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25. Gerüchteküche

„Ginny? Ginny, bist du zu Hause?" Hermine stand im Wohnzimmer von Harrys und Ginnys Haus. Sie hoffte ihre Freundin könnte ihr einige Antworten geben.

„Bin im Garten! Hol' dir ein Glas und setz dich zu mir!" Hermine machte den Umweg über die Küche und fand dann Ginny unter einem Sonnenschirm sitzend, die Füße auf einem zweiten Stuhl, ein Buch im Schoß. Sie hatte das Gesicht der Sonne zugewandt, drehte aber nun den Kopf in ihre Richtung.

„Du bist hoffentlich nicht appariert? Du sollst dich doch schonen!" Hermine zog sich einen weiteren Gartenstuhl heran und lies sich erschöpft fallen. Sie fühlte sich vollkommen erschöpft. Der Heiler hatte ihr strikt untersagt für die nächsten fünf Tage Magie zu verwenden. Sie stützte die Ellbogen auf den Gartentisch und lies den Kopf in die Hände fallen.

„Was ist denn? Du bist ja ganz blass und ...Hermine, soll ich einen Heiler holen?" Ginny begann nervös zu werden. Hermine seufzte und hob den Kopf. „Nein, alles in Ordnung. Nur müde. Ich hätte nicht apparieren sollen. Aber ich muss unbedingt mit dir reden!"

Ginny nahm die Füße vom Stuhl und wandte sich Hermine zu. Als diese nicht weiter sprach goss sie ihr das Glas mit Eistee voll. Ginny schob ihr das Glas hin. Hermine trank einen großen Schluck und fühlte sich gleich besser.

„Ich hatte einen fürchterlichen Streit mit Ash." Sie lachte ungläubig auf. „Unser erster Streit! Und dann auch noch wegen so was Lächerlichem! Gerüchte, die er irgendwo gehört hat. Ich kann es immer noch nicht glauben!"

Ginny sah sie erstaunt an. „Gerüchte? Ashley machte mir nicht den Eindruck als würde er sich den Tratsch und Klatsch der Nachbarschaft anhören." Hermine schüttelte den Kopf. „Nein, das macht er auch normalerweise nicht. Das ist unter seinem Niveau!"

Ginny nickte. Ja, das passte besser zu ihrem Bild von Ashley. „Was für Gerüchte hat er denn gehört?"

Hermine lief rot an. Sie blickte kurz zu Ginny und dann wieder zu ihrem Glas. Vielleicht war Ginny nicht der geeignete Gesprächspartner für das Thema. Sie räusperte sich. „Über mich und...Ron und...Harry..." Das letzte Wort war kaum zu hören.

Ginny kicherte. „Ja, die kenne ich." Hermine sah auf. Ginny nahm das alles sehr gelassen. „Stört dich das denn gar nicht?" Ginny schüttelte den Kopf. „Hey, das ist das ganze Paket, wenn man die Freundin von Harry Potter ist. Gerüchte und Lügen, Anschuldigungen und Neid und ich weiß nicht, was sonst noch."

Hermine sah sie bewundernd an. Das klang schrecklich. Aber sie hatte Harry und Ginny zusammen gesehen. Sie schienen so glücklich – alles von außen schien sie nicht berühren zu können. Hermine holte tief Luft. „Kannst du mir die Einzelheiten erzählen?"

Ginny sah sie genauer an. „Bist du sicher, dass du das alles wissen möchtest?" Hermine nickte entschlossen. „Nun gut. Dann fange ich mal mit den harmloseren an."

Sie lehnte sich in ihren Stuhl zurück und legte die Füße wieder auf den anderen Stuhl. „Also, da haben wir die Geschichte von dir und Ron. Ihr habt euch geliebt, gestritten und du bist nie mehr aufgetaucht. Es gibt unterschiedliche Varianten der Geschichte, die alle um verschiedene Gründe des Streits ranken. Ihr habt euch wegen Harry gestritten. Entweder weil du Gefühle für den Auserwählten hattest oder, die mag ich besonders gerne – weil Ron Gefühle für Harry hatte. Da gibt es diese detaillierte Geschichte, wie du reinplatzt während Ron und Harry...nun ja...sich näher waren als man das so erwartet hätte und deswegen bist du gegangen. Oh, und mich hat Harry nur ausgesucht, weil ich Ron so ähnlich sehe und ja schon fast männlich bin so als Quidditch-Spielerin." Sie verdrehte die Augen. Hermine sah die hübsche Frau vor sich und wunderte sich. Das einzige, dass sie mit ihrem Bruder gemein hatte, war die Haarfarbe und vielleicht die Wangenknochen und das Kinn, aber alles andere? Welcher blinde Idiot hatte den so was in die Welt gesetzt?

Hermine sah sie schockiert an. „Was? Das gibt es doch alles gar nicht! Harry und Ron?" Ginny kicherte. „Du hättest ihre Gesichter sehen sollen, als sie das Gerücht erzählt bekamen. Oh Mann, ich habe George noch nie so schnell rennen sehen. Ich weiß immer noch nicht, was ihn damals gebissen hat es zu erzählen! Mom hat fast einen Herzinfarkt bekommen." Ginny begann nun richtig zu lachen.

Als sie sich wieder beruhigt hatte erzählte sie weiter: „Dann gibt es natürlich auch noch die melodramatische Variante, wo beide Jungs in dich verliebt sind und du nicht zwischen ihre Freundschaft kommen wolltest und gegangen bist."

Da fiel Hermine etwas ein. „Das sind die harmlosen?" Ginny wurde wieder ernst. „Ja, die anderen sind..." Sie seufzte. „es gibt Gerüchte, die sich mehr mit dem Grund deines Verschwindens beschäftigen. Da gibt es die Geschichte, dass du Schwanger warst. Wieder mehrere Varianten. Entweder du wusstest nicht, wer der Vater war – Harry oder Ron – und daher bist du gegangen. Oder Harry war der Vater und du wolltest das Kind als schwarzen Magier erziehen. So im König Artus Stil, so dass dann Harrys Sohn zurückkehren würde und Harry und alles Gute vernichten könnte."

Hermines Augen waren immer größer geworden während dieser Geschichte. „Ich bin Muggelgeboren! Ich habe gegen Voldemort gekämpft! Wer kommt denn auf so eine kranke Idee?"

Ginny zuckte mit den Schultern. „Gelangweilte Idioten. Ich würde mir keine Gedanken machen. Oh, da gibt es noch eine abwegigere: du und Malfoy seit zusammen verschwunden. Aber das hat sich ja jetzt erledigt, weil du ohne ihn wieder aufgetaucht bist."

Hermines Augen wurden groß. „Malfoy? Das ist nicht dein Ernst!" Ginny nickte. „Doch. Er ist ungefähr zur selben Zeit wie du aus dem Land verschwunden. Eigentlich seine ganze Familie. Das Ministerium hat aber ein Auge auf sie. Sie sind wohl in Indien. Da können sie noch hochherrschaftlich leben. Hier kräht doch kein Hahn mehr nach den Malfoys."

Ginny sah sie ernst an. „Seitdem du wieder da bist, hat der Prophet allerdings alle möglichen alten Geschichten ausgegraben. So wie die alten Bilder von dir und Ron. Meist haben sie Harry herausgeschnitten oder die Bilder anders verändert. Jedenfalls seit Rons Trennung von Kate wurden die Artikel eindeutiger. Es wird offen spekuliert, dass du der Grund der Trennung bist. Das Gerücht, dass ihr zwei füreinander bestimmt seit hat wieder Hochkonjunktur."

Hermine lies den Kopf wieder auf die Hände sinken. Hatte Ash das alles gehört und gelesen? Wieso hatte er sie nicht gefragt? Vertraute er ihr nicht?

„Was hat Ashley gesagt?" Hermine hob wieder den Kopf. „Er war schrecklich wütend. Wir haben uns richtig gestritten. Wir haben uns noch nie gestritten!" Ginny biss sich auf die Unterlippe. Hermine hatte sich noch nie mit Ashley gestritten? Das klang so gar nicht nach ihr. „Was denkst du?"

Hermine starrte zu dem Rosenbusch am Haus. „Ich weiß es nicht. Ich denke, er hat ja recht. Unser, mein Leben war in Australien viel geregelter. Wir hatten nie Unstimmigkeiten. Hier bricht die Vergangenheit permanent über uns herein. Das ist verstörend."

Ginny sah sie fragend an. „Dann sind Harry, Ron und ich verstörend für dich?" Hermine sah sie entsetzt an. „Nein! Natürlich nicht!" Sie drehte das Glas auf dem Tisch hin und her.

„Die Gerüchte, die Reporter – das ist verstörend. Ihr, ihr seid wundervoll! Ich liebe meine Arbeit. Hier kann ich endlich etwas bewegen." Ginny sah sie nur schweigend an. Da war noch mehr und sie fragte sich, ob Hermine es ihr erzählen würde. Ob sie es sich selbst schon eingestanden hatte.

Hermine spielte weiter mit dem Glas. „Alte Träume leben wieder auf. Träume, die mich verwirren. Ich weiß nicht, ob sie wieder auftauchen, weil ich sie so lange gehegt hatte oder weil sie wirklich wieder meine Träume sind." Sie sah kurz auf. Ginny sah verwirrt aus.

„Ich meine, ich hatte in der Schule jahrelang..."begann sie zu erklären und wusste nicht, wie sie fortfahren sollte. Dann entschied sie sich für den einfachen Weg. Sie holte tief Luft. „Ich habe für Ron jahrelang heimlich geschwärmt und hatte meine Träume von einer gemeinsamen Zukunft. Jetzt tauchen sie wieder auf und verwirren mich. Ich weiß nicht, ob sie nur auftauchen, weil ich sie immer hatte oder weil ich es mir jetzt wirklich wieder wünsche."

Damit hatte Ginny nicht gerechnet. Sie hatte sich gedacht, dass Hermine und Ron noch Gefühle für einander hegten. Sie hatte schließlich bei jeder passenden Gelegenheit versucht in diese Richtung zu lenken, aber das Hermine es geradeheraus zugab, das war überraschend. Sie wunderte sich, was in der Zeit passiert war, in der Ron Hermine gepflegt hatte.

„Ist etwas passiert, was die Träume aufleben hat lassen?" Ginny versuchte sich vorsichtig heran zu tasten. Hermine grinste sie an. „Nein, es ist nichts passiert. Ron hat zwar meist in meinem Bett geschlafen, aber wir waren ganz brav." Dann verschwand das spitzbübische Grinsen von ihrem Gesicht. „Nein, es war wie immer. Wie früher: die Spannung zwischen uns, die Freundschaft, ein bisschen Flirten. Aber es war eben wie immer! Ach, ich kann das nicht erklären!"

Ginny nickte. „Ich glaube, das brauchst du nicht. Ich weiß was du meinst. Ich habe euch gesehen. Ihr verhaltet euch wie früher – vor dem Krieg." Hermine nickte heftig. „Genau! Und jetzt weiß ich nicht, ob wir nicht einfach in alte Verhaltensweisen zurückgefallen sind, oder ob es wirklich das gleiche bedeutet wie früher."

Ginny nickte. Sie verstand, was Hermine meinte. Ihre gesamte Familie hatte mit der Rückkehr Hermines die Hoffnung verbunden, dass Ron und sie wieder ein Paar werden würden. Aber wie gerecht war das? Die zwei hatten schließlich ein Leben aufgebaut. Wieso sollten sie wieder ein Paar werden, nur weil es so romantisch war? Das war albern. Sie hatten Ashley nie eine Chance gegeben, weil er nicht Ron war. Kate war es genauso gegangen. Niemand könnte je so gut zu Hermine oder Ron passen, wie diese zwei einmal zusammen gepasst hatten. Aber das war ja nur zu erwarten. Sie waren zusammen aufgewachsen, hatten alle möglichen Dinge zusammen erlebt und überlebt. Das hieß aber noch lange nicht, dass sie auch als Paar gut zusammen passten.

Ginny seufzte. Sie bekam Kopfschmerzen. „Hermine? Was hättest du getan, wenn Ron nicht nur brav neben dir geschlafen hätte?" Hermine hatte nicht mit einer solchen Frage gerechnet. Sie überlegte lange bevor sie antwortete. „Die Tage als ich krank war, waren wie aus einem anderen Leben. Wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht einmal an Ash gedacht. Ich war vollkommen zufrieden mit Ron. Aber das war alles so surreal. Ich ...ich weiß nicht, was ich fühle Ginny. Ich weiß nicht, was ich machen soll."

Ginny überlegte, was sie ihrer Freundin raten sollte. „Liebst du Ash wirklich?" Hermine sah sie verzweifelt an. „Ist das nicht die Frage der Stunde?" Hermine wusste es nicht mehr. Sie war sich so sicher gewesen, dass Ash der richtige war. Aber nun hatte sie Zweifel. Es fehlten die Funken und das Kribbeln. Aber brauchte man das für eine dauerhafte Beziehung überhaupt?

„Ginny? Kann ich dich was fragen?" Ginny lachte. „Nach dem Gespräch fragst du das noch?" Hermine lächelte. „Bei dir und Harry ..." Ginny sah sie auffordernd an. „Als ihr zusammen kamt, da gab es doch sicher das berühmte Kribbeln und so..." Hermine wusste nicht, wie sie das ausdrücken sollte.

Ginny lächelte schwärmerisch und nickte. Hermine biss sich auf die Unterlippe, dann sagte sie schnell. „Wann hat das aufgehört?" Ginny sah sie verwirrt an. „Wie, wann hat das aufgehört?" Hermine sah sie nervös an. „Naja, das kann doch nicht mehr so wie am Anfang sein. Irgendwann hat man sich doch aneinander gewöhnt."

Ginny sah an ihr vorbei zu einem Punkt im Garten. „Nein, es ist nicht mehr so wie am Anfang. Aber wenn ich abends Heim komme und Harry wartet auf mich, oder wir treffen uns irgendwo, dann bekomme ich wieder das Kribbeln. Und wenn er mich küsst, dann ist das immer noch so schön wie am Anfang. Es ist sogar besser wie früher, weil wir uns kennen, vertrauen – ich kann das schwer erklären, aber meine Beziehung zu Harry ist jedes Jahr besser geworden und dabei habe ich nicht das Gefühl das überhaupt Jahre vergangen sind."

Sie sah Hermine an und lächelte entschuldigend. „Das macht nicht viel Sinn, oder?" Hermine zuckte mit den Achseln. „Als wenn ich heute viel Sinn gemacht habe!"

Die zwei Frauen saßen stumm beieinander und hingen ihren Gedanken nach. Hermine versuchte das Gehörte mit ihrer Beziehung zu Ash zu vergleichen. Es hatte nie viel Kribbeln gegeben, mehr ein stilles Verstehen. Sie hatte sich nie so unter Druck gefühlt wie bei anderen Männern. Sie musste ihre Intelligenz nicht verstecken und konnte ihre Haare auch einmal ungestylt zeigen. Das war angenehm gewesen. Nun fragte sie sich, ob ihre Beziehung nicht auf falschen Beinen stand.

Wieso vertraute er ihr nicht und lies sich durch Gerüchte und Zeitungsartikel so aus der Ruhe bringen? Oder hatte Ron ihn aus der Ruhe gebracht?

Sie war müde und hatte Kopfschmerzen.