Sonntag, 24. Dezember

Severus knurrte der Magen, so sehr wie er es noch nie zuvor getan hatte. Und daran war allein Dumbledore schuld! Der hatte den Hauselfen nämlich aufgetragen, in der Weihnachtszeit nirgendwo sonst als in der Großen Halle Essen zu servieren – na, herzlichen Dank auch! Aber er würde nicht nachgeben, niemals, er würde sein Vorhaben durchziehen, komme was wolle! Auf die sogenannte weihnachtliche Stimmung seiner Kollegen und der Schüler konnte er getrost verzichten, er empfand sie einfach nur als übertrieben und nervenaufreibend.

Irgendwo hinter ihm seufzte es leise. Na, sieh einer, guck – den gab's auch noch…

„Was willst du?", knurrte Severus, ohne von seiner Lektüre über hochtoxische Raupen und deren Nutzen in klassischen Giften aufzublicken.

„Dir was zum Futtern anbieten", nuschelte sein Adventskalender mit hoher Fistelstimme. „Schließlich ist Weihnachtsabend. Selbstverständlich nur, wenn du auch willst", setzte er schnell hinzu.

„Will ich nicht, halt die Klappe." Das war bestimmt nur wieder einer von Albus' doofen Tricks. Diesmal würde er nicht darauf hereinfallen!

Einige Minuten lang war es vollkommen still im Wohnzimmer, bis auf das Knacken der Holzscheite im Kamin. Dann –

„Hey, Panscher! Das kann doch ein Mensch nicht aushalten! Du musst was essen, jetzt!"

„Hast du mich gerade einen Panscher genannt?!"

„Ja, oder Giftmischer! Tränkemurkser! Toxin-Junkie! Doping-…"

„Das reicht!" Wütend war Severus von seinem bequemen Sessel aufgesprungen. „Kannst du dich nicht einmal benehmen, wie es sich für einen vernünftigen Kalender gehört?!"

„Das hab ich nie gelernt…", murmelte es kleinlaut. „Außerdem ernähren wir Adventskalender uns von der Freude der Menschen, die sie beim Türenöffnen zeigen. Du freust dich schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Was soll einer denn da tun, wenn nicht Depressionen kriegen! Siehst du denn nicht, wie blass und grau ich schon geworden bin?"

Severus starrte das Pergamentgeklebse an als hätte es den Verstand verloren. Falls es je einen besessen hatte. „Depressionen also?" Schon bewegten sich seine Finger auf das vorletzte Türchen zu. Er war einfach ein unverbesserlicher Gutmensch.

Ein erleichtertes Seufzen drang durch den Raum, als er es öffnete und das knisternde Päckchen dahinter zum Vorschein kam. Weihnachtsstollen. Oh Merlin. Wer konnte da denn widerstehen?

Nach einem Viertel Stollen war er pappsatt und zufrieden – und wahrscheinlich morgen zwei Kilo schwerer. Die Hosen kniffen schon jetzt unangenehm in der Bauchgegend… Jetzt hatte er nur noch eins zu erledigen: „He, altes Pappmaché! Ich habe mich gefreut. Zufrieden?"

Der Adventskalender begann glücklich zu strahlen und silberne Funken glitzerten in der Luft.

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A/N: Ich bedanke mich ganz herzlich für eure tolle Rückmeldung und wünsche allen ein frohes Weihnachtsfest und schonmal einen guten Rutsch!