Kapitel 70
John saß starr vor Schreck da und sah, wie das Messer an seinem Gesicht vorbei herab in Camerons Arm stieß.
Cameron zog das Messer rücksichtslos durch ihren Unterarm.
„Sieh hin!" Rief sie, warf das Messer einfach zur Seite und zerrte an der aufgeschnittenen Haut.
„Cameron", sagte er und verzog das Gesicht.
„Was? Ist das da jetzt Ekel in Deinem Gesicht?" Cameron richtete sich auf, griff dann vorne an ihr Top und fetzte es auseinander. „WILLST DU DAS JETZT NICHT MEHR?"
John sprang auf, er vermied es tunlichst auf ihre Brust zu sehen, da ihr BH auch nicht mehr richtig saß. „Cameron bitte...".
„RAUS!" Schrie sie und zeigte zur Tür.
„Aber..."
„RAUS HIER!" Donnerte ihre Stimme.
Jetzt gehorchte John. Mit hängendem Kopf ging er zur Tür und öffnete diese. Mit Tränen in den Augen zögerte er nocheinmal kurz. „Jetzt kannst Du endlich aufhören so zu tun, als wäre ICH es den Du liebst", sagte er leise, dann verlies er den Raum.
Cameron starrte sekundenlang auf die Tür, die John leise hinter sich geschlossen hatte. Dann begann ihre Unterlippe zu zucken, sie schlug die Hände vor ihr Gesicht und sank bitterlich weinend auf die kleine Couch.
Lila und James waren eilig auf dem Weg die Treppe hinauf als John ihnen von Oben entgegenkam, Tränen liefen seine Wangen hinunter.
„John!" Rief James ihm hinterher und nach einem kurzen Blick des Einverständnisses zwischen ihm und Lila folgte er dem Jungen.
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Als Lila Camerons Zimmer betrat fiel ihr Blick zuerst auf das unbenutzte Bett, was sie aufatmen lies. Dann erst sah sie zur Couch.
„Cammy!" Rief sie, als sie sah in welchem Zustand sich ihre Tochter befand. Schnell war sie neben dem Mädchen.
Cameron lies sich gegen ihre Mom fallen und weinte an deren Schulter weiter.
„War das John?" Fragte Lila, als sich das Mädchen schließlich ein wenig beruhigt hatte.
„Nein, das war ich", sagte Cameron schluchzend.
„Erzähls mir", sagte Lila zärtlich.
Cameron löste sich von ihr und wischte sich mit dem Unterarm die Tränen aus den Augen.
„Ich habe ihm gerade heraus gesagt, dass er nur mein Äußeres liebt und...", Jetzt erst blickte Cameron in Lilas Gesicht. „...dann habe ich ihm gezeigt, was unter meiner Haut ist.
Lila sah mit großen Augen hinab auf Camerons linken Unterarm. Zärtlich legte sie ihre Hand darunter und versuchte den unsauberen Schnitt zu schließen.
„Als er...als er das sah...hatte er einen Ausdruck von...Ekel im Gesicht", sagte sie erneut mit Tränen in den Augen, dann zögerte Sie. „Aber ...es könnte auch ein schockierter Ausdruck gewesen sein", fügte sie leise hinzu und senkte den Kopf.
„Und das Top?" Fragte Lila und hob Camerons Kinn mit der Hand.
„Ich... ich weiß auch nicht. Ich glaube, ich wollte ihm einfach wehtun".
Lila schüttelte langsam den Kopf. „Das hast Du Kleines. Das hast Du ganz bestimmt", sagte sie mitleidig mit leichtem Vorwurf.
„Aber ich liebe ihn doch", entgegnete Cameron traurig und verwirrt.
Lila nickte verständnisvoll. „Weißt du, was er vorhin zu mir gesagt hat?"
Cameron schüttelte langsam den Kopf.
„Er sagte er hätte Zweifel, ob Du ihn liebst oder nur den Anführer der er einmal werden soll". Lila hob Stille gebietend die Hand, als Cameron etwas sagen wollte. „Er hatte furchtbare Angst, dass Du ihn verlassen würdest, wenn er Deinen Erwartungen nicht entspräche".
Cameron starrte sie mit großen Augen an. „Aber...ich habe mich doch erst in ihn verliebt, als ich ihn in Red Valley getroffen habe.
Lila hob die Brauen. „Hast Du ihm das gesagt?"
Cameron sah verzweifelt drein und schüttelte den Kopf. „Deshalb hat er gesagt ich könnte jetzt aufhören so zu tun als wäre ER es den ich liebe. Er denkt ich liebe Future John".
Lila schüttelte mitleidig den Kopf. „Kleines, ich glaube ihr Beide seit Opfer Eurer eigenen Ängste geworden".
Cameron sah sie starr an. Plötzlich sprang sie auf und wollte zur Tür.
Lila konnte sie gerade noch abfangen. „Du kannst so nicht raus".
Cameron sah an sich herab, sie wirkte verwirrt. Schnell holte sie sich einen langärmligen Pullover und eine Jacke aus dem Schrank. Dann war sie sich anziehend auf dem Weg nach unten.
An der Haustür kam ihnen James entgegen. Cameron sah ihn erwartungsvoll an, er aber schüttelte nur den Kopf. „Er war zu schnell für mich".
Cameron erstarrte ein Paar Sekunden. Dann schüttelte sie vehement den Kopf. „Ich darf ihn nicht wieder verlieren. In welche Richtung ist er?" Fragte sie James drängend.
„Die Straße runter", sagte er und zeigte die Richtung. „Unten an der Kreuzung habe ich ihn noch nach Rechts laufen sehen. Als ich da ankam..."
Cameron war an ihm vorbei aus der Türe, bevor er den Satz beenden konnte.
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John lief nicht, er rannte, als ging es um sein Leben. Erst als er jemand Anderen bemerkte fiel er in Schritt zurück. Er hielt seinen Kopf gesenkt, damit man die Tränen nicht sehen konnte, die noch immer seinen Augen entströmten.
Er hasste es. Er heulte wie ein kleiner Junge und er hasste es.
Einige Zeit später traf er auf eine Gruppe Jugendlicher einige in seinem Alter und andere jünger. Gedankenlos ging er mit gesenktem Kopf in die Gruppe hinein, bis sich vor ihm die drei Ältesten aufgebaut hatten und ihm den Weg versperrten.
Als jetzt John den Kopf hob um zu sehen wer ihm da im Weg stand sah er in das Gesicht dreier Farbiger mit Tüchern um den Kopf.
‚Gangmitglieder', dachte John, dann sah er sich um. ‚Eine Jugendgang', schoss es ihm durch den Kopf, als er die Jungs sah, teilweise einen Kopf kleiner als er.
„Na, wen haben wir denn da?" Fragte der Größte der Drei vor ihm, offensichtlich ihr Anführer und beugte sich zu John hinab.
„Hat der kleine weiße Junge geweint?" Fragte er mit beißendem Spott in der Stimme.
„Lasst mich vorbei!" Knurrte John. Er hatte die offene Drohung in seiner Stimme nicht unterdrücken können.
Als Antwort lies der Gangführer sein Springmesser aufschnappen.
In diesem Moment griff Johns jahrelanges Training. Man sah nur eine kurze Bewegung seiner Hände, dann flog das Messer zur Seite.
Der Gangführer kassierte einen Faustschlag auf den Solarplexus und ging darauf japsend in die Knie, während der links neben ihm Johns Rechte im Gesicht, der Rechts Johns Fuß gegen die Brust bekam.
Die jüngeren Gangmitglieder suchten das Weite, als John dann die Waffe hinten aus dem Hosenbund zog und herumwirbelte.
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Als Cameron Minuten später an die gleiche Stelle kam hatten sich einige der jüngeren Gangmitglieder erneut um die drei Älteren geschart, die beieinander standen und diskutierten.
Cameron war so in Gedanken, dass sie den Jungen gar nicht beachtete, der sich gerade durch die Anderen durchwühlte um in ihren Weg zu gelangen.
„Hey Süße", sagte der Gangleader und baute sich mitten in Camerons Richtung auf dem Weg auf.
Die anderen Gangmitglieder rissen Augen und Mund auf, als Cameron den offenbar 20 Kilo schwereren Jungen kommentarlos mit einer Hand an seiner Jacke ergriff und ihm dann ohne eine Mine zu verziehen einen Schubs versetzte, der ihn in eine Hecke katapultierte.
„Die ist ja noch verrückter als der Weiße mit der Knarre", sagte eines der Gangmitglieder in Camerons Rücken.
Cameron stoppte als wäre sie gegen eine Wand gelaufen.
Die Gangmitglieder wichen erschrocken zurück, als Sie herumwirbelte und nun auf die beiden älteren Jungs zuging. Beide warfen ihrem Anführer, der sich gerade mühevoll aus der Hecke aufrappelte, einen Blick zu. Dann erreichte Cameron sie.
„Wo ist er hin?" Fragte sie mit drohendem Unterton.
„Ww..wer?"
„Der, von dem Ihr gerade gesprochen habt, der Weiße mit der Waffe", sagte sie knurrend. Ihr Gesicht befand sich nur Zentimeter von dem des Fragenden entfernt.
Alle waren wie gelähmt. Ihr Anführer versuchte noch immer sich aus der Hecke zu befreien. Seinen Schmerzlauten und Flüchen nach schien diese einige Dornen zu haben.
Noch bevor einer der Älteren antworten konnte zupfte einer der Kleinsten Cameron am Ärmel. Als sie auf den vielleicht acht- oder neunjährigen hinunter sah verlor sich das gefährliche Glitzern in ihren Augen.
„Ja?" Fragte sie freundlich, nachdem sie vor ihm in die Hocke gegangen war.
Der Junge hob einen Arm und deutete die Straße runter.
„Da entlang?"
Der Junge nickte heftig.
Cameron drückte den Kleinen kurz an sich, während sie sich bedankte, den Älteren noch einen bösen Blick zuwerfend erhob sie sich und setzte dann ihren Weg fort.
Im Vorbeigehen gab sie dem Anführer, der sich endlich aus der Hecke befreit hatte noch einen Stoß, der Ihn wieder hineinfallen lies.
Der kleine Junge sah ihr hinterher bis er sie nicht mehr sehen konnte. Von Cameron unbemerkt streifte er dann sein Gang Stirntuch vom Kopf und warf es stumm vor den älteren Jungs auf den Boden bevor er sich umdrehte und wegging.
Die beiden Älteren schüttelten nur den Kopf. Ihnen fielen aber beinahe die Augen aus dem Kopf, als nun nacheinander die Jüngeren es dem Kleinen gleichtaten, ihre Tücher abstreiften und achtlos fallenließen.
„Aber...?" Sagte Einer noch aber die Jungs beachteten ihn gar nicht.
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Cameron kam jetzt in die Randbezirke der Innenstadt. Hier wurde es lebhafter. Sie musste genau hinsehen, hatte aber Probleme auf die Entfernung hin Personen zu identifizieren.
Dann erinnerte sie sich an Jemanden, der ihr vielleicht helfen konnte.
„Wurde auch Zeit verdammt nochmal!"
Als Allisons Bild auf Camerons HUD sichtbar wurde lief diese hin und her.
„Tut mir Leid, ich war abgelenkt", Sagte Cameron leise.
„Das habe ich gemerkt. Hättest Du mich nicht ausgeschlossen hätte ich Dich vielleicht davor bewahren können Dich wie eine komplette Vollidiotin aufzuführen".
Cameron seufzte. „Ich weiß, tut mir leid".
„Okay, Du hast mich sicher nicht reaktiviert um zu plaudern".
„Ich muss diese Emotionen unter Kontrolle kriegen, sie behindern meine Systeme".
Jetzt lachte Allison. „Weißt Du, es ist schon ironisch. Erst killst Du mich und jetzt bin ich vielleicht die Einzige, die Dir helfen kann. Na ja, ich oder ein Gehirnchirurg".
„Es tut mir Leid".
„Vielleicht sollten wir mal abwarten ob es Dir noch leid tut wenn ich versuche Dir zu helfen".
„Ich habe keine Wahl. Auch wenn er mich vielleicht nicht mehr liebt ist es immer noch meine Mission ihn zu beschützen", sagte Cameron mit Bestimmtheit.
„Denkst Du auch mal an Mich?"
„Wie meinst Du das?"
„Wenn es falsch läuft und Du Deine Emotionen verlierst, was wird dann aus mir? Du wirst Dein Interesse an all den schönen Dingen verlieren. Schokoladeneis, Kochen, Singen und ich werde wieder dazu verdammt sein, Informationen zu sortieren".
„Ich habe keine Wahl. Ich würde mir nie verzeihen, falls ihm etwas passiert weil er da Draußen rumläuft", sagte Cameron flehentlich.
„Hast Du auch an John gedacht. Was passiert, wenn er doch zurückkommt und eine seelenlose Maschine vorfindet? Es würde ihm das Herz brechen", sagte Allison eindringlich.
Cameron dachte nach. Ihr war klar, dass Allison Recht hatte. Es gab aber ein Argument, dass ihr Vorhaben unterstützte.
„Du hast Recht aber Du weißt auch ganz genau, dass die Beeinträchtigung meiner Systeme immer schlimmer wird. Selbst Dein Bild ist mittlerweile teilweise gestört. Jeder Emotionsschub hat es schlimmer gemacht", entgegnete Cameron.
Allison schien zu überlegen. Schließlich nickte sie. „Während Du mich ausgeblendet hattest habe ich den Datenverkehr zwischen Dir und mir im Auge behalten. Es gibt dort zwei Datenströme, die ich nicht entziffern kann. Es sind also keine Erinnerungen.
„Könntest Du etwas tun?"
Allison kratzte sich am Kopf. „Ich kann die Datenströme nicht unterbrechen, allerhöchstens in einen leeren Speicher umleiten".
„Dann tu das bitte", sagte Cameron so eindringlich wie möglich.
„Aber welchen soll ich umleiten?"
„Beschreib mir die Datenströme".
„Der eine ist riesengroß, mehr Daten als selbst Du Dir vorstellen kannst. Der andere ist nur einen Bruchteil so groß und im Gegensatz zu dem Großen ist er unregelmäßig und mit der Zeit wird er auch größer.
Cameron wollte eine Wahrscheinlichkeitsberechnung anstellen aber auch dieses System war offline".
„Ich denke, es ist der Kleinere. Das klingt eher nach einem Störsignal als der Große", sagte sie überzeugt.
„Aber der Kleinere passt eher zu schwankenden Gemütszuständen".
Cameron seufzte. „Wenn doch nur John hier wäre".
„Ist er aber nicht, dank Dir. Wir Drei könnten jetzt so schön kuscheln".
Cameron Stöhnte. „Bleib bitte bei der Sache".
„Okay, also der Kleinere aber eine Bedingung habe ich".
Cameron wurde misstrauisch. „Was willst Du".
Jetzt grinste Allison. „Dabei sein wenn ihr es tut. Ich möchte wünsche äußern".
Cameron riss die Augen auf, fast wäre sie gestolpert. „Das kommt überhaupt nicht in Frage!" Rief sie aufgebracht und wurde dafür von einigen Passanten mit merkwürdigen Blicken bedacht. „Nie im Leben...".
„DAS SCHULDEST DU MIR!" Unterbrach Allison sie wutentbrannt.
Cameron zögerte. „Aber nicht jedes Mal".
„Und Du hörst auf Dir ständig Messer irgendwo reinzustechen, das tut nämlich Schweine weh".
„Einverstanden", entgegnete Cameron augenverdrehend.
„Und hör auf die Augen über mich zu verdrehen, Du scheinst zu vergessen dass ich durch Deine Augen auch sehen kann".
„Entschuldige bitte", sagte Cameron resignierend.
„Akzeptiert", entgegnete Allison. „Dann suchen wir uns mal ein ruhiges Plätzchen, nur falls es Probleme gibt".
Cameron sah sich um. Links von ihr befand sich ein kleiner Park, den sie ansteuerte. Schnell fand sie ein dichtes Gebüsch, dass ihr Sichtschutz bot. Sie sah sich kurz um und ging dann zwischen den einzelnen Sträuchern durch. Dann hockte sie sich hin.
„Dann los, Tu es", sagte sie entschieden.
„Wie Du willst!"
Eine Sekunde später schrie Cameron auf, griff sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Kopf und fiel dann leblos auf den feuchten Boden.
Kapitel 71
Ein Stück weiter in dem Park war ein junger Mann unterwegs, der immer nur an das Eine denken konnte. Ein Name schwirrte durch seine Gedanken. Cameron.
John hielt den Kopf gesenkt. Immer wieder kamen Tränen.
Zwei Minuten nachdem Cameron mit einem stechenden Kopfschmerz zusammengebrochen war zuckte ihr Kopf kurz.
REACTIVATE
acv 01-32
proc: 00 online
upd: sys routine
updated
HUD: ONLINE
Ruckartig richtete sich Cameron auf und starrte geradewegs in das Gesicht eines kleinen Mädchens, dass einen knurrenden Hund an der Leine hielt.
"Hallo", sagte die am Boden Sitzende mit emotionslosem Gesicht.
Das Mädchen das schockiert die Augen aufgerissen hatte, als Cameron sich so urplötzlich aufrichtete, wirbelte herum und lief den kleinen Hund hinter sich herziehend davon.
"Verdammt Cameron Du hast das Mädchen erschreckt", sagte Allison, deren Bild ebenfalls auf dem HUD erschienen war.
Cameron antwortete nicht. Aufmerksam blickte sie sich innerhalb des Gebüsches um. Sie lies mehrere Tasks parallel laufen. Sie identifizierte Blätter, während sie mit maximaler Vergrößerung die Augen eines Käfers betrachtete.
"Cameron?" Fragte Allison irritiert.
Cameron hob den Blick. Dann trat sie wortlos zwischen den Büschen hindurch. Sie begann die Leute die sie sah zu scannen.
"Cameron? Was ist los?" Fragte Allison einer Panik nah.
"Ich werde John Connor terminieren", sagte Cameron ungerührt. "Und Du wirst dabei zusehen".
Allisons Augen weiteten sich im Schock. "Scheiße, was habe ich nur getan"
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Sarah hatte von Enrique die Adresse eines Waffenhändlers bekommen, der genau das vorrätig hatte, was sie benötigte.
Nun fuhr Sie durch den Stadtteil in dem die Ellisons wohnten.
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Hätte John geahnt, wer hinter ihm die Leute scannte hätte er den Park sicher nicht verlassen aber die Leute waren ihm einfach zu fröhlich.
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Steif ging Cameron langsam durch den Park.
No match
War Das, was ihr ständig angezeigt wurde.
"Was mach ich nur, was mach ich nur?" Allison lief unruhig auf und ab.
"Ich könnte versuchen nochmal irgendwas mit den Datenströmen anzufangen"
"Das wäre zwecklos. Alles was Du erreichen würdest wäre allenfalls ein erneuter Reboot für einhundertzwanzig Sekunden", Entgegnete Cameron ungerührt.
Minutenlang war Allison still.
Schließlich nickte Allison. "Du hast recht, ich kann nichts mehr tun", sagte sie resignierend.
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Stunden später war Cameron auf dem Rückweg. Es war fast Dunkel als ihr ein kleiner Junge zusammen mit seinen Eltern begegnete.
Schon von Weitem hatte der Junge sie entdeckt, zupfte kurz an den Ärmeln seiner Eltern und zeigte dann in Camerons Richtung.
"Guten Abend", sagte der Vater des Jungen als sie sich begegneten.
"Guten Abend", entgegnete Cameron lächelnd.
"Ich bin Jefferson Dwell, Das ist meine Frau Lydia", sagte der Mann freundlich. "Unser Sohn Stevie hat uns erzählt, dass Sie ihn aus den Fängen dieser Gang befreit haben?"
Cameron sah auf den Jungen hinab. Natürlich hatte sie ihn sofort erkannt. Er war derjenige, der ihr den Weg gezeigt hatte.
Sie lächelte. "Wenn das so ist, dann habe ich das gern getan", sagte sie freundlich.
"Wie können Wir Ihnen nur danken?" Fragte Lydia Dwell aufrichtig und legte eine Hand an Camerons Oberarm.
Jetzt lächelte Cameron offen. "In dem sie jeden Sonntag in den Gottesdienst kommen".
Cameron zog eine Visitenkarte aus der Hosentasche und reichte sie dem Mann. "Wenn ihr Sohn wieder Probleme bekommt, können sie mich jederzeit über das Jugendzentrum oder auf meinem Handy erreichen", sagte Cameron verbindlich.
Der Mann blickte auf die Visitenkarte. "Cameron Ellison?" Fragte er erstaunt. "Sind sie die Solistin des Kirchenchors?"
Cameron deutete mit dem Kopf eine leichte Verbeugung an. „Die bin ich".
Wieder ergriff die Frau Camerons Arm. „Wir haben ja schon so viel von ihnen gehört. Leider haben wir es bislang nicht geschafft zur Messe zu kommen".
Jetzt lächelte Cameron. „Gott vergibt ihnen das gerne. Die Christmesse sollten sie aber unbedingt besuchen. Das wichtigste Ereignis des Jahres".
Jetzt nickte der Mann bekräftigend. „Das werden wir".
In diesem Moment zupfte Stevie wie schon am Nachmittag an Camerons Ärmel.
Cameron ging erneut vor ihm in die Knie.
Er streckte seinen Arm aus und zeigte in Richtung des Spielplatzes, von dem er und seine Eltern gerade gekommen waren.
Cameron folgte mit dem Blick der Zeigerichtung. Sie sah eigentlich nichts ungewöhnliches, bis vielleicht auf einen Jungen oder jungen Mann, der vornüber gelehnt auf einer Schaukel saß.
Auch die Dwells waren dem Blick gefolgt.
„Der junge Mann sitzt dort seit Stunden", sagte Lydia. „Er wirkt so traurig".
„Ich habe ihn die ganze Zeit im Auge gehabt während Stevie auf dem Klettergerüst war. Er interessierte sich nicht für seine Umgebung, mal schaukelte er ein wenig, dann saß er wieder regungslos", sagte Jefferson Dwell nachdenklich. „Für die Jahreszeit ist er viel zu kühl angezogen", fügte er noch nachdenklich hinzu.
Lydia sah Cameron an. „Er schien geweint zu haben. Ich habe ihn angesprochen als wir vorhin an ihm vorbeigingen aber er hat nicht reagiert, hat sich nur von uns weggedreht".
„Kennen sie ihn?" Fragte Jefferson.
Cameron hatte auf infrarot umgeschaltet und festgestellt, dass John, den sie zuvor nur an seiner Kleidung identifiziert hatte da er mit dem Rücken zu ihr saß, leicht unterkühlt war. Sie nickte.
„Entschuldigen sie mich bitte. Ich muss mich um ihn kümmern", sagte Cameron und nickte den Dwells zu, während sie deren Sohn erneut kurz an sich drückte.
Die drei Menschen sahen ihr nach als Cameron nun eilig den Spielplatz betrat und sich auf John zubewegte.
„Du hast mich verarscht oder?" Fragte in diesem Moment Allison, die die ganze Zeit genau beobachtet hatte.
Cameron seufzte. „Halt jetzt mal die Klappe", sagte Cameron voll auf John konzentriert.
Cameron näherte sich John lautlos. Als sie noch einen Meter entfernt war streckte sie die Hand nach ihm aus.
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Mit Hilfe eines Richtmikros hatte sie die Ellisons belauscht und wusste deshalb, dass John und die Maschine nicht dort waren. Sie war wütend, dass dieses Ding den Retter der Menschheit so behandelt hatte.
Sarah hatte ihn nach Stunden gefunden. Einsam saß er auf einem Spielplatz.
‚Was hat diese Maschine ihm angetan?' Dachte sie nur, als sie ihn bei der Kälte ohne seine Jacke regungslos da sitzen sah.
Alles in ihr drängte sie dazu zu Ihm zu gehen und ihn mit nach Hause zu nehmen. Sie wusste aber auch dass diese Maschine nach ihm suchen würde.
In diesem Moment realisierte sie gar nicht, dass sie zum ersten Mal Ihre eigene Wut, ihren eigenen Hass über Johns Sicherheit stellte.
Dann, nach einer weiteren Stunde sah sie die Maschine kommen. ‚Da ist Sie' .Sie legte das Fernglas zur Seite und ergriff das Scharfschützengewehr. Grimmig lächelnd dachte sie an die Panzerbrechende Munition im Magazin.
Sorgfältig visierte Sarah ihr Ziel an.
