Disclaimer:
Ich hab's gefressen…. Nein, es gehört trotzdem nicht mir, aber es hat gut geschmeckt.
Kommentar:
So, nach langer Zeit mal wieder ein Kapitel! Ich kann nur sagen: Ich weiß, ich brauche immer seeeehr lange, um ein neues online zu stellen, aber seid versichert, diese ff wird NICHT abgebrochen! Sie ist mein Baby, die erste wirklich lange ff, die ich jemals geschrieben hab und ich werde sie zu Ende schreiben… auch wenn es etwas dauern kann.
Widmung:
Die Widmung geht an Engelchen und ich hoffe, dass ich sie mit einem neuen Kapitel sehr glücklich machen kann. Danke, deine Reviews lassen mich vor Freude hüpfen!
25. Unter der Oberfläche:
Erst nachdem Harry den geforderten Pilz geerntet und ordnungsgemäß verstaut hatte – unter Snapes wachsamer und wie immer wenig enthusiastischer Aufsicht – hatte der Professor genug Mitleid mit seinem Schüler, um ihn mit einem Wink seines Zauberstabes von den ekligen gelben Sporen zu befreien.
Harry hatte jedoch den starken Verdacht, dass ihm diese seltene Gunst nur zu Teil geworden war, damit Snape in seiner Gegenwart nicht länger von dem Geruch belästigt wurde.
Warum hatte Snape vorhin eigentlich so gedrängelt? Wenn sie jetzt wieder zurück gingen, dann würden sie doch lange vor der Frühstückszeit ankommen.
„Potter, wenn du dich dazu aufraffen könntest mir noch heute zu folgen, dann könnte ich in Erwägung ziehen dich nicht einfach im Wald zurück zu lassen."
Als Harry den Kopf hob und den Tränkemeister am anderen Ende der Lichtung sah – ungeduldig mit den Fingern auf den verschränkten Armen tippend – hatte er seine Antwort.
„Vorsicht, Potter, der Hang ist steil und von Büschen und tief hängenden Ästen verdeckt. Ich habe besseres zu tun als dich wieder zusammen zu flicken, falls du dumm genug bist, hinunter zu stürzen!"
Warum ging Snape dann nicht einfach vor? Diesen Gedanken behielt Harry wohl weißlich für sich, auch wenn der beleidigte Blick, den er Snape zuwarf wohl Bände sprach. Severus ließ sich nicht zu einer Antwort auf diesen Gedanken herab, sondern schob den frechen Bengel nicht gerade sanft nach vorn – immer noch weit genug entfernt von der natürlichen Grenze aus Pflanzen, die die Natur in den letzten Jahren hier geschaffen hatte.
Nachdem der unsanfte Stoß zwischen die Schultern ihn ein paar Schritte nach vorn getrieben hatte, wandte er sich um und wollte Snape sagen, was er von dieser Behandlung hielt, doch der gefühlskalte Blick aus den pechschwarzen Augen ließ ihn inne halten ohne ein Wort hervorzubringen.
Er kannte diesen Ausdruck: Er zeichnete Snapes Züge immer dann, wenn er dachte, dass Harry sein eigenes Wissen – welches meistens weniger tiefgreifend war als das des Tränkemeisters – über das seines Lehrers stellte. Kurzum, wenn er sich in Snape Augen so arrogant wie sein Vater verhielt!
Es war immer noch ein wunder Punkt zwischen ihnen. Harry wusste, Snape wollte, dass er ihm vertraute und dass er nicht jede – eigentlich keine einzige – Entscheidung des Slytherin in Frage stellte. Aber das war trotzdem kein Grund immer so kalt und herablassend zu sein, wenn er irgendwelche Anweisungen gab! Für dieses Mal jedoch ließ Harry es auf sich beruhen und glaubte, bevor er sich wieder dem schier undurchdringlichen Gestrüpp zuwandte, ein kurzes Nicken der Anerkennung zu sehen.
Vorsichtig schob Harry die tiefhängenden Äste beiseite, den Blick zwischen Boden und Gestrüpp schweifen lassend. Er drängte sich langsam durch die Büsche und als er den wahrhaft steilen Hang vor sich sah, verstand er, warum Snape ihn zur Vorsicht gemahnt hatte. Eine Hand legte sich auf seine Schulter. Einen Moment lang spürte Harry ein Kribbeln der Furcht in sich – Erinnerungen von vor dem Sommer ließen ihn zweifeln – doch dann wurde ihm klar, dass der Professor ihn nicht schob, sondern leicht festhielt, damit der nicht doch noch stürzte.
Als der Gryffindor dieses Mal den Blick seines Mentors suchte, sah Severus leichte Verwunderung und Dankbarkeit in den grünen Augen. Er ruckte sein Kinn zu der Senke hin und seine Gedanken schienen den Rest zu übermitteln, denn Potter wandte den Blick der Ebene am unteren Ende des Hanges zu.
Das überraschte, begeisterte Schnappen nach Luft bestätigte Severus' Annahme, dass Potter vorher nur zu Boden und nicht in die Senke selbst geguckt hatte. Ein beinah zufriedenes schmallippiges Lächeln erwärmte für einen kurzen Moment die hageren Gesichtszüge.
Sobald Harrys Blick auf die Ebene fiel, über der sie standen, blieb ihm schier die Luft weg. Zum ersten Mal seit Snapes ungehaltenem Hinweis verstand er, warum der Slytherin trotz allem wollte, dass er voraus ging:
Dort unten, überwuchert von Flechten, Gestrüpp und anderen Kletterpflanzen lag eine Ruine, vielleicht eine Abtei oder so etwas! Ihr Anblick war atemberaubend! Eingebettet in einem scheinbar endlosen Feld aus Krokussen lagen ihre Überreste dort wie friedlich schlafend. Die Sonne schien frei auf die Lichtung und tauchte dieses morgendliche Bild in beinah unwirklichen Glanz.
„Wow!", hauchte Harry, während er in Gedanken spürte, wie Severus ihn zum Abstieg animierte. Dieser Aufforderung folgte der Gryffindor nur allzu gern, tat es jedoch mit Vorsicht, als die Hand seine Schulter kurz fester zufasste.
UUUU
„Professor, warum blühen jetzt noch Krokusse? Und warum sind die Streifen auf ihren Blütenblättern so stark ausgeprägt und tiefrot?" Fragend drehte Harry sich zu Snape um, wobei er die fortwährenden Blicke zu den steinernen Überresten nicht unterdrücken konnte. Der Professor hob eine Augenbraue während er näher trat.
„Ich bin erstaunt, dass du weißt, wie diese Pflanzen normalerweise aussehen und wann sie blühen." Für Snapes Verhältnisse lag so wenig Herablassung in seiner Stimme, dass man seine Aussage schon fast als Kompliment werten konnte.
„Falls Sie es vergessen haben, ich habe Tante Petunias Blumenbeete bepflanzt und gepflegt. Sie können sich nicht vorstellen, was sie für einen Aufstand gemacht hat, wenn ich ihr nicht vor jeder neuen Pflanzung alle nötigen Information herunter beten konnte!"
Obwohl Harry Heckenschneiden und Rasenmähen gehasst hatte, war die andere Gartenarbeit etwas gewesen, das er gern getan hatte. Snape musste eben dies trotz seiner Worte in seinem Gesicht – oder wahrscheinlicher, an seinen Gedanken – gelesen haben, denn als er jetzt sprach verloren seine Züge für einen Moment an Härte.
„Der Greifenkrokus hier stellt eine magische Unterart dar. Zum einen trägt er die sehr auffällige Färbung und zum anderen können sich diese Gewächse nur in vollem Sonnenschein zur Gänze entfalten." Um seinem Schüler anschaulich den Unterschied zu den nicht magischen Pflanzen zu zeigen, ging er in die Hocke und winkte Harry dann zu sich hinunter. Diesmal folgte der 15-Jährige ohne zu zögern. Anscheinend hatte Severus tatsächlich etwas gefunden, das Potter mit Eifer lernen wollte.
„Du weißt, dass die Blütenblätter eines Krokus sich schließen, sobald sie nicht mehr direkt von der Sonne beschienen werden?"
„Ja, sogar große Wolken reichen aus", steuerte Harry bei. Snape nickte, wobei er seinen Schützling dazu aufforderte zu tun, was er sicherlich schon früher oft getan hatte. Harry verstand und formte seine Hände zu einer Kuppel, welche er nah über eine der Pflanzen hielt, sodass sie von der Sonne abgeschirmt war.
Was daraufhin geschah, ließ Harry erschrocken nach Luft schnappen:
Von einem Moment auf den anderen verwelkte die schöne Blüte. Bestürzt sah Harry zu seinem Mentor auf.
„Aber wie überleben sie denn dann die Nacht?"
„Hier. Ich zeige es dir." Jetzt ließ Snape selbst seine Hand langsam über eine andere Pflanze hinweg gleiten. Seine Hand bewegte sie wie in Zeitlupe, während die gespreizten Finger immer noch einen Teil des Sonnenlichts auf die dünne, leuchtend blaue Blüte fallen ließen.
Ebenso langsam wie Snapes Hand sich bewegte, schloss sich auch die Blüte.
„Die Sonne geht nicht so plötzlich unter wie du sie mit deinen Händen verdeckt hast. Deshalb kann selbst der Greifenkrokus überleben."
„Oh." Bei dem Gedanken huschte ein glückliches Lächeln über Harrys Gesicht.
Bevor sie begannen vorsichtig die Safranfäden aus dem Blüteninneren zu ernten, gab Severus seinem Schüler ein wenig Zeit sich die Ruine genauer anzusehen.
Spitze Fenster- und Torbögen waren noch übrig, ebenso wie einige Mauerreste. Harry dachte, es müsste wunderbar sein bei Sonnenuntergang durch die Überbleibsel dieses Bauwerkes zu wandern. Er konnte sich gut vorstellen welch eine mystische Atmosphäre das Abendlicht erschaffen würde, wenn es durch die Fensterbögen ins Innere schien und das Laub auf dem Boden beleuchtete.
UUUU
„Danke, dass Sie mir heute den Wald und die Ruine gezeigt haben", sagte Harry leise, als sie auf dem Rückweg waren.
„Ich bin nur hier her gekommen, um die Zutaten zu ernten, nicht um den Touristenführer zu mimen. Bekomm nur ja keine falschen Vorstellungen." Harry ging weder auf die Worte noch auf den schnarrenden Tonfall ein, denn tief in seinem Inneren spürte er die Zufriedenheit, die von Snape ausging.
UUUU
Draco war ganz und gar nicht damit zufrieden Kleidung von Harry Potter anziehen zu müssen, aber Severus hatte sich nicht erweichen lassen. Auch wenn der junge Slytherin wusste, dass es ein unsinniger Gedanke war, ging ihm durch den Kopf beim nächsten Mal eigene Kleidung einzupacken, wenn er von seinem Vater Reißaus nahm!
Harry lehnte derweil im Türrahmen und schüttelte den Kopf über Dracos angewiderter Miene.
„Malfoy, glaubst du mir ist wohler bei dem Gedanken, dass du meine Sachen anziehst?"
Und seine guten Sachen noch dazu! Als Snape ihm beim Betreten der Eingangshalle befohlen hatte eine Garnitur seiner Sachen an Draco zu verleihen, hatte Harry ihn eine geschlagene Minute fassungslos angestarrt.
„Was, denkst du, Potter? Dass Mr. Malfoy bei seiner überstürzten Flucht einen Koffer voller Kleidung und Schminksachen eingepackt hat?", hatte Snape gezischt, wobei seine schwarzen Augen unerbittlich in die seinen stachen.
Der Gedanke an Draco und eine Schminktasche hatte Harry allerdings so sehr erheitert, dass selbst Snapes finstere Miene ihn nicht hatte abschrecken können, als er sich vor Lachen bebend auf den Treppenabsatz sinken ließ. Ende der Diskussion war eine Kopfnuss für Harry, weil Snape es gar nicht guthieß, wenn sein Schüler sich über etwas lustig machte, das er gesagt hatte und dem widerwilligen Versprechen Draco etwa zu anziehen zu bringen.
Erst als Harry oben in seinem Zimmer vor seinem geöffneten Koffer kniete – immer noch gelegentlich leise kichernd – erinnerte er sich wieder daran, in welchem Zustand die meisten seiner Sachen sich befanden. Wenn er also vermeiden wollte, dass Draco den Spieß umdrehte und über die Lumpen herzog, die Harry sein Eigen nannte, musste er ihm wohl oder übel einige seiner neueren Kleidungsstücke geben.
Nicht gerade der angenehmste Gedanke, zumal Harry nur wenige gute T-Shirts und Hosen besaß – so etwa ein oder zwei, wenn er genau war – und der verwöhnte Slytherin-Prinz mit Sicherheit trotzdem darüber Witze machen würde.
Dracos schnobisches Schnarren holte ihn wieder in die Wirklichkeit zurück:
„Pah, du musst ja auch nicht diese…", Ihm schienen die Worte zu fehlen, um das Ausmaß ihrer Abscheulichkeit zu beschreiben. Dracos Augen verengten sich, als er sich Harry zuwandte:
„Aber natürlich! Warum sollte Harry Potter mir etwas anderes als seine ältesten Klamotten geben!" Sein Gesicht verzog sich, als er erneut auf das Bündel in seinen Händen starrte. Es war wohl gut, dass der Blonde sich mit der Kleidung befasste anstatt Harry anzusehen, denn sonst hätte er gesehen, welch einen Stich er Harry mit dieser Bemerkung versetzt hatte.
Um seine Beschämung zu verdecken antwortete der Gryffindor patzig:
„Snape hat gesagt ich sollte dir irgendwelche Klamotten raussuchen, nicht die besten, die ich besitze!" Ohne auf eine Antwort zu warten, wirbelte Harry herum und begab sich zum Frühstück.
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„Potter, du kannst dich glücklich schätzen, dies wird die letzte Dosis des Heiltrankes sein, die du benötigst."
Harrys Gesicht – eben noch zu einer Grimasse des Ekels verzogen – hellte sich augenblicklich auf, nur um gleich wieder säuerlich zu werden, als er sich daran erinnerte, dass er den scheußlichen Geschmack des Schmerzlindernden Trankes ja trotzdem noch auf der Zunge hatte. Schnell trank er etwas Kürbissaft nach, bevor er schließlich dem Professor antwortete.
„Das hört sich verda… äh sehr gut an. Ich hatte mich schon gefragt, warum ich den Trank immer noch nehmen muss, wo doch meine Brust morgens und nachts gar nicht mehr weh tut."
In der Vergangenheit hätte Snape ihn schon jetzt für die vermeintliche Beleidigung – also mit anderen Worten das Infrage stellen seiner Entscheidung – ermahnt, doch es schien als suche der Slytherin in der letzten Zeit nicht mehr in jedem von Harrys Worten nach Anzeichen für Rebellion oder Arroganz. Trotzdem blickte Harry etwas argwöhnisch zu Snape herüber, als der Tadel vollkommen ausblieb.
Er musste wohl so sehr wie ein Schaf vor dem Richtblock ausgesehen haben, dass selbst der kühle Professor so etwas wie mitleidige Belustigung zeigte.
„Potter, ich werde dir – sicherlich wider Erwarten – nicht den Kopf abreißen oder die Zunge herausschneiden. Lass dir nur gesagt sein, dass etwas, das dem Körper Schmerzen bereitet, besonders im Falle schwarzer Magie, nicht immer wahrgenommen wird. Du hast also gut daran getan, den Trank bis jetzt einzunehmen."
„Ja, Sir. Ich glaub ich verstehe." Falls Snape noch etwas darauf erwidern wollte, wurde er davon abgehalten, denn in diesem Augenblick betrat Draco den Raum. Er machte den Eindruck als stecke er irgendwo zwischen seinem gewohnten, perfekt herausgeputzten Selbst und einem normalen Teenager, der sich verdammt unwohl in der Kleidung fühlte, die er trug.
Immerhin waren das hier Potters Klamotten!
UUUU
Als Draco beim Essen begann sich bei Severus über den vermeintlich schrecklichen Zustand der geborgten Sachen und die Ungerechtigkeit des ganzen zu beschweren, rutschte Harry immer tiefer in seinen Stuhl und gab vor, dass der leere Becher in seiner Hand unglaublich interessant war. Es war nicht so, dass Harry ein schlechtes Gewissen hatte, immerhin waren das einige seiner besten Anziehsachen!
Nein, vielmehr quälte Harry die Gewissheit, dass der Professor in jedem Moment triumphierend eröffnen würde, dass es bei ihm schlichtweg nichts Besseres zu leihen gab!
Doch er hatte Snape unterschätzt – hatte nicht bedacht, dass dies nicht mehr der ungerechte, böswillige Lehrer aus Hogwarts war, sondern ein Mann, der des Begriffes Mentor würdig war. Gerade als Harry drauf und dran war, es seinem Erzfeind einfach selbst zu sagen, um es endlich hinter sich zu haben, begann Severus zu sprechen:
„Draco", sein Tonfall war ungewöhnlich kalt und missbilligend: „Hast du es vielleicht schon einmal mit etwas Dankbarkeit versucht? Immerhin könntest du auch in den blutbeschmierten Sachen von gestern am Tisch sitzen." Draco starrte seinen Patenonkel erst fassungslos und dann etwas betreten an. In der Tat wurde er sogar ein wenig blasser um die Nase, als er an die letzten Tage dachte.
Harry war mindestens genauso erstaunt wie Draco, wusste seine Gefühle aber ausnahmsweise einmal besser zu verbergen.
Nicht ein abfälliges Wort, nicht eine Andeutung! Vielleicht wusste Snape doch nicht, wie es um seine Garderobe stand. Trotzdem, er konnte sich nicht vorstellen, dass Snape dann geschwiegen hätte. Merkwürdig. Er hatte sogar Draco wegen seines Verhaltens zu Recht gewiesen.
Der Gryffindor hatte, wenn er recht überlegte, noch nie gehört, dass Snape Malfoy ermahnt hatte!
Besagter Slytherin schien noch einmal protestieren zu wollen, doch ein einziger Blick seines Patenonkels brachte ihn zum Schweigen. In Gesellschaft irgendeines anderen hätte Harry Draco vielleicht ein wenig seiner eigenen Medizin verabreicht und auf einem Dankeschön bestanden, doch unter den gegebenen Umständen war Harry mehr als zufrieden mit dem Ausgang der Situation.
Außerdem wusste er, dass Draco eher sterben würde, als sich bei ihm zu bedanken! Und er konnte ja nicht riskieren, dass der verwöhnte Bengel zum zweiten Mal in drei Tagen die Welt der Lebenden hinter sich ließ.
Dieses kleine Detail sprach Harry nicht laut aus, denn dafür war ihm sein eigenes Leben zu wertvoll. Stattdessen sagte er leise:
„Beruhig dich, Lucy. Es gibt Schlimmeres."
„Lucy?", fuhr Draco auf. Offensichtlich dachte er, dass Harry diesen Spitznamen von Lucius ableitete. Da auch Snapes Miene immer ungehaltener wurde und er sich ernsthaft zu überlegen schien, die letzte Unterhaltung wieder aufzugreifen, ließ der Gryffindor eine Erklärung folgen – nachdem er sich noch einen kurzen Moment länger an Malfoys hochrotem Gesicht sattgesehen hatte.
„Natürlich Lucy. Hast du denn nie Dracula gelesen? Oder bekommen wohlerzogene Reinblut-Erben solch verderbliche Muggel-Literatur nicht in die Finger?" Es war dieser Moment, in dem der Blonde sich wunderte, wann Potter gelernt hatte so viel Sarkasmus in seinen Tonfall zu legen. Bevor er zu einer Erwiderung ansetzen konnte, war es überraschenderweise Severus, der etwas zu dieser skurrilen Unterhaltung beitrug.
Kaum erkennbare Belustigung lag in den schwarzen Augen, als Snape leise sagte:
„Soso, Potter, interessante Analogie. Wenn also Draco wie du sagst die gebissene Jungfrau ist (besagter Jüngling wurde noch ein wenig röter und schnaubte empört), die am Ende… nun sagen wir erlöst wird, welche Rolle, wenn ich fragen darf, spielen dann wir beide in diesem Stück?"
Während Harry ein schiefes Grinsen zeigte, das ebenso viel Verwunderung wie Belustigung erkennen ließ, wechselte Dracos Blick zwischen den beiden hin und her als glaubte er, sie hätten den Verstand verloren. Nun bei Potter war das ja nichts neues, aber bei seinem Onkel?
„Hm, Sie wären natürlich Dr. Van Hellsing, so viel ist klar. Immerhin haben Sie Malf… Draco von diesem Fluch befreit, bevor seine Seele endgültig in die Tiefen der Hölle hinabsteigen konnte." Mutmaßte Harry, wobei er ein Stück weit die Redeweise des Romans aufgriff. Snape hob eine Augenbraue, schien aber durchaus zufrieden mit Harrys Charakterisierung. „Ich bin wahrlich erstaunt, Potter. Du schließt dich nicht der Mehrzahl aller Hogwarts Schüler an und hältst mich für den frevlerischen Blutsauger höchstpersönlich?"
Eine Antwort blieb aus und Severus, der einen jähen Anflug von Mitleid hatte entließ Harry aus der Situation anstatt noch einmal nachzuhaken.
Natürlich wäre der Professor nicht der Mann, als den sie ihn alle kannten, wenn er nicht die Waagschalen ausgeglichen hätte. Immerhin, wenn Draco Spott ertragen musste, konnte er Potter ja nicht ohne eine kleine Stichelei davon kommen lassen:
„So bleibst also nur noch du übrig, wie es scheint. Deinem Vergleich folgend bliebe für dich dann wohl nur noch die Rolle des Arthur – Lady Lucys treu sorgenden, wenn auch etwas einfältigem Gatten." Auf Severus Gesicht erschien nun sein eigenes schiefes Grinsen, etwas zwischen gutmütigem Spott und Herausforderung.
Jetzt musste auch Draco leise lachen, während Harry vehement verneinte in irgendeiner Weise als Ehemann für Draco in Frage zu kommen.
„Aber warum denn nicht, Mr. Potter? Schließlich warst du es, der Draco etwas von seinem Lebenssaft gegeben hat. Wer wäre für solch eine heroische Tat besser geeignet als der gute Arthur?"
Ha! Potter mochte gut sein, aber Onkel Sev war besser!
Snapes Züge hatten etwas katzenhaftes, als er sehr gespannt auf Harrys Antwort wartete. Dieser stahl sich Zeit, indem er erst einmal den Becher, den er immer noch in der Hand hielt, beiseite stellte. Bevor er jedoch antworten konnte, tat Draco es:
„Onkel Severus, du hast unrecht", sagte er ruhig und doch mit gewissen Triumph in der Stimme.
„Mit Potters Faible dafür wieder und wieder in gefährliche Situationen zu stolpern und dabei den Märtyrer zu spielen, wäre er doch viel eher die vom Schicksal und vom Bösen gemarterte Mina Harker." Mit einem letzten Grinsen, das selbst Snapes normales hämisches Lächeln im Vergleich erblassen ließ, stand der junge Slytherin auf, nickte seinem Patenonkel zu und verließ dann den Speisesaal.
Harry sah ihm vollkommen verdattert hinterher.
Malfoy hatte tatsächlich Dracula gelesen? … Er hatte ihn mit der Frau verglichen, die beinahe Draculas Marionette geworden wäre?
Severus musste zugeben, dass die Rolle der Mina abgesehen vom Geschlecht erstaunlich gut zu dem Gryffindor passte. Auch wenn er damit zugeben musste, dem Bengel Eigenschaften wie Klugheit und Mut zuzubilligen.
In wenigen Tagen würde er sich wundern wie nahe Draco unbewusst der Wahrheit gekommen war.
Ein Blick auf Potter ließ den Slytherin ein belustigtes Schnauben von sich geben.
„Potter, du solltest dir merken, nie das Wahrscheinliche anzunehmen, wenn du mit einem Slytherin Umgang pflegst."
Harry war immer noch so perplex, dass er einfach nur langsam nickte.
UUUUUUUU
Die letzte Unterhaltung hat sich mir aufgedrängt (da habe ich gerade noch mal Dracula gelesen.) Ich hoffe es war nicht langweilig und würd mich über viel Happihappi in Form von Reviews freuen. ; )
