Das Endspiel

Die nächsten Wochen brachten einigen Trubel ins Schulleben. Dumbledore hatte Sirius tatsächlich davon überzeugen können, sich in der Küche als Beikoch nützlich zu machen. Keine Beteuerung von Remus Lupin konnte Harry davon überzeugen, dass Sirius nicht irgendwie verhext worden war, als er diesem Vorschlag zugestimmt hatte. Tatsächlich wirkte Harrys Pate, wann immer Harry, Ron und Hermine ihn in der Schulküche besuchten, etwas nieder geschlagen und frustriert.

Und das bekamen auch die anderen Schüler deutlich zu spüren. Mal gab es zum Abendessen massenweise Schokolade, mal war das Essen der halben Schule versalzen. Die Krönung von allem jedoch ein wässriger Eintopf, den die Slytherins eines Abends Mitte Mai auf ihrem Haustisch stehen hatten, während sich die Tische der anderen drei Häuser unter verschiedensten Speisen fast durchbogen.

„Was macht der denn?", murmelte Hermine bekümmert Harry und Ron zu.

Harry sah sie nachdenklich an.

„Na, ich meine, jeder kann verstehen, wenn Schnuffel im Moment auf diverse Slytherins nicht gut zu sprechen ist. Aber das ist nicht fair", führte Hermine ihre Gedanken weiter aus.

Harry nickte während Ron nur schwer ein unverhohlenes Grinsen unterdrücken konnte. Vom Huffelpufftisch drangen laute Stimmen zu ihnen hinüber. Einige Slytherins waren aufgestanden und holten sich ihr Essen vom Nachbartisch, während die Gruppe um Malfoy fassungslos in die Eintopfschüsseln starrte.

Als Harry an diesem Abend in die Küche stürzte, kam ihm ein sehr bedrückt aussehender Dobby entgegen.

„Harry Potter, Sir", rief er aufgeregt. „Gut, dass Sie kommen. Ich soll Ihnen von Mr. Black ausrichten, dass er bei Mr. Hagrid ist."

Harry stutzte, ging dann aber hinunter auf die Ländereien zu Hagrid.

Bei Hagrid brannte Licht und die Vordertür stand halb offen. Harry klopfte und als keine Antwort kam, ging er hinein. Im Haus war niemand. Auch von Fang war nichts zu sehen. Harry überlegte gerade, ob er zurück ins Schloss gehen sollte, als er Stimmen aus Hagrids Garten hörte. Hagrid, Sirius und Remus Lupin saßen vor einem kleinen Lagerfeuer und schienen ausgelassenster Laune zu sein.

„Hat dich Dobby erreicht?", fragte Sirius, als er Harry erblickte.

Harry nickte.

„Hat dich Dumbledore aus der Küche raus geschmissen?", fragte Harry und setzte sich zwischen Hagrid und Sirius.

„Hier", meinte Sirius vergnügt, reichte Harry eine Butterbierflasche. „Yepp. Dumbledore hat mich aus der Küche geschmissen. Nun, halten wir ihm mal zu Gute, dass die Küche nicht so eine winzige Kammer ist. Aber raus gekommen bin ich trotzdem nicht."

„Und jetzt?", fragte Harry.

Sirius begann über das ganze Gesicht zu grinsen.

„Jetzt darf ich das tun, was ich schon immer während meiner Schulzeit machen wollte. Den ganzen Tag im Verbotenen Wald rumstromern."

„Du sollst nicht im Verbotenen Wald rumstromern, sondern Hagrid bei seiner Arbeit helfen", verbesserte Remus Lupin seinen Freund.

Sirius nickte.

„Und was ist mit den Slytherins, die wissen könnten, dass du ein Animagus bist?", wollte Harry wissen.

„Sirius soll nur abends hier her kommen", erwiderte Hagrid. „Wir hab'n die Rotspurbachen immer noch nich' gefund'n. Da soll er mir helfen."

„Rotspurbachen?", Harry konnte nichts mit dieser Tierart anfangen.

„Die hatt'n die Zentauren im Winter doch auch verjagt", erklärte Hagrid.

Harry konnte sich dunkel daran erinnern, dass Magorian in Dumbledores Büro so was gesagt hatte.

Harry trank sein Butterbier aus und betrachtete Sirius von der Seite. So ausgelassen und aufgeweckt hatte er seinen Paten noch nie erlebt. Wenn ihn hier draußen keiner erkannte, war bei Hagrid zu leben wohl wirklich die beste Lösung für Sirius.

Die Wochen zogen sich dahin, wieder einmal standen Schuljahresabschlussprüfungen auf dem Plan. Ginny lernte jetzt wie eine Besessene für ihre ZAG Prüfung und Wyrren hatte tatsächlich von Snape die Kette erhalten, die Lucius Malfoy Snape übergeben hatte. Wenn man sie auf die Kette ansprach, wechselte sie abrupt das Thema, jedoch berichtete Hermine, sie habe gesehen, dass Wyrren die Kette niemals ablegte. Nach Sirius' Wechsel in den Außendienst, wie Harry scherzhaft Sirius' neue Aufgaben benannt hatte, boten auch die täglichen Mahlzeiten keine großen Überraschungen mehr.

Zwei Wochen vor dem letzten Quidditchspiel wurde wieder unruhig. Pansy Parkinson war die erste. An jenem Abend waren Harry, Ron und Ginny ziemlich spät vom Quidditchtraining in die Große Halle zum Abendessen gekommen und noch ziemlich aufgewühlt. Ron hatte unglaublich viele Tore kassiert und war total niedergeschlagen. Harry und Ginny waren den ganzen Weg von der Umkleidekabine bis zur Großen Halle damit beschäftigt, ihn davon zu überzeugen, dass er unmöglich jetzt aufhören und die Flinte ins Korn werfen könnte.

Da kreischte auf einmal am Slytherintisch eine Mädchenstimme auf. Sally – Anne Perks hatte ihren Stuhl umgeworfen und starrte auf Pansy Parkinson, die ihr gegenüber saß. Harry fiel es zunächst wie allen anderen Mitschülern schwer ernst zu bleiben. Die Haut von Pansy Parkinson war überall giftgrün, und große Beulen hatten sich auf ihrem Gesicht und ihren Armen gebildet. Die Slytherin schien nicht in der Lage, sich zu rühren oder aus der Großen Halle zu laufen. Ihre Mitschüler sahen sie erschrocken und angewidert an. Dann platzen die größten unter den Beulen und lauter kleine Schlangen wanden sich aus den Wunden.

Die Professoren Dumbledore, Snape und McGonagall kamen zum Slytherintisch gestürzt. Snape packte Parkinson, wobei jetzt auch aus den Ärmeln ihres Umhanges kleine Schlangen gekrochen kamen, und zerrte das Mädchen aus der Großen Halle. McGonagall versuchte vergeblich, die Schlangen weg zu hexen und Dumbledore bat einige Lehrer, sofort die Schüler geordnet in ihre Haustürme zu begleiten. Harry konnte hören, wie eine Gruppe um diese beiden Slytherins, die Snape vor wenigen Monaten mit in die DA gebracht hatte, lautstark zu lamentieren begann. Erst bekämen sie nur die Reste zu essen, dann würde man versuchen, sie zu vergiften. Dumbledore hatte alle Hände voll damit zu tun, die aufgebrachte Slytherinschar zu beruhigen. Harry, Ron und Hermine wurden zusammen mit ihren Mitschülern aus der Großen Halle gedrängt. Professor Vektor übernahm die Führung und sorgte dafür, dass alle zusammen blieben.

„Ihr Passwort", meinte sie zu Ginny, die sich zusammen mit Harry, Ron und Hermine nach vorn gedrängelt hatte.

Drinnen erwarteten sie bereits gedeckte Tische.

„Die Hauselfen haben Ihnen die Reste des Abendessens nach oben gebracht", erklärte die Astronomielehrerin.

„Was ist, wenn das auch vergiftet ist?", fragte Hermine unsicher.

„Die Speisen sind auf Schwarze Magie geprüft worden", erwiderte die Lehrerin und wünschte ihnen noch einen guten Abend.

„Wie kommt sie auf schwarze Magie?", wollte Ron wissen und griff nach einem Hähnchenschenkel.

„Sieh mal", antwortete Hermine leise „das kann unmöglich ein böser Scherz gewesen sein. Schlangen, die nicht einmal McGonagall zum Verschwinden bringen kann."

Ron spuckte augenblicklich den Bissen wieder aus, den er im Mund hatte und rannte nach oben.

Niemand rührte mehr die Reste des Abendessens an und auch am nächsten Morgen stocherten alle Schüler unsicher in ihrem Frühstück herum. Die Slytherins kamen nicht zum Frühstück. Beim Mittagessen erzählte Hermine, die gerade zusammen mit Blaise Arithmantik gehabt hatte, dass letzte Nacht noch einige Schüler Versorgungspakete von ihren Eltern erhalten hatten und es den Slytherins zu unsicher war, an der normalen Schulspeisung teilzunehmen. Doch beim Abendessen war schon wieder der halbe Slytherintisch mit Schülern gefüllt.

„Sirius kann es nicht gewesen sein", murmelte Harry Ron und Hermine zu, die ihm beide zustimmten.

Im Verlauf der Woche kamen immer mehr Slytherins zu den Mahlzeiten zurück in die Große Halle. Blaise Zabini erklärte Harry, Ron, Hermine und Ginny bei einem ihrer abendlichen Treffen in der Bibliothek, dass die Hauselfen ihnen das Essen in ihren Hausturm gebracht hatten, worauf zwischen Hermine und Blaise eine heiße Diskussion über Ausbeutung und Hauselfenrechte entbrannte.

In Zaubertränke am Freitag brach Malfoy unter Schmerzen zusammen und musste in den Krankenflügel gebracht werden. Ron stellte beim Abendessen fest, dass auch Crabbe und Goyle fehlten.

„Jetzt sind es noch drei", bemerkte Hermine und sah zum Slytherintisch hinüber.

„Drei was?", fragten Harry und Ron im Chor.

„Drei Mitglieder der Quidditchmannschaft, die noch nicht im Krankenflügel sind", erklärte Hermine.

„Oh." Es fiel Harry wie Schuppen von den Augen. Alle der bisher getroffenen Schüler waren in der Quidditchmannschaft.

„Glaubt ihr, dass jemand von uns dahinter steckt?", wollte Ron wissen.

„Das kann ich mir nicht vorstellen", erwiderte Harry.

„Aber wenn die nicht spielen können, dann haben wir doch automatisch den Pokal, oder?", erwiderte Ron.

„Die ganzen letzten Jahre haben die Slytherins versucht, unsere Mannschaft schon vor dem Spiel durch Unfälle aus dem Verkehr zu ziehen. Wenn wir jetzt die gleiche Masche fahren, sind wir doch keinen Dreck besser, oder?", fragte Harry in die Runde.

Lavender und Seamus, die Hermine und Ron gegenüber saßen, nickten zustimmend.

Aber Hermine schien Recht zu behalten. Jemand hatte es auf die Mitglieder der Slytherinmannschaft abgesehen. Am Montag kamen Gerüchte auf, dass auch Pucey und Warrington mit seltsamen Symptomen im Krankenflügel lagen. Miles Bletchley, der Hüter der Slytherins, ging jetzt keinen Meter mehr, ohne von anderen Hausmitgliedern beschützt zu sein.

„Allein kann er es ohnehin nicht mit uns aufnehmen", frohlockte Ron auf dem Weg zum Verwandlungszimmer.

„Muss er vielleicht auch nicht", erwiderte Blaise.

Harry und Ron sahen die Slytherin verwundert an.

„Wer immer es auch auf unseren wohlverdienten Hauspokal abgesehen hat", erklärte Blaise ihnen vor der DA Stunde, „hat nicht eingerechnet, dass es vielleicht noch andere gibt, die Quidditch spielen können."

„Ihr habt Reservespieler?", fragte Harry beeindruckt.

Blaise lächelte still vor sich hin.

„Ich sag kein Wort mehr. Viel zu gefährlich im Moment. Lasst euch überraschen."

Doch Bletchley schien seine Leibgarde nichts zu nützen. Am Dienstagabend brach auch er in der Bibliothek zusammen. An diesem Abend gab es in der Großen Halle lauter Gerüchte darüber, dass das Spiel am Samstag abgesagt werden würde, doch zu aller Überraschung vermeldete Dumbledore, dass die Slytherins mit ihrer Ersatzmannschaft antreten würden und das Spiel wie geplant stattfände. Eigenartigerweise verschwand innerhalb der nächsten Tage kein Slytherin mehr.

Freitag Abend kam und Harry war so nervös wie noch nie vor einem Quidditchspiel. Seine Gedanken fanden keine Ruhe. Das morgige Spiel würde entscheiden, ob sie die Hausmeisterschaft gewinnen würden. Ginny hatte bereits ausgerechnet, dass sie sich bei einer bestimmten Punktzahl auch ein verlorenes Spiel leisten konnten. Selbst wenn sie nicht den Quidditchpokal gewinnen würden, könnten sie immer noch Hausmeister werden. Alles hing davon ab, wer morgen tatsächlich aus Slytherin gegen Gryffindor antreten würde.

Harry versank in einen unruhigen Schlaf. Er flog mit seinem Besen über das Quidditchfeld. Es war so neblig, dass er kaum sehen konnte, wohin er flog. Gestalten tauchten vor ihm am Boden auf. Neugierig betrachtete Harry die Umgebung. Er schien sich völlig verflogen zu haben. Vom Quidditchfeld in Hogwarts war nichts mehr zu sehen. Um ihn herum lichtete sich der Nebel ein wenig und er konnte eine trostlose Moorlandschaft sehen. Zwischen abgestorbenen Bäumen standen mehrere Personen im Halbkreis um eine größere Gestalt herum, vor der ein blasser Mann mit sehr hellen Haaren kniete.

Harry fröstelte. Ohne die große Gestalt genauer erkennen zu können, wusste er, dass es Voldemort war. Harrys Atem ging stoßweise. Vorsichtig darauf bedacht kein verräterisches Geräusch zu verursachen; er war sich nicht mehr sicher, ob er tatsächlich schlief oder dies hier alles wirklich erlebte; landete er hinter einem Gebüsch, legte den Feuerblitz am Boden ab und schlich vorsichtig ein wenig näher, um besser sehen zu können.

Voldemort hatte seinen Zauberstab auf den Mann am Boden gerichtet und schien ihn mit einem Cruciatusfluch zu belegen, denn Lucius Malfoy schrie vor Schmerzen.

Keiner der Umstehenden rührte sich, als Voldemort den Fluch zurück nahm und Malfoy drohend anzischte, er sollte ihn gefälligst ansehen. Zitternd hob Malfoy seinen Kopf.

„Du weißt, was ich mit Verrätern mache, Lucius", knurrte Voldemort bösartig. „Du hast mich sehr enttäuscht. Crucio!"

Wieder verkrampfte sich Malfoy und begann zu schreien. Eine halbe Ewigkeit später zog Voldemort den Zauberstab zurück.

„Ich hatte angenommen, du würdest eine zweite Chance als solche erkennen, Lucius. Ich bin mehr als enttäuscht von dir, nachdem du schon die Mission ins Ministerium derartig vermasselt hast. Du hast einen meiner wichtigsten Gefangenen entkommen lassen. Du hast mich verraten, indem du deine unselige Tochter zu Dumbledore geschickt hast. Aber sei getrost, ich habe einen anderen Weg gefunden, Potter habhaft zu werden. Und du, Lucius hast mir dabei unwissentlich geholfen."

Während er sprach, ging Voldemort um Malfoy herum. Dieser schien den Bewegungen Voldemorts folgen zu wollen, sich aber nicht zu trauen, den Kopf zu wenden. Harry konnte sehen, dass Malfoy am ganzen Leibe zitterte.

„Ich hoffe, dass sich der Rest der Familie Malfoy für meine Pläne als nützlicher erweist als du, Lucius. Dich brauche ich nicht mehr." Wieder richtete Voldemort seinen Zauberstab auf Malfoy, der ergeben die Augen schloss. Doch dann begann Voldemort kalt zu lachen.

„Nein, mein Junge, so einfach kommst du mir nicht davon. Dich wird kein simples Adava Kedavra erlösen. So ein Tod ist für einen Verräter wie dich viel zu unwürdig. Für dich habe ich etwas Besseres."

Voldemort winkte einen der umstehenden Todesser zu sich, der vor ihm in die Knie sank und sich tief verbeugte.

„Mein Lord", sagte er mit unterwürfiger Stimme.

Harry stockte der Atem. Diese Stimme glaubte er zu kennen. Das war Snape. Das konnte doch nicht sein, oder etwa doch? Doch eher er mehr darüber nachgrübeln konnte, dass Snape Dumbledore und den Rest des Ordens getäuscht hatte, wurde er von Voldemort abgelenkt, der dem Todesser vor ihm etwas zuraunte. Dieser nickte und zog eine kleine Phiole aus seinem Umhang, die er Voldemort überreichte.

Auf einen Wink Voldemorts hin ergriffen zwei weitere Todesser Malfoys Kopf und zogen ihn nach hinten. Voldemorts dürre, lange und bleiche Finger krallten sich in Malfoys Gesicht und pressten seine Kiefer auseinander.

„Adieu", sagte Voldemort mit kalter Stimme und goss den gesamten Inhalt der Phiole in Malfoys Mund.

Malfoy versuchte, den Trank sofort wieder auszuspucken, doch die Todesser, die eben noch seinen Kopf nach hinten gerissen hatten, hielten ihm jetzt den Mund zu. Mit einem Male wurde er ruhiger und sank dann schlaff zusammen. Die beiden Todesser ließen ihn auf den Boden fallen, wo sich Malfoy plötzlich zu winden und verkrampfen begann. Schaum trat vor seinen Mund, der sich bald rot färbte. Harry konnte hören, wie Malfoy verzweifelt versuchte, Luft zu holen, dabei den Schaum einatmete und noch mehr würgte. Der Todesser schien schreien zu wollen, doch kein Laut außer dem Röcheln kam über seine Lippen. Dann wurden seine fahrigen Bewegungen langsamer und hörten schließlich ganz auf. In seltsamer Pose erstarrt, blieb Malfoy im Gras liegen. Mit einem Knall und einem dunkelgrünen Blitz verschwand Voldemort.

Harrys Beine fühlten sich an, als wären sie aus Gummi, doch mit aller Willenskraft schaffte er es, sich wieder zurück zu ziehen. Plötzlich war er wieder in der Luft. Als nächstes sah er seltsame dunkelrote Gebilde über sich und es dauerte einen Moment bis er begriff, dass er keineswegs in irgendeinem Moor war, sondern in Hogwarts in seinem Bett lag und die Vorhänge seines Bettes über ihm betrachtete.

Er tastete nach seinem Zauberstab, der neben ihm auf seinem Nachtisch lag und murmelte: „Lumos". Die Spitze seines Zauberstabes begann in einem matten Licht zu leuchten. Keiner der anderen vier in seinem Schlafsaal schien munter zu sein. Er hatte das alles nur geträumt. Einen Moment überlegte er, ob er Ron wecken solle, um ihm von diesem Traum zu erzählen. Voldemort hatte Malfoy umgebracht und Snape war tatsächlich ein Todesser. Schon oft hatte sich Harry gefragt, wie Snape eigentlich seine Spionagetätigkeit für den Orden erledigte. Konnte es sein, dass er tatsächlich zu Voldemort zurückgekehrt war und so die wichtigen Informationen praktisch aus erster Hand lieferte?

Bald begann es zu dämmern und als Ron aufwachte, musste Harry erkennen, dass sein Freund viel zu aufgeregt und nervös war, um sich seinen Traum von letzter Nacht anzuhören. Hermine von dem Traum zu berichten, kam Harry nur kurz in den Sinn. Sie würde ihn sicherlich persönlich zu Dumbledore schleifen, egal ob draußen auf den Ländereien die halbe Schule darauf wartete, dass er als Sucher der Gryffindormannschaft am Spiel teilnahm.

„Ich bin echt gespannt, gegen wen wir heute spielen", meinte Katie Bell beim Frühstück. In ihrer Stimme konnte Harry genau dieses Flackern hören, was er im Magen spürte. Hedwig hatte ihm einen Zettel von Sirius gebracht, der ihm viel Glück wünschte. Langsam verblassten die Bilder seines Traumes.

„Gut, egal, wer oder was", sagte Katie in der Umkleidekabine „ich will, dass wir gewinnen. Wir brauchen zwar nicht unbedingt dieses Spiel gewinnen, um den Hauspokal sicher zu haben, aber ich möchte nicht, dass wir den Slytherins irgendetwas schenken."

Harry und die anderen Mitspieler nickten zustimmend. Ginny umarmte kurz Ron und Harry, dann ergriffen alle ihre Besen und gingen hinaus auf das Spielfeld. Die ganze Schule schien versammelt zu sein. Harry konnte Dumbledore sehen, der zwischen McGonagall und Snape saß. Und dann kamen die Slytherins. Harry stockte der Atem. Allen voran gingen Ryan Andrews und Sasha Lancester. Die beiden Siebtklässler, die Snape in die DA gebracht hatte. Ihnen folgten Morag McDougal und ein Mädchen sowie drei Jungen, die Harry alle vier nicht kannte.

„Die Sensation dieses Spiels, meine lieben Mitschülerinnen und Mitschüler", hörte Harry über sichDaniel Stone, „ist das überraschende Antreten dieser sieben Slytherins. Nachdem die eigentliche Mannschaft aufgrund mysteriöser Unfälle im Krankenflügel gelandet ist, kommen wir so doch noch in den Genuss eines hoffentlich spannenden Spiels."

Madame Hooch brachte die Kiste mit den Bällen aufs Spielfeld und forderte die Kapitäne auf, sich die Hand zu reichen.

Lancester ging auf Katie Bell zu und reichte ihr freudestrahlend die Hand und begrüßte jeden einzelnen Spieler der Gryffindors persönlich. Seinem Beispiel folgten die anderen Slytherins. Morag McDougal grinste Harry an und zischte: „Auf das der beste Slytherin gewinnt."

Madame Hooch war diesem ungewöhnlichen Begrüßungsritual erstaunt gefolgt und forderte sie schließlich alle auf, die Startpositionen einzunehmen.

Der Pfiff ertönte und Harry stieß sich kräftig ab.

Kaum war er in Höhe der Torstangen, konnte er Daniel Stone hören, wie dieser die einzelnen Positionen der Slytherinspieler bekannt gab. Wirklich interessant war für Harry nur, wer der Sucher war.

„Andrews als neuer Kapitän der Slytherins macht den Hüter, Standon und Hennardt spielen auf der Position der Treiber, Lancester, Pitchard und McKenneth sind die Jäger der Slytherins und McDougal der Sucher", ertönte Stones Stimme über dem Stadion.

‚Gut', dachte Harry. ‚Wenigstens ein Sucher, den ich kenne.'

Der Ball ging zuerst zwischen den Jägern der Gryffindors hin und her, doch als Katie auf die Torstangen der Slytherins zielte, hielt Andrews. Harry flog in weiten Bögen über das Spielfeld, während McDougal im Zickzack über das Feld zu fliegen schien.

In der obersten Sitzreihe konnte Harry Hagrid, Remus Lupin, Professor deGazeville und einen großen schwarzen Hund sehen. Wenig später grölte unten die Slytherinkurve. Ron hatte einen Quaffel durch gelassen. Es stand 10:0 für Slytherin. Innerhalb kurzer Zeit konnten die Slytherins ihren Vorsprung auf 70:20 ausbauen. Ron war heute in erstaunlich schlechter Form. Harry zog seinen Besen etwas weiter runter in Richtung Spielgeschehen und suchte jetzt fieberhaft nach dem Schnatz. Aus den Augenwinkeln konnte er sehen, dass auch Morag McDougal nicht untätig war. Dann traf Harry ein Klatscher am Oberschenkel.

„Guter Wurf von Standon", kommentierte Stone. „Slytherin in Ballbesitz. Lancester fliegt zwischen Bell und Andrews durch. Gute Arbeit von Sloper mit dem Klatscher. Lancester lässt den Quaffel fallen. Weasley fängt ihn und fliegt zurück zu den Torstangen der Slytherins."

Harry konnte sehen, wie die beiden Treiber der Slytherins, Standon und Hennardt auf Ginny zuflogen. Ginny tauchte unter Hennardt hindurch, der Hüter der Slytherins flog auf die rechte Torstange zu, Ginny warf den Quaffel nach links und traf. Ein lauter Gong ertönte. Unter ihnen sangen die Gryffindors, Hufflepuffs und Rawenclaws laut „Weasley ist unsre Queen".

Eine ganze Weile ging das so hin und her. Harry hörte im Vorbeifliegen, wie Stone die Spielzüge kommentierte. Katie und Ginny machten Tore, doch immer blieben sie mit circa fünfzig Punkten hinter den Slytherins.

Gerade als der Gong ein weiteres Tor für die Slytherins verkündete, 170:110, entdeckte Harry etwas Glänzendes. Leider war McDougal viel näher dran. Wenn er jetzt los flog, dann wäre der Slytherin wesentlich eher da.

In der Hoffnung, Morag hätte den Schnatz noch nicht entdeckt, flog er auf ihn zu und dreht dann nach links ab. Morag folgte ihm sofort und ließ sich täuschen. Harry sah sich um und konnte weit hinter Morags Gesicht den Schnatz flimmern sehen. Es war gar nicht so einfach, den Slytherin wieder abzuschütteln. Sie flogen alle den Nimbus 2001, mit denen Malfoys Vater ihm einen Platz im Team erkauft hatte.

Doch nicht umsonst besaß Harry einen Feuerblitz, den schnellsten Rennbesen, den es auf dem Markt gab. Es legte sich nach vorn und beschleunigte so schnell, dass die Farben um ihn herum zu verschwimmen begannen und wäre beinahe gegen Katie Bell gestoßen, die am anderen Ende des Spielfeldes erschrocken den Quaffel fallen ließ.

„Idiot!", schimpfte Katie und verfolgte McKenneth, die den Quaffel aufgefangen hatte.

Eine halbe Stunde später stand es 270:140. Wenn Harry nicht bald den Schnatz fing, würden sie so schmachvoll verlieren, wie noch nie. Schließlich gab es bei diesem Spiel weder ein großes Unwetter noch Dementoren. Gong. 280:140.

Ron saß wie ein Häufchen Elend auf seinem Besen und schien alles Selbstbewusstsein verloren zu haben. Da sah Harry direkt unter Rons Besen den Schnatz. Harry lehnte sich nach vorn und legte los. Ron riss erschrocken seinen Besen nach oben und wich Harry im letzten Augenblick aus. Ein Gong und der Abpfiff erklangen gleichzeitig. Pitchard hatte den Quaffel, in dem Moment als Ron das Tor ungeschützt ließ, geworfen. Harry sah zur Anzeige. 290 : 290. Madame Hooch bedeutete allen Spielern, sofort zu ihr runter auf das Feld zu kommen.

„Unentschieden. Ok, jede Mannschaft hat solange abwechselnd einen Wurf, bis eine Mannschaft vorn liegt. Gryffindor fängt an."

Katie und Ryan Andrews nickten zustimmend.

Rons Gesichtsfarbe wechselte von weiß zu hellgrün.

Ryan Andrews wählte einen Jäger aus, Pitchard, und wie fast schon zu erwarten war, ließ Ron den Quaffel durch. Daraufhin übergab Katie den Quaffel an Ginny, die es nicht schaffte, an Andrews vorbei zu schießen. Damit waren die Würfel gefallen.

Die Slytherins unter ihnen tobten als Daniel Stone das Ergebnis verkündete.

„Slytherin gewinnt mit 300:290 Punkten."

tbc


an die Reviewer:

vielen Dank für eure Kommentare! Im Moment geht es etwas schleppend, da mein "richtiges" Leben meine ganze Präsenz verlangt. Aber die Geschichte wird beendet. Keine Angst!