Liebe Mortiana´s Morgana und Marylein vielen, vielen Dank für eure Reviews! Ich freue mich immer sehr von euch zu lesen, da ihr im Großen und Ganzen die einzigen seid die so eifrig meine Geschichten kommentieren. Ohne euch hätte ich sicher dazwischen schon aufgegeben meine Geschichten weiter zuschreiben. Vielen Dank!

(Ich gebs zu ein bisschen Zuspruch brauche auch ich ;-) )

Liebe Grüße Gaby

25 Auf der Flucht

Hastig versteckte er das Buch hinter seinem Rücken und drückte es dabei in die Hände von Hermione. Balogh sollte es auf keinen Fall zurückbekommen, denn es konnte der Schlüssel zur Magie sein und somit zu ihrer Heimkehr nach Hogwarts.

„Wenn ich es sage – lauf!" zischte er ihr noch zu, ehe er mit einem großen Satz nach vorne sprang. Hermione stockte beinahe der Atem, ihr Severus stürzte sich auf Balogh. Mit beiden Händen packte er dessen Schwert am Griff und drängte ihn zurück. Überrascht über diesen Angriff stolperte Balogh und fiel über seine Soldaten. In einem wilden Knäuel lagen diese am Boden.

„Lauf!" brüllte Severus in diesem Moment.

Hermione löste sich aus ihrer Erstarrung und rannte das Buch an ihre Brust gedrückt los. Gehetzt lief sie die Stufen hinab, in der Hoffnung er würde ihr folgen. Unbehelligt erreichte sie den Ansatz der Treppe, da schallte ihr der Ruf Baloghs hinter her.

„Haltet sie auf! Tötet sie!" brüllte er von oben herab.

Also war ihr Severus tatsächlich gefolgt. Schon faste er nach ihrem Ellenbogen und zog sie mit sich weiter auf den Eingang zu, doch dieser wurde bereits aufgerissen und fühlte sich mit Baloghs Soldaten. Ein jeder von ihnen bewaffnet mit einem Schwert bereit die beiden zu töten.

Schlitternd kamen sie zum stehen. Verzweifelt blickte Hermione auf Severus. Was sollten sie jetzt nur tun? Seitlich neben der Treppe öffnete sich lautlos eine Tür.

Eine Hand erschien und winkte die beiden zu sich. Ohne zögern schritt Severus darauf zu. Sie mussten hier raus und zwar schnell, sonst würde keiner von ihnen beiden überleben. Er hatte die Mordlust in Baloghs Augen gesehen. Diesmal konnte ihn nichts und niemand davon abhalten sie zu töten.

Er schob Hermione durch die schmale Tür und zwängte sich dann selber durch. Dahinter stand eine gebeugte, ältere Frau, von Narben gezeichnet. Sie schloss hinter den beiden die Tür und schob einen schweren Riegel vor.

„Kommt wir müssen uns beeilen. Wenn sie euch finden erwartet euch der Tod und noch schlimmere Dinge!" flüsterte sie beschwörend, es schien als wüsste sie wovon sie sprach, zeugten doch ihre Narben von großen Schmerzen und Severus hatte so einen Verdacht wer ihr die zugefügt hatte.

Die Frau ging voran. Sie erleuchtete mit einer Fackel den Gang vor ihnen. Sie befanden sich scheinbar in einem Geheimgang. Schmal und eng rückten hier die Wände zusammen, sie konnten nur hintereinander hindurchgehen. Von hinten erklang dumpf seine Stimme.

„Brecht sie auf!"

War da nebst seinem herrischen Ton auch ein Hauch von Panik zu erkennen? Nun war sich Severus sicher das richtige Buch mitgenommen zu haben. Er hielt Baloghs Macht in den Händen und wer weiß vielleicht war es wirklich der Schlüssel zur Magie. Er fühlte wie sehr er sich danach sehnte endlich wieder zaubern zu können. Er war ohne die Magie nicht vollständig. Ihm fehlte einfach ein wichtiger Teil in seinem Leben, so wie ein Bein oder Arm.

Schon bald wichen die gemauerten Wände nacktem Stein. Nicht länger befanden sie sich im Schloss. Der Gang führte ein Stück bergab, tiefer hinein in die Erde. Kurz erfasste beide blankes Grauen. Zu lebhaft war die Erinnerung an ihren langen Weg hierher und nun waren sie schon wieder unter der Erde gefangen.

Geräusche hinter ihnen ließ sie ihre Angst rasch vergessen. Balogh war es scheinbar gelungen die Tür zu öffnen. Ihre Führerin gelangte zu derselben Erkenntnis. Bleich und starr vor Angst sah sie zurück, dann faste sie einen Entschluss. Sie drückte Severus die Fackel in die Hand und drängte beide weiter.

„Folgt diesem Gang bis zu seinem Ende. Dort gibt es einen Weg nach draußen."

Sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern lief den Gang, den sie gekommen waren, wieder zurück. Sie konnten ihr für ihre Hilfe nicht einmal danken und nun rannte sie in ihren sicheren Tod. Bestürzt blickte Hermione hinter ihr her bis sie die Schwärze der Höhle verschluckte und nichts mehr von ihr zu sehen war. Unwillkürlich wollte sie hinter ihr hereilen, doch mit eisernem Griff hielt Severus sie fest.

„Du kannst nichts mehr für sie tun, außer überleben!"

*

Ruhelos lief Eldor hin und her. Einerseits war er froh nichts tun zu können, denn das hieße sich mit Balogh anzulegen, aber andererseits. Die beiden waren seine Freunde und diesem Bastard nun hilflos ausgeliefert.

„Ich muss näher ran!" rief er erregt Doro zu.

Dieser konnte seine Aufregung nicht ganz verstehen, folgte ihm aber schweigend. Eldor schien ihm nicht in der Stimmung brauchbar Erklärungen liefern zu können. Vorsichtig hastete er im Dunklen durch das Unterholz bis er sich gefährlich nahe an Baloghs Schloss befand. Fast schon zu nahe. Er konnte die Soldaten ausmachen die mit Fackeln in den Händen über den Hof liefen. Eiligst wurden Pferde aus dem Stall geholt und hastig gesattelt. Ein Mann rief brüllend Befehle über den Hof und mahnte sie sie zu finden. Schon schwärmten die Männer in alle Richtungen aus und machten sich auf die Suche.

Balogh!

Er schien verzweifelt und das war gut so. Sagte Eldor dies doch, das den beiden die Flucht gelungen sein musste und noch mehr. Irgendwie war es ihnen auch gelungen ihn an einer empfindlichen Stelle zu treffen. Zufrieden rieb er sich die Hände. Balogh war dem Untergang geweiht nur wusste es dieser noch nicht.

„Komm!" rief er Doro leise zu.

„Wo willst du denn jetzt schon wieder hin?" genervt rannte dieser hinter ihm her.

„Na wohin wohl schon? Ich muss die beiden finden!" Wie selbstverständlich er klang. Hatte er überhaupt eine Ahnung, wo er sich befand? Es war stockdunkel und sie standen mitten im Wald. Sie konnten praktisch überall sein.

*

Laute Stimmen weckten ihn auf. Derbe Sprüche waren zu hören, aber das war unter Soldaten nichts außergewöhnliches, nur mit wem sprachen sie so. Von plötzlicher Unruhe erfasst schlug er die Augen auf und sah seine Befürchtung bestätigt. Sahaela war ihnen in die Falle gegangen. Nun schubsten die Soldaten sie zwischen sich hin und her. Er musste eingreifen, bevor sie zu schaden kam. Einmal, nur einmal wollte er das richtige tun. Ruhig erhob er sich und schritt auf seine Männer zu. In ihrer Mitte stand sie. Ihre Augen waren vor Furcht geweitet.

Sie hatte die Arme ausgestreckt und versuchte sie so sich vom Leibe zu halten. Ein klägliches Unterfangen, wenn man die Übermacht an Soldaten bedachte, der sie gegenüber stand.

„Was geht hier vor?" rief er streng aus. Gehorchend wichen die Soldaten zurück.

„Wir haben sie gefangen! Sie ist um das Lager geschlichen. Wahrscheinlich wollte sie etwas stehlen!" gab ihm einer der Männer Antwort.

Hoffnungsvoll fiel ihr Blick auf ihn. „Bitte!" flüsterte sie.

Er hatte ihr schon einmal geholfen, schon einmal Mitleid gezeigt, vielleicht? Er wandte sich ab von ihr, konnte sie einfach nicht ansehen. Er hatte keine Ahnung wie er sie retten sollte.

„Ihr kennt den Befehl!" meinte er kalt und wollte schon gehen, doch das Ziehen eines Schwertes, der raue Stahl der zischend aus seiner Scheide gezogen wurde, zwang ihn stehen zu bleiben. Er hob seine Hand.

„Wartet!" rief er aus, ohne sich umzusehen.

„Fesselt sie! Wir bringen sie unserem König." Sprach er ruhig aus, auch wenn er diese Ruhe nicht fühlte. Nun drehte er sich wieder zu Sahaela um und sah ihr in die Augen.

„Er hat gerne etwas Schönes zum spielen! Und sie ist schön!" Ihre Augen leuchteten schmerzerfüllt auf.

Er hat sie tiefer getroffen, als es den Männern, trotz ihrer Spötteleien und groben Übergriffe, gelungen wäre. Sie hatte geglaubt er würde ihr helfen, aber nun… Tränen standen in ihren Augen und liefen ihr ungebremst über das Gesicht. Er ballte die Hände zu Fäusten und ging davon. Er konnte nichts mehr tun für sie.

*

Gemeinsam stolperten sie weiter den engen Gang entlang. Laute Rufe und das Klirren von Waffen machte ihnen bewusst, dass Baloghs Männer immer weiter aufholten. Einmal bildete sich Hermione den Schrei einer Frau gehört zu haben, sie hatten ihre Retterin getötet, da war sie sich sicher.

Wie sehr wünschte sie sich zu irren und das es ihr auf wundersamer Weise gelungen war sich doch noch vor ihnen zu verbergen, aber sie konnte selbst sehen wie unwahrscheinlich das war. Aber der schmale Gang hatte kein Versteck, bot keinerlei Möglichkeit sich zu verbergen. Auch Severus war beunruhigt und trieb sie schweigend zur Eile an.

Der Gang selbst schien kein Ende nehmen zu wollen und wenn sie nicht bald hier raus kamen, dann würde Balogh siegen. Entschlossen biss er die Zähne zusammen. Er hatte nicht jahrzehntelang Voldemort verraten und dazu beigetragen, dass dieser seine gerechte Strafe bekam, um hier tief unter der Erde sterben zu müssen, noch dazu wo er das unglaubliche Glück hatte seine Liebe doch noch zu finden.

Nein, er würde sich ganz sicher nicht von so einem dahergelaufenen, bösartigen Zwerg umbringen lassen! Energisch fasste er nach Hermiones Hand und zog sie mit sich weiter. Sie kamen hier raus, das versprach er sich selbst.

*

Sie taumelten planlos durchs Unterholz. Doro glaubte Eldor würde nun endgültig den Verstand verlieren. Er hatte keine Ahnung wonach er suchte, oder wo er beginnen sollte. Er ahnte nur, dass sie eventuell vielleicht hier im Wald zuflucht suchen könnten und selbst wenn sie das tun würden, woher nahm er, verdammt noch mal, die Zuversicht, dass sie ihm direkt in die Arme laufen würden? Energisch packte er ihn bei den Armen.

„Hör auf!" schrie er ihn an.

„So findest du sie nie!"

Eldor wollte ihn schon abschütteln, der Junge hatte ja keine Ahnung. Er musste sie einfach finden. Balogh würde sicher keine Ruhe mehr finden solange die beiden am Leben waren. ER hatte sie direkt unter seiner Nase und doch waren sie ihm entkommen. Was eigentlich unmöglich war. Noch nie gelang einem Gefangenen aus Baloghs Kerker die Flucht. Zorn funkelnd sah er Doro an.

„Ich muss sie einfach finden und den Wald zu durchsuchen erscheint mir die beste Idee, oder hast du eine bessere?" fragte er ihn herausfordernd. Bevor sich dieser dazu äußern konnte, kamen Soldaten auf sie zu und so duckten sich beide und warteten bis diese sich wieder entfernten.

„Vielleicht!" meinte er vage und schwieg. Bald hielt Eldor die Ruhe nicht mehr aus und herrschte ihn grob an.

„Und?"

„Was weißt du eigentlich über die Rhüaner?"

Eldor verstand nicht ganz. Worauf wollte der Junge jetzt wieder hinaus.

„In meinem Volk gab es viele weise und große Männer. Magier und Gelehrte bis Balogh kam und sie alle tötete." Eldor schüttelte stumm den Kopf. Das wusste er nicht.

„Balogh glaubte, in dem er sie alle auslöschte ginge auch ihr Wissen verloren, aber er hatte sich geirrt. Wir lernten es dieses Wissen besser vor ihm zu verstecken, aber wir haben es nicht verloren." Erzählte er weiter.

„Und wie sollte uns das jetzt helfen sie zu finden?"

„In meinem Dorf gab es vor vielen, vielen Jahren einen bedeutenden Baumeister. Ein großartiger Erbauer. Seine Arbeit war weit bekannt, denn er erbaute unter anderem auch Inferlant!"

Überrascht sah Eldor ihn an.

„Er hat das Schloss erbaut?"

Doro nickte nur.

„Und er hat das Schloss mit einem geheimen Fluchttunnel versehen. Es mag unwahrscheinlich sein das im Schloss noch jemand von diesem unterirdischen Gang weiß, denn dieses Wissen ist schon seit Jahren verloren, nur noch die Menschen aus meinem Dorf wissen darum, oder wussten darum."

Schmerzlich fiel ihm das Schicksal der Menschen, die er alle gekannt und geliebt hatte, ein. Sie waren alle tot, einschließlich dem Liebsten das er hatte auf dieser Welt Sahaela. Rasch unterdrückte er den Schmerz und richtete sich gerade auf. Aufmunternd klopfte er Eldor auf die Schulter.

„Lass uns diesen Gang finden!" Diesmal war es Doro der voranschritt und Eldor stolperte hinter ihm her.

„Ähm und du weißt wo dieser Tunnel liegt?" Irgendwie kam ihm das merkwürdig vor.

„Nein! Nur das er in ziemlich gerader Linie zu den Bergen führt." Eldor blieb kurz stehen und holte dann hastig wieder auf.

„Das ist sehr vage. Hast du den Gebirgszug der dem Schloss gegenüber aufragt bemerkt? Das lässt sehr viel Spielraum, wo dieser Tunnel sein könnte zu."

Doros Plan war im Grunde nicht viel besser wie seiner.

*

Die Enge, die schlechte Luft und der Lärm von hinten machte ihnen schwer zu schaffen. Außerdem war die Fackel schon gefährlich niedergebrannt. Lange würde sie ihnen nicht mehr Licht spenden und dann? Sie würden in der absoluten Finsternis festsitzen. Severus wusste, wie schnell man da die Orientierung verlieren konnte und dann kam die Panik. Er trieb Hermione zu noch größerer Eile an, zog sie unerbittlich mit sich. Wer weiß wie lang ihr Weg noch war.

Er hörte sie wie sie hinter ihm um Atem rang und spürte, dass sie müde wurde, aber so schwer es ihm auch fiel er konnte darauf keine Rücksicht nehmen.

„Es ist sicher nicht mehr weit!" meinte er zuversichtlicher als er sich tatsächlich fühlte, doch Hermione ahnte auch so, dass sie wenn sie es nicht bald bis ans Ende dieses nicht enden wollenden Ganges schafften, in großen Schwierigkeiten steckten. Sie verließ sich ganz auf Severus und hoffte einfach das Beste.

*

Sahaela kauerte auf dem kalten Boden und hatte schreckliche Angst. Was würden sie mit ihr tun? Würden sie sie wirklich zu Balogh bringen? Sie hatte den König bisher nur aus der Ferne gesehen und wenn sie ehrlich war reichte ihr das.

Er war ein grausamer, böser Herrscher und er hatte alle Menschen die sie kannte und liebte getötet. Auch ihren Bruder Doro. Er war der Grund warum sie wieder zurückgekommen war. Sie hatte einfach gehofft ihn vielleicht doch noch zu finden. Wer weiß vielleicht hatte er doch überlebt. Sie wollte, konnte einfach nicht glauben, dass er tot war.

Um sie war Ruhe eingekehrt die meisten Männer schliefen. Nur zwei Männer hielten am Rande des Lagers Wache. Sie zerrte an ihren Fesseln, doch daraus gab es kein entkommen. Warum half ihr der eine Mann, dieser Hauptmann, nicht mehr? Verzweifelt sah sie hoch zu den Sternen so als hoffte sie dort eine Antwort zu finden. So bemerkte sie nicht wie sich ihr eine Gestalt von hinten lautlos näherte.