehorchte ihr nicht.

Snape legte seinen Zeigefinger auf ihren Mund, schüttelte ansatzweise den Kopf.

Er wollte ihr sagen, dass sie ihn nicht zu bitten brauchte, er wollte ihr doch nicht weh tun. Wenn sie ihn nur gelassen hätte, wenn sie ihm nur erlaubt hätte in den letzten Tagen in ihrer Nähe zu sein, er hätte alles für sie getan damit sie ihn nicht so ansah wie sie es jetzt tat.

Ruhig und bestimmt fasste er sie am Ellenbogen und führte sie zum Bett. Ergeben ließ sich Hermine auf der Bettkante nieder. Sie hatte es versucht. Sie hatte versucht ihn zu bitten vorsichtig zu sein, doch er wollte es nicht hören. Es war ihm wahrscheinlich egal.

Snape setzte sich neben sie. Er legte seine Hand auf ihren Arm, nur sein Daumen streichelte sie zögernd. Er wartete ab und studierte ihr Gesicht, das aschfahl geworden war. Dann begann er mit der anderen Hand vorsichtig ihr Knie zu streicheln.

Sie war so jung, so zart so zerbrechlich. Wie sehr wünschte er sich, dass sie seine Berührung als das empfand, als das sie gedacht waren.

Als Liebkosung, als Beruhigung, als Zeichen seiner ständig wachsenden Zuneigung.

Doch alles in Hermine verkrampfte sich. Seine Berührungen wirkten für sie so aufgesetzt, dass ihr übel wurde.

Plötzlich hatte sie die Kraft ihn anzusehen, Wut und Verzweifelung loderten in ihr auf. Verzweifelung ob ihrer Situation und Wut über ihr Schicksal.

„Halten Sie sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf, lassen Sie es uns einfach hinter uns bringen." Ihre Stimme hatte fest klingen sollen, doch sie war ein heiseres zittriges Krächzen.

Snapes Augenbrauen zogen sich etwas zusammen, seine Falte auf der Stirn wurde für einen Moment noch tiefer und Hermine glaubte fast, er würde sie schlagen. Doch er ließ sie los und massierte kurz seine Schläfen als hätte er Kopfschmerzen. Dann sah er sie erneut an.

„Es tut mir leid", mit diesen überraschenden Worten war er aufgestanden. Fahrig legte er seine Arbeitsrobe ab. Er ging zum Fenster und blickte lange hinaus. Ihm wurde klar, niemals würde sie ihn freiwillig in ihrer Nähe dulden. Nur heute und nur weil so unendlich viel auf dem Spiel stand, da würde sie ihm erlauben sie zu berühren. Sie wollte seine Zärtlichkeit nicht. Sie wollte nur, dass es aufhörte.

Hermine saß noch immer zusammengesunken auf der Bettkante, unfähig klar zu denken und zu handeln. Plötzlich hatte sie das Gefühl, sie müsse ersticken, wenn sie nicht sofort an die frische Luft käme. Ihr war als würde ihr mit einer eisernen Hand die Kehle zugepresst. Alles in ihr schrie: „Raus hier, Raus hier, lauf um dein Leben, was sie dann auch tat. Ehe Snape sich auch nur zu ihr umdrehen konnte, war sie aufgesprungen und schon halb durch das Wohnzimmer, die Hand zur rettenden Tür ausgestreckt.......

FERMETO!" ..... und ihre Hände zerrten vergebens aber umso verzweifelter an der Tür, die sie ohne Zauberstab nicht öffnen konnte.

Kraftlos rutschte sie an dem Holz herunter als würde alles Leben aus ihr weichen.

Ihr war klar dass nun nicht nur Snape erdulden musste, sondern einen jähzornigen Snape, was noch ungleich viel schlimmer war. Schützend zog sie sich die Arme über den Kopf, als seine gefürchtete dunkle Gestalt direkt neben ihr war. Endlose Sekunden der Angst, endlose Sekunden in denen sie fürchtete brutal gepackt zu werden. Doch nichts dergleichen geschah.

Snape setzte sich neben sie auf den Fußboden, den Rücken an die Tür gelehnt, sorgfältigst bedacht sie nicht zu berühren. Nach einigen Minuten des Schweigens nahm er ihren verkrampften Körper in den Arm und zog sie an sich. „Es tut mir leid!" murmelte er wieder, und nach einer Weile:

„Wir können jetzt nicht mehr zurück!"

„Fermeto!" hatte er gebrüllt, als sie vor ihm davon lief. Hermine lief davon, lief weg vor ihm. Dieses unglaubliche tapfere Mädchen, das sich Trollen, mehrköpfigen Hunden und Todessern gestellt hatte und ausgerechnet vor ihm lief sie jetzt davon.

Wenn sie doch nur wüsste, wie leid es ihm tat. Aber er konnte die Zeit nicht umdrehen. Er konnte nicht zurück.

Er nahm sie hoch und trug sie zurück ins Schlafzimmer.

Ohne seine Arme von ihr zu nehmen legte er sich mit ihr aufs Bett, hielt sie vorsichtig, gerade eben fest genug um sie eventuell am Aufstehen zu hindern obwohl Hermine unfähig war sich zu bewegen.

Es drängte sich noch in ihr Bewusstsein, dass er anders war er als sie es erwartet hatte. Sie hatte damit gerechnet, dass er ohne Umschweife zur Sache kommen würde. Sie war sich sicher, dass er keine Zeitverschwendung tolerieren würde. Eine schnelle und effektive Gewinnung der benötigten Substanz, keine Floskeln, keine Zärtlichkeit.

Seine Hand schob sich in ihren Bademantel und blieb auf ihrem Bauch liegen. Sein Daumen strich leicht über ihren Rippenbogen. „Du bist so dünn geworden", die leise Feststellung klang wie ein Vorwurf.

Hermine wusste nicht ob sie darauf etwas erwidern sollte, ob er erwartete dass sie mit ihm sprach. Nie hatte er in der Vergangenheit wert darauf gelegt, dass sie das Wort an ihn richtete und tat sie es doch, wurde sie mit Stirnrunzeln und bösen Kommentaren bestraft.

Die Situation war so grotesk. Sie wollte nicht hier im Bett liegen, zusammen mit ihm, aber sie musste das Unvermeidbare wohl über sich ergehen lassen. Snape machte keinerlei Anstalten die Sache hinter sich zu bringen. Ruckartig setzte sich Hermine auf, es sollte endlich vorbei sein, dieser Albtraum sollte beendet werden. Entschlossen und ohne Snape dabei anzusehen streifte sie den Bademantel ab und warf ihn mit einer wütenden Geste auf den Boden. Dann ließ sie sich zurück auf das Bett fallen, die Augen stur auf die Decke gerichtet. Sie fühlte Snapes Blick auf sich ruhen, spürte wie seine Augen über ihren nackten Körper streiften.

„Bitte, können wir das jetzt endlich beenden, ich möchte mein Leben wieder haben."

Ihre Stimme klang jetzt so kalt und hart, dass sie selber überrascht war.

Snape sagte nichts, er hatte sich zu ihr gedreht, starrte sie an und begann wortlos sein Hemd auszuziehen.

Zögernd beugte er sich über sie, streichelte vorsichtig mit seiner Hand über ihre Stirn. Hermines Gesicht verriet ihm keinerlei Gefühlsregung. Sollte er sie küssen? Fast fragend näherten sich seine Lippen ihrem Gesicht, doch Hermine presste ihren Kopf zurück auf die Kissen. Eine eindeutige Ablehnung. Kurz erwiderte sie seinen fragenden Blick und er sah die Panik in ihren Augen.

„Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass ich dich berühre." Verdammt, wieso fiel ihm jetzt nichts Liebevolleres ein als seine verfluchte Ironie.

Er hasste diese Situation, er hasste das verdammte Buch, den verdammten Trank der im Labor vor sich hinbrodelte, er hasste das Ministerium und er hasste sich selber. Er war kein verdammter Vergewaltiger. Hermine war attraktiv, ohne Frage, die schmale Taille, ihre langen, schlanken Beine, die wohlgelungenen Rundungen ihres jungen Körpers, das alles empfand er als sehr erbaulich. Was ihn abstieß war die unglaubliche Angst in ihren Augen. Zu oft hatte er in solche gepeinigte Augen gesehen, zu oft hatte er diese blanke Angst und das schiere Entsetzen zu seinen Todesserzeiten in den Augen derer Opfer gesehen, die dem dunklen Lord durch ihren schlussendlichen Tod ihre Ehrerbietung angedeihen lassen mussten. Wieso musste er dieses Leben nun verderben? Er wusste, dass seine Tat Narben hinterlassen würde, Narben an ihrer Seele. Doch wie hätte er sie schützen können? Zu viel stand auf dem Spiel. Er drückte ihre Schenkel auseinander, sie leistete keinen Widerstand. Ihr Brustkorb hob und senkte sich schneller und er spürte ihren Puls rasen.

„Bitte ziehe Dir etwas Warmes an!"

Unglauben und Hoffnung entgegneten ihm in ihrem Blick!

Es tat ihm weh, ihre Hoffnung direkt zerstören zu müssen.

„Lass uns erst einmal von hier verschwinden!"

Er versuchte ein Lächeln!

„Es gibt schönere Orte als diesen hier..... sehr viel schönere Orte!"

tbc