I just need a little space to breathe
Can you please respect my privacy
I'm tired of rumors starting
I'm sick of being followed
I'm tired of people lying
Saying what they want about me
Why can't they back up off me
Why can't they let me live
Kapitel 24
„Möchtest du reden?" fragte Hermine, nachdem sie schweigend ihren Tee ausgetrunken hatten. Sie füllte alle Becher erneut und reichte ihm dann seinen.
Er nahm ihn, schüttelte leicht den Kopf, bevor er sich auf den Inhalt seines Bechers konzentrierte und die Nase darüberhielt, so daß er den Duft der Kräutermischung intensiv aufnehmen konnte.
„Ist sie sehr schwer verletzt", fragte Hermine trotz seines Kopfschüttelns.
„Wie man's nimmt...", murmelte er in seinen Tee hinein, ohne hochzusehen.
„Aber sie überlebt es doch, nicht wahr?" Hermine konnte nicht anders, sie musste es wissen und sie fragte sich gleichzeitig, was geschehen würde, wenn er diese Frage verneinen sollte.
Aber statt einer Antwort sah er ein wenig verwirrt hoch.
„Überleben?"
Er schien die Frage nicht zu verstehen.
„Wieso überleben?", setzte er mit fragend gerunzelter Stirn hinterher.
Jetzt war es an Hermine, verwirrt zu schauen.
„Das..., das Blut.." stotterte sie ...– der Schrei..."
Snape begriff, was sie meinte und schloß die Augen. Seine Hände umfassten den Teebecher jetzt so hart, daß seine Fingerknöchel weiß hervortraten.
Einen Augenblick blieb er so und niemand sagte etwas, bis er seinen Griff wieder lockerte. Mit noch immer geschlossenen Augen, fragte er seltsam tonlos: „Was glaubt ihr denn, was ich da drin gemacht habe? Denkt ihr, ich habe sie in ihre Einzelteile zerlegt?"
Hermine wagte ebenso wenig wie Silvian, seine Frage zu beantworten.
Als Severus hochsah, konnte sie in seinen Augen erkennen, daß es ihn betroffen und wütend zugleich machte, daß sie eben dies geglaubt hatten.
„Wenn ich dich jetzt so sehe, Hermine, weiß ich exakt, was du im Sinn hast, auch ohne in deinen Gedanken nach den Bildern zu suchen. Ihr beide könnt mir glauben, daß ich ganz genau weiß, wie das, was ihr vermutet habt, in der Realität aussieht - und das nicht nur, weil ich es ‚gesehen' habe."
Er hielt inne, beugte sich dann etwas zu den beiden nach vorne und sagte mit mühsam unterdückter Wut sehr, sehr eindringlich: „Wenn ich genau das mit ihr getan hätte, hätte ich eine Blutspur von der Breite meiner Robe von Minervas Büro bis in diese Räume gezogen..."
Die Augen seiner atemlosen Zuhörer waren groß geworden.
Plötzlich lehnte er sich wieder zurück und sagte in fast normalem Ton hinterher: „Aber das, was ich gemacht habe, war deutlich unspektakulärer..."
Weder Hermine noch Silvian wagten es, weitere Fragen zu stellen. Aber das brauchten sie auch nicht, denn Severus sprach nun ganz von alleine weiter.
„Ich bin mit Magie in ihren Geist eingedrungen und habe mir die Informationen, die ich brauchte, auf dem direktesten Wege geholt, der möglich war. Aber weil sie sich anfangs sehr heftig und, wie ich zugeben muß, sogar recht gekonnt, gegen das Eindringen gewehrt hat, musste ich ihre Konzentration stören – was am einfachsten war durch körperliche Verletzungen, die nicht schwerwiegender Natur sein, aber eindrucksvoll aussehen mußten. Deshalb das Blut... Ein paar Sprüche von Poppy und sie wird nichts mehr davon spüren. Ich glaube nicht einmal, daß sie auf die Krankenstation gebracht werden muß – und wenn, dann nur kurz."
„Es tut mir leid...", flüsterte Silvian.
„Was? Daß ihr mir das zugetraut habt?", er lachte höhnisch. „Niemand weiß besser als du, Sil, daß ich damit kein Neuland betreten hätte. Abgesehen davon, ist der tatsächliche Vorgang nicht wirklich besser gewesen, als eure Variante..." bei den letzten Worten des Satzes wurde seine Stimme heiser und er verstummte.
Hermine drehte betreten ihren Teebecher in den Händen.
„Ich dachte erst..." begann sie vorsichtig.
„Was dachtest du?", fragte Severus, als sie nicht weitersprach.
„Ich dachte erst, daß der Trank, den du vorhin aus deinem Schreibtisch geholt hast, irgendetwas in dir verändert hat, weil ich dich in Minervas Büro kaum wiedererkannt habe. Ich habe dich noch nie so... so... na ja, so halt... gesehen."
Snape nickte mit hochgezogenen Augenbrauen, wie in erstauntem Verstehen, sah dabei aber weiter den Becher in seinen Händen an.
„Hm... ich bin offenbar besser, als ich gedacht habe. Wenn ich sogar dich so gut täuschen konnte..." Der sarkastische Ton erinnerte in seiner Bissigkeit an frühere Unterrichststunden die Hermine bei ihm gehabt hatte.
Er stellte den Tee auf den Tisch und erhob sich abrupt.
„In der Welt der Todesser war alles was geschah, mindestens zur Hälfte reine Show. Die ganzen demütigen Verbeugungen, das gemeinsame Jubeln, aber auch das zur Schau stellen der eigenen Fähigkeit, grausam zu sein. Ein Problem hatten in erster Linie die, die dann, wenn es hart auf hart kam, nicht in der Lage waren, die Vorstellung solange zu spielen, bis der letzte Vorhang gefallen war. Oder anders gesagt: ihre zur Schau gezeigten Fähigkeiten auch in der Realität umzusetzen. Ein Problem, daß ich glücklicherweise nie hatte.", er lachte bei seiner Wortwahl höhnisch auf. Sein ernster Blick blieb.
„Es hatte einen Grund, daß ich euch nicht dabei haben wollte. Es ist spät. Ich gehe jetzt schlafen."
Auch Silvian erhob sich.
„Ich denke, es ist jetzt für uns alle an der Zeit, noch ein paar Stunden zu schlafen.", sagte er und umarmte Hermine, die dies herzlich erwiderte und klopfte dann Severus kurz auf die Schulter: „Ich bin sicher, daß wir durch die Informationen ein ganzes Stück weiter sind. Das ist gut."
Snape wich der Berührung nicht aus, erwiderte sie aber auch nicht. Allerdings nickte er.
„Ja, das ist gut. Wir können morgen mit ganz konkreten Planungen beginnen, auf eine Weise, die vorher nicht möglich war. Es sind ein paar sehr erstaunliche Dinge zutage getreten."
Die Brüder brachten beide die Andeutung eines Lächelns zustande, dann ging Silvian.
OoOoO
Als Hermine aus dem Badezimmer gekommen und Severus ins Schlafzimmer gefolgt war, lag er bereits im Bett und drehte sich, als sie hineinkletterte und sich hinlegte, mit dem Rücken zu ihr.
„Gute Nacht." Murmelte er kurz und schien dann schlafen zu wollen.
Hermine schob sich näher an ihn heran – nicht bemerkend, daß ihr diese Nähe gestern noch unangenehm gewesen wäre. Es war heute so sehr kein Problem mehr, daß es ihr nicht einmal auffiel.
Auch Snape war durch seinen Gedanken so weit in andere Bahnen gelenkt, daß er das Ungewöhnliche in ihrer Annährerung nicht sah.
Ihre schmalen Finger legten sich auf seine Schulter. Er zog er die Schulter ein Stück von ihr weg, um ihr deutlich zu machen, daß er keine Berührungen wollte.
Als sie sich davon nicht abbringen ließ und ihm stattdessen mit der gleichen Hand zärtlich durch die Haare fuhr, flüsterte er leise: „Laß mich bitte..."
„Es gibt keinen Grund dafür, Severus.", flüsterte sie ebenso leise.
„Ich kann es dir im Moment nicht erklären, Hermine, aber ich ertrage deine Berührung heute Nacht nicht.", seine Stimme hatte etwas Flehentliches, aber sie ließ nicht zu, daß er sich zurückzog.
„Reicht es nicht, was du vorhin unter der Dusche gesehen hast?" Er wandte sich ihr ein wenig zu und sah sie im Halbdunkeln an, so gut es das Licht zuließ.
„In der Flasche war ein Trank, der verhindert hat, daß ich mich während oder nach der Prozedur übergebe. Es gibt nur wenige Gelegenheiten, bei denen mein Magen auf diese Weise verrückt spielt, Hermine. Daß ich ein guter Schauspieler bin, heißt nicht, daß mich die Sache unberührt lässt. Unterschätze nicht, was ich getan habe, nur weil vielleicht weniger Blut geflossen ist, als du befürchtet hattest."
Während er sprach, streichelte sie seinen nackten Arm entlang und hatte mit ihrer permanenten, unablässigen Berührung erreicht, daß er aufgehört hatte, sich dessen bewusst zu sein, denn er forderte sie nicht wieder auf, es zu unterlassen.
Eine Weile herrschte Stille, als er nach den richtigen Worten suchte.
„Du hast mich einmal gefragt, ob ich Frauen Gewalt angetan habe, Hermine."
Sie erinnerte sich noch an jede Silbe des Gespräches das er meinte.
„Mir war und ist natürlich klar, was für eine Art von Gewalt du damit gemeint hast."
Jetzt spürte er ihre Hand wohl doch wieder überdeutlich und schob sie sanft von sich weg.
„Zu tun, was ich gerade getan habe, ist das geistige Gegenstück zu dem, was dir geschehen ist. Und ich kann nicht einmal sagen, welche Form die schlimmere ist." Er sprach leise weiter „Ich brauche diese Nacht, um damit klarzukommen."
„Um damit klarzukommen, daß du es getan hast?", fragte Hermine leise und wollte etwas sagen, daß ihn ein wenig aufrichten würde.
„Nein, Hermine. Um damit klarzukommen, daß ich es überhaupt tun konnte, daß ich ein Mensch bin, der dazu in der Lage ist, gegen den Willen eines anderen Menschen in dessen Geist einzudringen und sich dort zu nehmen, was er will - und daß ich es wieder tun würde, wenn die Umstände es verlangten.
Ich muß heute Nacht damit klarkommen, wer ich bin, auch wenn du möglicherweise nicht einmal verstehen kannst, was ich damit meine."
Hermine rutschte noch ein Stück näher an ihn heran und fühlte, wie er stocksteif wurde, als sie sich, von seinem Vortrag scheinbar völlig unbeeindruckt, an ihn heranschmiegte.
„Richtig, Severus. Das verstehe ich nicht. Aber eines verstehe ich, nämlich, daß du immer versucht hast, mit so etwas alleine klar zu kommen und daß es an der Zeit ist, daß du es mal auf eine neue Methode versuchst"
Er seufzte laut auf, aber dieses Seufzen hatte auf eine beruhigende, weil so normal-genervte Weise etwas Ermutigendes.
„Und was soll das für eine Methode sein?", fragte er und wurde unter ihrer Berührung zwangsweise etwas weicher.
„Ganz einfach – die Hermine -Methode. Du solltest versuchen, die Umarmung einer Frau zu ertragen, die dich von ganzem Herzen liebt, ganz gleich was du tust, und herausfinden, ob es dir am nächsten Tag mit dieser Nähe nicht eventuell doch besser geht, als wenn du die Nacht alleine auf deiner großen Seite des Bettes verbracht hättest."
Er sah in ihre braunen Augen, die er nur erkennen konnte, weil das weiche Licht der Lampe aus dem Wohnzimmer, wie üblich, ein wenig in den Raum hineinfiel und sich in Glitzerpunkten in ihren Pupillen spiegelte, und eine Welle von widersprüchlichen Emotionen stieg in ihm hoch.
Soviel war bereits passiert, das manch andere Frau zerstört hätte – aber Hermine war noch immer umgeben von diesem warmen Leuchten, das sie wie eine Aura umgab. Die Aura die er das erste Mal in jener Nacht in seinem Büro gesehen hatte, als sie mit ihren Fingespitzen über die winzige Narbe an seiner Augenbraue gestrichen war – in der Nacht, in der er sie das erste Mal geküsst hatte... Eben diese Aura hatte Hermine in all diese Schwierigkeiten gebracht, denn sie hatte damit soviel Wärme in sein Leben gebracht, daß er von der ersten Sekunde, als er sich auf sie eingelassen hatte, von ihr angezogen war, wie eine Motte vom Licht. Und sein Umfeld war immer gefährlich gewesen. Und so wie es aussah, würde es auch noch lange Zeit um ihn herum sehr gefährlich sein.
Er müsste sie fortschicken, wenn er sie wirklich schützen wollte, aber das konnte er einfach nicht. Obwohl er versuchte, es sich selbst übelzunehmen, daß er so egoistisch war, sie bei sich haben zu wollen, trotz der Gefahren die ihr bei ihm drohten, musste er innerlich lächeln, als er daran dachte, daß alle Magie der Welt ihn damals nicht davor bewahrt hatte, seine Finger in ihr Haar streichen zu lassen, den Kopf zu senken und ohne Überlegung, nur von Gefühlen geleitet, seine Lippen auf ihre zu legen... Hermine war pure Magie. Er würde alles – alles! – geben, um jedes Leid von ihr fernzuhalten – aber er brachte es nicht fertig, sie fortzuschicken – einmal ganz davon abgesehen, daß ihm durchaus klar war, daß sie sich gar nicht fortschicken lassen würde...
„Hermine, du nimmst das alles nicht ernst genug", hörte er sich sagen.
Sie legte ihre verschränkten Arme auf seine Brust und legte ihr Kinn darauf, so daß sie halb auf seinem Brustkorb lag und ihn nun intensiv ansah.
„Doch, Severus, ich nehme das alles sogar sehr ernst. Ich kann dir aber nur nochmals erklären, daß körperliche Nähe dir jetzt sicherlich mehr nützt als schadet."
„Die Prozedur, mit der Entfernung der Erinnerung aus deinem Körpergedächtnis, scheint funktioniert zu haben", stellte er plötzlich fest und Hermine überlegte kurz und nickte dann.
„Jap", stimmte sie zu, setzte aber sofort hinterher „das ist aber kein Grund, jetzt vom Thema abzulenken, mein Liebster."
Er knurrte, sagte aber nichts.
Auch Hermine schwieg einen Moment, bis ihr Blick auf den Nachttisch fiel, auf dem einige Papierblättern und eine Feder bereitlagen. Ein kleines Fläschchen in dem nur noch ein winziger Rest einer Flüssigkeit war stand daneben.
„Was ist das?", fragte sie.
Ohne hinzusehen, erklärte er kurz: „Ein Trank und etwas zum Schreiben, für den Fall, daß mir heute Nacht noch etwas einfällt. Nichts Besonderes also."
Auch ohne durch seinen Nachsatz noch neugieriger gemacht worden zu sein, hakte Hermine nach: „Was ist das für ein Trank?"
„Er verstärkt Träume und hält sie länger aufrecht.", erklärte er ganz neutral, ohne jedes Zögern.
„Hast du das schon öfter getrunken?", fragte sie unnötigerweise.
Er nickte.
„Warum?"
Er verdrehte genervt die Augen.
„Weil man in den Träumen in der Regel noch einmal die Gelegenheit bekommt, Situationen deutlicher zu analysieren. Nach dem gleichen Prinzip nach dem man manchmal morgens Dinge endlich kann, die man am abend vorher vergeblich zu lernen versucht hat. Das dürfte dir ja bekannt sein. Ich muß es dann nur sehr schnell notieren, damit ich es nicht wieder vergesse.
Hermine nickte zögernd...
„Und du hoffst ‚was' zu träumen?"
Er schob sie von sich runter und begann, sie in ihre eigene Decke so „fürsorglich" einzuwickeln, daß sie ab jetzt mit Gewissheit auf ihrer Seite liegen bleiben würde.
„Es ist praktisch ausgeschlossen, daß ich heute Nacht nicht von der Befragung träume. Das war schon immer so, wenn ich solche, oder ähnliche Situationen erlebt habe. Und oft sind mir im Traum dann noch Dinge aufgefallen, Zusammenhänge klar geworden, die ich in der aktuellen Situation übersehen hatte."
Während er sie am einen Ende einwickelte, kam Hermine am anderen Ende bereits wieder unter der Decke hervor.
„Du bist doch wirklich nicht ganz bei Trost, Severus. Deine Nerven liegen noch blank, wegen der Dinge, die bei der Befragung geschehen sind, und jetzt trinkst du etwas, das garantiert, daß die nächtliche Wiederholung dessen so intensiv wird, daß du quasi noch eine zweite Runde drehst?"
Als er nicht damit aufhörte, sie zudecken zu wollen, setzte sie sich endgültig hin und hielt seine Hände fest, damit er nicht weitermachen konnte.
„Laß das!", schimpfte sie.
„Dann bleib du, wo du bist!", fauchte er sie an.
„Ich denk nicht daran!", giftete sie zurück.
„Und ich denke nicht daran vor dir zu rechtfertigen, daß ich aus dieser beschissenen Situation jetzt wenigstens das Maximum herausholen möchte!"
Er ließ sich wieder aufs Bett fallen, zog, unverständliche, aber eindeutig ungehaltene Worte leise vor sich hinzischend, die Decke über sich, drehte Hermine erneut den Rücken zu und schien die Angelegenheit damit als beendet anzusehen.
Einen Moment geschah nichts, dann zog Hermine ihn bestimmt an der Schulter wieder auf den Rücken, zog seinen Arm rigoros zur Seite weg, kuschelte sich an in und schloß die Augen – fest entschlossen, in dieser Position einzuschlafen.
„Wollen wir doch mal sehen, wovon du heute Nacht träumst, ob von dieser intriganten Schachtel oder von mir!", murmelte sie vor sich hin, als hätte sie es sich zur Aufgabe gemacht, heute Nacht seine Traumgestaltung zu übernehmen. Sie legte einen Arm über ihn und schmiegte sich auf eine Weise an ihn heran, daß sie damit endgültig wie eine liebestolle Klette in höchst gemütlicher Pose an ihm hing.
Als er den Arm, an dessen Schulter sie lag, offenbar aus Protest, seitlich auf dem Bett liegen ließ, griff sie hinter sich, und wickelte den Arm um sich, als sei er ihre Decke.
„Halte mich gefälligst fest, du verrückter Mann!", befahl sie ihm mit schon leicht schläfrig klingendem Nachdruck.
Da sie keinerlei Anstalten machte, ihn wieder loszulassen und er sie diesmal schon mit relativer Heftigkeit von sich hätte wegschieben müssen, ergab er sich seinem Schicksal und tat, was sie ihm aufgetragen hatte.
Es kostete ihn tatsächlich Überwindung, ihre Berührung zu dulden, aber von Minute zu Minute wurde es einfacher. Auch wenn er sich anfangs untersagte, ihre Nähe zu genießen, konnte er es doch nach einer ganzen Weile einfach nicht mehr verhindern.
Als er endlich eingeschlafen war, lagen die längst schlummernde Hermine und der Zaubertrankmeister wie ein verheddertes Wollknäuel ineinander verschlungen unter der riesigen, weichen Decke.
OoOoO
Aus den Nebeln des geträumten Durcheinanders bildete sich ein konkretes Bild. Er stand wieder in Minervas Büro, vor ihm Norris und hinter ihm das Geräusch der sich schließenden Tür. Er spürte wieder das reißende Ziehen in seinem Magen, als er mit einem sarkastischen Lächeln einen weiteren Schritt auf Norris zumachte. Die hässliche Frau spuckte ihn an, als er die Formel sprach mit dem sie endgültig ihrer Bewegungsmöglichkeiten beraubt war. Er hob den Zauberstab erneut und murmelte das Notwendige vor sich hin. Ihm wurde wieder übel, als er in seinem Kopf das entsetzliche Schreien von Norris hörte, während er sie gleichzeitig keine Sekunde aus den Augen verlor, damit ihm nichts entgehen würde. Er hatte das Gefühl, daß jede Wärme aus seinem Körper wich, als er in dem Kopf der widerlichen Frau Barrieren fand, an denen er nicht problemlos vorbei kam.
„Hör auf, dich zu wehren. Ich kann es schmerzfrei mit deiner Einwilligung tun..., oder ich tue es ohne deine Einwilligung...", hörte er sich sagen und obwohl er das angstvolle Flackern in ihren Augen sah, spürte er ihren immensen Willen nur wachsen. Er verstärkte seine Anstrengung, aber ohne Erfolg! Mit soviel Gegenwehr hatte er nicht gerechnet, aber es war nicht das erste Mal, daß er in einem Verhör in diese Situation gekommen war und die Lösung war nicht schön, aber simpel. Er hatte keine Wahl, wenn das hier nicht die ganze Nacht dauern sollte. Er berührte sie mit dem Zauberstab an der Wange und einen Moment später riß die Magie die er anwandte, ihr ein Stück aus der Wange heraus. Mrs. Norris schrie gellend auf und das Blut, das erst von ihr weggespritzt und unter anderem auf Snapes Robe gelandet war, lief ihr jetzt in einer erstaunlich breiten Bahn den Hals hinab. Sie jammerte und es stiegen ihr vor Schmerzen und Wut Tränen in die Augen. Als sie trotzdem die Barriere nicht fallen ließ, hob er, ohne, daß sie sich dagegen wehren konnte, mit völlig ausdrucksloser, beinahe unbeteiligter Miene, ihren Arm und machte dort, so daß sie es gut sehen konnte, weiter. Wieder waren die Verletzungen, genau wie die in ihrem Gesicht, keinesfalls lebensbedrohend – aber schmerzhaft – sehr schmerzhaft – und endlich auch effektiv in ihrer Wirkung...
Ihm war kalt... ihm war so unglaublich kalt... er wollte die Augen verschließen und er wollte weglaufen, aber seine anerzogene Disziplin in derlei Situationen hielt ihn, wo er war.
Er musste beobachten, musste noch einmal erleben, was geschehen war, um sicher zu sein. Ihm wurde, was sonst nie geschah, plötzlich bewusst, daß es ein Traum war und obwohl er deshalb trotzdem nicht aufwachte, wurde es erträglicher. Und mit einemmal glitt er aus sich selbst heraus und wurde zum neutralen Beobachter. Es fühlte sich an, als hätten warme Hände ihn gefasst und aus dem Geschehen herausgezogen. Mit großer Verwunderung stellte er fest, wie ihm wärmer wurde, wie die Eiseskälte von ihm abfiel und er ein zwar unwilliger aber nicht mehr persönlich involvierter Beobachter wurde, der sehr viel genauer das gesamte Geschehen, einschließlich des Durchsuchens von Norris' Erinnerungen, beobachten konnte, ohne selbst beteiligt zu sein. Noch nie hatte er mit soviel Ruhe alles noch einmal überprüfen können. Und in der Tat fiel ihm plötzlich das eine Detail auf, das er übersehen hatte, als all dies das erste Mal geschehen war. Der Ort... der genaue Ort! Verborgen hinter den Lokalitäten, die Mrs. Norris soviel wichtiger waren als das, worum es ihr eigentlich hätte gehen sollen! Dankbar ließ er die Traumszene von sich gleiten und brachte es irgendwie fertig, tatsächlich die Augen aufzuschlagen.
Er hatte ein wenig Mühe, sich aus Hermines Umarmung soweit herauszudrehen, daß er die Feder und das Papier neben sich greifen konnte, aber er brauchte nur eine Adresse zu notieren und konnte dann mit einem zufriedenen Seufzen die junge, warme und hin und wieder geradezu nervtötend und aufdringlich liebevolle Frau fester an sich heranziehen, um endgültig in einen erholsamen Schlaf zu sinken, auch wenn dieser nicht mehr allzu lange dauern würde, weil bereits das erste Morgenlicht durch das winzige, hochliegende Fenster zu erkennen war. Sein letzter Gedanke vor dem Zurücksinken in den Schlaf galt der Frage, ob er ihr verraten sollte, daß sie ihm mit ihrer penetranten Rechthaberei geholfen hatte – oder ob dieses Detail besser für sich behielt...
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Das Zitat über dem Kapitel ist erneut aus dem Song "Rumors" von Lindsey Lohan
Ich danke meiner Beta Renate, die sich in diesem Kapitel echt selbst übertroffen hat und den vielen Review-Schreibern, die mich im Moment so dermaßen motivieren, daß ich die Zeit für diese Geschichte finde, obwohl ich eigentlich gar keine zum Finden habe lach - danke! Satia
